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2017, Oktober, Tortosa und Umgebung

Im Oktober bekam meine Frau zum Geburtstag eine Reise nach Tortosa im Süden Kataloniens. Wir wollten da schon länger einmal hin. Es liegt ca 170 Km südwestlich von Barcelona. Auf der Mitte der Strecke befindet sich die Provinzhauptstadt Tarragona und der Flughafen Reus. Die Übernachtung hatte ich im Voraus im „Torre del Prior“ gebucht, einer ehemaliegen Niederlassung der Templer, die vor einigen Jahren in ein Bed-and-Breakfast Haus umgewandelt wurde. Die Unterkunft ließ kaum Wünsche offen. Einzelheiten finden Sie hier: Torre del Prior

1. Torre del Prior, Tortosa

Das Anwesen befindet sich ca. 2 Km nördlich von Tortosa an der C-12. Es liegt links von der Landstrasse. Die Ausfahrt ist schlecht beschildert. Wenn Sie von Norden kommen, können rechts nach Jesús abbiegen, im Kreisel wenden und dann über die Landstrasse hinwegfahren. Ich habe die Stelle aus Google Maps herauskopiert, um Ihnen ggf. eine lange Suche zu sparen.

Sie erwartet eine traumhaft gelegene und gestaltete Unterkunft, geräumige und moderne Zimmer, ein ordentliches Frühstück und im Sommer sogar ein Pool.

Torre del Prior, Camí de la Torre del Prior, 43500 Tortosa

Blick aus dem Zimmer auf das Ebro-Tal

Aus einem maroden Stall …. (das Foto hängt im Empfangsraum)

… wurde – mit viel Liebe zum Detail – eine schicke Empfangs-Lounge

Und so sah der Torre del Prior vor 2005 aus. (Copyright Fuguet y Plaza)

2. Stadt Tortosa

Im Jahre 1148 gelang dem Grafen Ramón Berenguer IV von Barcelona – unter Mithilfe der Templer, der Herrscher von Montcada und der Genueser – die Eroberung der Stadt Tortosa. Die Stadt wurde zu je einem Fünftel unter den Templern, denen von Montcada, dem Grafen von Barcelona, der Krone von Aragon und den Genuesern aufgeteilt. Die Templer vergrößerten Ihren Einfluß durch Schenkungen – auch und vor allem des Königs – und konnten schließlich auch den Teil der Genueser unter ihren Besitz bringen. Am Ende erlangten sie praktisch die Macht über die ganze Stadt Tortosa, bis auf die Burg Zuda (Fuguet y Plaza, S. 96 – 97).

Das Castillo de la Zuda ist nie eine Templerburg gewesen. Die Burg wurde im zehnten Jahrhundert von dem andalusischen Herrscher Abd al-Rahman III errichtet. Nach der Übernahme der Stadt durch die christlichen Eroberer diente sie erst als Gefängnis und wurde nach 1213 von König Jaume I als königliche Residenz beansprucht (La Ruta del Temple).

Castillo de la Zuda, Tortosa

Arabische Inschrift an einem Haus nahe der Kathedrale. (Foto: Beate Menzendorff)

Der Eingang zu Bischofspalast, Carrer de Cruera, Carrer de Palau, Tortosa

Bischofspalast, Obergeschoß

Der Bischofspalast von der Uferstrasse

Beim Spazieren durch die Altstadt, bzw. den Rest, der von ihr noch übrig geblieben ist, nahmen wir zufällig ein Johanniterkreuz aus dem 17. Jahrhundert an einem Gebäude war.

Wappen der Johanniter

Sitz der Johanniter in Tortosa

Kathedrale Santa Maria de Tortosa

Von den Templern ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Das ist in Städten zumeist der Fall, weil die Grundstücksspekulation schon sehr früh eingesetzt hatte. (Fuguet, S. 98).  Der Platz, an dem sich früher der „Convento del Temple“ und die „Puerta del Temple“ befunden haben, sieht heute so aus:

Straßenkreuzung in Tortosa

3. Torre de Campredó

In der Region am Unterlauf des Ebro befinden sich zahlreiche Verteidigungstürme, die wohl die Aufgabe hatten, das Hinterland vor Angriffen von See zu schützen und zu warnen. Und gegebenenfalls das Eindringen auf dem Fluß Ebro zu unterbinden. Die Templer unterhielten diese Türme zusammen mit den Johannitern und anderen Mächten, um die Mündung des Ebro zu schützen. Einer der am besten erhaltenen Exemplare davon, der Torre de Campredó

Torre de Campredó aus dem 13. Jahrhundert

gehörte den Templern und befindet sich ca 10 Km Luftlinie von Tortosa entfernt in der Nähe des Flusses Ebro einerseits und der Fernstrasse nach Tarragona andererseits, auf halben Weg zwischen den Gemeinde Camp Redó und Aldea.

Nach der Legende war zwischen diesem Turm mit quadratischem Grundriß und der „Hospitalaria de la Carrova“ auf dem anderen Ufer des Ebros eine Kette ausgelegt, die bei Bedarf gespannt werden konnte, um das Eindringen von Wasserfahrzeugen zu verhindern (Fuguet y Plaza, S. 98).

 Seitenansicht mit Ausguck auf den Fluß.

4. Torre de Burjassénia

Der zweitbesterhaltene Templerturm in der Region ist der Torre de Burjassénia in der Nähe der Gemeinde Aldea, ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert. Die Templer haben den Turm um 1200 von der Familie von Montcada gekauft (Fuguet y Plaza, S. 98 und wikipedia).

Seitenansicht Torre de Burjassénia, Aldea

Der Turm ist 14-16 m hoch und hat einen Durchmesser von 5-6 Metern am Boden (Quelle laldea.cat). Der Eingang ist sehr niedrig. Es befinden sich Fenster im Turm. Im Gemeindegebiet von Aldea gibt es vier solche militärischen Verteidigungstürme.

Zum Anwesen, das im Mittelalter mit einer hohem Mauer umgeben war

–  von der noch Reste erhalten sind –  gehört ein

Herrenhaus, wohl aus dem 17. Jahrhundert,

sowie zahlreiche kleinere Gebäude und eine Kapelle. Ein besonderes Rästel gab mir jedoch dieses Bauwerk auf:

Man konnte vor Ort nicht erkennen, was es damit auf sich hatte. Es gab keine Hinweisschilder und keine Chance, hineinzuschauen. Es mutet an, wie ein Tempel. Die Säulen scheinen aus der Römerzeit zu stammen.

Sehen wir uns die beiden Türme und die strategische Situation auf der Karte an, wird der Grund

für die Auswahl des Platzes schnell offensichtlich. Zwischen Tortosa, Campredó und Burjassénia besteht Sichtverbindung, wenn man auf die Wachtürme steigt.  Alle drei Stationen liegen in Sichtweite zu Ebro. Die beiden Türme Campredó und Burjassénia liegen zudem auch noch an der alten Römerstrasse Via Augusta, der heutigen N-340 bzw. der alten N-340 a von Tarragona nach Valencia. Der Torre de la Burjassénia grenzt sogar punktgenau an die alte Trasse.

Mas de Bujassénia, direkt an der alten Römerstraße N-340 a

Als ich vor Ort war, wußte ich noch nicht, dass die Römerstraße hier vorbeiführte. Das ergab sich erst aus der Lagekarte. Ich vermute daher, dass die Säulen von einer Einrichtung an der alten Römerstraße stammen, was bedeuten könnte, dass die Templer hier vielleicht eine Straßenstation aus der Römerzeit „wiederbelebt“ haben. Das ist aber nur eine Arbeitshypothese. Ich habe bisher noch nichts dazu in der Literaur gefunden.

Nach dieser Entdeckung sahen wir den Reisbauern im Ebro-Delta etwas bei der Arbeit zu, wie sie mit Spezialtraktoren die schlammigen Reisbecken bearbeiteten. Diese Fahrzeuge haben keine Räder, sondern Lamellenwalzen, die an Heck-Schaufelräder von alten Flussschiffen erinnern.

Anschließend fuhren wir in das schöne Örtchen Sant Carles de la Ràpita – das ganz im Süden an der Grenze von Katalonien liegt – und gönnten uns dort ein leckeres Mittagessen mit Muscheln als Vorspeise und Paella als Hauptgericht, tranken ein paar Gläser krachend kaltend Weisswein dazu und legten uns anschließen glücklich und zufrieden zum Mittagsschläfchen ans Meer. Das Leben kann so schön sein ….

5. Horta de Sant Joan

Am nächsten Tag brachen wir gleich nach dem Frühstück in Richtung Norden auf, in die Comarca Terra Alta. Es standen fünf Orte auf dem Plan, die nicht allzuweit auseinanderlagen und mehr oder weniger mit dem Templerorden in Verbindung zu bringen sind. Das erste Ziel war Horta de Sant Joan.

Die Ortschaft wurde von Alfons, dem Trobadour, genannt auch „el Cast“ 1160 erobert und er übertrug die Herrschaft über sie im Jahre 1174 an die Templer (wikipedia) .  Um 1185 erhielten die Templer vom Bischof von Tortosa sämtliche Rechte über die ganze Ortschaft (Fuguet y Plaza, S. 105).

Kirchplatz Sankt Johannes in Horta de Sant Joan

Alle Häuser hier stammen aus dem Mittelalter und gehörten einst den Templern.

Fenstersturz aus dem 13. Jhr.

Straßenschild: Straße der Ritter

Der hl. Georg, Schutzpatron der Templer

Kirchplatz

Nicht im Ort, sondern vielmehr gegenüber – getrennt durch das Tal des Barranco de Vilans – befindet der ehemalige Templerkonvent Sant Salvador. Mit dem Auto dahin zu gelangen, erwies sich als nicht einfach, aber es gelang schließlich doch.

Monastir Sant Salvador d’Horta

Die Templer hatten ihren Konvent und Ihren Sitz für die Herrschaft über Horta in dem etwa zwei Kilometer außerhalb von Horta liegenden Kloster, das zur Zeit der Templer Santa Maria dels Àngels genannt wurde. Die Johanniter haben das Kloster nach Auflösung des Templerordens noch bis ins 16. Jahrhundert fortgeführt und ausgebaut (Fuguet y Plaza, S. 105).

Westfassade des Klosters St. Salvador

sog. schwarze Madonna, nach Mitteilung der Buchautorin und Bloggerin Helene Luise Köppel handelt es sich um eine Kopie der Montserrat-Madonna

Wer über die schwarze Madonna, ihre Bedeutung und Ausbreitung mehr erfahren möchte, wird etwa bei Ean Begg, The Cult of the Black Virgin, oder bei Jean Hani, La vierge noire et le mystère marial Antworten finden. Das würde den Rahmen hier sprengen.

Handwerkerwappen am Hauptportal

Die Ostapsis der Klosterkirche

Blick vom Kloster auf die Ortschaft Horta de Sant Joan

6. Bot

Die kleine Ortschaft Bot liegt auf halbem Wege von Horta zu unserem nächsten Ziel Batea. Sie gehörte als „Zweigniederlassung“ zur Komturei von Horta (Fuguet y Plaza, S. 105). Das einzige, was noch an die Templer erinnert, ist ein Templerkreuz im Ortswappen.

Steinkreuz von Bot

Im Buch von Fuguet und Plaza, das aus dem Jahre 2005 stammt, ist von diesem Steinkreuz eine Zeichnung abgebildet und es wurde beschrieben, dass die Wappen sehr verwittert seien. Wir trafen das Steinkreuz erst kürzlich erneuert an. Das Ortswappen von Bots zeigt einen Ochsen und das Templerkreuz ist links davon zu sehen.

7. Batea

Batea war die faktisch die „Hauptstadt“ der Unterkomturei (subencomenienda) von Algars, die mit der Burg von Miravet verbunden war (Fuguet y Plaza, S 102). Seine Gassen und Gebäude gehen auf das Mittelalter zurück. Es gibt kein spezifisches Gebäude, welches als Templerhaus zu bezeichnen wäre. Wir sind durch die Strassen spaziert und haben einige Eindrücke von diesem Rundgang eingefangen:

Parkplatz vor der Altstadt von Batea

Hauptgasse

Seitengasse mit Kapelle

Diese Kapelle könnte in der Temnplerzeit entstanden sein, sie ist aber wohl noch einige hundert Jahre später verändert worden

Batea liegt also an einem Jakobsweg. Ich bin der Sache nicht nachgegangen. Ich wollte es hier nur festhalten.

 

8. Vilalba dels Arcs

Diese gotische Kapelle aus dem 13. bis 14. Jahrhundert wird den Templern zugeschrieben. Nach einer angebrachten Hinweistafel finden sich im Inneren der Kapelle an den Pfeilern der Joche Templerwappen und -kreuze. Leider war die Kapelle nicht von innen zu besichtigen.

Templerkapelle von Vilalba dels Arcs

Bauzustand der Kapelle vor der kürzlichen Renovierung

Südseite, drei Joche, drei Fenster.

Südseite vor der Renovierung, ca 2005, Aus Fuguet y Plaza

8 Ascó

Zum Schluss erreichten wir den nördlichsten Punkt unserer Tagesreise, die Burgruine Ascó. Von ihr ist jedoch nicht mehr viel erhalten. Sie liegt am rechten Ufer des Ebro auf einer recht steilen Anhöhe, die einen enormen Weitblick ins Land gestattet. Die Burg wurde 1182 von König Alfons el Cast zum Preis von 5.000 Morabotins an die Templer übertragen (Wikipedia).

Blick von  der Burg Ascó auf das Ebrotal

dito

Dieser Bau ist ein Signalturm aus dem neunzehnten Jahrhundert. Seit 2014 finden bis heute umfangreiche Baumaßnahmen statt.

Zum Schluß dieser Reise übermittele ich Ihnen noch den Kartenausschnitt mit den einzelnen Zielen für Ihre Orientierung. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Hier endet unser Ausflug durch die Provinz Tarragona nun. Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen. Und Sie besuchen meine Seite bald wieder.

 

2019, Juli, Lothringen, Templer- und Kulturreise

Kurz vor meinem diesjährigen Geburtstag tat meine Familie sehr geheimnisvoll. Ich solle niemanden einladen und mir für das Wochenende nichts vornehmen. Am Samstag, den 6. Juli ging es gleich nach dem Früstück los. Die Tochte lenkte das Auto erst nach Mainz, dann nach Kaiserslautern und schließlich über die „Goldene Bremm“ nach Frankreich. Bei Metz fuhren wir von der Autobahn ab und jetzt erst stand für mich das Reiseziel fest: Lothringen! Nicht schlecht.

1. Station Metz

Ich riet ihr, das Parkhaus unter der Galerie Lafayette anzusteuern. Es ist recht neu, großzügig angelegt und günstig von Preis und Lage. Von dort sind es jeweils nur ein paar Schritte sowohl zur Altstadt und der Kathedrale, als natürlich auch zum Arsenal und der Templerkapelle:

Templerkapelle von Metz und das „Arsenal“

Als wir uns ihr näherten, meinte ich zu erkennen, dass die Türe offenstand. Das Herz schlug bedeutend schneller, denn das wäre für mich eine absolute Sensation. Ich war schon viermal hier und jedesmal war geschlossen. Diesmal war es tatsächlich anders. Besucher waren gestattet und sogar auch das Fotografieren. Die Kapelle von Metz ist nicht nur wegen ihrer achteckigen Form bekannt geworden, sondern vielmehr durch die wunderbar erhaltenen Fresken:

agnus dei im Schlußstein

Maria mit Kind im Chor

Bibelszenen

Johannes, der Evangelist

Das letzte Abendmahl

Auch die in der Nähe befindliche Basilika Saint-Pierre-aux-Nonnains (gallo-römischer Ursprung aus dem 4 Jhr. n. Chr., ab 700 n.Chr. Kloster, im 15. und 16. Jahrhundert umgebaut, „gotisiert“)

war diesmal geöffnet. Im Innenraum gibt es nicht allzuviel zu sehen, aber eine Anzahl mittelalterlicher Grabsteine sind dort ausgestellt. Unter anderem auch Templerplatten:

„Blume des Lebens“ und Templerkreuz auf einem Grabstein

Man durchquert in wenigen Minuten die einladend freundliche und lebendige Fußgängerzone der Altstadt in Richtung Norden und trifft sodann auf die

Kathedrale Saint-Étienne, 1220 – 1520

sog. schwarze Madonna mit Kind in einer Seitenkapelle

Blick in den Ostchor

gotische Leichtigkeit

Westfassade mit gotischer Pracht-Rosette

Johannes, der Täufer

2. Station Château d’Alteville, 57260 Tarquimpol

Die zweite Überraschung des Tages erlebte ich am Nachmittag, nachdem wir in Metz aufgebrochen und ca 70 km weiter südlich gefahren sind. Die Familie hatte eine Übernachtung im Château gebucht und das war ziemlich beeindruckend. Unsere Zimmer im Erdgeschoß waren im Stil der Jahrhundertwende eingerichtet.

Das Haupthaus des Schlosses vom Park aus südöstlicher Richtung

standesgemäß eingerichteter Salon und Ausgang zum Park

Das Abendessen fand in einem Restaurant an einem nahegelegenen See statt und im Schloßpark genehmigten wir uns noch anschliessend eine Flasche Cremant d’Alsace, um in den Geburtstag reinzufeiern. Näheres zum Château können Sie hier erfahren.

3. Station Templerkomturei 57260 Gelucourt

Das Frühstück nahmen wir im Schloss ein, in einem prächtig eingerichteten Speisesaal. Es stand Nancy auf dem Programm, aber ich hatte bei der Herfahrt bemerkt, dass sich ganz in der Nähe vom Schloß ein Templerort befand, den ich schon mal vor 12 Jahren besucht hatte. Gelucourt war praktisch der Nachbarort. Mal sehen, ob sich was verändert hat.

Aus der Templerzeit steht hier nicht mehr viel, darum hat man wohl auch das große Schild angebracht, um dem Reisenden zu zeigen, dass er hier nicht viel mehr erwarten darf. Die Sackgasse, die von einigen neuzeitlichen Häusern umstanden ist, heißt „la Commanderie“. Natürlich ist auch ein See in unmittelbarer Nähe.

Die Commanderie Gelucourt wurde im Jahr 1264 gegründet. Die Kapelle ist der Chor der ehemaligen Kirche, deren Schiff nicht mehr existiert (Wikipedia).

Nordseite des Chors

4. Station Nancy

Bis zu unserer letzten Station waren es noch 45 Km und dann standen wir vor der ehemaligen Johanniter-Komturei von Nancy.

Tour de la Commanderie Saint-Jean-du-Vieil-Aître Nazet Mouteaux,  84, Impasse Clerin, 54000 Nancy, Zu überreichen über den Place de la Commanderie und die Avenue Foch.

Der Turm ist aus dem 12. Jahrhundert, die ehemalige Kirche ist um 1850 abgerissen worden. Man sieht noch einige Reste ehemaliger Komturei-Gebäude, die heute als Wohnhaus benutzt werden.

Ein Aufenthalt in Nancy wäre nicht komplett, ohne dem Place Stanislas einen Besuch abgestattet zu haben.

Hauptattraktion von Nancy, der Place Stanislas von 1755, heute Unesco-Weltkultuerbe

Ein paar Schritte weiter befindet sich die Cathédrale Notre-Dame-de-l’Annonciation de Nancy

Die Kreuze an den Pfeilern könnten mit Templerkreuzen verwechselt werden. Sie dienen hier – wie auch an vielen anderen, wichtigen Kirchen – jedoch als Erinnerung an den Besuch eines Papstes.

Drei Stunden später sassen wir bei uns zu Hause und feierten mit den Nachbarn spontan den glücklichsten Geburtstag meines bisherigen Lebens.

 

Ich hoffe, der Bericht hat Ihnen gefallen, und Sie kommen gelegentlich wieder!

 

 

 

 

2018, Mai, Katalonien – Teil 5

Wie im letzten Jahr verbrachten wir auch im Mai 2018 einen Familienurlaub in Pals, Baix-Empordà mit allem was dazu gehört, im Pool oder Meer baden, auf Wochenmärkten einkaufen, auf der Terrasse wieder einmal frische Croissants, Pfirsische und luftgetrockneten Iberico-Schinken zum Frühstück geniessen und eben auch reichlich alte Bausubstanz zum Staunen, Schauen und Schlendern. Empordà war das erste und nördlichste Bistum der Franken auf spanischem Boden. Die Bischofsburg von La Bisbal und besteht seit dem 9. Jahrhundert.

Wir haben schon öfters in der Gegend unseren Familienurlaub verbracht, wie die zahlreichen vorausgegangenen Reiseberichte zeigen. Mir war bei der Auswahl der jeweiligen Tagesziele immer klar, dass ich nie alle Templerstationen auf der Route vorbereiten und abdecken könnte. Da ich immer nur für einen Tag auf Tour ging, mußte ich mich notwendigerweise auf bestimmte Ziele beschränken und die Route so zusammenstellen, dass ich nicht allzufrüh losfahren und  zum Abendessen jeweils wieder zurück sein würde. Ausserdem gab es teilweise Öffnungszeiten zu beachten und Entfernungen auf Machbarkeit überprüfen. Viel mehr als 5 Einrichtungen pro Tag „abhaken“ zu wollen, ist daher nicht erstrebenswert.

1. Santa Coloma de Queralt, Prov. Tarragona, Comarca Conca de Barberà

Für das erste Ziel mußte ich ca. 200 Km zurücklegen. Die Gemeinde Santa Coloma de Queralt liegt nordwestlich von Barcelona im Hinterland. Nach Joaquim Miret I Sans, Les Cases de Templers I Hospitalers a Catalunya, S. 157 scheint es erwiesen, das die „vila de Santa Coloma de Queralt“ den Templern von einem Gombau d’Oluja am 29.11.1192 übertragen worden sei. Fuguet und Plaza, S. 73, scheinen das in Zweifel ziehen zu wollen. Danach gäbe es keinen direkten (Urkunden-) Beweis, aber eine Reihe von begründeten Sachverhalten gestatte es, diesen Ort als zum Umkreis der Templer zugehörig anzusehen. Die Kirche Santa Maria de Bell-Lloc wurde als Grablege für die Herrschaft von Queralt gebaut und diente dem Mercedarier-Orden als Klosterkirche. Der Bau begann 1221.  In jedem Fall ist das Bauwerk sehr gut erhalten und sehr schön anzusehen, sodaß ein Abstecher sich lohnte, zumal es ohnehin auf dem Weg lag.

Kirche Santa Marie de Bell-Lloc, Passeig de Mossèn Joan Segura, 18, 43420 Santa Coloma de Queralt

Westfassade mit Haupteingang

Details der Bildhauerarbeiten am Hauptprtal

Ansicht von Norden

Eine Ansicht aus der Totale würde sehr wirkungsvoll ausgesehen haben, aber es sind wohl Arbeiten im Gange, sodaß der Platz mit Bauzäunen umstellt war.

2. Gardeny, Prov. Lleida

Eine knappe Auto-Stunde weiter westlich liegt Lleida, mit 140.000 Einwohnern wohl die zweitgrößte Stadt, gleichzeitig die Hauptstadt der größten Provinz von Katalonien. Hier waren Sie, verehrter Leser, vielleicht schon mit mir im Oktober 2016, allerdings standen wir damals leider draußen vor verschlossenen Türen.

Castell de Gardeny, Carrer Tramo de Union, Lleida

Diesmal war ich rechtzeitig und konnte mir die Gebäude nun endlich auch einmal von innen ansehen.

Blick in den Ostchor der Kapelle

Wandmalereien an der Südwand, (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Templerkreuz

Das Hauptschiff nach Westen

Blick von Südosten auf die Kapelle

Haupteingang zur Kapelle an der Nordwand

Zum Abschluß dieses Kurzberichtes möchte ich mich noch einmal sehr herzlich bei der freundlichen Mitarbeiterin bedanken, die mich mit allen Prospekten und Hinweisen versorgt hat, die ich brauchte. Wir haben uns bestimmt noch eine Viertelstunde unterhalten. Und sie hat für mich im Internet die Öffnungszeiten meines nächsten Ziels nachgeschaut.

3. Monzón, Region Aragon, Prov. Huesca, Comarca Cinca Medio

Das nächste Ziel war nur ca. 50 km in nordwestlicher Richtung entfernt. Aber es war leider gerade Mittagspause, als ich ankam. Die Dame liess auch nicht mit sich reden. Ich hätte nur für 10 Minuten hereingemußt, denn nur ein kleiner Teil der Gebäude hat etwas mit der Templerzeit  zu tun. Die Burg von Monzón wurde sogar noch im Bürgerkrieg als Bastion verwendet und so sind die meisten Gebäudeteile strategische Anbauten aus den letzen Jahrhunderten.

Und so hielt sich meine anfängliche Enttäuschung in Grenzen.  Der Turm in Bildmitte – genannt „Dependecias“ ist aus der Templerzeit, ebenso wie  der „Torre de Jaime I“, rechts im Bild (12. – 13. Jhr).

Auf diesem Bild sieht man rechts die Templerkirche Iglesia de San Nicolás

Monzón kam bereits 1143 an den Orden, und zwar aufgrund der Übereinkünfte von Ramón Berenguer IV mit dem Orden (Fuguet und Plaza, S. 113).

Bastionen an der Nordseite aus dem 16. Jahrhundert

Lageskizze aus Fuguet und Plaza, S. 115, (copyright Guitart 1986)

Ich ließ mir die Laune nicht verderben sondern nutzte die gewonnene Zeit für ein spätes Mittagessen. Dann machte ich mich langsam auf den Rückweg..

4. Granyena de Segarra, Prov. Lleida, Comarca de Segarra

Vor mir Iagen noch zwei weitere „Templereien“. Ich erreichte die nächste nach 110 Km Fahrt in Richtung Südosten. Sie liegt ca. 20 Km östlich von meinem ersten Tagesziel dieser Tour, Santa Coloma de Queralt.

