2011 Flandern, Artois und Eifel

Templer in Flandern, Artois und Eifel

Eine Geschäftsreise brachte mich zu Beginn der diesjährigen „Templersaison“ an die deutsch belgische Grenze. Es war ein Freitag, und so beschloss ich, mir die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen und das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Ich besuchte meinen inzwischen langjährigen Freund und Templerforscher Jan Hosten in Belgien und auf dem Weg dahin konnte ich zwei bekannten Templerorten meine Aufwartung machen.

1. zwei Templerorte in Belgien

Ich benutzte den Grenzübergang zwischen Aachen und Lüttich, oder besser Liège, denn wir befinden uns hier in der Wallonie, wo man bekanntlich französisch spricht. Auf dem Gebiet der Gemeinde 4550 Nandrin, Province de Liège, befindet sich ein kleiner Ort Namens Villers-le-Temple. Der  Gründer der Commanderie, ein Gerard de Villers hat sich hier im Jahre 1274 mit einem eindrucksvollen Grabstein bestatten lassen. Dieser Grabplatte verdanken wir viel Wissen über die Einhaltung der Regeln durch die Templer, sie zeigt nämlich als einzige Grabplatte einen Templer in seiner Originalkleidung.

Foto: Jan Hosten

Dieser (belgische) Gerard de Villers darf nicht mit dem (französischen) Gerard de Villiers verwechselt werden, dem Houdini der Templer, dem zweimal eine spektakuläre Flucht aus aussichtsloser Lage gelang, einmal 1302 von der syrischen Insel Ruad, und das zweitemal vor der Generalverhaftung der Templer in 1307. Angeblich soll letzterer mit dem legendären „Templerschatz“ geflohen sein. So will es jedenfalls die Legende.

1.1 Villers-le-Temple 

Der belgische Gerard war ein begüterter Graf und vermachte seine Ländereien in Villers dem Templerorden. Von der Commanderie stehen heute noch Mauern und einige Türme. Die Kirche mag an der Stelle einer früheren Templerkirche stehen, aber sie ist im Laufe der Jahrhunderte stark verändert worden und wirkt heute eher modern:

Das Commanderiegelände grenzt direkt an die Kirche (rechter Bildrand) und ist mit einer recht hohen, noch intakten Mauer umgeben.

Villers-le-Temple, 4550, Blick vom Süden auf die Westflanke der Commanderie

1.2 St. Léger

Die Fahrt ging weiter durch die Wallonie, über die Provinz Namur in die Provinz Hennegau, genauer: Hainaut, zu der Commanderie von Saint-Léger. Diese befindet sich etwa 10 Km südlich der Stadt Tournai (Doornik) und ist im Jahre 1238 von einem gewissen Gossuin Fastret de Saint-Léger gestiftet worden (Quelle: Christophe Staf, www.templiers.org/saint-leger.php). Die Eigentümerin des Grundstückes mochte es nicht, dass ich näher an die reichlich vorhandenen und gut erhaltenen Gebäude herankommen sollte. So musste ich das Grundstück weitläufig umrunden.

Blick von Südwesten:

von Nordosten:

Man sieht die Überreste zweier gotischer Fenster. Der Raum wird eine bedeutende Funktion gehabt haben, vielleicht die des Kapitel-Saals.

Blick auf die Nord-Ost-Seite

Blick von Nord-West auf das Hauptgebäude

Nach der Besichtigung dieser beiden Commanderien machte ich mich auf den Weg zu meinem Nachtquartier in Ieper, Provinz Westflandern und freute mich auf das Abendessen mit Jan Hosten und meine perfekte Bleibe, die ich garnicht oft genug loben kann:  www.sabbajon.be. Ansprechendere, modernere und grössere Zimmer zu dem Preis habe ich noch nirgendwo bisher gesehen.

2. zwei Templerorte in Frankreich, Departement Nord

Am nächsten Morgen machte ich mich auf nach Frankreich, die Grenze ist nur einige zwanzig Kilometer entfernt. Man gelangt dort in das Département Nord, Région Nord-Pas de Calais, bekannt aus dem sehr empfehlenswerten und erfolgreichen Kinofilm „Willkommen bei den Sch’tis“. Wenn Sie den noch nicht kennen sollten, unbedingt mal ansehen. Sie haben noch nie so gelacht, versprochen!

