{"id":27,"date":"2013-09-02T10:51:14","date_gmt":"2013-09-02T08:51:14","guid":{"rendered":"http:\/\/menzendorff.de\/?p=27"},"modified":"2019-04-21T12:20:28","modified_gmt":"2019-04-21T10:20:28","slug":"2008-ile-de-france","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/menzendorff.de\/?p=27","title":{"rendered":"2008 Ile de France"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><span style=\"font-size: xx-large;\">Templer in der Charente<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">Auch im diesem Jahr entschied die Familie, Urlaub am Atlantik zu machen, weil es uns das letzte Jahr dort ausserordentlich gut gefallen hatte. Nat\u00fcrlich konnte ich der Gelegenheit nicht widerstehen, die Reiseroute so zu legen, dass man unterwegs noch ein paar Templer-Locations &#8222;mitnehmen&#8220; konnte.<\/p>\n<p align=\"left\">Auf dem Hinweg pausierten wir im Grenzgebiet der Champagne zur Ile-de-France, im sogenannten Brie. Dort befindet sich die Templercommanderie\u00a0<strong>77120 Coulommiers<\/strong>, im Departement 77 Seine-et-Marne, Ile-de-France, 60 Km \u00f6stlich vor Paris, etwa auf der Strecke Paris &#8211; Nancy. Die Stadt ist weltber\u00fchmt f\u00fcr ihren gleichnamigen Brie-K\u00e4se.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/neu.pommesbleues.de\/components\/com_joomlaboard\/uploaded\/images\/6536ff4f1eb499a8dadbca8ebdd9c06f.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Es handelt sich um eine der komplettesten Commanderien in ganz Frankreich mit erstaunlich viel \u00fcbriggebliebener Bausubstanz aus der Templerzeit. Die\u00a0<em>Logis<\/em>\u00a0des Commandeurs ist etwa zur H\u00e4lfte noch Original, leider einsturzgef\u00e4hrdet. Bis in die sechziger Jahre wurde dort eine Farm betrieben.<\/p>\n<p align=\"center\">Status 1900:<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/neu.pommesbleues.de\/components\/com_joomlaboard\/uploaded\/images\/ac88b32edf0e08d75e4dd6eb4cf91de0.JPG\" alt=\"\" width=\"448\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Die Commanderie liegt auf einem H\u00fcgel, ca 40 Meter \u00fcber der Stadt. Die Stadt kaufte das Gel\u00e4nde 1968 und wollte den Krempel abreissen. Rundherum finden sich abstossende Plattenbauten aus den sechzigern und eine Nervenklinik, die h\u00e4tte vergr\u00f6\u00dfert werden sollen. Das scheiterte an mutigen B\u00fcrgern unter der F\u00fchrung eines gewissen Jean Schelstraete, die eine Gesellschaft gr\u00fcndeten und versprachen, 99 Jahre lang das Denkmal ehrenamtlich zu erhalten. Das funktionierte bis 1990, jetzt hat man eine professionelle Einrichtung drangesetzt und nimmt kostendeckenden Eintritt.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/neu.pommesbleues.de\/components\/com_joomlaboard\/uploaded\/images\/49358df0a86cdd3b4e8734699c757079.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" border=\"0\" \/><br \/>\n<em><br \/>\n<\/em>chapelle Ste. Anne,\u00a0<strong>Coulommiers<\/strong><\/p>\n<p>Drei Fenster. Rechteckiger Grundriss.\u00a0<em>chevet plat<\/em>, so nennt man den Chorabschlu\u00df, der f\u00fcr Templerkapellen sehr weit verbreitet ist.<\/p>\n<p align=\"left\">Die Commanderie von Coulommieres bietet auch seltene Einblicke in unterirdische Bauten der Templer:<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Poitou1.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Die Katakomben der Templer, die f\u00fcr ihre sprichw\u00f6rtliche und weitentwickelte Tiefbautechnik den Namen Maulwurfsorden verdient h\u00e4tten.