Archiv der Kategorie: Bretagne und Normandie

2014 Bretagne, Teil II

Ende August startete die Familie in den Sommerurlaub. Zwei Wochen im Ferienhaus, ziemlich direkt am Meer (ca. 5 min.). Ziel der Reise war das Departement 29 Finistère, genauer ein kleiner Ort in der Nähe der Stadt Quimper. Das Departement besteht aus dem äußersten westlichen Zipfel Kontinentaleuropas und markiert den am weitesten in den Atlantik hineinreichenden Punkt Frankreichs. Für die Franzosen ist das deshalb das „Ende der Welt“ (finis terrae). Die Bretonen sehen das genau anders herum.  Sie nennen ihr Land Penn ar Bed, das heisst Anfang der Welt. Es wäre verlockend, an dieser Stelle einen kleinen Abstecher in das weite Feld sonstiger Unterschiede zwischen den Bretonen und den Franzosen zu unternehmen, aber das würde den Rahmen sprengen.

Der Ort, in dem wir wohnten, war ganz bezaubernd. Er heißt Saint-Jean-Trolimon und zwischen ihm und dem Meer gibt es nur noch die freistehende und weithin sichtbare Pilgerkapelle Notre-Dame de Tronoën, eine kleine gotische Kapelle mit dem ältesten Kalvarienberg der Bretagne.

SONY DSCNotre-Dame de Tronoën, 29120 Saint-Jean-Trolimon

Der Ort war durchaus nicht nach strategischen (Templer-) Gesichtspunkten ausgewählt. Die Wahl beruhte vielmehr auf der Nähe zum Strand und der Größe des Ferienhauses, das im übrigen auch für unseren Wuffi zugelassen sein musste. Ich habe anderen Orts schon erwähnt, dass man in der Bretagne die Templerorte ohnehin nicht allzulange suchen muss. Sie sind dort so dicht verteilt, dass man fast überall ganz in der Nähe ein paar Templerorte um sich herum haben dürfte. Aber dennoch: Saint-Jean und Notre Dame, das hört sich ganz nach den Templern an. Eben, beim Bearbeiten dieser Seite (ich hatte gerade die Postleitzahl im Netz gesucht), fällt mir bei Wikipedia das Wappen dieses kleinen Ortes auf:

Wappen von Saint-Jean-Trolimon

Templerkreuz und Lamm Gottes! Honi soit qui mal y pense.

Soviel Zufall kann es nicht geben. Wir haben also in einem Templerort gewohnt und ich habe nichts davon gewusst! Ich sehe aber auch jetzt in der Literatur nichts, absolut nichts. Keine Bestätigung, keine Stütze. Mein Hobby ist manchmal schon irgendwie arg spannend. Vielleicht findet ja einer meiner Leser dazu etwas heraus.

Gänsehaut weggerubbelt und weiter im Text: Die hohe Dichte von Templern in dieser Ecke Frankreichs beruht zum einen auf den ausgezeichneten Beziehungen der Templer  mit den bretonischen Fürsten und zum anderen auf der Bedeutung der Bretagne für die Pilgerströme des Mittelalters. Vermutlich war auch der Handel über die Bretagne wichtig. Noch im ausgehenden Mittelalter bis in die beginnende Neuzeit war die Bretagne ein wichtiger Partner für den Seehandel mit Spanien und England. Es ist dennoch sehr schwierig, Reste von Gebäuden der Templer auszumachen. Denn besonders in der Bretagne entwickelte sich im 14. bis 15. Jahrhundert der sogenannte Flamboyant Stil der Spätgotik. Diesen kann man auch in Belgien, anderen Teilen Nordfrankreichs, Spanien und England sehen, aber nirgendwo hat sich dieser typische Baustil m.E. so deutlich verbreitet wie in der Bretagne. Auch die Rechtsnachfolger der Templer, die Johanniter, gehorchten den Modetrends und bauten alle ihre Kirchen und Kapellen rasch in diesem Stil um.  Auch relativ neue bretonische Kirchen, etwa neugotische aus dem 19. Jahrhundert weisen solche Stilelemente auf, sodass es nicht sehr leicht ist, das Alter einer bretonischen Kirche zu bestimmen.

Aubarbier, dessen Standardwerk mich auf allen Templerreisen begleitet (und so sieht es jetzt auch aus!! ) ist immer gut für den ersten Zugriff auf eine Gegend. Seine Beschreibungen zeigten sich aber diesmal leider mitunter als wenig hilfreich. Es hat sich wieder einmal als unerlässlich erwiesen, sämtliche Literaturstellen selbst vor Ort auf ihre Relevanz zu untersuchen. Es wird auch in dieser Wissenschaft zu oft einfach nur abgeschrieben. Wer sich allein auf Bücher verlässt, muss mit Fehlern rechnen, die sich leider durch unkritische Zitate auch noch verbreiten.

Nachdem wir uns in unserem sehr schönen, hellen und komfortablen Häuschen eingerichtet , die Vorratskammer und den Kühlschrank aufgefüllt und den nahen Strand inspiziert hatten, wurde die Nahbereichskarte herangeholt und die nächsten Templerorte markiert. Wir befanden uns am südlichen Teil der Baie d’Audierne, auf der Halbinsel von Penmarch. Die nächsten Templer-Orte im Umkreis von 10 Km waren Penmarc’h (frz. Penmarch) selbst, sowie Kerity und Loctudy.

