{"id":442,"date":"2015-04-30T12:13:16","date_gmt":"2015-04-30T10:13:16","guid":{"rendered":"http:\/\/menzendorff.de\/?p=442"},"modified":"2019-04-21T11:33:06","modified_gmt":"2019-04-21T09:33:06","slug":"2015-april-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/menzendorff.de\/?p=442","title":{"rendered":"2015, April, Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: xx-large;\">Angebliche &#8222;Templerorte&#8220; in Deutschland<\/span><\/p>\n<p>W\u00e4hrend meine bisherigen Beitr\u00e4ge von der Bem\u00fchung gekennzeichnet waren, sich ausschliesslich auf wissenschaftlich erwiesene Templerbesitzungen zu beziehen, habe ich versucht, mich in diesem Beitrag auch ein wenig dem Ph\u00e4nomen der Legenden zu n\u00e4hern.\u00a0 Insbesondere in Deutschland scheint es ein Problem mit nur angeblichen Tempelh\u00e4usern zu geben. Zumeist heisst es, der &#8222;Volksmund&#8220; sei f\u00fcr die Legendenbildung verantwortlich. Ich hatte das schon f\u00fcr das sog. Tempelherrenhaus in <a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/?p=64\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hildesheim<\/a> und das sog. Templerhaus in\u00a0 <a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/?p=9\">Amorbach<\/a> gezeigt. Nachvollziehbare Gr\u00fcnde, warum sich der Volksmund so etwas ohne jeglichen Anlass ausdenken sollte, werden oft nicht genannt. Das ist f\u00fcr mich genug Anla\u00df, solchen Ger\u00fcchten zweimal im Detail nachzugehen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-large;\">1. Das sogenannte Templerhaus in K\u00f6ln<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Eine Gesch\u00e4ftsreise bot Gelegenheit, das sog. Tempelhaus in K\u00f6ln aufzusuchen. Das Haus soll ca. 1230 vermutlich von der Familie Overstolz errichtet (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Overstolzenhaus\">Overstolzenhaus\u00a0 Wikipedia<\/a>) und seither mehrfach umgebaut worden sein. Es befindet sich in der Rheingasse, Hausnummer 8:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0070.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-450\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0070.jpg\" alt=\"DSC_0070\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0070.jpg 1024w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0070-300x200.jpg 300w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0070-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Warum sich die Legende gebildet hat und hartn\u00e4ckig h\u00e4lt, dass dieses pr\u00e4chtige Geb\u00e4ude mit dem Templerorden in Verbindung zu bringen sei, ist nicht befriedigend zu beantworten. Aus wissenschaftlicher Sicht l\u00e4sst sich ein solcher Bezug nicht beweisen. Dass die Templer in K\u00f6ln jedoch (mindestens?) ein Haus besessen haben, wurde jedoch auch von den Wissenschaftlern im 19. Jahrhundert \u00fcbereinstimmend angenommen (von Ledebur, Die Tempelherren und ihre Besitzungen im Preu\u00dfischen Staate, 1835, S. 114, Nachdruck bei LePa und Wilcke, Die Geschichte des Ordens der Tempelritter, 1860, S. 388) und wird offenbar auch bis heute noch so gesehen (<a href=\"http:\/\/www.templerlexikon.uni-hamburg.de\/Ordenshaus-Dtl.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anke Napp, Templerlexikon Uni Hamburg<\/a>).<\/p>\n<p>Weyden (<a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=1iINAAAAYAAJ&amp;pg=PA35&amp;dq=k%C3%B6ln+%22Johann+von+Z%C3%BClpich%22&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=JIwJVLLDA4ysOortgeAI#v=snippet&amp;q=Templer&amp;f=false\">Ernst Weyden, Das Haus Overstolz zur Rheingasse genannt Tempelhaus, K\u00f6ln 1842, S. 18<\/a>) bestreitet entschieden, dass die Templer mit diesem Haus irgend etwas zu tun gehabt haben k\u00f6nnen. Er f\u00fchrt die Neigung des Volksmunds, dieses wie angeblich andere alte H\u00e4user in K\u00f6ln als &#8222;Tempelh\u00e4user&#8220;zu bezeichnen, auf den Umstand zur\u00fcck, dass diese oft einen &#8222;alterth\u00fcmlichen &#8230; geheimnisvollen Baustil&#8220; (a.a.O., S.