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2012 Bretagne, Teil I

 

Im Sommer war Familienurlaub in der Bretagne gebucht. Wir waren in einem gemütlichen Ferienhaus etwas südlich der quirligen kleinen Hafenstadt Paimpol, genauer in der Gemeinde Plouézec, 22 Côtes-d’Armor, einquartiert. Dort – in Paimpol – sitzt man abends in einem der zahlreichen Restaurants rund um den Hafen mit einem fantastischen Blick aufs Meer (d.h. falls es mal da ist, das ist da oben nicht so sicher) und ißt Muscheln oder Galettes. Es war in erster Linie Erholung angesagt und ich hatte die Reise diesmal templermässig überhaupt nicht vorbereitet. Wir wollten uns nach Tagesform treiben lassen. Wir wussten auch noch nicht, welchen Radius für Ausflugsfahrten wir uns stecken wollten, und so liessen wir die Dinge einfach auf uns zukommen. Wir hatten ja sonnige zwei Wochen garantiert. So staunten wir häufig nicht schlecht, was wir alles mehr oder weniger zufällig in unserem Urlaub „entdecken“ durften. Es machte uns manchmal sprachlos. Man darf aber auch nicht vergessen, dass die Région Bretagne vermutlich die am dichtesten „betempelte“ Gegend von ganz Frankreich sein dürfte. Und so ist es nicht unbedingt eine Ausnahme, sondern eher die Regeln, bei ausgedehnten Ausflügen in Templerorten zu landen.

Einer der ersten Ausflüge führte uns südlich  über die Uferstrasse D786 nach Saint-Brieuc (bretonisch: Sant-Brieg), eine Stadt mit ca 46. tausend Einwohnern).

1. St. Brieuc

Wir trafen auf eine lebendige Kleinstadt, mit vielen schönen Plätzen, Cafés und Restaurants und einer ganz zauberhaften Altstadt mit unzähligen Fachwerkbauten, nach vermutlich englischer Ständerbauweise, recht typisch für diese Region.  Ich hatte irgendwie im Hinterkopf, dass die Templer (natürlich!) auch hier einen Stützpunkt hatten. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, dass davon noch irgendetwas übrig sein würde. In Städten war der Baugrund schon immer teurer Luxus und so ist klar, dass profane Templergebäude in den Städten – anders als auf dem Land – regelmässig keinerlei Überlebenschancen hatten. M.W. sind die einzigen profanen Stadtbehausungen der Templer im Original nur noch in Cahors, Beaugency und Caudebec-en-Caux erhalten.

St. Brieuc, bitte sehr:

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Ich lasse jetzt mal die Macht der Bilder sprechen und halte mich mit Kommentaren zurück:

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Jetzt wurde es auf einmal interessant! Hier sieht man, wie manche der Häuser, die wohl eher nur ca. 400 -500 Jahre alt waren, mit Hilfe von Bauelementen aus dem Mittelalter errichtet oder geschmückt wurden.

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Aber es sollte noch viel gruseliger kommen! Völlig ahnungslos spazierten wir an einem Fachwerkhaus vorbei, welches an der Stelle des früheren Templerhauses stand!!! SONY DSC Nichts scheint darauf hinzuweisen. Das Haus ist eher aus dem 16. Jahrhundert. Wie langweilig! Bis meine Tochter mich schließlich darauf aufmerksam machte, dass sie am Haus ein veritables Templerkreuz entdeckt hat:

SONY DSCmaison des templiers, Saint – Brieuc

 Bei genauerer Nachschau konnten wir noch eine ganze Reihe anderer Balken und Ständer entdecken, die ersichtlich aus einem Vorgängerbau stammten und offenbar zu Dekorationszwecken in den späteren Bau eingefügt wurden.
SONY DSCfleur-de-lys, Zeichen königlicher Macht in Frankreich und Herz

SONY DSC Sonnensymbol, maison des templières, St. Brieuc

Gerade der letzte Ständer zeigt deutliche Spuren der Nachbearbeitung. Es ist danach sicher, dass er nicht ursprünglich für dieses Haus gebaut worden war.

2. „Le Temple du Lanleff“

Der nächste Zufallsfund sollte keine 10 Kilometer von unserem Urlaubsdomizil entfernt liegen. Es handelt sich um eine recht berühmt gewordene Ruine eines Rotundenbaus, um den sich jahrhundertelang die Legendenbildung rankte. Keltisch? Gallo-römisch? Merowinger? Gar die Tempelritter? Im Volksmund heißt das Gebäude immer noch „Le Temple“ Ich hatte mich vor einigen Jahren einmal mit diesem Mysterium befasst.

SONY DSCSte-Marie de Lanleff, 22290 Lanleff, Côtes d’Armor

Offiziell ist das Bauwerk unter der Bezeichnung „nicht christliches, religiöses Bauwerk“ im amtlichen Denkmalverzeichnis notiert:

http://www.culture.gouv.fr/public/mistral/merimee_fr?ACTION=CHERCHER&FIELD_1=REF&VALUE_1=PA00089253

Der französische Denkmalpfleger (und frühere Schriftsteller) Prosper Mérimée (1803 – 1870) ging davon aus, dass die Kirche von den Templern gebaut worden sei. Er liess sich wohl davon leiten, dass die Templerkirchen der Zentralen des Ordens in London und Paris ebenfalls als Rundbau ausgeführt waren. Dieses Konzept geht vermutlich auf den Amstkollegen Mérimées, den Denkmalpfleger und Architekten Eugène Viollet-le-Duc (1814 – 1879) zurück.  Dessen Mythos, dass die Templer eine Vorliebe für Kirchen mit zentralem Grundrissgehabt hätten und dass das etwa mit der geheimen Alchimie von Zahlen zu tun haben könne, ist nach Alain Demurger (Die Templer, Aufstieg und Untergang, 2005, S.159) völlig unbegründet und nicht einmal mathematisch belegt. Bereits Élie Lambert hat sich in einem auch von Demurger zitierten Aufsatz im Jahre 1954 gründlich mit dem Mythos einer angeblichen Templerarchitektur befasst und diesen überzeugend widerlegt (Élie Lambert, L’Architecture des Templiers, in Bulletin Monumental, Hrsg. Société française d’Archeólogie, Tome CXII, 1957, S.129 – 165).

Die Templer haben den weder Rundbau noch den zentralen Polygonbau erfunden. Auch ist eine solche Architektur keine Spezialität des Templerordens. (Demurger, S. 160). Es gab solche Vorbilder schon lange vorher, etwa die Pfalzkapelle in Aachen, die sich an der Anastasis der Heilig-Grab-Kirche in Jerusalem orientierte (Demurger, a.a.O) Die wenigen polygonalen Zentralkirchen sollen mit dem Felsendom in Jerusalem stehen, aber das ist unsicher (Demurger, aaO).

Nach meinen eigenen Feststellungen lassen sich die Rund- oder Zentralbauten der Templer auf einen verschwindend geringen Prozentsatz reduzieren, während die einfache Rechteckbauweise mit einem Prozentsatz von über 90 dominiert. Hier irrt m.E. Demurger, wenn er annimmt, dass dieser vermeintlich begrenzte Bautypus auf West- oder Mittelfrankreich (S. 161) beschränkt sei. Ich fand diese Rechteckkapellen nicht nur in Ostfrankreich (z.B. Avalleur, Champagne und Toul, Lothringen), sondern auch in Polen. Sie gibt es nach meinen Feststellungen (mit dem zentralen Drehkreuz im Burgund) von dem Bordelais bis nach Lothringen und von der Bretagne bis zu den Pyrrenäen. Wenn ich mal Zeit finde, werde ich über die Verbreitung von Baustilen der vermeintlichen Templerarchitektur dereinst mal eine Datenbank aufbauen. Man wird feststellen müssen, dass die Templer häufig einfach nur die lokalen Bautraditionen übernommen haben (Demurger, S. 162). Zu einem nicht geringen Teil schliesst sich an die rechteckige Grundform von Templerkapellen eine halbrunde Chorapsis (z.B. Mesnil-St.-Loup, Champagne) oder eine polygonale, sogenannte Radialapsis (Villedieu, Elancourt, Dept. Yvelines) an.

In England gibt es Rotunden bei Templerkirchen sicher weitaus häufiger (Lambert, S. 143), etwa Garway, Bristol, Temple Bruer und ganz besonders die Ruine der Templerkapelle von Dover

Reste der Templerkirche von Dover. (Foto Jan Hosten)

Aber Rotunden gibt es auch an englischen Kirchen, die rein garnichts mit den Templern zu tun haben, wie etwa die Rotundenkirche in Cambridge (Lambert, S. 143). Ich meine, die Vorliebe der Briten für solche Rotunden geht wohl auf pagane Vorbilder, wie Steinkreise, zurück. Demurger ist der Ansicht, dass auch ein Zusammentreffen mit anglo-normannischen Traditionen diese lokale Vorliebe befördert haben mag. (a.a.o. S. 160).

Generell möchte ich festhalten, dass die Verwendung des Wortes „Temple“ in einer Ortsbezeichnung nicht geeignet ist, eine etwaige Templerpräsenz auszumachen. Ein Tempel ist in erster Linie ein nicht christliches Heiligtum. Damit sind zunächst sämtliche griechischen, römischen und gallo-römischen Bauwerke erfasst. Aber auch evangelische Kirchen heissen in vielen Gegenden Frankreichs heute noch „Temple“! Lanleff hat jedenfalls nichts mit der Templerforschung zu tun.

3. Créac’h

Die nächste Station ist nicht zufällig gewählt. Die Templerkapelle von Créac’h ist in der Literatur bestens beschrieben. Laurent Dailliez etwa skizziert sie in seinem Büchlein La France des Templiers, 1974 (S. 121 f.) als stilistisch völlig isoliert und im übrigen verloren in mitten  einer Ansammlung von Ruinenresten in den Feldern. Die Kapelle befindet sich im Gebiet der Gemeinde  22960 Plédran, etwas südlich von St. Brieuc.

SONY DSC Templerkapelle Le Créhac, 22960 Plédran

Die Kapelle ist erstmals in 1182 als Templerbesitz urkundlich erwähnt, unter dem Namen Crihirac (Guillotin de Courson, Les Templiers en Bretagne,  Nantes, 1902, Neuauflage von 2001, S. 191 f.) Der Boden der Ende des 17.  Jahrhunderts renovierten Kapelle ist mit Grabplatten von Templer gepflastert.

SONY DSCAnsicht von Südosten

4. Moulin du Temple, St. Jean du Temple, 22170 Plelo

Der nächste Volltreffer war wieder ein absoluter Zufallsfund. Wir fuhren von St. Brieuc zurück nach Paimpol und nahmen diesmal nicht die D 786 am Meer, sondern eine Route weiter im Landesinneren über die D 6. In einer starken Linkskurve bemerkten wir rechts einen Parkplatz und dieses Verkehrsschild:

SONY DSCAuf dem Parkplatz selbst war nichts weiter zu sehen, aber es führte ein absurd steiler Weg die Böschung hinab Richtung Trégan und La Corderie.  Untem im Tal fand sich eine kleine Ansammlung noch kleinerer Häuser und Gebäude, deren Ursprung gewiss alt, aber schlecht zu schätzen war.

