Kategorie-Archiv: Reiseberichte

2016, Oktober, Catalunya Teil 3

Catalunya – Teil 3

Im Oktober 2016 bot sich nochmals die Chance, Ferien in dem schönen Haus in Masos de Pals zu verbringen. Weil es uns im Mai dieses Jahres dort so ausnehmend gut gefiel (siehe Templerreise Mai 2016) , liessen wir uns das nicht zweimal sagen und  brachen voller Vorfreude auf. Die Strapazen der sicherlich nicht gerade kurzen Anreise war spätestens am nächsten Morgen vollends verflogen, als wir auf der sonnenüberfluteten Terrasse die frisch gekauften Croissants und Avocados zum Frühstuck geniessen konnten. Die erste Woche verbrachten wir mit Ausflügen in die Umgebung, besuchten Märkte in verschiedenen Orten in der Nähe und genossen das mediterrane Leben. Der Pool war auch noch erträglich temperiert. Inzwischen gab es hier eine gute Internetanbindung, die mir half, die Reisen vor Ort noch viel genauer zu planen.

1.1 Comarca Vallès Occidental

Palau-solità i Plegamans

Im Mai war ich an dieser Station mehr oder weniger gescheitert. Wir hatten zwar an mehreren Stellen mittelalterliche Gebäudereste ausfindig gemacht, die auch den Templern zuzuordnen sein dürften, aber die Templerkapelle haben wir verpasst. Um diese „Scharte auszuwetzen“ , durchsuchte ich das Internet auf einen Lageplan der ehemaligen Komturei von Palau. Auf der Homepage cosasdelvalles wurde ich fündig:

palau.jpgQuelle: cosasdelvalles

Leider war die Beschriftung der Skizze nur schwer zu entziffern. Strassennamen waren nicht angegeben. Das Gewässer Riera de Caldes, das auf der Skizze breiten Raum einnimmt, erwies sich in natura eher als Bach. Die Kirche Santa Maria, die ich im März besucht hatte, war jedenfalls die Pfarrkirche von Palau. Sie muß sich deshalb in dem schwarz hinterlegten Bereich oben links auf der Skizze befinden, denn dessen Beschriftung lautet Parroquia de Palau-solità und Parroquia heisst Pfarrei. Die Beschriftung des schraffierten Bereiches rechts von der Mitte der Skizze lautet Antic recinte templer und links neben der Stelle steht Nucli de St. Magdalena. Nucli bedeutet Kern, Zentrum. Die kreisförmige Struktur „El Fernot“ soll die Stelle bezeichnen, an der sich einst eine Mühle befunden hat. Ich hatte mich an den Bach erinnert, aber der bot keine Orientierungshilfe, weil man dessen Verlauf und seine Krümmungen vom Auto aus nicht sieht. Ich musste also versuchen, auf google maps die Stelle zu finden. Es gelang:

palaumap.jpggoogle maps

Oben sieht man die Pfarrkirche Sta. Maria sowie die Carrer Templers, unten erkennt man die Carrer Templer Guido  nach Süden aus dem Kartenauschnitt hinauslaufen. Mit dieser Skizze und der daraus gewonnenen Erkenntnisse wurde ich nunmehr auch vor Ort fündig.

DSC_0002

Ansicht der Komturei von der Carrer Pompeu Fabra

DSC_0005

Nach dieser Tafel handelt es sich bei dieser Anlage, die im Privatbesitz steht, um ein Kulturgut von nationalem Rang. Es ist danach offensichtlich gestattet, das Gehöft auch zu betreten. Die Eigentümer betreiben hier Landwirtschaft und verkaufen ihre Erzeugnisse vom Hof. Ich klingelte vorsorglich, weil ich mich nicht wie ein Eindringling fühlen wollte. Die Inhaberin nahm an, ich wollte etwas kaufen. Als ich ihr sagte, ich wollte nur fotografieren, sagte sie, das wäre völlig in Ordnung. Und so gelang mir endlich der heiss ersehnte Fototermin mit Santa Magdalena:

DSC_0007

comanda Santa Magdalena de Palau de Vallès

DSC_0009

Die Kapelle ist aus dem frühen 12. Jahrhundert. Sie war offenbar lange als Stall genutzt.

DSC_0012

Auf dem Gehöft selbst war nur die Kapelle für meine Studien interessant. Die übrigen Gebäude sind zumeist modern und dienen als Abstellräume für Alltagsgegenstände. Zudem wollte ich die Privatsphäre der Eigentümer nicht unnötig beeinträchtigen.

DSC_0013

Ich verließ den Hof wieder und machte ausserhalb dieses vollständig ummauerten Innenbereiches noch einige Aufnahmen.

DSC_0023

 

 

Westliche Aussenmauer des Gehöfts. Für meine Begriffe ist das der Originalzustand aus dem Mittelalter.

DSC_0022

Gebäude ausserhalb der südwestlichen Ecke des Gehöfts, teilweise unter Verwendung mittelalterlicher Steine errichtet. (Möglicherweise auch Originialzustand?)

DSC_0004

Ein letztes Foto noch von einem links neben dem Haupteingang befindlichen Schuppen und mit diesem Blick verabschiedete ich mich aus Palau-solità und fuhr zurück nach Pals. Zum Abendessen wagte ich mich an die Zubereitung der ersten Paella meines Lebens. Damit sie auch zu den Eindrücken des Tages passte, wurde es eine Templer-Paella:

20161018_192410

 

2 Provincia de Lleida

Gardeny, Lleida

Für den nächsten Tag hatte ich mir vorgenommen auf der sogenannten „ruta del Temple“ soviele der berühmtesten Templerburgen Spaniens – oder besser gesagt, des damaligen Königreichs Aragon – wie möglich zu besuchen. Diese Burgenstrasse zieht sich von Monzón im Nordwesten bis nach Peniscola im Süden hin. Während wir bisher in Katalonien – mit der Ausnahme von Barberà de la Conca – nur die Kapellen der Templer vorgefunden hatten, standen hier nun mächtige Trutzburgen als wahre „Bollwerke der Christenheit“ gegen das inzwischen schon um einige hundert Kilometer nach Süden zurückgedrängte „Al Andalus“ , die es zu erforschen galt.

Screenshot 2017-02-25 10.59.45Quelle: La Ruta del Temple

Von Pals nach Gardeny in der Stadt Lleida waren es schon knapp drei Stunden. Nach Monzón hätte ich noch eine weitere halbe Stunde gebraucht. Das erschien mir zu weit und so entschied ich mich, in Lleida zu beginnen und dann vor Ort zu entscheiden, was mir an diesem Tag sonst noch gelingen würde.

Screenshot 2017-02-25 10.58.52

Quelle: ebreguia.com

Die Templerburg in Lleida heißt Castell de Gardeny. Und ich hielt es für eine extrem schlaue Idee, meinen Navi auf das Ziel: Carrer del Castell de Gardeny einzustellen. Damit begann eine neue trial-and-error Tournee durch Spanien. Leider gelang mein Aufbruch in Pals nicht vor 9:00 Uhr sodaß Lleida erst um 11:45 Uhr erreicht werden konnte. Ich hatte mich der Stadt von Süden genähert und die Brücke über den Fluß Segre passiert. Als ich auf einer sehr belebten Hauptstrasse in die Stadt hineinfuhr, meinte ich, ein nach links weisendes Schild mit der Aufschrift „Gardeny“ wahrgenommen zu haben. Der wuselnde Verkehr auf der vielspurigen Einfallstrasse verlangte aber meine ganze Konzentration und mein Navi zeigte mir, dass noch einige Kilometer vor mir liegen würden. Hätte ich nur nicht auf mein Navi gehört. Hätte, hätte, Fahradkette!

Ich durchquerte also die ganze Stadt. Lleida hat immerhin ca. 140.000 Einwohner. Ich hatte schon den nordöstlichen Stadtrand erreicht, aber von einem Hügel mit einer Burg war nichts zu sehen. Am „Ziel“ stellte sich heraus, daß die Carrer del Castell de Gardeny in einer Wohnsiedlung liegt und nur den Zugang zu reizenden Bungalows am Stadtrand erschließt. Also wieder zurück zu dem Punkt, an dem ich das Verkehrsschild wahrnahm. Es war ab dort überhaupt kein Problem, die Templerburg nach den Schildern zu finden. Ich fuhr den Burgberg hinauf, fand einen riesigen Parkplatz, machte mit vor Jagdfieber zitternden Händen die Kamera klar und – erlebte den Frust meines Lebens! Es war zu. Das Kassenhäuschen war nur bis um 12:00 besetzt. Die Anlage ist eingezäunt. Rien ne va plus! Fin de partie!

DSC_0024

Ich hetzte rüber zu Kassenhäuschen, weil ich dort eine Bewegung bemerkte. Es war gerade 5 Minuten nach zwölf und zwei Mitarbeiterinnen unterhielten sich noch beim Zuschliessen. Alles Beteuern, dass ich drei Stunden unterwegs war, um die Anlage zu besichtigen, half nichts. Man hätte Anweisung und es sei nichts mehr zu machen. Nicht einmal für fünf Minuten. Wäre ich gleich hierher gefahren, hätte ich es gerade noch geschafft. So blieb mir nichts anderes übrig, als durch den Zaun zu fotografieren.

DSC_0034

Haupteingang

DSC_0035

beeindruckendes Portal aus der Nähe

DSC_0029

nach Norden weisender Wachturm mit Blick auf Lleida

DSC_0036

Westfassade der Kapelle, die ziemlich genau nach Osten ausgerichtet ist

DSC_0030

Nach dem Hinweisschild erbauten die Templer die Anlage im Jahre 1156, nachdem der Graf von Barcelona, Ramon Berenguer IV ihnen diesen Hügel übereignet hatte.

Kurz bevor ich wieder zum nächsten Ziel aufbrechen wollte, gelang es mir noch, eine interessante Entdeckung zu machen:

DSC_0027

Im Erdreich versteckt tauchte eine Gewölbedecke auf, die eindeutig mit römischen Flachziegeln errichtet war. Ich würde nocheinmal hier her kommen müssen, um alle Versäumnisse nach zu holen und jetzt machte ich mich auf zu meiner zweiten Etappe.

3 Provincia de Tarragona

3.1 Comarca Ribera d’Ebre

Miravet

Ich entschied mich dagegen, noch weiter nördlich zu fahren und liess Montzón für dieses Jahr aus. Die Strecke zum nächsten Etappenziel Miravet beträgt ca. 85 Km in südlicher Richtung. Sie dauerte aber einiges über eine Stunde, denn die Strecke besteht nur aus Landstrassen. Das Ziel war nur noch 2,3 Kilometer entfernt, da tauchte ein kleines Verkehrschild nach Miravet auf und ging es von der Fernstrasse jäh nach rechts eine Böschung hinunter. Ich stand unvermittelt an den Gestaden des Ebro, des längsten spanischen Flusses. Die Fähre war ein echtes Abenteuer!

Miravet Fähre

Es dauerte ungewöhnlich lang, bis sie vom anderen Ufer losgemacht wurde. Es haben nur maximal 2 Fahrzeuge Platz. Die Fähre hat KEINEN MOTOR!! Sie wird allein durch die Strömung und die jeweilige Stellung des Ruders fortbewegt, wenn sie erstmal vom Ufer abgelegt hat. Die Fährleute müssen beim An- und Ablegen ganz schon schuften. Denn die Fähre muß mit langen Staken erst jeweils in die richtige Position gebracht werden, damit die Strömung sie dann auch in die gewünschte Richtung fortbewegt. Als mein 2 Tonnen schweres Fahrzeug auf die Fähre rollte, wurde sie zunächst beängstigend tief herabgedrückt. Aber es ging schließlich alles gut.

Und dann durfte ich mich auf einen wahrlich erhabenen Anblick freuen, den ich jetzt gleich mit Ihnen teilen werde. Ich hatte erst erwogen, zu den Bildern schlaue Kommentare zu verfassen. Aber schließlich siegte Idee, die Macht der Bilder einfach für sich sprechen zu lassen. Hier ist sie, meine erste richtige Templerburg Miravet:

DSC_0045

 

DSC_0047

 

DSC_0053

castell dels templers, 43747 Miravet, Tarragona

Die Burg ist nicht von den Templern errichtet worden. Sie entstand vielmehr durch Umbauten und Erweiterungen der bereits im sechsten Jahrhundert angelegten andalusischen Burg gegen Ende des 11. und Beginn des 12. Jahrhunderts (Quelle: Leaflet des Museu d’Història de Catalunya). Am 24. August 1153 gelang es Ramón Berenguer IV, dem Grafen von Barcelona, die starkbefestigte Burg von Miravet einzunehmen und dauerhaft zu besetzen (Fuguet, S. 99).  Auf Grundlage sogenannter Verträge von Girona übertrug der Graf die Burg zusammen mit umfangreichen Ländereien an die Templer und dazu sogar den Ort Miravet selbst (a.a.0., S. 100), der sich am Fuße der Burg befindet. Die Templer bauten dann ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und im 13. Jahrhundert die Burg für ihre Zwecke weiter um (Leaflet).

Die nachstehende Skizze gibt einen Überblick über die Bauphasen. Die Erweiterungen der Templer sind grün eingezeichnet.

Plan(Quelle: Leaflet Museu d’Història de Catalunya)

Sind Sie neugierig auf das Innere der Burg geworden? Ja? Kann ich gut verstehen. Das ging mir auch so. Hier sind die Aufnahmen mit kurzen Erläuterungen.