<\/p>\n<p align=\"left\">Und jetzt kommt noch eine kleine Sensation.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Poitou2.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">Le Colombier, der Taubenturm von innen<\/p>\n<p align=\"left\">Von Nachrichtenwesen war indessen auf den Hinweistafeln nichts zu lesen. Man schrieb dort, die Tauben seien zur Ern\u00e4hrung oder zu agronomischen Zwecken benutzt worden. Ich bezweifele das und gehe davon aus, dass man sich (auch) Brieftauben zur Nachrichten\u00fcbermittlung hielt.<\/p>\n<p align=\"left\">K\u00f6nnte es sein, dass der Name der Stadt Coulommiers von dem Wort f\u00fcr Taube abgeleitet ist? Wenn ja, deutet das an, dass die Taubenwirtschaft sogar der Hauptzweck dieser Commanderie gewesen sein k\u00f6nnte. Einige Templereinrichtungen haben \u00e4hnliche Worte als Namensbestandteil, Ste. Colombe-de-la-Commanderie zum Beispiel. Ist nur so eine Idee. Gefunden habe ich dazu noch nichts.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/neu.pommesbleues.de\/components\/com_joomlaboard\/uploaded\/images\/cf7864f4dc3bad10920d0af9607d653b.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p>Blick von S\u00fcdwesten auf die Kapelle Ste. Anne<\/p>\n<p align=\"left\">Neben der Commanderie befindet sich ein mittelalterlicher Kr\u00e4utergarten, ein angenehmes Ambiente. Star der Ausstellung: Die Rose von Damaskus.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/neu.pommesbleues.de\/components\/com_joomlaboard\/uploaded\/images\/27285645f3669f20092d3f9cfb8b5e25.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Damit verlassen wir die R\u00e9gion Ile-de-France und setzen unsere Fahrt an den Antlantik fort.<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: xx-large;\">Templer in der Charente, Teil 2<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">Dieses Jahr war dort aber eher Ruhe angesagt. Schlie\u00dflich war es der Familienurlaub. Jedoch habe ich es nicht lassen k\u00f6nnen, einige Templerorte, die ich im letzten Jahr noch nicht kannte oder aus Zeitmangel nicht erreichen konnte, aufzusp\u00fcren. Etwa auf der Fahrt von unserer Bleibe bei Saintes (Dept. 17 Charente-Maritime) nach Bordeaux.<\/p>\n<p>Kurz hinter der Grenze zum Dept. 33 Gironde befindet sich die Templerkomturei\u00a0<strong>Magrigne<\/strong>. Im Ort selbst gab es einen Ortsteil &#8222;Le Temple&#8220;, dort war aber nichts mehr zu sehen. Etwas sp\u00e4ter fanden wir die Kapelle und hatten grosses Gl\u00fcck: Sie war offen! Davor hatte sich eine Familie zum Picknick niedergelassen. Ein Herr stellte sich als der Pr\u00e4sident eines arch\u00e4ologischen Vereines der Gegend vor und lie\u00df es sich nicht nehmen, uns eine perfekte F\u00fchrung angedeihen zu lassen. Noch nie habe ich vor Ort so viel brauchbare Detailinformationen erhalten.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/neu.pommesbleues.de\/components\/com_joomlaboard\/uploaded\/images\/Mag1.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p><em>chapelle Ste. Quitterie<\/em>,\u00a0<strong>33240 Magrigne, Dept. 33 Gironde, Aquitaine<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Drei Fenster im Chor. Wie \u00fcblich bei den Templern. Zwar haben nat\u00fcrlich auch viele anderen Kapellen drei Fenster. Bei den Templern aber fast immer. Im Inneren ein weiteres Zahlenspiel. An den W\u00e4nden finden sich dort original erhaltene Kreuze aus der Templerzeit. Und zwar 12 St\u00fcck, nach der Anzahl der Apostel, sagte der Arch\u00e4ologe.