SONY DSCDie Häuser waren gut in Schuß und bewohnt. Ich habe daher auf eine genauere Inspektion verzichten müssen.

SONY DSCNach der Grösse der Fenster dieses Hauses stammt es nicht Templerzeit. Die Ausführung der Fensterlaibung in massiven behauenen Steinen spricht aber auch entschieden dagegen, dass das Haus modern sei. Ich schätze die Grundmauern dieses Gebäudes hier auf 16 Jhr. Eventuell ist es aber auch ein Neubau unter Verwendung alter Steine.

SONY DSCDas Gebäude wird wohl aus der Templerzeit stammen. Man erkennt es an dem gotischen Türsturz der linken Tür: arc brisée. Wie man deutlich sieht, ist das Haus nach rechts hin erweitert worden.

SONY DSCTemplermühle, Plelo, Côte d’Armor

SONY DSCDas Haus im Vordergrund war das Mühlengebäude. Es steht direkt am Bach L’Ic und links unten am Bildrand kann man die Ablaufrinne des Mühlkanals sehen. Das Mühlrad war nicht mehr vorhanden, aber noch einige Installationsreste an der Basis des Hauses.

5. Lannouée

Ein weiterer Ausflug hatte die bezaubernde mittelalterliche Stadt Dinan mit ihren 3000 Metern intakter Stadtmauer zum Ziel. Auf dem Weg dahin war als Templerlocation die Kapelle La Nouée schnell ausgemacht. Sie sollte sich in der Nähe der Stadt Yvignac befinden, etwa 5 Kilometer nordöstlich davon. Die Such im Nahbereich des Ziels brachte uns an einige mittelalterliche landwirtschaftliche Nebengebäude.

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Es waren keine Schilder angebracht aber ich gehe davon aus, dass diese Häuser zur Commanderie von Lanouée dazu gehörten. Sie stammen jedenfalls unzweifelhaft aus dem 12 Jahrhundert.

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Man darf den Weiler Lanouée im Gebiet der Gemeinde Yvignac nicht mit einem 40 Kilometer entfernt im Departement Morbihan liegenden, gleichnamigen Ort 56120 Lanouée verwechseln! Wir lagen hier richtig, wie das Schild beweist:

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Und da war sie auch schon, die Templerkapelle von Lanouée.  Diese wurde im Jahre 1182 gegründet und ihr Name wurde unter folgenden Schreibweisen aktenkundig: Lanhoe, la Noueix, la Nouaye, Lannoeix. Sie ist eine der ältesten Gründungen des Ordens überhaupt. (Guillotin de Corson, a.a.O., S. 188, 189).SONY DSCIch war ganz überrascht, diese Kapelle so renoviert anzutreffen. Ich kannte die düsteren Schwarzweiss-Bilder aus Dumontier, Les Templiers en Bretagne etc.., aber das Buch ist von 1980 und die Fotos vielleicht noch viel älter. Früher war die Kapelle stark mit Efeu umrankt und von Bäumen und Büschen versteckt.

SONY DSCWie man sieht , ist es dort jetzt schön aufgeräumt und ordentlich.

SONY DSCIm Hintergrund kann man erkennen, dass sich jemand kürzlich dort auf dem Gelände ein Gehöft zu Wohnzwecken hergerichtet hat. An dessen Tor prangt ein Schild „la Commanderie“.

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6. Yvignac

Nach Aubarbier (S. 134) sollen die Templer in der nahen Kleinstadt Yvignac für den Bau der Pfarreikirche St. Malo verantwortlich gewesen sein. Immerhin gibt es dort schon einmal ein Restaurant, was nach den Rittern benannt wurde:

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Der Kirchturm ist von 1874 SONY DSCAuch die Kirche selbst zeigt zahlreiche Modernisierungsarbeiten aus dem Ende des 19 Jhr., die erforderlich waren, um den drohenden Zerfall und Abriss abzuwenden.

SONY DSCDas Innere des Hauptportals verrät den Ursprung der Kirche im 12. Jhr.

SONY DSC Die drei Fenster sind für Templerkirchen typisch. SONY DSCEin Hinweisschild der Gemeinde besagt, dass die Kirche entweder von den Templern oder von einer anderen lokalen Herrschaft gebaut wurde, offenbar lässt sich das nicht genauer in Erfahrung bringen.

Neben der Kirche befindet sich eine ca 1000 Jahre alte Eibe, deren Baumstamm ausgehöhlt ist. Die Eibe (frz. If) soll dem Ort den Namen gegeben haben

Eine kleine Kuriosität am Rande: Yvignac ist mit einem Ort Ivenack in Deutschland verschwistert und der hat nicht nur einen ähnlich klingenden Namen. Er ist ebenfalls für mehrhundertjährige Bäume berühmt!

SONY DSCDirekt neben der Kirche dieses doch typische Beweiszeichen, was wir aus vielen anderen Templerbesitzungen kennen, sogar aus Deutschland (Süpplingenburg).

SONY DSCDas dürfte ein Templerkreuz sein.

 7. Le Temple, Jugon les lacs

Auf der Fahrt von und nach Dinan sah man von der Schnellstrasse aus eine Ausfahrt Jugon-les-Lacs und Le Temple. Das ist eher auch wieder ein Zufallsfund, ich konnte mich an diese Ortsbezeichnung nicht erinnern.

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Wir trafen auf weit verstreut liegende Gehöfte, einige davon hatten sehr alte Bausubstanz zu zeigen.

 

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SONY DSCDas hier scheint mir ein Volltreffer zu sein. So sehen viele ländliche Commanderiegebäude der Templer aus, etwa … in Lothringen. Wie man sieht ist das Haus bewohnt, sodass ich nicht weiter ging.

Die Nachschau bei Aubarbier (S. 135) ergab, dass dieser Ort der Templerliteratur bekannt ist und dass es sich hierbei um eine Dependance der Commanderie von Lanouée gehandelt habe.

8. Dinan und St. Malo

Hier ist ein kleiner Abschnitt der angeblich 3000 Meter Stadtmauer von Dinan:

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22100 Dinan

In grösseren Städten hatten die Templer zumeist jeweils auch Niederlassungen. Auch für Dinan (Aubarbier, S. 135) und St. Malo (ders., S. 143) scheint das zu gelten. Zu sehen gibt es in Städten, insbesondere in Grosstädten zumeist nichts mehr. Kirchen der Templer gibt es schon öfters mal auch mal in Städten zu sehen(z.B. Avignon), aber an Kirchen wagt man sich mit der Abrissbirne ohnehin nicht gerne heran. Schon garnicht in Frankreich. Profanbauten hatten da weit weniger Glück. Es macht praktisch keinen Sinn, in Grossstädten nach Templermauern (Z.B. in Mainz gibt es eine) zu suchen.  In Dinan soll das Templergebäude an der Stelle des Konvents der Cordeliers (Franziskaner)  gestanden haben . Wir fanden immerhin einen Nachtclub, der an den Orden erinnern möchte:

SONY DSC Nachtclub „Les Templiers“ in Dinan

In St. Malo fiel uns per Zufall ein Strassenschild ins Auge:

SONY DSCEscalier de la Préceptorie, 35400 St. Malo

Preceptorie ist ein anerkannter Templerbegriff. Der Präzeptor ist ein wichtiger Dienstgrad und manche Templereien, z.B. Preceptorie de Centernach tragen das Wort im Namen. Vielleicht hilft unser Hinweis ja weiter…. St. Malo wurde 1944 fast total zerstört. Es erübrigte sich also die Nachschau nach Templersteinen.

Frankfurt am Main, Oktober bis November 2013

 

 

 

 

 

2012 Normandie

Den Osterurlaub verbrachten meine Frau und ich in der Normandie, genauer gesagt, im Departement 50 Manche und Umgebung.  Weil die Vermieterin unserer absolut traumhaften Unterkunft eine gute Freundin von mir ist, gestatte ich mir, ein bischen SCHLEICHWERBUNG für ihr Domizil in Le Mesnil-Tove dort zu machen:

http://www.fewo-direkt.de/ferienwohnung-ferienhaus/p529818

Wir hatten dort einen schönen Urlaub mit Kaminfeuer, phantastischem Fernblick, paradiesischer Ruhe und eben auch der sprichwörtlichen normannischen Gelassenheit. Unsere Unterkunft befindet sich in der Nähe der Stadt 50300 Avranches. Die Gegend spielte eine grosse Rolle bei der sog. D-Day Operation, die das Ende des 2. Weltkrieges einleitete (sog. Avranches-Durchbruch).

Avranches, früher selbst Bistum, gehört seit längerem zum Bistum Coutances und dort gibt es eine berühmte und absolut sehenswerte gotische Kathedrale:

SONY DSC Notre-Dame de Coutances, 1056 erbaut

SONY DSCAnsicht von Südosten

SONY DSCBlick in den Turmhelm, manche erblicken dort ein Templer-Tatzenkreuz

Wir hatten nur eine Woche und viel Ruhebedürfnis. Das begrenzte die Möglichkeiten zur Templersuche. In dem Departement Manche gibt es nur eine (gesichert festgestellte, vgl. Michel Lascaux, Les templiers en Normandie, S. 10) Commanderie der Templer in 50613 Valcanville, im Nordosten der Halbinsel der Manche. Das waren ca. 150 Km Entfernung und die schienen sich nicht mal zu lohnen. Denn alles wurde mehrfach umgebaut, sowohl die Kirche ab 15 Jahrhundert als auch die Commanderiegebäude im 17. und 18. Jahrhundert. (Lascaux, a.a.O. S. 12). Die nächste Templerei für uns lag im Nachbardepartement 14 Calvados, in der Gemeinde Vassy. Ihr Name Courval (Corval im 12. Jh) leitet sich wohl von vallée courbe (gekrümmtes Tal) ab. (Lascaux, a.a.O. S. 13)

Es war garnicht so einfach, diese Commanderie zu finden. Zunächst stiessen wir  gelegentlich auf landwirtschaftliche Gebäude, die aus dem Mittelalter stammen.