Den Templern wurde die Festung von Granyena – heute eine Burgruine – im Jahre 1130 vom Grafen von Barcelona, Ramón Berenguer III zugewendet. Sie begründete damit die erste Niederlassung des Templerordens in der Region (Fuguet und Plaza, S. 72).

Burgruine Granyena de Segarra, ehem. Haupteingang

Erst im Jahre 1190 konnte man von einer Komturei sprechen. Zu diesem Zeitpunkt verlief hier noch die Grenze zur Welt des Islam (Fuguet und Plaza, a.a.O.).

Ruine des Hauptgebäudes

Diese Mauern stellten einst die Kapelle dar.

Der sorgfältig gearbeitete Torbogen hat die Zeit gut überstanden

Blick von der Burg auf die Tiefebene und den sogenanten „Camí“, den Pilgerweg. In Bildmitte sieht man  das Heiligtum der „Verge del Camí“, das sich etwa 1 km nordöstlich von der Komturei befindet. Auch diese Stätte ist dem Templerorden zuzurechnen (Fuguet-Plaza, S. 74).

La Verge del Cami, Sanktuarium für Pilger

Im Inneren des Heiligtums bedindet sich eine sogenannte schwarze Madonna

Wer über die schwarze Madonna, ihre Bedeutung und Ausbreitung mehr erfahren möchte, wird etwa bei Ean Begg, The Cult of the Black Virgin, oder bei Jean Hani, La vierge noire et le mystère marial Antworten finden. Das würde den Rahmen hier sprengen.

5. Vallfogona de Riucorb, Prov. Tarragona, Comarca Conca de Barberà

Wir kommen noch näher an den Ausgangspunkt dieser Reise. Vallfogona befindet sich nur 15 Km westlich von Granyena. Aus der Templerzeit sind nur spärliche Reste erhalten, zumeist Steinmetzarbeiten und mittelalterliche Torbögen im inneren der Gebäude, die heute zu Wohnzwecken benutzt werden und nicht öffentlich zugänglich sind.

Modernen Wohnbedürfnissen angepasste Reste eines Turms der Templer mit „Kitschzinnen“.

Strassenschild

Detail an der Kirche

Templerkreuz an einem Gebäude

mittelalterliche Fensterbögen an einem Wohngebäude

Lageplan der Komturei. Im Text findet sich der Hinweis, dass die Komturei zum Schutz der Grenzmark der Grafschaft von Manresa errichtet wurde.

Gesamtübersicht über die heutige Tour:

Hier endete meine Besichtigungstour und ich machte mich schleunigst auf den Rückweg.

2018, März, Lothringen

Im März 2018 folgte ich der Einladung meines Freundes und Templerforschers Christophe Staf aus Belgien zu einem Symposium über die Templer:

Die Veranstaltung fand im Château de Lunéville, dem „Versailles Lothringens“ (wikipedia) statt. Das Schloss hat in der Tat beachtliche Ausmaße:

Château de Lunéville, 1703 – 1720

Der Nordflügel, aus dem Hotelzimmer fotografiert

Alain Demurger, ehrenamtlicher Maître de Conférences an der Université de Paris auf dem Weg zum Vortragssaal. Ich hatte kurz danach die Ehre, persönlich mit ihm zu sprechen, auch wenn es nur darum ging, ihm bei dem kleinen Lift den Vortritt zu lassen. Der Vortrag war interessant, obwohl ich natürlich nur ein Viertel mitbekam, so gut sind meine Französischkenntnisse dann doch nicht.

Christophe Staf hat übrigens an dem Symposium mit seiner Wanderausstellung über die Templer mitgewirkt und während der gesamten Veranstaltung über 5 Stunden – in voller Templer-Montur – Fragen der Besucher zu den Templern geduldig und ausdauernd beantwortet. Seine Pinwände waren um den Zuschauerraum herum aufgestellt und Christophe hat sich auch während der Vorträge nicht eine Sekunde lang hingesetzt!

Christophe Staf, Bruxelles, Betreiber der Website templiers.org

Vortrag Alain Demurger

Der nächste Referent hatte einen Plan vorbereitet und projektiert, der die Verteilung der drei Ritterorden in Lothringen und im Rheintal dokumentiert. Während ich die Stätten im Rheintal und den größten Teil der Templerorte in Lothringen in den letzten 12 Jahren schon persönlich aufgesucht hatte, fehlten mir bislang von dort noch Informationen über die Johanniter und Deutschordensritter. Ich beschloß, eine neue Reise nach Lothringen zu planen, um dieses Defizit auszugleichen.

Boire comme un templier: Christophe und ich wollten das nach getaner Arbeit einmal ausprobieren und so beschlossen wir den Abend im Le Petit Comtoir, dem Restaurant unseres Hotels, bei einem sensationellen Essen und doch dem einen oder anderen Schluck fantastischen Rotwein. Ob durch den Wein oder die vorausgegangene Veranstaltung, jedenfalls wurde die Stimmung immer euphorischer und wir spielten sogar mit dem Gedanken, eine gemeinsame Templer- und Ordensritter-Datenbank aufzubauen.

Am nächsten Morgen wichen diese Träume der Einsicht, dass wir abgesehen von den Sprachproblemen, die eine gemeinsame Leserschaft ausschließen würden, wohl nicht genügend Zeit und auch nicht die Mittel für ein solches Projekt finden würden. Die Folgen des Abendessens verlangten nun viel frische Luft und so entschloß ich mich, auf dem Rückweg noch einigen Templerstätten, die ich zuletzt vor 10 Jahren gesehen hatte, einen weiteren Besuch abzustatten.

1. Libdeau

Commanderie Libdeau, Adresse Lieu-dit Ferme de Libdeau, D611, 54200 Toul, Frankreich. Ansicht von Süden (die Kapelle ist nicht nach Osten sondern nach Ost-Nord-Ost ausgerichtet). Man hat begonnen, das Dach neu einzudecken und die Fassade teilweise zu reinigen.

Blick von Nordwest auf die Rosette und das nur noch mit einem Pappschild angedeutete Hauptportal. Die Steine und das Tympanon befinden sich in einem Museum zur Konservierung. Ich erkenne auch hier einige Fortschritte mit der Renovierung seit 2007.

2. Marbotte

Commanderie Marbotte, Adresse: A la Commanderie, D12, 55300 Apremont la Forêt, von Norden

Blick von Süden, nur zu Fuß erreichbar.

3. Dagonville

Église Saint-Martin, 55500 Dagonville

4. Doncourt aux Templiers

55160 Doncourt aux Templiers

An die Templer erinnert nur noch der Name des Örtchens mit 67 Einwohnern. Die Kirche ist aus dem 18. Jahrhundert.

lediglich an diesem Haus kann man die Verwendung alter Fensterlaibungen und -stürze erkennen. Im übrigen sieht man an diesem und auch an anderen Häusern die Verwendung von mittelalterlich behauenen Feldsteinen. Es gibt einen See in 50 m Entfernung und einen Bach. Die Häuser stehen zum Großteil auf einem rechtwinkligen Areal, welches die Größe einer Commanderie hat.

Quelle: Google maps

Mit diesem letzten Eindruck machte ich mich endgültig auf den Heimweg.

Ich schließe den Beitrag mit einem Kartenausschnitt von Lothringen, der die Lage der angesprochenen Templerorte zeigt. Man erkennt den Ansatz einer „Templer-Straße“ von Gelucourt über Lunéville und Rugney ins südliche Burgund.  Von Gelucourt geht es nach Osten weiter über den Templersitz Bouxwiller nach Haguenau (Templersitz möglich aber nicht gewiß, Johanniter aber waren hier). Und eine weitere Straße scheint von Lunéville über Libdeau und Marbotte nach Reims zu führen. Das werde ich demnächst untersuchen. Libdeau liegt an der alten Handelsroute von Metz nach Nancy, unmittelbar am linken Moselufer, an dieser wichtigen europäischen Handelsroute von Saarbrücken (oder auch Luxembourg)  über Dijon und Lyon nach Nîmes. Die Strecke Metz – Marbotte – Doncourt-les-Templiers und Dagonville liegt auf dem Weg von Saarbrücken nach Troyes,   Insoweit haben wir hier offenbar ein Drehkreuz von Straßen vorliegen.

 

 

Vielen Dank für Ihren Besuch und hoffentlich bis bald mal wieder.

 

 

 

 

2017, September, Norditalien

Die Templer in Italien, Teil 2

Die im letzten Reisebericht über die Templer in Italien vom März 2016 schon angedeutete,  weitere Reise nach Italien fand im September 2017 statt. Ich hatte im Vorjahr meine Suche auf Piemont und die Toscana beschränkt. Diesmal wollte ich nach Umbrien und in die Region Marken. Ich fand wieder bei meinen Freunden eine herzliche Aufnahme und dieses Mal hatte man mir sogar ein freies Apartement  zur Verfügung stellen können. Was für eine große Freude. So hatte ich hatte einen Parkplatz für mein Menzomobil II (auf seiner jungfernfahrt) und eine herrliche Aussicht auf die Stadt Massa, denn das Apartement liegt an einem recht steilen Hang.

1. Toscana

„Massa ist eine italienische Stadt mit 69.037 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2017) in der Toskana 114 km westlich von Florenz. Sie ist der Hauptort der Provinz Massa-Carrara und Sitz des römisch-katholischen Bistums Massa Carrara-Pontremoli. Massa liegt an der Via Francigena, der alten Pilgerstraße von England nach Rom“ (Zitat: Wikipedia). Es ist also kein Wunder, dass man  von hier aus Templerstädte gut erreichen kann. Massa befindet sich ca. 40 Km nördlich von Pisa, ebenfalls an der Küste.

Ich richtete mich nach meiner Anreise schnell ein und Abends ging es dann auch schon los auf ein wunderbares Familienfest. Beim üppigen Abendessen schloß und vertiefte ich meine Freundschaften mit Mitgliedern der Familie, die ich so lange nicht mehr gesehen hatte.

1.1 Poggibonsi (Siena)

Nach einigen Espressi aus der Alu-Kanne über der Gasflamme und den landestypischen, süßen Frühstücks-Hörnchen ging es los. Von Massa zu meiner ersten Station waren es 158 Km.

1.1.1 Wegbeschreibung

Man verläßt Poggibonsi auf der Strada Regionale No. 2 in Richtung Süden und erreicht nach wenigen hundert Metern den Ortsteil Calcinaia (Die SR 2 heißt hier Via Senese). Am Ende des Ortes befindet sich links an der Straßenecke eine Pizzeria. Hier kreuzt die Via Boccabarili die Via Senese, ab hier die Via della Magione. In diese Straße biegt man nach links ein und fährt darauf ca. 150 Meter aus dem Ort hinaus.

Screenshot 2017-01-14 17.19.23Kurz nach einem Eisenbahnübergang taucht die commenda rechts auf. Parkplätze sind vorhanden. Sie liegen kurz davor in einer Kurve.

 

San Giovanni alla Magione, 53036 Poggibonsi, Blick von Süden

1.1.2 Strategische Position

Questa „domus“ sorgeva su una variante della Francigena, la piu importante via medievale che allacciava la Francie con Roma, frequente da schiere die pellegrini che si recavano nella capitale della christianità.. „Dieses Haus entstand an einer Variante der Francigena, des wichtgsten (Fern-)wegs des Mittelalters, der Frankreich an Rom anbindet, benutzt von Pilgerscharen, die sich in die Hauptstadt der Christenheit begeben wollten,.. „schreibt Capone et al. (in Guida all’Italia dei Templari, S. 144) und weiter, es handele sich um einen eher bescheidenen Weg, der teilweise nur eineinhalb Meter breit war und sich deshalb eher für Fußgänger oder Reiter anbot. Poggibonsi sei eines der vielen Krankenhäuser gewesen, die sich entlang der Via Francigena aufreihten, aber mit einer Mehrfachfunktion, die Brücke zu verteidigen und die umliegenden Äcker zu bestellen, sowie eine Mühle zu betreiben.

Blick von Süden an der Kapelle vorbei auf den Krankenhaustrakt und das Haupthaus.

Ein Blick in den Ostchor zeigt einen gewohnt guten Erhaltungszustand. Weder Religionskriege noch Napoleon konnte die Ordensritter hier stoppen, sodaß die Templerkirchen sehr oft bis heute existieren und so aussehen, als wären sie nie außer Gebrauch gewesen.

Krankenhaustrakt und Haupthaus von Norden

2. Umbria

Für das nächste Etappenziel mußte ich nur weitere 142 Km nach Osten fahren.

2.1 Perugia

Perugia dürfte eine der größten Templerkapellen Westeuropas sein. Sie hat keinen Glockenturm und befindet sich außerhalb der Stadt Perugia, sodaß sie offenbar nicht dafür gedacht war, die Mitglieder einer Pfarrei aufzunehmen. Perugia befindet sich im Zentrum der Ländereien der Kirche, dem sogenannten „Patrimonio di S. Pietro“ (Capone et Al., S. 163.)

Wegbeschreibung

Man verläßt Perugia über die Porta Sole nach Westen auf der Via Enrico Pozzo und fährt dort etwa 500 Meter in Richtung Casaglia. Die Templerkapelle San Bevignate liegt weithin sichtbar auf freiem Felde. Die postalische Anschrift lautet:

San Bevignate, Perugia

Detail vom Tympanon des Haupteingangs, „Blume des Lebens“

Fresko an der westlichen Wand links neben dem Oberlicht. Nach Christophe Staf, Projet Beauceant, zeigt die obere Abbildung einen Löwen, der sich hilfesuchend an die Templer wendet, um ihm einen Dorn aus der Pfote zu ziehen.

2.2 Sigillo, Santa Croce di Culiano

Um meine nächste Etappe zu erreichen, mußte ich ca. 50 Km nach Nordosten fahren.

2.2.1 Wegbeschreibung

Man fährt auf der SS 318 in Richtung Ancona. Im Ort Fossato di Vico biegt man links in die SS 3 (Straßenname hier: Via Flaminia) nach Norden ein. Zwischen den Orten Purello und Sigillo geht nach links die Via Collina ab, auf der man nach ca. 500 Metern die Templerkapelle findet, und zwar an der linken Wegseite.

Chiesa Templare Santa Croce De Culiano

2.2.2 strategische Position

Die Kapelle Santa Croce befindet sich am westlichen Fuße des Bergmassivs von Monte Cucco in unmittelbarer Nähe zum Grenzübergang der Regionen Umbrien und Marche. So unscheinbar die Kapelle heute erscheinen mag, umso wichtiger war dieses Wegekreuz, dessen Schutz sie damals offenbar diente. Von hier gehen wichtige Straßen in alle vier Himmelsrichtungen ab, nämlich die Ost-West-Verbindung von Perugia mit der Adriaküste bei Ancona und  die seit der Römerzeit benutzte Nord-Süd-Straße von Rom an die Adria, die sogenannte Via Flaminia:

(Quelle: Wikipedia)

3. Marche

Das nächste Etappenziel lag auf der anderen Seite des Monte Cucco und zwar genau auf der Grenze der Regionen Umbria und Marche. Es war schon vorgerückter Nachmittag und die Lichtverhältnisse hier in den Bergen begannen schon, schwierig zu werden. Also beschloß ich, mir erst einmal eine Bleibe für die Nacht zu suchen. Ich wurde im nächstgelegenen Ort Sassoferrato (Prov. Ancona) fündig. Bei dem Ortsnamen Sassoferrato klingelte etwas in mir. Meine erste italienische Templerkirche entdeckte ich im Jahre 2016 in der Gemeinde Casale Monferrato. „Ferrato“ hat etwas mit Eisen zu tun, „Sasso“ ist der Fels und „Monte“ der Berg. Ich werde morgen erneut nach Italien aufbrechen. Prato gehört zu meinen Zielen, offenbar ein Templerort. Prato liegt ebenfalls an einem Monte Ferrato. Die deutsche Autorin Christina Berns hat mir persönlich vor Ort nachgewiesen, dass in der Nähe der abgegangenen Templerniederlassung „Seve“ bei Kirchheim (Rheinland-Pfalz) ein Felsmassiv emporragt, dessen Gesteine stark rostig aussehen. Zufall? Man wird sehen.

Jedenfalls fand ich bei meiner Ankunft in diesem Sassoferrato eine bescheidene Herberge, einen Parkplatz, ein frisch gezapftes Bier für den ersten Durst und einige Restaurants um die Ecke. Was will man mehr? Über den geringen Service der Herberge machte ich mir auch keine Sorgen. Ich hatte auf dem Weg zum Restaurant (Fleisch, Käse und Brot aus der Region, dazu Craftbier) schon ein Frühstückscafé ausfindig gemacht, und so konnte ich mich am nächsten Morgen wieder frisch gestärkt auf die weitere Suche machen.

3.1 Perticano

Die Luftlinie zwischen den beiden Etappen Sigillo und Perticano beträgt vielleicht nur 20 Kilometer oder weniger. Die Straßen sind aber steil und kurvenreich, sodaß man mit dem PKW 30 Km zurücklegen muß und zu Fuß immerhin auch noch 25 Km. Nach Google-Maps muß man für diese Pass-Strecke 770 Höhenmeter nach oben und 810 Höhenmeter nach unten überwinden.

Die Templerkirche war nicht ganz leicht zu finden. Selbst angetroffene Passanten konnten mir nicht recht weiterhelfen. Aus diesem Grund habe ich mir gestattet, eine exakte Lageskizze aus Google maps einzubinden, damit meinen Lesern evtl. unnötige Mühe erspart bleibt. Perticano liegt nämlich wirklich genau auf der Grenze zweier Provinzen (Perugia und Ancona) und zweier Regionen (Umbrien und Marken) und der Name der Zielstrasse lautet „Frazione Perticano“. Das verwundert etwas, weil Frazione gewöhnlich einen Ortsteil und keine Strasse bezeichnet.

Google maps

Man erreicht die Templerkirche, wenn man auf der SP 47 durch den (zweigeteilten) Ort Perticano nach Nordwesten fährt. In Ortsmitte nähert sich von links die Straße „Località Perticano“, nach rechts verläßt die Straße „Frazione Perticano“ den Ort den Berg hinauf. Das zweite Gebäude rechts ist die Templerkirche (im blauen Kreis).

Chiesa Templare San Paterniano, Perticano (AN+PG).

Die Kirche offenbart nichts mehr aus dem Mittelalter (Capone et al., S.170). Sie ist klassischer Barock (um 1650).

Perticano, Kirchturm von Nordosten.

Wegen der steil ansteigenden Strasse und dem dichten Rundum-Bewuchs sind umfassendere Lichtbilder nicht möglich. Auf der umbrischen Seite der Gemeinde befindet sich noch eine Kapelle aus dem 18. Jahrhundert. Sie dient zur Ehrung von Kriegsopfern und sollte nicht mit der Templerkapelle verwechselt werden.

3.2 Arcévia, Sant’Ansovino di Avacelli (Ancona)

Die nächste Etappe liegt auch wieder auf der fast schon zu erwartenden Distanz von ca. 30 Km nach Westen. Mit dem Auto sind es ca. 37 Km., zu Fuß eher nur 28 Km. Auch hier hatte ich Schwierigkeiten, das Ziel zu finden. Avacelli ist ein Ortsteil der Gemeinde Arcévia, liegt aber gut 5 Km südöstlich. Man benutze die SP 14 von Arcévia nach Serra San Quirico. Nach der Haarnadelkurve nach rechts zwischen Maestà (links) und Avacelli (rechts) folge man noch weitere ca. 500 Meter auf der SP 14 nach Süden bis zur nächsten Haarnadelkurve nach links. Im Kurvenscheitel (Das Hinweisschild ist recht klein!)

(Quelle: google maps)

befindet sich unmittelbar nach einer Brücke ein nicht befestigter Waldweg, der etwa 500 Km  in den Wald hineinführt. Es lohnt sich. Und es gibt auch Parkplätze.

Sant’Ansovino di Avacelli

Haupteingang mit Templeremblem

halbrunde Chorapsis von Nordosten

Die Gebäude sind im 14. und 15 Jahrhundert umgebaut worden, aber es gibt noch viele Reste aus der Templerzeit zu sehen, wie Säulenkapitelle und unterirdische Gänge, die zu einem Ossarium führen. Die Kirche gelangte 1199 an den Templerorden (Capone et. al., S. 172 f.).

Der lange einsame Weg durch den dunklen Wald verhieß zunächst nichts gutes, aber erstmal dort angekommen, strahlte die Anlage – in hellem Sonnenschein –  eine unglaubliche Ruhe und Geborgenheit aus. Ich war dort bestimmt eine Stunde völlig alleine und habe dutzende wunderschöner Fotos machen können. Das Innere konnte ich nicht besichtigen. Es hätte sich gelohnt, aber ich hatte dafür nicht die Zeit.

3.2 Osimo

Denn das nächste Ziel lockte bereits. Es lag 50 Km entfernt nach Westen, nur 5 Km vor dem Adria-Strand. Das Templerhaus von Osimo ist jetzt ein B&B, vollständig „sandstrahlgereinigt“ – und dadurch leider aller mittelalterlicher Anmutung beraubt – hinter verschlossenen Toren und hohen Zäunen in einer sehr gepflegten Anlage.

Zur Erinnerung an die Ritter hat man ein schönes Johanniterkreuz am Eingang angebracht. Die Adresse zum Anwesen und eine Beschreibung des Beherbergungsbetriebes finden Sie hier: Templari nelle Marche.

Es war nicht einfach, ein paar hübsche Fotos über den Zaun hinweg zu erlangen. Man sah immer erst hinterher, ob ein Foto einigermaßen gelungen war oder nicht.

Angeblich sollen die Templer und Johanniter eine 2500 Jahre alte unterirdische Anlage in Osimo für irgendwelche rituellen Zwecke benutzt haben (Quelle: In Italia). In meinen Büchern stand dazu nichts.

3.3 Camerino

Ich war hier in den Marken so gut wie fertig und konnte mich wieder auf den Rückweg machen, auf dem nur noch ein Templerort liegen sollte. Camerino.

 Aula des Templerkomplexes San Sebastiano, Camerino

Dieses mehrfach umgebaute Gebäude ist die einzige sichtbare Erinnerung an den Templerorden in Camerino. Es befindet sich im Innenhof des dortigen Dominikanerkonvents und diente der Versorgung der Pilger, eine Aufgabe, die sich die Templer hier mit anderen Mönchsorden teilten (Capone et al. S. 178.)

Zeichnung aus Capone et al., Guida all’Italia dei Templari

Camerino liegt genau auf halbem Weg zwischen Perugia und dem adriatischen Meer. Es sind in beide Richtungen jeweils 70 Kilometer. Nach Capone et al., S. 178, liegt Camerino zudem an einer wichtigen Nord-Süd-Verkehrsachse der Region Marken. Ich fuhr nach Massa an die ligurische Küste zurück und freute mich auf das Abendessen, zu dem ich wieder eingeladen war.

Mein Ausflug war damit zuende. Die Stationen der Tagestour – eingezeichnet in die Landkarte – lassen erahnen, dass die Templer zwischen Perugia und den Adria-Häfen planmässig eine „Templerstrasse“ errichtet haben. Die Abstände der Orte zueinander betragen zwischen 30 und 60 Kilometern.  Sie liegen – geländebedingt nur mehr oder weniger – auf einer Linie und haben einen prominenten Ausgangs- und Endpunkt.

 

 

 

4. Stadt Genua

Am nächsten Tag stand zunächst noch ein Ausflug nach Genua auf dem Programm.

4.1 Templerkapelle Santa Fede

Von der Niederlassung der Templer ist nicht mehr viel übrig geblieben. Sie befand sich an der Piazza Santa Fede, zwischen der Porta dei Vacca (vorm. Porta di Santa Fede) und der Via di Prè, einer sehr langen und engen Gasse, die durch sehr alte Häuser des antiken Wohnviertels Prè führt.

Via di Prè und Porta dei Vacca, Genua

Blick vom Piazza Santa Fede auf die Porta dei Vacca

Piazza Santa Fede, rechts im Bild die Südwand der ehemaligen Kirche Santa Fede aus dem 16. Jahrhundert. Das Gebäude wird heute von einer Behörde benutzt. Im Keller hat man noch Ausgrabungen für die Öffentlichkeit sichtbar erhalten.

Reste der Templerkirche Santa Fede, Genua

Begibt man sich auf der Via Prè nach Nordwesten, erreicht man nach ca. 500 Metern den Konvent der Johanniter von Genua. Ich empfehle diesen Spaziergang. Für viele Touristen ist es ein Highlight, diese lange enge Gasse mit ihren Einblicken in andere Welten zu geniessen (Tripadvisor).

4.2 Johanniterkommende Genua

Hauptschiff von San Giovanni

Commenda di San Giovanni di Prè, Genua

Detail an der Südfassade

Genua hatte für beide Ritterorden in strategischer Hinsicht eine geradezu überragende Bedeutung. Hier traf eine der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Straßen ein, die Deutschland und die Schweiz mit dem Mittelmeer verband. Und hier bestand schon seit der Antike ein natürlicher Seehafen, der aufgrund der Steilheit der Uferböschung und einer weit ins Meer ragenden natürlichen Mole aus Fels besten Schutz und Platz für die größten Schiffe anbieten konnte. Zudem war das Krankenhaus mit Frischwasser aus dem Bach San Hugo versorgt (Quelle: Visit Genoa.)