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/neu.pommesbleues.de\/components\/com_joomlaboard\/uploaded\/images\/Mag2.jpg\" alt=\"\" width=\"614\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Unter der Kirche befinde sich ein B\u00e4chlein (Ruisseau), meinte unser F\u00fchrer. In der Tat sind die W\u00e4nde sehr feucht. Einige hundert Gr\u00e4ber habe man unter der Kirche gefunden.\u00a0 Draussen vor der Kapelle liegen Steins\u00e4rge und Sargdeckel herum.<\/p>\n<p align=\"center\">Hier einer der &#8222;Fleischfresser&#8220; = Sarkophagen aus dem 12. Jh.:<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/neu.pommesbleues.de\/components\/com_joomlaboard\/uploaded\/images\/Sark.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Die Gr\u00e4ber haben eine Besonderheit. \u00dcber der Aussparung jeweils rechten Schulter des Verstorbenen hat man jeweils ein Rundes Loch gebohrt. Um dort eine Trinkflasche f\u00fcr den Weg ins Jenseits zu positionieren, &#8211; sagte unser kompetenter F\u00fchrer\u00a0 &#8211; und das auch noch im 12. Jahrhundert!!! Ein tausend Jahre vergangener Heidenbrauch lebte hier fort!<\/p>\n<p align=\"left\">Schon oft habe ich mich auf Templerreisen, besonders im Westen Frankreichs, gefragt, was in der Mitte der Kapellenh\u00f6he diese herauskragenden Steine sollen, von denen ich Dutzende von Beispielen anf\u00fchren k\u00f6nnte. Man sieht sie auch auf meinen Bildern vom letzten Jahr. &#8220; Unser Chefarch\u00e4ologe&#8220; er\u00f6ffnete mir eine plausible Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/neu.pommesbleues.de\/components\/com_joomlaboard\/uploaded\/images\/Mag3.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Nach den Forschungen seiner Gesellschaft seien\u00a0 diese Kragsteine\u00a0 Relikte eines umlaufenden Wachganges (Remparts) aus Holz. Ein Balken lag in den Kuhlen der Steine. Auf diesem nagelte man Bretter, die waagerecht von der Kirche aus abstanden. Diese waren wiederum unterf\u00fcttert mit einem Aussenbalken, der mit einem 45\u00b0 Grad St\u00fctzholz zur Fassade abgest\u00fctzt war. Auf diesem Gang wurden entweder Wachen postiert. Oder man erweckte damit den Schein einer besonderen \u00dcberwachung f\u00fcr die Pilger, damit sie Vertrauen fassten (und f\u00fcr ihre \u00dcbernachtung bei den Templern mehr zahlten, das letztere ist jetzt nur b\u00f6se Interpretation von mir.)<\/p>\n<p>Fakt ist: Diese Kapelle steht auf dem schon damals vorhandenen Landweg von Blaye nach Bordeaux, nur wenige Meter westlich von ihr ist die Strasse, \u00f6stlich von ihr ein schiffbarer Flu\u00df, der\u00a0<em>Moron<\/em>, eine strategisch wichtige Station auf dem Weg nach Bordeaux. Diese Kapelle ist alo eine vertrauensbildende Ma\u00dfnahme, w\u00fcrde man heute sagen.<\/p>\n<p align=\"left\">Ich war letztes Jahr den Beweis noch schuldig geblieben, ob die &#8222;Templerstrasse&#8220; von Limoges tats\u00e4chlich bis La Rochelle weitergeht, oder aber in Saintes endet:<\/p>\n<p>Sie geht weiter. Von Saintes nordwestlich Richtung La Rochelle ist der n\u00e4chste Templerort\u00a0<b>Le Mung<\/b>, urkundlich erw\u00e4hnt. Man kennt die Gest\u00e4ndnisse zweier Tempelritter aus Le Mung. In dem Ort gibt es eine Kapelle aus dem 12 Jahrhundert. Diese ist nach Anne-Marie Legras,\u00a0 ( Les Commanderies des Templiers et des Hospitaliers de Saint-Jean de J\u00e9rusalem en Saintonge et en Aunis, Editions du CNRS, Paris 1983) nicht im Besitz der Templer gewesen, aber auf ihrem Friedhof befinden sich Sargdeckel von Templergr\u00e4bern:<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Poitou3.