{"id":15,"date":"2013-09-02T10:47:17","date_gmt":"2013-09-02T08:47:17","guid":{"rendered":"http:\/\/menzendorff.de\/?p=15"},"modified":"2019-04-21T11:30:00","modified_gmt":"2019-04-21T09:30:00","slug":"2007-sueddeutschland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/menzendorff.de\/?p=15","title":{"rendered":"2007 S\u00fcddeutschland"},"content":{"rendered":"<p><b><span style=\"font-size: xx-large;\">3. Die Templer in S\u00fcddeutschland<\/span><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Quelle der Templeranwesen in Deutschland liefert Ferdinand Wilcke in seinem immer noch un\u00fcbertroffen zuverlassigen Grundlagenwerk \u00fcber die &#8222;Tempelherren&#8220;, 2. Aufl. 1860 das oben bereits zitiert wurde. Er sch\u00f6pfte der Sekund\u00e4rliteratur nach aus Grundlagen, die ihm umfangreich in Form vieler Originaldokumente zur Verf\u00fcgung gestanden haben sollen. Da ihm h\u00e4ufig Manuskripte mit alten Handschriften vorlagen, schlichen sich zahlreiche Schreibfehler ein.<\/p>\n<p>Wir hatten oben schon gesehen, dass es im Bereich Hohenlohe kein &#8222;W\u00f6lfingen&#8220;, so aber Wilcke, aaO gibt und auch nicht gab, wohl aber ein Gemeindeteil von Boxberg mit dem Namen W\u00f6lchingen. F\u00fcr BAIERN gibt er u.a. Altm\u00fchlm\u00fcnster an, f\u00fcr FRANKEN einen Ort Moosbrunn in der Di\u00f6zese Eichst\u00e4dt und ein PLOFELDEN im Bereich Hohenlohe, Franken.<\/p>\n<p>Kein Atlas, kein Ortsnamenregister listet Gemeinden oder Gemeindeteile Moosbrunn oder Plofeld. Altm\u00fchlm\u00fcnster gibt es. Bei Ingolstadt in der N\u00e4he der Autobahn Frankfurt-M\u00fcnchen. Da konnte ich letztes Jahr mal eine kurze Pause einlegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Altmuhlmunster%20029.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">Altm\u00fchlm\u00fcnster (Bay.)<\/p>\n<p align=\"left\">Jawoll, von der Landesarch\u00e4ologie best\u00e4tigt, eine ehemalige Komturei der Tempelritter. Man kann die Gr\u00f6\u00dfe des Areals noch erahnen.\u00a0 Jedenfalls der Chor dieser Kirche d\u00fcrfte aus der Templerzeit stammen. Der Turm und die Anbauten erfolgten viel sp\u00e4ter.<\/p>\n<p align=\"left\">Moosbrunn hei\u00dft heute Moritzbrunn. Ein Ort dieses Namens gibt es tats\u00e4chlich im Bistum Eichst\u00e4tt, sogar ganz in der N\u00e4he von Eichst\u00e4tt selbst. Die Osterferien verbrachten wir sowieso in Mittelfranken, Bereich Hesselberg und Brombachsee. Die Nahbereichsuche in einer Detail &#8211; Karte ergab einen Flecken &#8222;Tempelhof&#8220; in der Gemeinde 85111 Adelsschlag. Das galt es zu erkunden.<\/p>\n<p align=\"left\">Nicht allzuweit weg davon liegt die Stadt Wei\u00dfenburg, von der man wei\u00df, dass die R\u00f6mer ein gro\u00dfes Limeskastell dort errichteten. In unserer Pension am Hesselberg bin ich schon informiert worden, dass der sog. r\u00e4tische Limes die ganze Region von West nach Ost durchzieht. Ich beginne zu \u00fcberlegen, ob es da irgendeinen Zusammenhang geben k\u00f6nnte. Dann verwarf ich die Idee zun\u00e4chst.<\/p>\n<p align=\"left\">Einige Tage sp\u00e4ter fiel mir aber wieder ein, dass bei den beiden unmittelbar gegen\u00fcber auf beiden Rheinseiten befindlichen Templerkomtureien Bad Breisig und Bad H\u00f6nnigen der Lime knapp s\u00fcdlich davon beginnt.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Breisig06%20062.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">\u00a0Rekonstruierter Limes-Wachturm, 2 km unterhalb von Bad H\u00f6nningen am Rhein<\/p>\n<p align=\"left\">Und dann kam eins zum anderen. Kleinwallstadt, das oben schon mal gezeigte Templerhaus, liegt direkt am Main. Zwischen Aschaffenburg und Miltenberg. Dort bildete der Main die Grenze des r\u00f6mischen Reiches. Gelnhausen, dort sollen lt. Wikipedia die Templer etwas unterhalten haben, das pa\u00dft auch. Altm\u00fchlm\u00fcnster auch ganz in der N\u00e4he zum Limes. Am Altm\u00fchlsee l\u00e4uft der Limes s\u00fcdlich und als ich aufmerksam mit dem Finger auf einer guten Karte dem Verlauf folgte, fand ich einen Ort PFOFELD, 1 km s\u00fcdlich vom Limes.