DSC_0062

Blick auf den Ebro, flussabwärts (Richtung Tortosa)

DSC_0067

Refektorium von aussen (Nr.11) Blick nach Nordosten

DSC_0068

Waffenhof (Nr. 9)

DSC_0071

 Refektorium (Speisesaal, Nr. 11)

DSC_0078

Eingang in den Kornspeicher (Nr. 12)

DSC_0084

Weinkeller (Nr.14)

DSC_0086

Lager (Nr. 13)

DSC_0093

Kirchenschiff, Blickrichtung nach Osten (Nr. 16)

Die Burg von Miravet sollte vor allem in der Zeit nach der grossen Verhaftungswelle der Templer noch eine bedeutende Rolle spielen. Der König von Frankreich, Philipp IV, genannt ‚le Bel‘ hatte Anweisung gegeben, am Freitag den 13. Oktober 1307 alle Templer zu verhaften. Die übrigen Länder – etwa – England, taten dem nicht gleich und warteten auf Signale vom Papst. Auch der Papst Clemenz V war zunächst nicht einverstanden mit dieser eigenmächtigen Maßnahme des französichen Königs (Demurger, S. 244) . Nachdem durch Philipps Verhörmethoden jedoch rasch erste „Geständnisse“ über vermeintliche Ketzereien von den Inhaftierten erlangt worden waren, begann der Papst, seine Haltung zu überdenken und mit ihm auch andere europäische Herrscher. Die fünf spanischen Königreiche reagierten auch untereinander unterschiedlich. Jaume II, Graf von Barcelona und König von Aragon, zögerte zuerst, obwohl er über den gemeinsamen Großvater Jaume I, den Eroberer, mit dem französichen König Philipp verwandt ist. Er hatte den Templern einiges zu verdanken, konnte und wollte sich aber auch keinen Bruch mit dem Papst leisten. Er handelte erst ab dem 1. Dezember 1307. Verhaftungen gelangen ihm aber zunächst nur in Valencia (a.a.0). Im Norden von Aragon machten die Templer Schwierigkeiten. Sie widersetzten sich den Verhaftungen und verschanzten sich – unter der Führung des Präzeptors der Komturei Mas Deu Raymund Sa Guardia, der den Rang eines Lieutenant du Maître du Temple pour la province d’Aragon innehatte (Abbé Capeille, Dictionaire de Biographies Roussillonaises, S. 251) – in den Burgen von Miravet, Asco und Montzón (aaO, S. 245).  Ab dem 8. Dezember1307 schrieb Sa Guardia zahlreiche Briefe an den König Jaume II von Aragon und versuchte, um diesen davon zu überzeugen, dass seine Templer aufrechte Christen und alle Häresievorwürfe gegen den Orden Erfindungen und Verleumdungen sind. (Robert Vinas, Le Procès des Templiers du Roussillon, S. 55ff).

Die Haltung des Königs in diesem Konflikt läßt sich recht deutlich aus einem knappen und staatsmännisch distanzierten Brief des Königs an Sa Guardia vom 15. Dezember 1307 ablesen: „Ihnen, Ramon Saguardia, antworte ich, daß ich sehr gut weiß, dass die Templer von meinen Vorgängern viele Güter und Gefälligkeiten erhalten haben. Die Templer haben zu zahlreichen Gelegenheiten den meinen und auch mir selbst gut gedient.“ Seine jetzigen Handlungen gegen die Templer erklärte der König so: „Ich handele, wie ein katholischer Prinz handeln muss … ich werde der Wahrheit und der Justiz folgen.“  (aaO, S. 56). In der Folge belagerte der König von Aragon die Burgen und parallel geführten Verhandlungen zogen sich bis August 2008 hin (Demurger, S. 245). Miravet kapitulierte erst im November 2008 (a.a.O) und die Übergabe wurde am 12.12.1308 vollzogen.  Zuvor, am 7.12.1308, hatte Jaume II dem Templer noch geschrieben, daß er sich in allen seinen Handlungen oder Unterlassungen an die Vorschriftes des Papstes halten würe. Er endete diesen Brief mit der Wendung: „Sie sollen dennoch wissen, dass ich Sie gütig behandeln werde.“ Um seine Würde zu erhalten, lieferte Ramon Saguardia sich nicht selbst aus. Die Soldaten des Königs fanden ihn schließlich zwei Tage später beim Gebet (Vinas, S. 74). Sa Guardia wurde schließlich in das zum Königreich Mallorca gehörende Rousillon ausgeliefert. Auch der König von Mallorca konnte sich dem Druck des französischen Königs nicht dauerhaft widersetzen und verhaftete schließlich die dort befindlichen Temple. Nach  Napp, Templerlexikon  erklärte Sa Guardia Im Verhör durch den Bischof von Elne, die Anschuldigungen seien „‚entsetzlich, schamlos und diabolisch‘ [horribles, extraordinairement affreux et diaboliques, vgl. Dictionnaire de biographies roussillonnaises de l’abbé Capeille (1914)], und bekannte, daß die Aufnahme der Brüder nach dem durch die Regel vorgeschriebenen Ritus und gemäß dem Glauben der Kirche erfolge.“ (Napp, aaO). Der Erzbischof von Tarragona  erklärte ihn daraufhin für unschuldig  und straffrei und wies ihm eine lebenslänge Rente zu (Dictionnaire de biographies roussillonnaises de l’abbé Capeille (1914). Nach Arnaudiès, Les templiers en Roussillon, S. 33, betrug die Rente 350 livres, die Sa Guardia auf seinem ehemaligen Sitz, der commanderie von Mas Deu noch bis ins Jahr 1319 geniessen konnte.

3 Provincia de Tarragona

3.2 Comarca Baix Ebre

Tortosa

Ich stieg also wieder die Burg von Miravet hinab und hoffte, auf dem Rückweg nicht mehr mit der Fähre fahren zu müssen. Der Umweg wäre aber beträchtlich gewesen, sodass mir leider keine Wahl blieb, als nochmal den Fährmann quälen zu müssen. Er pries sein Fahrzeug stolz als die umweltfreundlichste Fähre, die es gäbe und er hatte sichtlich Spaß an seinem Job. Auf seine Gelassenheit kann man nur neidisch sein. Es war eine ungeheuer archaisch anmutende Erfahrung. Ich bezahlte, wie es alter Brauch ist, erst am anderen Ufer, schaute mich kurz wehmütig um und steuerte – noch nichts ahnend – auf mein nächstes Scheitern zu.

Die Strecke bis Tortosa war nicht weit, knapp 50 km. Ich wollte in die Altstadt gelangen und hatte gehofft, dass dort vielleicht steinerne Zeugen der Templerzeit von Tortosa mit Hinweisschildern angezeigt werden würden. Ich hatte mich wieder mal nicht richtig vorbereitet, und diesmal rächte sich das richtig. Ich wußte nicht, dass es erstens im Stadtbereich nur eine einzige Brücke gibt, die Pont de l’Estat, die aber zweitens wegen Bauarbeiten derzeit gesperrt ist. Und so zockelte ich im einsetzenden Berufsverkehr erst mal eine ganze Weile hin und her, bis sich schließlich – weit ausserhalb der Stadt – eine Brücke fand. Damit war ich aber noch nicht am Ziel. Tortosa ist nicht sehr groß, es hat 34.000 Einwohner, aber groß genug, um unübersichtlich zu sein. Die Altstadt erwies sich teilweise als etwas eng  für mein Auto und ich hatte keine Ahnung, wonach genau ich eigentlich suchen sollte. Die Burg aus dem 10. Jahrhundert hat mit den Templern nichts zu tun, außerdem hat man sie in ein Hotel verwandelt. Ich wußte, dass die Templer in Tortosa ganze Stadtbezirke beherrscht hatten. Allerdings hatte ich keine Erinnerung daran, wo diese sich befunden haben und in wieweit davon heute noch etwas übriggeblieben ist. Ich hatte mir im Internet einige Türme angesehen, die den Templern zuzuordnen wären und naiv gehofft, diese würden vielleicht beschildert sein. Also fuhr ich auch in der Altstadt mehr oder weniger planlos durch enge Gassen ohne Parkmöglichkeiten, in denen zudem spontan nichts mittelalterliches zu entdecken war. So langsam bekam ich Hunger und wollte einfach nur noch heim.

Plötzlich tauchte ein geräumiger Platz vor mir auf, nachdem ich gerade wieder einer engen Sttrasse entkommen war. Und ich fand dort einen freien Parkplatz. Ausserdem hatte ich mittelalterliche Gemäuer erspäht. Also den Foto herausgeholt, um die „Jagdbeute“ einzufangen.

DSC_0097

 Teile der Stadtmauer im Nordosten von Tortosa,
Plaça de Mossèn Sol

Hinter mir erhob sich eine mächtige mittelalterliche Mauer ohne Fenster. Es war vor Ort nicht ersichtlich, zu welchem Gebäude diese Mauer gehörte. Ich tippte auf eine Kirche, was sich bei der Nachbearbeitung als zutreffend herausstellte.

DSC_0098

Tortosa, Carrer de la Mare de Déu de la Providencia

Spätere Nachforschungen ergaben, dass es sich bei der Mauer um die Südfassade der Kirche Sant Domènec handelt, die offenbar teilweise unter Verwendung der Stadtmauer von 1370 im Jahre 1585 errichtet wurde (tortosa antiga).

Da keine Schilder oder sonstige Hinweise vorhanden waren und ich auch noch drei Stunden Rückfahrt vor mir hatte,  brach ich mein erfolgloses Herumsuchen hier ab und stellte fest, dass ich hier noch einmal würde herkommen müssen. Aber nicht ohne mich umfassend vorzubereiten.

In Pals angekommen, beschaffte ich mir erst einmal altes Kartenmaterial von Tortosa. Auf der Verkaufsseite für alte Stiche und Landkarten www.frame.es wurde ich fundig:

Screenshot 2017-02-25 12.04.49

Quelle: www.frame.es

Rechts im Bild sieht man recht deutlich die Markierung Porte du Temple. Die Karte ist aber nicht nach norden ausgerichtet. Die (heute noch vorhandene) Strasse, die die Stadt hier nach rechts verläßt, führt in der Realität nach Süden. Auch in dem Buch von Fuguet und Plaza befindet sich eine Karte, die noch sehr viel mehr Details zeigte:

Fuguet Tortosa

Quelle: Joan Fuguet

Mit dem Auto würde es keinen Sinn machen, die schraffierten Bereiche untersuchen und ich überlegte, beim nächsten Besuch von Tortosa eventuelle Gebäudereste auf Spaziergängen zu identifizieren. Doch dann las ich bei Fuguet eine Seite weiter einen einzigen, irgendwie  deprimierenden Satz, der mir diese Mühe abnehmen würde: „No se conserva nada de la sede del Temple en la ciudad, que, como en las villas importantes, ha sucumbido al poder de la especulación urbana“. Es ist nichts mehr übrig geblieben von der Niederlassung der Templer in der Stadt. Wie in wichtigen Städten sind diese der Macht der städtischen Spekulation erlegen (Fuguet, S.98). Fuguet beschreibt aber drei Türme der Templer aus dem 13. Jahrhundert. Diese befinden sich z.T. weit ausserhalb der Stadt:

  1. Torre del Prior, 3 km nördlich
  2. Torre de Campredó, 13 km südöstlich und
  3. Torre de Burjassènia, 16 km südöstlich.

Alle diese Türme stehen am Flußlauf des Ebro strategisch günstig, dass sowohl die Fernstrassen, als auch der Fluß selbst, ständig überwacht werden konnten. Der Turm von Campredó steht zudem auf einem Hügel  (Localització: N 40 44 46 E 00 34 46. Altitud 32 m. , Ricard Ballo, Catalunya Medieval) . Die Legende will, dass zwischen diesem Turm und einem auf dem anderen Flußufer befindlichen Hospital eine Kette gespannt war, mit dem man das Einlaufen von Schiffen kontrollieren konnte (Fuguet, S. 98). Meine Nachforschungen haben inzwischen ergeben, dass der Torre del Prior heute als Ferienunterkunft ausgebaut ist und gleich meine Familie und mich gleich erstmal  für Herbst 2017 dort eingebucht. Ich bat Ricard Ballo, seine hervorragenden Fotos vom Torre de Campredó für diesen Bericht verwenden zu dürfen. Er hat mir das – wie stets – freundlich gestattet und mir hoch aufgelöste Bilder zur Verfügung gestellt. Ich bitte Sie, der Seite catalunya medieval zur Vorbereitung Ihrer Urlaubsreisen in die Region Ihren Besuch abzustatten. Sie finden auf der Startseite durch Anklicken Ihrer Zielregion für jede comarca hervorragende Fotos von Burgen, Türmen und mittelalterlichen Gebäuden. Das kann dazu beitragen, Ihren Urlaub besonders unvergesslich zu machen. Vorsicht: Es kann süchtig machen…..