SONY DSCcommune de 14410 Vassy, hameau de Courval, Stallung

SONY DSCweiteres landwirtschaftl. Nebengebäude

Wir fragten hin- und wieder nach dem Weg und schliesslich erhielten wir den Tip, wir müssten nach einem Feldweg suchen, der „l’hôpital“ heisst. Davon gab es zwei, aber schliesslich landeten wir richtig:

 SONY DSCcommanderie des templiers, Courval

SONY DSCTemplerkapelle, äusserlich noch recht intakt

Es gab wohl früher in der Literatur einen Streit, ob diese Einrichtung überhaupt den Templern gehört habe. So wurde behauptet, Richard Löwenherz habe dieses Lehen 1192 den Johannitern geschenkt. (Michel Dumontier, Sur les pas des templiers, en Bretagne, Normandie, Pays de Loire, S. 124, m.w.N.) Dumontier weist aber nach, dass diese Sichtweise nicht zutrifft. Es gäbe entsprechende Akten aus 1126 und 1248. Letztere trüge den Siegel von Robert Payart, Präzeptor der Templerhäuser in der Normandie. So wurden nach der Verhaftung 1307 folgende Templer verhört: Etienne de Châteauneuf, Komtur von Corval, Richard Bellenguel und Guillaume Tane, Templer aus dem selben Haus. (Dumontier, a.a.O)

 

SONY DSCmaison der Komture, die Fenster sind 17. Jh.

 

SONY DSCKapelle, Innenansicht

Abschied von Calvados und Courval, ein letztes Bild von der Kapelle:

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 Ganz zum Schluss noch einen herrlichen Blick auf den Mont-St.-Michel, der bei keiner Normandiereise fehlen darf:

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Stand 03.11.2013

2011 Niedersachsen

Weitere Templerorte in Deutschland

Ich wurde vor einigen Tagen von einem Leser meiner Seite angesprochen, ob ich denn noch nichts von den Templerkirchen in Süpplingenburg und Mücheln gehört hätte, wenn ich schon über die Templer in Deutschland Untersuchungen anstellen würde. Meine diesbezügliche Seite von 2006 hatte da noch die Überschrift Templer in Deutschland. Ich hab das jetzt geändert und möchte an dieser Stelle allgemein darauf hinweisen, dass es schwer bis unmöglich ist, einen auch nur einigermassen kompletten „Katalog“ von Templerniederlassungen  herzustellen. Mein Leben würde dafür nicht ausreichen, es sei denn, das mit dem Lottogewinn würde endlich einmal klappen.

Jeder Autor, der sich mit dem Thema befasst, stösst irgendwann einmal an diese Grenze. Zum einen wird man feststellen müssen, dass reine Schreibtischarbeit nicht ausreicht, weshalb ich mich schon von Anfang an dazu entschieden habe, nur von solchen Orten zu berichten, die ich selbst bereist habe. Zum anderen muss man eine Vorauswahl der Orte treffen, die in einen solchen Katalog aufzunehmen sind. Manche Autoren listen Ortsnamen auf, in denen den Ordensrittern vielleicht nur mal eine Mühle oder ein Acker gehört hat, andere Autoren bezeichnen jede Templerkapelle schon als Komtureisitz. Es gibt brauchbare und fast komplette regionale Untersuchungen (z.B. Legras für die Charente und Miguet für die Bourgogne) und unzählige Bemühungen um einigermassen vollständige Listen im Internet, etwa die Site meines Bekannten Christophe Staf: www.templiers.org oder diese Site: www.templiers.net, dessen Betreiber leider auf Zuschriften nicht reagiert. Aber auch die Verfasser dieser Sites haben keine Chance, alle die beschriebenen Orte persönlich aufzusuchen und die in der Literatur gehandelten Angaben vor Ort zu überprüfen. Ein kompletter Templerkatalog wäre eine grosse Herausforderung,  ein rechtes Jahrhundertwerk, und ich bedauere, dass ich erst so spät damit angefangen habe.

Aber zurück zum Thema. Ich nahm den Hinweis gerne auf und benutzte eines der Wochenenden mit sog. Brückentag dazu, den längst überfälligen Abstecher zu den Templern nach Norddeutschland zu machen.

1. sog. „Tempelhaus“ in Hildesheim

Ob die Templer überhaupt jemals in Hildesheim ansässig waren, ist in der Literatur seit langem umstritten:  www.templerlexikon.uni-hamburg.de/Hildesheim.pdf. Das an dem wunderschönen Marktplatz von Hildesheim stehende Tempelhaus, das früher im Volksmund auch Tempelherrenhaus genannt wurde ist sehr beeindruckend, hat aber wohl nichts mit dem Tempelorden zu tun   ( http://de.wikipedia.org/wiki/Tempelhaus_%28Hildesheim%29).  Es ist erst nach dem Ende des Templerordens erbaut worden, steht aber an der Stelle eines früheren Gebäudes. Die meisten Wissenschaftler geben auf Volksmund-Erwähnung nichts, wenn es keine entsprechenden Urkunden oder Dokumente gibt. Natürlich sind viele Urkunden verloren gegangen und gerade im Zusammenhang mit dem untergegangenen Ritterorden wahrscheinlich sogar absichtlich unterdrückt worden und so gibt es – nicht nur in Deutschland – einige Unklarheiten, wie der Volksmund dazu kommt, manche Gebäude beharrlich den Templern zuzuordnen, obwohl wissenschaftliche Beweise fehlen. Wir sehen das Phänomen in Deutschland etwa auch noch bei dem Tempelherrenhaus in Köln und in zwei Orten des Odenwaldes, Erbach  und Amorbach (Original erhalten, eines der ältesten Fachwerks- und Profanbauten in Deutschland) und eben hier in Hildesheim:

sog. „Tempelhaus“31134 Hildesheim

Es war sehr schön auf diesem Marktplatz, ein mit Schnitzereien überladenes Fachwerkhaus stiehlt dem nächsten die Schau, traumhaftes Wetter und ein Jahrmarkt, der keine Wünsche offenliess. Ich machte mich auf zu meinem Nachtquartier in Königslutter. Dort gibt es einen Kaiserdom, mit einem der wohl eigenwilligsten romanischen Portale Deutschlands.

Basilika, 38154 Königslutter

und eine Stadtkirche, die mit „Templerornamenten bespickt“ ist, aber nach Aktenlage wohl nichts mit dem Templerorden zu tun hatte.

Agnus Dei und „Templerkreuz“, Stadtkirche, 38154 Königslutter

Steinkreuz, Stadtkirche, Königslutter

Solche wohl als Grenzsteine benutzten Steinkreuze habe ich  in der Nähe von Templerniederlassungen im Languedoc gefunden. Ich halte das hier nur fest und möchte damit nicht etwa zur Bildung von Legenden beitragen. Auf dem Marktplatz von Königslutter steht ein Mast mit den Winpeln und Wappen von Vereinen und der umliegenden Orte. Der Ort Gross-Steinum hat etwa als Wappen das Malteserkreuz der Johanniter, weisses Zackenkreuz auf rotem Grund. http://www.gross-steinum.de .

2. Süpplingenburg

Am nächsten Morgen traf ich mich mit meinem „Informanten“ in der einige Kilometer von Königslutter entfernten Ortschaft Süpplingenburg, Herrn Michael Stiewe, der vor Ort gern äusserst sachkundige Führungen – natürlich nach Anmeldung – übernimmt und der praktisch jeden Stein der Templerkirche in Süpplingenburg kennt. Sein Enthusiasmus, seine Sachkunde und seine regelrechte Leidenschaft für die Historie seiner Heimatstadt formt in mir den innigen Wunsch, dass sein Traum von einem kleinen Heimatmuseum unter seiner Leitung mit Unterstützung der richtigen Personen dereinst einmal Wirklichkeit werden möge. Die Gemeinde hätte einen grossen Nutzen davon, denn die Templerkirche von Süpplingenburg ist eine echte Attraktion, die viel zu wenig beworben und bekannt gemacht wird.

St. Johannes-Basilika, 38376 Süpplingenburg

Dieser Ausschnitt der Südfassade zeigt orientalisch anmutende Köpfe. Nach Ansicht des Autors Friedrich Bernd weisen diese noch erhaltenen Schmuckformen auf die Templer hin. Man erkenne spätantike, orientalische und normannische Einflüsse an den Gesichtszügen, Barttrachten und Kopfbedeckungen (Bernd, Friedrich, Die Stiftskirche und spätere Ordenskirche der Tempelritter auf der Stammburg Kaiser Lothars von Süpplingenburg, in Braunschweigisches Jahrbuch, Band 63, S. 31ff, S. 41. Der Aufsatz wurde mir freundlicherweise von Michael  Stiewe überlassen .

Detail vom Nordportal

Dieses Foto zeigt sicher kein Ornament aus der Templerzeit. Die Arbeit ist vergleichsweise modern. Die neuzeitlichen Steinmetze könnten sich aber am vorher dort vorhandenen Ausgangsmaterial orientiert haben und das könnte für mich eine lange schon offene Frage bezüglich der Ornamente der Templer – falls es so etwas überhaupt gibt – klären.  Die runden Ornamente stellen offensichtlich eine geschlossene und eine sich gerade schliessende Blüte dar, nach Meinung Michael Stiewes ein Symbol für Alpha und Omega, den Beginn und das Ende des Seins. Der Sichtweise schliesse ich mich gerne an und verweise auf ein damit wohl endlich zu klärendes  Ornament der Templerkapelle in Cressac:

Fresko, 13. Jh.

chapelle des Templiers de CressacCressac-St. Genis, 16 Charente

Die Ähnlichkeit der beiden kreisförmigen Symbole mit den Punkten in den unteren Kreuzvierteln und dem oben gezeigten Portal dürfte eine schlüssige Erklärung liefern, dass hiermit ebenfalls Blüten symbolisiert werden sollten. Es ist mindestens eine brauchbare Hypothese.

Weltweit einzigartig dürfte folgendes Ornament an der Decke des südlichen Querhausflügels sein: Vier sogenannte Patriarchenkreuze, ins Kreuz zueinander gestellt.

Decke des südl. Querhausflügels, Basilika Süpplingenburg

Zum Schluss noch ein Blick in das innere der recht bunt gestalteten Basilika. Die Neigung der Wände zeigt, dass die Erbauer hier gegen einen anspruchsvollen Untergrund anzukämpfen hatten. Süpplingenburg kommt von Sumpf. Nicht das erste mal, dass die Templer solch problematisches Terrain „erbten“ und gezeigt haben, dass sie mit den Tücken ganz gut zurechtkamen. Der Autor Bernd (aaO) meint, hier armenische Architekturelemente zu erkennen.

Es wurde Zeit, hier aufzubrechen und dem Land Niedersachsen den Rücken zu kehren, denn ich hatte vor auf der Rückfahrt nach Frankfurt noch eine Templerlocation in Sachsen-Anhalt zu besichtigen, was ich ebenfalls schon lange vorhatte.

3. Mücheln

Über Helmstedt fuhr ich also zunächst nach Osten, vorbei an den Templerorten Haldensleben und Magdeburg, die ich dieses Mal nicht besuchen konnte, und dann nach Süden, Richtung Halle. Mücheln ist wohl die am besten in ihrem Originalzustand erhaltene Templerkirche in ganz Deutschland. Die Bauzeit wird mit 1260 bis 1280 angegeben (Lehmann – Patzner, die Templer in Mitteldeutschland, S. 87). Der Baustil des Kirchengebäudes ist rein gotisch. Lediglich die Architektur des Dachstuhls erscheint mir nachträglich errichtet.