 

1. Kérity

Kerity ist ein Ortsteil der Gemeinde 29760 Penmarc’h. Nach Abbé de Corson, S. 76, sollen sich dort die Überreste der Templerkirche Saint Jean de Kérity befinden: cet édifice, aujourd’hui ruiné, présente encore sa tour massive accolée d’une tourelle. Die Kirche sei also eine Ruine. Nur ein massiver Turm sei übriggeblieben, mit seinem angefügten Türmchen. Schaun wir uns das mal an. Das Navi bringt mich sicher in den Ortskern von Kérity und hält exakt vor dieser Kirche:

SONY DSCEglise Sainte-Thumette de Kérity, Penmarc’h

Mmmh, merkwürdig! Nach Ruine sieht das ja eher nicht aus. Diese Kirche heißt auch nicht Saint- Jean. Andererseits stimmt ein anderes Detail der Beschreibung auffallend:

SONY DSC La tour massive et la tourelle accolée

 Die Kirche war äusserlich intakt. Dach, Wände Fenster, alles perfekt. Die Kirche war auch geöffnet. Drinnen fand ich Hinweise darauf, dass in den Nachkriegsjahren nach 1946 umfangreiche Renovierungsmassnahmen stattfanden. Bei der Nachbearbeitung im Internet ermittelte ich folgende Fakten:

Das Dach war tatsächlich bereits im Jahre 1808 eingestürzt. Die Renovierung wurde erst 1949 abgeschlossen. Die Kirche wurde dabei wohl auch umgewidmet und steht jetzt unter dem Patrozinium der (bretonischen) heiligen Thumette, vgl.

http://www.fondation-patrimoine.org/fr/bretagne-6/tous-les-projets-335/detail-eglise-sainte-thumette-a-kerity-penmarc-h-15686

Abbé de Corson konnte von alledem noch garnichts wissen. Sein Buch, das hatte ich vergessen, stammt ja aus 1902. Mein Nachdruck ist so neu, dass ich das bei der Vor-Ort-Recherche ausser Acht gelassen hatte.

2. Penmarc’h

Nach Dumontier (S. 67)  und Aubarbier (S. 128) soll es in dem Hauptort der Gemeinde, in Penmarc’h selbst, auch Templerbesitzungen geben. De Corson warnt auf S. 77, dass die meisten Länderein im 16. Jahrhundert dem Johanniterorden verloren gegangen seien. Die Kirche von Penmarc’h ist mE aus dem 15. Jahrhundert. Es gibt in der Nähe der Kirche ein Profan-Gebäude, was als presbytére (Pfarrhaus) durchgehen würde mit Ornamenten, die oft auf Gebäuden der Johanniter aus dem 15. oder 16. Jahrhundert zu sehen sind.

Die einzige wirklich aus der Templerzeit stammende Kapelle auf dem Gemeinedegebiet von Penmarc’h habe ich in dem Ortsteil Sainte Madeleine – mehr oder weniger zufällig – entdeckt:

SONY DSCchapelle de Sainte Madeleine, Penmarc’h, Westfassade

Auffallend viele Quellen sind hier zu finden. Einen in Steinen eingefassten Austritt der Quelle sieht man im Bildvordergrund.

SONY DSCSüdeingang, romanisch

 Die Kapelle ist von sehr alten Mauerresten und Gebäuden (alte Stallungen?)  umstanden, was durchaus den Verdacht bekräftigen würde, dass es sich hierbei mal um ein Ordensgehöft gehandelt haben mag. Der Beweis steht aber noch aus. Das ist bisher nur eine Vermutung

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Die Gebäude wurden kürzlich offenbar gründlich restauriert und werden heute wohl als Ferienwohnungen benutzt.

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3. Loctudy

Nach Aubarbier (S. 128) sei die wohl im XI Jahrhundert erbaute Kirche von Loctudy den Templern von Conan III, Herzog der Bretagne von 1112 bis 1148, geschenkt worden.  Nach Wikipedia France ist der Eigentumsübertrag an die Templer erst nach dem Tode von Conan III im Jahre 1187 erfolgt http://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89glise_Saint-Tudy_de_Loctudy

SONY DSCÉglise Saint-Tudy, 29750 Loctudy

Sehr auffällig sind die drei Apsidiolen. Die Kirche enthält Stilelemente aus fast allen späteren Epochen und sieht arg „zusammmengeschraubt“ aus. Ich finde sie nur von dieser Seite aus wirklich schön.

 

SONY DSCDiese Kapelle steht direkt neben der Kirche. Sie soll aber nicht aus der Templerzeit stammen. Sie trägt aber stolz ein Templerkreuz auf dem Glockentürmchen und sieht Templerkapellen sehr ähnlich. Vielleicht erfahre ich ja noch mehr über das Gebäude.

Einige Tage später nahmen wir uns bei Gelegenheit eines Ausfluges nach Concarneau einige beschriebene Templerziele im Radius von ca. 30 km um unsere Unterkunft vor.

4. Mousterlin, Commune de Fouesnant

Nach Aubarbier, S. 128., sollen sich küstennahe Templerbesitzungen in Mousterlin befunden haben. Mousterlin befindet sich im Gebiet der Gemeinde Fouesnant. In seiner Umgebung gibt es Moore, Wasserläufe, Seen und Polderlandschaften. Ich gehe davon aus, dass es da im Mittelalter noch recht anders aussah. Templer haben sich schon häufig darin bewährt, sumpfige Ländereien urbar zu machen. Hinweise auf Templergebäude gab es nicht. Wir fanden am Strassenrand ein verfallenes Gebäude mit einer Art halbrunder Apsis, welches ohne weiteres aus dem Mittelalter stammen könnte:

SONY DSCEine Kapelle ist das wohl nicht, dagegen spräche der Giebel mit Schornstein. Die Konstruktion erinnert eher an einen alten großen Backofen. Näheres fand ich dazu leider bisher nicht.

Desweiteren kamen wir an einer Kapelle vorbei, die dem heiligen Sebastian gewidmet war:

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Das schlitzförmige Fenster in der Bildmitte sieht deutlich nach Mittelalter aus. Im übrigen soll die Kirche aus dem 15. Jahrhundert stammen, eventuell unter Verwendung älterer Gebäudeteile.

http://www.fondation-patrimoine.org/fr/bretagne-6/tous-les-projets-335/detail-chapelle-saint-sebastien-a-fouesnant-11585

Konkrete Hinweise auf die Templer fanden sich nicht. Mit Sicherheit aber wird sich der eine ode andere von ihnen seinerzeit in dieser Kapelle aufgehalten haben.