<\/p>\n<p align=\"left\">Sollte es sich dabei um Wilckes Plofelden handeln? Es tauchten mehr R\u00e4tsel als L\u00f6sungen auf, am Altm\u00fchlsee gibt es noch ein Pleinfelden, ganz in der N\u00e4he. Dazwischen: Thannhausen. Dort lebte der sog. Thannh\u00e4user, ein Sch\u00fcler des Dichters und Templerverehrers Wolfram von Eschenbach.<\/p>\n<p align=\"left\">Jetzt wurden mir die ganzen &#8222;Zuf\u00e4lle&#8220; etwas zu viel. Also bitte eins nach dem anderen. Zun\u00e4chst mal versuchte ich, die von mir gepr\u00fcften s\u00fcddeutschen Templerst\u00e4tten in eine Limes-Karte einzuzeichnen.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/templim.JPG\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"536\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Das sieht wirklich nicht nach Zufall aus. Aber von einer Antwort bin ich meilenweit entfernt. Gab es vielleicht eine Gebietsabsprache, etwa mit den Deutschordensrittern, die tats\u00e4chlich eher nord\u00f6stlich vom Limes ihren Schwerpunkt hatten? Beruht es auf einer planvollen Ausnutzung etwa noch vorhandener Verkehrswege oder sonstiger Einrichtungen der R\u00f6mer? Hat es was mit der fr\u00fcheren Kulturgrenze zu tun?<\/p>\n<p align=\"left\">Gelesen habe ich dar\u00fcber noch nichts. Wie es aussieht, hat diesen eventuellen Zusammenhang noch niemand zuvor bemerkt oder untersucht.\u00a0 Zuf\u00e4llig fand ich bei der Reisevorbereitung noch einen weiteren Flecken des Namens Tempelhof im Bereich Crailsheim, Schw\u00e4bisch Hall.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Mittelfranken%20011.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Mittelfranken%20012.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Die gesamte Anlage, die von der Gr\u00f6\u00dfe her einer gew\u00f6hnlichen Templerkomturei entspricht, ist in den drei\u00dfiger Jahren komplett umgebaut worden und ist heute eine Wohlfahrtseinrichtung. Das einzige, was ganz zart an die Templer erinnert, sind die drei Fenster der Kapelle und das zisterziensische Turmreiterchen dar\u00fcber. Offenbar hatte der Architekt etwas Mitleid&#8230;.<\/p>\n<p align=\"left\">Aber: Auch diese St\u00e4tte ist in relativer N\u00e4he zum Limes, vielleicht nicht unmittelbar.<\/p>\n<p align=\"left\">Der Tempelhof bei Moritzbrunn erwies sich als gew\u00f6hnlicher Bauernhof, ein Herrenhaus aus dem 16 Jahrhundert, sonst nur moderne Zweckbauten.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Mittelfranken%20110.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Die Eigent\u00fcmer best\u00e4tigten, dass es dem Ritterorden geh\u00f6rt hatte. Danach sei es ans Bistum Eichst\u00e4tt und ein Nonnekloster in der Gegend gegeben worden. Das einzige Geb\u00e4ude aus dem Mittelalter ist eine Ein-Mann-Kapelle am Rand der Anlage mit einem gotischen Kreuzrippengew\u00f6lbe innen.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Mittelfranken%20117.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Das hei\u00dft, es mu\u00df eine unselbst\u00e4ndige Einrichtung gewesen sein, denn nur wo ein Kaplan vorhanden war, durften die Templer eigene Gottesdienste in ihren Komtureien halten. Es mu\u00df also noch eine Templereinrichtung ganz in der N\u00e4he sein. Ich dachte n\u00e4mlich zun\u00e4chst, das Tempelhof bei Moritzbrunn sei die ehemalige Komturei Moosbrunn. Also steuerten wir Moritzbrunn an. Auch nur ein Geh\u00f6ft. Besucher nicht willkommen.<\/p>\n<p align=\"left\">W\u00e4ren wir zwei Wochen sp\u00e4ter gekommen, h\u00e4tten wir nichts gesehen, alles w\u00e4re zugewachsen gewesen. So gelang uns durch die B\u00fcsche gerade noch eine sensationelle Aufnahme:<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Mittelfranken%20133.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">Volltreffer: Komturei Mosbrunn in Franken, gotische Chorapsis. Drei Fenster. Na bitte.<\/p>\n<p align=\"left\">Und was ist jetzt mit dem Pfofeld? Waren dort Templer? Offiziell wird nichts dazu mitgeteilt. Die Brosch\u00fcren schweigen. Es gibt dort eine romanische St. Michaeliskirche, die \u00e4lteste Kirche im Altm\u00fchlgebiet. 