\u00a0 19) aufgewiesen h\u00e4tten. Vorzugsweise das Haus &#8222;zur Rheingasse&#8220; soll der Volkmund den Templern zugeschrieben haben, weil es sich durch die &#8222;Grossartigkeit seines Baustils&#8220; (ebenda) und\u00a0 den &#8222;Reichthum seines Giebelwerkes&#8220; besonders auszeichnete (ebenda). Im \u00fcbrigen k\u00e4men die Namen &#8222;Templerhaus&#8220; oder &#8222;Templerhof&#8220; in K\u00f6ln nie urkundlich vor (ebenda). Dennoch ist Weyden pr\u00e4zise in der Lage, ein ehemaliges Anwesen in der Streitzeuggasse, Hsnr. 86-88, als Templerhaus zu identifizieren (a.a.O., S. 18). Weyden, der den Ursprung dieses Hauses in der Familie Overstolz sieht, muss allerdings einr\u00e4umen, dass der wahre Erbauer des Hauses sich ebenfalls nicht in Urkunden finden l\u00e4sst, weil sich diese nur bis 1210 zur\u00fcckverfolgen liessen (S. 22). Aufgrund der Grossartigkeit des Hauses komme nur ein &#8222;reiches, angesehenes Geschlecht&#8220; in Betracht (ebenda). Allerdings sei ein Geschlecht derer &#8222;zur Rheingassen&#8220; ab 1169 urkundlich nachweisbar. Dieses Geschlecht muss besonders wohlhabend gewesen sein, weil es regelm\u00e4ssig Sch\u00f6ffen stellte, was nur den edelsten Familien vorbehalten geblieben sei (ebenda). Das Geschlecht der Overstolzen habe sich zuerst den Beinamen &#8222;zur Rheingasse&#8220; beigelegt, deshalb m\u00fcssen die Overstolzen als die Erbauer dieses pr\u00e4chtigen Hauses gelten (ebenda).\u00a0 Die Overstolzen seien wohl das m\u00e4chtigste Geschlecht in K\u00f6ln gewesen &#8211; Weyen vergleicht ihre Rolle mit denen der Medici in Florenz (S. 28) &#8211; aber auch in recht handgreifliche Meinungsverschiedenheiten mit anderen Machthabern (etwa dem Erzbischof, S.30) geraten.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise ergibt sich der Bezug dieses Hauses zum Templerorden jedoch aus folgendem, heute von mir rechnerchierten Sachverhalt, der die Deutung als Besitz der Familie Overstolz nicht ausschliesst. Nach neueren Forschungen sei das romanische Patrizierhaus mit den markanten Stufengiebeln etwa 1230 von Blithildis Overstolz errichtet worden (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Overstolzenhaus\">wiki\/Overstolzenhaus<\/a>).\u00a0 Diese hatte den Ritter Werner von der Schuren (ein Adelsgeschlecht aus dem Raum K\u00f6ln und Umgebung) geheiratet, der den Namen Overstolz bei der Hochzeit mit Blithildis angenommen hatte (a.a.O). Das Haus hie\u00df damals dennoch in den <a title=\"Schreinsb\u00fccher\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schreinsb%C3%BCcher\">Schreinsb\u00fcchern<\/a> bis 1257 \u201eHaus zur Scheuren\u201c (ad horreum) und besa\u00df damit den urspr\u00fcnglichen Namen des Ritters Werner von der Schuren (a.a.O). Dieser Name taucht bei Weyden \u00fcberraschenderweise garnicht auf. Entweder ist das von ihm \u00fcbersehen worden. Oder er wollte seine durchaus nicht l\u00fcckenlos \u00fcberzeugende Argumentation nicht ins Wanken bringen. Es gelang mir zudem, in der Tat recht enge Gesch\u00e4ftsbeziehungen der\u00a0Familie von der Schuren mit den Templern nachzuweisen. So hat sie &#8222;mit den Templern in Verhandlung um Grund und Boden unter welfischer Zeugschaft&#8220; gestanden ( <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=aFJEAAAAcAAJ&amp;pg=PR20&amp;lpg=PR20&amp;dq=von+der+Schuren+Tempelritter&amp;source=bl&amp;ots=XkUqiGQy8T&amp;sig=XK4ae8jCgIZhfSx_0NLI1jv-TNw&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=0CCcQ6AEwAWoVChMI6cfB2I7RxwIViZAsCh1hsg-x#v=onepage&amp;q=von%20der%20Schuren%20Tempelritter&amp;f=false\">v. Hormeyer, Die Bayern im Morgenlande, M\u00fcnchen 1832, S XX <\/a>). Vielleicht ist das eine Spur, die an der Legendenbildung mithalf.