2010 Franche-Comte

Templer in der Franche-Comté

Die Région Franche-Comté  (sogenannte Freigrafschaft Burgund), unterhalb Lothringens, eingezwängt zwischen Burgund, Elsass und Schweiz, nördlich begrenzt durch die Porte d’Alsace, (der einzige Durchgang zwischen den Alpen und den Vogesen), stößt im Süden an das Department Ain (Rhône-Alpes). Es gibt 4 Departements, 70 Haute-Saône, 39 Jura, 25 Doubs und 90 Territoire-de-Belfort (nur die Stadt Belfort).

Die Gegend ist erst unter Ludwig XIV nach heftigen Gefechten zu Frankreich gekommen. Der Freigraf war vorher Vasall des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Man sprach aber Französisch, die Sprachgrenze ist früher wie heute die Porte d’Alsace. Wer das Franche-Comté kontrolliert, kontrolliert nicht mehr und nicht weniger, als den wesentlichen Teil des Waren- und Personenaustausch zwischen Frankreich und Deutschland.

Ich nutze einen Elsass-Trip im September für einen Abstecher in diese ehemalige Freigrafschaft, die für ihren ausserordentlich guten Bergkäse und für bestimmte Kirchsturmspitzen berühmt ist, um mir einige Templerorte dort näher anzusehen. Meine Ziele lagen in den Departements 25 Doubs und 70 Haute-Saône. Mir war auf der Karte aufgefallen, dass sie sich ziemlich in einer Reihe befanden. Sogar scheinbar recht regelmässig, wie Perlen an einer Kette.

Bevor ich auf das südliche Ende dieser Kette zuhielt, lag noch ein anderer Templerort auf dem Weg, den ich mir mal mit eigenen Augen anschauen wollte.

1. Station 25430 Chazot

chapelle des Étaings25430 Chazot

Es ist deutlich zu erkennen, dass diese Kapelle häufig, offenbar auch erst kürzlich umgebaut oder restauriert wurde. Es ist aber noch genug von der ursprünglichen Bausubstanz zu erkennen, dass man von einer echten Templerkapelle sprechen darf.

2. Station 25110 Dammartin-les-Templiers

Die Gründung dieses Ortes geht auf die Templer zurück. Von der Commanderie ist ersichtlich heute nichts mehr übriggeblieben. Es gibt eine Domaine des Templiers, heute eine Wellnessfarm. Dort kann man evtl. den Teich der ehemaligen Commanderie noch erkennen, aber das lässt sich wohl nicht verifizieren. Die Ortskirche wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts von den Templern erbaut, aber im 15. Jahrhundert umfangreich umgebaut, vergrössert und dem Zeitgeschmack angepasst. Der Kirchturm ist übrigens ein solch ein „reinrassiger“ clocher comtois, mit dem für die Région so typischen sog. Turmhelm

Église Saint Martin25110 Dammartin-les-Templiers

Wenige Kilometer östlich von Dammartin soll sich nach Literaturangaben (Aubarbier, S. 64) eine Templerkapelle Notre-Dame in einem Ort namens Fay befinden. Es ist mir leider nicht gelungen, etwas derartiges vor Ort ausfindig zu machen. Auch befragte Passanten konnten mir nicht weiterhelfen. Zu Hause gelang es uns später, den Ort jedenfalls schon einmal in der Cassini Karte (1750-1815) zwischen Dammartin und Bretigney zu finden.

Reproduktion: Thorsten Stute, unterhalb des blauen Winkels sieht man ein Kreuz und den Ortsnamen Fay

Auf dem google Maps Ausschnitt ist dort kein Ort und auch keine Kapelle zu entdecken.

Einigermassen entäuscht von diesem Ort beschlossen wir, eine Mittagspause einzulegen. In Dammartin selbst gab es nichts, aber im westlichen Nachbarort Champlive wurden wir fündig. Dort kehrten wir ein in eine wunderbaren Gasthaus, in dem wir nicht nur preiswert, sondern vor allem genussreich speisten und von einer ebenso überaus charmanten wie hilfsbereiten jungen Dame bewirtet wurden. Auch sie bemühte sich nach Kräften, uns bei unserem Anliegen zu unterstützen. Der Aufenthalt dort war derart vergnüglich, dass ich mir das Recht herausnehmen möchte, für dieses ausgezeichnete Haus Werbung zu machen:

Auberge de Château de Vaite, Champlive

http://www.auberge-chateau-vaite.com

Nachdem so die Kräfte wieder aufgetankt und die Laune wiederhergestellt war, fuhren wir über Besançon zu unser nächsten Templerstation, der nächsten „Perle auf der Kette“:

3. Station 70190 Villers-le-Temple

Diese Kapelle ist modern, das Gebäude steht aber an der Stelle der früheren Templerkapelle. In der Kapelle wird eine wertvolle hölzerne Madonna mit sitzendem Kind aufbewahrt, die seit den Zeiten der Templer dort ist. Leider war es diesmal nicht möglich, den Schlüssel für die Kapelle zu organisieren, das wird aber nachgeholt.

4. Station 70130 Fresne-Saint Mamès

Ziemlich genau 30 Kilometer Luftlinie, also genau ein Tagesfussmarsch in nordwestliche Richtung entfernt von diesem Ort stiessen wir auf die nächste Etappen-Station

auberge des Templiers, 70130 Fresne-Saint Mamès

Nach der Inschrift über dem Türsturz links im Bild stammt das Haus aus 1301 und ist von der Größe her eine typische Templerherberge. Das Gebäude erinnert mich an die Templer-Herberge in Bad Breisig. Es ist ebenso in der Johanniterzeit umgebaut worden. Die oberen Fenster sind 15. -16. Jh.

5. Station 70600 Pierrecourt (Aumonières)

Fast genau weitere 30 Km nordwestlich kam – nach einer Überquerung der Saône – die letzte Stations-Etappe in Sichtweite. Die Templerkirche ist heute zu einer Scheune umgebaut und in einen landwirtschaftlichen Betrieb integriert. Der Kirchturm ist teilweise eingestürzt und dicht mit Efeu bewachsen. Man könnte ihn betreten, aber ein Warnschild „danger de mort“ rät einem eindringlich davon ab. Dichte Brennessel- und Brombeerwälle wären auch ein rein praktisches Annäherungshindernis für den Sonntagsspaziergänger.

70600 Aumonières

Die nachstehende Übersichtskarte zeigt wunderschön, dass sich die hauptsächlich hier behandelten Templerorte auf einer recht geraden, von  Nordwest nach Südost-Linie befinden und alle den gleichen Abstand von etwa 30 Kilometer haben. Ein Zufall ist wohl auszuschliessen.  Einem Verkehrsschild am Saône-Übergang von Seveux kann entnommen werden, dass es sich bei dieser „Templerstrasse“ um ein Teilstück der sogenannten VIA FRANCIGENA handelt, einer uralten Pilgerstrecke von Canterbury (England) nach Rom, die ab 994 beschrieben wurde.

google maps, Reproduktion Thorsten Stute und Markus Menzendorff

Über Vercel-Villedieu-le-Camp gehts zu den Templern in der Schweiz. Die nächste Etappe ist La Chaux (CH), wo die Templer ebenfalls eine sehr wichtige Commanderie unterhielten.  Thorsten Stute arbeitet derzeit intensiv an einem in Vorbereitung begriffenen zweiten Band einer geplanten Buchserie über die Templer, darum wird jetzt nix mehr verraten.

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