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA copyright Ricard Ballo, used with kind permission of the holder

Torre de Campredó, Tarragona, copyright Ricard Ballo

11-Torre de Campredó-Tortosa 080301_508

Beim Anblick gerade dieses Bildes wurde mir urplötzlich die besondere strategische Situation der Stadt Tortosa überdeutlich: Der zweitlängste Fluß der iberischen Halbinsel (=der längste Fluß Spaniens) verbindet hier das Hinterland Spaniens über den wichtigen Seehafen Tortosas (vg. Terres de l’Ebre) mit dem Mittelmeer. Es liegt auf der Hand, dass  – auch seit vorrömischer Zeit – für Fernstrassentrassen besonders die Flußläufe bevorzugt wurden (vgl. etwa Donau, Rhein, Seine, Loire, Rhône), nicht zuletzt um unnötige Steigungen zu vermeiden und die Beherbergungsstationen doppelt effektiv zu machen. Das galt natürlich besonders auch für den Ebro, zumal das Küstenhinterland Kataloniens sehr hügelig ist. Der Fluß verbindet die Küste direkt mit Zaragoza (Saragossa) und indirekt über den Segre, der bei Mequinenza in den Ebro mündet, auch mit Lleida und den Templerbesitzungen in der Comarca Segria. Auf diese Weise sicherten sich die Templer den raschen Abtransport der in Ihren Komtureien dafür bestimmungsgemäß erzeugten Produkte ins heilige Land.

Aber das war noch nicht alles. Der Verkehrsknotenpunkt südlich von Tortosa verbindet das spanische Hinterland und den Seeweg zusätzlich mit der Küstenstrasse von Narbonne über Girona, Barcelona und Tarragona bis nach Peniscola. Das heisst, die Templertürme um Tortosa dienten auch zur Überwachung des Fernverkehrs auf der Küstenstrasse. Die berühmte Römerstrasse Frankreichs, die via domitia,  die im Languedoc als Küstenstrasse die Städte Nimes, Montpelllier, Beziers und Narbonne verbindet, setzt sich über die Pyrenäen fort.

Es war an der Zeit, mal eine Karte der Römerstrassen zu Rate zu ziehen:

Römerstrasse.jpg

 

Quelle: Wikimedia

Reduzieren wir den Kartenausschnitt von Spanien, wird die besondere Bedeutung des Verkehrsknotenpunktes noch deutlicher:

Ebro Römerstrasse

Quelle: Wikimedia

Tarraco = Tarragona, Caesaraugusta = Saragossa, Castra Legionis = Leon, Brigantum = La Coruña.

Der Kartenausschnitt zeigt, dass die alte Römerstrasse Via Domitia sich über Tarragona hinaus bis zur Ebro-Mündung – also bis Tortosa, wo die Römer schon einen Hafen betrieben haben könnten (Wawrzinek, In portum navigare) – fortsetzt. Von Saragossa erschließt das Römerstrassennetz zudem gleich drei wichtige Atlantikhäfen Lissabon, La Coruña und Bordeaux, was den Warenaustausch mit England beträchtlich erleichtert haben dürfte. Ab Tortosa nannte man die Römerstrasse Via Herculea. In Galizien und Leon waren die Templer auch begütert und in Saragossa reichlich, sodass davon auszugehen ist, dass die alten Verkehrswege der Römer auch in der Templerzeit ihre Bedeutung noch nicht verloren haben werden. Nach Süden hatten sich die Templer bis nach Peniscola und Xivert ausgebreitet. Die Stadt Tortosa dürfte damit als Hauptverkehrsknotenpunkt eine der wichtigsten Gründungen der Templer auf der spanischen Halbinsel dargestellt haben.

Ich werde die Region bald wieder bereisen dürfen, und zwar im Mai und im Oktober 2017. Freuen Sie sich mit mir auf hoffentlich viele spannende Berichte aus dem Jahr 2017.

 

 

 

 

 

 

 

2016, August, Belgien 2

Belgien – Teil 2

Im August dieses Jahres gelang es mir, zwei Tage für die Templerforschung freizunehmen. Nach dem ich letztes Jahr über den Besuch der Stollen südlich von Maastricht (für den Bericht hier klicken!) darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es gegenüber dem Steinbruch auf der rechten Seite der Maas in Visé eine Komturei der Templer gäbe, plante ich diese freien Tage für eine weitere Reise nach Belgien ein. Ich hatte noch vier Templerorte in Belgien „auf dem Radar“, die doch recht weit auseinander lagen.

Die Reise sollte mich praktisch durch das ganze Land führen:

Screenshot 2017-02-02 18.30.03

1 Province de Liège

Commanderie de Visé

Ich begann die Unternehmung gleich in Visé, nachdem ich bei Aachen über die belgische Grenze in der Province Liège (Lüttich/Luik) ankam. Die Adresse der Komturei hatte ich zuvor im Internet ausfindig gemacht: Ferme de Visé.

Es werden dort Kartoffeln und Gemüse zu Kauf angeboten. Das Gehöft ist im Privatbesitz und es wird auch auf der offiziellen Homepage der Stadt Visé gemahnt, die Privatsphäre der Besucher zu respektieren und eventuelle Besuche vorher telefonisch abzustimmen. (die Telefonnummer finden Sie hier)

DSC_0003Le Temple de Visé, 4600 Visé, Liège

Links neben der Zufahrt befand sich ein recht großer Teich. Man darf vermuten, dass der Teich schon von den Templern angelegt worden ist. Die Templer hatten einen verbindlichen Speiseplan einzuhalten, in dem auch regelmäßig Fischverzehr aufgetragen wurde. Deswegen gehörte ein entsprechend großer Teich praktisch zur Grundausstattung eines Templergehöfts. Bei der Bearbeitung dieses Beitrages fiel mir eine frappierende Ähnlichkeit zu einer anderen bekannten ehemaligen Templerfarm auf, die sich im Burgund befindet. Hier wie dort liegt der Templerteich links neben der Zufahrt.

Ferme de MontmorotFerme de Montmorot, 21580 Salives, Côte d’OrDSC_0005commanderie de 4600 Visé

Ich hatte mein Auto schon am Anfang der Zufahrt abgestellt, um die Leute nicht unnötig zu stören und näherte mich dem Eingang des Gehöftes zu Fuß.

DSC_0008Über dem Tor fand sich dieses Malteserkreuz mit Jahreszahl 1719:

DSC_0007Ich beschränkte mich bei den Innenaufnahmen auf die öffentlich zugänglichen Bereiche.

DSC_0009Die Jahreszahl auf dem Hauptgebäude weist auf den Ausbauzustand des Jahres 1687 hin. Der Homepage der Stadt Visé kann man entnehmen, dass die Komturei im Jahre 1675 von den Armeen des „Sonnenkönigs“ Ludwig  XIV zerstört worden war.

DSC_0014Der Eingang zum Gemüseladen (leider gerade Mittagspause).

DSC_0013Den Namen dieses Komturs Jacques Laure de Breteuil, der nach Wikipedia auch ein Förderer der Künste gewesen sein soll, und sein Wappen findet man auch an der Templerkirche von 4550 Villers-le-Temple, die etwa 45 Km südwestlich von Visé  liegt.  Jan Hosten schreibt auf S. 224 in seinem Buch De Tempeliers von 2006: „In Visé, ten noorden van Luik, bezat de orde een huis met kapel en een flink aantal rechten.“ – In Visé, im Norden von Lüttich, besaß der Orden ein Haus mit Kapelle und eine stattliche Anzahl an Rechten.

Im Jahre 1575 soll die Komturei so ausgesehen haben:

Vise(Quelle: scarlet.be/hetoudelandvanluik)

Ebenfalls nach dieser Quelle sei das aktuelle Gebäude unter dem Komtur Charles de la Fontaine im Jahre 1628 errichtet worden.

Auszug aus dem Aufsatz von Ferdinand Henaux, in Bulletin de l’Institut Archéologique Liégois, Liège, 1852:

Seite 340Von den acht Häusern des Tempels, die sich in unserem Land befinden, ist das von Visé das am wenigsten bekannte. Dieser Tempel (man nimmt den Namen Tempel für die Häuser der Templer) liegt im Osten von Visé, 10 Minuten von dieser Stadt. Wathi Carot und seine Lebensgefährtin haben ihn den Templern gegen Mitte des 13. Jahrhunderts zum Geschenk gemacht. Der Tempel von Visé war wahrscheinlich bewohnt von einem

Seite 341Prior und einigen Rittern. Sie sind in einem Dokument von 1297 als seigneurs (Grundherren) benannt worden. Diese Priorei unterstand dem Komtur des Tempels von Villers im Condroz.

(Quelle: belgique-insolite-et-occulte.blogspot.de)

2 Province du Brabant wallon

Commanderie de Wavre

Mein nächstes Etappenziel liegt südöstlich von Brüssel. Die Autofahrt über Liége und Namur dauerte etwa eine Stunde. In der Commanderie befindet sich ein Restaurant namens La Table des Templiers. Die Adresse wird in der Homepage des Restaurants mit „Chemin du Temple“ angegeben. Der Link enthält auch eine Anfahrtsskizze, so daß nichts schief gehen konnte.

DSC_0019commanderie de Wavre – Neuve-Court, 1300 Wavre

DSC_0020Herrenhaus ausserhalb des Gehöfts

DSC_0021Nebeneinfahrt rechts neben dem Empfangsgebäude

DSC_0024Wappen über dem Haupteingang

DSC_0025

DSC_0026

DSC_0027La cour intérieure

DSC_0030La cour intérieure

DSC_0031Haupttor von innen

DSC_0032Scheune rechts vom Haupteingang mit Jahreszahl 1615

DSC_0036Detailansicht Innenhof

DSC_0037Detailansicht Innenhof

 

DSC_0023Kapelle von Osten

DSC_0039Kapelle von Nordosten

Über die Commanderie Wavre habe ich in der Literatur nicht sehr viel Material finden können:

Jan Hosten schreibt in „De tempeliers“, S. 223: „In Waver tenslotte, hadden de tempeliers een huis met kapel, ‚Neuve-Court‘ genaamd. Er is geen stichtingsakte bewaard, mar Laurent Dailliez dateert de stichting van het huis in 1183.“ – In Waver schließlich hatten die Templer ein Haus mit Kapelle, genannt ‚Neuhof‘. Es ist keine Stiftungsurkunde erhalten, aber Laurent Dailliez (damit ist das Werk: Laurent Dailliez — Les Templiers en Flandre, Hainaut, Brabant, Liège et Luxembourg — Nice: Alpes-Méditerrannée Éditions — Impres-sud, 1978 gemeint, der Verf.) datiert die Stiftung dieses Hauses auf 1183.

In seiner Homepage tempeliers.be ergänzt Hosten noch: „la commanderie de Wavre – Neuve Court (Brabant) date probablement de 1183. Le bâtiment impressionant subsiste jusqu’à ce jour, mais il a subi de nombreuses restaurations Hospitaliers. “ – Die Komturei von Wavre – Neuve Court (Brabant) datiert wahrscheinlich von 1183. Das eindrucksvolle Gebäude überdauerte bis heute, aber es war zahlreichen Umbauarbeiten durch die Hospitalritter unterzogen worden.

Christophe Staf hingegen schreibt in seiner Homepage templiers.org: „L’existence de la commanderie de la Neuve-Court à Wavre est due à un don que fit Godefroid 1er, duc de Brabant, aux Templiers entre 1130 et 1140. Ce domaine, situé au nord de la ville de Wavre, comprenait une centaine d’hectares de terres, ainsi que des marais et des pâtures.
La commanderie que les Templiers installèrent à cet endroit leur permit d’exploiter et de valoriser toutes ces terres et était dépendante de la commanderie de Vaillampont près de Nivelles.“

Die Existenz der Komturei von Neuhof in Wavre beruht auf einer Schenkung Gottfrieds I, Herzog von Brabant, an die Templer zwischen 1130 und 1140. Die Domäne, die sich nördlich der Stadt Wavre befindet, umfasst einhundert Hektar Ackerboden, aber auch Moore und Weiden. Die Komturei, die die Templer an diesem Ort eingerichtet haben, erlaubte ihnen, alle diese Ländereien zu nutzen und verwerten. Sie war der Komturei von Vaillampont unterstellt.

Die Widersprüche dieser beiden Autoren zum Gründungsjahr konnte ich bisher noch nicht auflösen.

 

3 Provincie West-Vlaanderen

Ieper

Die nächste Etappe brachte mich in die Vlaamse Gemeenschap. Mein Ziel war die Stadt Ieper in West-Vlaanderen. Die Fahrt nach Westen dauerte ca. 1 h 30 min und führte über die Städte Brüssel, Gent und Kortrijk. Ieper ist eine Stadt mit ca. 35.000 Einwohnern, die im ersten Weltkrieg durch heftigste Kämpfe stark zerstört und danach mit sehr viel Feingefühl und Mühe teilweise im Originalzustand wieder aufgebaut wurde. Man muß schon sehr genau hinschauen, bevor man sich davon überzeugt, dass die Häuser viel jünger sind, als man vermuten würde.

Wie üblich übernachtete ich in meiner seit Jahren bevorzugten Pension saBBajon, die ich sehr gerne weiter empfehle, weil die sehr freundliche Inhaberin seit nunmehr 10 Jahren dafür nachhaltig sorgt, dass es ihren Gästen an nichts fehlt. Zudem sind die Zimmer äußerst geräumig und komfortabel. Die Sanitäreinrichtungen der überaus geschmackvoll und wohnlich eingerichteten Zimmer verdienen eher die Bezeichnung „Wellness-Oase“ statt „Nass-Zelle“ und das Frühstück hat mir immer ausgezeichnet geschmeckt.