<\/p>\n<p>Foto: Markus Menzendorff\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Lithografie um 1843 von August Schott &#8211; Rheinisches Bildarchiv<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K\u00f6ln_-_Overstolzenhaus_Lithografie_um_1843_von_August_Schott_-1843-e1440951146130.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-457 alignright\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K\u00f6ln_-_Overstolzenhaus_Lithografie_um_1843_von_August_Schott_-1843-202x300.jpg\" alt=\"Lange, Ludwig, Overstolzenhaus, Rheingasse 8, Lithographie, um 1843 (K\u00f6ln, K\u00f6lnisches Stadtmuseum. (Foto: \u00a9 Rheinisches Bildarchiv K\u00f6ln, rba_mf134647)\" width=\"202\" height=\"300\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0071-e1440951088562.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-456 size-medium\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0071-210x300.jpg\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-large;\">2. Das sogenannte Tempelhaus in Erbach <\/span><\/p>\n<p>Wir benutzen einen sch\u00f6nen Tag im Mai f\u00fcr einen Ausflug in den Odenwald, auch um das dortige angebliche Templerhaus n\u00e4her zu untersuchen. Postalische Anschrift: St\u00e4dtel 15a und 21, 64711 Erbach. Ansicht von aussen auf die Altstadt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0193.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-454 size-large\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0193-1024x683.jpg\" alt=\"DSC_0193\" width=\"625\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0193.jpg 1024w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0193-300x200.jpg 300w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0193-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ansicht von der Stadtseite:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0203.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-455 size-large\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0203-1024x683.jpg\" alt=\"DSC_0203\" width=\"625\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0203.jpg 1024w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0203-300x200.jpg 300w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0203-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8222;Das Tempelhaus geh\u00f6rte zu der Ansiedlung von <a title=\"Burgmann\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Burgmann\">Burgmannen<\/a> vor der Burg, dem historischen Kern der mittelalterlichen Stadt Erbach, umschlossen von Armen der M\u00fcmling im Bereich der heutigen Stra\u00dfe <i>Im St\u00e4dtel<\/i>. Burgmannen werden in Erbach urkundlich 1303 als <i>Castrenses<\/i> greifbar, namentlich erstmals 1372 erw\u00e4hnt.&#8220; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tempelhaus_%28Erbach%29\">Wikipedia Tempelhaus Erbach<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Bezug zu dem Templerorden ist urkundlich nicht nachweisbar. \u00dcberhaupt liegt die Entstehungsgeschichte des Hauses noch immer ziemlich im Dunklen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8222;Forschungsstand vor der Durchf\u00fchrung der Untersuchung:<br \/>\nEs existierte kaum gesichertes Wissen \u00fcber Ursprung, Alter und Geschichte des Hauses. Datierungsvorschl\u00e4ge: vom 13. bis zum 15. Jahrhundert; Der heutige Geb\u00e4udekubus galt als eine Erweiterung des alten Wehrturms. Obgleich im erst 18. Jahrhundert das Geb\u00e4ude erstmals als &#8222;Tempelhaus&#8220; bezeichnet wurde, brachte man den Bau mit dem Tempelorden und den Johannitern in Zusammenhang. Unbestritten befand sich das Haus als &#8222;Steinernes Haus im Echterischen Hof&#8220; lange Zeit im Besitz der Familie Echter von Mespelbrunn. Die Nachfolge der erbenlosen Familie Echter traten ab 1676 die Grafen Erbach an.