Genua im Mittelalter, das Gemälde zeigt den natürlich geschützten Hafen, Wikipedia

5. Stadt Pisa

Ich hatte den Nachmittag nichts vor und schnell gegoogelt, ob es wohl auch in Pisa eine Johanniterniederlassung gäbe. Ich wurde sofort fündig. Eine Prachtkirche mit einem enorm großen Johanniterkreuz wurde mir angezeigt. Die Adresse war Piazza dei Cavalieri und es gab kein Halten mehr. Von Massa nach Pisa ist es nicht weit und so stand ich rasch vor dieser Kirche. Ich war so beseelt, dieses sensationelle Gebäude so leicht zu finden, daß ich mich nicht wunderte, wie leicht ich direkt vor der Kirche auf der Piazza dei Cavalieri einen Parkplatz fand.

Chiesa di Santo Stefano dei Cavalieri, Pisa

Sieht aus wie eine Johanniterkirche. Ist aber keine.

Der ganze Platz, der mit respektablen Gebäuden aus dem 16. Jahrhundert umstellt ist, gehört dem „Ordine di Santo Stefano„. 

 

 

In den Prachtbauten, die rund um den Platz errichtet waren, befanden (oder befinden) sich noch verschiedene Institute dieses Ordens, was ich den Hinweisschildern entnehmen konnte. Meine Enttäuschung, in die sich die vorausgegangene Euphorie längst verwandelt hatte, wurde noch um ein Vielfaches größer, als ich bemerkte, dass mein Auto illegal auf dem Platz stand. Hier war ein Filmteam bei der Arbeit und es wurde eine Bühne errichtet. Die offene Zufahrt zum Platz war sicher nicht für mich bestimmt. Ich kam auch nicht leicht heraus aus der Füßgängerzone, in die ich mich sodann verfahren hatte. Ich zog nicht nur wütende Blicke von Passanten oder Gaststättenbesuchern, die im Freien saßen, sondern – was ich allerdings erst ein halbes Jahr später bemerkte – auch die Aufmerksamkeit von elektronischen Verkehrsüberwachungssystemen auf mich und mein Fahrzeug, was mir ein weiteres Andenken an diese Reise in dreistelliger Höhe bescherte.

Das letzte Abendessen in Massa im Kreise der Familie entschädigte mich jedoch schnell und so habe ich auch diesen Kurztrip in so guter Erinnerung behalten, dass ich morgen gleich wieder nach Italien fahre. Es gibt rund um Massa noch vieles zu sehen. Ich freue mich jetzt schon.

herzlichst, Ihr Markus Menzendorff

 

Stand der Bearbeitung 01.05.2019

Die Kreuzritter-Kommenden der Schweiz, 2018

Anfang September hatte es endlich geklappt. Mein schweizerischer Freund Jürg Caluori und ich hatten schon seit längerem eine Tour zu den Ordensrittern in der Schweiz geplant. Wir kennen uns seit 2005 von einigen gemeinsamen Templer- und Recherchereisen im Languedoc und wissen daher um unsere Belastbarkeit beim Erfahren und Besichtigen von alten Kirchen und beim Stöbern in dicken Büchern. Ausserdem testen wir beide in den Abendstunden immer wieder gerne, ob es stimmt, dass nur gutes Essen und Trinken den Reisenden bei Laune hält. Und ja, wir hatten auch diesmal wieder Recht gehabt.

Jürg hatte dankenswerter Weise schon  lange vorher einen exakten Reiseplan für die Tour erstellt und die erforderliche Literatur beschafft: Es gibt praktisch nur ein Referenzwerk über die Niederlassungen der Ritterorden in der Schweiz: Das von 1964 bis 2007 erschienene Handbuch Helvetia Sacra erfasst systematisch die katholischen Institutionen der Schweiz. Der erste Band erschien 1972, der Abschlussband mit dem Index 2007. Insgesamt ca. 20’000 Seiten sind in 28 Bänden bzw. 34 Teilbänden von 233 Autoren aus der Schweiz und dem Ausland erarbeitet worden. (Wikipedia). Ich werde im folgenden Bericht Zitate aus diesem Werk immer mit „H.S.“ und mit der Angabe des Namens des Autors des betreffenden Beitrages und der jeweiligen Seitenzahl kenntlich machen.

Übersicht über die Kommenden in der Schweiz und im Bodenseeraum

(Copyright: Google Maps und Markus Menzendorff)

Die Kommende Beuggen liegt in Deutschland und der schweizerischen Stadt Rheinfelden unmittelbar gegenüber. Insoweit ist die Karte nicht ganz akkurat. Auch Mainau und Überlingen sind natürlich deutsche Orte.  Die heutigen Landesgrenzen spielten für die Ausbreitung der Ritterorden damals jedoch so gut wie keine Rolle. Man sieht, dass in der Zentralschweiz und der Ostschweiz keine Templerniederlassungen vorhanden waren. Zu dieser Frage folgt später noch eine kleine Abhandlung.

1. Kanton Thurgau

Die Reise beginnt in der Ostschweiz, wo Jürg Caluori wohnt. Ich war am Tag zuvor angereist, nachdem ich noch in Würzburg die Deutschordenskommende und in Kleinerdlingen das ehemalige Johanniterschloss (jetzt eine gewöhnliche WEG Anlage) noch fotografisch eingefangen habe.  Wir haben im Restaurant Falkenburg in Wil (sehr zu empfehlen) opulent zu Abend gegessen und mit dem einen oder anderen Gläschen auf frühere und das bevorstehende Abenteuer angestoßen.

1.1 Tobel

Nach einem ausgezeichneten Frühstück (nochmal danke vielmals, liebe Edith!) mit Croissants, die in der Schweiz aber „Gipfel“ heißen, machten wir uns gegen 9:00 bei Nieselregen auf zum ersten Ziel, das wir nach 8 Km erreichten.

Johanniter-Komturei Tobel, 9555 Tobel/Thurgau

Innenansicht der sehr gut instand gehaltenen Kirche mit Barockaltar

Die Gründung der Komturei Tobel erfolgte 1226, was durch die erst 1503 gefertigte Kopie einer Urkunde aus dem Jahre 1228 bestätigt wird. Patron ist Johannes der Täufer. Die Gründung erfolgte zur Sühne für einen Brudermord in einem Familienstreit der Grafen von Toggenburg (H.S.-Bühler, Band 7, Teil 1,  S. 474ff.). Die Komturei liegt auf einem kleinen Hügel überhalb der Gemeinde Tobel.

2. Kanton Zürich

Etwa 53 Km weiter westlich lag unser zweites Tagesziel, die Lazariterkirche von Gfenn. Der Lazariterorden, der sich auf das Betreiben von Leprosenhäusern spezialisiert hat, steht zwar nicht im Focus der Untersuchungen dieser Homepage. Allerdings war er über die Kreuzzüge mit den übrigen Ritterorden – thematisch und geografisch – aufs Engste verbunden und ebenfalls ein militärischer Orden. Zudem ist die Kapelle  in Gfenn ein wunderschönes und gut erhaltenes Relikt aus dem 13. Jahrhundert, sodaß wir den Ort mit auf die Tagesordnung gesetzt haben.  (Zu den Lazaritern allgemein H.S.-Degler-Spengler, Band 7., 2. Teil S. 812-867).

2.1 Gfenn

Die Lazariterkirche von Gfenn war vermutlich der hl. Maria gewidmet und ist erstmals 1250 urkundlich erwähnt (H.S.-Degler-Spengler, Band 7., 2. Teil S. 887ff.)

Westfassade der Lazariterkirche Gfenn, Gemeinde 8600 Dübendorf, Kanton Zürich.

Detail der Malereien im Innenraum

2.2 Küsnacht

Bis zu unserem nächsten Ziel am Ufer des Zürichsees waren es nur wenige Kilometer:

Johanniterkirche St. Georg, Küsnacht, Südansicht vom Parkplatz über dem Dorfbach

restaurierte Malereien im Innern

Die Kommende wurde zwischen 1358 und 1372 gegründet. Die Kirche St. Georg ist seit dem 21.09.1332 nachweisbar (H.S. Feller-Vest, Bd. 7, Teil 1, S. 282 ff.). In den ehemaligen Gebäuden der Kommende aus dem 18. Jahrhundert befindet sich heute die Kantonsschule Küsnacht.

2.3 Bubikon

Nach weiteren 30 Km (einer bequemen Tagesetappe für Fußgänger im Mittealter) erreichten wir die wohl älteste und gewiß am besten erhaltene Johanniter-Kommende in der Schweiz.

Blick von Eingang im Westen auf die Kapelle und das Haupthaus

Eingang zur Kapelle, Wächterfiguren, wie man sie von anderen Einrichtungen der Templer und Johanniter kennt.

Restaurierte mittelalterliche Wandgemälde

Johannes der Täufer, links und Inschrift aus dem Jahr 1192

Im südlichen Komtureihauptgebäude befinden sich getäfelte Versammlungssäle und das Maltesermuseum

Älteste Darstellung der Kommende um 1530. Zeichnung aus der Schweizer- und Reformationschronik von Johannes Stumpf. Zentralbibliothek Zürich. (Wikipedia)

Die Kommende Bubikon wurde zwischen 1191 und 1198 gegründet und dem Patronat von Johannes dem Täufer unterstellt (H.S. Feller-Vest, Band 7, Teil 1, S. 135 ff.).

2.4 Wädenswil

Von Bubikon sind es – unter Benutzung des Seedamms – ca. 23 zur nächsten Johanniterstation Wädenswil. Es ist jedoch nur noch eine Ruine erhalten. Die Besteigung der Burgruine gelang erst rund ein halbes Jahr später. Ich konnte eine Dienstreise mit einem Abstecher in die Schweiz verbinden. Man gelangt nur zu Fuß hinauf. Der Weg hinauf ist für Fahrzeuge strengstens verboten und viel zu schmal. Es war aber auch weniger schlimm, als es zunächst den Anschein hatte. Es geht etwa drei- oder vierhundert Meter und nicht allzu steil bergauf. Die Mühen haben sich allemal gelohnt:

Aufstieg und Blick auf die Burg von Süden

Die postalische Adresse fürs Navi lautet 8805 Richterswil, Unter Altschloss. Unten ist ein öffentlicher Parkplatz.

Nordflanke der beiden Gebäudetürme

Westlicher Gebäudeturm

Südöstliche Ringmauer

Der Hinweistafel am Eingang kann man entnehmen, dass die Johanniter die Burg im Jahre 1297 gekauft und anschließend übernommen haben.

 Gygerkarte von 1667, Quelle (Wikipedia)

3. Kanton Luzern

Von Wädenswil sind es 36 Km zur nächsten Johanniterkommende in

3.1 Hohenrain

Die Kommende Hohenrain entdeckt man schon von weitem:

Ansicht von der Dorfstrasse aus Süden

Ansicht von der Dorfstrasse

Übersichtstafel

Die Kommende wurde um 1175 gegründet. Patron ist Johannes der Täufer. Die Kommende Hohenrain liegt auf einem schon zur Römerzeit besiedelten Berg „oberhalb der mittelalterlichen Seetalstrasse, die den Reussübergang Nieder-Eschenbach mit der Drehscheibe Brugg verband“. (H.S. Glauser S. 233)

3.2 Hitzkirch

Zur nächsten und zugleich letzten Station des Tages waren es nur noch 9 Kilometer. Die Deutschordenskommende mit einer recht großen Kirche und einem riesigen Schloßbau befindet sich in der Ortsmitte und ist nicht zu verfehlen. Sie liegt auf verschiedenen Stufen einer Anhöhe, was Nahaufnahmen deutlich erschwert.

links im Vordergrund die Kapelle der Ordensritter. Im Hintergrund die Kirche der Kommende, die auch der Gemeinde diente, und rechts der westliche Seitenflügel des Deutschordenschlosses. Das Tympanon über dem Eingang zum Schloßhof ist mit einem enorm großen und imposanten Wappen des Deutschordenskomturs versehen. Leider sind die Aufnahmen wegen Nieselregen nicht gelungen.

Innenhof der Kommende, nördlicher und östlicher Schloßtrakt

Blick vom Schloß auf die Ordenskapelle St. Maria

Gemeindekirche des Deutschen Ordens in Hitzkirch

Die Kommende wurde erstmals  im Jahr 1237 urkundlich erwähnt. Das Gründungsjahr liegt im Dunklen. Die Kirche ist dem St. Pankratius geweiht. Der Gründer, Freiherr Kuno II von Teufen stand dem Kaiser Friedrich II. nahe.  (H.S. Jäggi, Teil 2, S 703f.

Wir verspürten Hunger und Durst. Jetzt wurde es langsam Essenszeit. Zu unserem Domizil dieser Nacht war es – nach exzellenter Planung – nicht mehr weit. Jürg hatte uns in das Hotel Eichberg in Seengen eingebucht. Es gab fantastische Steaks auf heißem Stein mit genialen Soßen und ausgezeichnetem Wein. Ich hoffe, da komme ich irgendwann noch einmal hin.

3.3 Reiden

Das Frühstück stand dem Abendessen kaum nach und wir brachen – ausgeruht und frisch gestärkt – gegen 09.00 Uhr zu unserem nächsten Ziel auf, der Johanniterkommende Reiden:

Burg 6260 Reiden, Blick vom Johanniterweg (aus nördlicher Richtung) auf den Burgberg. (Dieses und das nachfolgende Foto stammen ebenfalls von meiner nächsten Fahrt in die Schweiz ein halbes Jahr später. Beim ersten Besuch war sehr schlechtes Wetter und die Fotos waren mißlungen.)

Auch diese Kommende liegt auf einem (recht steilen) Hügel, sodaß man von der Burg aus die Umgebung gut überblicken und anderseits als Reisender die Kommende schon von weitem ausmachen konnte. Auch hier kommt man nur zu Fuß hinauf. Die Anlage war verschlossen.

Haupteingang der Johanniterkommende Reiden, Johanniterweg.

Die Kommende von Reiden ist vor 1284 gegründet worden. Der Johanniterorden war daran interessiert, an der „vom Hause Habsburg im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts geförderten Pilger- und Handelsstrasse Gotthard-Luzern-Hauenstein-Basel zu errichten.“ (H.S. Glauser, Teil 1, S. 405f.)

Strecke Basel – St. Gotthard, (google.maps)

4. Kanton Aargau

Von Reiden zur nächsten Johanniterkommende waren es 37 Km, eine gute Tagesdistanz.

4.1 Biberstein

Die Johanniterkommende liegt oberhalb des linken Ufers der Aare auf einer Anhöhe (Geländebruch oder Prallhang), von der aus man – damals wie heute – einen perfekten Überblick über das Aaretal und eine Tiefebene hatte. Sollte die Aare als Wasserweg benutzt worden sein, so wäre dies hier ein günstiger Kontrollpunkt.

Johanniterkommende Biberstein

Frühere Zugbrücke und Blick auf das Aaretal

Ich vermute, dass dieses Gebäude aus der Kommendenkapelle hervorgegangen ist. Die Fassade links im Bild erinnert an eine gotische Radialapsis.

Die Kommende Biberstein ist erst recht spät entstanden, nämlich im Jahre 1335. Der Komtur von Klingnau legte hier Überschüsse seiner Kommende in Grundbesitz an, den er von den etwas klamm gewordenen Habsburgern abkaufen konnte. (H.S. Sommer-Ramer, Bd. 7, Teil 1, S. 110 ff.)

4.2 Klingnau

Zwischen den Ritterordenstationen Biberstein und Klingnau treffen wir wieder auf die Ideal-Distanz  von 30 Km, einer guten und bequemen Tagesetappe auch für Fußgänger.

Eingeklemmt zwischen der Sonnengasse und der Schattengasse findet sich die St. Katharinen-Kirche der Johanniter von Klingnau auf einem ehemaligen Anger.

Blick auf den Ostchor der Johanniterkirche Klingnau

Das Kirchenschiff  ist vor in den sechziger Jahren vollständig abgerissen und wieder aufgebaut worden (Homepage der Pfarrei). Dieses Detail im Innenraum stammt wohl vom Original.

Dieses Gebäude befindet sich einige Schritte von der Johanniterkirche entfernt am Abhang zum rechten Aareufer hinab. Es wird heute noch als Gemeindehaus der Pfarrei St. Katharina benutzt. Ich stelle mir vor, dass es früher als Hospital gedient haben könnte.

Klingnau bildet mit Leuggern eine Doppelkommende unter gemeinsamer Leitung eines Komturs. Die Kommende wurde 1251 von den Söhnen des Stadtgründers Ulrich von Klingen errichtet und stand unter dem Patronat von Johannes dem Täufer (H.S. Feller-Vest, S. 273)

Zwischen Biberstein und Klingnau sind mir Hinweisschilder auf eine „Neckar-Alb-Aare-Römerstrasse“ aufgefallen. Beim nachträglichen Betrachten der Lage der Niederlassungen bemerkte ich, dass ich hier auf eine weitere „Ritterstrasse“ gestoßen bin. Legt man beide Wegesysteme übereinander, kommt man zum „full match“.

Ein überwältigendes Gefühl der Verbindung von Theorie und Praxis. Die Johanniterstationen sind mit dem Malteserkreuz gekennzeichnet. Die römischen Stationen mit SPQR. Diese „Römer-Johanniter-Straßen“ werden uns noch in dem in einem der nächsten Reiseberichte über die Johanniter in Baden-Württemberg beschäftigen. So gibt es in Heitersheim, dem Hauptsitz der Johanniter der „Deutschen Zunge“, etwa eine römische Villa. Auch das ist wieder kein Zufall. Die Römer haben sich mit ihren Straßen zunächst erstmal an vorher schon vorhandenen Fernwegetrassen orientiert. Da zwischen der Römerzeit und dem Mittelalter kein nennenswerter Straßenbau betrieben wurde, vewundert es nicht, dass die Ritterorden sich diese alten Fernstrecken zunutze machten, so gut es eben ging.

4.3 Leuggern

Für die nächste Etappe mußten wir nur die Aare überqueren und erreichten nach 5 Km die Kommende Leuggern.

Johanniterkirche Peter und Paul, Leuggern, Hauptportal, Kommendeweg 12

Gewölbedecke aus dem 13. Jahrhundert.

Dieses Gebäude wird – damals wie heute noch – als Krankenhaus benutzt.

Wappen über dem Haupttor des Krankenhauses, (bitte klicken zum Vergrößern)

Die Inschrift von 1678 erwähnt einen Franz von Sonnenberg, Ritter des Johannisordens von Jerusalem, Prior von Groß-Ungarn, … Komtur in Villingen, Leuggern, Klingnau, Hohenrein und Reiden.

Blick von dem Umlauf um die Radialapsis der Johanniterkirche auf das rechte Ufer der Aare und das Aaretal.

Aus H.S. Feller-Vest, Teil 1, S. 339: Doppelkommende mit Klingnau, den Sankt Peter und Paul gewidmet. Gegründet zwischen 1268 und 1251.

4.4 Rheinfelden – Schweiz

Von Leuggern nach Rheinfelden bedurfte es nochmal 44 Kilometern Fahrt entlang des linken Rheinufers. Wir parkten günstig, sodass es nur ein paar Schritte brauchte, um die Johanniterkomturei in der Altstadt wiederzufinden. Ich war vor einem halben Jahr hier schon einmal, aber es war damals schlechtes Wetter und vor der Kapelle parkte ein Handwerker seinen Lieferwagen. Diesmal hatten wir mehr Glück.

Wir besichtigten die Kommende zunächst nur von außen. Hier die Westfassade.

Südflanke der Kapelle und Turm

Nun gönnten wir uns aber erstmal die Mittagspause bei einem guten Italiener um die Ecke. Es gab Pasta und Rotwein. Anschliessend machten wir uns auf, den Schlüssel für die Kapelle zu organisieren. Am Eingang zur Kapelle befindet sich ein Hinweisschild, wo man ihn bekommt. Es lohnt sich.

Detail aus dem Altarraum: Kopf des johannes

Gebäude der ehemaligen Komturei.

Patron: Johannes der Täufer, Gegründet 1212. Die Johanniter gründeten hier ein Hospital und hatten ein gutes Einvernehmen mit der Stadt Rheinfelden. (H.S. Sommer-Ramer, Teil 1, S. 416 ff.

Nur um es festzuhalten Rheinfelden liegt nur ein paar Km flußauwärts vor Kaiseraugst, der ehemaligen römischen Stadt Augusta Raurica, von der aus der Flußübergang zur Römerzeit kontrolliert wurde. Die Nähe zu Verkehrswegen aus der Römerzeit zeigt sich also hier eneut. Ich zitiere aus Wikipedia:

„Während der Herrschaft der Römer bestand im Bereich der heutigen Brücke eine Fähre, mit einem rund 500 Meter langen Treidelweg am Nordufer zur Überwindung der Stromschnellen. Als die Zähringer den Marktflecken Rheinfelden zu einer Stadt ausbauten, existierte ebenfalls eine Fährverbindung über den Rhein, der den Anschluss an die Straße zu den zähringischen Besitzungen im Breisgau sicherstellte. Die erste Brücke dürfte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden sein, denn 1198 wird in einer Urkunde ein Rheinfelder Bürger als Heinricus de Ponte („Heinrich von der Brücke“) bezeichnet. Sie war somit die älteste Rheinbrücke zwischen Konstanz und Straßburg, also noch vor der Mittleren Brücke in Basel, die um 1225 entstand. Im Gegensatz zu anderen Standorten war der Brückenbau in Rheinfelden bedeutend einfacher, da die Flussinsel als natürlicher (Zwischen-)Brückenkopf genutzt werden konnte. “

4.5 Schloß Beuggen, 79618 Rheinfelden (Baden)

Das Rheinfelden in der Schweiz liegt genau gegenüber der deutschen Stadt Rheinfelden. Die Johanniterkommende Beuggen liegt ca. 4,5 Km flußaufwärts am rechten Ufer des Rheins.

Blick vom Haupttor nach Südwesten auf den Burggraben

Torhaus, Blick durch das Haupttor nach nordwesten hinaus

Blick vom Haupttor auf das Ordens-Schloß und die ehemalige Marienkapelle, die seit 1678 der Gemeinde Karsau als Pfarrkirche St. Michael diente (H.S. Heim, Teil 2, S. 659)

Am Tage unserer Besichtigung sollte eine Trauungszeremonie stattfinden. Es waren hunderte von Gästen anwesend.

Beuggen wurde 1246 gegründet. Die intensivste Bautätigkeiten fanden zwischen 1584-1603 und 1752-1757 statt. (H.S. Heim,  aaO S. 606)

Für heute hatten wir nun genug gesehen. Es war zwar noch nicht allzu spät, aber die Reserven für waren verbraucht. Wir machten uns nach Bartenheim im Elsaß auf, wo ich gerne regelmässig im „Au Lion Rouge“  übernachte. Leider hatte dessen Spitzenrestaurant diesmal geschlossen. Satt geworden sind wir doch noch, einigermaßen. Denn das Essen war sehr „übersichtlich“. Wenig Fisch auf sehr großen Tellern mit farbigen Geleeklecksen und Balsamico-Spritzern. Am Cremant d’Alsace hatten wir aber nichts auszusetzen.

5. Kanton Basel

Die Bilder aus Basel stammen nicht von dieser Reise, sondern aus verschiedenen anderen Anlässen, aber der Bericht über die Ordensritter in Basel gehört thematisch hierher. Heute stehen nur noch wenige Gebäude des Deutschen Ordens, die zudem erheblich umgebaut wurden.

ehemalige Deutschordenskapelle Basel, Rittergasse 29, jetzt Wohnhaus

Die Rittergasse führt vom St. Albans-Graben direkt auf den Münster von Basel. Die Ordensritter konnten den Münster bequem in ein paar Schritten erreichen.

Basel war und ist Bischofssitz, also waren auch hier gewiß auch andere Orden ansässig. Von einem Sitz der Templer ist allerdings nichts bekannt (altbasel.ch), aber die Johanniter hatten hier eine Kommende. Allerdings wurden sämtliche Gebäude der Johanniterkomturei von Basel, die sich in der St. Johanns-Vorstadt am Rheinufer befand, in den letzten Jahrhunderten abgerissen.

(Quelle: altbasel.ch)  . Der rechts in Bildmitte mit „D“ bezeichnete Turm steht allerdings noch.

Stadtturm St. Johann, Sankt-Johanns-Vorstadt, Basel. Blick aus der Stadt nach Osten.

6. Kanton Bern

Das Frühstück im Elsass war erheblich besser als das Abendessen und so zogen wir erneut los, zu unserem dritten und letzten Tag der Tour. Es standen nur noch zwei Punkte auf dem Programm.

6.1 Thunstetten

Nach ca. 75 Km Fahrt in Richtung Süden erreichten wir die Johanniterkommende Thunstetten.

Die Johanniterkommende wurde zwischen 1180 und 1210 errichtet. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1220 in einem Streit vor dem Schiedsgericht. Gestiftet wurde sie vermutlich von einem „oberaargauischen Adelskonsortium aus zähringisch-kyburgischen Ministerialen“ (H.S. Wick-Werder, Teil 1, S. 459 f.). Rechts im Bild befinden sich Gebäude der ehemaligen Kommende, die heute für den Pfarreibetrieb und die Gemeinde benutzt werden.

stilisiertes Johanniterwappen, Detail aus dem Inneren.

„Die heutige Kirche ist ein Neubau von 1745, der Turm stammt vermutlich aus dem 12. Jh.“ (Historisches  Lexikon der Schweiz)

5.2 Sumiswald

Ca. 25 Km südlich unterhalb von Thunstetten befindet sich das Dorf Sumiswald und die ehemalige Deutschordenkommende, das sogenannte „Schloss Spittel“, das etwa 2 km westlich ausserhalb des Dorfes – weithin sichtbar – auf einem Hügel liegt. Wiederaufgerichtet nach einem Brand 1730 diente das ehemalige Deutschordenskrankenhaus als Altersheim bis 2016 (Quelle Wikipedia) und heute als Beherbergungsbetrieb.