SONY DSCchapelle Saint Sebastien, 29170 Fouesnant

5. Saint Evarzec

 Saint Evarzec ist etwas nördlich von Mousterlin. Aubarbier meint, hier fände man die Templerkirche St. Maurice, in der sich ein Nagel des „wahren Kreuzes“ befände. Dumontier wiest darauf hin, dass eine der hl. Veronika zugeschriebene Reliquie hier verwahrt werden würde.

SONY DSCéglise de Saint Primel, 29170 Saint Evarzec

 Die Tatsache, dass die Templer in Saint Evarzec begütert waren, ist in der Literatur völlig unstreitig. Die Spurensuche ist allerdings nicht sehr einfach und auch noch nicht abgeschlossen. Diese Kirche stammt jedenfalls nicht aus der Templerzeit, sie ist erst im 15. bis 16. Jahrhundert errichtet und dem hl St. Primel geweiht worden (http://www.infobretagne.com/saint-evarzec.htm). Während der Revolution wurde die Kirche nach Wikipedia schwer beraubt. Auch wenn ich hier leider keine Templerkirche zeigen kann, zeige ich wenigstens ein exzellentes Exemplar des bretonischen style flamboyant. Die Giebel sind mit diesen Flammenzünglein geschmückt, wo immer Platz dafür ist.

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Alles ist irgendwie breiter und ausladender als bei der reinen Gotik. Das zeigt dieses überproportioniert wirkende Portal im bretonischen Flamboyant Stil sehr eindrucksvoll. Dass die Templer hier ansässig waren, beweist dieses Grab eines Tempelritters vor der Kirche von Saint Evarzec:

SONY DSCNäher ran: SONY DSC

6. Loc Amand, La Forêt-Fouesnant

Unsere letzte Templerstation vor Concarneau sollte die ehemalige Templerei von Loc Amand sein. Die Gegend spielte zu prähistorischer Zeit eine grosse Rolle, aber auch die Römer hinterliessen hier mehrere Strassen und andere Spuren. Da die Templereien sich regelmässig an alten Fernwegen ausrichteten und die für die mittelalterlichen Fernwege natürlich vorzugsweise auf ältere Strassentrassen zurückgegriffen wurde, ist es kein Wunder, hier überall auf Templereien zu treffen. La Forêt-Fouesnant beherbergte eine wichtigte Commanderie der Templer. Das ergibt sich aber nur noch aus alten Akten. Im 17. Jahrhundert wurde das Commanderiegelände komplett umgebaut, wobei umfangreiche Kelleranlagen der Templer freigelegt wurden, Dumontier S. 67. Erhalten sei noch eine presbytére (Pfarrhaus). Loc Amand ist ein vornehmer und recht abgeschiedener Ortsteil von La Forêt-Fouesnant und liegt auf einem Hügel, erreichbar nur über eine absurd steile Rampe.

Oben angelangt, fanden wir das:

SONY DSCEisenzeitliche Stele

SONY DSCHauptportal der Klosteranlage.

Die Anlage wechselte auch vor der Revolution mehrfach den Besitzer und verfiel schliesslich vollständig.

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In unmittelbarer Nähe fanden wir ein Häuschen, dass wie eine presbytére aussieht:

SONY DSCpresbytére Loc Amand, 29940 La Forêt-Fouesnant

Im Tür- und Fenstersturz sieht man deutlich das geschwungene Ornament aus dem 17. Jahrhundert. Bürgerhäuser hatten so etwas eher nicht, aber viele Komtur-Gebäude der Johanniter (z.B. Avalleur, Champagne). Im Giebel fundet sich auch ein sakral anmutendes Fenster.

Das eigentliche Ziel unseres Ausfluges hat nichts mit den Templern zu tun, aber es ist auch sehenswert. Ausserdem muß der Mensch auch mal was essen. In diesem Fall gegrillte Garnelen mit Reis und eiskaltem Weiswein.

SONY DSC29900 Concarneau

 7. 2900 Quimper

Der nächste Ausflug ging nach Quimper, der Präfektur des Departements Finistère. Die Templer sollen dort und im näheren Umkreis einige Niederlassungen unterhalten haben. Ich habe mir drei Hinweise ausgesucht, denen ich näher nachgehen wollte.

7.1 chapelle Saint-Jean-Baptiste, Quimper

Diese soll sich nach de Corson, S. 75,  im Winkel zwischen der Rue Vis und dem Quai der Odet befinden und sich zur Rue Vis öffnen.

RueVis

Sie sei 20 m lang und 8 m breit gewesen und in den Religionskriegen komplett zerstört worden sein. Sie sei jedoch zu Beginn des 17. Jahrhundert von dem Kommandeur Reneé de Saint-Offange  wieder komplett aufgebaut worden. Sie erhielt zur Ehrung eine höchstrangigen Reliquienbehälter in Form eines menschlichen Kopfes aus vergoldetem Holz. Dieser Behälter enthielt nach den Besuchsakten von 1617 Körperteile des hl. Johannes des Täufers. Man bedenke, dass die Templer unter anderem  wegen des Besitzes verschiedener solche Kopfreliquare, wegen Götzendienstes angeklagt wurden. Sie würden einen angeblich magischen menschlichen Kopf als „Baphomet“ verehren, was auch immer das sei. Mich wundert das nicht, dass die Anbetung solcher Köpfe bei vielen Verhören gestanden wurde. Die Templer haben nunmal dem hl. Johannes dem Täufer, ebenso wie die Johanniter, dies sogar offiziell ihren Namen von ihm ableiteten, eine besondere Verehrung entgegengebracht.