1Tempelierssteen, Rijselsestraat, 8900 Ieper, West-Vlaanderen

3Dieses Gebäude war gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Verfall geraten. Es wurde von 1898 – 1908 als Postamt ausgebaut, um nach der offenbar nicht vollständigen Zerstörung im ersten Weltkrieg von 1920 – 1923 wieder instand gesetzt und bis 1996 als Postgebäude benutzt zu werden. Ein Hotelprojekt soll sich in Planung befinden (Wikipedia).

Nach Jan Hosten – dessen Beitrag über Ieper in seinem Buch ‚De tempeliers‘ wohl auch deshalb besonders umfassend und detailreich gelang, weil er selbst hier beheimatet ist – ist die Commanderie von Ieper eine der ersten Stiftungen im Westen Belgiens und verdankt ihre Entstehung einer Schenkung durch Godfried van Sint-Omaars (Godefroy de Saint-Omer), einem Gründungsmitglied des Templerordens in 1118. Im Jahre 1127 wurde von den Templern ein Kloster außerhalb der Stadt an der Straße nach Poperinge errichtet. (S. 214).

IeperQuelle: Onroerend Erfgoed

Das sich nach Westen öffnende Tor der Stadt Ieper (Poperinge liegt ca. 12 Kilometer westlich)   wurde nach diesem historischen Plan „Porte du Temple“ benannt. Im Westen der Altstadt gibt es heute noch eine „Tempelstraat“. Hosten beschreibt die Anzahl der Besitzungen der Templer in Ieper als „enorm“ (S. 215). Die Adressen und Lagen hier einzeln anzugeben, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen.

Die Nähe der Stadt Ieper zu ihrem Mitbegründer aus Saint-Omer spiegelt sich noch heute etwa dadurch wieder, dass zwischen der Stadt Ieper und der französischen Stadt Saint-Omer eine Städtepartnerschaft besteht und beide Städte das sogenannte Patriarchen-  oder Lothringerkreuz  als Bestandteil in ihren jeweiligen Wappen aufgenommen haben.

Ieper.jpgOmer

 

 

 

 

 

 

 

Wappen von Ieper (Wikipedia)                                               Wappen von St.-Omer (labelimage.fr)

Die Stadt Saint-Omer befindet sich etwa 40 Km südlich zwischen Calais und Dunkerque (Dünkirchen) und ca. 60 Km westlich von Ieper. Sie liegt übrigens an der frühmittelalterlichen via francigena, auf die wir bereits im Burgund und im letzten Frühjahr in Italien gestossen sind. Die via francigena  führt von Canterbury nach Rom und die Stadt Saint-Omer bildete mithin das erste Etappenziel dieser Fernstrasse auf dem Kontinent.

aaaDetails der Fassade

Ausschnitt aus einer Stadtchronik der Stadt Ieper

71307 8 mey wurden alle de templiers die binnen en buyten de Stad waren unde in alle andere plaetsen gedood door liest van den paus Clemens (an) ende den Koning Philippus. in 1320 is het Klooster afgebroken.

1307 8. Mai wurden alle Templer, die innerhalb und außerhalb der Stadt waren und an allen anderen Orten getötet durch List von dem Papst Clemenz und dem König Philipp. Im Jahre 1320 wurde das Kloster abgebrochen.

 

4 Province du Luxembourg

Commanderie de Hargimont

Auf dem Rückweg nach Frankfurt lag nur noch ein Ziel, die Commanderie von Hargimont in der Provinz Luxembourg. Die Fahrt von Ieper nach dort war mit 2 h 15 min angegeben. Ich wählte den Weg durch die Wallonie, vorbei an Tournai, Mons, Charleroi und Namur, und erreichte die Gemeinde Marche-en Famenne in der Provinz Luxembourg. Am Ortseingang von Hagrimont selbst befindet sich ein stattliches Schloss, das Château de Jemeppe.

Die commanderie der Templer hat die Adresse 31, Rue de la Commanderie, 6900 Hargimont und man findet sie leicht.

DSC_0050

commanderie de 6900 Hargimont

Man hat die Bausubstanz grundlegend saniert und Wohnungen in den Gebäuden der ehemaligen Komturei eingerichtet. Die Umwandlung eines historischen Denkmals in einen Zweckbau macht es schwierig, zu erkennen, was an der sichtbaren Bausubstanz historisch ist und was nicht. Aber es ist sicher ein wunderbares Ambiente zum Wohnen enstanden und auf diese Weise sind die Gebäude über die nächsten zweihundert Jahre vorerst gerettet worden. Ich denke, wenn da jetzt noch dreissig Jahre „Patina“ hinzukommt, wird es wieder „passen“.

DSC_0043

Haupttor

DSC_0042

die Lage an der Rue de la Commanderie

DSC_0047

Rue de la Commanderie nach Norden

DSC_0046

Innenbereich, Hof und Wohnungen

Das Schild besagt, dass der Graf von Namur sein Lehen von Hargimont im Jahre 1191 den Templern schenkte, die dort eine Komturei errichteten. Das aktuelle Gebäude wurde in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts (aus dem Schutt der Komtureigebäude?) errichtet und sodann im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert Umbauten unterzogen. Der derzeitige Bauzustand stammt von 1999. Hosten (S. 226) weist darauf hin, dass die Schenkung des Grafen auch die umliegenden Grundstücke und Forstflächen enthielt.

Viel gab es hier nicht mehr zu sehen oder zu berichten und so machte ich mich wieder auf den Heimweg.

 

 

2016, Mai, Catalunya – Teil 2

Catalunya – Teil 2

Der Ausflug im Oktober letzten Jahres nach Spanien hatte eindeutig Appetit gemacht, dort noch viel mehr über die Templer zu lernen und zu sehen. Ich bestellte mir also erstmal ein Buch zum Einstieg, und zwar das Werk „Los templarios en la península ibérica“ von Fuguet,  Joan und Plaza, Carmen, Barcelona, 2005, was ich allen Templerforschern und Spanienreisenden, die Interesse am Mittelalter mitbringen, nur wärmstens empfehlen kann. Im Mai stand ein Urlaub in Katalonien an. Wir haben ein absolut traumhaft gelegenes Ferienhaus gemietet, das guten Freunden von uns gehört. Wir fühlten uns dort von der ersten Sekunde an wie zuhause, vor allem weil es an nichts fehlte. Das Haus liegt in der  Urbanitzacio Mas Tomasi, Dalt -Masos, 17256 Pals, zwischen der Altstadt von Pals und Platja de Pals auf einem Hügel, von dem man aus eine fantastische Fernsicht auf die Umgebung hat.

Mas Tomasi 2Mas Tomasi mit Blick auf die Reisfelder von Pals und die Hügelkette Montgrí

Unser wunderbares Domizil hatte Wifi, sodaß die Templerreise in aller Ruhe bei feinstem Wetter auf der Terrasse geplant werden konnte. Mit einer Karte und dem Buch begann ich, mir Ziele auszusuchen. Bei der Vielzahl der Templerorte in der näheren Umgebung:

Screenshot 2017-01-28 17.28.29Quelle: ebreguia

war mir sofort klar, dass ich auch diesmal nur einen Bruchteil der Ziele erreichen würde. Die Auswahl erfolgte deshalb zum Einstieg eher willkürlich. Die Linie von Tortosa nach Montsó ist mit gewaltigen Burgen besetzt. Das würde nicht an einem Tag zu schaffen sein. Puig-reig und Barbens sollte es für den Anfang tun und dort warteten auf mich weniger trutzige Burgen, sondern eher schöne Templerkapellen. Es ergab sich folgender Reiseplan:

Plangoogle maps

Die Generalitat de Catalunya teilt sich in die vier Provinzen Barcelona, Tarragona, Girona und Lleida. Jede Provinz ist sodann in sog. Comarcas gegliedert, die die Gemeinden zusammenfasst. Die reine Fahrzeit meiner Reise sollte 7 Stunden betragen. Ich mußte also morgens um 7:00 losfahren, wenn ich noch Chancen auf ein Abendessen haben wollte.

1 Provincia de Barcelona

1.1 Comarca Beguerdà

Puig-reig

Von Pals ging es erstmal südwestlich an Vic vorbei in Richtung Manresa und kurz davor wieder nach Norden, auf die Pyrenäen zu. Puig-reig liegt (wie der Name schon sagt!) hügelig und es dauerte eine Weile, bis ich die Zufahrt zur Templerkapelle dort fand.

Pals 2016 300Sie erhob sich neben einer modernen und grossen Pfarreikirche auf einer Anhöhe über der Gemeinde.

Pals 2016 302Esglesia de Sant Martí, 08692 Puig reig, Beguerdà

Pals 2016 305Hauptportal

Pals 2016 310Die seitlichen Stützen wurden 1954 bei Instandsetzungsarbeiten angebracht.

Pals 2016 315Die Kirche Sant Martí diente sowohl der Gemeinde als Pfarreikirche als auch den Templern. Die Ländereien erhielten die Templer im Jahre 1187 von einem Troubadour namens Guillem de Beguerdà. (Fuguet et al., S. 82) Sie errichteten ein castillo, dessen Reste in ein modernes Privathaus umgestaltet wurden (Monasterios de Catalunya).  Am Fusse dieser Hügel schlängelt sich der Fluß Llobregat durch eine von den Templern errichtete Brücke. Dort betrieben die Templer Mühlen (Fuguet et al., S. 82)

Sant Sadurní de Fonollet

Zur Komturei von Puig-reig gehörten noch drei untergeordnete Kapellen, Sant Sadurni de Fonollet, Sant Joan Degollat und Sant Andreu (aaO, S. 83). Ich konnte die erstgenannte im Navi finden. Sie war etwa 13 Km entfernt.

Pals 2016 321Sant Sadurní de Fonollet.

Pals 2016 326Auch diese Besitzungen erwarben die Templer 1187 von Guillem de Beguerdà. El lloc fou cedit pel trobador Guillem de Berguedà als Templers l’any 1187. L’església era sufragània de la de Sant Martí de Puig-reig, almenys així consta en una visita pastoral de l’any 1312.  Wikipedia

Pals 2016 328Detail: romanisches Fenster über der Westpforte.

Pals 2016 333Ich verließ die comarca Beguerdà nach Süden und machte mich auf in die Nachbarprovinz Lleida.

2 Provincia de Lleida

2.1 Comarca Pla d’Urgell

Barbens

Nach etwas mehr als einer Stunde erreichte ich den Ort Barbens in tiefem Mittagsschlaf. Es war sonnig warm und absolut niemand war auf der Strasse, den ich hätte nach dem Weg fragen können. Das erwies sich auch als unnötig, denn der Ort ist recht klein. Ich durchquerte die Altstadt auf der Hauptstrasse und gelangte nach wenigen Minuten zu einem verlassenen Platz:

Pals 2016 336

Es schien niemanden zu stören, dass ich mein Auto vorerst mitten auf dem Platz abstellte. Das Malteserkreuz im Wappen der Gemeinde zeigt mir erneut, dass offenbar in Spanien (ebenso wie in Italien) die Erinnerung an die Kreuzritter deutlicher aufrechterhalten wird, als etwa in Frankreich, wo bis heute noch häufig jedwede Hinweise auf Templerbesitzungen fehlen. Es war faszinierend. Rund um den Platz waren mehr oder weniger gut erhaltene Reste mittalterlicher Gebäude teilweise in eine moderne Bebauung integriert worden.

Pals 2016 340Esglesia Parroquia Santa Maria de Barbens

 

Pals 2016 342Westfassade und Hauptportal

Pals 2016 337Gebäude aus dem 17. Jahrhundert.

Pals 2016 345Portal der Stadtverwaltung, die im ehemaligen Malteserpalast untergebracht ist. Die Inschrift ist verrät, dass die Komturei von dem Ritter Emmanuele de Montoliu y de Buxados im Jahre 1763 restauriert wurde.

Pals 2016 345Solche Inschriften der Malteser müssen mitte des 18. Jahrhunderts modern geworden sein. Hier ein Beispiel aus Belgien:

ViréCommanderie de Visé, Province de Liège, Belgien

Pals 2016 346Die Gründung der comanda templera de Barbens erfolgte im Jahre 1168 anläßlich der Erweiterung der comanda templera de Gardeny, die hier in einem Gebiet mit ertragreichem Getreideanbau Ländereien dazu erwarb (Fuguet et a., S. 93). Der Kern der Gemeinde Barbens ging sodann aus dieser befestigten landwirtschaftlichen Komturei hervor (aaO, S. 94). Die Reste der Befestigung zeigen sich auf der Aussenseite des Palastes aus der Johanniterzeit.

Pals 2016 348Komturei heisst auf katalanisch comanda und auf spanisch encomienda.

Das Gebäude ist ersichtlich erst kürzlich grundlegend renoviert worden. Die Web-Seite

Monasterios de Catalunya

zeigt den Zustand der Gebäude von 2003.

2.2 Comarca Segrià

Vilanova de la Barca

Mein nächstes Etappenziel lag etwa 30 km westlich in Richtung der Provinzhauptstadt Lleida in der Comarca Segrià.

Pals 2016 356

Esglesia Santa Maria, 25612 Vilanova de la Barca

Pals 2016 361Die Kirche ist ersichtlich erst vor einigen Jahren saniert worden, wobei man darauf Wert legte, dass die moderne Bausubstanz sich deutlich von dem Vorbefund abhebt. Schräg gegenüber befand sich ein Bauhof, was zur der Annahme berechtigt, dass die Maßnahmen dieses Projektes auch noch nicht komplett abgeschlossen sind.