Komturei Sumiswald, Totale von Süden

Haupttor Schloß Sumiswald

Deutschordenskirche Sumiswald

Gegründet zwischen 1225 und 1245, gewidmet der Jungfrau Maria, eine Schenkung des Lütold von Sumiswald an den deutschmeister Hermann Otter unter der Bedingung, dass ein Krankenhaus errichtet wird, welche Arme und Pilger aufnehmen soll und dass immer zwei Priester dort anwesend sein müssen. (H.S. Baeriswyl, Teil 2, S. 780f.)

Detail aus dem innern. Maria und das Wappen des Deutschen Ordens.

Hier endete unsere Recherchereise. Wir fuhren nach Wil in die Ostschweiz zurück und werteten erste Fotos aus, bis das Abendessen fertig war. Leckeres Raclette mit Bacon und Kartoffeln, dazu den einen oder anderen Schluck Wein. Derzeit fiele mir nichts ein, mit dem ich ebenso vergnüglich und persönlich gewinnbringend beschäftigen könnte, als mit solchen Recherchereisen ins Mittelalter der Ritterorden einzutauchen und gleichzeitig Land und Leute von heute zu erleben und Zusammenhänge zu erkennen. Europa war ebenso dicht vernetzt wie heute. Die Wege dauerten natürlich etwas länger. Streit, Hader und Eigensucht aber auch Selbstlosigkeit, Zusammenhalt und Aufopferungsbereitschaft gab es damals wie heute.

Aber man stellt regelmässig fest, dass die Aufnahmefähigkeit und die Reiselust spätestens am dritten Tag stark nachlässt. Und so haben wir den frankophonen Teil der Schweiz westlich der „Rösti-Grenze“ für dieses Mal auslassen müssen. Viel ist dort heute nicht mehr zu sehen von den Kommenden der Ordensritter. Man stellt fest, dass sich die Tempelritter aus nicht näher bekannten Gründen nicht in die deutschsprachige Schweiz ausgebreitet sondern sich auf den frankophonen Raum (La Chaux, Genève)   beschränkt haben.

„Man kann wundert sich über die spärliche und zögerliche Präsenz der Templer in der romanischen Schweiz, zumal der Orden für seine bevorzugte Vorgehensweise bekannt ist, sich an den grossen Achsen der transalpinen Passagen aufzustellen, besonders in der Franche-Comté und im Piemont“, schreibt Bernard Andematten in seiner Einführung zum Templerorden in Helvetia Sacra, Teil 1, S. 531ff. Das ist in zweierlei Hinsicht etwas irreführend. Zum einen befanden die zutreffen spärlichen Besitzungen der Templer ausschliesslich in der französischsprachigen Schweiz, während für die deutschsprache Mittel- und Ostschweiz überhaupt keine Niederlassungen beschrieben sind. Zum anderen haben sich die Templer entlang der großen europäische Hauptstrasse via francigena (Von Canterbury nach Rom) tatsächlich nur in Frankreich maßgeblich und dicht aufgestellt, wie etwa in der Franche-Comté und dann aber erst wieder im Piemont (S. Maria di Isana, Livorno Ferraris und S. Maria del Tempio,  Casale Montferrato) , während zwischen La Chaux und dem Aostatal kein einzigerTemplersitz mehr vorhanden war. Offensichtlich haben es sich die weltlichen Herren nicht überall aus der Hand nehmen lassen, an den Alpenübergängen zu verdienen. Dass die Templer in der deutschsprachigen Schweiz keine Niederlassungen gegründet haben, sollte angesichts der Tatsache, dass sie auch in Deutschland recht wenige Niederlassungen im Vergleich zu den beiden anderen Orden besassen, nicht allzusehr verwundern. Vielleicht bestand auch ein Zwist mit den Zähringern, was im Templerlexikon für La Chaux angedeutet wird.

 

 

Stand 14.04.2019

Deutscher Orden und Johanniter in Hessen, 2017

1. Der Deutsche Orden in Hessen

Karte der Niederlassungen des Deutschen Ordens in Hessen

(Quelle: Google maps, Layout: M.M.)

Alle Deutschordensstationen liegen unmittelbar an der heutigen Bundesstrasse B 3. „Bei der früheren Nummerierung im Jahr 1932 begann die so genannte „Reichsstraße 3“ in Lübeck und führte dann über Hamburg nach Buxtehude, wo sie heute als „Bundesstraße 3“ ihren Anfang nimmt. Straßen wie die B3 entwickelten sich entlang uralter Handelsrouten. So kann man den Verlauf auch dieser Straße nachvollziehen von Norden nach Süden, von der Ostsee bis ans Mittelmeer.“ (Zitat Route B3). Die Wahl der Plätze für die Niederlassungen des Deutschen Ordens erfolgte danach keinesfalls zufällig. Es ist offensichtlich, dass die Marienritter wert darauf gelegt haben, sich entlang dieser Straße niederzulassen. Weiterhin fällt auf, dass die Ordenshäuser vorzugsweise in größeren Städten oder in der Nähe solcher Städten erichtet worden sind.

1.1 Fritzlar, wird noch nachgereicht, von Fritzlar nach Marburg 60 Km

1.2 Kommende Marburg

Baubeginn der Kommende ab 1234, hier ein seitliches Verwaltungsgebäude

Portal der Elisabethenkirche, Elisabethenstr. 3, 35037 Marburg

1.3 a Kommende 35394 Schiffenberg

Von Marburg gelangt man nach 30 Kilometern auf der B 3 nach Süden zu den nächsten  beiden Ordenssitzen, nämlich Schiffenberg (bei Gießen) und Wetzlar.

Marienkirche von 1133 von Nordosten

Südseite der Basilika

1.3 b Wetzlar

Auf gleicher Höhe über Frankfurt, aber 18 Kilometer weiter westlich ist eine weitere Niederlassung des Deutschen Ordens zu finden, und zwar in der Lottestrasse von Wetzlar, hoch über dem Wetzlarer Dom, den man bequem zu Fuß erreichen kann. Das Gebäude beherbergt jetzt das Stadtmuseum von Wetzlar.

Deutschordenskommende Wetzlar, Zehntscheune undt Haupthaus (rechts im Bild)

Ruine eines mittelalterlichen Gebäudes

Grabsteine von Deutschordensrittern

1.4 Ober-Mörlen

23 Kilometer südlich von Schiffenberg und ebenfalls an der B 3 liegt die Deutschordenskommende Ober-Mörlen.

Deutscher Orden, 61239 Ober-Mörlen

Haupteingang zur Komturei

1.5 Deutschordensschloß Friedberg

Keine acht Kilometer weiter südlich stößt man dann auf die Kommende Friedberg

postalische Adresse: In der Burg, 61169 Friedberg

1.6 Deutschordensschloß Kloppenheim

Adresse: Am Schloß 16, 61184 Karben

1.7 Deutschordenskommende Frankfurt

Brückenstrasse 1, 60594 Frankfurt am Main.

„Alte Brücke“, Deutschordenskommende, Brücken- und Elisabethenstraße, Merian, 1628

Die Lage war optimal gewählt: Direkt an der „Alten Brücke“ von Frankfurt. Die Top Location im Mittelalter, einer der damaligen Hauptknotenpunkte des europäischen Fernhandels. Auch die B 3 benutzt diesen Mainübergang heute noch. Hier geht es dann auf dem rechten Rheinufer entlang bis Basel. Die steinerne Brücke existiert seit 1222, vorher gab es wohl hölzerne Vorgänger. Die Brücke ersetzt eine Furt, die an exakt der gleichen Stelle bestand. Mehr über die Geschichte der alten Brücke erfahren Sie hier: Wikpedia.

2. Die Johanniter in Hessen

Karte der Niederlassungen des Johanniter-Ordens in Hessen um 1300.

(Quelle: Google maps, Layout: M.M.)

Man erkennt auf den ersten Blick, dass die Johanniter ihre „Straße“ durch Hessen etwas östlich von der des Deutschen Ordens „angelegt“ haben. Diese verläuft in nord-südlicher Richtung Wiesenfeld nach Neckarelz und teilt sich dort schließlich. Auch an der B 3 hatten die Johanniter Besitzungen, wenngleich auch nur zwei. Es hat den Anschein, dass die beiden Orden sich hier offenbar nicht gegenseitig Konkurrenz machen wollten, sodaß zwei alternative Streckentrassen angeboten wurden. Vermutlich gab es wegen hohem Verkehrsaufkommen ausreichend Bedarf an Krankenhäusern und Übernachtungsmöglichkeiten. Frankfurt war eine Kaiserstadt und die Könige wurden seit dem 12. Jahrhundert regelmäßig hier gewählt. In Frankfurt waren daher alle drei Ritterorden anssässig. Weiter fällt auf, dass die Johanniter vornehmlich stadtferne, kleinere Orte für ihre Niederlassungen ausgesucht haben. Im Falle Nieder-Weisel gehörte sogar der ganze Ort zum Orden.

 

2.1 Wiesenfeld

1238 erstmals urkundlich erwähnt:  Johanniterkirche und -Kommende, 35099 Burgwald

Wiesenfeld: Johanniterkreuz 13. Jh

2.2 Grebenau

Reste der Johanniterkommende, 36323 Grebenau

2.3 Nieder-Weisel

Urkundlich erwähnt wurde diese Kommende erstmals im Jahre 1245 (Wikipedia).

bnb

bnb

Herrenhaus der Kommende, 17 Jh.

Kapelle der Kommende Nieder-Weisel, Krankenhaus im Obergeschoß, 35510 Niederweisel

2.4 Nidda

Johanniterturm in 63667 Nidda, von der Basilika aus dem Jahr 1187 steht nichts mehr

2.5 Kommende Rüdigheim

Herrenhaus Kirchstraße 7, 63543 Rüdigheim (Neuberg), Main-Kinzig-Kreis

2.6 Kommende Mosbach

Mosbach, Kirchgasse 3, 64850 Mosbach (Schaafheim), Kreis Darmstadt-Dieburg

2.7 Kommende Ober-Mossau

Kirchstraße 6, 64756 Mossautal, Odenwaldkreis

2.8 Das „Tempelhaus zu Neckarelz“, Mosbach

Johannitergasse 2, 74821 Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis, Baden-Württemberg

2.9 (ehemalige) Johanniterkirche in Frankfurt

Aquarell von Carl Theodor Reiffenstein, 1871 (Wikipedia)

Stadtplan von 1861 (Quelle Altfrankfurt.com)

Johanniterhof, Merianstich 1628

Skizze aus 1873

3. Fazit

Die Distanzen zwischen den Kommenden des Deutschen Ordens:

  1. Fritzlar – Marburg 60 Km
  2. Marburg – Schiffenberg 30 Km
  3. Schiffenberg – Friedberg 30 Km
  4. Friedberg Frankfurt 30 Km

Die Annahme, die Ordensritter haben ihre Niederlassungen absichtlich in bequemen Tagesetappen entlang einer seit alters her bestehenden Fernstrasse angelegt, dürfte danach wohl erwiesen sein. Ausserdem wird die These bestärkt, dass die Einrichtungen der Ritterorden sehr häufig (und wohl ebenfalls nicht zufällig) 30 oder 60 Km auseinander liegen.

Es handelt sich bei den Niederlassungen in den Städten entlang eines alten und bedeutsamen Fernwegs (der heutigen B 3) in Hessen um eine planmässig angelegte Straße der Ordensritter.

Die Distanzen zwischen den Kommenden der Johanniter:

  1. Wiesenfeld – Grebenau 60 Km
  2. Grebenau – Nidda 60 Km
  3. Nidda – Rüdigheim 28 Km
  4. Rüdigheim – Mosbach 42 Km
  5. Mosbach – Obermossau 31 Km
  6. Obermossau – Neckarelz 45 Km (Hier teilt sich die Strasse)
  7. Neckarelz – (westl.) Bruchsal (an der B 3!) 50 Km – (östl.) Schwäbisch Hall 60 Km

Auch dieser Befund bestätigt die Annahme, dass die Ordensritter Distanzen zwischen 30 und 60 Km bevorzugt haben.

Die Johanniter haben in Hessen ebenfalls ihre Häuser entlang einer Strasse in Hessen eingerichtet, die ca. 20 bis 30 Km weiter östlich liegt. Es handelte sich offenbar um eine Nebenstrecke, die kleinere Ortschaften verbindet.

Die Templer hatten lediglich in Frankfurt einen Sitz.  In der ehemaligen Flur „Lindau“ (im heutigen Westend) haben die Templer im Jahre 1255 Güter erworben  (Templerlexikon). Eine „Templerstraße“ in Hessen hat es wohl nicht gegeben.

Die Ordensritter im Elsass

1. Bas-Rhin

Im Elsass waren alle drei Ritterorden recht zahlreich vertreten. Zur besseren Übersicht habe ich die beiden Departements getrennt dargestellt. Wir beginnen im Norden mit dem Department Bas-Rhin.

Es entsteht der Eindruck, dass sich die Templer mit den Deutschordensrittern die westlichere Trasse von Bouxwiller nach Sélestat „aufgeteilt“ haben, während sich die „Straße“ der Johanniter etwas weiter östlich befindet. Das Rheinufer selbst war generell ungeeignet für Fernstraßen. Auch die Römer hatten es schon vorgezogen, ihre Fernstraßen in sicherer Distanz zum Rhein anzulegen, weil dieser – seinerzeit noch nicht kanalisiert – ständig seinen Lauf veränderte. Die Fernstraßen mußten auf trockenem und festen Grund verlaufen und durften auch nicht zu nah an die Vogesen herangeführt werden, weil man andererseits auch keine unnötigen Steigungen und Gefälle in Kauf nehmen wollte.

An der Nordgrenze des Elsass zur Pfalz endet die „Deutsche Weinstrasse“. Die Strecke zwischen Bad Bergzabern und Wissembourg war Teil der linksrheinischen Römerstraße.

1.1 67160 Wissembourg

Ehem. Deutschherrenschloss, heute Sitz des Maison du Conseil Départemental de Wissembourg, Cour de la Commanderie/Rue de’l Ordre Teutonique

ehem. Johanniterkirche Saint-Jean, 13. Rue du Presbytère

1.2 67330 Bouxwiller

Turm der Templer? (siehe Aubarbier-Binet, S.25)

1.3 67500 Haguenau

Pfarreikirche Saint-Georges, (ehemalige Johanniterkirche),  Rue du Presbytère/Rue des Johannites

Commanderiegebäude, 57, Grand Rue, Haguenau

1.4 67310 Westhoffen

Westhoffen, Rosenbourg, ehemaliger Templersitz, heute ein Wohnhaus.

Ich zitiere: „Die Rosenburg (franz. Rosenbourg) ist eine ehemalige Templerburg in der elsässischen Gemeinde Westhoffen im französischen Département Bas-Rhin. Die Wasserburg bestand aus einem viereckigen Wohnturm, umgeben von einem Graben und einer Mauer, die an ihren Ecken mit vier Bastionstürmen ausgestattet war.“ aus dem Beitrag von Wikipedia, dem auch das nachstehende Bild entnommen ist.

Die Rosenburg im 16. Jahrhundert

1.5 67000 Strasbourg

Straßburg war bereits seit 343 ein Bistum. Es liegt daher auf der Hand, dass auch die Ordensritter sich jeweils darum bemüht haben, hier eine Niederlassung zu gründen. Die Templer sollen ab 1183 hier Fuß gefasst haben (Histoire libre com). Der Deutsche Orden errichtete seine Kommende im Jahre 1215 und seit 1273 gab es dort einen Komtur (Damian Hungs). Die Johanniter traten hier erst ab 1371 auf den Plan (Landesarchiv BW). Vom deutschen Orden und von den Templern ist – meines Wissens – nichts mehr an Resten zu sehen. Von den Johannitern existiert eine Johanniskirche, Adresse Quai Saint-Jean (Wikipedia) , die nach einem Volltreffer von 1944 in den sechziger Jahren restauriert wurde und eine Reihe imposanter Gebäude der ehemaligen Komturei, in denen heute die École nationale d’administration, ENA, untergebracht ist. Sehen Sie hier: (Wikipedia).

1.6 67120 Dorlisheim

ehemaliges Johanniterschloss, Rue Saint- Jean, Dorlisheim heute Sitz des Autoherstellers Bugatti

1.7 67530 Boersch

ehemaliges Deutschordenshaus Boersch, Adresse: 4, Rue de Dôme, Siehe Wikipedia

1.8 67530 Ottrott

Die Örtlichkeit ist auf alten Karten als „Tempelsmühle“ eingetragen. Sie liegt unmittelbar am Ufer der Ehn. Alte Bausubstanz war nicht auszumachen.

1.9 67140 Andlau

von dem Templern sind keine Gebäudereste mehr übrig. Das Schloss gehörte dem Deutschen Orden

1.10 67860 Rhinau

 

 

Krankenhaus der Johanniter (ab 1260), 6, Rue de l’Hôpital, heute Seniorenheim

 

 

1.10 67600 Sélestat

Das ehemaliges johanniter-Schloß (ab 1260) beherbergt heute das Office de Tourisme, Adresse: 10, Boulevard du Général Leclerc.

2. Haut-Rhin

Die Grafik legt die Vermutung nahe, dass alle drei Ritterorden sich im Oberelsaß eine Route „geteilt“ haben. Die Commanderien von Bergheim bis Soultz halten einen auffällig großen Abstand zum Rhein und liegen jeweils am Fuße der Vogesen. Vermutlich waren dort die Verhältnisse für eine Fernstrasse günstiger und der Verlauf des Rheines noch unstabiler. Nach Mülhausen teilt sich die „Johanniterstrasse“ nach Basel im Osten und nach Friesen im Westen.

In einem der nächsten Beiträge werde ich nachweisen, dass dieser Punkt den wichtigsten Verkehrsknoten der Logistik der Johanniter darstellt, weil hier die Fernverbindungen und -wege von Marseille, Venedig, dem Schwarzen Meer und den  Niederlanden mit ihren Seehäfen zusammenliefen. DIe Commanderie in Heitersheim (südlich von Freiburg an der B 3), wohl die größte der Niederlassungen des Ordens, war die Zentrale der über die Reichsgrenzen hinausgehenden Deutsche Zunge des Johanniterordens. (vgl. Ius Vivens) .

2.1 68750 Bergheim

Tempelhof, Bergheim, Rue de Thannenkirch

2.2 68240 Kaysersberg

Deutscher Orden, Heilig-Kreuz-Kirche, ehemalige Marienkirche, erbaut 1230.

2.3 6800 Colmar

ehem. Commanderie Saint-Jean de Colmar (ab 1234), heute Privatschule, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, Adresse Rue Saint-Jean, Colmar. Das in der gleichen Straße gelegene Maison des Chevaliers de Saint-Jean von 1608 hat indes keine nachweisliche Verbindung zum Ritterorden.

2.4 68360 Soultz

Commanderie Saint-Jean (ab1250), 12 rue Jean-Jaurès à Soultz.

2.5 68100 Mulhouse

Chapelle Saint-Jean (ab 1220), Rue Saint-Jean/Grand Rue

2.6 68170 Rixheim

ancienne Château des Chevaliers Teutoniques, heute Hôtel-de-Ville, 28 Rue Zuber, Rixheim

2.7 68580 Friesen

Kirche St. Peter und St. Paul, Friesen

Friesen liegt an der südwestlichen Grenze des Départements Haut-Rhin zum Territoire de Belfort. Hier enden die deutschen Ortsnamen und es wird ab jetzt nur noch französisch gesprochen. Der Nachbarort heißt Ueberstrass und deutet an, dass hier eine alte Paßstrasse über die Wasserscheide  nach Frankreich verlaufen ist. Der nächste Johanniterort in Frankreich heißt Valentigney. Er liegt am Ufer ds Doubs und ist 33 Km von Friesen entfernt.

3 Fazit: Die Ritterstraßen im Elsass

3.1 Der Deutsche Orden

Die Straße der Deutschordensritter beginnt in Wissembourg. Von dort sind es nach Strasbourg 60 Km und weitere 30 Km nach Boersch. Von hier nach Kaysersberg sind es 46 Km. Nach 25 Km erreichte man die Kommende Rouffach, nach weiteren 31 Km die Kommende Rixheim und schließlich – innerhalb von 27 Km – die Kommende von Basel.

3.2 Die Johanniter

Die Straße der Johanniter beginnt in Wissembourg. Von dort sind es nach Haguenau 30 Km und weitere 30 Km nach Strasbourg.  Sodann beträgt die Distanz nach Rhinau 31 Km und weitere 23 Km sind es nach Sélestat. In 24 Km ist man von dort in Colmar. Nach 27 Km erreicht man die Kommende Soultz und nach weiteren 40 Km die Kommende Mulhouse. Hier verzweigen sich die Johanniterstraßen. In südwestlicher Richtung erreicht man  nach 29 Km Valentigney und in südöstlicher Richtung nach 27 Km die Kommende von Basel.

Man stellt fest, dass diese Commanderien jeweils 1. mit mindestens drei anderen in einer Linie aufgereiht sind, deren Ausgangspunkt 2. eine strategisch bedeutsame Örtlichkeit darstellt und sich schließlich 3. in  – sehr bequemen – Tagesetappen von ca. 30 Km Distanz zur nächsten Station befinden. Die Regeldistanz von 20 bis 30 Km wird bei den Deutschordensrittern im Elsass in zwei Fällen nicht eingehalten. Jedoch trifft man durchaus öfters auf solche 60 Km Etappen, etwa zwischen Fritzlar und Marburg (DO), oder zwischen Wiesenfeld unjd Grebenau, sowie Grebenau und Nidda (Johanniter). 60 Kilometer sind per Pferd oder Kutsche sicher zu schaffen. Offenbar war es nicht überall erforderlich oder erwünscht, die Idealdistanz von 30 Km einzuhalten.

Nach der Eingangs vertretenen Definition wird man folglich hier von der Existenz von Straßen der Deutschordensritter und der Johanniter auszugehen haben, die den ganzen Elsass abdecken und von Wissembourg nach Basel führen.

3.3 Die Templer

Die Templer hingegen sind im Elsass – wie auch im übrigen Deutschen Kaiserreich spärlicher vertreten. Ihr Verbreitungsgebiet focussierte sich deutlich eher auf den frankophonen Sprachraum. Dennoch findet man vier Einrichtungen der Templer wie an einer von Norden nach Süden aufgereihten Kette mit Distanzen von 25 bis 29 Kilometern, nämlich Bouxwiller, Westhoffen, Andlau und Bergheim:

Da eine zufällige Anordnung hier wohl nicht in Betracht kommt, handelt es sich um eine Templerstrasse im Elsass.

Die große Häufigkeit von Einrichtungen der Ritterorden im Elsass beruht vor allem auf der Tatsache, dass die linksrheinische Wegverbindung von Basel über Mainz nach Köln wohl zu allen Zeiten eine Fernstraße von überragender Bedeutung dargestellt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Templer-Tour de France, Sept. 2018

Ein paar freie Tage gegen Ende September ermöglichten einen Kurzurlaub, der uns durch fast ganz Frankreich führte. Es ging uns auch darum, die Teile des Landes einmal kennenzulernen, die abseits der Strände und unserer üblichen Routen lagen – wie etwa die Touraine, den Périgord oder die Auvergne – um Wohnmobilreisen für die Rentenzeit  zu planen. Vor allem aber war und noch die eine oder andere Lücke im Templeralbum zu füllen. Man findet auf diese Weise lohnende Ziele und Übernachtungsmöglichkeiten (Basislager) und bekommt ein Gefühl für Entfernungen, was die Planung späterer Reisen erleichtert. Das erste Ziel lag in der (ehemaligen Région) Picardie.

1. Commanderie Catillon-du-Temple, 02559 Nouvion-et-Catillon, Aisne, Hauts-de-France

Im Mai 2017 war ich schon einmal in der Gegend und hatte irrtümlich die Kirche der Schwestergemeinde Nouvion für die Templerkirche gehalten. Deshalb begann die Reise hier.

1.1 Wegbeschreibung

Man fährt die A 26 von Reims nach Norden in Richtung Brüssel und Lille. Kurz vor Saint-Quentin verläßt man an der Péage de Nouvion-et-Catillon die Autobahn und gelangt über die D35/D26 nach Nouvion. Im Ort folgt man dem Verlauf der D26 (Hauptstrasse) zunächst nach Norden und kurz vor dem Ortsausgang nach Osten. Ab dort ist Catillon bereits beschildert. Nach ca. 3 Km biegt man links ab zum Gelände der ehemaligen Commanderie.

1.2 Strategische Position

Ich hatte bereits Bericht vom Mai 2017 nachgewiesen, dass die Strecke von Arras nach Reims einen Teilabschnitt der via francigena darstellt.

Hier liegt Catillon-du-Temple in einer geradlinigen „Kette“ von Templerorten und/oder offiziellen Stationen der via francigena im Abstand von je ca. 25 Km: Saint-Quentin, Nouvion-et-Catillon, Laon, Pontavert, Reims, Saint-Étienne-au-Temple usw. Vor Ort fanden wir die Beschilderung „voie romane“ oder „chemin romeret„, was diese These endgültig bestätigt.

1.3 Was ist noch zu sehen?

Das Areal der Commanderie von Catillon-du-Temple entspricht der Größe nach anderen bereits beschriebenen Templerorten in der Gegend. Die Gebäude sind um einen Innenhof herum errichtet worden. Die ehemalige Kapelle war ausserhalb des Gehöfts, was dafür spricht, dass auch die Bevölkerung des Ortes an Gottesdiensten der Templer teilnehmen durften. Das erweist sich auch an dem für Templerkapellen überdurchschnittlich hoch ausgeführten, sogenannten „Glockengiebel“ (cloche-mur).