Viele Kapellen heissen bei beiden Orden Saint Jean, bis heute. Bei Templerkirchen finden sich sehr oft abgeschlagene Köpfe, die man als solche erkennt, weil sie mit heraushängender Zunge dargestellt werden (z.B. Malleyrand, Montsaunès). Jean-Baptiste wird regelmässig mit einem Lamm abgebildet, was die Templer ebenfalls besonders häufig zeigen (Temple, London). Was der Unfug mit dem Götzendienst dabei soll, ist mir ein Rätsel. Kopfreliquien sind für die katholische Kirche in keiner Weise eine Besonderheit.

Ich erwartete also viel. als ich mich dahin aufmachte. Ich fand jedoch leider nichts, rein garnichts. Keine Kapelle. Nichts.

Screenshot 2014-10-05 17.08.53Rue Vis, Quimper, Quelle Google Streetview

 Abbé de Corson hat sein Buch – wie gesagt – 1902 geschrieben. Da kann sich vieles verändert haben. In den Städten war der Grundstückspreis schon immer hoch, und so hat die Abbruchbirne mitunter auch an Gotteshäusern nicht halt gemacht. Hier ist jedenfalls nichts mehr. Mein Kollege Jack Bocar von Templiers.net sollte seinen Beitrag

http://www.templiers.net/departements/index.php?page=29

aktualisieren. Dort finden Sie den Originaltext von de Corson.

7.2 Commanderie des Faux Dieux, Penhars

Penhars ist seit 1960 eingemeindet worden und seitdem ein Vorort von Quimper. Nach Dumontier befänden sich Überreste einer commanderie, genannt temple des faux dieux in einem Prat en Rouze gennannten Gebiet. Das Navi brachte uns nach Penhars, fand aber die Bezeichung Prat en Rouze nicht. Das Buch Dumontiers ist aber auch schon fast 35 Jahre alt und trägt vermutlich der weiter vorangetriebenen  Bretonisierung von Ortsnamen nicht Rechnung, Die Kirche von Penhars war neugotisch und etwa 120 Jahre alt. Sie hatte am Ostchor allerdings die für Templerkirchen üblichen drei Fenster und steht an der Stelle eines Vorgängerbaus aus dem 12. Jahrhundert. Ob hier früher eine Templerkirche stand, weiss ich nicht. Meine Frau fand des Rätsels Lösung. Sie schaute auf den Plan der Bushaltestelle. Dort stand zu lesen:

SONY DSCPrat Ar Rouz hiess die Örtlichkeit inzwischen. Das Navi zog uns zu einer Allée de Prat ar Rouz in einem Ortsteil von Penhars, der ebenfalls diesen Namen trug. Die Allee war recht lang und es gab keine Hinweisschilder, es war auch nichts an altem Gemäuer zu entdecken. Wir waren hin und hergefahren und wollten schon aufgeben. Da entdeckte meine Tochter, dass die Allée de Prat ar Rouz nicht an einem Kreisel endete, sondern sich über den Kreisel zur Avenue Jacques le Viol hinaus noch als Sackgasse fortsetzte. Und hier: Volltreffer!!

SONY DSCDie Templercommanderie von Penhars.

Es ist nicht viel übrig geblieben, nur ein paar mittelalterliche Mauern. Ein „Zutritt verboten“ Schild zeigt, was der Privateigentümer dieses Anwesens von Besuchern hält. Es blieb uns nichts übrig, als aus sicherer Distanz zu fotografieren und die Privatsphäre des Besitzers unangetastet zu lassen. Es gibt aber auch nicht mehr zu sehen, als diese Mauer.

7.3. Locmaria, Quimper

Eine viel reichhaltigere Bildausbeute erzielten wir in einem südwestlichen Ortsteil von Quimper, in Locmaria. Dort unterhielten die Templer nach Aubarbier ein maison. Das erste was man von Locmaria warnimmt, verschlägt einem den Atem:

SONY DSCNotre Dame de Locmaria, Quimper

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Der Umkreis unserer Ausflüge vergrößerte sich schliesslich auf über 50 Kilometer. Die Stadt Quimperle war das Ziel und die liegt schon fast an der Grenze zum nächsten Departement, Morbihan.

 

8. Coadry 

Die Kapelle von Coadry (Gemeinde 29390 Scaër) stammt aus dem 11.  Jahrhundert und wurde im 17. Jahrhundert stark modifiziert. Sie soll an der Stelle eines als Druidenheiligtums errichtet worden sein. http://www.letelegramme.fr/local/finistere-sud/quimperle-concarneau/qleregion/scaer/pardon-de-coadry-la-chapelle-des-templiers-17-06-2011-1339837.php

Es ranken sich um den Ort einige Rätsel, insbesondere um dort gefundene Steine, die mit einem Kreuz versehen sind. Ich will das hier nicht vertiefen. Hier mag man sich in das Mysterium von Coadry einlesen: http://ourslithos.pagesperso-orange.fr/savoir/Coadry/coadry.html

 

Coadry1La Chapelle Saint-Sauveur de Coadry, 29390 Scaër

Coadry2solche Steinkreuze findet man sehr häufig in der Nähe von Templerkirchen

9. Kernével

Etwas südlich von Coadry, auf dem Gebiet der Gemeinde 29140 Rosporden errichteten die Templer in Kernével eine massive  Kirche, die allerdings auch im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut wurde, sodaß nur noch recht wenig an den Originalzustand errinert.