Zustand in 2016:

Pals 2016 352

Zustand bis 2005:

Barca(Quelle: Los templarios en la península ibérica, J. Fuguet und C. Plaza, Barcelona, 2005)

Vilanova de la Segrià

Die nächste Etappe erreichte ich in ca. 20 Minuten. Auch hier stelle ich fest, dass die Kirche sich in einem komplett durchrestaurierten Zustand befindet. Die spanischen Denkmalschützer setzten auch hier auf die Verwendung von leicht erkennbarem Ersatzmaterial:

Pals 2016 363Esglesia de Sant Sebastià, 25133 Vilanova de la Barca

Pals 2016 366St. Sebastian ist der Schutzpatron der Stadt. Im Wappen befinden sich zwei gekreuzte Pfeile auf grünem Grund.

Pals 2016 367halbkreisförmige Ostapsis

Pals 2016 368Sicht von Südost

Ich hatte den südwestlichsten Punkt meiner Tagesreise erreicht und konnte so langsam an die Rückfahrt denken. Zunächst einmal musste ich wieder Richtung Küste fahren.

3 Provincia de Tarragona

3.1 Comarca Conca de la Barberà

Barberà de la Conca

Mein nächstes und letztes Ziel für den Ausflug hatte ich mir in Barberà in der comarca Conca gesetzt. Der Ort lag etwa 1 Autostunde südöstlich von Vilanova. Man muß hier etwas acht geben, denn es gibt noch einen Ort weiteren namens Barberà in der Nähe, der aber zwischen Sabadell und Badalona liegt. Das ist aber schon die comarca Vallès. Zur besseren Unterscheidung gibt man den Namen der comarca regelmässig mit an. Es war schon nachmittags, als ich ankam. Ich parkte am Ortseingang am Fuße dieser Strasse hier und machte mich an den Anstieg. Im Hintergrund sah man schon die befestigte comanda de Barberà:

Pals 2016 375Carrer de Promasó, Barberà de la Conca

Pals 2016 378Ups. Das sah schon von weitem sehr geschlossen aus…

Pals 2016 381… und der Befund verbesserte sich nicht, als ich die Pforte erreichte. Zu! Samstags nachmittags eigentlich auch kein Wunder. Hier würde ich nochmal herkommen müssen.

Pals 2016 383Auf diesem Schild konnte ich erkennen, was ich innen alles verpasste. Ich vertröste einstweilen  meine Leser mit Fotos aus dem Innenbereichs aus der schon mehrfach von mir empfohlenen Seite Monasterios de Catalunya.

Für die Rückfahrt würde ich zweieinhalb Stunden brauchen, sodaß ich die Reise hier abbrach und rechtzeitig zum Abendessen zuhause eintraf.

1.1 Comarca Vallès Occidental

Palau-solità i Plegamans

Die Komturei von Palau-solità war an sich als letzte Etappe der oben beschriebenen Reise geplant, aber es passte zeitlich nicht und es war auch schon zuviel an Eindrücken. So mußte diese Etappe aufgeschoben werden. Da wir am übernächsten Tag ohnehin nach Barcelona mußten, um unsere Tochter am Flughafen abzuholen, würden wir einfach etwas früher losfahren. Ich hatte die Templerkapelle nach Bildern, die ich schon mal im Internet gesehen hatte, als ein kleines asymetrisches Kapellchen in einem schlechten Erhaltungszustand in Erinnerung.

DSC_0009

Ein Blick in den Stadtplan von Palau bestätigt die Anwesenheit der Templer in diesem Ort. Screenshot 2017-02-01 19.40.15Google maps

Man erkennt die Carrer Templers und den Cami Santa Magdalena eine Plaça Santa Maria

Wir kamen nach einer knapp eineinhalbstündigen Autofahrt von Pals hier an und fanden unser Ziel schnell. Aber waren wir hier auch richtig? Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sich so eine Kapellenruine in einem Ort ausmachen würde, der einen äußerst gepflegten Gesamteindruck darbot und im übrigen vornehmlich hübsche, vermutlich teure Einfamilienhäuser einladend präsentierte.  Auch die Ortskirche Santa Maria zeigte sich in einwandfrei und stilsicher restauriertem Zustand:

Pals 2016 152Santa Maria de Palau-solità

Pals 2016 147

Es ist deutlich zu erkennen, dass die Bausubstanz dieser Kirche maßgeblich mittelalterlich ist. Die Einfassung des Portals dürfte aus neuem Material bestehen. In unmittelbarer Umgebung der Kirche erkannte man mittelalterliche Mauerreste, die teilweise in modernere Gebäudestrukturen integriert waren.

Pals 2016 159alter Ortskern von Palau-solità

Pals 2016 122Das Strassenschild beflügelte uns, die Suche noch nicht so schnell aufzugeben. Am Südeingang zu diesem Vorort von Palau war uns beim Vorbeifahren noch ein altes Gemäuer aufgefallen:

Pals 2016 123

Pals 2016 126Es ist unklar geblieben, ob das vielleicht eine frühere Ortsbefestigung oder ein Gehöft ausserhalb des Ortskerns dargestellt hat, jedenfalls handelte es sich hier auch um mittelalterliche Mauern. An diese Mauern grenzte ein unbewohntes Haus, das von einer brusthohen Mauer umgeben und dessen Vorhof mit dichtem Gebüsch zugewachsen war. Hinter den Büschen blitzte einromanischer Torbogen hindurch, was das Adrenalin des Forschers mächtig in Bewegung brachte. Nun, Turnen in der Öffentlichkeit ist nicht so sehr meine Stärke. Meiner Frau machte das indessen gar nichts aus. Das Wort, was ich zu vernehmen glaubte, als sie mir den Fotoapperat aus der Hand nahm und begann, über die Mauer zu klettern, könnte „Memme“ gelautet haben, aber da bin ich mir nicht sicher. Sie verschwand jedenfalls hinter den Büchen. Es raschelte und dauerte eine ganze Weile, bis sie wieder zum Vorschein kam, mit folgender Bildausbeute:

Pals 2016 141Das war zwar immer noch nicht der Kapelleneingang, den ich suchte. Aber wir hatten hier ein Haus aus der Templerzeit entdeckt. Ich war deshalb nicht allzu traurig, dass unser Ausflug nicht das eigentliche Ziel erreichte. Das, was wir gefunden haben, hätte ich auch nicht erwartet. Hier würde ich also noch einmal herkommen müssen. Es würde garnicht so lange dauern, denn für die Herbstferien hatten wir bereits erneut unsere Traumunterkunft in Pals gebucht. Wir haben dann noch in Barcelona exquisit und mit fantastischem Ausblick am Yachthafen zu abend gegessen

20160523_212659Barcelona, Yachthafen

und anschließend unsere Tochter vom Flughafen abgeholt. Ab jetzt liess ich – jedenfalls für diesen Urlaub – von den Templern ab und wir erholten uns hier:

Pals 2016 296

dsc_0008

2016, März, Piemonte, Liguria, Toscana

Italien – Teil 1, Piemont, Ligurien, Toscana

Im März 2016 ergab sich eine Gelegenheit für einen Kurztrip nach Italien, um Freunde zu besuchen, die ich seit mehr als dreissig Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ich bin nicht nur mit köstlichen Speisen und einem wundervollen Abend empfangen worden. Man hatte mir sogar bereits vier Bücher über die Templerniederlassungen besorgt und im Vorfeld noch ein paar Seiten daraus per Mail geschickt, sodaß ich die ersten Stationen für die Hinfahrt nach Ligurien schon mal auswählen konnte. Das ist meine erste Sondierungsfahrt zu Templerorten in Italien, sodaß die Auswahl mehr zufällig geriet und keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit hat.

Man kann sich für die erste Recherchereise in ein Gebiet nicht allzuviel vornehmen. Es ist vielmehr jedesmal erforderlich, erst vor Ort ein Gefühl für die Entfernungen zu gewinnen, bevor man die Machbarkeit von Etappen beurteilen kann. Und so ist auch diese Reise wieder nach dem „trial and error“ Prinzip trotz einiger bedauerlicher Auslassungen unterm Strich ein sehr spontanes und doch schönes Erlebnis geworden und die Bilder zeige ich Ihnen gleich hier. Meine Wahl für das erste Ziel fiel auf einen Templerort in der Regione Piemont, genauer in der Provincia di Alessandria, etwa hundert Km südwestlich von Milano.

Regione Piemont

1. Casale Monferrato, Prov. Alessandria

Als Standardreferenzwerk für die Etappen zog ich das Buch der Autoren Bianca Capone, Loredana Imperio und Enzo Valentini, Guida all’Italia dei Templari von 1989, 2. Aufl. 1997, 2. Nachdruck 2002, heran. Da man gewöhnlich Literatur von mehreren Autoren nach dem Namen des ersten Autors und dem Zusatz et al. zitiert, kommt hier – kurioserweise – aber nunmal unweigerlich „Capone et al.“ heraus :), und so bleibt mir nichts anderes übrig, als das Buch im folgenden genau so zu zitieren. Nach diesem Werk befindet sich die Commenda di Santa Maria del Tempio an einer alten Verbindungsstrasse ausserhalb der Gemeinde Casale Montferrato mit strategischem Bezug zu Fernstrassen nach Vercelli und Torino in einer wasserreichen Umgebung nahe des Flusses Po (Capone et al., S. 58).

santamaria(copyright: Google maps)

Ich hatte mich in einem kleinen Ort südwestlich von Casale, Ozzano Monferrato, eingemietet. Die Unterkunft befand sich in einem hübschen, sehr gepflegtem und altehrwürdigen Anwesen mit wirklich geräumigen Zimmern: La Corte delle 4 Stagioni

Italien empfing mich mit strahlend blauem Himmel. Nach einer reibungslosen Fahrt traf ich abends in Ozzano ein und ruhte mich – nach einer opulenten Pizza in einem gemütlichen Familienrestaurant – in meinem fürstlich anmutenden Quartier für einen vermutlich anstrengenden nächsten Tag aus. Dank Wifi konnte ich mir die nächsten Reiseziele  aussuchen und die Route abstecken. Gestärkt durch ein leckeres Frühstück (die sehr freundliche Inhaberin hat ein besonderes Geschick darin, es ihren Gästen unaufdringlich an nichts fehlen zu lassen) machte ich mich am nächsten Morgen gleich auf die Suche nach meinem ersten Templerort: Santa Maria del Tempio

dsc_000415033 Santa Maria del Tempio, Casale Monferrato (Prov. Alessandria),

Der erste Eindruck war atemberaubend. Die Anlage zeigte sich bei schönstem Wetter strahlend und gepflegt, was über den Umstand hinwegtröstete, dass aus dem Mittelalter nicht mehr allzuviel an oberirdischer Bausubstanz übrig geblieben war. Der Zustand der Kirche sah schon von weitem sehr nach 17. Jahrhundert aus und dürfte das Werk aus der Johanniter-Zeit sein.

Beginnen wir mit der Kirche, die noch heute als Pfarrkirche Santa Maria Degli Angeli in Benutzung ist:

dsc_0008Santa Maria Degli Angeli

dsc_0011barocke Innenausstattung

 

dsc_0020Beweisfoto: Wir liegen hier richtig 🙂

Auf der Südseite des Kirchenschiffes schließt sich ein geräumiger Innenhof an, der mannshoch ummauert war. An das Kirchenschiff schmiegen sich offenbar ältere Gebäude an, die wie die Reste eines Kreuzganges anmuten. Die meisten Gebäude sind offenkundig Zweckbauten aus dem 18. Jahrhundert. Die heutige Nutzung hat sich mir nicht erschlossen.  Nach Capone et al. haben sich bis heute noch unter den umstehenden Gebäuden geräumige unterirdische Anlagen erhalten (aaO).

dsc_0022

Aus einer Urkunde vom 10. Januar 1308 weiß man, dass die letzten drei Templer von Casale, Giovanni Bazano, Pietro Garilio und Manfredo de Vitreo auf Befehl des Inquisitors Ottone von Milano verhaftet und dem Vogt von Casale überantwortet wurden. (Capone et al., S. 59). Der Legende nach sollen die Templer ein Bildnis der Maria aus dem Orient mitgebracht haben, welches von den Gläubigen als wundertätig angesehen und verehrt wurde. (ebenda).