Nordflanke der Commanderie und Blick auf die Giebelmauer der Kapellenruine  von Osten

Der Glockengiebel – hier von Westen gesehen – ist das einzige Überbleibsel der Kapelle

Ansicht der Ostflanke der Commanderie von Norden

Das Gebäude links am Bildrand mit den als „Strebewerk“ bezeichneten Mauerstützen (contre-forts) dürfte noch aus der Templerzeit stammen. Dieses Bauelement ist jedenfalls seit der Gotik in Verwendung. Es wird heute als Scheune genutzt.

1.4 Geschichte

Das Haus der Templer von Catillon erscheint erstmals im Jahre 1204 in den Akten. Die Commanderie wurde Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet. Die Kirche, von der heute nur noch die Giebelwand des Chors steht, ist der Sainte Marie-Madeleine geweiht (Christophe Staf, templiers.org, m.w.N.) .

2. Chapelle de Laon, 02559 Laon, Aisne, Hauts-de-France

2.1 Wegbeschreibung

Die Templerkapelle befindet sich im Süden der Altstadt von Laon. Man nähert sich zweckmässigerweise von der Rampe d’Ardon und parkt – derzeit kostenlos – an der Promenade de la Couloire, direkt an derStadtmauer von Laon:

Blick vom besagten Parkplatz auf das Südtor

Man begibt sich sodann zu Fuß auf der Rue Enguerrand Quarton durch den Torturm und folgt dieser Strasse nach Norden bis zur dritten Kreuzung. Hier biegt man nach rechts in die  Rue Georges Ermant ab und folgt dieser Strasse ca. 100 Meter. Zwischen der Einmündung der Ruelle Sainte-Geneviève (von Süden) und der Ruelle des Templiers (von Norden) befindet sich der Eingang zum Musée d’Art et d’Archéologie du Pays de Laon. Auf dem Hof steht die Templerkapelle.

2.2 Strategische Position

Wie bereits im vorigen Abschnitt erwähnt, liegt auch Laon in einer beschriebenen „Kette“ von Templerorten und ist eine „offizielle“ Station der via francigena. Laon ist seit 499 n.Chr. Sitz der Bischöfe der gleichnamigen Diözese (Wikipedia). Die berühmte

Kathedrale  von Laon

wurde von 1155 bis 1235 errichtet (Wikipedia). Es ist wohl als selbstverständlich anzusehen, dass die Templer am Sitz der Bischöfe ebenfalls präsent sein mußten. Zwar unterstanden die Templer und die anderen sakralen Ritterorden direkt dem Papst und schuldeten den Bischöfen weder Gehorsam noch Abgaben. Aber die Nachrichten, von denen das mittelalterliche Leben -ebenso wie das heutige – abhing, liefen hier zusammen. Auch etwa in Mainz unterhielten alle drei Ritterorden jeweils eine Niederlassung. Man wird unterstellen dürfen, dass die Templer auch an allen anderen Bischofssitzen – zumindestens in Frankreich – präsent waren.

2.3 Was ist noch zu sehen?

In Laon befindet sich die berühmte achteckige Templerkapelle von 1140:

In seinem Buch: Die Templer, Aufstieg und Untergang, S. 160, verweist Demurger (unter Bezugnahme auf einen Aufsatz von Élie Lambert, l’Architecture des Templiers, Bulletin Monumental, Paris 1954, S. 130ff.) die weit verbreitete Annahme, achteckige oder runde Zentralbauten seien eine Spezialität oder gar Erfindung der Templer, zutreffend in den Bereich der Mythen. Nach Demurger, S. 160, gab es lange vor den Templern im Abendland schon achteckige Kapellen, zumeist auf Friedhöfen, etwa dem der Abtei Saint Vincent von Laon, von der heute allerdings keine Überreste mehr vorhanden sind.

Detail an der Südflanke

Die Templerkapelle von Laon ist mit unzähligen Objekten verziert, die wie Katzenköpfe aussehen, wenngleich sie teilweise auch Karikaturen von menschlichen Zügen abbilden könnten. Ich hatte bereits in meinem Bericht über die Templer in Girona, 2015, darauf hingewiesen (und zahlreiche Beispiele gezeigt), dass die Templer eine Vorliebe für dieses Motiv entwickelt haben könnten, auch wenn ich dazu speziell noch nichts in der Literatur gefunden habe.

Kann man anhand dieses Befundes nur von einer ordenstypische Aufmerksamkeit des Templerordens gegenüber diesem Tier oder schon einer Art Verehrung, gar einer Götzenanbetung sprechen? Oder sind das nur harmlose Sympathiebeweise einzelner Ordensmitglieder? Es ist unabweisbar, dass den Templern in den Prozessen, die zur Auflösung des Ordens führten, unter anderem auch die Anbetung von Katzen vorgeworfen wurde (Demurger, der letzte Templer, S. 241).

2.4 Geschichte

Nach einer undatierten Urkunde, ausgefertigt vom Bischof Barthélémy de Vire von Laon, erhielten die Templer ihre Güter in Laon als Stiftung von einer Adeligen namens Amultrude. Die Übertragung soll gegen 1140 erfolgt sein (Templiers.net) .

In Laon war viel Trubel. Also begaben wir uns nach Soissons zu unserer Unterkunft und belohnten uns in meinem Lieblingsrestaurant von Soissons am Place de la Republique mit einem gewohnt fantastischen Abendessen.

3. Église des Templièrs, 91830 Auvernaux, Dept. Essonne, Île-de-France

Am nächsten Morgen unternahmen wir bei strahlend schönem Wetter noch einen Spaziergang im Zentrum von Soissons und machten uns dann für ca. 160 Km in südwestliche Richtung auf zu unserem nächsten Etappenziel in der Région Île-de-France (teilweise bedauerlicherweise unter Benutzung der Autobahnen der Metropole).  In Auvernaux hatten die Templer evtl. keine Commanderie, aber eine Pfarrkirche.

3.1 Wegbeschreibung

Man nimmt zunächst – von Paris kommend – die A 7 „Autoroute du Soleil“ in Richtung Auxerre und Lyon und fährt an der Ausfahrt 11 (Gemeinde Le Coudray-Montceaux) nach Süden ab auf die D 948. Man folgt der D 948 weiter nach Süden und biegt im Ortskern von Auvernaux an einer Bar/Brasserie nach rechts auf die D 74 ab. Nach wenigen Metern taucht rechts die Templerkirche auf. Sie befindet sich auf einem begrünten Platz vor der Mairie.

3.2 Strategische Position

Wie der nachstehende Kartenausschnit zeigt, scheint Auvernaux im Mittelpunkt von mehreren „Templerstraßen“  zu liegen, wobei eine nach Nordwesten über Balizy nach Elancourt, die zweite nach Nordosten über Savigny-le-Temple nach Coulommiers und die Dritte über die Templerorte Nemours, Montargis, Chatillon-Coligny und Villemoison nach Süden führt.

Die Distanz vom Templerort Elancourt zum Templerort Balizy beträgt 31 km und die von Balizy nach Auvernaux 26 km.  Das sind typische Tagesetappen. Von Auvernaux zum Templerort Nemours beträgt die Distanz 40 km und weitere 40 km liegen zwischen letzerem und dem nächsten Templerort Montargis. Daraus ergibt sich ein „Anfangsverdacht“ für Straßenzüge. Diese Hypothese muß jedoch noch viel gründlicher und gesondert untersucht werden. Auch Etampes war ein Templerort.

3.3 Was ist noch zu sehen?

Reste des Maisons der Templer waren nicht auszumachen. Es ist wohl nur die Kirche aus dem 12. Jahrhundert übriggeblieben. Aber diese ist sehr intakt und offenbar noch immer in Benutzung.

Templerkirche von Auvernaux, Ansicht von Südwesten

Südportal mit typischer Wächterfigur, einseitig rechts

3.4 Geschichte

Das Datum der Errichtung des Templerhauses von Auvernaux ist nicht genau bekannt, aber es wurde erstmals im Jahre 1171 in den Dokumenten eines Prozesses zwischen den Templern und den Kanonikern von St. Victor, Paris, im Zusammenhang mit dem streitigen Eigentum mehrerer Güter erwähnt, in dem sie sich „seit langer Zeit“ als Eigentümer bezeichneten. Der Bischof von Paris, Maurice de Sully, war beauftragt, den Streit zwischen den beiden Parteien zu schlichten Templiers.org, Christophe Staf.

Wir setzen unsere Fahrt weiter in Richtung Südwesten fort und gelangten nach etwa 150 Km unsere zweite Tagesetappe.

4. Maison des Templièrs, 45190 Beaugency, Dépt. Loiret, Centre-Val de Loire

Die Altstadt von Beaugency erwies sich als sehr attraktiv und gemütlich. Sie ist teilweise zur einer sehr einladenden Fußgängerzone umgebaut worden und wir freuten uns darauf , unser Ziel zu Fuß zu suchen, um uns hier gründlich umsehen zu können.

4.1 Wegbeschreibung

Das Templerhaus befindet sich an der Straßenecke der Rue de la Siréne und der Rue du Puits de l’Ange. Man erreicht diese Stelle, indem man etwa die Rue du Pont nach dem Überqueren der Loire bis zur dritten Kreuzung fährt, dort links in die Rue de la Cordonnerie einbiegt und sich alsbald einen Parkplatz sucht. Diese Strasse endet direkt am Templerhaus. Parken kann man in diesem Bereich aber nicht. Die Rue du Puits de l’Ange ist für PKWs gesperrt.

4.2 Strategische Position

In unmittelbarer Nähe zur Brücke über die Loire befinden sich drei Inseln. Es ist naheliegend, dass hier früher eine Furt bestanden haben könnte. Die „alte“ und sehr schöne Steinbrücke, könnte vielleicht aus dem 15. Jahrhundert stammen. Überdies machte die Lage am Loire-Ufer aus Beaugency eine wichtige Handelsstadt. Beaugency scheint Station einer „Templer-Straße“ von Troyes nach Tours gewesen sein:

Die Stationen Tours, Blois, Beaugency

4.3 Was ist noch zu sehen?

In Beaugency gibt es – statt eines Sakralbaus – eines der sehr seltenen mittelalterlichen Profanbauten der Templer (Ich kenne Profanbauten der Templer sonst nur in Caudebec en Caux, Normandie und Fresne-St. Mamès in Franche-Comté.) Heute ein Wohn- und Geschäftshaus, präsentiert sich das Maison der Templer  mit mittelalterlichen und spätmittelalterlichen Fensterbögen im 1. Obergeschoß.

Maison des Templièrs, Beaugency

4.4 Geschichte

Die Existenz des Templerhauses von Beaugency kann erstmals einer Urkunde des Simon de Beaugency (um 1200) entnommen werden. Darin sind den Templern einige Rechte eingeräumt, etwa die Erhebung von Steuern für Fassabfüllung und Gaststätten. (Christopfe Staf, http://www.templiers.org/beaugency.php)

 

5 Commanderie de Ballan-Miré, 37510 Ballan-Miré, Indre-et-Loire, Centre-Val de Loire

Wir mußten nur noch knapp 100 Km weiter südwestlich in die Nähe der Stadt Tours (mit der wunderbaren Kathedrale  des Erzbischofs von Tours) reisen, um unser nächstes Etappenziel und zugleich auch unser Nachtquartier zu erreichen, das Château von Ballan-Miré. Zu unserer großen Freude erreichten wir unser Domizil für den Abend noch rechtzeitig, um den Pool bei schönstem Wetter noch ausgiebig nutzen zu können. Was eine Wohltat, nach einem heißen Tag auf der Strasse.

5.1 Wegbeschreibung

Man verläßt Tours nach Süden über die Pont de Saint-Sauveur und biegt etwa 200 m nach der Überquerung des Flusses Cher nach rechts auf die Rue des Savonnières, die D7, ab. Auf dieser Strasse geht es ca. 3 Km nach Westen entlang des linken Ufers des Cher bis zur Abzweigung der D127 (Rue de la Commanderie). Man fährt auf dieser Strasse noch etwa 500 m nach Süden und muß ab jetzt sorgfältig auf die Beschilderung achten. Eine kleine Stichstrasse führt nach links von der Landstrasse ab und man steht einige 100 Meter danach vor einem prächtigen Gittertor. Man muß allerdings angemeldet sein. Das Château ist in Privatbesitz und auch von der Strasse nicht einzusehen. Die Besitzer betreiben dort aber ein B&B und der Aufenthalt dort ist sehr zu empfehlen. Die Inhaber sind sehr gastfreundlich, hilfsbereit und zuvorkommend und was noch bemerkenswerter war: Sie haben sich als historisch sehr interessiert und über die Historie des Châteaus und seiner Geheimnisse bestens informiert erwiesen. Wenn Sie Glück haben, findet sich die Zeit für eine kleine Führung. Buchen können Sie hier: Bed and Breakfast Commanderie de Ballan.

5.2 Strategische Position

Die Commanderie de Ballan ist ca. 1 Km von dem Fluß Cher entfernt, der wiederum etwa einen Kilometer südlich parallel zur Loire entlangläuft und nach ca. 6 Km in diese einmündet. Die Commanderie liegt unmittelbar an dem wohl bedeutensten französischen Jakobsweg, der  sogenannten Via Turonensis, der von Paris über Orléans, Tours, Poitiers und  Bordeaux bei Saint-Jean-Pied-de-Port über die Pyrenäen nach Santiago de Compostela führt. Nach Julie Roux und Humbert Jacomet, Les Chemins de Saint-Jacques de Compostelle, S. 315, gibt es für den Abschnitt zwischen Paris und Tours zwei Wegealternativen. Die nördliche  Route führt über Chartres, die südliche über Orléans. Beide Strecken sind in regelmässigen Abständen mit Templerpräsenzen ausgestattet.

Via Turonensis, von Paris nach Tours

Nach Dumontier, aaO S. 101, kommt Ballan-Miré eine Schlüsselposition zu. Der Ort markiert die Mitte der Templer-Strasse von Paris nach la Rochelle. Ich habe hierzu im Jahr 2008 einen Aufsatz geschrieben.

5.3 Was ist noch zu sehen?

Das Château ist im Laufe der Zeit erheblichen Umbaumaßnahmen unterzogen worden und präsentiert sich heute überwiegend im Stil des neunzehnten Jahrhunderts, nach erheblichen Veränderungen im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert durch die Johanniter.

Nur der nach Süden zeigende, runde Turm im Bildhintergrund stammt noch weitgehend unverändert aus der Zeit der Templer.

Rückseite mit neugotischen und modernen Fensterelementen

Um die Commanderie von Ballan ranken sich seit jeher romantische und fantastische Geschichten. So soll es zwischen Ballan (nach Dumontier, Sur les Pas des templiers en Bretagne, Normandie, Pays de Loire, S. 100, leite sich der Name vom Keltengott Belenos ab) und dem 6 Km entfernten Dorf Savonnières  einen unterirdischen Geheimgang geben (Dumontier, a.a.O). Die Kirche von Savonnières unterstand dem Großprior des Malteserordens und ist den Heiligen Saint Gervais und Saint Protais geweiht, wie die Kirche der ebenfalls – unverdient – legendenumwobenen, angeblichen Templer-Stadt Gisors. An jeder Legende hängt natürlich immer auch ein mehr oder minder grosses Stück Wahrheit. Savonnières ist tatsächlich für seine unterirdische Grottenlandschaft, begünstigt durch den dort vorherrschenden Kalk-Tuffstein bekannt. Nach Dumontier, aaO, gehen einige Grotten dort auf die Zeit der Römer zurück. Sei es, wie es sei, auf dem Grundstück der Commanderie gibt es einige verdächtige Stellen, die die These eines geheimen Ganges unterstützen könnten.

Eingang in eine Kalksteinhöhle.

Zugemauerter Gang in einem externen Kellergebäude.

Einer der letzten Eigentümer, ein Graf Salvador, hatte – nach Spielschulden und Spekulationsverlusten – den legendären Templer-Schatz mit Sprengstoff gesucht (Dumontier, aaO). Die Spuren davon sind heute noch sichtbar.

Gesprengte Ruine

Impression: Abenddämmerung. Foto Beate Menzendorff

5.4 Geschichte

Eine Urkunde von 1219 bezeugt zum ersten Mal die Existenz des Tempels in Ballan-Miré. Die Templer etablierten sich in der Touraine seit dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts. (Dumontier, aaO).

6 Village des Templiers, 24290 Sergeac, Dépt. Dordogne, Nouvelle-Aquitanie

Nach einem wirklich ausgezeichneten, sehr fürstlichen Frühstück mit leckeren Croissants und krachendfrischem Baguette, meist hausgemachten Köstlichkeiten (Joghurt, Waffeln und diverse Marmeladen und Gelees) und aromatischem Kaffee und Tee brachen wir gutgelaunt in den Süden Frankreichs auf, genauer gesagt in die ehemalige Grafschaft Périgord. Wir erreichten Limoges nach etwa dreieinhalb Stunden. Die Strecke von Limoges ins Périgord, das wohl etwa dem heutigen Département Dordogne enstpricht, nahm noch etwa eineinhalb Stunden in Anspruch. Es handelt sich bei dieser Strecke um einen der Teilabschnitte des zentralfranzösischen Jakobswegs, der sogenannten Via Lemovicensis (wikipedia).

6.1 Wegbeschreibung

Man erreicht Sergeac von der Autobahn A89 (Clermont-Ferrand – Bordeaux) und nimmt kurz nach der Stadt Brive-la-Gaillarde die Ausfahrt 17 in Richtung Saint-Yrieix-la-Perche. Anschließend benutzt man die D46 über Les Farges nach Montignac und danach die D706 nach Sergeac.

6.2 Strategische Position

Sergeac liegt nur ca 45 km südöstlich von Perigueux und dürfte als Etappenziel für Jakobspilger (Via Lemovicensis) in Betracht gekommen sein. Im übrigen befand sich der Ort zur Zeit der Templer im Grenzgebiet zwischen französischen und englischen Herrschaftsgebieten. Der Bereich südlich der Dordogne fiel 1154 mit der Hochzeit von Eleonore von Aquitanien und Henri Plantagenêt an England. Sergeac liegt 20 Km von der Dordogne entfernt und gehörte demnach zu Frankreich.

6.3 Was ist noch zu sehen?

Sergeac ist eine kleine Gemeinde am südlichen Ufer der Vézère mit 215 Einwohnern (Wikipedia). Das Alter der Häuser ist schwer zu schätzen.  Einige Mauer verraten ein wesentlich höheres Alter, als die modernere Bausubstanz. Viele Häuschen scheinen schon ihr Alter aufgrund ihrer geringen Größe zu verraten.

Das Maison des Kommandeurs wurde im 14. Jahrhundert von den Johannitern umgebaut. (Christophe Staf). Es ist nicht zu besichtigen. Derzeit wird es baulich saniert.

Die Kirche wurde im 12. Jahrhundert von den Templern als Wehrtum errichtetet  (Jack Bocar, templiers net. Sie finden in dem lesenwerten Beitrag eine Skizze)

Einschiffig, rechteckiger Grundriss, drei Teile. Eine typische Templerkirche (Bocar, aaO)

Nähert man sich vom Ufer der Vérzère dem Ort, erhält man diesen impsoanten Eindruck.

6.4 Geschichte

Der in der Kirche aufgestellten Hinweistafel

lassen sich folgende Feststellungen entnehmen: Im 3. Jahrhundert errichtete ein Römer namens Servius seine Villa, die den Namen für den Ort abgab: Serviacum. Im Laufe der Zeit wurde daraus Sergeac. Im 11. bis 12. Jahrhundert erichtete man auf den Resten der gallo-römischen Ansiedlung und einer Begräbnisstätte der Westgoten bzw. Merowinger eine Vorläuferkirche.  Am  3. Mai 1153 erteilte Papst Eugen III der Kirche in einer Bulle das Privileg der Unverletzlichkeit und weihte die Kirche der „Heiligen Maria von Sergacio“.  Die Templer erhielten im Jahre 1275 noch 1 Km ausserhalb des Ortes ein großes Gelände, von dem noch erhebliche Mauerreste vorhanden seien.

7 24200 Sarlat-la Canéda, Dépt. Dordogne, Nouvelle-Aquitanie

Zu unserem nächsten Nachtqaurtier mußten wir nur noch ein paar Minuten fahren. Wir hatten den pittoresken und mittelalterlichen Touristen-Anziehungspunkt an der Dordogne aber auch deshalb ausgewählt, weil die Suche nach einem Zimmer und einem Restaurant dort erwartungsgemäß leichter fallen würde. Unser Nachtquartier nannte sich „Hotel de Compostelle“, was andeutet, dass diese Stadt ebenfalls an einem der Pilgerwege lag.

Die Anwesenheit der Templer in Sarlat bleibt ein Mysterium, schreibt Jean-Luc Aubarbier auf S. 87 in seinem Buch les Sites Templiers de France, Aubarbier, Binet, 1995. Dass es eine Commanderie des Namens la Caneda gegeben habe, sei gewiß. Nur bei der Frage ob, es eine der Templer oder der Johanniter gewesen sei, würden die Meinungen auseinandergehen, meint der Autor weiter. Und er muß es wissen, denn er wohnt selbst in Sarlat. Etwas zuversichtlicher drückt sich insoweit mein Freund Christophe Staf (Danke, Christophe, für das unvergessliche Abendessen in Lunéville nach dem Vortrag von Alain Demurger) aus. Er ist der Ansicht, dass hinter der alten Kathedrale von Sarlat einen Templerfriedhof gäbe (templiers.org). Sicher ist, dass einige Templer in dem nur 12 Kilometer entfernten Domme eine Zeitlang inhaftiert waren.  Christofe Staf hat für Sie einige Fotos der Graffiti zusammengestellt, die von den inhaftierten Templern dort in die Wände geritzt worden sein sollen.

Sei es, wie  es sei, Sarlat lohnt einen Besuch auf jeden Fall. Die mittelalterliche Altstadt ist authentisch und recht vollständig. Ein Spaziergang kommt einer Zeitreise sehr nahe.  Ich lasse Sie jetzt mal an dieser Zeitreise teilhaben und stelle Ihnen einige Gebäude aus der Altstadt vor, ohne sie zu kommentieren:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

bn

Nationaldenkmal: Kathedrale Saint-Sacerdos de Sarlat, im Herzen der Altstadt

Mittelalterliches Haus an einen kleinen Platz in der Altstadt

Dieses Haus stand dem Restaurant gegenüber, welches wir uns für unser Abendessen ausgesucht haben. Es nennt sich „La Cour des Poètes“ und wir können es nur empfehlen. Es war sehr lecker, angenehm und preiswert. Wir saßen draußen im Hof und konnten uns den schönen Gebäuden und dem Treiben nicht stattsehen. Mehr oder weniger zufällig habe ich mir auch das innere der Gaststätte angesehen. Die Kasse stand auf einem Pult mitten im Raum und die Seitenwände des Pultes waren mit Steinen verkleidet. Es sah sah aus, als sei dieses Pult aus einer Kanzel einer alten Kirche zusammengesetzt worden.

Die Steine trugen Abbildungen, die eindeutig auf die Templelritter hinweisen:

Ritter mit Mantel und Schwert, 13. od. 14. Jahrhundert

links oben und rechts unten: eindeutig das Tatzenkreuz der Templer!

In der Literatur habe ich dazu nichts gefunden. Das Personal der Gaststätte konnte mir keine Auskunft erteilen, was es damit auf sich hätte. Das Objekt kann auch genauso aus einer abgegangenen Kirche der Umgebung stammen oder bei einem Antiken-Händler gekauft worden sein. Sei es, wie es sei, diese Entdeckung hatte mich regelrecht elektrisiert. Ich hatte nicht mit so etwas gerechnet. Es hatte sich deshalb und auch sonst in vieler Hinsicht gelohnt, der Stadt Sarlat einen Besuch abzustatten. Am nächsten Morgen gönnten wir uns noch einen Bummel über den Wochenmarkt in der Altstadt und brachen gegen Mittag in Richtung Süden auf.

8 Commanderie des Templiers, 82160 Lacapelle-Livron, Tarn-et-Garonne, Occitanie

Das nächste Etappenziel lag nur 140 Km weiter südlich in der alten Provinz Quercy. Lacapelle-Livron ist eine von drei Templerkommenden, die  in einem „Dreieck“  im Abstand von ca. 20-30 Km  zueinander liegen und jeweils mit wehrturmartigen Gebäuden versehen sind.

8.1 Wegbeschreibung

Man fährt auf der Autobahn A 20 „L’Occitane“ nach Süden und nimmt die Abfahrt zum Flughafen Cahors-Lalbenque und folgt sodann der D19 nach Lalbenque. Danach setzt man die Fahrt auf der D19 in Richtung Caylus fort und erreicht kurz davor den Ort Lacapelle-Livron. Die Kommende ist ausgeschildert.

8.2 Strategische Position

Nach Roux und Jacomet, Les Chemins de Saint-Jacques de Compostelle, S. 189, 202, stellte Lacapelle-Livron eine „offizielle“ Station eines Seitenarms des südfranzöischen Pilgerweges Via Podensis von Le Puy nach Saint-Jean-Pied-de-Port dar, der sogenannten  Variante Rouergate. Im übrigen zeigt der wehrturmartige Ausbau der Kapelle an, dass man sich in einem krisengeschüttelten Gebiet befunden haben wird. Östlich neben der Kapelle fällt das Gelände recht steil ab und man überblickt von oben eine weite Tiefebene, was im Falle kriegerischer Annäherung ein klarer Vorteil gewesen sein muß.