SONY DSCL’église de Saint-Colomban, Kernével,  29140 Rosporden

10. le Moustoir

11. Moëlan-sur-Mer

 

 

** Dieser Beitrag befindet sich noch in Bearbeitung*****

 

Als literarische Hilfsmittel für diesen Beitrag dienen mir folgende Bücher:

Aubarbier,  Jean-Luc, La France des Templiers, Editions Sud Ouest, 2007

Dumontier, Michel, et al., Sur le Pas des Templiers en Bretagne, Normandie, Pays de Loire,  Copernic, 1980

de Corson, Guillotin, Les Templiers en Bretagne, Nantes, 1902. Neuauflage Yoran Embanner, 2006

2012 Bretagne, Teil I

 

Im Sommer war Familienurlaub in der Bretagne gebucht. Wir waren in einem gemütlichen Ferienhaus etwas südlich der quirligen kleinen Hafenstadt Paimpol, genauer in der Gemeinde Plouézec, 22 Côtes-d’Armor, einquartiert. Dort – in Paimpol – sitzt man abends in einem der zahlreichen Restaurants rund um den Hafen mit einem fantastischen Blick aufs Meer (d.h. falls es mal da ist, das ist da oben nicht so sicher) und ißt Muscheln oder Galettes. Es war in erster Linie Erholung angesagt und ich hatte die Reise diesmal templermässig überhaupt nicht vorbereitet. Wir wollten uns nach Tagesform treiben lassen. Wir wussten auch noch nicht, welchen Radius für Ausflugsfahrten wir uns stecken wollten, und so liessen wir die Dinge einfach auf uns zukommen. Wir hatten ja sonnige zwei Wochen garantiert. So staunten wir häufig nicht schlecht, was wir alles mehr oder weniger zufällig in unserem Urlaub „entdecken“ durften. Es machte uns manchmal sprachlos. Man darf aber auch nicht vergessen, dass die Région Bretagne vermutlich die am dichtesten „betempelte“ Gegend von ganz Frankreich sein dürfte. Und so ist es nicht unbedingt eine Ausnahme, sondern eher die Regeln, bei ausgedehnten Ausflügen in Templerorten zu landen.

Einer der ersten Ausflüge führte uns südlich  über die Uferstrasse D786 nach Saint-Brieuc (bretonisch: Sant-Brieg), eine Stadt mit ca 46. tausend Einwohnern).

1. St. Brieuc

Wir trafen auf eine lebendige Kleinstadt, mit vielen schönen Plätzen, Cafés und Restaurants und einer ganz zauberhaften Altstadt mit unzähligen Fachwerkbauten, nach vermutlich englischer Ständerbauweise, recht typisch für diese Region.  Ich hatte irgendwie im Hinterkopf, dass die Templer (natürlich!) auch hier einen Stützpunkt hatten. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, dass davon noch irgendetwas übrig sein würde. In Städten war der Baugrund schon immer teurer Luxus und so ist klar, dass profane Templergebäude in den Städten – anders als auf dem Land – regelmässig keinerlei Überlebenschancen hatten. M.W. sind die einzigen profanen Stadtbehausungen der Templer im Original nur noch in Cahors, Beaugency und Caudebec-en-Caux erhalten.

St. Brieuc, bitte sehr:

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Ich lasse jetzt mal die Macht der Bilder sprechen und halte mich mit Kommentaren zurück:

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Jetzt wurde es auf einmal interessant! Hier sieht man, wie manche der Häuser, die wohl eher nur ca. 400 -500 Jahre alt waren, mit Hilfe von Bauelementen aus dem Mittelalter errichtet oder geschmückt wurden.

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Aber es sollte noch viel gruseliger kommen! Völlig ahnungslos spazierten wir an einem Fachwerkhaus vorbei, welches an der Stelle des früheren Templerhauses stand!!! SONY DSC Nichts scheint darauf hinzuweisen. Das Haus ist eher aus dem 16. Jahrhundert. Wie langweilig! Bis meine Tochter mich schließlich darauf aufmerksam machte, dass sie am Haus ein veritables Templerkreuz entdeckt hat:

SONY DSCmaison des templiers, Saint – Brieuc

 Bei genauerer Nachschau konnten wir noch eine ganze Reihe anderer Balken und Ständer entdecken, die ersichtlich aus einem Vorgängerbau stammten und offenbar zu Dekorationszwecken in den späteren Bau eingefügt wurden.
SONY DSCfleur-de-lys, Zeichen königlicher Macht in Frankreich und Herz

SONY DSC Sonnensymbol, maison des templières, St. Brieuc

Gerade der letzte Ständer zeigt deutliche Spuren der Nachbearbeitung. Es ist danach sicher, dass er nicht ursprünglich für dieses Haus gebaut worden war.

2. „Le Temple du Lanleff“

Der nächste Zufallsfund sollte keine 10 Kilometer von unserem Urlaubsdomizil entfernt liegen. Es handelt sich um eine recht berühmt gewordene Ruine eines Rotundenbaus, um den sich jahrhundertelang die Legendenbildung rankte. Keltisch? Gallo-römisch? Merowinger? Gar die Tempelritter? Im Volksmund heißt das Gebäude immer noch „Le Temple“ Ich hatte mich vor einigen Jahren einmal mit diesem Mysterium befasst.

SONY DSCSte-Marie de Lanleff, 22290 Lanleff, Côtes d’Armor

Offiziell ist das Bauwerk unter der Bezeichnung „nicht christliches, religiöses Bauwerk“ im amtlichen Denkmalverzeichnis notiert:

http://www.culture.gouv.fr/public/mistral/merimee_fr?ACTION=CHERCHER&FIELD_1=REF&VALUE_1=PA00089253

Der französische Denkmalpfleger (und frühere Schriftsteller) Prosper Mérimée (1803 – 1870) ging davon aus, dass die Kirche von den Templern gebaut worden sei. Er liess sich wohl davon leiten, dass die Templerkirchen der Zentralen des Ordens in London und Paris ebenfalls als Rundbau ausgeführt waren. Dieses Konzept geht vermutlich auf den Amstkollegen Mérimées, den Denkmalpfleger und Architekten Eugène Viollet-le-Duc (1814 – 1879) zurück.  Dessen Mythos, dass die Templer eine Vorliebe für Kirchen mit zentralem Grundrissgehabt hätten und dass das etwa mit der geheimen Alchimie von Zahlen zu tun haben könne, ist nach Alain Demurger (Die Templer, Aufstieg und Untergang, 2005, S.159) völlig unbegründet und nicht einmal mathematisch belegt. Bereits Élie Lambert hat sich in einem auch von Demurger zitierten Aufsatz im Jahre 1954 gründlich mit dem Mythos einer angeblichen Templerarchitektur befasst und diesen überzeugend widerlegt (Élie Lambert, L’Architecture des Templiers, in Bulletin Monumental, Hrsg. Société française d’Archeólogie, Tome CXII, 1957, S.129 – 165).

