2006 Picardie, Larzac, Normandie

Die Tempelritter

Unsere Romanbuchautoren und Hollywood-Regisseure haben es neu entdeckt: Das Mittelalter. Keine schlechte Sache. Es lohnt sich gewiß, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, denn der Mensch ist, was die Vergangenheit aus ihm gemacht hat.

Darum muß jetzt nicht jeder zum Gralsforscher werden. Ein bißchen Beschäftigung mit der Materie kann aber nicht schaden. Es gab sie wirklich, die geheimnisvollen Tempelritter.  Zwar kursieren allerlei Gerüchte um diese Soldatenmönche, aber auch die Fakten sind spannend genug.

Anno Domini 1119 von Hugo de Payns gegründet, 1129 von Abt Bernard de Clairvaux, dem Zisterzienser, mit Regeln ausgestattet, waren sie nur dem Papst unterstellt. Sie durften keinen persönlichen Wohlstand erwerben und lebten wie Mönche in Ordenshäusern, sog. Commanderies .

 

Templerkapelle in Metz, Dept. 57 Moselle, Lorraine

Ich bin seit Frühjahr 2005 den Spuren dieses Ritterordens nachgegangen, vor allem in Frankreich, wo die Templer die meisten Güter besassen. Sie bekamen sie sehr häufig geschenkt. Von begüterten Menschen. Die hofften, damit einen Beitrag für ihr Seelenheil zu leisten. Es war die Zeit der Kreuzzüge. Alle Christen waren aufgefordert, daran nach Kräften teilzunehmen.

Wer nicht selbst „das Kreuz nehmen“ konnte oder wollte, stiftete halt z.B. den Templern. Und die wurden innerhalb kürzester Zeit zu einer der mächtigsten Institutionen des Mittelalters. Sie hätten es mit drei Königreichen aufnehmen können. Es gab noch weitere geistliche Ritterorden, allen voran die Johanniter (später Malteser). Es folgten die Ritter vom Deutschen Orden und etwa noch die Ritter des heiligen Grabs von Jerusalem.

Wer in den Orden eintrat, mußte ein Gelübde ablegen. Das geschah an Orten wie diesem:

 

Chapelle des Templiers in Laon,  Dept. 02 Aisne, Picardie

Bei diesen Einweihungsriten soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, wurde den Rittern vorgeworfen. Aber dazu später mehr…

Die lokalen Verwaltungseinheiten, die Commanderies waren über ganz Frankreich verstreut, die Zahlen gehen in der Literatur weit auseinander. Mehrere hundert waren es bestimmt. Viel übrig geblieben ist heute nicht mehr. Die Gebäude sind verfallen, sie sind abgerissen, umgebaut oder anderen Zwecken zugeführt worden.

Die Suche nach ihnen ist nicht recht einfach. Die Ortsnamen, unter denen man sie kennt, sind mitunter in Landkarten nicht verzeichnet. Viele Templerkapellen dienen heute als Stallungen, auch als Garagen für Traktoren. Sogar Autowerkstätten soll es geben. Mancher Grundstückseigentümer legt vielleicht auch keinen allzu großen Wert darauf , dass auf seinem Gelände Hobby-Archäologen und Schatzjäger herumtrampeln. Schilder gibts zumeist nicht und die Eintragungen in mehr oder weniger guten Karten verschiedener Bücher sind oft nur ein Kreuz irgendwo in der Gegend.

Commanderie Mont de Soissons, Serches, Dept. 02 Aisne

(auf keiner Karte verzeichnet, es ist auch nur der Bauernhof, der diese Ortsbezeichnung trägt)

 Die Kapelle – ein Stallgebäude

(erst nach dem dritten Abteibier hat der dann doch etwas freundlicher gewordene Wirt seinen Sohn gerufen, und der konnte mir beschreiben wie ich zu dieser Commanderie finde.)

Die Templer im Larzac

 

Im Larzac, im Süden Frankreichs, waren die Templer die größten Grundbesitzer. Sie züchteten Forellen, Schafe und Pferde. Sie bauten Getreide an, stellten Mühlen. Sie zierten sich nicht, Dinge anzufassen, aus denen man irgendwie Geld machen konnte. Das war kein reiner Selbstzweck. Sie schafften ihre Erzeugnisse, oder den Erlös, nach  terre sainte, in das sog. heilige Land. Nachschub für die Waffenbrüder vor Ort. Zumeist wurde der Hafen von Marseille für solche See-Transporte benutzt. Marseille gehörte damals noch nicht zu Frankreich. Das  Rhonetal bildete im Südosten die Grenze.