8.3 Was ist noch zu sehen?

Schon von weitem nimmt man den wuchtigen Wehrturm der Commanderie war:

Blick auf den Wehrturm von Südsüdwest

mittelalterliches Nebengebäude, einige Meter südlich vom Turm

Blick in den Ostchor der Kapelle

Kapelle und Wehrturm von Süden

8.4 Geschichte

Die Commanderie wurde erst relativ spät gegründet. Im Jahr 1225 trat ein gewisser Grimals de Lhivron, Sohn des Pons de Lhivron, seine Herrschaft an die Templer ab: “ fraire Doat Garssia, comandador del bestial de la cabana de Blouson e als autres fraires del Temple“. (Templiers.net). Interessant ist die Tatsache, dass die Templer noch 1299 noch Rechte des französischen Königs Philippe-le-Bel abgekauft hatten (Templiers.net, aaO), eben jenes Königs, der nur wenige Jahre später, in 1307, die französischen Templer verhaften ließ und für die Auflösung des Ordens sorgte .

9 Commanderie des Templiers, 82800 Montricoux, Tarn-et-Garonne, Occitanie

9.1 Wegbeschreibung

Von Lacapelle-Livron fährt man auf der D19 nach Caylus und von dort auf der D926 nach Saint-Cirq und anschliessend auf der 964 nach Montricoux. Der Ort läßt sich besser zu Fuß erkunden. Man sucht sich einen Parkplatz am Ortsrand und der Weg zur Commanderie und der Templerkirche ist gut beschildert.

9.2 Strategische Position

Aufgrund der Nähe zu Lacapelle-Livron (ca. 30 Km) wird man auch hier in Betracht ziehen können, dass die Einrichtung der Templer Jakobspilger begherbergt haben könnte. Montricoux liegt direkt am Ufer des Flusses Aveyron.

9.3 Was ist noch zu sehen?

Die Commanderiegebäude sind um einen großzügigen rechteckigen Innenhof angeordnet. Nur der Turm, die Kirche und das Nebengebäude links im Bild stammen aus der Zeit der Ritter:

Blick in Richtung Nordnordost auf das Hauptgebäude und den Kircheingang für Ordensmitglieder.

Eine Rue des Templiers darf nicht fehlen

Um heute die Kirche zu betreten, muß man den Innenhof verlassen und den Ort umrunden.

Denn der heutige Haupteingang zur Kirche zeigt zur Gemeindeseite nach Norden. Daran kann man erkennen, dass die Templer hier auch das Recht hatten, den Bewohnern des Ortes kirchliche Dienste anzubieten. Auch hier finden sich wieder die typischen Torwächterköpfe.

Saint-Pierre de Montricoux

9.4 Geschichte

Montricoux gelangte durch eine Stiftung des Priors von Saint-Antonin um 1181 in den Besitz des Tempelordens (Christophe Staf). Die Templer erhielten die Ländereien der gesamten Gemeinde einschließlich der Bewohner und auch die Kirche Saint-Pierre. Im Jahre 1276 unterzeichnete der Meister des Tempelordens der Provence, Roncelin de Fos, eine Urkunde, den Ort betreffend. Nach der Auflösung des Ordens erhielt der ehemalige Templer Esquieu de Floyran, der sich den Ermittlern des Königs Philipp le Bel als „Kronzeuge“ anbot und allerlei Schauermärchen und falsche Anschuldigungen gegen die Templer vorbrachte, als Lohn für seinen Verrat die Herrschaft über Montricoux (Staf, aaO).

10 Commanderie des Templiers, 81140 Vaour, Tarn, Occitanie

10.1 Wegbeschreibung

Von Montricoux fahrt man auf der D115 nach Osten. Die Strasse schlängelt sich entlang des Flusses Aveyron bis Russergue, wo man nach rechts auf die D33 abbiegt. Nach wenigen Minuten kommt man nach Vaour. Die Commanderie ist hier ebenfalls gut beschildert.

10.2 Strategische Position

Auch hier dürfte das oben zu Punkt 9.2 gesagte zum Thema Pilgerbeherbergung zutreffen.

10.3 Was ist noch zu sehen?

Die meisten Gebäude der Kommanderie sind heute nur noch Ruinen.

Blick vom Parkplatz auf das ehemalige Haupttor.

Das obige Foto aus 1895 zeigt, dass die Gebäude der Commanderie zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend intakt waren und nicht etwa durch ein kriegerisches Ereignis, sondern durch Erosion zerstört wurden. Der Turm ist erst im Jahre 1910 eingestürzt, tragischer Weise nachdem die Anlage gerade ein Jahr zuvor erst unter Denkmalschutz gestellt wurde (Quelle: chateau.over).

östlicher Hof der Commanderie mit zum Teil noch intaktem Erdgeschoß

Gewölbe des Erdgeschosses mit Kaminen an den Stirnseiten

Scheune und Stallgebäude mit massiven Contreforts von Südosten gesehen.

Skizze der ehemaligen Commanderie:

 (Quelle: chateau.over)

10.4 Geschichte

Der Ort Vaour wurde im Jahr 1160 durch die Templer gegründet. Die Herren von Penne und Montaigut, sowie die Grafen von Saint-Antonin überliessen den Templer seit 1140 zahlreiche Grundstücke. Zwanzig Jahre später errichteten sie auf einem abgelegenen Hügel, einen ehemaligen Kultplatz fur Wasser-Rituale, die Commanderie (Quelle: templiers.org, C. Staf).

Das Wappen des Ortes Vaour weist noch heute stolz auf die vergangene Ordensherrschaft hin:

(Quelle: Wikipedia)

11 Chapelle des Templiers, 15210 Ydes, Cantal, Auvergne-Rhône-Alpes

Wir waren gegen 15:00 Uhr hier in der Region mit den Besichtigungen fertig und hatten noch 2 bis 3 Templer-Ziele in der Auvergne auf der Liste. Es war der vierte Tag unserer Rundreise und erste Erschöpfungszeichen machten sich bemerkbar. Für die Strecke vom Quercy in die Auvergne brauchte es nochmal über drei Stunden. Für heute sehnten wir uns nur noch nach einem Quartier und einem Abendessen. Ein paar Kilometer südlich von der A89 tauchte ein kleines Hotel auf. Wir erwartenen nicht viel und wurden auch nicht enttäuscht. Das Essen entsprach geringen Erwartungen und das Zimmer war ein Alptraum. Auch das Frühstück enttäuschte unsere geringen Erwartungen nicht, aber wir verspürten auch dessen ungeachtet nicht mehr die geringste Lust und Energie, den vollen Plan abzufahren. Die Commanderien in der Auvergne liegen recht weit auseinander. So beschränkten wir uns auf die nächstgelegene und wohl auch schönste Commanderie des Zielgebietes.

11.1 Wegbeschreibung

Man verläßt die A89 (von Clermont-Ferrand nach Bordeaux) an der Ausfahrt 23 Moncourrier und fährt auf der D979 nach Süden Richtung Lestrade. Man folgt der D979 bis zu einem Stausee und dem Ort Bort-les-Orgues, wo die D979 auf die D922 trifft. Auf dieser Strasse erreicht man nach weiteren ca. 5 Km den Ort Ydes. In Ortsmitte biegt nach einer Apotheke die Rue Pierre de la Justice nach links ab, zu dem ausgeschilderten Ortsteil Ydes-Bourg. Nach etwa drei Kilometern erreicht man den Ortsteil Ydes-Bourg und kann die Kapelle Saint George nicht verfehlen.

11.2 weitere Templerniederlassungen in der Nähe

Die nächstgelegene Templerstation ist Courteix, 45 km nördlich. In südlicher Richtung stösst man nach 80 Km auf Carlat. An einem Jakobspilgerweg liegt Ydes offenbar nicht. Dass hier evtl. eine Templerstrasse ggf. in nordsüdlicher Richtung durchgelaufen ist, kann nicht ausgeschlossen werde, bedarf aber noch weiterer Untersuchungen.

11.3 Was ist noch zu sehen?

Die Kapelle Saint-Georges ist völlig intakt. Sie darf sich zu den besterhaltensten und schönsten Templerkapellen zählen.

Chapelle des Templiers Saint-Georges, Ydes-Bourg, Cantal

Die typischen Wächterköpfe befinden sich hier eher an der Apsis. Und auch ein Katzenkopf war auszumachen.

Der Schutzpatron der Kirche, Saint-George, rettet die Prinzessin vor dem Drachen

„Erstmals wurde der heilige Georg zur Zeit der Kreuzzüge im 12. Jahrhundert mit dem Begriff des Drachentöters in Verbindung gebracht, besonders durch die Legenda aurea des Jacobus de Voragine. Die Drachenlegende des Georg von Kappadokien ähnelt verschiedenen Rittermärchen. Georg rettet die jungfräuliche Königstochter vor einer Bestie, dem Drachen, indem er ihn schwer verletzt, wonach ihn die Jungfrau auf Geheiß zahm in die Stadt führt. Dort bringt Georg den König und das Volk dazu, sich taufen zu lassen und erschlägt anschließend den Drachen.  …  Die Verehrung des hl. Georg breitete sich im Vorderen Orient, Äthiopien und Ägypten aus. Im merowingischen Frankenreich ist die Georgsverehrung schon im 6. Jahrhundert bezeugt, die größte Popularität wurde Georg jedoch im Hochmittelalter zuteil. Im Zeitalter der Kreuzzüge und des Rittertums verbreitete sich der Kult um den orientalischen Märtyrer zusehends. Georg wurde zum Schlachtenhelfer bei der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer (15. Juli 1099), wurde als Miles christianus, als „Soldat Christi“ zur Identifikationsfigur der Ritter und Krieger, zum Heiligen von Ritterorden wie dem gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstandenen Deutschen Orden oder den Templern. “ (Zitat: Wikipedia)

 

Ansicht der Apsis aus Süd-Ost

Blick in die Chorapsis

Grabstein eines Templers?

Solche Kreuze sind auch in gewöhnlichen katholischen Kirchen häufig signalisieren den Besuch eines hohen kirchlichen Würdenträgers in einer Kirche. Es handelt sich wohl nicht um ein Templerkreuz. Auch der Papst trägt häufig dieses Kreuz auf seinen Gewändern.

Katzenkopf auf einem Säulenkapitel

Ein Blick auf das Navi verriet uns, dass wir von hier bis Frankfurt 800 Km zu fahren hätten. Einen weiteren Abstecher wollten wir nicht mehr machen. Also brachen wir die Reise hier ab und kehrten zurück.

Die Templer und die Keltenstraße im Burgund

1. Einleitung

„Ganz Gallien ist von Flüssen durchströmt… . Sie haben so einen geschickten Lauf, dass die Waren leicht aus einem Meer ins andere gebracht werden können, so dass man sie nur kurze Strecken über Land zu schaffen braucht.. . (Strabon, Geografie, 4,1,2 und 4,1,14, zitiert nach Kuckenburg, Die Kelten in Mitteleuropa, 2004, S. 35). (Cet rapport est dédier à Mr. Xavier Quenot, La Romagne).

Commanderie La Romagne, Saint-Maurice-sur-Vingeanne, Côte-d’Or

Es wurde oft geschrieben, dass  Fernwege aus der Römerzeit im Mittelalter weiter benutzt worden sind. Auch die Templer sollen sich daran beteiligt haben. Griffige Beweise findet man kaum. Das hat seinen Grund: Es ist durchaus nicht einfach, den wahren Verlauf einer alten Straße exakt nachzuzeichnen, denn auch die Römerstraßen sind nur abschnnittsweise durch archäologische Befunde im Boden belegt. Man müßte aufwändige interdisziplinäre Forschungen mit Historikern, Archäologen, Geologen und Strassenplanungsexperten betreiben und hunderte von Quadratkilometern Gelände vor Ort inspizieren. Das wird über längere Strecken hinweg kaum gewagt, zumal durch Erosionen, Städte- und Strassenbau, aber auch Flurbereinigungen und neue Grenzziehungen die Kosten immens und die Gefahren des Scheiterns dennoch sehr hoch sind. Zudem treten unübersichtliche politische Probleme über Zuständigkeiten auf. Die über ganz Europa hinweg neuerdings durch Schilder mit gelber Muschel auf blauem Grund gekennzeichneten, sogenannten „Jakobswege“ laufen nicht wirklich auf der mittelalterlichen Trasse, von der zumeist nichts bekannt ist, sondern sind zumeist nur aktuell ausgesuchte Wanderwege, die je zwei Orte verbinden, in denen mittelalterliche Wallfahrtskirchen der Jakobspilger (z.B. Vezelay, Maria Laach) oder sogenannte „Compostellhöfe“ (z.B. Frankfurt am Main), d.h.Sammlungsplätze für Pilger, historisch nachgewiesen sind.

In meinem ersten Beitrag  über die Templer im Burgund 2007 habe ich einige Ansätze für die These geliefert, dass die Templer dort einen Fernweg der Kelten „wiederbelebt“ haben könnten, der für den Warenaustausch in Westeuropa von erheblicher Bedeutung gewesen ist.

2. Das Entstehen der Hypothese – Erste Burgundreise 2007

Wenn man vom südlichen Elsaß über Mulhouse durch die – von der Bastion des wehrhaften Belfort überwachte – sog. Porte d’Alsace (oder Burgunderpforte, je nach Sichtweise) auf der A 36 nach Frankreich einreist, taucht irgendwann ein Schild auf  mit dem Hinweis: „partage des eaux“. Gemeint ist damit die französische Wasserscheide. Links von der Autobahn fließt der Doubs am Nordrand der Westalpen entlang in Richtung Südwesten, wo er südlich von Dijon mit der Saône zusammentrifft, die sich sodann in Lyon mit dem Fluß Rhône vereinigt, der  schließlich bei Marseille ins Mittelmeer entwässert. Rechts von der Autobahn entspringen nacheinander die Meurthe, die Mosel und die Maas, alle mit Flußrichtung nach Norden. Das gilt gleichermassen für die Aube, die Marne, die Seine und die Yonne.

(Quelle: www.biketrekking.de)

Wie bereits in einem Beitrag von 2017 erwähnt, lief diese sogenannte Via Agrippa von Lyon über Châlon-sur-Saône und Langres nach Nancy und Metz (die heutige Nationalstrasse N74 von Beaune nach Nancy liegt auf dieser Trasse) sowie anschließend nach Köln über weite Distanzen exakt auf dieser Wasserscheide entlang (gelbe Strecke).

(Quelle: Wikipedia)

Im Februar des Jahres 2007 wußte ich noch nicht, dass die Wasserscheide etwas mit den Templern zu tun haben könnte. Und sogar mit den Kelten.

Dabei geht es hier um nicht mehr oder weniger als eine europäische Haupthandelsroute von geradezu überragender Bedeutung. Sie beschleunigte den Güteraustausch zwischen England und dem Mittelmeer dramatisch. Waren konnten von Marseille auf Flüssen ins Burgund und von dort – nach einer kurzen Überlandstrecke – ebenso auf Flüssen und über den Ärmelkanal nach England usw. transportiert werden – und umgekehrt natürlich auch. Zinn aus Cornwall war seit der Bronzezeit in der gesamten antiken Welt begehrt und auf den Inseln gab es ohne diese Landbrücke keinen bezahlbaren Wein.

Doch immer eins nach dem anderen. Wir hatten uns seinerzeit viel weiter westlich einquartiert, nämlich in Avallon (Dépt. Yonne), weil sich dort die meisten Ziele der damaligen Reise befanden. Im Departement Côte d’Or hatte mich vorerst nur die schöne Templerkapelle La Courroirie in der Gemeinde 21290 Leuglay gelockt. Diese liegt wenige Kilometer östlich von 21290 Voulaines-lès-Templièrs im Tal der Ource. Hier der Beginn der Templerstrasse:

 

Tal der Ource (Quelle: Wikipedia)

Voulaines-lès-Templiers war ebenfalls ein Templerort, aber es ist nicht viel mehr als ein

Turm aus der Johanniterzeit, (Foto Bertrand Savatier Quelle christalsantmarc)

übriggeblieben. Die letzten Überreste einer Burg der Templer und Johanniter mit ehemals 5 Türmen wurden 1825 geschleift (Wikipedia). Auch Leuglay war ein Templerort. Die Kirche ist aber von den Johannitern im sechzehnten Jahrhundert völlig umgebaut worden (Quelle: Patrimonie Châtillonais). Voulaines liegt etwa 18 Km südöstlich von Châtillon-sur-Seine und 22 Km südöstlich der Keltenfestung von Vix. Das bemerkte ich zufällig, als ich damals von Châtillon-sur-Seine die Seine abwärts nach Avalleur an Vix vorbei fuhr und den Mont Lassois aus der Distanz von der Fernstrasse betrachten konnte.

Wie man dem obigen Kartenausschnitt entnehmen kann, befindet sich ca. 15 Km weiter südöstlich im Tal der Ource noch der Templerort Bure-lès-Templiers.  Ich fuhr also der Tiefebene von Châtillon-sur-Seine zunächst östlich und traf sodann auf den Fluß Ource, dessen Tal sich im weiteren Verlauf nach Südosten immer mehr verengt.  Nach Leuglay war das Tal derart eng, dass die D928 direkt neben dem Fluß entlang lief:

Bei diesem Anblick durchzuckte mich seinerzeit schon der Gedanke, dass das hier eine perfekte Trasse für eine Straße war. Der Fluß lag einige Meter weit unten. So gab es Toleranz für Hochwasser und die Gefahr des Verschlammens der Straße war geringer, weil das Regenwasser gut ablaufen konnte. Im Bildhintergrund kann man die ersten Gebäude des ehemaligen Templerkomplexes schon erkennen. Der Reisende im Mittelalter hatte also keine Chance, diese Commanderie der Templer zu verfehlen.

La Courroirie, 21290 Leuglay, Blick von Osten

Agnus dei und Templerkreuz im Tympanon des Westportals.

Blick auf den geraden Chorabschluß, den sog. chevet-plat

Ein erhebendes oder sogar aufregendes Gefühl erfasste mich. Bis dahin hatte ich noch nie in einer Templerkirche gestanden. Mir war etwas unwohl, weil es sich um ein Privatgelände handelte, aber es störte sich offenbar niemand daran, dass Fremde das Anwesen betreten. Die Tore waren weit geöffnet und es war menschenleer auf dem Hof.

Das nächste Templerziel lag etwa 14 Km weiter südöstlich, in 21290 Bure-les-Templiers. Ab Recey-sur-Ource verläßt man das Tal der Ource. Der Weg biegt jetzt etwas nach Süden ab und folgt nun dem Tal der Arce. 

Das Bild muß im neunzehnten Jahrhundert gezeichnet worden sein. Als ich dort erstmals eintraf, befand sich das Commanderiegebäude links neben der Kirche in einem erbärmlichen Zustand des Verfalls. Denn einer der früheren Eigentümer hatte den angeblich hier versteckten Templerschatz so verzweifelt gesucht, dass er sogar Dynamit einsetzte (Frizot, S. 29).

Zustand 2007, das Gebäude direkt neben der Kirche lag noch in Trümmern

Ein Templergrabstein mit Templerkreuz und Schwert. In dem Objekt rechts neben dem Schwert erblicke ich einen Maurerwinkel. Ich lasse mich aber auch gerne eines besseren belehren und bitte um Vorschläge.

Im Jahre 2010 war ich nochmals dort und habe festgestellt, daß umfangreiche Baumaßnahmen begonnen wurden und auch schon Fortschritte zeigten.

Blick von Nordwesten auf die Templer-Kirche St. Julien in Bure-les-Templiers, 2010

Nach der Webseite  Pays Chatillonais sind zahlreiche Gebäudeteile schon fertiggestellt. Als ich 2018 das nächte Mal hier durchfuhr, bestätigte sich diese Information mit einem Blick:

Die gleiche Perspektive, 2018

Auf der Rückfahrt nach Vezelay kamen wir anläßlich eines Besuches von Alise-Sainte-Reine wieder mit den Kelten in Berührung:

Standbild des Vercingetorix, Alise-Sainte-Reine

2. Auf der Suche nach Beweisen und Indizien.

2.1. Literatur- und Kartenstudium 2007 – 2009

Nach der Rückkehr von dieser ersten Recherchereise im Burgund habe ich bereits frühe Ideen zu dieser Templerstraße im belgische Templerforum Tempeliers.be von Jan Hosten veröffentlicht und die Idee meiner „Templerstraße“ im östlichen Burgund auch in der Folge nie ganz aufgegeben. Der Eindruck, hier einen Abschnitt einer Templer-Straße gefunden zu haben, verstärkte sich noch um ein Vielfaches, als ich das erste Mal die oben angesteuerten Ziele in eine Karte übertrug.

Google Maps:

Die „Straße“ hatte eine deutlich erkennbare Ausrichtung nach Südosten und die „Stationen“ der Templer in Chatillon-sur-Seine, Voulaines-les-Templiers und Bure-les-Templiers liegen  aufgereiht wie an einer Kette im Abstand von je ca 15 Km in diesem Tal. Das ist eine Entfernung, die man locker zu Fuss an einem Tag schafft. Aber auch mit einem Ochsenkarren zum Beispiel. Zudem hatte man auf der Strecke keine ersichtlichen Hindernisse (Steigungen oder Flüsse) zu überwinden.

Irgendwann später nahm ich mal wieder einige ältere Bücher über die Kelten in die Hand und stieß insbesondere bei Kuckenburg, Die Kelten in Mitteleuropa, 2004, auch wieder auf die Kelten von Vix. Dann kam ganz schnell eines zum anderen.

In seinem Abschnitt: „Der Mont Lassois bei Vix als Umladestation“ (S.36 f.) schreibt Kuckenburg, dass dieser Berg genau an der Stelle liege, wo die rund 50 Km weiter südlich entspringende Seine für flache Kähne schiffbar wird. Er zitiert sodann Wolfgang Kimmig, Zum Problem späthallstättischer Adelssitze, 1969, mit der Bemerkung, der Berg verschließe „wie ein Korken den engen Flaschenhals des oberen Seinetals“ (Kuckenburg a.a.O).

Daher vermutete der Ausgräber des Mont Lassois, René Joffroy, schon 1960, dass die Kelten dort eine „wichtige Station des Nord-Süd-Handels“ eingerichtet hatten. Er unterstellte, daß die Kelten gut daran verdienten, indem sie Güter, die mit Ochsenkarren von Süden heraufgebracht wurden, hier auf Schiffe umluden und sodann auf der Seine flußabwärts zum Ärmelkanal transportierten (Kuckenburg, a.a.O.).

Auch bei Wikipedia fand ich einen entsprechenden Hinweis:

„Im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. scheint der Fürstensitz von Vix einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt kontrolliert zu haben, an dem sich die Seine als wichtiger Transportweg zu Wasser und eine Route vom Mittelmeer nach Norden trafen. Zudem liegt Vix zentral in einem landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiet“. Wikipedia 

Abgesehen davon, dass ich mich damals noch nicht vor Ort über die Wassertiefe und die Breite der Seine informiert hatte, schien damit der nördliche Ausgangspunkt der Umladestrecke über Land durch diese Information zunächst ausreichend markiert zu sein. Aber die Kelten werden die Fracht wohl nicht von Marseille bis hierher mit Ochsenkarren transportiert haben, nur um sie für die letzten paar hundert Kilometer aufs Wasser zu setzen. Deshalb lautete die nächste Frage: Wo lag dann der südliche Umladepunkt für den Weitertransport der Waren auf dem Wasser in Richtung Mittelmeer?

Wie man an der Verbreitung griechischer Amphoren in Gallien erkennen kann, war der Fluß Rhône die mit Abstand wichtigste Verkehrsader von der Mitte Galliens bis nach Massilia/Marseille. Die Saône verlängert diese Nord-Süd-Achse noch ein gutes Stück in das Burgund hinein. Die südliche Umladestation nach der Landbrücke müsste zwei Voraussetzungen mitbringen: Erstens müsste die Saône bis dahin schiffbar und zweitens die auf dem Land zurückzulegende Transportstrecke möglichst kurz sein. Der Transport zu Wasser war schließlich bis zur Verbreitung von Asphaltstrassen wesentlich schneller, witterungsunabhängiger und müheloser als der Transport über schlecht gewartete, häufig morastige Wege über Land.

 

Kuckenburg, S. 36, Copyright Konrad Theiss Verlag GmbH und Peter Palm, Berlin,

Legende: die grauen Quadrate markieren Fürstensitze, die orangefarbenen, kleinen Punkte die Menge der Tonscherben oder Überreste von griechischen Amphoren und die großen gelben Punkte die Verbreitung von sog. schwarzfiguriger Keramik, ein Luxusgut der Griechen, welches die auf hohes Ansehen versessenen Keltenfürsten gerne gekauft haben.

Die Karte macht deutlich, dass sowohl westlich, als auch östlich des Mont Lassois ein Handelsweg in südliche bzw. südöstliche Richtung abging. In Bragny war kein Fürstensitz (graues Viereck) verzeichnet, wohl aber weiter flußaufwärts. Jedoch war dieser Ort in diesem Buch Kuckenburgs namentlich noch nicht erwähnt, sodaß ich ihm zunächst keine Ortsbezeichnung zuordnen konnte. Der keltische Ortsname ist offenbar nicht überliefert. Die orangefarbenen Punkte am mittleren Fürstensitz ohne Namen (graues Viereck) zeigen an, dass bei dem namenlosen Fürstensitz dreimal so viele Scherben griechischer Amphoren gefunden wurden, wie am Mont Lassois.

Diese Skizze war es jedoch, die letztlich den Geistesblitz in mir „gezündet“ hatte und so mag der Theiss-Verlag, Herr Peter Palm in Berlin und Herr Martin Kuckenburg hoffentlich einverstanden sein, dass ich mir dieses „wissenschaftliche Kleinzitat“ in rechtlich zulässiger Weise ausgeborgt habe. Ich hatte inzwischen oft genug die beiden Templerorte „meiner Templerstrasse“ in Karten eingetragen und mir wurde beim Anblick der Karte in Martin Kuckenburgs geschätztem Werk augenblicklich klar, dass ich hier ziemlich ins Schwarze getroffen haben müßte. Wenn man die Strecke Voulaines-lès-Templiers und Bure-lès-Templiers nach nach Nordwesten verlängert, trifft man auf Châtillon-sur-Seine und das sechs Kilometer entfernte Vix. Verlängert man die „Straße“ nach Südosten, schneidet sie die Saône bei der Stadt 70100 Gray. Ist Gray also der Ort des bisher noch namenlosen Fürstensitzes an der Saône und der südliche Umladepunkt?

