Deutscher Orden und Johanniter in Hessen, 2017

1. Der Deutsche Orden in Hessen

Karte der Niederlassungen des Deutschen Ordens in Hessen

(Quelle: Google maps, Layout: M.M.)

Alle Deutschordensstationen liegen unmittelbar an der heutigen Bundesstrasse B 3. „Bei der früheren Nummerierung im Jahr 1932 begann die so genannte „Reichsstraße 3“ in Lübeck und führte dann über Hamburg nach Buxtehude, wo sie heute als „Bundesstraße 3“ ihren Anfang nimmt. Straßen wie die B3 entwickelten sich entlang uralter Handelsrouten. So kann man den Verlauf auch dieser Straße nachvollziehen von Norden nach Süden, von der Ostsee bis ans Mittelmeer.“ (Zitat Route B3). Die Wahl der Plätze für die Niederlassungen des Deutschen Ordens erfolgte danach keinesfalls zufällig. Es ist offensichtlich, dass die Marienritter wert darauf gelegt haben, sich entlang dieser Straße niederzulassen. Weiterhin fällt auf, dass die Ordenshäuser vorzugsweise in größeren Städten oder in der Nähe solcher Städten erichtet worden sind.

1.1 Fritzlar, wird noch nachgereicht, von Fritzlar nach Marburg 60 Km

1.2 Kommende Marburg

Baubeginn der Kommende ab 1234, hier ein seitliches Verwaltungsgebäude

Portal der Elisabethenkirche, Elisabethenstr. 3, 35037 Marburg

1.3 a Kommende 35394 Schiffenberg

Von Marburg gelangt man nach 30 Kilometern auf der B 3 nach Süden zu den nächsten  beiden Ordenssitzen, nämlich Schiffenberg (bei Gießen) und Wetzlar.

Marienkirche von 1133 von Nordosten

Südseite der Basilika

1.3 b Wetzlar

Auf gleicher Höhe über Frankfurt, aber 18 Kilometer weiter westlich ist eine weitere Niederlassung des Deutschen Ordens zu finden, und zwar in der Lottestrasse von Wetzlar, hoch über dem Wetzlarer Dom, den man bequem zu Fuß erreichen kann. Das Gebäude beherbergt jetzt das Stadtmuseum von Wetzlar.

Deutschordenskommende Wetzlar, Zehntscheune undt Haupthaus (rechts im Bild)

Ruine eines mittelalterlichen Gebäudes

Grabsteine von Deutschordensrittern

1.4 Ober-Mörlen

23 Kilometer südlich von Schiffenberg und ebenfalls an der B 3 liegt die Deutschordenskommende Ober-Mörlen.

Deutscher Orden, 61239 Ober-Mörlen

Haupteingang zur Komturei

1.5 Deutschordensschloß Friedberg

Keine acht Kilometer weiter südlich stößt man dann auf die Kommende Friedberg

postalische Adresse: In der Burg, 61169 Friedberg

1.6 Deutschordensschloß Kloppenheim

Adresse: Am Schloß 16, 61184 Karben

1.7 Deutschordenskommende Frankfurt

Brückenstrasse 1, 60594 Frankfurt am Main.

„Alte Brücke“, Deutschordenskommende, Brücken- und Elisabethenstraße, Merian, 1628

Die Lage war optimal gewählt: Direkt an der „Alten Brücke“ von Frankfurt. Die Top Location im Mittelalter, einer der damaligen Hauptknotenpunkte des europäischen Fernhandels. Auch die B 3 benutzt diesen Mainübergang heute noch. Hier geht es dann auf dem rechten Rheinufer entlang bis Basel. Die steinerne Brücke existiert seit 1222, vorher gab es wohl hölzerne Vorgänger. Die Brücke ersetzt eine Furt, die an exakt der gleichen Stelle bestand. Mehr über die Geschichte der alten Brücke erfahren Sie hier: Wikpedia.

2. Die Johanniter in Hessen

Karte der Niederlassungen des Johanniter-Ordens in Hessen um 1300.

(Quelle: Google maps, Layout: M.M.)

Man erkennt auf den ersten Blick, dass die Johanniter ihre „Straße“ durch Hessen etwas östlich von der des Deutschen Ordens „angelegt“ haben. Diese verläuft in nord-südlicher Richtung Wiesenfeld nach Neckarelz und teilt sich dort schließlich. Auch an der B 3 hatten die Johanniter Besitzungen, wenngleich auch nur zwei. Es hat den Anschein, dass die beiden Orden sich hier offenbar nicht gegenseitig Konkurrenz machen wollten, sodaß zwei alternative Streckentrassen angeboten wurden. Vermutlich gab es wegen hohem Verkehrsaufkommen ausreichend Bedarf an Krankenhäusern und Übernachtungsmöglichkeiten. Frankfurt war eine Kaiserstadt und die Könige wurden seit dem 12. Jahrhundert regelmäßig hier gewählt. In Frankfurt waren daher alle drei Ritterorden anssässig. Weiter fällt auf, dass die Johanniter vornehmlich stadtferne, kleinere Orte für ihre Niederlassungen ausgesucht haben. Im Falle Nieder-Weisel gehörte sogar der ganze Ort zum Orden.