Die Templer haben den weder Rundbau noch den zentralen Polygonbau erfunden. Auch ist eine solche Architektur keine Spezialität des Templerordens. (Demurger, S. 160). Es gab solche Vorbilder schon lange vorher, etwa die Pfalzkapelle in Aachen, die sich an der Anastasis der Heilig-Grab-Kirche in Jerusalem orientierte (Demurger, a.a.O) Die wenigen polygonalen Zentralkirchen sollen mit dem Felsendom in Jerusalem stehen, aber das ist unsicher (Demurger, aaO).

Nach meinen eigenen Feststellungen lassen sich die Rund- oder Zentralbauten der Templer auf einen verschwindend geringen Prozentsatz reduzieren, während die einfache Rechteckbauweise mit einem Prozentsatz von über 90 dominiert. Hier irrt m.E. Demurger, wenn er annimmt, dass dieser vermeintlich begrenzte Bautypus auf West- oder Mittelfrankreich (S. 161) beschränkt sei. Ich fand diese Rechteckkapellen nicht nur in Ostfrankreich (z.B. Avalleur, Champagne und Toul, Lothringen), sondern auch in Polen. Sie gibt es nach meinen Feststellungen (mit dem zentralen Drehkreuz im Burgund) von dem Bordelais bis nach Lothringen und von der Bretagne bis zu den Pyrrenäen. Wenn ich mal Zeit finde, werde ich über die Verbreitung von Baustilen der vermeintlichen Templerarchitektur dereinst mal eine Datenbank aufbauen. Man wird feststellen müssen, dass die Templer häufig einfach nur die lokalen Bautraditionen übernommen haben (Demurger, S. 162). Zu einem nicht geringen Teil schliesst sich an die rechteckige Grundform von Templerkapellen eine halbrunde Chorapsis (z.B. Mesnil-St.-Loup, Champagne) oder eine polygonale, sogenannte Radialapsis (Villedieu, Elancourt, Dept. Yvelines) an.

In England gibt es Rotunden bei Templerkirchen sicher weitaus häufiger (Lambert, S. 143), etwa Garway, Bristol, Temple Bruer und ganz besonders die Ruine der Templerkapelle von Dover

Reste der Templerkirche von Dover. (Foto Jan Hosten)

Aber Rotunden gibt es auch an englischen Kirchen, die rein garnichts mit den Templern zu tun haben, wie etwa die Rotundenkirche in Cambridge (Lambert, S. 143). Ich meine, die Vorliebe der Briten für solche Rotunden geht wohl auf pagane Vorbilder, wie Steinkreise, zurück. Demurger ist der Ansicht, dass auch ein Zusammentreffen mit anglo-normannischen Traditionen diese lokale Vorliebe befördert haben mag. (a.a.o. S. 160).

Generell möchte ich festhalten, dass die Verwendung des Wortes „Temple“ in einer Ortsbezeichnung nicht geeignet ist, eine etwaige Templerpräsenz auszumachen. Ein Tempel ist in erster Linie ein nicht christliches Heiligtum. Damit sind zunächst sämtliche griechischen, römischen und gallo-römischen Bauwerke erfasst. Aber auch evangelische Kirchen heissen in vielen Gegenden Frankreichs heute noch „Temple“! Lanleff hat jedenfalls nichts mit der Templerforschung zu tun.

3. Créac’h

Die nächste Station ist nicht zufällig gewählt. Die Templerkapelle von Créac’h ist in der Literatur bestens beschrieben. Laurent Dailliez etwa skizziert sie in seinem Büchlein La France des Templiers, 1974 (S. 121 f.) als stilistisch völlig isoliert und im übrigen verloren in mitten  einer Ansammlung von Ruinenresten in den Feldern. Die Kapelle befindet sich im Gebiet der Gemeinde  22960 Plédran, etwas südlich von St. Brieuc.

SONY DSC Templerkapelle Le Créhac, 22960 Plédran

Die Kapelle ist erstmals in 1182 als Templerbesitz urkundlich erwähnt, unter dem Namen Crihirac (Guillotin de Courson, Les Templiers en Bretagne,  Nantes, 1902, Neuauflage von 2001, S. 191 f.) Der Boden der Ende des 17.  Jahrhunderts renovierten Kapelle ist mit Grabplatten von Templer gepflastert.

SONY DSCAnsicht von Südosten

4. Moulin du Temple, St. Jean du Temple, 22170 Plelo

Der nächste Volltreffer war wieder ein absoluter Zufallsfund. Wir fuhren von St. Brieuc zurück nach Paimpol und nahmen diesmal nicht die D 786 am Meer, sondern eine Route weiter im Landesinneren über die D 6. In einer starken Linkskurve bemerkten wir rechts einen Parkplatz und dieses Verkehrsschild:

SONY DSCAuf dem Parkplatz selbst war nichts weiter zu sehen, aber es führte ein absurd steiler Weg die Böschung hinab Richtung Trégan und La Corderie.  Untem im Tal fand sich eine kleine Ansammlung noch kleinerer Häuser und Gebäude, deren Ursprung gewiss alt, aber schlecht zu schätzen war.