Copyright: Google maps)

Es spricht viel dafür: Der schiffbare Teil der Seine kommt der Saône nirgendwo näher als hier. Die Luftlinie beträgt genau 100 Km. Strategisch wäre diese Trasse ebenfalls recht geschickt gewählt. Es gibt keine allzu großen Höhenunterschiede, das Gelände steigt jeweils nur leicht an.

Soweit die Theorie, aber ein Durchbruch war das noch lange nicht. Ob das eine Templerstrasse sein würde, oder nicht, würde davon abhängen, ob sich wirklich regelmässig entsprechende Stationen (Tagesetappen) entlang der Straße finden lassen würden. Ich mußte also zwischen Bure-les-Templiers und Gray noch eine Lücke von 70 Kilometern schliessen, für ich noch die Templerorte als Stationen ausfindig zu machen hatte. Die 5000 Einwohner-Stadt Gray ist jedenfalls kein ausgewiesener Templerort. Aber sie liegt direkt an der Saône und die war an der Brücke von Gray jedenfalls seit dem 17. Jahrhundert schiffbar, wie sich aus nachstehendem Gemälde zweifelsfrei ergibt.

Die Stadt Gray, vom nördlichen Kai aus gesehen, Gemälde aus dem 17. Jahrhundert

Die gleiche Ansicht, Foto von 2018

Die abgebildete Steinbrücke existiert erst seit 1647. Allerdings gab es schon seit den Neolithikum in der Nähe von Gray eine Furt über die Saône (Wikipedia) und seit dem frühen Mittelalter verschiedene Vorläufer der Brücke aus Holz, die  wegen der Eisschäden häufig neu errichtet werden mußten. Wikipedia

Fall noch ein Beweis vermisst werden sollte: Auf den nachstehenden Karte ist  ein kleines Stück flußabwärts am linken Ufer der Saône ein Hafen („Port sur Saône“) eingezeichnet.

Ausschnitt aus einer Karte der Gegend um Dijon von 1746

Oben links am Kartenausschnitt erkennt man eine gelb und grün kolorierte Linie. Dies ist die Grenze zwischen dem zur französischen Krone gehörendem Herzogtum Burgund und der zuvor noch dem deutschen Kaiserreich zugehörigen Freigrafschaft Burgund, die erst im Jahre 1648 zu Frankreich gelangte. Schauen wir uns den gleichen Ausschnitt aus der aktuellen Strassenkarte an:

Google Maps

70100 Autrey-lès-Gray existierte schon in der Merowingerzeit als Kultplatz und war im Mittelalter auch ein Templerort. Der Weg von hier nach Gray beträgt 10 Kilometer. Der Ort Écuelle am oberen Bildrand liegt auf der Strasse nach Champlitte. Letztere ist eine der Städte auf der via francigena, die ab Gray weiter nach Besançon und Pontarlier führt. Wenn ich also hier eine Templerstraße gefunden haben sollte, so vereinigt diese sich in Gray mit der via francigena, was angesichts der seit dem Mittelalter gesicherten Saône-Brücke nicht weiter verwundern sollte.

So sieht eine Römerstrasse heute aus: Die via francigena, hier: Teil von Gray nach Champlitte

Die nächste Etappe war nicht mehr so leicht zu finden. Das liegt daran, dass die Karten mit den Templerorten im Standardwerk von Aubarbier zumeist nach Régionen oder Departements aufgeteilt sind, die zudem nicht immer den gleichen Maßstab haben. Auf Karten mit einem großen Maßstab überblickt man mehrere Departements gleichzeitig, findet aber die Templerorte nicht, weil diese darauf wiederum zu klein sind und deshalb nicht zu einem Ortseintrag führen. Einen Hinweis konnte ich der Tatsache entnehmen, dass am oberen linken Bildrand der Karte oben über die Grenze zurück in das Herzogtum Burgund ein Ort namens Pouilly-sur-Vingeanne verzeichnet ist. Ich wußte, dass es dort in der Nähe eine Commanderie der Templer namens La Romagne in einem Ort 21610 St. Maurice-sur-Vingeanne gab. Nach Autrey-lès-Gray sind es von dort nur 14 Km. Eine gute Etappendistanz. Weiter nördlich auf „unserer Route“ liegt in weiteren 20 Km Entfernung der Templerort 21260 Selongey. Selongey markiert ein wichtiges Wegekreuz. Von Nordost nach Südwest läuft hier die bereits oben angesprochene Via Agrippa von der Bischofsstadt Langres (Andematunum) nach Dijon hindurch (siehe die zweite Karte in diesem Beitrag ganz oben).

Von Selongey nach Bure-les-Templiers sind es mehr als 30 Kilometer, wohl zuviel für eine Tagesetappe, jedenfalls mit beladenem Wagen. Aber die Richtung stimmte. Ich merkte, dass ich der Sache langsam näher kam. Durch fortgesetztes und beharrliches Abgleichen von Literaturstellen mit Landkarten wurde ich schließlich auch insoweit fündig. Das letzte fehlende Bindeglied mußte 21580 Busserotte-et-Montenaille sein, ein aktenkundiger Templerort, der genau auf der geraden Linie zwischen Selongey und Bure-les-Templiers liegt und die Strecke in zwei Abschnitte von 13 km und 20 Km teilte. Sehen wir uns also diese „Templerstraße“ jetzt mit diesen Informationen auf der Karte an:

Google maps

Der direkte Weg von Selongey nach Autrey-lès-Gray über Fontaine-Française beträgt nur 28 Km. Für Reiter ist das kein Problem an einem Tag. Fußgänger oder Fuhrleute würden wohl eher den Umweg über La Romagne in Kauf genommen haben.

2.2. Neue „Feldforschung“ und 2. Burgundreise in 2010

Nicht vor 2010 konnte ich eine zweite „Expedition“ ins Burgund organisieren. Ich hatte uns dazu in der ehemaligen Commanderie der Templer von La Romagne in St. Maurice-sur-Vingeanne einquartiert und möchte diesen Beitrag deshalb gerne dem Inhaber dieses hervorragend geführten Hauses, Monsieur Xavier Quenot, widmen, der uns „Templerverrückte“ in seinen wunderbaren mittelalterlichen Räumlichkeiten empfangen, im Rittersaal mit Frühstück verwöhnt und uns dazu auch noch mit Akten und Büchern versorgt hat. Ich habe ihm vor acht Jahren versprochen, ihm diesen Bericht zu schicken. Es hat leider etwas länger gedauert.

Merci très bien, Monsieur Quenot!

Ich möchte meine Leser gerne ermutigen: Wenn Sie uns Burgund möchten und noch keine Bleibe haben, checken Sie die Homepage in obigem Link. So schön und stilvoll werden Sie selten unterkommen. Sie fühlen sich wie in einer Zeitmaschine, hier draussen in der Natur.

2.2.1 Die Steinbrücke von Gray

Ich beginne den Reisebericht jetzt am unteren Ende der zu untersuchenden Strecke. Zunächst einmal galt es, mit meinen Augen eines amtlich anerkannten Sportbootführers „SBF – Binnen“ vor Ort zu Überprüfen, ob sich die Saône hier bei Gray für die Binnenschiffahrt eignen würde.

Nördliches, „linkes“ Ufer der Saône mit der Brücke bei Gray, Bild von 2018

Die Antwort fiel eindeutig positiv aus. Rings um Gray befinden sich Anlagen für die  Motor-Schiffahrt und es tummelten sich einige Sportboote auf dem Fluß. Die rot-weissen Signaleinrichtungen auf dem Foto zeigen an, dass es sich hier um eine offizielle Wasserstrasse handelt. Die Schleuse muß einen Höhenunterschied von vielleicht nur ca. 1 Meter verarbeiten, was für ein recht geringes Gefälle des Flusses spricht. Das wiederum belegt die Hypothese, dass dieser Fluß auch schon für die Wasserfahrzeuge tauglich war, als es noch keine Schleusen gab. Auf geht’s zur nächsten Etappe nach Nordosten:

2.2.2 Autrey-lès-Gray

In Autrey-lès-Gray gab es ein Maison der Templer (templiers.net). Die Kirche wird zur Templerzeit auch schon so oder in einer ähnlichen Form bestanden haben. Sie zeigt zwei für Templerkirchen typische Merkmale. Drei Fenster im Chor oder über dem Eingang. Diese hier hat beides:

Église d’Autrey-lès-Gray

Westportal mit sog. Torhüter-Figuren

 

Solche Kopfmasken links und rechts von Türen oder Fenstern sind mir schon häufig bei Bauwerken der Templer einerseits, etwa in Girona, Templecombe, Avallon und Montsaunès (vgl. Katalonien I) , und der Johanniter in Rampillon oder der Deutschordensritter in Münnerstadt andererseits aufgefallen. Ob das aber wrklich eine Spezialiät der Ordensritter ist, vermag ich selbst jedenfalls nicht zu beurteilen, Weil ich viel häufiger Ordensritterkirchen besuche, fehlt mir vielleicht der ausreichende Vergleich mit „normalen“ Kirchen. Nach Christina Berns, Chapelle Templière du Saulce d’Island (academia edu) seien jedoch „solche Masken und Torhüter-Figuren … nichts Ungewöhnliches an romanischen und gotischen Kirchen- und Kapelleneingängen“.  Der geneigte Leser möge seine Sichtweise dazu beisteuern, gerne mit Bildzuschriften. Wir werden – sei es wie es sei – im Burgund gleich noch eine weitere Kirche mit möglichem Bezug zum Templerorden mit solchen Torhütern finden.

2.2.3 La Romagne, St.Maurice-sur-Vingeanne

Die nächste Station der Templerstrasse war zugleich unser Domizil für diese Reise. Ich habe noch nie zuvor in solch einem Château genächtigt.

Hauptgebäude La Romagne, 21610 Saint-Maurice-sur-Vingeanne

Der derzeitige Bauzustand geht auf  Pierre de Bosredon, Kommandeur der Johanniter, zurück, der die Commanderie in den Jahren 1458 und 1511 durch umfangreiche Baumaßnahmen völlig neu befestigte und gestaltete (Wikipedia):

Befestigungstürme an der Ostseite

Porte Saint-Jean von Osten mit Brücke über die Vingeanne

Stallgebäude an der Südseite des Geländes

Porte St. Jean von Westen. In diesem Gebäude sind die Gästezimmer untergebracht.

2.2.4 Selongey

Gestärkt nach einem wirklich leckeren Frühstück (es wurden eigens für uns von einem Fahrrad-Boten frische Croissants  gebracht), machten wir uns zur nächsten Etappe der Templerstrasse auf, die wir nach ca. 20 Minuten erreichten.

Église Saint-Remi, 21260 Selongey

Dass die Kirche (gebaut und modifiziert vom 13. Jh. bis zum 17. Jh., im Nationalregister klassifiziert seit 1908) direkt etwas mit dem Templerorden zu tun haben müsse, ist wohl nicht belegbar. Sie befindet sich aber nach Aubarbier (S. 78)  unmittelbar neben einem Maison der Templer, welches jedoch für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Das betreffende Grundstück ist nicht einsehbar und durch eine hohe Mauer geschützt. Wir haben das Auto als Trittleiter benutzt und so gelang wenigstens ein Foto, das einen mittelalterlichen Turm zeigt.

Es gibt nicht viel Literatur zu Selongey, also lassen wir die Bilder für sich sprechen:

Saint-Remi, Südfassade, spätgotisch

Portal, romanisch, mit Torhüter-Köpfen. Nach Berns muss einer der beiden der hl. Remigius sein. Ich kann dabei nicht behilflich sein. Es sieht für mich aus wie in Templecombe und Autrey-lès-Gray.

 

2.2.5 Busserotte-et-Montenaille

Im Gebiet dieser Gemeinde oder in unmittelbarer Nähe von wenigen Kilometern befinden sich 4 interessante Templer-Ziele. Und dazu auch noch eine keltische Ansiedlung in 4 km Distanz. Und zwar Beneuvre. Die Orte liegen allesamt in Spaziergangsdistanz zusammen:

(Google maps)

2.2.5.1 Busserotte, Saint-Ambroise

Die nächste Station der Strasse befindet sich 20 Km nordwestlich von Selongey in der Doppelgemeinde Busserotte-et-Montenaille ziemlich genau zwischen den beiden Weilern, die schon fast an der Grenze zum Nachbardepartement Haute-Marne liegen. Der Weg führt ein gutes Stück durch das Tal der Tille, die aber in Busserotte noch eher einem Bach als einem Fluß ähnelt.

Chapelle des Templiers Saint Ambroise, 21580 Busserotte-et-Montenaille

Nach der vom Rotary Club Dijon angebrachten Tafel ist die Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Im Inneren der nur nach Voranmeldung zu besichtigenden Kirche befänden sich Grabsteine der Templer mit Kreuz und Schwert. Sodann gäbe es ein Gemälde aus der Templerzeit von den 12 Aposteln und wertvolle Heiligenstatuen aus späteren Jahrhunderten. Vor ca. zwei Jahren las ich, dass die Kapelle Opfer der Zerstörungswut geworden sei.

2.2.5.2 Montenaille

In der Schwestergemeinde Montenaille, die einige Kilometer oberhalb von Busserotte und der Kapelle liegt, soll es ein Krankenaus der Templer gegeben haben (Wikipedia). Ich zeige zwei Gebäude, die aus der Templerzeit stammen können und einen Grenzstein der Templer.

Chateau de Montennaille, jetzt ein B & B, in der Mitte der Rue des Templiers

mittelalterlich anmutender Gebäudekomplex am südlichen Ende der Rue des Templiers

2.2.5.3 Borne des Templiers

Ein paar hundert Meter vom nördlichen Ortseingang von Montenaille entfernt steht ein Grenzstein mit einem Templerkreuz:

Borne des templiers, Montenaille

Die Hinweistafel erläutert, dass der Grenzstein die Gerichtszuständigkeiten zwischen den Templern und der Herrschaft der nahegelegenen Ortschaft Grancey-le-Château regelt.

2.2.5.4 Fraignot-et-Vesvrotte

Vielleicht 3 km südwestlich von Busserotte liegt der Ort Fraignot-et-Vesvrotte in Sichtweite, sodass man sich leicht von der Kapelle Saint Ambroise aus etwa mit optischen Signalen hätte mitteilen können.

Chapelle des Templiers, Fraignot-et-Vesvrotte

gerader Chorabschluß, sog. chevet-plat und (ehemals) drei Fenster

2.2.5.5 Ferme-de-Montmorot

Höchstens ein Kilometer westlich von Fraignot-et-Vesvrotte befindet sich die Ferme des Templiers von Montmorot.

Hinweisschild vor Ort

Zufahrt von der Landstrasse. Es gibt keine Gebäudereste aus dem Mittelalter.

Der typische Teich durfte aber bei keiner Commanderie fehlen.

2.2.6 Chatillon-sur-Seine

Die nächsten beiden Stationen Bure-les-Templiers und Voulaines-les-Templiers überspringen wir an dieser Stelle, denn dort begann der Bericht. Es war nur noch nachzutragen, dass auch am Ausgangspunkt der zu untersuchenden Strecke, nämlich in Chatillon-sur-Seine eine Templerkapelle vorhanden ist.

2.2.6.1 Chapelle Saint Thiebault

Man muß sich vorbereiten, um diese Kapelle zu finden.  Châtillon-sur-Seine ist schon zu groß, um zufällig ans Ziel zu kommen. Tip: Die Kapelle Saint-Thiebault liegt nahe der südwestlichen Ausfallstrasse Avenue Maréchal Joffre (D980) an einer Schleife der Seine, etwas lieblos eingepfercht zwischen einem Supermarkt, einem Wohnblock, Garagenblocks und dem Parkplatz des Supermarktes. Man erreicht die Stelle, in dem man mit der D980 zunächst über die beiden Seine-Brücken fährt und gleich danach am Supermarkt rechts in die Rue de la Feuillee abbiegt.

Ostchor „chevet plat“, Chapelle Saint-Thiebault, 21400 Chatillon-sur-Seine

Nordseite

Ornamente über dem Haupteingang. Die runden Gebilde stellen eine sich öffnende und wieder schliessende Blüte dar. Ein typisches Templersymbol, das den Anfang und das Ende, das Alpha und Omega, letztlich den Kreislauf des Lebens darstellt. Das gleiche Motiv gibt es in der Templerkapelle von Cressac am Atlantik zu sehen, aber auch an der Templerkirche von Süpplingenburg.

Südseite der Kapelle Saint-Thiebault, vom Parkplatz

Westfassade, vom Supermarkt aus gesehen

Wenn man Fotos von dieser Kapelle machen möchte, muß man seine Reise hierher unbedingt in den Winter legen. Im Sommer würde man „vor lauter Bäumen“ fast nichts von der Kapelle sehen. Leider hatte ich bei diesem Besuch nicht bemerkt, dass direkt hinter den Garagen die Seine vorbeifließt und habe daher auch kein Foto vom Flußufer mitgebracht. Auch dieser Ort kam also auf die To-do-Liste.

2.2.6.2 Das Musée du Pays Châtillonais in Châtillon-sur-Seine

René Joffroy, der Entdecker des Fürstengrabes von Vix, sollte mit seinen Vermutungen Recht behalten. Sie haben in der Tat gut verdient, die Kelten, an ihrem Waren-Umschlagplatz zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer. Im Museum von Châtillon, welches man seit 2009 in der historischen Abtei Notre Dame untergebracht hat, kann man die Trophäe heute bestaunen, die die Griechen einer jungen keltischen Fürstin aus Dankbarkeit für den erfolgreichen Handel  geschenkt haben. Bitte sehr: Der größte griechische Bronze-Kratér (Weinmischgefäß) aller Zeiten…

sog. Voluten-Krater von Vix.

Zitat: „Die 1,64 Meter hohe Vase wiegt 208 Kilo. Ihr Fassungsvermögen beträgt 1.100 Liter.  Die Vase wurde von griechischen Bronzekünstlern im sechsten Jahrhundert vor Christus angefertigt und versinnbildlicht den regen Austausch zwischen den Kelten und den Mittelmeervölkern.“ (Burgund-Tourismus)

Tafel der Keltenorte zwischen Vix und der Saône (Copyright Musée du Pays Châtillonais)

Ich hatte diese Tafel nur beiläufig fotografiert, weil ich eine Grafik mit dem Verlauf der Flüsse im Burgund benötigte und erst jetzt wieder in meinem Fotoarchiv aufgefunden. Oberflächlich betrachtet liegen die Keltenorte ebenfalls wie an einer Kette in einem ähnlichen Bogen, wie „meine“ Templerstrasse. Nur der Zielort Gray fehlt auch hier.

3. Nachträge und letzte Ermittlungen, 3. Reise 2018

3.1 Die Seine-Schleife bei Saint Thiebault in Châtillon-sur-Seine

Ein Tagesordnungspunkt für diese Reise war die Klärung der Frage, wie die Seine in unmittelbarer Nähe zum Ausgangspunkt meiner Templerstrasse beschaffen sein würde. Hiervon hängt die Beantwortung der Frage ab, ob sich sich die Commanderie von Châtillon-sur-Seine als Warenumschlagsplatz hätte eignen können.

Das obenstehende Foto zeigt die Seine flußabwärts an der Brücke der Avenue Maréchal Joffre kurz vor der Templerkapelle, die in Bildmitte hinter den Bäumen etwas versteckt gerade noch zu erkennen ist (schmales romanisches fenster am Chorabschluß und rechte Seite des Giebels). Die Seine zeigte sich hier zwar einerseits schon ziemlich schnell, aber andererseits auch wieder schmal und recht flach. Die Aufnahme erfolgte im Apri (2018), sodaß nach der Jahreszeit von einem Wasserstand im oberen Bereich auszugehen sein würde. Die Böschung würde einen weiteren Anstieg von nur wenigen Zentimetern auch nicht mehr verdauen, sonst wäre die Kapelle überflutet. Wie in der Bildmitte unten gut zu erkennen ist, reicht die Wassertiefe nicht aus, um hier einen Umschlagsplatz vermuten zu können. Da sich die Lage der Kapelle seit dem Mittelalter nicht verändert haben kann,  war das zu Zeiten der Templer auch schon so. Ich würde den Umschlagsplatz des Mittelalters weiter flußabwärts suchen müssen.

3.2 Die Seine bei Vix

Um Kimmigs eingangs erwähnteThese von dem „Flaschenhals der Seine“ zu überprüfen, mußte ich mir die Wasserstände und die näheren Umstände des Gewässers im Ort Vix selbst ansehen. Obwohl die beiden Orte nur ca. 5-6 Kilometer auseinanderliegen, ist die Seine bei Vix schon erheblich breiter und lebhafter:

Die Seine nördlich von Vix

Blick vom 280 m hohen Mont Roussillon, dem flacheren der beiden Gipfel des Mont Lassois, nach Süden auf den Oberlauf der Seine und die Stadt Châtillon-sur-Seine. Der typische Ausblick von einer keltischen Höhensiedlung. Dort stand auf einer Hinweistafel zu lesen:

Zitat: „Schon in vorgeschichtlicher Zeit kontrollierte der Ort Vix die an dieser Stelle liegende strategisch wichtige Furt der Seine, von der aus die Seine schiffbar wurde.“ Die Furt konnte ich tatsächlich auch vor Ort ausmachen. Sie liegt direkt unter einer Steinbrücke aus dem 16. Jahrhundert. Die Seine fließt dort die Furt wie ein Stauwehr hinab, auch wenn es nur ca. 50 cm sein mögen. Vor der Furt läuft die Seine relativ ruhig. Unmittelbar danach hat sich ein kleiner Wasserfall gebildet.

Steinbrücke über der Furt von Vix

Hinter dem linken Brückenbogen kann man die Abrisskante der Furt gut erkennen

Die Steinbrücke wurde – so wie in Frankfurt am Main – zweckmässigerweise direkt über der Furt errichtet. Erstens kann man auf Furten leichter Brückenpfeiler errichten und zweitens muß man nicht nach dem Brückenbau die seit Jahrhunderten (oder Jahrtausenden?) festgestampfte Strasse umleiten.

Damit waren wir über die Schiffbarkeit der Seine in der Keltenzeit nachvollziehbar informiert. Für Flachbodenkähne mit geringem Tiefgang, die flußabwärts durch die Strömung bewegt und flußaufwärts durch die Verwendung von Stangen „gestakt“ wurden, reichte die Wassermenge ersichtlich aus. Es ist gut nachvollziehbar, dass unterhalb der Brücke ein Landungskai oder -steg bestanden hat, mithilfe dessen die Lastkähne, die nach Norden abfahren, beladen und die von Norden ankommenden entladen wurden. Über die Fernstrasse – die auch zur Keltenzeit hier schon bestanden haben muß, sonst wäre die Furt sinnlos gewesen – fand dann der weitere Warenaustausch statt.

Man darf das nicht mit den Anforderungen der heutigen Schifffahrt vergleichen. Auch kleine Sportboote dürften hier nicht fahren. Die Schiffbarkeit der Seine endet heute offiziell schon viel weiter flußabwärts, und zwar bereits in Nogent-sur-Seine (Dept. Aube, Champagne).

Es stellte sich hier nur noch die Frage, wie Vix und der Mont Lassois im Mittelalter bebaut oder besiedelt waren und ob auch die Templer den Schiffahrtsbetrieb hier genutzt haben könnten. Die Frage konnte ich zum Teil beantworten. Der höhere der beiden Hügel des Mont Lassois, der ca. 300 m hohe Mont Saint-Marcel war noch  zur Zeit der Merowinger besiedelt. Und auch im Mittelalter. Seit dem Beginn des 12. Jahrhunderts, also zur Templerzeit, steht hier die romanische Kirche Saint-Marcel (Wikipedia, aaO). Es ist nicht selten, dass christliche Kirchen über keltischen Kultplätzen errichtet wurden.

Saint-Marcel de Vix, 12. Jahrhundert

Es ist zwar weder historisch noch archäologisch belegt, dass die Templer etwa auch in Vix begütert gewesen wären. Um den Landeplatz bei der Furt ausnutzen zu können, brauchten sie aber auch nicht notwendigerweise eine Commanderie. Ein (gepachteter) Lagerschuppen, von dem heute vielleicht nichts mehr nachgewiesen werden kann, hätte vollkommen genügt. Es sind – wie gesagt – nur 5 Kilometer zur nächsten Templerei in Châtillon-sur-Seine über Land auf ebener Strasse und dazu benötigt  man mit einem Pferdefuhrwerk gewiß keine Stunde.

Zwischenergebnis: Es ist erwiesen, dass Vix die nördliche Umladestation für die Kelten war. Da sich die örtlichen Voraussetzungen, insbesondere die Lage der Furt, bis heute ersichtlich nicht nennenswert geändert haben und Vix auch im frühen Mittelalter fortlaufend besiedelt war, kommt Vix auch als nördlicher Ausgangspunkt für die Landbrücke zur Templerzeit – soweit ersichtlich widerspruchsfrei – in Betracht.

3.3 Der südliche Umladeplatz bei Gray

Widmen wir uns also sogleich der drängenderen Frage nach dem südlichen Umladeplatz, also der Stelle, an der die Überlandstrecke endete und die Fracht wieder auf Wasserfahrzeuge mit dem Ziel nach Süden, zum Mittelmeer, umgeladen werden konnten.