2.1 Douai

Die Realität in Douai (lat. Duacum) war etwas prosaischer. Es herrschte leichter Nebel. Douai ist heute eine pulsierende Stadt mit ca. 42.000 Einwohnern. Ich hatte deren Grösse etwas unterschätzt und mich – wieder einmal – nicht ausreichend vorbereitet. Einfach so herumfahren und die Augen offenhalten erbrachte hier nichts. Wie findet man in so einer Stadt die Templerspuren? Ganz einfach: Mit dem uralten und streng geheimen Templer-Sucher-Trick! Navi einschalten und folgende Suchbegriffe für die Stadt eingeben: „Rue de la Commanderie, Rue des Templiers, Ruelle de Temple“ usf. Oops, hier gabs das fast alles. Ich parkte auf einem Behördenparkplatz und schon war ich mitten im Geschehen:

commanderie des templiers, Hauptpforte, 59500 Douai

Komturei vom Behördenparkplatz aus

Neuzeitliches Malteserwappen, Hauptpforte, Douai

Das Betreten des Anwesens war unerwünscht, so habe ich auf detailreichere Fotos verzichtet und machte mich auf zu meiner zweiten Etappe für den Tag.

2.2 Caëstre – Eecke

In der Gemeine Caëstre (von lat.  castrum) gibt es eine Legende, derzufolge die drei Ordensschwestern Edith, Elfriede und Sabina von unbekannten (normannischen) Tätern ermordet worden seien. Ihnen zu Ehren wurde im 14. Jahrhundert eine Kapelle im Ortskern errichtet, die verschiedentlich irrig für eine Templerkapelle gehalten wird.

Drie maegdekens cappel, 59120 Caëstre

Die Templer waren tatsächlich an dem Ort begütert, es gibt auf einem Privatgrundstück noch einige Reste zu sehen.

Aber auch der Eigentümer dieses Grundstückes verbittet es sich entschieden, dass man sein Grundstück betritt. Er wollte mir sogar verbieten, aus der Distanz zu fotografieren. Ich habe ihm geduldig erklärt, dass er das bei historischen Gebäuden auch nach französischem Recht nicht grundsätzlich verbieten dürfe. Natürlich hat er als Eigentümer das Recht, den Zutritt zu seinen Besitzungen zu verbieten, aber das Fotografieren? Solange seine Privatsphäre nicht tangiert ist?

Wir kamen ins Gespräch und ich fragte ihn nach den Gründen für seine schroffe Haltung. Er erklärte mir, dass häufig irgendwelche Fotografen vorbeikämen und das Gelände abfotografieren würden. Es würden dann irgendwelche übertriebenen Berichte in irgendwelchen dubiosen (Schatzjäger-) Magazinen erscheinen, was wieder Legionen von neuen unerwünschten „Besuchern“ auf sein Grundstück treiben würde. Ich versprach ihm, dass ich nur wissenschaftliches Interesse an Templerbesitzungen und was heute davon noch übrig ist verfolgen würde und wir reichten uns zum Abschied die Hand, ohne dass er schliesslich sogar auf die Herausgabe des einen Bildes bestanden hätte, worauf er zunächst zu bestehen schien.

Um es meinen Lesern an dieser Stelle noch einmal deutlich zu machen: Viele Templerstätten in Frankreich befinden sich in Privatbesitz, sie sind oft eingezäunt und ummauert. Das Betreten eines solchen Grundstückes ist unter Umständen Hausfriedensbruch: Es ist keinesfalls gestattet, Zäune und Mauern zu überwinden oder verschlossene Türen zu öffnen. Manche Templerhäuser sind sogar bewohnt. In diesem Falle ist es nicht gestattet, Fotos anzufertigen, die Einblicke in das Privatleben des Besitzers gewähren.

Ich werde den Weg zu dieser Commanderie nicht beschreiben, das habe ich dem Herrn versprochen. „Auf Gut Glück“ wird man die Anlage nicht finden und so wird mir der Eigentümer keinen Vorwurf machen können, dass ich ihn mit diesem Beitrag in seinen Rechten verletzt hätte.  Ich mache mir allenfalls den Vorwurf, dass ich nicht vorher gefragt hatte. Bestimmt hätte er mir das Fotografieren dann nicht verboten. Aber woher sollte ich wissen, wem dieses Haus gehört und wohin ich mich wenden sollte? Die Commanderie steht an einer öffentlichen Strasse und ist nicht umzäunt. Es gibt auch keine Schilder, dass das Betreten unerwünscht sei, wie sinst üblich.