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Kurioserweise wurden diese Gr\u00e4ber im neunzehnten Jahrhundert neu belegt und mit modernen Inschriften versehen. Die Templerkapelle liegt ausserhalb und ist stark verfallen. Ich habe sie bis dahin leider noch nicht gefunden.<\/p>\n<p align=\"left\">Das gelang mir erst im\u00a0<a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/CharenteMedoc.htm\">April 2011<\/a><\/p>\n<p align=\"left\">Die Strasse von Saintes f\u00fchrt dann \u00fcber Thair\u00e9 und Ch\u00e2telaillon nach La Rochelle.<\/p>\n<p align=\"left\">Von Saintes f\u00fchren in s\u00fcdwestlicher Richtung zwei weitere Templer-Strassen an die K\u00fcste, genauer gesagt, an das rechte Ufer der Gironde. Es handelt sich dabei gewiss um die Fortsetzung des Pilgerweges von Poitiers \u00fcber Bordeaux zur spanischen Grenze. Die n\u00f6rdliche dieser beiden Strecken passiert die Templerorte Villeneuve und le Breuil nach Royan, einer recht grossen Hafenstadt an der engsten Stelle der Gironde. Hier wird es im Mittelalter eine F\u00e4hrverbindung hin\u00fcber zum M\u00e9doc gegeben ghaben. Die s\u00fcdlichere Strecke f\u00fchrt durch die Gemeinde R\u00e9taud (vermutlich ebenfalls ein Templerort, keine gesicherten Spuren) und die Gemeinde Meursac nach Beloir, dem letzten Templerort vor der Gironde.<\/p>\n<p align=\"left\">Die wichtigste commanderie der Templer in diesem Abschnitt befand sich in dem Ort les Epaux auf dem Gebiet der Gemeinde Meursac. Von hier aus wurden alle \u00fcbrigen Einrichtungen der Gegend kontrolliert.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Poitou4.jpg\" alt=\"\" width=\"655\" height=\"492\" border=\"0\" \/><\/p>\n<h5 id=\"mapResult\" align=\"center\"><span style=\"font-family: 'Book Antiqua', 'Times New Roman', Times;\"><span style=\"font-size: medium;\">commanderie templi\u00e9re,\u00a0<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00a017120 Les Epeaux<\/span><\/span><\/h5>\n<p align=\"left\">Im Hintergrund sieht man die erstaunlich gut erhaltenen Reste des\u00a0<em>logis<\/em>\u00a0des Kommandeurs. Das ist eine Rarit\u00e4t. Im Vordergrund das Brunnengeb\u00e4ude. An dem Geb\u00e4ude werden seit Jahren Arbeiten vorgenommen, vermutlich durch den privaten Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Poitou5.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: small;\">Foto: Reinhold Denich<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">Die zu vermutende n\u00f6rdlichere Strecke war schwieriger zu verifizieren. Es sollen sich dort 3 weitere Templerh\u00e4user, zumeist\u00a0<em>commanderies<\/em>\u00a0befunden haben: Villeneuve, Retaud, und eine commanderie auf dem Gebiet der Stadt Saujon. Ein Villeneuve fand sich als Teil des Ortes 17600 Saint-Romain de Benet, ein Pilgerort mit wundersch\u00f6ner romanischer Kirche. In Villeneuve gabs aber nichts zu sehen. H\u00e4tten wir nicht eine superhoch aufgel\u00f6ste Wanderkarte von der Gegend, w\u00e4ren wir unverrichteter Dinge wieder abgefahren. Was in keinem Buch stand: Die Templerei befand sich weit ausserhalb der Orte. Ca. 1 km \u00f6stlich von Villeneuve entdeckten wir einen\u00a0<i>chemin de la Chapelle<\/i>. Das klang doch ganz gut. Wir trafen dort auf einen grossen Herrensitz aus der Zeit nach der Revolution. Ich verzichtete darauf, das Herrenhaus zu fotografieren, denn es ist bewohnt.