 

2. Livorno Ferraris, Provincia Vercelli

Am Vorabend hatte ich mich entschieden, unter den noch sehr zahlreichen weiteren Templerorten in Piemonte den zu besuchen, der am nächsten zu erreichen ist und bei dem noch am meisten erhaltene Bausubstanz aus der Templerzeit anzunehmen war. Die Wahl fiel auf Livorno Ferraris in der Provinz Vercelli. In etwa 40 Km erwartete mich nach meiner Recherche eine Templerkapelle im weitgehenden Originalzustand die, trotz einiger rüder Restaurierungen ihr Alter durch in Fischgräten-Anordnung gemauerten Ziegeln verraten soll (…mostra la sua vetustà nelle tracce di mattoni a spina di pesce… , Capone et al. S. 52).  Ohne genauer zu wissen, in welche Himmelsrichtung mich die Fahrt zur zweiten Tagesetappe führen würde, gab ich die Zieldaten ins Navi und machte mich bei weiter strahlend blauem Himmel und glasklarer Luft auf den Weg. Ich muss gestehen, dass ich vom Piemont noch nicht allzu viel wusste. Ich merkte jedoch rasch, dass die Fahrt in einer anscheinend unendlich weiten und hügellosen Tiefebene verlief und sich mir in weiter Ferne die puderzuckerbestäubten Ligurischen Alpen als grandiose und unveränderliche Kulisse darboten:

dsc_0027

Einige Kilometer vor dem Erreichen des Ortes Livorno Ferraris tauchte am rechten Fahrbahnrand der SP 7 dieses Schild auf:

dsc_0032

Hier zweigte ein ersichtlich als Damm aufgebauter Weg ab, auf dem im Hintergrund der angekündigte Bauernhof (cascina) schon zu erkennen war.

dsc_0034

Mir war zuvor schon aufgefallen, dass man rechts und links von der Strasse häufig wasserwirtschaftliche Bauwerke aller Art ausmachen konnte und dass die Umgebung von allerlei Gräben und Kanälen durchzogen war. Nicht ohne Grund gilt die Tiefebene des Po als besonders fruchtbar. Es ist auch durchaus nichts neues, dass man in einer solchen Umgebung auf Templereinrichtungen trifft. Die Templer hatten – wie das legendäre Marais in Paris augenfällig beweist – sowohl das Geschick, als auch die personellen und finanziellen Mittel, sumpfiges Land zum nachhaltigen Wohle des Ordens urbar zu machen. Die Landesherren konnten sich mit der „Spende“ von Sumpfland an den Orden großzügig erweisen und sich von vermeintlich nutzlosen Gütern trennen. Und der Orden machte anschliessend was draus.

Als ich näher kam, merkte ich, dass ich mir die Besuchszeiten und -modalitäten besser hätte ausdrucken sollen. Ich hatte etwas davon gelesen, dass man Besuche zu bestimmten Jahreszeiten vorher anmelden müsse und dergleichen mehr. Jedenfalls war zu und klingeln und sich bemerkbar machen half nicht. Aber mir gelangen einige wunderschöne Aufnahmen von aussen. Zudem wußte ich bereits, dass das innere der Kirche für meinen Geschmack „kaputtmodernisiert“ wurde, was sicher dem Umstand geschuldet ist, dass die Kirche immer noch intensiv für sakrale Zwecke genutzt wird.

dsc_0039Chiesetta Santa Maria di Isana, 13046 Livorno Ferraris, Vercelli

Urkundlich erwähnt ist das Templerhaus erstmals im Jahre 1208 als „mansio templi“. Im Jahre 1222 wird dieses Templerhaus bereits „Domus Sancte Marie de Ysana“ genannt (Capone et al., S. 53).  In einem Register der Diözese Vercelli taucht der Besitz 1298 unter dem Namen „ecclesia Sancte Marie de Exana et subest Milicie Templi“ auf (aaO).

Mir gelang schließlich dennoch ein gutes Foto, indem ich das Objektiv der Kamera durch eine Öffnung im Tor des Gehöftes stecken konnte und die Kamera dort ruhig genug lag:

dsc_0041Die fischgrätartig gemauerten Ziegelsteinreihen und eine Sonnenuhr

Falls Sie einen Besuch dieser schöngelegenen Kapelle planen sollten, erfahren Sie nähere Einzelheiten zu den Öffnungszeiten oder zu einer etwaigen Kontaktaufnahme hier: Santa Maria di Isana Homepage

Die Homepage beherbegt schöne Fotos der Kapelle von aussen und innen und zu verschiedenen Jahreszeiten. Auch wird von Legenden berichtet, die sich um die Kapelle ranken. So soll es dort einen wundertätigen Menhir geben, der den Pilgern Erleichterungen bei rheumatischen Beschwerden verschaffen würde, wenn sie sich mit dem Rücken dagegenlehnen  (Capone et al. S. 54). In der Nähe der Kapelle sei eine Quelle, deren Wasser unter der Kirche hindurchfliesse, was für tellurische Kräfte sprechen würde. Wer so etwas mag, findet auf der besagten Homepage noch mehr.

Bei der Bearbeitung dieses Beitrages kam mir in den Sinn, bei diesem und künftigen Beiträgen Kartenausschnitte einzufügen, die die besuchten Templerorte in einer größeren Umgebung eingebettet zeigen, damit sich der geneigte Leser besser orientieren kann.

isanaWie man sieht, hat die Strecke einen nordwestlichen Verlauf. Sie befindet sich zwischen Torino und Milano und weist auf den Ort Ivrea (oben links).  Danach kommt Aosta. Spätestens bei dieser Feststellung „klingelte“ es bei mir, denn diese beiden Orte werden mit der sogenanten Via Francigena in Verbindung gebracht.  Es handelt sich hierbei um eine frühmittelalterliche Fernpilgerroute von Canterbury nach Rom. Der aufmerksame Leser wird sich vielleicht daran erinnern, dass mir diese Pilgerstrecke schon einmal bei einer Templerreise begegnet ist und zwar bei dem Templerort Pierrecourt in der Franche-Comté.

Die Richtung, die meine Etappenstrecke von Casale nach Livorno Ferraris zu weisen scheint, stimmt mit der Lage der Freigrafschaft Burgund überein. Es steht ohnehin fest, dass das Aosta-Tal den südlichen Zugang zu dem schon seit alters her bevorzugten Alpenübergang bei dem Großen Sankt Bernhard markiert. Es empfiehlt sich an dieser Stelle, sich den Verlauf dieser sogenannten Via Francigena einmal im ganzen anzusehen.

getmapimghttp://www.wandersite.ch

Man darf dabei nicht vergessen, immer wieder zu betonen, daß es die via francigena ebensowenig gibt, wie den Jakobsweg. Es handelt sich bei beiden Phänomenen um Wegesysteme mit häufig mehreren alternativen Teilstrecken und Zugangspunkten. Da ich auch in der Toscana in Orten mit einer Templerniederlassung auf Hinweisschilder zur via francigena bemerkt habe, begann ich mich zu fragen, ob ich hier vielleicht einen steinernen Beweis der Hypothese gestossen bin, dass die Templer tatsächlich ihre Standorte (auch) nach dem Gesichtspunkt des Pilgerschutzes ausgesucht haben. Ich folgte also der Verlockung, ausgewählte Templerorte die ich in den Jahren 2007 im Burgund und 2010 und der Freigrafschaft bereist habe, optisch in einen Bezug zu der hier auf der italienischen Seite der Alpen ausgemachten Templerniederlassungen zu bringen. Das Ergebnis hat mich jedenfalls sehr erstaunt:

francigena-jpg(mithilfe von Google maps)

Ich erlebe gerade regelrechtes Forscherglück, denn für mich persönlich ist diese eher zufällige Entdeckung schon jetzt ein rechtes Highlight. Den Nachweis einer solchen Templerstrasse (dh. einem Fernreiseweg, der in regelmässigen Abständen von Niederlassungen der Templer „überwacht“ wird) über mehrere Landesgrenzen hinweg, habe ich bisher in noch keinem anderen Werk über die Templer gefunden, auch und gerade nicht in den Standardwerken der namhaftesten Autoren.

Das liegt sicher auch daran, dass die „großen“ Autoren das Phänomen der Templer eher als ganzes behandeln und sich in solchen Details nicht „verlieren“ wollen. Andere Autoren beschränken sich eher auf nationale, regionale oder gar nur lokale Betrachtungen. Landkarten in Büchern, die nur die äusseren Umrisse eines Gebiets zeigen, in denen dann auf weissem Grund das eine oder andere Templerkreuz zu sehen ist, vermitteln zumeist nicht den richtigen geografischen Ort und es fehlt häufig der Bezug zu Ortsnamen, die man eben auch nur auf entsprechenden hochauflösenden Karten erkennen kann. Solche Karten erlauben zwar die Erkenntnisse über mögliche Verbindung von Templerorten untereinander. Sie verstellen aber wiederum die Sicht aus der Distanz.   Mit den features des Google Map Systems kann ich die  Vorteile verschieder Kartengrößen miteinander kombinieren. Ein winziger Ort wie Santa Maria del Tempio wird genauso groß und deutlich angezeigt, wie die Supergrosstadt Milano.

Auch wenn jetzt noch Feinjustierungen an obiger Karte nötig sind, denn es gibt noch einen  – ebenfalls mit regelmässigen Templerniederlassungen beflankten – Alternativ-Weg zwischen Besançon und Langres, so sind solche Augenblicke die Bestätigung für mein generell gewähltes Vorgehen, mich weder auf die Literatur noch auf die eigene Wahrnehmung auf Reisen vor Ort alleine zu verlassen. Man wird dem Phänomen der Templerniederlassungen in Europa niemals auf den Grund kommen, wenn man sich alleine mit der Auswertung der Literatur befasst. Andererseits sind Reisen zu irgendeinem Templerort relativ sinnlos, wenn man die Ergebnisse der Reise hinterher nicht mit den Erkenntnissen aus der Literatur zusammen führt, um so auf ein grösseres Ganzes schliessen zu können.

Es ist praktisch keine Literatur über die Niederlassungen der Templer in der Schweiz. Ich vermag daher derzeit keine Erklärungsansätze zu liefern, warum sich in der Schweiz scheinbar keine Niederlassungen des Ordens am „Frankenweg“ befunden haben.

Regione Liguria

3. Osiglia, Provincia Savona

Ich machte mich auf den Weg zu meiner dritten Tagesetappe, die ich so gewählt habe, dass ich rechtzeitig am Abend am Meer sein würde. Immerhin stand mir ein Abendessen mit alten Freunden bevor. Ich nahm also Kurs auf Genova. Die Autobahn umfährt Torino und dreht dann nach Süden ab. Schon bald bemerkte ich, dass ich die Tiefebene verliess und auf das Küstengebirge zuhielt.

screenshot-2017-01-10-19-35-05

Der nächste Templerort Osiglia in der Provinz Savona ist nach Capone et al. (S. 105) auch für das mittelalterliche Wegenetz von wichtiger Bedeutung gewesen. Er liegt an einem Gebirgpass, durch den die Verbindungsstrasse zwischen der damaligen Markgrafschaft Monferrato und dem ligurischen Meer verlief. Man verläßt die Autobahn an der Mautstelle Millesimo und nimmt die Strasse ins Hochtal von Bormida. Die Ortschaft Osiglia besteht nur aus einer Handvoll älterer, landwirtschaftlich geprägter Häuser. Der einzige Parkplatz befand sich vor dieser Kirche:

dsc_0044Die Fassade ist ersichtlich nicht aus dem Mittelalter, aber die Kirche stand schon zur Templerzeit:

dsc_0046

dsc_0048

Die chiesetta der Templer sei verfallen, ebenso wie ein Gehöft der Templer. Das ehemalige Templerhaus, das auf Militärkarten als „Casa Magione“ verzeichnet sei (Capone et a., S 105), soll auch nur noch als Ruine bestehen. Ich hatte meine Mühe, mich bei den Anwohnern über die Lage dieser Templerruine zu informieren. Ein älterer Herr, den ich letztlich erfolgreich befragen konnte, lachte laut auf, nachdem ich ihm mein Begehr verraten und er meine Hose und meine Schuhe kritisch gemustert hatte. Mit der Kleidung würde ich da wohl nicht lebend hinkommen, meinte er verschmitzt lächelnd. Der Weg sei steil, mit einer Eisenkette versperrt und überdies nicht vom Schnee geräumt. Zudem lohne der Weg sich nicht, weil alles verfallen sei. Also tröstete ich mich mit der Vorstellung, dass die Templer damals diese Kirche gewiss auch häufig betreten haben werden und machte mich nach Genua auf, wo sich das ehemalige Templerhaus an der Piazzetta Santa Fede befinden solle.

Es war schon nachmittag, als ich auf der anderen Seite des Küstengebirges ankam und da lag es – verheissungsvoll glitzernd bis zum Horizont – vor mir, das Meer! Es geschieht schon eher selten, dass eine Stunde Autofahrt ausreicht, um aus einer kälteknirschenden Schneelandschaft an sonnengeflutete Meeresstrände zu gelangen. Die Aussicht, mich jetzt im beginnenden Berufsverkehr durch die Gassen Genuas zu schleusen, um etwas zu suchen, von dem ich garnicht wusste, wie es aussah, begann mich zu irritieren. Viel lieber wäre ich gleich nach Massa gefahren und hätte mich erstmal dort am Meer in die Sonne gelegt. Ich fuhr zunächst an einigen Ausfahrten vorbei. Schließlich entschied ich mich doch, die Autobahn zu verlassen. Diese Entscheidung hatte ich jedoch schon nach wenigen Augenblicken bitter bereut. Ich kam gerade noch auf die Uferstrasse der Innenstadt und dann ging fast nichts mehr. Ich quälte mich ein paar Häuserblocks durch den zähen Stau. Dabei erhielt ich einen Anruf von meinen Freunden und erfuhr, was man gerade zubereiten würde.