Der grösste Teil der Gebäude ist aus dem 19. Jahrhundert, sodass es sich für mich nicht lohnte, näher heranzugehen.

3. Roth an der Our, Eifel, bei Bitburg

Ich fuhr nach ausgiebigen Gesprächen in zwei wunderbaren Restaurants in Ieper/Provinz Westflandern (Danke nochmals, Jan, für die freundliche Einladung!) über Luxembourg zurück und nahm die Gelegenheit war, endlich einmal die bekannte Templerkirche in Roth an der Our selbst in Augenschein zu nehmen. Roth liegt direkt an der luxembourgisch-deutschen Grenze in einer Urlaubsgegend (deutsch-luxemb. -Nationalpark), am Westrand der Eifel. Die Kirche selbst liegt hoch über dem Ort an einem Prallhang der Our.

Ich zitiere aus Wikipedia:

„1154 wurde der Ort in einer Besitzbestätigung des Papstes Hadrian IV. für das Simeonstift in Trier erstmals urkundlich erwähnt. Damals war er noch ein größeres Landgut. Für eine ältere Geschichte spricht der Umstand, das Roth bereits vor diesem Datum Sitz einer Pfarrei war und die romanische Basilika angeblich auf eine Gründung des hl. Willibrord von Echternach (8. Jh.) zurückgeht. Um 1220 stieg die Bedeutung von Roth sprunghaft an, als dort der Sitz einer Kommende des Tempelordens eingerichtet wurde. Die Kommende ging nach der Aufhebung des Templerordens um 1314 an den Johanniterorden,..“   http://de.wikipedia.org/wiki/Roth_an_der_Our

Weiteres befindet sich im sog. Templerlexikon der Universität Hamburg von Anke Napp: http://www.templerlexikon.uni-hamburg.de/Frameset_R_dt.htm

Dort gibt es nähere Angaben und Literaturstellen der offenbar noch immer ungewissen Gründungsumstände und Zeiträume.

Die Kirche hat eine interessante romanische Apsis, offenbar einer Seitenkapelle

Über einem zugemauerten Seiten-Eingang wurde das Relief hier freigelegt

und zwischen den beiden Apsiden, der des Hauptschiffes und der seitlichen Apsis befindet sich diese Statue, die wohl nicht den Christus darstellen soll. Vielleicht ist es Willibrord, der Gründer? Es ist jedenfalls eine ungewöhnliche Zier einer Templerkirche. Vielleicht kann ein geneigter Leser helfen?

2 Gedanken zu „2011 Flandern, Artois und Eifel

  1. Claude Fox

    Hallo Markus,

    es freut mich dass es mit deiner Homepage weitergeht. Ich habe die gute Nachricht bei unseren französischsprachigen Freunden vom „Projet Beaucéant“ gepostet. Ich sehe dass du keine Fotos vom Innern der Rother Kirche hast… Ich habe da so meine Kontakte , falls du mal in der Gegend bist dann kannst du dich ja mal bei mir melden.

    Uebrigens soll das Rother Männchen rein gar nichts mit den Templern zu tun haben und eher einen frühchristlichen Ursprung haben (es stammt eher wie du es sowieso angedeutet hast aus der „Wilibrordzeit“ als aus der „Templerzeit“).

    Bis dann!

    Claude

    Antworten
    1. markus

      Lieber Claude,

      vielen lieben Dank, dass du meine HP mal wieder besuchst hast. Ich werde mich das nächste mal gerne bei dir melden

      Meine lieben geneigten Leser, Claude ist der Mitarbeiter der mit viel Grundlagenforschung gestützen französischsprachigen Seite http://www.templiers.org,
      deren regelmässige Lektüre ich jedem wirklich interessierten Templerforscher empfehlen möchte.

      Liebe Grüße Markus

      PS und ja, die Kontakte in Roth würden mich interessieren….

      Antworten

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