2011 Charente, Medoc

Templer in der Charente und Aquitanien, Teil 3

Ein weiterer Geschäftstermin brachte mich mehr oder weniger zufällig – per TGV, 1. Klasse, ein rasantes und angenehmes Vergügen – in ein mir schon recht gut bekanntes Templergebiet an der französischen Atlantikküste. Es ist die Gegend zwischen La Rochelle und Bordeaux, die betreffenden Régions von Frankreich heissen heute Charente-Poitou und Aquitaine. Die Departements, 17 Charente-Maritime und 33 Gironde, die ich besuchte grenzen aneinander. Nach dem Eintreffen, mein Zug hielt in Surgères, ging es über die letztens noch offengebliebene Templerdomaine in Le Mung zu meinem Quartier in der Nähe der Stadt Saintes. Auch hier blieb genug Zeit, noch immer vorhandene „Templerlücken“ in dieser Ecke Frankreichs zu füllen. Surgéres und Saintes befinden sich im Departement Charente-Maritime.

Le Mung

Es ist meinem dort ortsansässigen „Forschungskumpanen“ Rein Denich in der Zwischenzeit durch Zuhilfename von alten Karten und hochaufgelösten Wanderkarten gelungen, Licht in das Dunkel dieser Angelegenheit zu bringen. Die Commanderie befindet sich nämlich nicht auf dem Gebiet der heutigen politischen Gemeinde Le Mung, sondern vielmehr dem der Gemeinde Geay, und zwar an einer Furt der Charente, die früher eine Rolle gespielt haben wird. Heute sieht man noch die betreffenden Strassen von beiden Seiten auf die Ufer der Charente zulaufen, aber die Furt ist jetzt gesperrt. Vermutlich ist sie für den Bootsverkehr ausgegraben worden.

Es gibt an der Stelle zwei Gebäude mit Resten aus der Templerzeit. Ein als „La Commanderie“ bezeichnetes Grundstück ist von diesem Haus bestanden. Es ist natürlich lange nicht mehr im Originalzustand, aber man kann Reste aus der Templerzeit noch recht gut erkennen. Das Haus wird zur Zeit von einem englischen Ehepaar bewohnt, nachdem sie es sich zuvor sehr liebe- und geschmackvoll hergerichtetet hatten. Wir wurden sehr gastlich aufgenommen, es ist keine Selbstverständlichkeit, in dieser Ecke der Welt ein gutgekühltes englisches Ale geniessen zu können. Die Eigentümer berichteten uns, dass das Haus vorher jahrzehntelang leer gestanden habe und völlig überwuchert war. Nicht wissend, dass es ein Templerhaus gewesen sei, berichtete mir die Eigentümerin, habe sie beim ersten Betreten des Hauses gespürt, dass es das „Richtige“ für sie gewesen sei. Die beiden sind da schon eine Reihe von Jahren drin, es gibt einen alten Brotbackofen, der noch intakt ist. Es steht jetzt zum Verkauf, da es sich als für die Bedürfnisse leider zu klein erwiesen hat.

Dieses Haus ist noch einige 50 oder 100 Meter von der Charente entfernt. Eine schnurgerade Strasse führt dorthin, wo sich ein Gehöft mit Stallungen und Wohngebäuden befindet und dort, direkt am Ufer der Charente fanden wir auch unsere langgesuchte Kapellenruine von Le Mung. Die Gebäude dieses Gehöfts könnten auch von der Basis her noch aus der Templerzeit stammen.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Royan, um mit der Fähre die Gironde zu überqueren. Die Gironde kann man wohl kaum noch als Fluss bezeichnen, eher als Fjord oder Meerbusen. Sie bildet hier die Grenze zischen dem Departement Charente-Maritime und dem Departement Gironde einerseits, sowie auch zwischen den Régions Poitou-Charentes und Aquitaine andererseits. Bei Royan mündet sie ins offene Meer und man konnte auch bei perfekten Fahrwetter eine starke Strömung des Gewässers feststellen. Im Mittalter barg das Überqueren an dieser Stelle sicher ganz erhebliche Risiken für Leib und Leben der Pilger, wurde aber praktiziert. Auf dem Weg zu unserem Termin blieb noch genug Zeit für einen ersten Ausflug zu den Templern auf dem Médoc.

Saint Vivien-de-Medoc

Was es genau hier einmal gab, von den Templern, war bislang noch nicht exakt in Erfahrung zu bringen. Die Website www.templiers.net listet den Ort und ordnet ihn einem angeblichen Maison du Temple de Grayan zu. Die Wanderkarte zeigt am südlichen Ortsausgang  östlich der Landstrasse D1 einen Ort „le Temple“ und weiter östlich davon befindet sich ein Eintrag les Près du Temple“. Etwas weiter südlich und von der Landstrasse nun westlich befindet sich eine Gemarkung „la Commanderie“ im Wald. Vor Ort fanden wir jedenfalls schon mal ein Strassenschild:

St. Germain d’Esteuil

Vertheuil, Le Mignot

Saint-Sauveur

La Commanderie, St. Estephe

St. Helene d’Etang

Benon

Le Temple de Sautuges

Martignas-sur-Jalle

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