1130 gebaut. Vielleicht noch ein bi\u00dfchen fr\u00fch f\u00fcr die Templer.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Mittelfranken%20034.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Vor dem Turm befindet sich noch eine halbrunde romanische Apsis. In der Kirche gibt es Ausmalungen aus der Mitte des 15 Jahrhunderts. Mmmh, zu sp\u00e4t f\u00fcr die Templer. Aber das hier<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Mittelfranken%20043.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">Innenausmalung St. Michaelis, Pfofeld<\/p>\n<p align=\"left\">kommt mir doch sehr bekannt vor, n\u00e4mlich aus der Templerkapelle von Laon in der Picardie:<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/KathedralenTour%20097.jpg\" alt=\"\" width=\"445\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Aber ist das ein Beweis? Was bedeuten diese Arme? Ist das etwas, was man allerorten in Kirchen findet? Wir fanden es sonst noch in St. Matthieu, Perpignan, an der Stelle wo die Templer ihr Stadtquartier hatten, ausserhalb der Stadtmauern. Aber das Bild stammte dort auch nicht aus der Templerzeit. Fragen \u00fcber Fragen.<\/p>\n<p align=\"left\">Ausserhalb vom Pfofeld befindet sich noch die Ruine einer Kapelle, wahrscheinlich aus dem 14 Jahrhundert, hei\u00dft es in der Brosch\u00fcre. Ich glaube das nicht. Ich meine, sie ist von 1200+\/-, was man\u00a0 an den unfertig wirkenden T\u00fcr- und Fensterst\u00fcrzen sehen kann. Legenden \u00fcber einen Heilbrunnen und ein Kreuzwunder gibt es. War das die Templerkapelle von Pfofeld? (F\u00fcr etwaige R\u00fcckmeldung von informierten Heimatforschern w\u00e4re ich sehr dankbar)<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Mittelfranken%20070.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Dass Pfofeld direkt am Limes liegt, ist erwiesen. Der etwaige Templerbezug nicht, aber er ist auch nicht unwahrscheinlich, zumal die St\u00e4tten Tempelhof bei Kressberg, Pfofeld, Tempelhof+Moritzbrunn sowie Altm\u00fchlm\u00fcnster jeweils ca 40 Kilometer auseinanderliegen, eine typische Tagesetappe. Und in dieser Kette w\u00fcrde Pfofeld an seinem richtigen Platz liegen. Es gibt also ne Menge Indizien, vielleicht gelingt mir ja auch irgendwann einmal der Vollbeweis.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Mittelfranken%20073.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">R\u00f6merturm, Basis, zwischen Pfofeld und Thannhausen<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Mittelfranken%20082.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"336\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">Sitz des &#8222;Deutschordenritters&#8220; Thannh\u00e4user, der Gasthof steht an der Stelle seines Hofes<\/p>\n<p align=\"left\">Wolframs Eschenbach liegt \u00fcbrigens ganz in der N\u00e4he, etwa 30 Kilometer n\u00f6rdlich. Dort lebte er, der Grals- und Templerdichter, der Sch\u00f6pfer der mittelalterlichen deutschen Gralsmythen. Wer war er? Ein Vision\u00e4r? Hat er nur irgendetwas von anderen abgeschrieben? Oder hatte er Wissen? Gab es seinen nah\u00f6stlichen Informanten, von dem er das Geheimnis des Grals erfahren hat? Jedenfalls ist es sein Wille, dass der Gral zu allen Zeiten von seinen Templeisen gesch\u00fctzt wird.<\/p>\n<p align=\"left\">Und wenn man jetzt &#8211; vor Ort &#8211; zuf\u00e4llig erf\u00e4hrt, dass Wolfram seine Kindertage in Eschenbach in unmittelbarer N\u00e4he zu den Tempelrittern in Moritzbtunn und vielleicht auch Pfofeld verbracht hatte, dass diese Rittertruppe eine f\u00fcr ihn unmittelbare reale Angelegenheit war, wer wei\u00df, vielleicht ist noch etwas mehr dran?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Die Templer in S\u00fcddeutschland &nbsp; Eine Quelle der Templeranwesen in Deutschland liefert Ferdinand Wilcke in seinem immer noch un\u00fcbertroffen zuverlassigen Grundlagenwerk \u00fcber die &#8222;Tempelherren&#8220;, 2. Aufl. 1860 das oben bereits zitiert wurde. 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