Liebfrauenkirche Mücheln06198 Wettin

Templerkirche Mücheln, Westfassade mit (begehbarem) Treppenturm

Fresko im Innern

Ostchor

gotisches Südportal

Beschreibung im Dachstuhl des Gebäudes

2011 Herault

Templer im Departement Herault

Die Osterferien verbrachten wir an der südfranzösischen Küste, zwischen Sète und Béziers, in dem kleinen Weinort Pinet. Hier kommt der recht bekannte, ebenso süffige wie preiswerte Wein namens Picpoul de Pinet her.

 www.picpoul-de-pinet.com

 Der nächste grössere Ort heisst Marseillan, Wiege des besonders bei Sterneköchen weltweit beliebten Spitzenwermuts der Marke „Noilly Prat“.

 Marseillan öffnet seinen Hafen in den Étang de Thau, ein Binnengewässer, in dem der  Canal du Midi endet. Inzwischen muss ich mir meine Reiseziele schon lange nicht mehr danach aussuchen, ob dort irgendwelche Templerniederlassungen gefunden werden können. Es ist nun eher andersherum. Man kann fahren, wohin man will und sich dann dort umsehen, wo genau sich die nächstgelegenen Templerorte befinden, inwieweit  sie in Reichweite liegen. Wie gesagt, das Netz der Templer ist in Frankreich  so dicht wie das der grossen US- Fastfoodkette. Und so wundert es mich auch nicht, dass Marseillan selbst ein Templerort war. Dort unterhielten die Templer bereits einen Hafen (Aubarbier, S. 257), vermutlich um Weine zu exportieren. Vielleicht wurden hier auch die Pferde verschifft, die die Templer im Larzac züchteten. Doch dazu später.

1. Cazouls d’Herault

Ein paar Kilometer entfernt von unserem Domizil steuerten wir zunächst den Ort Cazouls an. Das Château der Templer soll aus dem Jahre 1203 (Aubarbier, S. 257) stammen und auch eine Kapelle beherbergen. Von aussen wird sich feststellen lassen, dass der Turm weitgehend original erhalten sein dürfte, während die Fenster des Hauptgebäudes aus dem 16. Jahrhundert stammen  dürften, wie so oft.

Château-des-Templiers34120 Cazouls

2. Lézignan-la-Cèbe

Nur ein paar Kilometer davon entfernt befand sich unsere nächste Etappe. Zwischen 1150 und 1200 teilten sich die Templer die Herrschaft über diesen Ort mit dem Abt von Aniane (Saint-Guilhelm-le-Désert = Pilgerort von überragender Bedeutung). Ihr ehemals stattliches Haus dort existiert leider nicht mehr, aber zwei Tore der templerischen Befestigungsanlage sind noch auszumachen.

Der Ort verdankt seinen Namen der Cèbe, einer süssen Zwiebelsorte, die ihn im 16. Jh. wohlhabend gemacht hat.

Rue des Templiers34120 Lézignan-la-Cèbe

3. Pézenas

Ebenfalls in der Nähe befindet sich die Stadt Pézenas, gegründet ca. 300 v. Chr (Wikpedia) mit ihren knapp 8500 Einwohnern.  Die Altstadt ist berühmt für ihre prachtvollen Häuser und Hotels aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit den offenen Treppenhäusern. Die Templer hatten hier ein Maison (Bordonove, Les Templiers, Fayard 1977, S. 258). Das heute sichtbare Gebäude war Sitz der Commanderie der Johanniter. Es stammt aus dem 16. Jh. und steht exakt an der Stelle des früheren Templerhauses.

Ancienne Commanderie de Saint-Jean de Jérusalem34120 Pézenas

4. Le Peyrat

Wieder nicht allzuweit entfernt von Pézenas befinden sich die stattlichen Überreste der grossen Commanderie von Peyrat auf dem Gebiet der Gemeinde 34311 Tourbes, heute ein Weingut: www.seigneuriedepeyrat.com. Zutritt nicht erwünscht. Nach Aubarbier (S. 257) beherbergt das Gut eine Templerkapelle mit Fresken und das Maison du Maître.

commanderie de 34311 Peyrat, commune de Tourbes

5. Nébian

In Nébian gibt es nach Aubarbier ein Templerhaus aus dem 13. Jahrhundert UND eine Commanderie der Johanniter, gegründet 1147. Ich habe nur die letztere gefunden und um nicht mit „leeren Händen“ dazustehen, zeige ich halt dieses Gebäude. Es lohnt sich auch 🙂

Die Templer werden ihren „Kollegen“ sicher mal einen Besuch abgestattet haben ….

Johanniter- oder Malteserkreuz über dem Haupteingang

Ansicht von der Ortseinfahrt

6. Cabrières, Les Crozes

7. Domaine Les Templiers

2011 Charente, Medoc

Templer in der Charente und Aquitanien, Teil 3

Ein weiterer Geschäftstermin brachte mich mehr oder weniger zufällig – per TGV, 1. Klasse, ein rasantes und angenehmes Vergügen – in ein mir schon recht gut bekanntes Templergebiet an der französischen Atlantikküste. Es ist die Gegend zwischen La Rochelle und Bordeaux, die betreffenden Régions von Frankreich heissen heute Charente-Poitou und Aquitaine. Die Departements, 17 Charente-Maritime und 33 Gironde, die ich besuchte grenzen aneinander. Nach dem Eintreffen, mein Zug hielt in Surgères, ging es über die letztens noch offengebliebene Templerdomaine in Le Mung zu meinem Quartier in der Nähe der Stadt Saintes. Auch hier blieb genug Zeit, noch immer vorhandene „Templerlücken“ in dieser Ecke Frankreichs zu füllen. Surgéres und Saintes befinden sich im Departement Charente-Maritime.

Le Mung

Es ist meinem dort ortsansässigen „Forschungskumpanen“ Rein Denich in der Zwischenzeit durch Zuhilfename von alten Karten und hochaufgelösten Wanderkarten gelungen, Licht in das Dunkel dieser Angelegenheit zu bringen. Die Commanderie befindet sich nämlich nicht auf dem Gebiet der heutigen politischen Gemeinde Le Mung, sondern vielmehr dem der Gemeinde Geay, und zwar an einer Furt der Charente, die früher eine Rolle gespielt haben wird. Heute sieht man noch die betreffenden Strassen von beiden Seiten auf die Ufer der Charente zulaufen, aber die Furt ist jetzt gesperrt. Vermutlich ist sie für den Bootsverkehr ausgegraben worden.

Es gibt an der Stelle zwei Gebäude mit Resten aus der Templerzeit. Ein als „La Commanderie“ bezeichnetes Grundstück ist von diesem Haus bestanden. Es ist natürlich lange nicht mehr im Originalzustand, aber man kann Reste aus der Templerzeit noch recht gut erkennen. Das Haus wird zur Zeit von einem englischen Ehepaar bewohnt, nachdem sie es sich zuvor sehr liebe- und geschmackvoll hergerichtetet hatten. Wir wurden sehr gastlich aufgenommen, es ist keine Selbstverständlichkeit, in dieser Ecke der Welt ein gutgekühltes englisches Ale geniessen zu können. Die Eigentümer berichteten uns, dass das Haus vorher jahrzehntelang leer gestanden habe und völlig überwuchert war. Nicht wissend, dass es ein Templerhaus gewesen sei, berichtete mir die Eigentümerin, habe sie beim ersten Betreten des Hauses gespürt, dass es das „Richtige“ für sie gewesen sei. Die beiden sind da schon eine Reihe von Jahren drin, es gibt einen alten Brotbackofen, der noch intakt ist. Es steht jetzt zum Verkauf, da es sich als für die Bedürfnisse leider zu klein erwiesen hat.

Dieses Haus ist noch einige 50 oder 100 Meter von der Charente entfernt. Eine schnurgerade Strasse führt dorthin, wo sich ein Gehöft mit Stallungen und Wohngebäuden befindet und dort, direkt am Ufer der Charente fanden wir auch unsere langgesuchte Kapellenruine von Le Mung. Die Gebäude dieses Gehöfts könnten auch von der Basis her noch aus der Templerzeit stammen.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Royan, um mit der Fähre die Gironde zu überqueren. Die Gironde kann man wohl kaum noch als Fluss bezeichnen, eher als Fjord oder Meerbusen. Sie bildet hier die Grenze zischen dem Departement Charente-Maritime und dem Departement Gironde einerseits, sowie auch zwischen den Régions Poitou-Charentes und Aquitaine andererseits. Bei Royan mündet sie ins offene Meer und man konnte auch bei perfekten Fahrwetter eine starke Strömung des Gewässers feststellen. Im Mittalter barg das Überqueren an dieser Stelle sicher ganz erhebliche Risiken für Leib und Leben der Pilger, wurde aber praktiziert. Auf dem Weg zu unserem Termin blieb noch genug Zeit für einen ersten Ausflug zu den Templern auf dem Médoc.

Saint Vivien-de-Medoc

Was es genau hier einmal gab, von den Templern, war bislang noch nicht exakt in Erfahrung zu bringen. Die Website www.templiers.net listet den Ort und ordnet ihn einem angeblichen Maison du Temple de Grayan zu. Die Wanderkarte zeigt am südlichen Ortsausgang  östlich der Landstrasse D1 einen Ort „le Temple“ und weiter östlich davon befindet sich ein Eintrag les Près du Temple“. Etwas weiter südlich und von der Landstrasse nun westlich befindet sich eine Gemarkung „la Commanderie“ im Wald. Vor Ort fanden wir jedenfalls schon mal ein Strassenschild:

St. Germain d’Esteuil

Vertheuil, Le Mignot

Saint-Sauveur

La Commanderie, St. Estephe

St. Helene d’Etang

Benon

Le Temple de Sautuges

Martignas-sur-Jalle

2011 Franche-Comte 2

Templer in der Franche-Comté, Teil 2

Mein Mit-Forscher Thorsten Stute arbeitet – wie gesagt – am Buch über die Templer in der Schweiz. Er fand heraus, dass es unabdingbar ist, sich besonders um die Templereien in der Franche-Comté zu kümmern, ohne die das Problem der Templer mit der Schweiz nicht darstellbar sein würde. Ich will nicht zu viel verraten. Ich zeige nur einige Templerkapellen, die ich auf meiner ersten Reise in diese Région (bitte hier nachlesen) nicht „mitnehmen“ konnte. Wir nächtigten und speisten wieder hervorragend in unserer – meinem geneigten Leser bereits bekannten – immer noch sehr empfehlenswerten Bleibe in Champlive: http://www.auberge-chateau-vaite.com. 

