Die Ordensritter im Elsass

1. Bas-Rhin

Im Elsass waren alle drei Ritterorden recht zahlreich vertreten. Zur besseren Übersicht habe ich die beiden Departements getrennt dargestellt. Wir beginnen im Norden mit dem Department Bas-Rhin.

Es entsteht der Eindruck, dass sich die Templer mit den Deutschordensrittern die westlichere Trasse von Bouxwiller nach Sélestat „aufgeteilt“ haben, während sich die „Straße“ der Johanniter etwas weiter östlich befindet. Das Rheinufer selbst war generell ungeeignet für Fernstraßen. Auch die Römer hatten es schon vorgezogen, ihre Fernstraßen in sicherer Distanz zum Rhein anzulegen, weil dieser – seinerzeit noch nicht kanalisiert – ständig seinen Lauf veränderte. Die Fernstraßen mußten auf trockenem und festen Grund verlaufen und durften auch nicht zu nah an die Vogesen herangeführt werden, weil man andererseits auch keine unnötigen Steigungen und Gefälle in Kauf nehmen wollte.

An der Nordgrenze des Elsass zur Pfalz endet die „Deutsche Weinstrasse“. Die Strecke zwischen Bad Bergzabern und Wissembourg war Teil der linksrheinischen Römerstraße.

1.1 67160 Wissembourg

Ehem. Deutschherrenschloss, heute Sitz des Maison du Conseil Départemental de Wissembourg, Cour de la Commanderie/Rue de’l Ordre Teutonique

ehem. Johanniterkirche Saint-Jean, 13. Rue du Presbytère

1.2 67330 Bouxwiller

Turm der Templer? (siehe Aubarbier-Binet, S.25)

1.3 67500 Haguenau

Pfarreikirche Saint-Georges, (ehemalige Johanniterkirche),  Rue du Presbytère/Rue des Johannites

Commanderiegebäude, 57, Grand Rue, Haguenau

1.4 67310 Westhoffen

Westhoffen, Rosenbourg, ehemaliger Templersitz, heute ein Wohnhaus.

Ich zitiere: „Die Rosenburg (franz. Rosenbourg) ist eine ehemalige Templerburg in der elsässischen Gemeinde Westhoffen im französischen Département Bas-Rhin. Die Wasserburg bestand aus einem viereckigen Wohnturm, umgeben von einem Graben und einer Mauer, die an ihren Ecken mit vier Bastionstürmen ausgestattet war.“ aus dem Beitrag von Wikipedia, dem auch das nachstehende Bild entnommen ist.

Die Rosenburg im 16. Jahrhundert

1.5 67000 Strasbourg

Straßburg war bereits seit 343 ein Bistum. Es liegt daher auf der Hand, dass auch die Ordensritter sich jeweils darum bemüht haben, hier eine Niederlassung zu gründen. Die Templer sollen ab 1183 hier Fuß gefasst haben (Histoire libre com). Der Deutsche Orden errichtete seine Kommende im Jahre 1215 und seit 1273 gab es dort einen Komtur (Damian Hungs). Die Johanniter traten hier erst ab 1371 auf den Plan (Landesarchiv BW). Vom deutschen Orden und von den Templern ist – meines Wissens – nichts mehr an Resten zu sehen. Von den Johannitern existiert eine Johanniskirche, Adresse Quai Saint-Jean (Wikipedia) , die nach einem Volltreffer von 1944 in den sechziger Jahren restauriert wurde und eine Reihe imposanter Gebäude der ehemaligen Komturei, in denen heute die École nationale d’administration, ENA, untergebracht ist. Sehen Sie hier: (Wikipedia).

1.6 67120 Dorlisheim

ehemaliges Johanniterschloss, Rue Saint- Jean, Dorlisheim heute Sitz des Autoherstellers Bugatti

1.7 67530 Boersch

ehemaliges Deutschordenshaus Boersch, Adresse: 4, Rue de Dôme, Siehe Wikipedia

1.8 67530 Ottrott

Die Örtlichkeit ist auf alten Karten als „Tempelsmühle“ eingetragen. Sie liegt unmittelbar am Ufer der Ehn. Alte Bausubstanz war nicht auszumachen.

1.9 67140 Andlau

von dem Templern sind keine Gebäudereste mehr übrig. Das Schloss gehörte dem Deutschen Orden

1.10 67860 Rhinau

 

 

Krankenhaus der Johanniter (ab 1260), 6, Rue de l’Hôpital, heute Seniorenheim

 

 

1.10 67600 Sélestat

Das ehemaliges johanniter-Schloß (ab 1260) beherbergt heute das Office de Tourisme, Adresse: 10, Boulevard du Général Leclerc.

2. Haut-Rhin

Die Grafik legt die Vermutung nahe, dass alle drei Ritterorden sich im Oberelsaß eine Route „geteilt“ haben. Die Commanderien von Bergheim bis Soultz halten einen auffällig großen Abstand zum Rhein und liegen jeweils am Fuße der Vogesen. Vermutlich waren dort die Verhältnisse für eine Fernstrasse günstiger und der Verlauf des Rheines noch unstabiler. Nach Mülhausen teilt sich die „Johanniterstrasse“ nach Basel im Osten und nach Friesen im Westen.