Der Larzac ist nicht gerade die von der Natur am reichsten beschenkte Gegend, aber die Ritter waren recht tüchtig. Sie konnten mit allem etwas anfangen. In der Region Charente/Poitou zum Beispiel haben sie ein riesiges Marschland (sog. Marais) mit aufwändigen Kanalsystemen entwässert. Im Foret du Temple, östlich von Troyes, Dept. 10 Aude, der alten Hauptstadt der Champagne, haben sie komplizierte Wassergräben installiert. Auch der Bezirk Temple in Paris, der Hauptsitz der Templer in Frankreich mußte zunächst entwässert werden. Überall sollen sie zu dem unterirdische Gänge, Kavernen und sonstige Räume angelegt haben. Fakt ist, sie hatten tüchtige Handwerker und Architekten. Sie hatten Weitsicht und Geld, um die Umgebung ihren Bedürfnissen entsprechend umzubauen.

Im Larzac gibt es mind. drei bedeutende Templerorte, La Couvertoirade, La Cavalerie und das Hauptquartier: Ste. Eulalie de Cernon, oder auf okzitanisch Sent Aulayro del Lorzac:

 

Ste. Eulalie de Cernon, Dept. 12 Aveyron, Midi Pyrenees

Die Kirche der Commanderie

 

Das Hauptschiff ist aus der Templerzeit. Die Johanniter haben aber die Richtung des Schiffes von Ost nach West umgedreht.

Bleiben wir noch im Larzac. La Cobertoirada: Die mit Steinen bedeckte Stadt. Man darf sich nicht täuschen lassen. Das, was man heute dort zu sehen bekommt, stammt zumeist nicht mehr aus der Templerzeit. Dieser Ort ist – mit den meisten Besitzungen der Templer – an den Johanniter-Orden überstellt worden. Der hat die Jahrhunderte überdauert. Der Krieg im 14 Jahrhundert mit England verlangte die Errichtung von Stadtmauern und Verteidigungstürmen, die alle nicht aus der Templerzeit stammen.

 

La Couvertoirade, Dept 12 Aveyron, Midi Pyrenees

 

Ställe, Scheunen, so was hält nicht ewig oder wird zu klein. Zumeist haben nur die Kirchen oder Kapellen, die nur deswegen die Jahrhunderte überstanden, weil sie immer wieder instandgesetzt wurden.  In diesem Ort gibt es eine bedeutende Sammlung von Grabstelen der Templer:

 

Vorgeworfen wurde den Templern auch, sie hätten Götzen angebetet, Idole. Es ist von Köpfen die Rede, von abgeschlagenen, aus Stein oder Metall, Holz oder Leder, mit zwei oder drei Gesichtern, mit Füßen dran oder auch nicht. Die hätten sie verehrt, angebetet.  Sogenannte Baphomets.  Ist das so ein garstiger Baphomet? Mußten die Templer deswegen auf den Scheiterhaufen?

Der hier ist jedenfalls nicht von den Templern da angebracht worden, denn die Kapelle von La Cobertoirada ist aus der Zeit der Johanniter. Die Templerkapelle wurde nämlich  zu klein.

Manche meinen, diese Grimasse könnte Bezug zu den Kelten haben, zu dem Gott Cernunnos, dem grünen, dem gehörnten Gott der Natur. Dafür spricht der Name des nahen Flüßchens, Cernon. (Das ist jetzt übrigens mal ne Entdeckung von mir, hoffe ich. Das hat nämlich noch keiner der Templerautoren behauptet, soweit ich weiß) Aber haben die sich die Johanniter von der Kelten inspirieren lassen? Oder haben die Johanniter diesen Stein aus dem Schutt der vormaligen Templerkapelle geholt, und ohne zu wissen, was es ist, hier aufgehängt?