 

2.1 Wiesenfeld

1238 erstmals urkundlich erwähnt:  Johanniterkirche und -Kommende, 35099 Burgwald

Wiesenfeld: Johanniterkreuz 13. Jh

2.2 Grebenau

Reste der Johanniterkommende, 36323 Grebenau

2.3 Nieder-Weisel

Urkundlich erwähnt wurde diese Kommende erstmals im Jahre 1245 (Wikipedia).

bnb

bnb

Herrenhaus der Kommende, 17 Jh.

Kapelle der Kommende Nieder-Weisel, Krankenhaus im Obergeschoß, 35510 Niederweisel

2.4 Nidda

Johanniterturm in 63667 Nidda, von der Basilika aus dem Jahr 1187 steht nichts mehr

2.5 Kommende Rüdigheim

Herrenhaus Kirchstraße 7, 63543 Rüdigheim (Neuberg), Main-Kinzig-Kreis

2.6 Kommende Mosbach

Mosbach, Kirchgasse 3, 64850 Mosbach (Schaafheim), Kreis Darmstadt-Dieburg

2.7 Kommende Ober-Mossau

Kirchstraße 6, 64756 Mossautal, Odenwaldkreis

2.8 Das „Tempelhaus zu Neckarelz“, Mosbach

Johannitergasse 2, 74821 Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis, Baden-Württemberg

2.9 (ehemalige) Johanniterkirche in Frankfurt

Aquarell von Carl Theodor Reiffenstein, 1871 (Wikipedia)

Stadtplan von 1861 (Quelle Altfrankfurt.com)

Johanniterhof, Merianstich 1628

Skizze aus 1873

3. Fazit

Die Distanzen zwischen den Kommenden des Deutschen Ordens:

  1. Fritzlar – Marburg 60 Km
  2. Marburg – Schiffenberg 30 Km
  3. Schiffenberg – Friedberg 30 Km
  4. Friedberg Frankfurt 30 Km

Die Annahme, die Ordensritter haben ihre Niederlassungen absichtlich in bequemen Tagesetappen entlang einer seit alters her bestehenden Fernstrasse angelegt, dürfte danach wohl erwiesen sein. Ausserdem wird die These bestärkt, dass die Einrichtungen der Ritterorden sehr häufig (und wohl ebenfalls nicht zufällig) 30 oder 60 Km auseinander liegen.

Es handelt sich bei den Niederlassungen in den Städten entlang eines alten und bedeutsamen Fernwegs (der heutigen B 3) in Hessen um eine planmässig angelegte Straße der Ordensritter.

Die Distanzen zwischen den Kommenden der Johanniter:

  1. Wiesenfeld – Grebenau 60 Km
  2. Grebenau – Nidda 60 Km
  3. Nidda – Rüdigheim 28 Km
  4. Rüdigheim – Mosbach 42 Km
  5. Mosbach – Obermossau 31 Km
  6. Obermossau – Neckarelz 45 Km (Hier teilt sich die Strasse)
  7. Neckarelz – (westl.) Bruchsal (an der B 3!) 50 Km – (östl.) Schwäbisch Hall 60 Km

Auch dieser Befund bestätigt die Annahme, dass die Ordensritter Distanzen zwischen 30 und 60 Km bevorzugt haben.

Die Johanniter haben in Hessen ebenfalls ihre Häuser entlang einer Strasse in Hessen eingerichtet, die ca. 20 bis 30 Km weiter östlich liegt. Es handelte sich offenbar um eine Nebenstrecke, die kleinere Ortschaften verbindet.

Die Templer hatten lediglich in Frankfurt einen Sitz.  In der ehemaligen Flur „Lindau“ (im heutigen Westend) haben die Templer im Jahre 1255 Güter erworben  (Templerlexikon). Eine „Templerstraße“ in Hessen hat es wohl nicht gegeben.

2 thoughts on “Deutscher Orden und Johanniter in Hessen, 2017

  1. Martin Röhling

    Der Deutsche Orden in Deutschland ist begründet durch eine Schenkung der Grafen von Reichenbach und Ziegenhain im Jahre 1207, als in Reichenbach (Orsteil von Hessisch Lichtenau) die Pfarrei an den Deutschen Orden übertragen wurde. Dies ist die erste Niederlassung des Deutschen Ordens. Die Quellen dazu sind gegeben, werden aber meist in der Geschichtsschreibung nicht beachtet. Man kann einiges bei Angus Fowler Forschungen finden. In den Niddaer Geschichtsblätter Heft 9 ist eine komplette Stammatfel der Reichenbacher, Ziegenhainer und Niddaer Grafen zu finden und u.a. über den Deutschen Orden und den Johanniterorden in Nidda, die ebenfalls die erste Niederlassung des Ordens in Hessen ist (achtälteste in Deutschland). An dem Kirchenschiff in Nidda haben insg. 3 Ausgrabungen stattgefunden, wobei eine mächtige Grabplatte gefunden worden ist und neue Erkenntnisse über den Kirchenbau. Das Kirchenschiff wurde mit Pflasterungen und Mauern kenntlich gemacht.

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    1. markus Beitragsautor

      Danke für Ihren Beitrag. Sie können mir Ihre Quellen per e-mail übermitteln, ich würde sie gerne einsehen und auch zitieren können. Meine Adresse finden Sie unter Kontakt. Ich würde aus Ihrem Betrag natürlich mit Namensnennung zitieren.

      Antworten

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