2006, Languedoc

 Das Geheimnis von Rennes-le-Chateau, Teil 2

Der gute Abbé Berenger Sauniere hatte schon als Kind Tuchfühlung mit dem geheimnisvollen Ritterorden erlangt. Wie wir per Zufall bei unserer  Templer-Expedition im Juni 2006 herausfanden, befindet sich in der Nähe seines Geburtortes Montazels eine winzige Gemeinde des Namens Croux.  Die Gemeinde ist in keinem uns bisher bekannten Verzeichnis von Templeranwesen gelistet.  Aber Name der Hauptstraße verrät es:

Ein paar Schritte weiter fanden wir eine kleine Kapelle der Templer mit steinernen sog. Tatzenkreuzen.

Chapelle des Templiers, Croux, Dept. 11 Aude

Die Kapelle wurde erst kürzlich renoviert. Vorher war sie in einem ruinenhaften Zustand. Als Abbe Sauniere schon Pfarrer war, führte er Prozessionen hier herauf.

 

Aber in der Nähe von Rennes-le-Chateau befinden sich noch weitere Stützpunkte der Templer. Etwa das Städtchen Champagne-sur-Aude. Dort errichteten die Templer in  der Nähe des Flusses Aude an einer Brücke, die vermutlich aus der Römerzeit stammt, eine Ansammlung von Häusern mit einem annähernd achteckigen Grundriß. Die Kirche war Bestandteil dieses Ensembles und ihr Turm diente zugleich als Donjon (Bergfried). Diese achteckige Gebäudekomplex war zur Templerzeit mit einem wassergefüllten Graben umgeben.

Der Eingang in den Gebäudekomplex:

Campagne-sur-Aude, Dept. 11 Aude

(Kirchturm und Donjon)

Es dürfte erwähnenswert sein, dass sich unter dieser Ansiedlung wieder einmal weit verzweigte unterirdische Anlagen und Verstecke befinden.

Den Templern wurden diese Güter von lokalen Adligen, der Familie de Voisins, Seigneurs de Rennes und der Familie d`Aniort, Seigneurs de Bézu übertragen.

Folgt man der Spur des letztgenannten  Namens , wird man ca 6 Km weiter südwestlich erneut fündig. Es gibt dort einen Berg des Namens Bézu. Über den Namen wurde viel gerätselt. Er soll von der früheren Bezeichnung „albedunum“ abgeleitet sein. Die Silbe „dun“ könnte auf das keltische Wort für Burg, umfriedeter Hof zurückgehen, die Silbe „albe“ vielleicht auf das lateinische Wort für weiß, bleich. Man nimmt an, dass es sich um eine galloromanische Wortschöpfung handelt. Ein erneuter Bezug zu dem Ortsnamen Blanchefort?

Die Templer sollen am Fuße des Berges, der eine von ihnen zeitweise innegehaltene Burg trägt , westfälische Bergleute angesiedelt haben. Erstens, weil sie Erfahrungen im Bergbau mitbrachten und zweitens, weil sie der Bevölkerung aufgrund der Sprachbarriere nicht mitteilen konnten, was sie da eigentlich taten. Das weiß bis heute niemand genau.

Folgende Fakten sind gesichert:

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Seit der Antike ist aus u.a. griechischen Quellen (Strabon) bekannt, dass die Gegend um den Bézu reich an natürlichem Vorkommen von Silber und Gold ist.

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Es sind in der Gegend immer wieder größere Goldklumpen aufgetaucht, etwa eine halbgeschmolzene Statuette und ein größer Klumpen zusammengeklebter Goldmünzen. Eine adlige Geldfälscherbande trieb ihr Unwesen und die brauchten für die Prägung ihrer nicht autorisierten Münzen Rohmaterial.

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Es gab rund um die hier interessierenden Ortschaften seit der Antike Bergbau, man sieht zahlreiche Stolleneingänge aus verschiedenen Epochen und die Wanderkarte enthält Einträge wie „anciennes mines“ und dort entsprechende Gebäudereste.

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Im 1700 wurde ein staatlicher Grubeninspektor, ein gewisser Cesar d`Arcon, in die Gegend geschickt, um zu ermitteln, ob sich die Ausbeute noch lohnen würde.