Solche Fragen mögen sich vor allem US-amerikanische Autoren und Redakteure kanadischer (!) Tempelrittermagazine stellen. Wer sich in Europa mit ein bißchen offenen Augen herumbewegt, erkennt solche oder ähnliche Fratzen auch vielen anderen romanischen Kirchen oder Kapellen. Macht bei euch daheim mal die Augen auf. Ihr werdet staunen.

Dann gibts noch La Cavalerie. Hört sich militärisch an, und das nicht erst seit gestern. Dort befinden sich heute noch bedeutende Militäreinrichtungen und ein Militärflugplatz. Wie der Name schon verrät, es dürften dort wohl vor allem Pferde gezüchtet worden sein. Die typischen Gebäude dieser Stadt scheinen ihre Zweckbestimmung ebenfalls zu verraten:

 

 

oben: die typische Landesarchitektur, die es m.E. nur auf dem Haut Larzac gibt..

und so sieht das obige, sehr zukünftige Tourismus-Büro derzeit noch von innen aus. Ein Pferdestall. Oder?

Dummerweise haben die Anklagebehörden auch nie irgendwelche Baphomets gefunden. Also weder welche aus Leder, noch aus Holz. Haben die ach-so-schlauen Templer ihre Verhaftung vorausgeahnt? Und alle Lederköpfe verschwinden lassen?

Oder sind die Anklagebehörden (aus welchen Gründen auch immer) vielleicht nur einer dumpfen Hysterie verfallen.  War es nicht sehr praktisch, diese überaus vorlaute und machtvolle Truppe etwas zu stutzen?  Was gabs da bewährteres, als sie ein bißchen zu verleumden? Die beten schwarze Katzen an und spucken aufs Kreuz!!!

Fakt: Die Templer haben tatsächlich aus dem Orient bestimmte Katzensorten eingeführt und sie in Westeuropa heimisch gemacht. Diese Katzen waren nämlich  verdammt gute Mausefänger. So was gab s bisher hier nicht.  Die Templer haben diesen Tieren wohl auch deshalb gewisse Verehrung entgegengebracht:

 

Fakt ist: Nachdem die Gefängniswärter mit den Verhören fertig waren, haben die gefangenen Templer so gut wie alles „gestanden“ was man von ihnen hören wollte. Es hat niemand behauptet, dass man in den Verhören sonderlich zimperlich mit den Leuten umgegangen ist. Die „Ermittler“ sahen ihre Aufgabe darin, aus Verdächtigen Schuldige zu machen.

Jetzt wird oft eingewandt, an den Aussagen müsse etwas dran sein, weil sie so oft übereinstimmen würden. Das Argument ist m.E. nicht stichhaltig. Die Beamten des Königs hatten einen regelrechten Fragenkatalog abzuhandeln gehabt. Der war vorher schon wohlerwogen worden. Verehren Sie Katzen? oder Köpfe? Spucken Sie aufs Kreuz? Haben Sie homosexuelle Handlungen über sich ergehen lassen?

Wer würde angesichts der Horrorwerkzeuge in mittelalterlichen Verliessen nicht gerne jeden Unsinn gestehen, nur damit es aufhört. Als die Leute dann hinterher Einzelheiten über das Götzenbild erzählen sollten, hat jeder irgendetwas anderes erzählt.

Der Anfang vom Ende: Die Verhaftung

 

Am 13.10.1307 wurden alle Tempelritter in Frankreich auf Befehl des Königs Philipp IV, genannt le bel , der selbsterwählt schönste Mann des Mittelalters verhaftet und festgesetzt. Einen Monat vorher hatte er in alle Bezirke seines Landes versiegelte Nachrichten verteilen lassen, mit der Maßgabe, dass sie erst am frühen Morgen dieses Freitags, dem 13. Oktober 1307 geöffnet werden dürfen.

Doch was ein Pech! Wo ist der legendäre Schatz der Templer? Wo sind die Götzenbilder? Die Beweise homosexueller Ausschweifungen? Das war ne herbe Enttäuschung für den König. Er hatte ernsthaft gehofft, er würde mit einem Schlag reich und aller Sorgen entledigt sein. Er hatte ein Jahr zuvor in den Mauern des Temple Schutz gesucht und gewährt bekommen, sonst hätte ihn die Pariser Bevölkerung in der Luft zerrissen. Er hatte grad mal wieder das Geld verschlechtert, um seine ewige Finanznot zu lindern. Im Temple, als Gast der Tempelritter, sah er dann, was die für Geld hatten. Er hatte sich ständig bei den Templern Geld leihen müssen. Die Juden und die lombardischen Kaufleute hatte er schon ausgepresst. Da gabs nix mehr. Also her mit dem Templergeld.