Und das gab dann den Ausschlag. Ich wendete, so schnell ich konnte und hatte keine Schwierigkeiten, wieder zurück auf die Autobahn zu kommen. Danach rund eineinhalb Stunden Fahrt auf der SS1 Via Aurelia (Sie wissen schon: Tunnel, Brücke, Tunnel, Brücke usf.) und nach unzähligen Malen die Sonnenbrille auf- und wieder absetzen erreichte ich mein Tagesziel. Es war ein wunderbarer Abend mit üppigem Essen, VIEL Wein und guter Musik. Zwei der Freunde hatten Gitarren mitgebracht und es gab eine rauschende Session. Grazie mille an Elisabetta, Ernesto, Renzo und Roberto: „It’s wonderful / It’s wonderful / It’s wonderful / Good luck my baby…)“!

Regione Toscana

4. San Gimignano, Provincia Siena

Dank der unbestreitbaren Tatsache, dass Templerreisen nunmal immun gegen die möglichen morgendlichen Nachwirkungen eines schönen Abend machen, reichten die Dusche und die Espressi zum Frühstück in meiner Pension in Massa ohne weiteres aus, um meine erste Tagesetappe für den dritten Tag meiner Reise zu schaffen. Nach ca 2 Std. Autofahrt bei schönstem Wetter über die wunderschöne Hügellandschaft um Volterra (Eine „Hochburg“ der Etrusker) erreichte ich die Stadt San Gimignano in der Toscana. Die mittelalterliche Stadt ist für den Autoverkehr gesperrt. Ich wählte einen der zahlreichen Parkplätze im Süden der Stadt und beim Marsch auf das südliche Stadttor, das sich zur Via San Giovanni öffnet, gelang mir dieses Bild, das zugegeben ohne den weissen Lieferwagen noch etwas beschaulicher geraten wäre:

dsc_0063San Gimignano wird das „Manhattan der Toscana“ genannt. Warum das so ist, fasst Wikipedia zutreffend so zusammen: San Gimignano besitzt noch einige der mittelalterlichen Geschlechtertürme, die in anderen Städten nur als Stümpfe erhalten blieben. Im Mittelalter versuchten die Patrizierfamilien, sich in der Höhe ihres Geschlechterturmes zu übertreffen, obwohl ein luxuriöses Leben in diesen nicht möglich war. Von den einst 72 Geschlechtertürmen existieren in San Gimignano heute noch 15. Die beiden höchsten, der Torre Grossa aus dem Jahr 1311 und der Torre della Rognosa, weisen eine Höhe von 54 bzw. 51 Metern auf.

 

dsc_0077Geschlechtertürme, vom Domplatz aus gesehen.

DSC_0075Duomo di San Gimignano

Um mir die Suche nach der Templerkirche zu erleichtern, begab ich mich ins Tourismusbüro, wo ich mit einem Plan und guten Ratschlägen ausgestattet wurde. Die Altstadt von San Gimignano ist nicht eben klein und übersichtlich. Vom Domplatz aus machte mich auf den mir gewiesenen Weg und wurde bald fündig.

dsc_0078Die gute Nachricht: Die Kirche war leicht zu finden, denn sie liegt direkt am Stadttor San Jacopo. Und sie war ausgerechnet heute offen! Man erklärte mir, dass dies nur an sehr wenigen Tagen im Jahr der Fall sei. Es war die Giornate FAI di Primavera, und viele vielleicht ehrenamtliche Helfer standen ,mit Rat und Tat zur Seite. Hier ist sie nun, die Templerkirche von San Gimignano:

dsc_0079chiesa templare San Jacopo, 53037 San Gimignano

dsc_0080Templerkreuz auf dem Türsturz unter dem Tympanon

dsc_0081oberer Teil der Fassade, in Ziegelstein ausgeführt

Die schlechte Nachricht: Ich hatte offenbar mein inzwischen schon innig geliebtes „Capone et al.“ im Tourismusbüro liegen gelassen. Und das war ganz schön weit weg! Ich würde es heute noch brauchen und es war ohnehin nicht ganz leicht, das Buch aufzutreiben. Die Mitarbeiter der Organisation waren so nett, mir die Telefonnummer des Tourismusbüros zu nennen. Ich rief dort an. Ja, man hatte mein Buch entdeckt, aber ich müsse mich beeilen, es werde bald zugemacht. Also hetzte ich zurück durch die ganze Stadt, rettete mein Buch und kam erst eine Weile später dazu, die Kirche nunmehr auch innen anzusehen.

dsc_0083San Jacopo: Blick in den Ostchor

dsc_0086Gemälde an der Nordflanke: San Giovanni

dsc_0087Gemälde an der Südflanke: San Giacomo or San Jacopo

dsc_0093Das Kirchenschiff liegt ausserhalb der Stadtmauern

Man weiss nicht, wann die wohl 1096 gebaute Kirche an die Templer gelangte aber in 1239 befand sie sich bereits im Besitz der Templer und wurde von dem Tempelbruder Orlando verwaltet (Capone et al., S. 142). Nach 1309 soll es infolge der Ausführung päpstlicher Beschlüsse zu gewaltsamen Übergriffen gekommen sein. Jedenfalls mußte die Kommune anschliessend einen Geldbetrag bereitstellen, um die Kirche wiederherzustellen Capone et al. S. 142.

Auf dem Weg zu meinem Auto stolperte ich über dieses Hinweisschild an der Strasse nach Poggibonsi:

viafranDas war der Beweis für die These, dass auch der Ort für diese Templerniederlassung wegen seiner Lage an der via francigena ausgewählt wurde. Um es kurz zu machen, die Templerei von Poggibonsi, meinem nächsten, nur zwanzig Minuten entfernten Ziel, habe ich dort nicht gefunden. Ich kam mit der Beschreibung nicht zurecht und habe nicht verstanden, dass die Kirche San Giovanni alla Magione ausserhalb der Stadt in einem Ort Namens Calcinaia zu finden ist.

Screenshot 2017-01-14 17.19.23

Da muß ich also nochmal hin. Aber es steht ohnehin auch noch Perugia auf dem Programm und ich hoffe, ich kann das dann im nächsten Jahr erledigen. Hier gestatte ich mir, auf die gut gemachte und empfehlenswerte Homepage Terra di Siena.org

zu verweisen und mir zudem ein Bild davon auszuleihen, um zu zeigen, was mir und meinen Lesern dort entgangen ist.

Screenshot 2017-01-14 16.19.10copyright: Terra di Siena.org

 

5. Siena, Provincia Siena

Ich verspürte nur geringe Neigung, die Templerkirche in mit dem Auto zu suchen. Ich hatte vielmehr Lust, mich ein bisschen in Siena treiben zu lassen. Ich fand einen Parkplatz in der Nähe der Porta Ovile, und machte mich zu Fuß auf den Weg.

dsc_0101Siena, Porta Ovile, erbaut ab 1230, Ansicht in Richtung Stadtmitte

dsc_0107Sicht aus der Stadtmitte

Nachdem ich das Stadttor hinter mich gelassen hatte, erhob sich vor mir eine recht steile Strasse, die Via Vallerozzi, deren Ende vorerst nicht absehbar war. Ich erkundigte mich bei einem Ladenbesitzer, wie weit das denn zur Templerkirche sei und verkniff mir die Frage, ob ich wohl eine Sauerstoffmaske für den Aufstieg benötigen würde. Er meinte, dass sähe schlimmer aus, als es ist und ich würde vielleicht eine Viertelstunde brauchen. Die Kirche befindet sich in der Via Comollia kurz vor dem Stadttor des gleichen Namens. Hier ist sie nun:

dsc_0111chiesa templare di San Pietro alla Magione, Siena

 

dsc_0114

dsc_0117Blick in den Ostchor

dsc_0123

dsc_0134Fresko im Inneren

dsc_0120Ein Dokument vom 29. Mai 1148 beschreibt die Lage einer Immobilie:“ extra porta de Camollia, prope domum Templi“ (Capone et al., S. 149) . Auf dem obigen Hinweisschild ist noch zu lesen, es sei sicher, dass die Templer in 1207 hier eine „Magione“ (nach dem frz. Wort „maison“) – also ein Templerhaus – unterhielten, an das ein Hospital und eine Herberge für Pilger  angeschlossen war.

Jetzt meldete sich aber erst mal der Hunger. Ich war wieder den ganzen Tag herumgehetzt, ohne mir eine Pause zu gönnen und eigentlich stand auch noch Perugia auf dem Programm. Ein paar Schritte vor der Templerkirche war mir bereits ein nettes kleines Restaurant aufgefallen, woher es ungeheuer anziehend roch. Also ließ ich die Templer beiseite, kippte den Plan mit Perugia und dachte erstmal an mich:

20160319_150334Pici senese al ragù und ein Peroni.

Das war eine absolute Köstlichkeit. Pici sind extradicke Spaghettis und die Sosse war ein Gedicht. Oben links im Bild ist mein „Al Capone“, der für heute ausgedient hatte. Ich verbrachte noch eine Nacht in Massa, wo vorher noch ein gutes Abendessen auf dem Programm stand.

Es war schön in Italien. Ich möchte hier bald wieder her und hoffe, es klappt nochmal in 2017.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2015, Oktober, Catalunya – Teil 1

Katalonien – Teil 1, Gironès

In den Herbstferien stand eine Kurzurlaubsreise in das Gironès an. Ich habe noch keine Bücher über die Templer in Spanien beschafft. Denn ich bin mit Frankreich, England und Deutschland noch lange nicht fertig. Aber man kann ruhig immer auch mal einen Blick über den Topfrand hinaus werfen und im heutigen Katalonien waren die Templer sehr massiv verbreitet.

Hier eine Karte aus dem Netz über die Verbreitung der Templer im früheren Königreich Aragon:

mapa temple corona aragoncopyright: Tortosa Templaria Blogspot

Das ist ne ganze Menge, bei weitem zuviel für unseren Kurztrip. Aber es ist natürlich auch eine Herausforderung. Für das nächste Jahr. Wir haben uns spontan für Mai 2016 eine Ferienwohnung in Katalonien gebucht und bis dahin habe ich auch genug Zeit, die entsprechenden Bücher zu beschaffen. Doch jetzt erstmal auf den Nahbereich um Girona selbst konzentrieren. Wir wohnten in der kleinen, aber feinen Hafenstadt Sant Feliu de Guixols, ca. 25 km südöstlich von Girona, die auch dann noch liebenswert ist, wenn alle Touristen längst fort sind. Entzückende kleine Gassen, teilweise irritierend steile Strässchen in höher gelegene Ortsteile, ein beschaulicher Jachthafen, Geschäfte, vielfältige Gastronomie, eine Markthalle, und entlang der sehr reizvollen Strandpromenade prachtvolle Villen aus der belle epoque

Girona Oktober 2015 112Casino dels Nois, Sant Feliu de Guixols

herrliche Überreste eines Benediktinerklosters mit seiner Porta Ferrada und Wehrtürmen:

Girona Oktober 2015 107Monestir de Sant Feliu, beherbergt heute das historische Museum

und schliesslich mein Geheimtipp für preiswerte und leckere Tapas, die Bar Extremeño.

Schauen wir uns den realistischen Nahbereich für unseren Vier-Tage-Trip einmal an:

Girones

Sie lesen richtig. Perpinyà oder heute besser bekannt unter Perpignan, war damals noch ein Teil von Spanien, ebenso wie das Mas Déu, das Sie mit mir schon im Jahre 2010 besichtigt haben und das gesamte heutige französische Departement 66 Pyrénées-Orientales, Region Languedoc-Roussillon. Perpinyà gehörte zum Königreich Mallorca und Girona zu zum Königreich Aragon. Über Templer in Girona habe ich im Netz bisher noch nicht allzuviel – oder besser eher nichts – gefunden, aber der Ort Aiguaviva wird vielversprechend als Templerstätte beschrieben, etwa in Wikipedia.

1. Casa dels Templers, Aiguaviva

Es gibt dort ein Casa dels Templers, das auf der Webseite Catalunya Medieval  oder auf der Seite Monestirs de Catalunya wunderbar mit vielen schönen Bildern beschrieben wird. Eine Wegbeschreibung findet man auf der Webseite des Ajuntament de Aiguaviva. Es stellte sich heraus, dass die Örtlichkeit tatsächlich sehr leicht zu finden ist, man kann sie sogar von der Autobahn AP-7 sehen. Das Anwesen befindet sich unmittelbar an der Landstrasse GI 533, direkt am ersten Kreisel zwischen Vilablareix und Aiguaviva. Parkplätze gibt es keine. Die Gebäude befinden sich offensichtlich in Privatbesitz. Obwohl es in den Listen der denkmalgeschützen Objekte der Generalitat de Catalunya aufgenommen ist, gibt es vor Ort keinen Hinweis darauf, ob Besucher willkommen oder verboten sind. Das Anwesen ist hoch umzäunt und wird umfassend landwirtschaftlich genutzt. Es gibt keine asphaltierten Strassen oder Wege dahin. Man fühlt sich als unwillkommener Eindringling, wenn man versucht, sich über  ordentlich bestellte Felder ringsherum dem Anwesen auf holperigen Traktorwegen zu nähern. Liegt das an dem wütend bellenden Hund? Egal, es gab auch keine Verbotsschilder, also ran an die Sache.

Von vorne zu nähern, machte den Hund noch wütender. Der Haupteingang aus Distanz.

Girona Oktober 2015 022casa dels Templers,  Aiguaviva, Provincia de Girona, Catalunya

Wir umrundeten das ersichtlich aus dem 17. Jh. stammende Haus und erreichten, indem wir ein kleines Gewerbegebiet durchquerten, den Feldweg zur Rückseite des Anwesens.

