{"id":25,"date":"2013-09-02T10:50:17","date_gmt":"2013-09-02T08:50:17","guid":{"rendered":"http:\/\/menzendorff.de\/?p=25"},"modified":"2019-04-21T11:30:52","modified_gmt":"2019-04-21T09:30:52","slug":"2008-brandenburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/menzendorff.de\/?p=25","title":{"rendered":"2008 Brandenburg"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><span style=\"font-size: 300%;\">Die Templer in Brandenburg<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">Wir haben fr\u00fcher schon gezeigt, dass die Tempelritter sich auch im Osten Deutschlands niederliessen, wenngleich auch wesentlich sp\u00e4rlicher als in Frankreich und sp\u00e4ter als in anderen Teilen des Deutschen Reiches. Man wird sagen k\u00f6nnen, dass die Ausbreitung des Templerordens nach Osten hin erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts einsetzte. Das flache Land Brandenburgs war so gut wie nicht besiedelt. Die Schenkungen von L\u00e4ndereien der F\u00fcrsten und der Bisch\u00f6fe an den Orden geschahen danach nicht so ganz uneigenn\u00fctzig, denn die Templer &#8211; die sich wohl als geschickte Agrarwirtschaftler schon lange einen guten Ruf gemacht haben &#8211; mu\u00dften sich, wie so oft, die ihnen zugewiesenen L\u00e4ndereien erst urbar machen.<\/p>\n<p align=\"left\">Das galt schon f\u00fcr die Templerorte im S\u00fcden Berlins, wie\u00a0<b>Tempelhof<\/b>,\u00a0<b>Mariendorf\u00a0<\/b>und\u00a0<b>Marienfelde<\/b>. Aber auch f\u00fcr die Templerorte, die ab 1230 zwischen Berlin und K\u00fcstrin\/Kostrzyn im sogenannten Land Lebus (heute eine kleine Gemeinde an der deutsch\/polnischen Grenze, zwischen Frankfurt an der Oder und K\u00fcstrin) entstanden. Der Bischof Laurentius von Lebus \u00fcbertrug 1229 die ersten Grundst\u00fccke an die Templer und bis 1250 entstanden 6 Niederlassungen im Bereich westlich der Oder. Die Templer stifteten Teile der Einnahmen aus diesen G\u00fctern der Kathedrale von Lebus und erhielten wiederum das Recht, die Kathedrale zu besetzen und sich Einnahmen aus Messen zu sichern. Die Schenkungen an die Templer wurden 1244 zun\u00e4chst durch den Nachfolger des Bischofs, Heinrich der I. und im Jahre 1247 durch Papst Innocenz IV. best\u00e4tigt. Eine Urkunde vom 18.01.1247 erw\u00e4hnt die Kommende\u00a0<b>Lietzen<\/b>\u00a0sowie die dazugeh\u00f6rigen G\u00fcter Heinersdorf,\u00a0<b>Tempelberg<\/b>,\u00a0<b>Marxdorf<\/b>,\u00a0<b>Neuentempel<\/b>\u00a0und einen Ort Colaz, der heute nicht mehr existiert.<\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: small;\">(Lehmann\/Patzner, Die Templer im Osten Deutschlands, Eigenverlag, Erfurt 2005)\u00a0<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: x-large;\">1.\u00a0 Tempelberg<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">Etwa 60 Kilometer \u00f6stlich von Berlin, etwa entlang der B1, der Bundesstrasse, die heute Berlin mit K\u00fcstrin verbindet, reihen sich diese Orte auf, wobei sich wieder das Bild einer Perlenkette aufdr\u00e4ngt. Die kleine Gemeinde\u00a0<b>15518 Tempelberg<\/b>\u00a0erreicht man \u00fcber eine alte, mit Basaltsteine gepflasterte Strasse<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/TempB1.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"461\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Unmittelbar vor dieser wundersch\u00f6nen, aus Feldsteinen im 13 Jh. errichteten Kapelle, die mit einer Feldsteinmauer umgeben ist, findet sich ein gro\u00dfer k\u00fcnstlicher Teich, typisch f\u00fcr Templeranwesen. Die Templer hatten &#8211; wie schon mal bemerkt &#8211; einen verbindlichen (und gro\u00dfz\u00fcgigen) Speiseplan einzuhalten, der mehrmals pro Woche Fischgerichte vorsah.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/TempB2.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"461\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Dieses Kreuz,\u00a0 dass sich an der S\u00fcdseite neben einem zugemauerten Eingang befindet, verweise auf die Templer. Nun, indirekt vielleicht, aber es ist nicht das Templerkreuz. Es ist vielmehr das sog. Kreuz von Jerusalem, das von Godefroi de Bouillon 1099 nach Jerusalem gebracht wurde. Es wurde das Wappen des K\u00f6nigreiches von Jerusalem und das des Ritterordens des heiligen Grabes von Jerusalem, einer (kleinen) weiteren Konkurrenzorganisation der Tempelritter.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/TempB3.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"461\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Blick auf die Tempelberger Kapelle von Ost-Nord-Ost. Es hei\u00dft, es g\u00e4be keine Beweise, dass die Templer diese Kirche errichtet h\u00e4tten.\u00a0 Dieser Anblick \u00e4hnelt aber sehr stark dem entsprechenden Anblick der Templerkapelle von Marienfelde (Berlin).\u00a0 Das erste Indiz, um sich \u00fcber ihre Herkunft sicher zu sein. Wer soll sie sonst erbaut haben, wenn die Templer erst in die Gegend gelockt wurden, weil sie menschenleer war? Benutzt haben die Templer diese Kapelle mit Sicherheit, denn sie waren -was urkundlich belegt ist &#8211; in des Gegend ans\u00e4ssig und es gibt keine weitere Kapelle im Ort. Ausserdem wei\u00df man aus Urkunden, dass den Templern die Einnahmen aus dieser Kirche zuflossen, also werden sie einen Kaplan aus ihren Reihen abgestellt haben, auch wenn Tempelberg keine eigene Komturei unterhielt, sondern vielmehr der von Lietzen unterstellt war.