Doch da war komplett Ebbe in der Kasse. Alles weg. Dem Komtur des Tempels von Frankreich, Gerard de Villiers war die Flucht gelungen! Wußte er Bescheid über die geplante Verhaftung? War es seine vielleicht sogar vorbestimmte und vorausgeplante Aktion, dem König wenigstens die erhoffte Beute zu entreissen?

Der Templer Jean de Chalons wird später bei seinem Verhör zu Protokoll geben, am Vorabend der Verhaftung seien 40 Ritter mit drei großen mit Heu bepackten Karren aus dem Bezirk des Temple in Paris herausgelangt. Und die Last sei auf 18 Schiffe der Templer umgeladen worden. In La Rochelle (tatsächlich hatten die Templer dort ihren großen Atlantikhafen) oder hoch an die Küste der Normandie.

Seitdem reißt die Sehnsucht der Menschheit um den sagenhaften Schatz der Templer nicht ab.

Liegt er vielleicht hier, unter der Burg in einem künstlichen Hügel, der von unterirdischen Gängen nur so strotzt? In Gisors?

Chateau de Gisors, Dept 27 Eure, Haute-Normandie

Es ist nur ca. 40 Km nordwestlich von Paris entfernt und wäre mit Ochsenkarren leicht zu erreichen gewesen. Es wird ja auch gemunkelt, dass das eine Templerburg sei, ganz klar, wie man an der zwölfeckigen (!) Bauweise erkenne, war das doch bestimmt ein obskures Observatorium…

Dagegen spricht viel. Die Templer haben die Burg nicht gebaut.  Es ist eine typisch normannische Burg, sog. Bailley-und-Motte. Die Templer hatten dort mal für einige Monate eine Garnison stationiert, um einen Streit zwischen Frankreich und England zu schlichten. Gisors liegt genau an der Grenze zur Normandie und die gehörte zu England. Als die Templer verhaftet wurden, gehörte die Burg seit mehr als hundert Jahren aber wieder dem König von Frankreich. Und dem wollten die Templer entfliehen. Hundert Meter hinter Gisors hätte für die Templer die Freiheit, nämlich die Normandie und damit das Königreich England begonnen. Und bei den Engländern hatten die Templer noch was gut. Und da verbuddeln sie, statt die Flucht in wenigen hundert Metern zu beenden,  schnell noch ihren Schatz unter den Füßen der Soldaten des Königs von Frankreich?

In den vierzigern und fünfzigern hat dennoch ein Angestellter der Stadt Gisors heimlich in diesem fragilen Hügel herumgewuchtet und tonnenweise Erdreich rausgeholt. Ja, er, Roger Llomoy,  habe sie gesehen, die Särge der Templer und metallene Schatzkisten, so weit das Auge reicht! In den sechzigern hat die Regierung mal kurz reingeschaut, keinen Schatz gefünden und die bedenklichen Tunnels sofort mit Beton ausgepumpt. Einsturzgefahr. Für ein okkultes Observatorium gibts keine Beweise. Die Mauersegmente sind nach meinen Feststellungen unterschiedlich lang und auch nicht regelmäßig gewinkelt. Wenn das ein Fernrohr sein soll, hat es m.E. einen Knick in der Optik.

(Literaturhinweis: Jean Markale: Gisors et lÉnigme des Templiers, 1986, Edition Pygmalion)

Sind sie vielleicht nach London geflohen und haben dort den ganzen Plunder gebunkert? Zumindestens gibts in London eine der größten Templerkapellen in ganz Europa zu bestaunen. Man soll nicht denken, nur weil diese Kapelle rund ist, sei das typische Templerarchitektur. Die gibt es nicht, als solche. Die Templer haben sich beim Bau ihrer Kapellen am Zeitgeschmack orientiert oder übernommen, was man ihnen gegeben hat. Drum gibt es achteckige, runde, viereckige oder auch sonstwie gebaute Templersachen.