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/neu.pommesbleues.de\/components\/com_joomlaboard\/uploaded\/images\/46e890a737c5dc0170c17a93e771eda1.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\"><i>commanderie<\/i>\u00a0<b>17600 Villeneuve<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Der Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer empfing uns ausserordentlich freundlich. Anhand der beiden B\u00fccher, die wir in den H\u00e4nden hielten, erkannte er in uns besonders interessiertes Publikum und er schien froh \u00fcber die Gelegenheit zu sein, uns die Geheimnisse seines Anwesens zu erl\u00e4utern und bat uns hinein. Aus der Zeit der Templer gab es indes nicht mehr viel zu sehen, nur eine Mauer, die das Herrenhaus von einer fr\u00fcheren Scheune trennte, stammt aus dem Mittelalter.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Poitou6.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Der Eigent\u00fcmer vermutet, dass die Kapelle der commanderie, die der Strasse ihren Namen gab, sich an der Stelle des jetzt als Garage genutzten Geb\u00e4udes befunden haben wird:<\/p>\n<p align=\"center\">\u00a0\u00a0<img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Poitou7.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Die n\u00e4chste Station soll in Saujon sein. Von den Rittern fanden wir in dem St\u00e4dtchen selbst bisher keine Spur. Nach unseren Quellen suchten wir den Gemeindeteil Le-Breuil-du-Pas. Das alte\u00a0<em>Brolio in Passu<\/em>\u00a0wurde mitten in Marschland und Unterholz errichtet, typisch f\u00fcr die Templer, denen man h\u00e4ufig Gel\u00e4nde gab, was erst trocken gelegt werden mu\u00dfte. Es fand sich dort eine Ansammlung einiger \u00e4lterer H\u00e4user, aber nichts besonderes. Ein kleines Hinweisschild zeigte den Weg nach einem Geh\u00f6ft des Namens &#8222;l&#8217;Hopitau&#8220;. Ein Zufallsfund, sonst w\u00e4ren wir unverrichteter Dinge abgefahren. Dort fand sich ein landwirtschaftliches Herrschaftsanwesen, der Gr\u00f6sse nach kann es gut eine Commanderie gewesen sein. Die Geb\u00e4ude sind neu, aber im Bildhintergrund links kann man wohl die\u00a0<em>grange<\/em>, die Scheune der Templer erkennen.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/neu.pommesbleues.de\/components\/com_joomlaboard\/uploaded\/images\/Breuil.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\"><i>commanderie l&#8217;Hopitau,\u00a0<\/i><b>17600 Le Breuil-du-Pas<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Der Rest des Urlaubs wurde der Familie und der Erholung gewidmet, aber auf der R\u00fcckreise machten wir wieder einen Pausenstopp kurz vor den Toren von Paris.<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: xx-large;\">Templer in der R\u00e9gion Centre<\/span><\/p>\n<div id=\"mapResult\">Zwei Wochen sp\u00e4ter machten wir uns &#8211; gut erholt &#8211; auf den R\u00fcckweg. Wieder war eine Destination kurz vor Paris das Etappenziel. Die Gegend hei\u00dft diesmal aber nicht Brie, sondern ganz anders, n\u00e4mlich Braye. Wir befinden uns s\u00fcdwestlich von Paris in dem Dreieck Le Mans, Chateaudun und Vend\u00f4me. Das ist im Departement 41 Loir-et-Cher und in der R\u00e9gion Centre. Die Commanderie\u00a0<strong>41170 Arville<\/strong>\u00a0kenne ich aus B\u00fcchern und Zeitschriften schon seit Beginn meiner Templerstudien in 2005.