 

1. Fay

Direkt nach unserem Eintreffen in unserer Bleibe am Freitag nachmittag, machten wir uns auf den Weg, die Ruinen der Kapelle von Fay nochmal zu suchen, die sich in der Nähe des Ortes Dammartin-les-Templiers befinden musste. Vgl. die erste Reise in die Franche-Comté. Thorsten hatte die Zwischenzeit genutzt und das Gelände ausgiebig und gründlich mit den Satelliten-Bildern von google untersucht. Den von ihm ins Auge gefassten Standort hat er sich per e-mail Anfrage vom Bürgermeister ders Ortes Dammartin-les-Templiers bestätigen lassen. Das Gelände steht in Privateigentum, sodass ich darauf verzichte, hier einen Lageplan einzufügen. Aber Bilder möchte ich schon zeigen:

Fay1Die farblich veränderte Grasnarbe zeigt die Lage der ehemaligen Umfassungs-Mauer des Komtureigeländes an.

Fay2Das sind Reste einer zusammengesunkenen Gebäude-Mauer. An manchen Stellen liegen noch von Menschenhand behauene Steine frei.

Fay3Die deutlichste Spur der Ruine: der Brunnenschacht

Der Bürgermeister sollte uns noch darauf hinweisen, dass er es sehr bedauert, dass die staatliche Denkmalpflege hier keinen Handlungsbedarf erkennt. Offenbar ist die Komturei einem Brand zum Opfer gefallen und wurde nicht wieder aufgerichtet. Das Abendessen im Château de Vaite hat uns jedoch aufgerichtet und uns bereits jetzt für die doch recht lange Anreise entschädigt.

Am nächsten Tag fuhren wir zunächst in Richtung Süden, ins Departement 39 Jura und untersuchten einige der dortigen Templerorte auf sichtbare Spuren. Auf unserer Tour durch die südliche Franche-Comté, auf den alten Wege von Dole in Richtung Schweiz besuchten wir die Region um Montagna-le-Templier.  Um 1237 bekamen die Templer dort rund 20000 km² Land vom Comte de Bourgogne geschenkt. In dieser hügeligen Waldregion bauten sie diverse Häuser und Kirchen. Während Montagna-le-Templier nur den Namen erbte, sind es die kleinen, angrenzenden Gemeinden, wo man Reste von den Templern finden kann, auf einem Hügel bei Villechantria, in Saint-Julien und in den Ruinen von La Creux. Für diese Orte, die alle etwas unzugänglich sind, bedarf es entsprechender Ausrüstung, über die wir nicht ausreichend verfügten. Thorsten Stute wird davon später noch berichten.


2. Montagna-le-Templier

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Waldkapelle, 39347 Montagna-le-Templier

Auf dem Weg dorthin begegnet man der Kapelle von St. Alban aus dem 15 Jhd. Es ist keine Templerkapelle, aber ein Ort mit irgendwie eigentümlicher Ausstrahlung. Eine Heilquelle entspringt hinter der Kapelle und fliesst unter ihr hindurch, Kranke wurden früher dort und der in der Nähe liegenden Maladerie gepflegt. Die Tür der Kapelle zeigt zum Wald.

3. Dramelay

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Kapelle, 39240 Dramelay

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Château de Dramelay, Geburtsort des 4. Grossmeisters der Templer, Bernard de Tremelay (1151 bis 1153)

Der Weg zur Burg und zu einer besonders schönen Kapelle war aufgrund der tagelang zuvor herrschenden, schlechten Witterung ab hier schlichtweg unpassierbar, es sei denn, wir hätten Neopren-Anzüge und eine kleine Planierraupe im Gepäck gehabt. Das muss man mal im Sommer erklimmen.

4. Chatagna

Etwas weiter nördlich von Dramelay befindet sich der kleine Templerort Chatagna  auf dem Gebiet der Gemeinde Chavéria. Ein winziger Ort, eine sehr hübsche Templerkapelle dominiert ihn.

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Chapelle des Templiers39270 Chatagna

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Rückseite, Kapelle von Chatagna.

 5. Graveleuse

Einige Kilometer nordwestlich von Chatagna erreichten wir unsere letzte Etappe für diesen Tag, die Templerkapelle von Graveleuse auf dem Gebiet der Gemeinde Rosay. Die Templerkapelle ist aus dem 12. Jhd. und dort unterhielten die Templer ab dem Ende des 12. Jhd. ein Hospiz (Aubarbier, S. 63 und Inschrift). Davon steht kaum noch etwas, aber auch diese Kapelle ist sehr hübsch. Sie befindet sich ausserhalb eines Ortes auf dem Gelände eines Bauerhofs und ist von einigen Mauerresten umstanden, die durchaus auch noch aus der Templerzeit stammen könnten.

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Chapelle des Templiers39466 Graveleuse

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Altar und Ostchor

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Malteserkreuz auf dem Schlussstein des Chors

Der Ort Graveleuse lag nach der Inschrift des Tableaus vor der Kapelle an der alten Römerstrasse von Lyon (Lugdunum) nach Besançon (Vesontio). Nun beendeten wir unsere Tour und freuten wir uns auf unseren Aperitif mit dem Bürgermeister von Dammartin-les-Templiers und auf unser Abendessen.

6. Montussaint

Am zweiten Tag stand unsere Hauptattraktion an, die Commanderie von Falletans bei Dole. Auf dem Weg dahin streiften wir den Ort Montuissant, nördlich von Baume-les-Dames. Dort soll es Templerkreuze aus Stein zu sehen geben (Aubarbier, S. 64). Vor der Dorfkirche, rechts neben dem Eingang fanden wir diesen kreuzförmigen Stein. Es gab in dem Ensemble noch einen Stein, der die sog. fleur-de-lys, die Lilienblüte, zeigte. Dieses heraldische Symbol steht in einem besonderen Bezug zu Frankreich.

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Dorfkirche25680 Montussaint

Es könnte sich um einen Grenzstein handeln, oder auch um eine Grabstele. Im Volksmund würde dieser Stein jedenfalls Templerkreuz genannt und es ist angegeben, dass diese Objekte sehr selten in der Gegend gefunden worden seien. Das eingravierte Kreuz mit den Querbalken an den Enden erinnert an das Jerusalemkreuz (Kreuz des Ritterordens des hl. Grabs von Jerusalem.) http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterorden_vom_Heiligen_Grab_zu_Jerusalem.

 

7.  Le Temple-lez-Dole, Dole – Falletans

Schließlich fuhren wir nach Dole, der Hauptstadt des Dept. 39 Jura. Dort waren die Templer auch begütert, aber es steht dort nichts mehr. Östlich vor den Toren von Dole befindet sich die Gemeinde Falletans, in deren Gebiet die Templerkomturei sich befindet. Die Kirche soll Steinskulpturen von Ritterköpfen zeigen, die wir aber nicht fanden.

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Eglise39700 Falletans

 

Die Kommanderie von Dole wurde nach 1131 als Erste in der Freigrafschaft gegründet. Einer der ersten Kommandeure war 1134 Bernard de Dramelay, welcher später für kurze Zeit Grossmeister des Ordens wurde. Die eigentliche Kommanderie liegt einige wenige Kilometer südöstlich in einer Ansiedlung mit dem Namen Le Temple rechtsseitig der Doubs, oftmals auch als Kommanderie von Falletans bezeichnet.

 Hinter einer alten, ehemals massiven Mauer findet sich das Hauptgebäude der Komturei, dessen Erdgeschoss ein herrliches Tonnengewölbe aus dem Mittelalter aufweisen soll. Das Anwesen ist derzeit offenbar verlassen, es wurde zuletzt von einem Künstler bewohnt.

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Maison des Templiers39700 Temple-lez-Dole

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Schild am ehemaligen Haupteingang der Komtureianlage

Hier endete unser Ausflug in die Franche-Comté, wir verabschiedeten uns von unseren wahlschweizerischen Mitforschern und kehrten getrennter Wege nach Hause zurück.

2011 Flandern, Artois und Eifel

Templer in Flandern, Artois und Eifel

Eine Geschäftsreise brachte mich zu Beginn der diesjährigen „Templersaison“ an die deutsch belgische Grenze. Es war ein Freitag, und so beschloss ich, mir die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen und das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Ich besuchte meinen inzwischen langjährigen Freund und Templerforscher Jan Hosten in Belgien und auf dem Weg dahin konnte ich zwei bekannten Templerorten meine Aufwartung machen.

1. zwei Templerorte in Belgien

Ich benutzte den Grenzübergang zwischen Aachen und Lüttich, oder besser Liège, denn wir befinden uns hier in der Wallonie, wo man bekanntlich französisch spricht. Auf dem Gebiet der Gemeinde 4550 Nandrin, Province de Liège, befindet sich ein kleiner Ort Namens Villers-le-Temple. Der  Gründer der Commanderie, ein Gerard de Villers hat sich hier im Jahre 1274 mit einem eindrucksvollen Grabstein bestatten lassen. Dieser Grabplatte verdanken wir viel Wissen über die Einhaltung der Regeln durch die Templer, sie zeigt nämlich als einzige Grabplatte einen Templer in seiner Originalkleidung.

Foto: Jan Hosten

Dieser (belgische) Gerard de Villers darf nicht mit dem (französischen) Gerard de Villiers verwechselt werden, dem Houdini der Templer, dem zweimal eine spektakuläre Flucht aus aussichtsloser Lage gelang, einmal 1302 von der syrischen Insel Ruad, und das zweitemal vor der Generalverhaftung der Templer in 1307. Angeblich soll letzterer mit dem legendären „Templerschatz“ geflohen sein. So will es jedenfalls die Legende.

1.1 Villers-le-Temple 

Der belgische Gerard war ein begüterter Graf und vermachte seine Ländereien in Villers dem Templerorden. Von der Commanderie stehen heute noch Mauern und einige Türme. Die Kirche mag an der Stelle einer früheren Templerkirche stehen, aber sie ist im Laufe der Jahrhunderte stark verändert worden und wirkt heute eher modern:

Das Commanderiegelände grenzt direkt an die Kirche (rechter Bildrand) und ist mit einer recht hohen, noch intakten Mauer umgeben.

Villers-le-Temple, 4550, Blick vom Süden auf die Westflanke der Commanderie

1.2 St. Léger

Die Fahrt ging weiter durch die Wallonie, über die Provinz Namur in die Provinz Hennegau, genauer: Hainaut, zu der Commanderie von Saint-Léger. Diese befindet sich etwa 10 Km südlich der Stadt Tournai (Doornik) und ist im Jahre 1238 von einem gewissen Gossuin Fastret de Saint-Léger gestiftet worden (Quelle: Christophe Staf, www.templiers.org/saint-leger.php). Die Eigentümerin des Grundstückes mochte es nicht, dass ich näher an die reichlich vorhandenen und gut erhaltenen Gebäude herankommen sollte. So musste ich das Grundstück weitläufig umrunden.

Blick von Südwesten:

von Nordosten:

Man sieht die Überreste zweier gotischer Fenster. Der Raum wird eine bedeutende Funktion gehabt haben, vielleicht die des Kapitel-Saals.