SONY DSCDie Häuser waren gut in Schuß und bewohnt. Ich habe daher auf eine genauere Inspektion verzichten müssen.

SONY DSCNach der Grösse der Fenster dieses Hauses stammt es nicht Templerzeit. Die Ausführung der Fensterlaibung in massiven behauenen Steinen spricht aber auch entschieden dagegen, dass das Haus modern sei. Ich schätze die Grundmauern dieses Gebäudes hier auf 16 Jhr. Eventuell ist es aber auch ein Neubau unter Verwendung alter Steine.

SONY DSCDas Gebäude wird wohl aus der Templerzeit stammen. Man erkennt es an dem gotischen Türsturz der linken Tür: arc brisée. Wie man deutlich sieht, ist das Haus nach rechts hin erweitert worden.

SONY DSCTemplermühle, Plelo, Côte d’Armor

SONY DSCDas Haus im Vordergrund war das Mühlengebäude. Es steht direkt am Bach L’Ic und links unten am Bildrand kann man die Ablaufrinne des Mühlkanals sehen. Das Mühlrad war nicht mehr vorhanden, aber noch einige Installationsreste an der Basis des Hauses.

5. Lannouée

Ein weiterer Ausflug hatte die bezaubernde mittelalterliche Stadt Dinan mit ihren 3000 Metern intakter Stadtmauer zum Ziel. Auf dem Weg dahin war als Templerlocation die Kapelle La Nouée schnell ausgemacht. Sie sollte sich in der Nähe der Stadt Yvignac befinden, etwa 5 Kilometer nordöstlich davon. Die Such im Nahbereich des Ziels brachte uns an einige mittelalterliche landwirtschaftliche Nebengebäude.

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Es waren keine Schilder angebracht aber ich gehe davon aus, dass diese Häuser zur Commanderie von Lanouée dazu gehörten. Sie stammen jedenfalls unzweifelhaft aus dem 12 Jahrhundert.

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Man darf den Weiler Lanouée im Gebiet der Gemeinde Yvignac nicht mit einem 40 Kilometer entfernt im Departement Morbihan liegenden, gleichnamigen Ort 56120 Lanouée verwechseln! Wir lagen hier richtig, wie das Schild beweist:

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Und da war sie auch schon, die Templerkapelle von Lanouée.  Diese wurde im Jahre 1182 gegründet und ihr Name wurde unter folgenden Schreibweisen aktenkundig: Lanhoe, la Noueix, la Nouaye, Lannoeix. Sie ist eine der ältesten Gründungen des Ordens überhaupt. (Guillotin de Corson, a.a.O., S. 188, 189).SONY DSCIch war ganz überrascht, diese Kapelle so renoviert anzutreffen. Ich kannte die düsteren Schwarzweiss-Bilder aus Dumontier, Les Templiers en Bretagne etc.., aber das Buch ist von 1980 und die Fotos vielleicht noch viel älter. Früher war die Kapelle stark mit Efeu umrankt und von Bäumen und Büschen versteckt.

SONY DSCWie man sieht , ist es dort jetzt schön aufgeräumt und ordentlich.

SONY DSCIm Hintergrund kann man erkennen, dass sich jemand kürzlich dort auf dem Gelände ein Gehöft zu Wohnzwecken hergerichtet hat. An dessen Tor prangt ein Schild „la Commanderie“.

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6. Yvignac

Nach Aubarbier (S. 134) sollen die Templer in der nahen Kleinstadt Yvignac für den Bau der Pfarreikirche St. Malo verantwortlich gewesen sein. Immerhin gibt es dort schon einmal ein Restaurant, was nach den Rittern benannt wurde:

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Der Kirchturm ist von 1874 SONY DSCAuch die Kirche selbst zeigt zahlreiche Modernisierungsarbeiten aus dem Ende des 19 Jhr., die erforderlich waren, um den drohenden Zerfall und Abriss abzuwenden.

SONY DSCDas Innere des Hauptportals verrät den Ursprung der Kirche im 12. Jhr.

SONY DSC Die drei Fenster sind für Templerkirchen typisch. SONY DSCEin Hinweisschild der Gemeinde besagt, dass die Kirche entweder von den Templern oder von einer anderen lokalen Herrschaft gebaut wurde, offenbar lässt sich das nicht genauer in Erfahrung bringen.

Neben der Kirche befindet sich eine ca 1000 Jahre alte Eibe, deren Baumstamm ausgehöhlt ist. Die Eibe (frz. If) soll dem Ort den Namen gegeben haben

Eine kleine Kuriosität am Rande: Yvignac ist mit einem Ort Ivenack in Deutschland verschwistert und der hat nicht nur einen ähnlich klingenden Namen. Er ist ebenfalls für mehrhundertjährige Bäume berühmt!

SONY DSCDirekt neben der Kirche dieses doch typische Beweiszeichen, was wir aus vielen anderen Templerbesitzungen kennen, sogar aus Deutschland (Süpplingenburg).

SONY DSCDas dürfte ein Templerkreuz sein.

 7. Le Temple, Jugon les lacs

Auf der Fahrt von und nach Dinan sah man von der Schnellstrasse aus eine Ausfahrt Jugon-les-Lacs und Le Temple. Das ist eher auch wieder ein Zufallsfund, ich konnte mich an diese Ortsbezeichnung nicht erinnern.

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Wir trafen auf weit verstreut liegende Gehöfte, einige davon hatten sehr alte Bausubstanz zu zeigen.

 

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SONY DSCDas hier scheint mir ein Volltreffer zu sein. So sehen viele ländliche Commanderiegebäude der Templer aus, etwa Marbotte in Aprémont-le-Forêt, Lothringen. Wie man sieht ist das Haus bewohnt, sodass ich nicht weiter ging.