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Im Umkreis von 50 Kilometern befinden sich Silber- und Goldminen, in denen heute noch der Abbau dieser Edelmetalle lohnt und deshalb industriell betrieben   wird. (m.E. die einzigen Edelmetallminen in Frankreich)

 Die archäologischen Befunde können die These durchaus stützen. Am Fuße des Bergs Bezu gibt es eine kleine Ansammlung von Häusern mit dem Namen „Les Tipliers“. Diese erreicht man nur über einen Schotterweg:

ES WIRD NOCH EINMAL AUSDRÜCKLICH AUF FOLGENDES HINGEWIESEN:

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IN DEN UNTERIRDISCHEN SYSTEMEN DER REGION BESTEHT AKUTE LEBENSGEFAHR!

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VIELE HOBBYHÖHLENFORSCHER FANDEN DORT SCHON DEN TOD

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ES BEFINDEN SICH DORT NATÜRLICHE UND KÜNSTLICHE SCHÄCHTE VON HUNDERT METERN TIEFE!

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DIE HÄUSER VON LES TIPLIERS SIND HEUTE PRIVATBESITZ UND NICHT ZU BESICHTIGEN!

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EIN SCHILD WEIST ZUDEM DARAUF HIN, DASS GRABUNGEN SECHSTELLIGE GELDBUSSEN UND FREIHEITSSTRAFE BIS ZU DREI JAHREN NACH SICH ZIEHEN KÖNNEN.

(Les Tipliers)

Jetz kam der anstrengende Teil, nämlich der Aufstieg zu Berg le Bézu und zur Burgruine. Nach dreißig atemberaubenden und schweißtreibenden Minuten Marsch gabs zur Belohnung einen schönen Ausblick:

Auch das Herumturnen auf der Schlossruine ist nicht ungefährlich. Sie ist nicht erschlossen. Abgründe, schlechte, rutschige Wege und Geröll. Dafür kostet es auch kein Eintritt.

Die ehemalige Chapelle der Burg, ein für die Gegend typischer Rechteckbau. Der Blick ist vom Eingang auf die Altarnische gerichtet:

 

Das Rätsel über das Geschick der Templer dieser Besitzung ist immer noch ungelöst. Sie sollen auf rätselhafte Weise ihrer Verhaftung durch die Beamten König Philipps entkommen sein. Über die Gründe wird viel spekuliert.

Es ist richtig, dass die Templer im Bezu-Tal von Spanien aus kontrolliert wurden, im Gegensatz von der Besatzung der nur wenige Kilometer entfernten Commanderie von Campagne-sur-Aude.

Das erklärt  m.E. nicht stichhaltig, warum sie deshalb verschon worden sein sollen . Denn im Königreich Aragon (zu dem die heutige spanische Provinz Catalunya damals überwiegend gehörte) wurden die Templer auch verfolgt und verhaftet, allerdings etwas später.

König Philipp soll sich als Junge einmal hier in der Gegend aufgehalten haben. Möglicherweise hatte er damals persönliche  Kontakte geknüpft? So feinfühlig war Philipp aber sonst auch nicht. Den letzten Großmeister der Templer, Jacques de Molay, hatte der König noch am Vorabend seiner Verhaftung zu einem Familienfest eingeladen.

Auch diese Spur bleibt weiter rätselhaft.

Die größte Commanderie der spanischen Templer in der Region – neben der in  Perpignan – hieß „Mas Deu“. Ein König von Aragon soll sich dort so wohl gefühlt haben, dass er praktisch Dauergast war. Er schätze Die Kunst des Minnegesangs und angeblich besonders die Weinvorräte unserer tapferen Tempelritter.

Die Gebäude sind verfallen und nicht zugänglich. Sie werden als landwirtschaftliche Nebengebäude verwendet:

Commanderie Mas Deu, Trouillas, Dept. 66 Pyrenées Orientales

(Das Foto ist eine Leihgabe der Buchautorin

Sabina Marineo

[vielen Dank nochmal nach dort] und die weitere Verbreitung oder Veröffentlichung dieses Fotos ist ausdrücklich untersagt.)

(Literaturhinweis: Les Templiers du Bezu, Abbé Maurice Rene Mazieres, 1984, Philippe Schrauben Editeur)

to be continued….

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