The Temple Church, London

Das  Geheimnis von …

 

Oder haben die Templer ihre sagenhaften Schätze hierher gebracht, nach dem über alle Ländergrenzen hinaus weltweit bekannten berühmt berüchtigten

Rennes-le -Chateau,  Teil 1

Es gibt garantiert kein weiteres Dorf auf der ganzen Welt, über das so viele Bücher geschrieben worden sind wie dieses kleine Dorf in den östlichen Pyrenäen, mit derzeit wohl nicht mehr als 50 Einwohnern:

Rennes-le-Chateau, Dept. 11 Aude, Languedoc-Roussillon

Chateau d`Hautpoul

In diesem Schloß wohnte bis zu ihrem Tode, am 17. Januar 1781, Marie de Negre Dame de Hautpoul de Blanchefort. Auf ihrem Grabstein gibt es recht herbe Rätsel. Es gibt falsche, fehlende und überflüssige Buchstaben. Sie ergeben die Worte „Mort“ und „Epee“, also Tod und Schwert. Am Schluß sollte, wie immer, Requiescat in Pace stehen, sie möge in Frieden ruhen. Hier sind die Worte falsch getrennt:

REQUIES

CATIN

PACE

Das „Catin“ unten rot umrandet, heißt in lateinisch Schale, auf italienisch Waschbecken. Auf französisch hat es eine sehr ordinäre Bedeutung, aber das möchte ich uns hier ersparen. Das Becken, in dem Maria Magdalena die Füße des Jesus gewaschen hat? Ein Grals-Gefäß? Warum hat man das Wort so plakativ herausgestellt?

Rund hundert Jahre später lebte hier der legendäre Abbé Berenger Sauniere, der an Gräbern rumgewerkelt hat, bis ihm die Verwaltung einen Rüffel erteilte und der schlagartig wohlhabend wurde. Die Quellen seines Reichtums offenbarte er nicht. Er muß nicht mehrfacher Millionär geworden sein, was vielfach gerne behauptet wird. Es gelang ihm aber, die übernommene marode Kirche auf einmal recht aufwändig renovieren zu lassen.

Über Geschmack läßt sich bekanntlich trefflich streiten. Aber ein Teufel, der des Weihwasserbecken trägt? Die Engel sagen: „Par ce signe tu LE vaincras“ Das LE gehört da nicht rein. Gewöhnlich lautet der Spruch: Durch dieses Zeichen (gemeint ist das Zeichen des Kreuzes) wirst du siegen. Und nicht IHN  besiegen. Wen? Den Teufel da unten? Manche sagen, es sei nicht der Teufel, sondern ein Asmodäus, nach der jüdischen Legende angeblich der Wächter verlorener Schätze. Ein Knabe auf dem Kreuzwegbild hat ein schottisches Plaid, eine blaugrün karierte Kniedecke umgelegt. Die Freimaurer, die geheimen Erben der Templer in Schottland?

In der Kirche gibt es Heiligenfiguren, wie woanders auch. Hier gibts eine Germaine, gegenüber einen Rochgegenüber einen Antonius von Padua, gegenüber den Antonius, den Eremiten und am Schluß trifft man auf Luc.

Verbindet man die Statuen mit einer gedachten Linie, hat man bis dahin ein perfektes M auf den Boden gemalt, wie Maria Magdalena. Und aus den Buchstaben der Heiligen ergibt sich das Wort GRAAL, französisch für Gral. Sind nicht die Tempelritter die Hüter dieses Grals? Nach Wolfram von Eschenbach, dem Autor des Parzifal und damit einer der frühen Gralsdichtungen waren sie es. Wußte Sauniere etwas vom Gral? Warum verehrte er vor allem Maria Magdalena? Und baute ihr zu Ehren einen Neugotischen Turm?

Mit seinem schmalen Einkommen als Pfarrer hätte sich der gute Abbé jedenfalls  so etwas extravagantes nicht als Biblothek leisten können.

La Tour Magdala.