Die Nachschau bei Aubarbier (S. 135) ergab, dass dieser Ort der Templerliteratur bekannt ist und dass es sich hierbei um eine Dependance der Commanderie von Lanouée gehandelt habe.

8. Dinan und St. Malo

Hier ist ein kleiner Abschnitt der angeblich 3000 Meter Stadtmauer von Dinan:

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22100 Dinan

In grösseren Städten hatten die Templer zumeist jeweils auch Niederlassungen. Auch für Dinan (Aubarbier, S. 135) und St. Malo (ders., S. 143) scheint das zu gelten. Zu sehen gibt es in Städten, insbesondere in Grosstädten zumeist nichts mehr. Kirchen der Templer gibt es schon öfters mal auch mal in Städten zu sehen(z.B. Avignon), aber an Kirchen wagt man sich mit der Abrissbirne ohnehin nicht gerne heran. Schon garnicht in Frankreich. Profanbauten hatten da weit weniger Glück. Es macht praktisch keinen Sinn, in Grossstädten nach Templermauern (Z.B. in Mainz gibt es eine) zu suchen.  In Dinan soll das Templergebäude an der Stelle des Konvents der Cordeliers (Franziskaner)  gestanden haben . Wir fanden immerhin einen Nachtclub, der an den Orden erinnern möchte:

SONY DSC Nachtclub „Les Templiers“ in Dinan

In St. Malo fiel uns per Zufall ein Strassenschild ins Auge:

SONY DSCEscalier de la Préceptorie, 35400 St. Malo

Preceptorie ist ein anerkannter Templerbegriff. Der Präzeptor ist ein wichtiger Dienstgrad und manche Templereien, z.B. Preceptorie de Centernach tragen das Wort im Namen. Vielleicht hilft unser Hinweis ja weiter…. St. Malo wurde 1944 fast total zerstört. Es erübrigte sich also die Nachschau nach Templersteinen.

Frankfurt am Main, Oktober bis November 2013

 

 

 

 

 

2012 Normandie

Den Osterurlaub verbrachten meine Frau und ich in der Normandie, genauer gesagt, im Departement 50 Manche und Umgebung.

Wir hatten dort einen schönen Urlaub mit Kaminfeuer, phantastischem Fernblick, paradiesischer Ruhe und eben auch der sprichwörtlichen normannischen Gelassenheit. Unsere Unterkunft befindet sich in der Nähe der Stadt 50300 Avranches. Die Gegend spielte eine grosse Rolle bei der sog. D-Day Operation, die das Ende des 2. Weltkrieges einleitete (sog. Avranches-Durchbruch).

Avranches, früher selbst Bistum, gehört seit längerem zum Bistum Coutances und dort gibt es eine berühmte und absolut sehenswerte gotische Kathedrale:

SONY DSC Notre-Dame de Coutances, 1056 erbaut

SONY DSCAnsicht von Südosten

SONY DSCBlick in den Turmhelm, manche erblicken dort ein Templer-Tatzenkreuz

Wir hatten nur eine Woche und viel Ruhebedürfnis. Das begrenzte die Möglichkeiten zur Templersuche. In dem Departement Manche gibt es nur eine (gesichert festgestellte, vgl. Michel Lascaux, Les templiers en Normandie, S. 10) Commanderie der Templer in 50613 Valcanville, im Nordosten der Halbinsel der Manche. Das waren ca. 150 Km Entfernung und die schienen sich nicht mal zu lohnen. Denn alles wurde mehrfach umgebaut, sowohl die Kirche ab 15 Jahrhundert als auch die Commanderiegebäude im 17. und 18. Jahrhundert. (Lascaux, a.a.O. S. 12). Die nächste Templerei für uns lag im Nachbardepartement 14 Calvados, in der Gemeinde Vassy. Ihr Name Courval (Corval im 12. Jh) leitet sich wohl von vallée courbe (gekrümmtes Tal) ab. (Lascaux, a.a.O. S. 13)

Es war garnicht so einfach, diese Commanderie zu finden. Zunächst stiessen wir  gelegentlich auf landwirtschaftliche Gebäude, die aus dem Mittelalter stammen.

SONY DSCcommune de 14410 Vassy, hameau de Courval, Stallung

SONY DSCweiteres landwirtschaftl. Nebengebäude

Wir fragten hin- und wieder nach dem Weg und schliesslich erhielten wir den Tip, wir müssten nach einem Feldweg suchen, der „l’hôpital“ heisst. Davon gab es zwei, aber schliesslich landeten wir richtig:

 SONY DSCcommanderie des templiers, Courval

SONY DSCTemplerkapelle, äusserlich noch recht intakt

Es gab wohl früher in der Literatur einen Streit, ob diese Einrichtung überhaupt den Templern gehört habe. So wurde behauptet, Richard Löwenherz habe dieses Lehen 1192 den Johannitern geschenkt. (Michel Dumontier, Sur les pas des templiers, en Bretagne, Normandie, Pays de Loire, S. 124, m.w.N.) Dumontier weist aber nach, dass diese Sichtweise nicht zutrifft. Es gäbe entsprechende Akten aus 1126 und 1248. Letztere trüge den Siegel von Robert Payart, Präzeptor der Templerhäuser in der Normandie. So wurden nach der Verhaftung 1307 folgende Templer verhört: Etienne de Châteauneuf, Komtur von Corval, Richard Bellenguel und Guillaume Tane, Templer aus dem selben Haus. (Dumontier, a.a.O)

 

SONY DSCmaison der Komture, die Fenster sind 17. Jh.

 

SONY DSCKapelle, Innenansicht

Abschied von Calvados und Courval, ein letztes Bild von der Kapelle:

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 Ganz zum Schluss noch einen herrlichen Blick auf den Mont-St.-Michel, der bei keiner Normandiereise fehlen darf:

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Stand 03.11.2013