Blick auf die Nord-Ost-Seite

Blick von Nord-West auf das Hauptgebäude

Nach der Besichtigung dieser beiden Commanderien machte ich mich auf den Weg zu meinem Nachtquartier in Ieper, Provinz Westflandern und freute mich auf das Abendessen mit Jan Hosten und meine perfekte Bleibe, die ich garnicht oft genug loben kann:  www.sabbajon.be. Ansprechendere, modernere und grössere Zimmer zu dem Preis habe ich noch nirgendwo bisher gesehen.

2. zwei Templerorte in Frankreich, Departement Nord

Am nächsten Morgen machte ich mich auf nach Frankreich, die Grenze ist nur einige zwanzig Kilometer entfernt. Man gelangt dort in das Département Nord, Région Nord-Pas de Calais, bekannt aus dem sehr empfehlenswerten und erfolgreichen Kinofilm „Willkommen bei den Sch’tis“. Wenn Sie den noch nicht kennen sollten, unbedingt mal ansehen. Sie haben noch nie so gelacht, versprochen!

2.1 Douai

Die Realität in Douai (lat. Duacum) war etwas prosaischer. Es herrschte leichter Nebel. Douai ist heute eine pulsierende Stadt mit ca. 42.000 Einwohnern. Ich hatte deren Grösse etwas unterschätzt und mich – wieder einmal – nicht ausreichend vorbereitet. Einfach so herumfahren und die Augen offenhalten erbrachte hier nichts. Wie findet man in so einer Stadt die Templerspuren? Ganz einfach: Mit dem uralten und streng geheimen Templer-Sucher-Trick! Navi einschalten und folgende Suchbegriffe für die Stadt eingeben: „Rue de la Commanderie, Rue des Templiers, Ruelle de Temple“ usf. Oops, hier gabs das fast alles. Ich parkte auf einem Behördenparkplatz und schon war ich mitten im Geschehen:

commanderie des templiers, Hauptpforte, 59500 Douai

Komturei vom Behördenparkplatz aus

Neuzeitliches Malteserwappen, Hauptpforte, Douai

Das Betreten des Anwesens war unerwünscht, so habe ich auf detailreichere Fotos verzichtet und machte mich auf zu meiner zweiten Etappe für den Tag.

2.2 Caëstre – Eecke

In der Gemeine Caëstre (von lat.  castrum) gibt es eine Legende, derzufolge die drei Ordensschwestern Edith, Elfriede und Sabina von unbekannten (normannischen) Tätern ermordet worden seien. Ihnen zu Ehren wurde im 14. Jahrhundert eine Kapelle im Ortskern errichtet, die verschiedentlich irrig für eine Templerkapelle gehalten wird.

Drie maegdekens cappel, 59120 Caëstre

Die Templer waren tatsächlich an dem Ort begütert, es gibt auf einem Privatgrundstück noch einige Reste zu sehen.

Aber auch der Eigentümer dieses Grundstückes verbittet es sich entschieden, dass man sein Grundstück betritt. Er wollte mir sogar verbieten, aus der Distanz zu fotografieren. Ich habe ihm geduldig erklärt, dass er das bei historischen Gebäuden auch nach französischem Recht nicht grundsätzlich verbieten dürfe. Natürlich hat er als Eigentümer das Recht, den Zutritt zu seinen Besitzungen zu verbieten, aber das Fotografieren? Solange seine Privatsphäre nicht tangiert ist?

Wir kamen ins Gespräch und ich fragte ihn nach den Gründen für seine schroffe Haltung. Er erklärte mir, dass häufig irgendwelche Fotografen vorbeikämen und das Gelände abfotografieren würden. Es würden dann irgendwelche übertriebenen Berichte in irgendwelchen dubiosen (Schatzjäger-) Magazinen erscheinen, was wieder Legionen von neuen unerwünschten „Besuchern“ auf sein Grundstück treiben würde. Ich versprach ihm, dass ich nur wissenschaftliches Interesse an Templerbesitzungen und was heute davon noch übrig ist verfolgen würde und wir reichten uns zum Abschied die Hand, ohne dass er schliesslich sogar auf die Herausgabe des einen Bildes bestanden hätte, worauf er zunächst zu bestehen schien.

Um es meinen Lesern an dieser Stelle noch einmal deutlich zu machen: Viele Templerstätten in Frankreich befinden sich in Privatbesitz, sie sind oft eingezäunt und ummauert. Das Betreten eines solchen Grundstückes ist unter Umständen Hausfriedensbruch: Es ist keinesfalls gestattet, Zäune und Mauern zu überwinden oder verschlossene Türen zu öffnen. Manche Templerhäuser sind sogar bewohnt. In diesem Falle ist es nicht gestattet, Fotos anzufertigen, die Einblicke in das Privatleben des Besitzers gewähren.

Ich werde den Weg zu dieser Commanderie nicht beschreiben, das habe ich dem Herrn versprochen. „Auf Gut Glück“ wird man die Anlage nicht finden und so wird mir der Eigentümer keinen Vorwurf machen können, dass ich ihn mit diesem Beitrag in seinen Rechten verletzt hätte.  Ich mache mir allenfalls den Vorwurf, dass ich nicht vorher gefragt hatte. Bestimmt hätte er mir das Fotografieren dann nicht verboten. Aber woher sollte ich wissen, wem dieses Haus gehört und wohin ich mich wenden sollte? Die Commanderie steht an einer öffentlichen Strasse und ist nicht umzäunt. Es gibt auch keine Schilder, dass das Betreten unerwünscht sei, wie sinst üblich.

Der grösste Teil der Gebäude ist aus dem 19. Jahrhundert, sodass es sich für mich nicht lohnte, näher heranzugehen.

3. Roth an der Our, Eifel, bei Bitburg

Ich fuhr nach ausgiebigen Gesprächen in zwei wunderbaren Restaurants in Ieper/Provinz Westflandern (Danke nochmals, Jan, für die freundliche Einladung!) über Luxembourg zurück und nahm die Gelegenheit war, endlich einmal die bekannte Templerkirche in Roth an der Our selbst in Augenschein zu nehmen. Roth liegt direkt an der luxembourgisch-deutschen Grenze in einer Urlaubsgegend (deutsch-luxemb. -Nationalpark), am Westrand der Eifel. Die Kirche selbst liegt hoch über dem Ort an einem Prallhang der Our.

Ich zitiere aus Wikipedia:

„1154 wurde der Ort in einer Besitzbestätigung des Papstes Hadrian IV. für das Simeonstift in Trier erstmals urkundlich erwähnt. Damals war er noch ein größeres Landgut. Für eine ältere Geschichte spricht der Umstand, das Roth bereits vor diesem Datum Sitz einer Pfarrei war und die romanische Basilika angeblich auf eine Gründung des hl. Willibrord von Echternach (8. Jh.) zurückgeht. Um 1220 stieg die Bedeutung von Roth sprunghaft an, als dort der Sitz einer Kommende des Tempelordens eingerichtet wurde. Die Kommende ging nach der Aufhebung des Templerordens um 1314 an den Johanniterorden,..“   http://de.wikipedia.org/wiki/Roth_an_der_Our

Weiteres befindet sich im sog. Templerlexikon der Universität Hamburg von Anke Napp: http://www.templerlexikon.uni-hamburg.de/Frameset_R_dt.htm

Dort gibt es nähere Angaben und Literaturstellen der offenbar noch immer ungewissen Gründungsumstände und Zeiträume.

Die Kirche hat eine interessante romanische Apsis, offenbar einer Seitenkapelle

Über einem zugemauerten Seiten-Eingang wurde das Relief hier freigelegt

und zwischen den beiden Apsiden, der des Hauptschiffes und der seitlichen Apsis befindet sich diese Statue, die wohl nicht den Christus darstellen soll. Vielleicht ist es Willibrord, der Gründer? Es ist jedenfalls eine ungewöhnliche Zier einer Templerkirche. Vielleicht kann ein geneigter Leser helfen?

2010 Franche-Comte

Templer in der Franche-Comté

Die Région Franche-Comté  (sogenannte Freigrafschaft Burgund), unterhalb Lothringens, eingezwängt zwischen Burgund, Elsass und Schweiz, nördlich begrenzt durch die Porte d’Alsace, (der einzige Durchgang zwischen den Alpen und den Vogesen), stößt im Süden an das Department Ain (Rhône-Alpes). Es gibt 4 Departements, 70 Haute-Saône, 39 Jura, 25 Doubs und 90 Territoire-de-Belfort (nur die Stadt Belfort).

Die Gegend ist erst unter Ludwig XIV nach heftigen Gefechten zu Frankreich gekommen. Der Freigraf war vorher Vasall des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Man sprach aber Französisch, die Sprachgrenze ist früher wie heute die Porte d’Alsace. Wer das Franche-Comté kontrolliert, kontrolliert nicht mehr und nicht weniger, als den wesentlichen Teil des Waren- und Personenaustausch zwischen Frankreich und Deutschland.

Ich nutze einen Elsass-Trip im September für einen Abstecher in diese ehemalige Freigrafschaft, die für ihren ausserordentlich guten Bergkäse und für bestimmte Kirchsturmspitzen berühmt ist, um mir einige Templerorte dort näher anzusehen. Meine Ziele lagen in den Departements 25 Doubs und 70 Haute-Saône. Mir war auf der Karte aufgefallen, dass sie sich ziemlich in einer Reihe befanden. Sogar scheinbar recht regelmässig, wie Perlen an einer Kette.

Bevor ich auf das südliche Ende dieser Kette zuhielt, lag noch ein anderer Templerort auf dem Weg, den ich mir mal mit eigenen Augen anschauen wollte.

1. Station 25430 Chazot

chapelle des Étaings25430 Chazot

Es ist deutlich zu erkennen, dass diese Kapelle häufig, offenbar auch erst kürzlich umgebaut oder restauriert wurde. Es ist aber noch genug von der ursprünglichen Bausubstanz zu erkennen, dass man von einer echten Templerkapelle sprechen darf.

2. Station 25110 Dammartin-les-Templiers

Die Gründung dieses Ortes geht auf die Templer zurück. Von der Commanderie ist ersichtlich heute nichts mehr übriggeblieben. Es gibt eine Domaine des Templiers, heute eine Wellnessfarm. Dort kann man evtl. den Teich der ehemaligen Commanderie noch erkennen, aber das lässt sich wohl nicht verifizieren. Die Ortskirche wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts von den Templern erbaut, aber im 15. Jahrhundert umfangreich umgebaut, vergrössert und dem Zeitgeschmack angepasst. Der Kirchturm ist übrigens ein solch ein „reinrassiger“ clocher comtois, mit dem für die Région so typischen sog. Turmhelm

Église Saint Martin25110 Dammartin-les-Templiers

Wenige Kilometer östlich von Dammartin soll sich nach Literaturangaben (Aubarbier, S. 64) eine Templerkapelle Notre-Dame in einem Ort namens Fay befinden. Es ist mir leider nicht gelungen, etwas derartiges vor Ort ausfindig zu machen. Auch befragte Passanten konnten mir nicht weiterhelfen. Zu Hause gelang es uns später, den Ort jedenfalls schon einmal in der Cassini Karte (1750-1815) zwischen Dammartin und Bretigney zu finden.