In einem der nächsten Beiträge werde ich nachweisen, dass dieser Punkt den wichtigsten Verkehrsknoten der Logistik der Johanniter darstellt, weil hier die Fernverbindungen und -wege von Marseille, Venedig, dem Schwarzen Meer und den  Niederlanden mit ihren Seehäfen zusammenliefen. DIe Commanderie in Heitersheim (südlich von Freiburg an der B 3), wohl die größte der Niederlassungen des Ordens, war die Zentrale der über die Reichsgrenzen hinausgehenden Deutsche Zunge des Johanniterordens. (vgl. Ius Vivens) .

2.1 68750 Bergheim

Tempelhof, Bergheim, Rue de Thannenkirch

2.2 68240 Kaysersberg

Deutscher Orden, Heilig-Kreuz-Kirche, ehemalige Marienkirche, erbaut 1230.

2.3 6800 Colmar

ehem. Commanderie Saint-Jean de Colmar (ab 1234), heute Privatschule, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, Adresse Rue Saint-Jean, Colmar. Das in der gleichen Straße gelegene Maison des Chevaliers de Saint-Jean von 1608 hat indes keine nachweisliche Verbindung zum Ritterorden.

2.4 68360 Soultz

Commanderie Saint-Jean (ab1250), 12 rue Jean-Jaurès à Soultz.

2.5 68100 Mulhouse

Chapelle Saint-Jean (ab 1220), Rue Saint-Jean/Grand Rue

2.6 68170 Rixheim

ancienne Château des Chevaliers Teutoniques, heute Hôtel-de-Ville, 28 Rue Zuber, Rixheim

2.7 68580 Friesen

Kirche St. Peter und St. Paul, Friesen

Friesen liegt an der südwestlichen Grenze des Départements Haut-Rhin zum Territoire de Belfort. Hier enden die deutschen Ortsnamen und es wird ab jetzt nur noch französisch gesprochen. Der Nachbarort heißt Ueberstrass und deutet an, dass hier eine alte Paßstrasse über die Wasserscheide  nach Frankreich verlaufen ist. Der nächste Johanniterort in Frankreich heißt Valentigney. Er liegt am Ufer ds Doubs und ist 33 Km von Friesen entfernt.

3 Fazit: Die Ritterstraßen im Elsass

3.1 Der Deutsche Orden

Die Straße der Deutschordensritter beginnt in Wissembourg. Von dort sind es nach Strasbourg 60 Km und weitere 30 Km nach Boersch. Von hier nach Kaysersberg sind es 46 Km. Nach 25 Km erreichte man die Kommende Rouffach, nach weiteren 31 Km die Kommende Rixheim und schließlich – innerhalb von 27 Km – die Kommende von Basel.

3.2 Die Johanniter

Die Straße der Johanniter beginnt in Wissembourg. Von dort sind es nach Haguenau 30 Km und weitere 30 Km nach Strasbourg.  Sodann beträgt die Distanz nach Rhinau 31 Km und weitere 23 Km sind es nach Sélestat. In 24 Km ist man von dort in Colmar. Nach 27 Km erreicht man die Kommende Soultz und nach weiteren 40 Km die Kommende Mulhouse. Hier verzweigen sich die Johanniterstraßen. In südwestlicher Richtung erreicht man  nach 29 Km Valentigney und in südöstlicher Richtung nach 27 Km die Kommende von Basel.

Man stellt fest, dass diese Commanderien jeweils 1. mit mindestens drei anderen in einer Linie aufgereiht sind, deren Ausgangspunkt 2. eine strategisch bedeutsame Örtlichkeit darstellt und sich schließlich 3. in  – sehr bequemen – Tagesetappen von ca. 30 Km Distanz zur nächsten Station befinden. Die Regeldistanz von 20 bis 30 Km wird bei den Deutschordensrittern im Elsass in zwei Fällen nicht eingehalten. Jedoch trifft man durchaus öfters auf solche 60 Km Etappen, etwa zwischen Fritzlar und Marburg (DO), oder zwischen Wiesenfeld unjd Grebenau, sowie Grebenau und Nidda (Johanniter). 60 Kilometer sind per Pferd oder Kutsche sicher zu schaffen. Offenbar war es nicht überall erforderlich oder erwünscht, die Idealdistanz von 30 Km einzuhalten.

Nach der Eingangs vertretenen Definition wird man folglich hier von der Existenz von Straßen der Deutschordensritter und der Johanniter auszugehen haben, die den ganzen Elsass abdecken und von Wissembourg nach Basel führen.

3.3 Die Templer

Die Templer hingegen sind im Elsass – wie auch im übrigen Deutschen Kaiserreich spärlicher vertreten. Ihr Verbreitungsgebiet focussierte sich deutlich eher auf den frankophonen Sprachraum. Dennoch findet man vier Einrichtungen der Templer wie an einer von Norden nach Süden aufgereihten Kette mit Distanzen von 25 bis 29 Kilometern, nämlich Bouxwiller, Westhoffen, Andlau und Bergheim:

Da eine zufällige Anordnung hier wohl nicht in Betracht kommt, handelt es sich um eine Templerstrasse im Elsass.

Die große Häufigkeit von Einrichtungen der Ritterorden im Elsass beruht vor allem auf der Tatsache, dass die linksrheinische Wegverbindung von Basel über Mainz nach Köln wohl zu allen Zeiten eine Fernstraße von überragender Bedeutung dargestellt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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