&#8220;\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.baufachinformation.de\/denkmalpflege\/Das-Tempelhaus-in-Erbach-Lage-Erscheinungsbild-und-bisheriger-Kenntnisstand\/1988017186222\">Fraunhofer IRB<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Woher kommen solche Zuschreibungen des Volksmundes? Legenden, sagen die Wissenschaftler. Aus ihrer Sicht nat\u00fcrlich zurecht. Die Einstufung eines Geb\u00e4udes als dem Templerorden zugeh\u00f6rig ist nur statthaft, wenn belastbare Beweise gefunden worden sind. Urkunden, Prozessakten, Briefe, Katasterbezeichnungen, Orts- und Strassennamen, alte Landkarten, Grenzsteine oder andere (arch\u00e4ologische) bauliche Befunde kommen hierzu in Betracht. Keine Urkunde &#8211; kein Templerhaus! So einfach ist das aus wissenschaftlicher Sicht. Was ist aber mit den Legenden? Sind sie keinerlei Beachtung w\u00fcrdig? Der Volksmund sagt bekanntlich auch: Kein Rauch ohne Feuer.\u00a0 Ist also doch irgendetwas dran an diesen Legenden? Oder kommt der &#8222;Volksmund&#8220; durch nichts und wieder nichts auf solche dann absurden Ideen?<\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich nat\u00fcrlich auch eher einer auf Fakten basierenden Erkenntnis verpflichtet, sehe aber keinen Grund, nicht doch zwei Deutungsversuche zu dieser Frage zu wagen:<\/p>\n<p>Einerseits ist gerade bei dem Beispiel Erbach auff\u00e4llig, dass offensichtlich erst ab dem 18. Jahrhundert urkundliche Erw\u00e4hnungen des Namens Tempelhaus auftauchten. Dieser Befund ist offenbar auch bei anderen sogenannten Tempelh\u00e4usern in der n\u00e4heren Umgebung festzustellen:<\/p>\n<p>&#8222;Die regional h\u00e4ufige Bezeichnung als Templerhaus findet sich ebenso in Erbach, ehemalige <i>Templerh\u00e4user<\/i> haben existiert in <a title=\"Tempelhaus (Neckarelz)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tempelhaus_%28Neckarelz%29\">Neckarelz<\/a>, <a title=\"Uissigheim\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uissigheim\">Uissigheim<\/a> und <a title=\"Kleinwallstadt\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kleinwallstadt\">Kleinwallstadt<\/a>. Die gro\u00dfe Zahl steht im Widerspruch dazu, dass der <a title=\"Templerorden\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Templerorden\">Templerorden<\/a> in Deutschland kaum vertreten war. Meist entstanden die Bezeichnungen erst in der Neuzeit, beim Amorbacher Templerhaus geht sie auf eine Beschreibung Amorbachs von 1856 zur\u00fcck.&#8220; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Templerhaus_%28Amorbach%29\">Wikipedia Amorbach<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts kam es in bestimmten Zirkeln (mit unterschiedlichen und zum Teil gegens\u00e4tzlichen Zielsetzungen und Interessen) gro\u00df in Mode, sich des Templerordens zu entsinnen. So besch\u00e4ftigte sich etwa der bekannte deutsche Schriftsteller, Verlagsbuchh\u00e4ndler und Freimaurer Friedrich Nicolai (1733 &#8211; 1811) ab 1782 mit den Mythen um die Templer und untersuchte Bez\u00fcge zum Freimaurertum (Loiseleur, Jules, La Doctrine Secr\u00e8te des Templiers, 1873, S. 107). Besonders setzte sich ein \u00f6sterreichischer Diplomat und Orientalist namens <b>Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall<\/b> (* 9. Juni 1774 \u2020 23. November 1856 in Wien) mit doch sehr abwegigen und kruden Thesen \u00fcber die Templer in seinem Traktat <a href=\"https:\/\/archive.org\/stream\/dieschulddertem00purgoog#page\/n43\/mode\/2up\">Die Schuld der Templer, Wien, 1855 <\/a>in erbitterten Widerstreit mit z.B. franz\u00f6sischen Historikern wie Michelet und Raynouard. Sein Buch enth\u00e4lt gezeichnete Abbildungen von Reliefs, wie u.a. dieses:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/BaphometEarly1.gif\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-478 size-full\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/BaphometEarly1.gif\" alt=\"BaphometEarly1\" width=\"214\" height=\"320\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hammer-Purgstall bezeichnet seine &#8211; wie zu erwarten &#8211; sehr umstrittenen Zeichnungen als arch\u00e4ologische Beweise der G\u00f6tzendienste der Templer. Eins dieser Reliefs soll ein K\u00e4stchen aus Kalkstein geziert haben, das in der Gemeinde Essarois (21, C\u00f4te-d&#8217;Or) gefunden worden sei. Dieser Ort befindet sich tats\u00e4chlich in unmittelbarer Nachbarschaft der bekannten Templerorte im Bistum Langres, <b><a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/?p=11\">Voulaines-les-Templiers<\/a> <\/b>und <b><a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/?p=11\">Bure-les-Templiers<\/a> <\/b>(ca. 15-20 Km). Das ist aber auch schon alles. Die Kunstfertigkeit und Darstellungsweise enstpricht in keiner Weise dem, was ich an Steinmetzarbeiten aus dem Mittelalter allerorts gesehen und zum grossen Teil in dieser Webseite dargestellt habe.\u00a0 Was auch immer das gewesen sein soll, es beweist nichts. Zumal die Sammlung des Duc de Blacas, in der sich diese Skulptur befunden haben soll, sich nicht mehr besichtigen l\u00e4sst. Sie existiert nicht mehr (Loiseleur, S. 120).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich will mich diesem obsoleten Meinungsstreit an dieser Stelle nicht weiter widmen. Man sieht jedoch, dass die Phantasie der Menschen im 18. und 19. Jahrhundert &#8211; aus welchen Gr\u00fcnden auch immer &#8211; durch die Templer und ihr bis heute noch in vielem r\u00e4tselhaftes Schicksal regelrecht befeuert wurde (vgl. Barber, die Templer, S. 285ff.).\u00a0 Und so mag das vielleicht ein Grund daf\u00fcr gewesen sein, dass man dem einen oder anderen Haus, dessen Grundsteinlegung im Mittelalter erfolgte, und \u00fcber das nicht alles aus Urkunden bekannt war, eine Templerlegende andichtete.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Andererseits mag es auch gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr gegeben haben, dass sich &#8211; besonders in Deutschland &#8211; Urkunden \u00fcber Templerbesitzungen oft nicht finden lassen.\u00a0 Der Papst verf\u00fcgte zwar 1314, dass die G\u00fcter der Templer im wesentlichen (ausgenommen derer, die sich auf der iberischen Halbinsel befanden) den Johannitern zu \u00fcbergeben seien (Wilke, S. 605). Allerdings erfolgte die \u00dcbernahme in der Praxis keinswegs unproblematisch, insbesondere in dem politisch zersplitterten Deutschland nicht. So habe sich manche Privatperson den den Johannitern mit Rechtsstreitigkeiten widersetzt (a.a.O. S. 606 f.). M\u00e4chtige Dynasten erzwangen sich den Besitz an Templerburgen. (a.a.O. S. 609). Auch Landesherren und Kl\u00f6ster gingen nicht leer aus (ebenda).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">So dauerte es bis in die f\u00fcnfziger Jahre des 14. Jahrhunderts, bis der Besitz\u00fcbergang mancher Templerst\u00e4tten in Deutschland auf die Johanniter als Rechtsnachfolger vollzogen war. Zielenzig gelangte 1350, <a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/?p=64\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">S\u00fcpplingenburg<\/a> erst 1357 in die H\u00e4nde von Foulques de Villaret, Gro\u00dfmeister der Johanniter zu der Zeit (<a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=sbvPOmXNXZIC&amp;pg=PA84&amp;lpg=PA84&amp;dq=Johanniterorden+%C3%9Cbernahme+der+Templerg%C3%BCter+in+Deutschland&amp;source=bl&amp;ots=rNjPHknWwY&amp;sig=cTV9qhZ6nlpURwH9ZZ0BPsXtVhw&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=0CDUQ6AEwBWoVChMIvtKn6-vTxwIVyQ4sCh3bmAu7#v=onepage&amp;q=Johanniterorden%20%C3%9Cbernahme%20der%20Templerg%C3%BCter%20in%20Deutschland&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sarnowsky, S. 84<\/a> (in: Die Johanniter: ein geistlicher Ritterorden in Mittelalter und Neuzeit, Beck Verlag, 2011).