Reproduktion: Thorsten Stute, unterhalb des blauen Winkels sieht man ein Kreuz und den Ortsnamen Fay

Auf dem google Maps Ausschnitt ist dort kein Ort und auch keine Kapelle zu entdecken.

Einigermassen entäuscht von diesem Ort beschlossen wir, eine Mittagspause einzulegen. In Dammartin selbst gab es nichts, aber im westlichen Nachbarort Champlive wurden wir fündig. Dort kehrten wir ein in eine wunderbaren Gasthaus, in dem wir nicht nur preiswert, sondern vor allem genussreich speisten und von einer ebenso überaus charmanten wie hilfsbereiten jungen Dame bewirtet wurden. Auch sie bemühte sich nach Kräften, uns bei unserem Anliegen zu unterstützen. Der Aufenthalt dort war derart vergnüglich, dass ich mir das Recht herausnehmen möchte, für dieses ausgezeichnete Haus Werbung zu machen:

Auberge de Château de Vaite, Champlive

http://www.auberge-chateau-vaite.com

Nachdem so die Kräfte wieder aufgetankt und die Laune wiederhergestellt war, fuhren wir über Besançon zu unser nächsten Templerstation, der nächsten „Perle auf der Kette“:

3. Station 70190 Villers-le-Temple

Diese Kapelle ist modern, das Gebäude steht aber an der Stelle der früheren Templerkapelle. In der Kapelle wird eine wertvolle hölzerne Madonna mit sitzendem Kind aufbewahrt, die seit den Zeiten der Templer dort ist. Leider war es diesmal nicht möglich, den Schlüssel für die Kapelle zu organisieren, das wird aber nachgeholt.

4. Station 70130 Fresne-Saint Mamès

Ziemlich genau 30 Kilometer Luftlinie, also genau ein Tagesfussmarsch in nordwestliche Richtung entfernt von diesem Ort stiessen wir auf die nächste Etappen-Station

auberge des Templiers, 70130 Fresne-Saint Mamès

Nach der Inschrift über dem Türsturz links im Bild stammt das Haus aus 1301 und ist von der Größe her eine typische Templerherberge. Das Gebäude erinnert mich an die Templer-Herberge in Bad Breisig. Es ist ebenso in der Johanniterzeit umgebaut worden. Die oberen Fenster sind 15. -16. Jh.

5. Station 70600 Pierrecourt (Aumonières)

Fast genau weitere 30 Km nordwestlich kam – nach einer Überquerung der Saône – die letzte Stations-Etappe in Sichtweite. Die Templerkirche ist heute zu einer Scheune umgebaut und in einen landwirtschaftlichen Betrieb integriert. Der Kirchturm ist teilweise eingestürzt und dicht mit Efeu bewachsen. Man könnte ihn betreten, aber ein Warnschild „danger de mort“ rät einem eindringlich davon ab. Dichte Brennessel- und Brombeerwälle wären auch ein rein praktisches Annäherungshindernis für den Sonntagsspaziergänger.

70600 Aumonières

Die nachstehende Übersichtskarte zeigt wunderschön, dass sich die hauptsächlich hier behandelten Templerorte auf einer recht geraden, von  Nordwest nach Südost-Linie befinden und alle den gleichen Abstand von etwa 30 Kilometer haben. Ein Zufall ist wohl auszuschliessen.  Einem Verkehrsschild am Saône-Übergang von Seveux kann entnommen werden, dass es sich bei dieser „Templerstrasse“ um ein Teilstück der sogenannten VIA FRANCIGENA handelt, einer uralten Pilgerstrecke von Canterbury (England) nach Rom, die ab 994 beschrieben wurde.

google maps, Reproduktion Thorsten Stute und Markus Menzendorff

Über Vercel-Villedieu-le-Camp gehts zu den Templern in der Schweiz. Die nächste Etappe ist La Chaux (CH), wo die Templer ebenfalls eine sehr wichtige Commanderie unterhielten.  Thorsten Stute arbeitet derzeit intensiv an einem in Vorbereitung begriffenen zweiten Band einer geplanten Buchserie über die Templer, darum wird jetzt nix mehr verraten.

2010 Provence

Templer in der Provence, Teil 3

Die Familie verbrachte im August noch eine Woche des Sommerurlaubs an der Côte-d’Azur, genauer gesagt bei Fréjus. Und weil mancher Mensch nun mal nicht alleine vom Strandglück alleine leben kann, wurden einige kleinere Ausflüge zur Vervollständigung der Templersammlung dieser Homepage benutzt.

1. Comps-sur-Artuby

Der erste Ausflug führte von der Küste weg ins Hinterland der Côte d’Azur, in die Haute Provence. Von Draguignan führt eine Passstrasse nach Digne und eine der höchsten Erhebungen dieser Strecke wurde angeblich von den Templern bewacht. Von hier oben hat man eine festliche Aussicht!

chapelle St. André, 83840 Comps-sur-Artuby, Var, Région Rhône-Alpes-Côte d’Azur (PACA)

Chorapsis der Kapelle St. André

chapelle St. Jean-BaptisteComps-sur-Artuby

Nach der Inschrift wurde die Kapelle von den Johannitern genau so ausgerichtet, dass am Morgen des 24. Juni, dem Tag des Schutzheiligen der Kapelle die Sonne in ein kreuzförmiges Fenster in der Apsis hineinstrahlt und durch die runde Öffnung oben in der Fassade sichtbar wird. So lange konnte ich dort leider nicht warten.

Abschied vom Hügel

2. St. Raphaël

Ein weiterer Ausflug in die Umgebung brachte uns nach St. Raphaël. Dort gabs auch für uns alle was zu sehen, Yachten, Boutiquen, hunderttausende von Ohrringen und Kettchen. Und auch eine enorm grosse Templerkirche.

eglise des Templiers, 83700 St. Raphaël, Ansicht von Osten

Südansicht

Turm von Süden

Templergebäude (?) neben der Kirche

3. Cogolin

Ein Ausflug nach St. Tropez mit seinen hier zum Teil wirklich sehr beeindruckenden Yachten (wo auf der Welt dümpeln ähnlich viele Milliarden im Hafen? Wie bekommt man solche enormen Summen zusammen? Und was muss man tun, um es sich leisten zu können, zuzusehen, dass das Salzwasser und die übrigen Witterungseinflüsse den Wert solcher Luxus-Boote jährlich um einige Prozente „wegspült“?), Boutiquen und ebenfalls hunderttausenden von Ohringen erlaubten einen Abstecher nach Cogolin, wo die Templer ab 1204 die Besatzung eines Châteaus stellten. Von Hügel hier oben hatte man die Übersicht über den Golf von St. Tropez und damit eine günstige strategische Position gegen die häufigen Sarazenen-Überfälle. Von dem Château ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Reste des Château de Cogolin83310 Cogolin, Var

Im Ort gibt es ein Templermuseum, das allerdings nur wenig Artefakte aus der Templerzeit zeigt. Es gibt so gut wie nichts an Gegenständen, die uns erhalten geblieben sind. So stellt man in der Ermangelung echter Stücke einige Siegelabdrücke oder Modellrekonstruktionen mittelalterlicher Kriegs- und Belagerungswaffen aus und zahlreiche Schautafeln aus. Zu sehen gibt es ferner Puppen, bekleidet mit nachgeahmten Kleidungsstücken aus dem Mittelalter usw.

Dies ist ein Abdruck des Torwappens der (etwa 50 Km von Cogolin entfernten) Templerkomturei von Ruou (bei 83690 Villecroze) aus. Die Anlage konnte ich leider diesmal nicht besichtigen, dazu reichte die Zeit nicht. Das wird aber nachgeholt, versprochen.

www.templiers.org/ruou.php

4. Roquebrune-sur-Argens

Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Goethe hatte hier wieder einmal recht bekommen. In der Gemeinde meines Feriendomizils waren die Templer ebenfalls. Ich wusste das garnicht. Ich hatte mich nicht weiter auf die Gegend vorbereitet. Die Gemeinde hat drei Ortsteile, einen Strandbereich, eine Siedlung mit Feriendomizilen und eben einen historischen Ortskern, der wohl auf die karolingische Zeit zurückgeht. Die Altstadt mutet sehr mittelalterlich an. Es ist schön, durch die Gässchen zu gehen und sich vorzustellen, wie es einst hier ausgesehen haben mag. Viele Gebäudereste sind noch aus dem frühen 11. Jahrhundert.

Die Templer haben sich hier gegen 1250 ein Haus, ein maison gekauft:

maison des Templiers, 83520 Roquebrune-sur-Argens, Var

Das Haus ist vor wenigen Jahren kernsaniert und zu Wohnzwecken umgebaut worden. Zusammen mit den Resten der inneren Verteidigungsanlage dominiert es ein hübsches Plätzchen im Ort.

Stadttor aus dem 11. Jahrhundert

2010, Juni, England – Südosten

Templer in England

Der nachfolgende Beitrag wurde im Dezember 2015 nachbearbeitet, weil beim Import des Seiteninhaltes in ein neues Format die Fotos nicht mit „umgezogen“ waren. Ausserdem habe ich noch ein paar zusätzliche Fotos eingestellt.

Teil 2: Der Südosten

Es hat etwas länger gedauert, mit der bereits im Juni 2009 angekündigten Reise durch England. Erst im Sommer dieses Jahres ergab sich eine Gelegenheit, einen Teil des Urlaubes im Südosten Englands zu verbringen, und dabei – wie gewohnt – Erholung und Forschung in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen.

Zunächst quartierte sich die Familie in Surrey ein, südlich von London, auf halben Weg zwischen Meer und Grossstadt. Gleich am ersten Tag wollte die Mehrheit der Reisegruppe ans Meer, hinab nach Brighton. Aber auf dem Weg dahin befanden sich zwei Templerorte, die – aufgrund des Familienkompromisses – natürlich nicht unbeachtet bleiben durften. Wir mussten nur eine gute halbe Stunde in südwestlicher Richtung fahren und erreichten die erste Templerstation:

1. Shipley (West Sussex)

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early Norman church of St. Mary, Shipley, West-Sussex

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Detail aus dem Innenraum

Die Autorin Helen Nicholson hat bei ihren Recherchen zu ihrem vor ca. einem Jahr erschienen, sehr verdienstvollen und empfehlenswerten Buch:  NICHOLSON, Helen J., The Knights Templar on Trial, The History Press, Stroud, 2009  u.a. beobachtet, dass die Lage dieses Templerbesitzes keineswegs zufällig gewählt war. Man installierte sich vielmehr in unmittelbarer Nähe zu Ausläufern des Flusses Adur, der heute zwar in diesem Abschnitt weitgehend versandet ist, aber im Mittelalter nach den Feststellungen der Autorin noch befahrbar gewesen sein muß. Natürlich muss man sich die Wasserfahrzeuge des Mittelalters für den Binnenverkehr sehr viel bescheidener als heutige Binnenfahrzeuge vorstellen. Es waren zumeist schmale, aber recht lange Nachen mit einem Flachboden, die nur einen geringen Tiefgang aufwiesen und dennoch mit erstaunlichen Mengen von Waren beladen werden konnten. Wie jeder Hobby-Skipper weiß, reicht „eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“ vollständig aus, um fahren zu können, und so konnte die Wassertiefe eines Gewässers 50 cm oder weniger betragen und dennoch den Verkehr mit geeigneten Wasserfahrzeugen gestatten.