<\/div>\n<p>Von R\u00e9gine Pernoud stammt die heimt\u00fcckisch geschickt formulierte Lobhudelei: &#8222;Gegr\u00fcndet durch die Templer zu Beginn des 12 Jh., verblieb die Commanderie von Arville, durch die Bedeutung der existierenden Geb\u00e4ude, ein einzigartiges Ensemble und die am besten erhaltene Commanderie von Frankreich&#8220; (Le Point, No. 1717, 11.08.2005).<\/p>\n<p>Im gleichen Magazin wird die ber\u00fchmte Medi\u00e4vistin gleich f\u00fcr ihr fast b\u00f6sartiges Wortspiel gescholten. Nat\u00fcrlich ist die Commanderie von den Templern gegr\u00fcndet worden. Aber die Geb\u00e4ude, die j\u00e4hrlich von 15.000 Besuchern angestaunt werden, stammen zumeist aus dem 15. oder 16. Jahrhundert, sind allerdings, wen wunderts, tats\u00e4chlich recht gut erhalten. Und sehr komplett.Vorher gab es aber noch etwas anderes zu entdecken. Das Navi hatte mich bei Vend\u00f4me auf die Landstrassen gezogen. Ich wu\u00dfte zwar, dass es auch in Mondoubleau noch Templer gegeben haben soll, wollte aber meine Mitreisenden nicht \u00fcberstrapazieren. Allerdings brachte ein anderes Ortsschild meine Bremsen fast automatisch zum Quietschen. Sieben Kilometer vor Mondoubleau hie\u00df ein Ort &#8222;Le Temple&#8220;. Gleich links von der Landstrasse ein mir von Fotos recht gut bekanntes Geb\u00e4ude:<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/mond1.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\"><b>41170 Le Temple &#8211; Mondoubleau<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/mond2.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Das hier ist die Ansicht von S\u00fcdwesten. Einige Geb\u00e4ude in dem unmittelbar angrenzenden landwirtschaftlichen Geh\u00f6ft &#8222;propri\u00e9t\u00e9 priv\u00e9e&#8220; k\u00f6nnten noch aus der Templerzeit stammen, aber nur wenig. Man ahnt aber die herausragende Bedeutung dieser Einrichtung, der zahlreiche Weiler aus der Umgebung zinspflichtig waren. Nach der \u00f6rtlichen Homepage werden die \u00c4cker der Gegend durch einen k\u00fcnstlichen See versorgt, den die Templer gegraben haben.<\/p>\n<p>Seen, T\u00fcmpel, Kan\u00e4le und Souterrains graben, S\u00fcmpfe entw\u00e4ssern. Das k\u00f6nnen sie, die T\u00fcmpler des armen Ordens der Maulw\u00fcrfe.<\/p>\n<p align=\"left\">18 Kilometer &#8211; eine Tagesetappe f\u00fcr Lastfuhrwerke oder zu Fu\u00df &#8211; in NNO-Richtung, auf Paris, kommt sie nun, die ersehnte &#8222;besterhaltene Templerkomturei von Frankreich&#8220;:<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/arv1.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">Commanderie\u00a0<strong>41170 Arville<\/strong>, Departement 41 Loir-et-Cher, Centre<\/p>\n<p align=\"left\">Die beiden \u00e4ltesten Geb\u00e4ude aus der Templerzeit:<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/arv2.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Die Kirche und der Turm. Das Geb\u00e4ude links, die ehemaliger Presbyterie (Pfarrhaus) stammt aus der Zeit nach der Revolution. Dort sitzt heute die Mairie (b\u00fcrgermeisteramt) von Arville, einer der drei Eigent\u00fcmer des Komtureigel\u00e4ndes.<\/p>\n<p align=\"left\">Ein Templerkreuz in der Apsis der Kirche:<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/TmplCrx.