3.3.1 Die Templer in Gray

Ich habe noch einmal sämtliche, mir zur Verfügung stehende Literatur überprüft und es bleibt bei der bisherigen Feststellung, dass es dort entweder keinen Templersitz gab, oder ein solcher urkundlich nicht belegbar oder (derzeit?) archäologisch nicht auffindbar ist. Darauf kommt es aber nicht entscheidend an. Es ist ohne weiteres möglich, dass die Templer auch am nördlichen Umladekai nur einen Schuppen gepachtet oder gar nur ein evtl. überdachtes Zwischenlager benutzt haben.  Sie haben auch an den Seehäfen oft nur für Hafendienstleistungen (Collioure, Marseille, La Rochelle) bezahlt und mussten nicht notwendigerweise an jedem Hafen eine Commanderie unterhalten. Das Lager hätte sich genauso gut in dem nur 10 Km entfernten Ort Autrey-lès-Gray befunden haben  können. Sobald dort die Nachricht einging, dass Wasserfahrzeuge zur Umladung angelandet seien und bereitstünden, hätte man die Fuhrwerke von Autrey-lès-Gray in Bewegung setzen und so eine reibungslose Umladung unter Zuhilfenahme gepachteter Hafenanlagen (Kais, Kräne oder Rampen?) gewährleisten können. Zudem lag der Ort Gray an dem linken bzw. südlichen Ufer der Saône und der Kai zum Umladen hätte sich zweckmässigerweise am rechten bzw. nördlichen Ufer befinden sollen.

3.3.2 Die Kelten in Gray

Eine letzte Frage war bisher noch offen geblieben: Könnte Gray der namentlich bisher nicht bekannte Fürstenhügel an der Saône sein? Ich hatte während des Verfassens dieses Berichtes  im Internet bisher nur in der Seite der sogenannten Kelten-Info-Bank, betrieben von Mitgliedern des Vereins Donnersberger Kelten e.V. unter der Fachberatung u.a. des RGZM in Mainz einen einzigen Hinweis auf eventuelle Zusammenhänge entdeckt:

Quelle: Kelten-info-Bank

Die Internetrecherche ergab jedoch auch, dass Martin Kuckenburg sich den Kelten am Mont Lassois noch ein weiteres Mal in seinem neueren Buch „Das Zeitalter der Keltenfürsten“ von  2010 gewidmet hat. Ich habe das Buch sofort bestellt und es ist kurz vor Fertigstellung dieses Berichtes eingetroffen. Nach Kuckenburg haben die mitteleuropäischen Fürstensitze eine „Schlüsselrolle im hallstattzeitlichen Fernverkehrsnetz gespielt“ und lagen vielfach an verkehrstechnisch günstigen Knotenpunkte der großen Flüsse (S. 168). Nach den Feststellungen von Pauli, 1993, lägen Fürstenburgen mehrheitlich an schiffbaren Flüssen und die jeweils reichsten Fürstensitze verfügten über einen Umschlagplatz vom Land- auf den Wasserweg, „wo man nach der Überwindung der europäischen Hauptwasserscheiden am besten von Saumtieren oder Karren auf Kähne umlud.“ Es folgt eine Auflistung von 4 Fürstensitzen einschließlich dem am Mont Lassois. Gray wird in dieser Aufzählung jedoch noch nicht genannt (zitiert nach Kuckenburg, a.a.O). An anderer Stelle weist Kuckenburg darauf hin,  dass die Burg des Fürsten, die regelmässig den politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt des Herrschaftsbereiches markierte, eine zentrale Bedeutung hatte (aaO, S. 209).

Was zeichnet also eine Örtlichkeit der Kelten aus, um sie als Fürstensitz zu qualifizieren?

Sie mußte erstens als Warenumladepunkt geeignet sein. Das ist der Fall, wenn sich ein schiffbarer Fluss in unmittelbarer Nähe befindet. Dass die Saône bei Gray im Mittelalter schiffbar war, haben wir bereits gezeigt. Dass dies auch zur Keltenzeit schon so war, ergibt sich zum einen aus der hohen Anzahl von intakten Weinamphoren aus der Provence und der im Kapitel 2.1 nachgewiesenen Dichte von Tonscherben, die in unmittelbarer Umgebung der heutigen Stadt Gray gefunden worden sind. Zum anderen war die Saône nachweislich zur Keltenzeit in Bragny, ca. 80 Km unterhalb von Gray, der mit Abstand bedeutendste Umschlagplatz im Burgund für Waren aus dem Süden und auf dieser relativ geringen Distanz hat sich ersichtlich weder die Neigung, noch die Breite oder die Wasserkapazität des Flussbettes wesentlich verändert. Gray ist also nicht nur als Warenumschlagsplatz geeignet, sondern sogar dafür prädestiniert.

Und zweitens müßte das Gelände um die Örtlichkeit den Bau einer Burg oder einer burgähnliche Höhensiedlung gestatten. Ich bin der Ansicht, dass Gray auch diesen Test besteht.

 Blick auf Gray vom linken Ufer nach Süden

Auch wenn das Niveau des mittelalterlichen Zentrums von Gray nur ca. 30 Meter höher liegt, als das Gelände am Saône-Ufer, sieht man die Erhebung recht nahe beim Ufer auf diesem Foto bereits deutlich. In unmittelbarer Nähe zum Zentrum der Altstadt und der Kirche befand sich im Mittelalter eine Burg, die man vom Ufer aus nur über eine recht steile (Treppen-)Stiege erreichte.

Nur noch ein mittelalterlicher Turm und Überreste der Burgmauer sind erhalten.

Die Hauptsache scheint mir jedoch zu sein, dass von dieser Erhebung aus die Saône perfekt überwacht werden konnte und auch ein Fernblick in das Hinterland des Herrschaftsgebiets nach allen Richtungen störungsfrei möglich war. Ein Blick auf Gray im Google-maps Geländemodus zeigt, dass die Erhebung sich von dieser Geländekante als Höhenzug etwa 200 Meter weit nach Süden fortsetzt, sodaß auch eine Höhensiedlung hier möglich war.

Während man in Kuckenburgs neuerem Buch von 2010 noch auf Seite 171 eine die Abbildung 34 b den Fürstensitz zwischen dem Mont Lassois und Bragny an der Saône noch vorsichtig mit einem Fragezeichen bezeichnet hat, fand ich zu meiner grossem Freude und Erleichterung auf Seite 25 in der Abb. 4 eine aktualisierte Version der oben abgebildeten Karte der Verbreitung von griechischen Amphoren aus dem Buch von 2004 und hier hat nun erstmals auch der Ortsname Gray Eingang in die Liste der keltischen Fürstensitze mit Warenumschlagsmöglichkeiten gefunden. (q.e.d.?)

Es dürfte damit keinen vernünftigen Zweifeln mehr begegnen, dass meine Ausgangsannahme auch insoweit zutreffend ist.

3.4 Der alternative Umschlageplatz bei Til-Chatel

Wie dem Plan im Museum von Châtillon-sur-Seine weiter zu entnehmen war, hatte sich der Keltenstamm der Lingonen auch im Gebiet der Gemeinde Til-Châtel in ihrem Tilena genannten Ort niedergelassen. Dieser Ort liegt exakt an der Via Agrippa, 40 Km südwestlich von Langres, auf dessen Hochplateau zu Zeiten der Lingonen unter dem Namen Andematunum eine bedeutende Höhensiedlung bestanden hatte, und 25 Km nordöstlich von Dijon (Divo).

Als ich mir vor wenigen Wochen erstmals wieder den Plan des Museums von Châtillon vornahm, stellte ich überrascht fest, dass auch Selongey sowohl für die Kelten als auch die Templer ein Stützpunkt war. Auch der ebenfalls den Kelten zugeschriebene Ort Til-Châtel war mir als Templerstation ein Begriff. Sie waren dort mit mir gemeinsam im Februar 2017 auf der Suche nach der Ferme des Templiers de Fontenotte.

Die Rue de Langres, wenige hundert Meter nördlich von Til-Châtel mit Blick nach Nordosten auf die Brücke über die Tille. Die heutige Landstraße D974 führt – abgesehen von einer kleinen Kurskorrektur bei Vaux-sous-Aubigny – kerzengerade  nach Langres. Es ist die Via Agrippa der Römer.

Blick von der Rue de Langres auf den Oberlauf der Tille

Der Unterlauf der Tille bei Til-Châtel zeigt ebenfalls ausreichende Breite und Tiefe für Flachbodenkähne

Der Wald hinter dem Abfahrtsschild von der D974 markiert die Örtlichkeit des Weihers neben der Commanderie Fontenotte

Wie man diesen obigen Kartenausschnitt gut entnehmen kann, laufen einige hundert Meter westlich der oben gezeigten Brücke bei Til-Châtel eine Vielzahl wesentlich kleinerer Bäche zusammen, die wohl teilweise ebenfalls Tille genannt werden. Ich habe an einigen dieser Wasserläufe stichprobenartig angehalten und bin vorläufig der Meinung, dass die Tille und ihre Zuläufe oberhalb von Til-Châtel aufgrund ihrer geringen Tiefe, Neigung und Breite für Wasserfahrzeuge nicht geeignet ist.

Ab der oben gezeigten Brücke der Rue de Langres ändert sich ersichtlich das Bild. Die Commanderie Fontenotte befindet sich im Bereich des unteren Kreises. 200 Meter westlich der Commanderie gibt es heute einen (mit gewöhnlichem Schuhwerk unzugänglichen) Weiher oder Tümpel (Markierung 2). Man sieht deutlich, dass es zwischen dem Tümpel und der Autoroute de Lorraine-Bourgogne E17 einen Wasserlauf gibt, der vom Weiher aus in nordöstliche Richtung auf genau den Punkt zuhält, an dem die Tille mit der geringsten Entfernung die Commanderie passiert. Es drängt sich geradezu auf, dass dieser (wohl künstlich angelegte?) Wasserlauf einstmals dazu bestimmt war, das Weiherbecken mit dem Unterlauf der Tille zu verbinden. Als der Bahndamm und später die Autobahn errichtet wurden, gab es offensichtlich für dieses Gewässer keine Verwendung mehr, sodaß es gekappt bzw. umgeleitet wurde.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass auch der Weiher künstlich angelegt oder modifiziert worden ist.

      Commanderie Fontenotte, Til-Châtel, mit rechteckig ausgegrabenem Wasserbecken und einem kleinen Forellenteich direkt bei der Commanderie. Der Kanal zur Tille ist ebenfalls zu erkennen.

Die markierte südöstliche Ecke des Weihers oder Beckens ist künstlich begradigt und annähernd rechteckig ausgestaltet worden. Die Nähe zur Commanderie beträgt ca. 150 Meter. Es kommt jetzt darauf an, wie alt dieses Becken ist und ob der Kanal von dort bis zum Fluss a) künstlich ausgehoben und b) zumindestens breit genug war, um Lastkähne vom Fluß in dieses Becken und vice versa ziehen (treideln) zu können. Würden sich diese Fragen bejahen lassen, könnte man daran denken, dass dieses Becken evtl. als Winterlager für Lastkähne oder gar als Hafen installiert wurde. Es wäre dann zu untersuchen, ob man ggf. Reste von Kaianlagen, Pollern oder Laderampen heute noch dort entdecken kann. Ich hatte kein  geeignetes Schuhwerk dabei. Also muß ich wohl nochmal dorthin. Zumindestesn befeuert ein solcher Befund die Imagination und Spekulation. Ohne Rätsel wäre das Leben langweilig.

4. Zwischenergebnisse

4.1 Die Stationen der Keltenroute

Nemen wir uns nochmal die Karte aus dem Keltenmuseum vor. Der nachstehende Ausschnitt lässt eine „Keltenstrasse“ zwischen Nod-sur-Seine einerseits und Til-Châtel andererseits deutlich erkennen. Diese Strasse hat eine ähnliche Krümmung wie die Templerstrasse in diesem Bereich. Sie liegt aber nicht im Tal der Ource, sondern teilweise ca. 10 Km weiter südlich der Ource und bei der Tille, die bei Beneuvre entspringt. Die Quelle der Ource liegt nur wenige Km neben der Quelle der Tille. Auch diese Keltenstrasse „zielt“ auf den nächsten Punkt der Saône, nämlich nach Gray. Die gerade Linie von Vix über Beneuvre und Selongey schneidet die Saône bei Gray.

Ausschnitt aus der Karte aus dem Museum von Châtillon-sur-Seine

 

Strecke von Vix  über Beneuvre und Selongey nach  Gray

4.1.1 Nod-sur-Seine

Über den Keltenort bei Nod-sur Seine ist offenbar nicht allzu viel bekannt, ausser, dass dort eine Statue über „die wieder erstarkende Europa“ gefunden werden konnte (Wikipedia).

4.1.2 Saint-Germain-le-Rocheux, „Le Tremblois“

Einen Ort namens „Le Tremblois“ sucht man – jedenfalls in dieser Gegend – vergeblich auf der Karte. Bei Wikipedia kann man immerhin in Erfahrung bringen, dass es im Gebiet der heutigen Gemeinde Saint-Germain-le-Rocheux, die eine schöne mittelalterliche Kirche ihr Eigen nennen kann, einen Tempel der Gallier, einen sogenannten fanum, gegeben hat. Die Ausgrabungen und Konservierungen sind möglicherweise noch im Gange.

Fanum Le Trembloy (Wikipedia)

4.1.3 Essarois

Über Essarois ist bekannt, dass dort ein Tempel des Apollo Vindonnus ausgegraben wurde (Wikipedia). Weiterführende Literatur zu diesem Fund finden Sie hier. Es sind dort einige sehr ansprechende Objekte aufgetaucht (Bilddatenbank zu antiken Steindenkmälern).

© Chatillon-sur-Seine – Musée du Pays Châtillonnais, Foto: Ortolf Harl, 2015 Dezember

Angeblich wurde im Gebiet der Gemeinde im 19. Jahrhundert noch ein weiterer aufsehenerregender Fund gemacht. Zumindest kursieren seit mehr als hundert Jahren Gerüchte um mysteriöse Darstellungen auf einem angeblichen Behältnis aus Elfenbein, das zu der Sammlung eines gewissen Ducs de Blacas gehört haben und  bei Ausgrabungen im Keller des Schlosses von Chastenay in Essarois entdeckt worden sein soll. Ein gewisser Héron de Villefosse will in dieser Darstellung einen „Baphomet“ der Templer erblickt haben (Literatur finden Sie hier).

sogenannter „Baphomet“ von Essarois

Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall (* 9. Juni 1774 † 23. November 1856 in Wien) hatte sich leidenschaftlich in der streitigen Diskussion über diese Abbildung mit anderen Autoren im neunzehnten Jahrhundert auseinandergesetzt. Näheres finden Sie in meinem Beitrag von 2014. Ich halte von dieser Sache nichts. Das Objekt – falls es tatsächlich jemals existiert haben sollte, was umstritten ist – hat nur insoweit mit den Templern zu tun, als dass Essarois nur ca. 7 Km von einer Templercommanderie entfernt liegt. Der Stil der Darstellung ist eindeutig NICHT mittelalterlich.

4.1.4 Beneuvre

In Beneuvre sind umfangreiche archäologische Grabungen vorgenommen worde und dabei sind erhebliche Mengen an Siedlungsspuren freigelegt worden. Literatur dazu finden Sie bei Archéo sciences.

Darstellung von Ausgrabungsbefunden in Beneuvre (Copyright Cairn)

Dieser Grenzstein mit Templerkreuz findet sich ebenfalls im Gebiet der Gemeinde Beneuvre (Pays châtillonais). Das ist ein weiteres Besipiel, wie nahe die Orte und Wege der Templer und der Kelten tatsächlich beieinander gelegen haben.

4.1.5 Selongey

Im Jahre 50 n.Chr. begannen die Lingonen Gebiet der Gemeinde Selongey mit dem Weinbau, wie die dort ausgegrabenen Reste einer gallisch-römischen Weinpresse bezeugen (WikiVisually). Ausserdem wurde eine gallisch-römische Villa (sogenannte Proto-Villa) ausgegraben (researchgate).

4.1.6 Til-Châtel

Til-Châtel, das antike Tilena, ist als eine der Hauptstädte des Keltenstammens der Lingonen berühmt geworden (Wikipedia). Dort befand sich auch ein Römerkastell (Homepage der Gemeinde). Aber auch hier ist wieder eine erstaunliche Nähe zu den Templern festzustellen. Zum einen befindet sich – wie bereits erwähnt – keine drei Kilometer weiter südlich die

Ferme de Fontenotte

Zum anderen kann man in der Kirche Saint-Florent-et-Saint-Honoré in Til-Châtel Grabsteine berühmter Tempelritter aus dem späten 11. bis frühen 12. Jahrhundert  betrachten, zum Beispiel den von

Guy III. de Til-Châtel, Tempelritter und Herr von Til-Châtel und Pichanges. (Geocaching)

 

4.1.7 Die Distanzen der Stationen der Keltenroute

  1. Nod-sur-Seine – Saint Germain-le-Rocheux 9 km
  2. Saint Germain-le-Rocheux – Essarois 9,5 Km
  3. Essarois – Beneuvre 16 Km
  4. Beneuvre – Til-Châtel 30 Km
  5. Beneuvre – Selongey 28 Km
  6. Selongey – Til-Châtel 11 Km

4.2 Die Stationen der Templerroute

Wir hatten schon gesehen, daß manche der oben erläuterten Templerorte auf der Strecke zwischen dem oberen Umladepunkt an der Furt von Vix bzw. Châtillon-sur Seine und dem Endpunkt bei Gray untereinander einen Abstand von ca. 15 Km, ca. 20 Km oder auch ca. 30 Km haben. Für einen reitenden Boten oder eine kleine Gesandschaft zu Pferde sind 15 Km Tagesetappen eine reine Zeitverschwendung. Die Meinungen gehen auseinander, ob man einem Pferd Tagesetappen von 40 Km oder gar mehr zumuten kann, was nicht unmöglich zu sein scheint, aber auch nicht immer erforderlich gewesen sein wird. Es soll auch davon abhängen, ob man das Pferd an den Etappenstationen tauschen kann. Ich habe noch nichts davon gelesen, dass die Templer Reitpferdetausch für Eilboten angeboten hätten. Meines Wissens hatten die Templer jeweils ihre eigenen Pferde zugeteilt bekommen. Sei es wie es sei, eine Tagesetappe von 30 – 40 Kilometern kann man von einem Reiter erwarten, auch wenn das Pferd nur die Nacht zum Ausruhen hat. Für Fußgänger wird ein Tagesmarsch von 22,5 Km für möglich gehalten (Wikipedia). Für Ochsenkarren wird man wohl Tagesdistanzen von 15-20 Km kalkulieren können.

4.2.1 Der „Expressweg“ der Templer

Nehmen wir also an, ein Templer wäre mit nur leichtgewichtigen Lasten oder mit Depeschen, Dokumenten bzw. Münzen zu Pferde unterwegs gewesen. Er hätte für die hier zu beurteilende Templerstrasse – ohne das Pferd wechseln zu müssen – max. 3 Tage gebraucht:

  1. Tag: Vix – Châtillon-sur-Seine (6 Km) – Bure-les-Templiers (weitere 30 Km) = Total 36 Km
  2. Tag: Bure-les-Templiers – Selongey = Total 32 Km
  3. Tag: Selongey – Autrey-lès-Gray (28 Km) – Nordufer Gray (weitere 8 Km) = Total 34 Km

4.2.2 Der „Karrenweg“ der Templer

Mit einem Ochsenkarren oder zu Fuß wäre das nur schwerlich machbar. Hier hätten sich folgende Etappen von 15-20 Km angeboten:

  1. Tag: Chatillon-sur-Seine – Voulaines-les-Templiers 18 Km
  2. Tag: Voulaines-les-Templiers – Bure-les-Templiers 15 Km
  3. Tag: Bure-les-Templiers – Busserotte-et-Montenaille 13 Km
  4. Tag: Busserotte-et-Montenaille – Selongey 20 Km
  5. Tag: Selongey – Saint Maurice-sur-Vingeanne 20 Km
  6. Tag: Saint-Maurice-sur-Vingeanne – Autrey-lès-Gray 13 Km und nach Gray weitere 8 Km = Total 21 Km

4.2.3 Die alternative Tille-Route

  1. Busserotte-et-Montenaille – Villey-sur-Tille 15 Km
  2. Villey-sur-Tille – Ferme de Fontenotte 8 Km
  3. Ferme de Fonenotte – Ruffey-lès-Echirey 20 Km
  4. Ruffey-lès-Echirey – Fauvernay 16 Km
  5. Fauvernay – Trouhans 16 Km

5. Fazit

Sowohl die Kelten als auch die Templer haben zwischen den Punkten Vix und Gray eine mit Stationen in regelmässigen Abständen versehene, etwa 100 Kilometer lange Strasse als „Landbrücke“ für den Warenumschlag zwischen Nordsee und Mittelmeer benutzt und kontrolliert. Die Strasse beginnt in Vix als Umladestation nach Norden. Sie endet zum einen in Gray und zum anderen in Til-Châtel.  Die Templerstrasse, beginnend bei Châtillon-sur-Seine verlief zunächst ca. 10-15 Km weiter nördlich im Tal der Ource über die Stationen Voulaines-les-Templiers und Bure-les-Templiers. Die Keltenstrasse begann hingegen bei Nod-sur-Seine und verlief ein Tal weiter südlich, zunächst über die Orte Saint-Germain-les-Rocheux (Le Tremblois) und Essarois. Nachdem sich der Abstand der Keltenstrasse von der Templerstrasse kontinuierlich verringert, je weiter östlich sie sich vom Oberlauf der Seine entfernten, treffen die Trassen beider Strassen etwa im Bereich der Stelle, an der das Flüßchen Tille enstpringt, bei dem Keltenort Beneuvre einerseits und dem Templerort Busserotte-et-Montenaille andererseits wieder zusammen. Beide Wege führen sodann – wohl auf der gleichen Trasse – von hier aus weiter südöstlich nach Selongey, ein Ort, in dem sowohl die Kelten als auch die Templer sich niedergelassen haben sollen.

Abschnitt der Überlandbrücke zwischen Vix und Selongey (google.maps)

Auf dem direkten Weg zur Saône unterhielten die Templer noch in Saint-Maurice-sur-Vingeanne und in Autrey-lès-Gray eine Station. Gray war ein keltischer Fürstensitz und der gemeinsame Umladepunkt zur Saône, obwohl für die Templer in Gray keine Besitzung nachweisbar, aber für das Be- und Entladen von Schiffen auch nicht unbedingt erforderlich gewesen ist. Zwischen Selongey und Gray ist bis heute noch kein weiterer Ort der Kelten nachweisbar, aber wahrscheinlich, zumal im Umkreis von bis zu 20 Km um Gray keltische Großgrabhügel bekannt sind. Sowohl die Kelten als auch die Templer unterhielten Niederlassungen in Selongey und auch 10 Km weiter südlich auf der Via Agrippa in Til-Chatel, wo die Tille sich mit der Via Agrippa kreuzt.

Abschnitt der Überlandbrücke zwischen Beneuvre und Gray (google.maps)

Möglicherweise gab es zwischen dem Ursprung der Tille bei Beneuvre bzw. Busserotte-et-Montenaille und Til-Châtel noch eine alternative Strasse im Tal der Tille, wofür etwa der 10 Km flußaufwärts von Til-Châtel liegende, angebliche Templerort Villey-sur-Tille (Aubarbier, S. 78) und die Lage des aktenkundigen Templerortes Ferme de Montmorot sprechen könnte. Ein Keltenort ist in diesem Abschnitt der Tille bisher nicht nachgewiesen. Ob der Oberlauf der Tille tatsächlich für den Warentransport benutzt werden konnte, ist noch fraglich und würde umfangreiche Untersuchungen erfordern. Ab Til-Châtel erscheint der – ungestaute – Fluss Tille ausreichend breit. Ob die Kelten am Unterlauf der Tille bis zur Saône weitere Stützpunkte unterhielten, ist nicht bekannt.

Es ist denkbar, jedenfalls derzeit nicht auszuschließen, dass die Templer einige hundert Meter westlich von der Commanderie Fontenotte eine Art Hafenbecken ausgehoben und einen Verbindungskanal von dort nach irgendeinem nahegelegenen Punkt der Tille gegraben haben könnten. Dort könnte theoretisch die Umladung der Güter von Flachboden-Kähnen auf Ochsenkarren stattgefunden haben und die jeweilige Zwischenlagerung bis zum Abtransport nach Norden oder Süden in den reichhaltig vorhandenen Schuppen und Scheunen der Commanderie Fontenotte organisiert worden sein. Hier ist aber noch Beweis zu erheben. Das ist nur eine Spekulation.

Entlang des Unterlaufes der Tille ab Til-Châtel gab es jedoch nach Aubarbier, S. 78.f, bis zur Mündung der Tille in die Saône bei Les Maillys (Hafenanlagen vorhanden) im Abstand von je ca. 20 Km die Templerorte Ruffey-lès-Echirey, Fauverney und Trouhans, die zwar nicht direkt am Ufer der Tille gelegen haben mögen, aber jeweils nur wenige Kilometer weiter westlich.

Im 16. Jh. scheint die Stadt Dijon die Funktion der Umladestation übernommen zu haben, möglicherweise mithilfe der Flüsse Yonne (nach Norden) und Ouche (nach Süden)  (Wikipedia).   Spätestens anläßlich der Fertigstellung des Canals de Bourgogne in 1843, der ca. 5 km unterhalb der Tille bei Sainte-Jean-de-Losne in die Saône  mündet, verloren diese Landbrücken jegliche Bedeutung. Auch letzterem war nur eine kurze Erfolgsgeschichte beschieden, weil im Jahre 1851 mit dem Bau von Eisenbahnen in der Region begonnen wurde (a.a.O.)

 

 

Beitrag noch in Bearbeitung, letzter Stand 24.04.2018