Hat er also den Schatz der Templer gefunden? In der Nähe seines Ortes gibt es die Ruinen eines Chateau de Blanchefort. Hieß so nicht ein Großmeister der Tempelritter von 1156 bis 1169? Ein gewisser Bernard de Blanchefort, ein Urahn der Lady Hautpoul, war einst Besitzer dieses Schlosses. Und die Gegend strotzt geradezu von unterirdischen Gängen, Tunnels, Kavernen, Schächten und Stollen. Es gab Bergwerke, aber auch natürliche Schächte, sogenannte Avens. Und die sind nicht nur sehr tückisch. Sie sind lebensgefährlich. Man kann gut hundert Meter senkrecht in die Tiefe stürzen. Das haben schon einige Freizeitforscher geschafft. Gefunden hat den Templerschatz bisher dort noch niemand.

Am Ortseingang steht ein Schild: Grabungen verboten!

und doch wird es immer wieder versucht.

Eine Kleinigkeit stimmt auch nicht. Der Großmeister der Templer hieß Bertrand. Und auch nicht de Blanchefort, sondern de Blanquefort. Gut, aber muß man sich daran stören? Heißt nicht ein Flüßchen am Fuße des Chateau „Blanque“? Das ist doch nur ne Kleinigkeit? Ein Schreibfehler. Vielleicht. Aber der Großmeister kommt, wie man weiß, nicht aus der Aude-Region. Sondern aus dem Bordelais. Ausserdem ist die Namensähnlichkeit nicht signifikant. Es gibt auch sonst noch viele „Weisse Burgen“ in Frankreich.

Den Templern aus der Region, (es gab sie gewiß, sie waren wie gesagt, weit verteilt) sei die Flucht gelungen, weil das Land zu der Zeit noch  zu Katalonien gehört haben soll und damit dem Zugriff des Königs von Frankreich entzogen war. Vielleicht stimmts.

Vor zwei Jahren ist mit einigem Aufwand ein Templermuseum in Esperaza aufgemacht worden. Leider gibts das nicht mehr. Die Forscher sind wohl etwas davon abgerückt, einen Templerschatz zu vermuten.

Abbé Berenger Sauniere, geboren 1852 in Montazels

gestorben am 22. Januar 1917,

Aber damit ist das Rätsel um Rennes-le-Chateau noch nicht gelöst. Es werden also noch weiter hunderte von Büchern geschrieben und verkauft. Rätsel gibts da unten mehr als genug. Ayman Abdallah von „Welt der Wunder“ meint, Pfarrer Sauniere habe Messen verkauft, und das sei erwiesen. Damit sei der Reichtum erklärt. Für mich nicht. Wieviele Messen soll er denn verkauft haben, für damals 1 Franc 50 centimes pro Messe. Und an wen? Damals gabs noch kein Internet und keine Online-Überweisungen. Er hätte in ganz Frankreich die Werbetrommel rühren und die Leute hätten mit dem Geldbriefträger bezahlen müssen. Wie viele Messen muß man vertkaufen, um sich eine Villa, eine Bibliothek, ein Wintergarten, jede Menge Grundstücke und eine Kitsch-Kirchenausrüstung zu kaufen? Wieviele Leben braucht man dafür?

Die Suche dort wird weitergehen, aber wir kommen ja langsam vom Thema ab…

 

 

3 Gedanken zu „2006 Picardie, Larzac, Normandie

  1. Claude Fox

    Hallo,

    ich werde nach Laon fahren um einige ehemalige Templerbesitzungen zu besichtigen. Auf meiner Liste stehen : natürlich die Kapelle von Laon, Mont-de-Soissons, Catillon du Temple, Puisieux? und eventuell noch Moissy-Le Temple. Kennst Du ausser Laon und Mont-de-Soissons die anderen Orte? Kannst Du mir vielleicht eine Wegbeschreibung für Mont-de-Soissons geben?

    MfG

    Claude

    Antworten
    1. Isabella

      Es gibt auch Chartres, Paris,…. zu besichtigen.Von den Templern ist glaube ich der Nödrliche Teil am interessantesten zu besichtigen. 😉

      Antworten
    2. markus

      Hallo Claude Fox,

      leider habe ich Ihre Frage erst heute bemerkt. Ich entschuldige mich für meine Unaufmerksamkeit. Waren Sie inzwischen auf dem Mont-de-Soissons? Oder gar in Moissy-le-Temple? Da möchte ich nämlich auch sehr gerne hin…

      Vile Grüße Markus Menzendorff

      Antworten

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