\u00a0 Manche G\u00fcter der Templer wurden schlichtweg von den Erben der Stifter eingezogen oder gar von F\u00fcrsten zur Weitergabe an G\u00fcnstlinge enteignet (aaO). Das Klammern an Urkunden bringt bei solchen Vorg\u00e4ngen nicht viel ein. Denn Urkunden wurden im Mittelalter bekanntlich sehr h\u00e4ufig gef\u00e4lscht oder vernichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8222;Zeitweilig wurden ganze Serien von Falsifikaten hergestellt, z.B. durch den Bischof Pilgrim von Passau (971-991) und in der Abtei Fulda (um 1200) durch den M\u00f6nch Eberhard, der mit gro\u00dfer Geschicklichkeit die rechtliche Aufbesserung von alten Urkunden in K\u00f6nigsurkunden vornahm. Auch das Kloster Reinhardsbrunn in Th\u00fcringen, von dem 13 Falsifikate bekannte sind, stellte sich im 12. Jhdt., wenn auch vergebens, mit verf\u00e4lschten Urkunden einer Gr\u00fcndung des Klosters Georgental in unmittelbarer Nachbarschaft entgegen, um diesen unliebsamen Konkurrenten auszuschalten. Vom Berger Kloster in Altenburg sind 23 Falsifikate bekannt. Sie reichen von der gef\u00e4lschten, allerdings auf echter Grundlage beruhenden Gr\u00fcndungsurkunde \u00fcber die gef\u00e4lschte Hochgerichtsbarkeit bis zu fingierten Abgabeerh\u00f6hungen. In vielen F\u00e4llen wurde einer F\u00e4lschung eine andere entgegengesetzt, oder, wie es Hinkmar von Reims im 9. Jhdt mit Witz und Scharfsinn tat, die gleiche nochmals ver\u00e4ndert. Doch nicht alle Schreiber, die eine Urkunde f\u00e4lschten oder &#8222;verunechteten&#8220;, waren sich eines Versto\u00dfes gegen die bestehende Rechtsordnung bewusst, obwohl auch im MA Urkundenf\u00e4lschungen unter Strafe gestellt waren, wie u.a. der Schwabenspiegel und besonders auch das kanonische Recht ausweisen. Und trotzdem sind uns aus dieser Zeit nur wenige Strafproze\u00dfakten, gemessen an der hohen Zahl der F\u00e4lschungsdelikte, \u00fcberliefert&#8220; (aus: <a href=\"http:\/\/www.gesetzlose-gesellschaft.de\/vortraege\/1985.phtml\">Quirin<\/a>, 1985, Bemerkungen zum Problem der Urkundenf\u00e4lschung im Mittelalter).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach alledem l\u00e4sst sich nicht ausschliessen, dass der Volksmund sich im Hinblick auf das eine oder andere &#8222;angebliche&#8220; Templerhaus noch zurecht an die fr\u00fcheren Herren erinnerte. Und dass diese Erinnerung die Zeiten \u00fcberdauerte und sich nicht darum scherte, dass irgendeine neue Herrschaft fr\u00fchere Templerbesitzungen mit allen erdenklichen redlichen oder unredlichen Mitteln an sich gerissen haben mag.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit solchen \u00dcberlegungen alleine l\u00e4sst sich nichts gewinnen, das ist pure Spekulation. Die Forschung w\u00e4re aber gut beraten, mehr \u00fcber den Ursprung der Legenden in Erfahrung zu bringen, bevor man so etwas als unbeachtlich abtut. Steht fest, dass die Erw\u00e4hnungen tats\u00e4chlich erst im 18. Jh. einsetzen, so wird es sich wohl nur um eine romantische Zuordnung der genannten Modewelle handeln. Die Aufkl\u00e4rung, aber auch das Freimaurertum und die Romantik machten die Templer, die seit der Vernichtung ihres Ordens dem Vergessen oder der Verachtung anheimgefallen waren, erst wieder salonf\u00e4hig. Reichen die Volksmund-Zuordnungen bis ins ausgehende Mittelalter oder in die beginnende Neuzeit zur\u00fcck, muss man die Sache gewiss ernster nehmen und die Quellen sorgf\u00e4ltig und ergebnisoffen studieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Was gab es sonst noch zu sehen, in der Gegend vom Erbacher sogenannten Templerhaus?