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Das Hauptportal der Commanderie. Die Kirche hat ihren Eingang ausserhalb. Sie durfte auch von den Pfarreimitgliedern besucht werden:<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Eing.jpg\" alt=\"\" width=\"666\" height=\"499\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Die Templerkirche in der Totale vom Commanderie-Gel\u00e4nde aus:<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Totale.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"left\">Auch diese Commanderie hat ein perfektes Taubenhaus, sogar noch viel gr\u00f6\u00dfer als das in Coulommiers:<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/PigA.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/PigI.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"445\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p align=\"center\">Die Innenseite des Taubenturms. Hier war Platz f\u00fcr 2.000 Tiere.<\/p>\n<p align=\"left\">Man wei\u00df, dass Brieftauben am Tag bis 1.000 Kilometer weit kommen und dass jede Taube nur eine einzige Destination anfliegen kann, n\u00e4mlich ihren Geburtsort. Sie sitzt geduldig in ihrer Poststation &#8211; wo immer die auch sei &#8211; und wartet, bis man sie irgendwann einmal losl\u00e4sst. Dann spult sie ihr Programm ab und fliegt heim.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re wirklich verlockend, anzunehmen, dass hier in diesem Taubenschlag die Zentrale des gesamten Templerordens f\u00fcr Eilnachrichten untergebracht gewesen w\u00e4re. F\u00fcr jede Commanderie eine Taube. Auf einen Schlag losgelassen k\u00f6nnte der gesamte Orden &#8211; in Frankreich und seinen Grenzgebieten &#8211; innerhalb eines Tages \u00fcber irgend eine wichtige \u00c4nderung unterrichtet worden sein.<\/p>\n<p>Aber: keine Beweise. Weder hier, noch anderswo. Kein Hinweis der Museumsverwaltung. Auch nicht in der Literatur.<\/p>\n<p>Ausserdem ist der Turm hier wohl nicht aus der Templerzeit. Aber: Viele Templer-Commanderien haben Taubent\u00fcrme, und dass man die speziellen Eigenschaften von Tauben im Mittelalter kannte, ist sicher. Es gibt Geschichten, dass die Kriegsparteien im Orient regelrecht Nachrichten abgefangen und ausgetauscht haben, um Schlachten zu gewinnen.<\/p>\n<p align=\"left\">Mit diesem Abstecher kurz vor den Toren von Paris endete unsere sch\u00f6ne und sehr erholsame Urlaubsreise. Etwas Kultur darf auf Reisen schon sein, aber nicht zuviel, bitte! Zeit f\u00fcr gutes Essen und Trinken, sowie &#8222;Abh\u00e4ngen&#8220; am Strand oder am Pool mu\u00df auch sein, sonst k\u00f6nnen einem die Templer auch mal ganz sch\u00f6n auf den Zeiger gehen.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Poitou1.gif\" alt=\"\" width=\"20\" height=\"20\" border=\"0\" \/><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Poitou2.gif\" alt=\"\" width=\"20\" height=\"20\" border=\"0\" \/><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Poitou3.gif\" alt=\"\" width=\"20\" height=\"20\" border=\"0\" \/><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/images\/Poitou4.gif\" alt=\"\" width=\"20\" height=\"20\" border=\"0\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Templer in der Charente Auch im diesem Jahr entschied die Familie, Urlaub am Atlantik zu machen, weil es uns das letzte Jahr dort ausserordentlich gut gefallen hatte. Nat\u00fcrlich konnte ich der Gelegenheit nicht widerstehen, die Reiseroute so zu legen, dass man unterwegs noch ein paar Templer-Locations &#8222;mitnehmen&#8220; konnte. 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