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Südeingang zum Kirchenschiff von Shipley.

Man beachte rechts unten im Bild den graubraunen Stein.  Helen Nicholson teilte mir mit, dass es sich dabei um einen Schiffspoller handelt, den man vom Rand eines entsprechenden Beckens des Flusses Adur hierher gebracht hatte und an dem die Schiffsführer damals „festmachen“ konnten. Ich spekuliere, ob der Ortsname selbst ein Anzeichen für bedeutsamen Schiffsverkehr darstellen könnte aber er geht wohl auf das angelsächsiche Wort für Schafzucht zurück. Die Templer brauchten solche Umschlagsplätze, um die in ihren zahlreichen Besitzungen produzierten Waren zu exportieren. Der Adur mündet bei Shoreham-by-Sea in den Ärmelkanal und dort befindet sich heute noch ein Seehafen, der von den Normannen im 11. Jahrhundert begründet wurde.

http://www.glaucus.org.uk/Shoreham.html

2. Sompting (West Sussex)

Die Templer-Kirche von Sompting befindet sich ausserhalb des Ortes mit dem Namen, man erreicht sie, wenn man die A 27 eine Ausfahrt westlich vor der eigentlichen Ortsausfahrt nach links (Ri. Nord) verlässt und die Church Lane ca. hundert Meter hinauffährt. Sompting befindet sich etwa 7 km westlich von Shoreham in der Nähe des Seeufers.

 

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church of St. Mary the Blessed VirginSompting, West-Sussex

SONY DSCDetail aus dem Innern der Templerkirche von Sompting.

Die Darstellung des Heiligenscheins erinnert stark an ein Graffiti, in die Verliesmauern geritzt von verhafteten französischen Templern im Château Coudray von Chinon.

http://www.templerlexikon.uni-hamburg.de/Chinon2.jpg

Jetzt war aber erstmal die Familie dran, man verbrachte seine Zeit in Brighton oder London. Nach zwei Tagen verlegten wir unseren Standort nach Folkestone, wo der Eurotunnel endet.

Ein kleiner Ausflug nach Canterbury ermöglichte einen Besuch der dritten Templerstation, die auf dem Weg lag:

3. Temple Ewell (Kent)

Hier errichteten die Templer im Jahre 1170 eine normannische Kirche anstelle einer älteren hölzernen Konstruktion von den Sachsen. Die Kirche war in dem recht kleinen Ort nicht sogleich zu finden. Der Ort liegt an verschiedenen Hängen und die Kirche selbst ist dicht mit Bäumen umstanden, sodaß man sie erst „auf dem letzten Meter“ erkennt. Mit etwas Geduld wurden unsere Bemühungen belohnt.

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Norman church of St. Peter and Paul, Temple Ewell, Kent

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Ostseite

Die Templer erhielten in Temple Ewell ein manor vom König als Anerkennung ihrer Dienste bei den Kreuzzügen. (Wikipedia)

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Sie gründeten sodann an diesem Ort eine Präzeptorie und bauten die Kirche Peter und Paul im Jahre 1170 (aaO).

4. Strood (Kent)

Der nächste Tag war Strand- bzw. Shoppingtag für die Familie. Das schaffte Zeit für einen Ausflug in den hohen Norden der Grafschaft Kent, wo sich gegenüber der Stadt Rochester an dem nördlichen Ufer des Medway ein Temple Manor in der Gemeinde Strood befinden soll. Die Adresse: Knights Lane. Mein Navi kannte keine Knights Lane in Strood. In einem Pub erhielt ich eine der wenig hilfreichen links-rechts-rechts-links-dann-am-Supermarkt-hinter-der-Ampel-wieder-rechts Lösungen, die einem nichts nützen, weil man sich das nicht alles merken kann, zumal man noch auf den (Links-)Verkehr usw achten muß. Nach dem dritten vergeblichen Anlauf bat ich einen Taxifahrer, mich dahin zu lotsen. Er erwies sich als Freemason (Freimaurer) und Heimatkundiger und war hocherfreut, mir helfen zu können. Er brachte mich dahin und wir mußten beide feststellen dass die Anlage geschlossen war. Es ist nur Samstags und Sonntags zu bestimmten Stunden geöffnet. Wegen einer Vandalismus-Attacke auf das Anwesen ist es hinter übermannshohen, fast blickdichten Zäunen verborgen und die Knights Lane geht durch ein etwas betagtes Industriegebiet, in dem man niemals mit einem solchen historischen Kleinod gerechnet hätte. In den angrenzenden Grundstücken befinden sich ausschliesslich Gewerbebetriebe. Bei zweiten Anlauf am Samstag war geöffnet und die nette Dame hat bereitwillig auf Fragen geantwortet.

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Temple ManorStrood, Kent

Von den Templern stammt der zweistöckige Teil in der Mitte des Gebäudes. Die Holztreppe ist erst wenige Jahre alt. Die Ziegelsteinanbauten stammen aus der Rennaissancezeit. Das Manor gehörte zu dieser Zeit der Gräfin von Pembroke. Das Heftchen von English Heritage über Strood Manor verrät, dass die Templer zur Errichtung dieses Hauses vielfach auf sogenannten Purbeck-Marmor zurückgegriffen haben. Das schockte mich etwas, denn ich weiss von einem fast dreissig Jahre zurückliegenden England-Urlaub, dass sich die Purbeck-Steinbrüche sich in der Nähe von Swanage in Dorset befinden und das ist ca. 250 km von hier entfernt. Das spricht für wirtschaftlichen Wohlstand der Templer.

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Blick in das Untergeschoss: Ein perfekt erhaltenes Kreuzrippengewölbe

Von dem Gebäude aus kann man das Ufer des Medway heute nicht mehr sehen. Man ahnt nicht, wie nah man tatsächlich dem Gewässer ist. Dichte Bäume und eine Bahnstrecke verhindern das. Ich machte mir die Mühe, eine seitliche Sackgasse unter dem Bahngleis auszuprobieren, obwohl es sich dabei um eine Privatstrasse handelt. Die Mühe lohnte sich: unterhalb der Böschung von Strood Manor hatte man freien Blick auf Rochester- Castle am anderen Ufer des Medway und man ist geneigt, sich vorzustellen, dass die Templer an dieser Stelle eine Fähre betrieben haben dürften, wie das auch für andere Templerorte belegt ist, z.B. für Faxfleet (H. Nicholson). Zwar befand sich in der Nähe eine hölzerne Brücke, doch die wurde 1263 anläßlich einer kriegerischen Auseinandersetzung zerstört (Wikipedia).

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Blick vom linken Ufer des Medway auf Rochester Castle

800px-Temple_Manor_from_HastedStich  von 1767: Blick auf Strood Manor vom rechten Medway-Ufer (Seite von Rochester), Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Strood

5. Cressing (Essex)

Wir verliessen unser Quartier in Folkestone wieder Richtung London, wo ich meine ungebremst einkaufswütigen Damen nahe der Londoner Ringautobahn an einer der östlichsten Bahnsstationen den London Underground Verkehrsbetrieben übergab und ich machte mich weiter nach Nordosten auf den Weg in die Grafschaft Essex, wo mich zwei der ältesten und grössten Scheunengebäude der Welt erwarteten:

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Templar wheat barn, CressingEssex

Die Templer erhielten das Land von Cressing im Jahre 1137 von Matilda, der Frau des Königs Stephen. Zu dieser Zeit herrschte in England Bürgerkrieg und es war gleichzeitig der Zeitraum, in dem sich der Wohlstand des Ordens in England am meisten erhöhte. Die Templer erhielten Land von beiden Bürgerkriegsparteien, jeweils in der Hoffnung, sich damit Wohlverhalten zu sichern. Den Templern konnte das nur recht sein.

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Templar barley barn, CressingEssex, vermutlich die älteste Fachwerkscheune der Welt

Aufgrund der hohen Baukunst und mit viel Glück trotzen diese beiden Gebäude über 800 Jahre den Stürmen, aber auch der Feuersgefahr und sie haben die Abmessung von Kathedralen!

Abends holte ich meine Damen südlich von Croydon aus dem System der Londoner Verkehrsbetriebe wieder ab und wir nahmen wieder Quartier in der Nähe des Flughafens Gatwick.

6. Bisham Abbey (Berkshire)

Um hierher zu gelangen, musste man London auf der Ringautobahn M 25 westlich umrunden und die M 4 nach Westen abfahren. Das Gelände der ehemaligen Templerei gehört heute dem National Sports Council und Besucher sind grundsätzlich nicht erwünscht. Das merkte ich erst zu spät, denn als ich am Tor ankam, war dieses geöffnet, sodass ich mich garnicht lange mit den am Eingang befindlichen Schilder befasste. Ich erfuhr schnell, dass an diesem Tag eine Hochzeitsfeierlichkeit stattfand, und dass man wegen der vielen Gäste das Gate einfach offengelassen hatte. Was ich sah, verschlug mir den Atem:

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Bisham Abbey ManorBisham, Berkshire

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Detailansicht der Arkaden

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Ansicht von Südwesten

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Dieser Turm stammt wohl auch aus der Zeit der Templer. Er befindet sich unmittelbar am Ufer der Themse. In Frankreich haben die Templer auf ihren Commanderien häufig Türme für Tauben errichtet. Ich vermute, dass es sich hierbei ebenfalls um ein solches Taubenhaus handeln könnte. Es kann aber auch ein Wachturm zur Themse hin gewesen sein.

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Dieses Bild zeigt ein Seitengebäude das ebenfalls zum Teil aus mittelalterlichen Steinen errichtet ist. Es könnte sich früher um Stallungen oder Wohngebäude der Beschäftigten des Ordens gehandelt haben.

Der Komplex beherbergt heute das Bisham Abbey National Sports Centre und ist eigentlich öffentlich nicht zugänglich. Mit meinem Fotoapparat hielt man mich für einen Fotografen der Gesellschaft und so konnte ich mich gründlich umsehen.

Ich schliesse diesen Reisebericht mit einigen unkommentierten Impressionen aus Canterbury, einem sehr anheimelnden Städtchen:

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