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine r\u00f6mische Villa aus dem 2. Jahrhundert, anzusehen in einem sch\u00f6nen Freilichtmuseum:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0113.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-452 size-large\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0113-1024x683.jpg\" alt=\"DSC_0113\" width=\"625\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0113.jpg 1024w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0113-300x200.jpg 300w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0113-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a>R\u00f6mische Villa Haselburg, 64739 H\u00f6chst im Odenwald<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0120.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-497 size-large\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0120-1024x683.jpg\" alt=\"DSC_0120\" width=\"625\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0120.jpg 1024w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0120-300x200.jpg 300w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0120-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a>r\u00e4tselhaftes Detail der Anlage (wof\u00fcr das wohl gut war? )<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und ein paar Kilometer weiter dieses Kleinod, oder eher ein &#8222;Gro\u00dfod&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0162.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-453 size-large\" src=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0162-1024x683.jpg\" alt=\"DSC_0162\" width=\"625\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0162.jpg 1024w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0162-300x200.jpg 300w, http:\/\/menzendorff.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0162-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die <b>Einhardsbasilika<\/b> in Steinbach, einem Ortsteil von Michelstadt im hessischen Odenwald, ist ein Kirchenbau aus dem 9.\u00a0Jahrhundert. Die gut erhaltene Basilika gilt als au\u00dfergew\u00f6hnliches Bauwerk und wegen des noch zum Gro\u00dfteil erhaltenen <a title=\"Karolinger\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karolinger\">karolingischen<\/a> Mauerwerks im Bereich des Mittelschiffs, des n\u00f6rdlichen Nebenchors und der <a title=\"Krypta\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krypta\">Krypta<\/a> als eines der wenigen Beispiele <a title=\"Liste karolingischer Bauwerke\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_karolingischer_Bauwerke\">karolingischer Baukunst<\/a> in Deutschland. Ihr Name bezieht sich auf ihren Erbauer <a title=\"Einhard\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Einhard\">Einhard<\/a>, den Ratgeber Karls des Gro\u00dfen und Ludwigs des Frommen. (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Einhardsbasilika_%28Steinbach%29\">wikipedia)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angebliche &#8222;Templerorte&#8220; in Deutschland W\u00e4hrend meine bisherigen Beitr\u00e4ge von der Bem\u00fchung gekennzeichnet waren, sich ausschliesslich auf wissenschaftlich erwiesene Templerbesitzungen zu beziehen, habe ich versucht, mich in diesem Beitrag auch ein wenig dem Ph\u00e4nomen der Legenden zu n\u00e4hern.\u00a0 Insbesondere in Deutschland scheint es ein Problem mit nur angeblichen Tempelh\u00e4usern zu geben. 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