<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: x-large;\">2. Marxdorf<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">Luftlinie nur einige Kilometer weiter \u00f6stlich, \u00fcber Strassen 18 Km, st\u00f6sst man auf den Templerort\u00a0<b>15306 Marxdorf<\/b>. Urkundlich erstmals 1244 als Templerbesitz erw\u00e4hnt, hie\u00df der Ort fr\u00fcher\u00a0 &#8222;Marquardestorp&#8220;. Er befindet sich 1 km s\u00fcdlich der B1. Es ist unklar, wie fr\u00fcher die Fernstrasse verlief. Die Templerorte liegen in der Luftlinie fast exakt in einer Reihe, die &#8211; fortgesetzt gedacht &#8211; in der n\u00e4chsten \u00f6stlicheren\u00a0 Templerkomturei Quartschen (heute in Polen: Chwarszczany) herauskommen w\u00fcrde. Ich vermute daher, dass die Fernstrasse in die Mark Brandenburg fr\u00fcher einen anderen, wenige Kilometer s\u00fcdlicheren Verlauf innehatte.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Marx1.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"461\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Das Geb\u00e4ude ist im Kern aus dem 13. Jh., ebenfalls aus Feldsteinen errichtet. Der Turmaufsatz aus Ziegeln mit der Aussichtsgalerie ist aus dem 19. Jh. Die Kapelle ist nachweislich von den Templern errichtet worden. Sie hat &#8211; untypisch f\u00fcr die Gegend &#8211; keine halbrunde Apsis, sondern einen geraden Abschlu\u00df als Ostwand, in dem ein schmales Rundbogenfenster aus der Templerzeit enthalten ist.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Marx2.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"461\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">Jonanniterkreuz \u00fcber dem Westportal der Templerkapelle in 15306 Marxdorf<\/p>\n<p align=\"left\">Der &#8222;erste Stock&#8220; des Kirchturms stammt aus der Templerzeit. Saubere Feldsteinquadertechnik zeigt das an. Der hier gezeigte &#8222;zweite Stock&#8220; mu\u00df ein Aufsatz aus sp\u00e4terer Zeit sein, denn die Mauertechnik \u00e4ndert sich stark (Bruchsteinverwendung = Kosten- und Zeitersparnis, erst m\u00f6glich durch Verbesserungen am M\u00f6rtel)<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: x-large;\">3. Neuentempel<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">Wieder 10 Km weiter\u00a0 ostnord\u00f6stlich gelange ich in die Gemeinde\u00a0<b>15306 Neuentempel<\/b>, eine ebenfalls nachweislich von den Templern angelegte Kirche.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/NeuT.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"461\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Wir sehen hier aus der ersten Bauphase (akkurat behauene Feldsteine) ein rechteckiges Kirchenschiff. Der Turm ist etwas &#8222;schlampiger&#8220; zusammengebaut und stammt danach wohl aus sp\u00e4teren Jahrhunderten. Die verputze Vorhalle ist neuzeitlich, das grosse Fenster stammt wohl aus der Barockzeit.<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: x-large;\">4. Lietzen<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">Etwas s\u00fcdlich der gedachten Linie der Templerorte Tempelberg, Heinersdorf, Marxdorf und Neuentempel findet man die Komturei Lietzen, der die genannten Orte untergeordnet waren.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Liet1.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"461\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">Die Kapelle der Komturei\u00a0<b>15316 Lietzen<\/b>, S\u00fcdseite<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Liet2.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"461\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Scheune der Komturei in Lietzen, angeblich erst im 14. Jahrhundert erbaut. Ich meine, dass die unteren Bereiche des Mauerwerks und manche Fensterst\u00fcrze auch eine fr\u00fchere Datierung zulassen.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Berlin%20Juli%202008%20084.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"461\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Chorapsis der Templerkapelle aus Ost-S\u00fcd-Ost. Ganz sicher nicht aus der Templerzeit. Man sieht deutlich sp\u00e4tgotische Elemente.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Liet4.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" height=\"461\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">S\u00fcdliche Mauer der riesigen Komturei, sicher aus der Templerzeit<\/p>\n<p align=\"center\">Wie gehts weiter, Richtung Osten?<\/p>\n<p align=\"left\">\u00d6stlich der Oder, im heutigen Polen, richteten die Templer ebenfalls Komtureien ein und dies sogar etwas fr\u00fcher als\u00a0 die letztgenannte Komturei Lietzen. Dort befinden sich etwa die Templerkomturei Rurka (R\u00f6rchen)\u00a0 mit dem Templerort Swobnica (Wildenbruch) und Komturei Chwarszcany (Quartschen), beide in der Wojwodschaft Zachodniopomorskie\u00a0 (Westpommern), sowie die Komturei Sulecin (Zielenzig) in der Wojwodschaft Lubuskie (dem alten Land Lebus) . Von dort gibt es jeweils interessante Fotos von sichtbaren \u00dcberresten des Ordens zu holen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Templer in Brandenburg Wir haben fr\u00fcher schon gezeigt, dass die Tempelritter sich auch im Osten Deutschlands niederliessen, wenngleich auch wesentlich sp\u00e4rlicher als in Frankreich und sp\u00e4ter als in anderen Teilen des Deutschen Reiches. Man wird sagen k\u00f6nnen, dass die Ausbreitung des Templerordens nach Osten hin erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts einsetzte. 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