Girona Oktober 2015 043

Hier liessen wir das Auto stehen und umrundeten das Gelände zu Fuss. Das störte den Hund offenbar nicht.

Girona Oktober 2015 035Neben diesem Schuppen mit Schießscharten tauchte die Kapelle Santa Magdalena auf.

Girona Oktober 2015 023Etwas näher ran:

Girona Oktober 2015 026Santa Magdalena de Aiguaviva

Der Bau ist auch aus dem 17. Jh., aber die Johanniter haben darauf geachtet, dass das Templerkreuz auf dem Glockentürmchen erhalten blieb.

Weil wir nicht nah genug an den Haupteingang herangelangen konnten, kann ich leider die Steinmetzarbeiten nicht mit eigenen Fotos zeigen. Das Haupttor als ganzes zeige ich Ihnen hier aufgrund ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung von Ricard Ballo, Catalunya Medieval und mit dem Hinweis, das Copyright unbedingt zu beachten:

Casa dels Templers 090919_725copyright: Ricardo Ballo, Catalunya Medieval

Diese Seite wird den Freunden der Geschichte Katalonies allerwärmstens empfohlen. Sie enthält Fotos von tausenden mittelalterlicher Bauwerke, geordnet nach den Provinzen Kataloniens und dem Bauwerkstyp. Diese Seite regt zum stöbern an und lädt zu Zielen ein, die man im Urlaub mal ansteuern könnte, wenn einem der Strand langweilig geworden ist.

Detail des Türsturzes:

Aiguaviva-03copyright: Monestirs de Catalunya

Die Templerkreuze stammen gewiss aus dem Bau im Urzustand. Über dieses Templerhaus ist bekannt, dass der letzte Bewohner – kein Ritter, sondern ein Handwerker – aus dem naheliegenden Ort Aiguaviva selbst stammte und Ramon de Vilert hiess (mediterranées.net).

Girona Oktober 2015 052Zu Ehren der Templer hat die Gemeinde eine Strasse nach dem Orden benannt und …

Girona Oktober 2015 064das Ortswappen mit einem Lamm Gottes mit Templerkreuz geschmückt.

2. Spurensuche Templer in Girona

Gibt man verschieden kombinierte Suchbegriffe, etwa templers girona oder gironès ein, findet man keine direkten Treffer. Zumeist landet man auf einen Link nach Aiguaviva. Ich hatte bislang nur den Hinweis auf der eingangs gezeigten Karte und die blasse Erinnerung daran, dass mir vor acht Jahren beim Spaziergang in der Altstadt von Girona eine Art Platte an der Aussenwand der Kirche Sant Feliu de Girona aufgefallen war, die mir „templerisch“ vorkam. Ich hatte damals keine Kamera dabei und konnte mich auch schon bald nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Nun ergab sich die Gelegenheit, dem mal auf den Grund zu gehen.

Girona Oktober 2015 073Sant Feliu de Girona

Der Bau der Kirche, die sich seit einem Papstbesuch Basilika nennen darf, wurde im 12. Jh. begonnen und bis ins 17. Jh. fortgesetzt. Man findet sie im Norden der Altstadt unterhalb der Kathedrale aus der Barockzeit. Man kann dort frühchristliche Särge aus dem 3.- 5. Jh. und das gotische Grab des heiligen Narziss, dem Stadtheiligen von Girona bestaunen. Ausserdem glaube ich, dass die Templer dort ihre Spuren hinterlassen haben. Dazu habe ich bisher aber noch nichts in der Literatur gefunden.

Seien Sie meine Gäste, und folgen Sie mir, wenn Sie wollen, meiner „Beweisaufnahme“. Wir nähern uns der Kirche von Süden:

Girona Oktober 2015 077Südpforte Sant Feliu de Girona

Direkt neben dem südlichen Eingang findet man diese oben beschriebene und aus grauem Stein gefertigte Platte.

Näher ran:

Girona Oktober 2015 081

Man sieht (von aussen nach innen): 1.)  zwei Menschenköpfe, die nach innen schauen,  2.) zwei Katzenköpfe (oder was soll das sonst sein)

Noch näher ran:

Girona Oktober 2015 082

und in dem Sonnenmotiv 3.) ein Agnus dei mit einem Stab, der in einem Kreuz endet. Das alles erregte meine Neugier, denn solcher Zierrat kommt sehr häufig in Templerkirchen oder -kapellen vor.

1.) nach innen schauende Gesichter.

Ich muss nicht allzulange in meinem Gedächtnis kramen, denn die letzte Sichtung einer solchen Skulptur ist noch garnicht so lange her. War es nicht in Temblecombe?

England 2015 Markus Kamera 2 017Templar Church St. Mary, Templecombe, Somerset

Aber das kenne ich auch noch von anderen Kapellen. Ich musste mir dazu bloss tausende von Fotos seit 2006 ansehen. Doch die hartnäckige Suche hat sich gelohnt. Le Saulce d’Island hat sowas auch:

Burgund 331Templerkapelle Le Saulce d’Island, 89200 Avallon, Yonne, Burgund

Als ich diese Kapelle im Jahre 2007 aufsuchte, hatte ich wahrhaft grosses Glück. Man durfte das Gelände ausserhalb der Kapelle ohne Hindernis betreten. Wie mir Frau Prof. Dr. Helen Nicholson, deren zahlreiche Bücher über die Templer und ihre Prozesse man nicht oft genug empfehlen kann,  ein paar Jahre später per e-mail mitteilte, ist das Gelände jetzt nicht mehr zu betreten sondern weiträumig abgesperrt, sodass solche Fotos heuite nicht mehr möglich sind.

Und wo gibt es sowas sonst noch? An der berühmten Templerkirche von Montsaunès:

RlC07 175Kirche St. Christophe, 31391 Montsaunès, Haute-Garonne, Midi Pyrenées

Viel bewiesen ist damit noch nicht. Die Platte könnte durchaus etwas mit den Templer zu tun haben. Aber immerhin, dieses auffällige Motiv war an drei sicher zugeschriebenen Templerkirchen zu finden, die tausende von Kilometern auseinanderliegen. In Südengland, dem Burgund, den nördliche Pyrenäen und eben im Gironès. Jetzt müsste man Prüfungen anstellen, ob es sich hierbei nicht um ein typisches Motiv gehandelt haben könnte, was so auch an ganz gewöhnlichen Kirchen der Epoche gefunden werden kann. Ich werde die Augen offenhalten und bitte meine Leser insoweit um das gleiche.

Aber wir haben ja noch mehr Auffälligkeiten:

2) Katzenköpfe.

Girona Oktober 2015 081

Gibt es die vielleicht auch an anderen Templerkirchen? Oh ja, doch. Prominentes Beispiel:

KathedralenTour 079Templerkapelle, 02020 Laon, Aisne, Picardie

Das bedeutet garnichts, sagen Sie? Es ist purer Zufall? Abwarten. Ich muss nur mal eben schnell wieder tausende Bilder durchforsten…..

und bin auch zahlreich auf Katzenköpfe an anderen verbürgten Templerkirchen und -kapellen gestossen:

London - Temple Church

London – Temple Church, copyright MM

Chapelle des Templiers, 02020 Laon, Aisne, Pcardie

Chapelle des Templiers, 02020 Laon, Aisne, Picardie, copyright MM

Chapelle des Templiers, 11330 Laroque-de-Fa, Aude, Languedoc-Roussillon

Chapelle des Templiers, 11330 Laroque-de-Fa, Aude, Languedoc-Roussillon, copyright MM

Chapelle des Templiers, 16110 Yvrac-et-Malleyrand, Charente, Poitou-Charentes

Chapelle des Templiers, 16110 Yvrac-et-Malleyrand, Charente, Poitou-Charentes, copyright Markus Menzendorff

SONY DSC

Eglise des Templiers, 33127 Martinas-sur-Jalle, Gironde, Aquitaine, copyright Markus Menzendorff

Die Häufung von Katzenköpfen in Templerkirchen, die auch wieder weit ausseinander in Europa verstreut liegen, scheint mir signifikant zu sein. Ich habe zwar noch keine akribischen Statistiken im Vergleich mit gewöhnlichen Kirchen zusammengestellt. Ich halte aber auch gewöhnlich stets Ausschau in Kirchen nach Ausschmückungsmerkmalen und mir ist etwas derartiges bisher noch nirgendwo sonst aufgefallen. Auch hier ist der geneigte Leser gefragt, mir seine etwa gegenteiligen Beobachtungen mitzuteilen.

Kann man anhand dieses Befundes  nur von einer ordenstypische Aufmerksamkeit des Templerordens gegenüber diesem Tier oder schon einer Art Verehrung, gar einer Götzenanbetung sprechen? Oder sind das nur harmlose Sympathiebeweise einzelner Ordensmitglieder? Es ist unabweisbar, dass den Templern in den Prozessen, die zur Auflösung des Ordens führten, unter anderem auch die Anbetung von Katzen vorgeworfen wurde (Demurger, der letzte Templer, S. 241). Es lohnt sich also, über die Hintergründe dieser Vorwürfe und über die Rolle der Katze im Mittelalter nachzudenken.

„Die Bedeutung der Katze war im frühen Mittelalter gering. Mit der zunehmenden Ausbreitung der – ebenfalls über Seehandelswege eingeschleppten – Vorratsschädlinge Wanderratte, Hausratte und Hausmaus ergab sich die Notwendigkeit ihrer Bekämpfung, was im Spätmittelalter zu einer starken Zunahme der Hauskatzen führte.“ (Wikipedia).

Katzen wurden als Haustiere unersetzlich und waren recht wertvoll. Im Sachsenspiegel der Jahre 1220-1230 wurde der Preis einer Katze mit dreivierteln des Preises von Kühen oder Schafen festgesetzt (aaO). Katzen wurden aber nicht nur als nützliches Haustier, sondern auch als „Gespielinnen“ für adlige Damen geschätzt (ebenda). Allerdings war diese Wertschätzung der Katze nicht ungeteilt. Sie mußte im Laufe der Zeit durch Aberglaube eine Änderung erfahren. Die Katze wurde zunehmend dämonisiert. Sie galt bald als unglücksbringendes Wesen und als Begleiterin der Hexen (aaO).

„Im Mittelalter verabscheut man die Katze als Ausgeburt der Hölle, verbrennt sie und misshandelt sie aufs Übelste. Im Mittelalter, besonders zwischen 1180 und 1233, wird die Katze auf Grund ihrer merkwürdigen und unverstandenen Verhaltensweise zur Zielscheibe schwerster Anschuldigungen. Sie wird der Verbrechen beschuldigt, welche die Heiden den Christen, und später die Christen den Gnostikern und Juden zuschreiben. Man bringt sie mit Teufelsanbetungsritualen ketzerischer Sekten in Verbindung. Den Katharern zufolge erscheint der Teufel in Gestalt einer Katze. Im Jahr 1230 beschreibt der Bischof von Paris, Guillaume d’Auvergne, Luzifer in seinen Schriften als eine Krähe oder Katze.“ (Royal Canin, die Bedeutung der Katze in der Geschichte).

Malcolm Barber untersuchte schon 1973 die Anschuldigungen gegen die Templer, die jedenfalls 1308 insgesamt nicht wirklich etwas neues darstellten, vor dem Hintergrund von früheren anderweitigen Verfahren der Ketzerverfolgung (Anke Krüger,  Das „Baphomet-Idol“, in Histor. Jahrbuch 119 (1999), S. 124) . „So konnte er für den Artikel der Anbetung eines Katers Parallelvorwürfe gegen häretische Gruppen eruieren, die Walter Map in seiner um 1182 verfaßten Schrift De Nugis Curialium, und Papst Gregor IX. in seiner 1233 erlassenen Bulle Vox in Rama berichteten“ (Anke Krüger, aaO). Allerdings weist Anke Krüger darauf hin, dass der Vorwurf der Katzenanbetung gegen die Templer erst recht spät, nämlich erst in der Befragung durch die Provinzialkommissionen erstmals erhoben wurde, „nachdem bereits drei Verfahren – das der königlichen Beamten und der Inquisition 1307/8 und der Sonderkommission 1308 – geführt worden waren, in denen dieser Anklagepunkt nicht“ erschien (aaO.., S.125).  Auch nach Demurger tauchte der Katzenanbetungsvorwurf noch nicht in der Aufstellung der 127 Artikel vom 1308 auf (Demurger, Die Templer, S. 249), sondern erst in den 11 Anklagepunkten der sog. Grandes Chroniques de France (aaO). Dagegen bezieht sich Strelka offenbar auf ein anderes Dokument einer Anklage gegen den Orden vom 12.08.1308 (Strelka, Dante und die Templergnosis, S. 36). Ein diesem Datum überschriebenes Dokument kann man bei Barber, (The Trial of the Templers, S. 248ff.) als Appendix A einsehen. Es enthält aber ersichtlich mehr als 11 aber wohl auch nicht 127 Anklagepunkte und ist damit wohl nicht mit den beiden von Demurger zitierten Dokumenten identisch. Aber es enthält ausdrücklich den Vorwurf der Anbetung einer gewissen Katze, die manchmal in Versammlungen der Templer erschienen sei. Dieser Anklagepunkt beruhte ersichtlich nur auf einer einzigen Zeugenaussage, die durch List in die Hände Nogarets, des Chefanklägers des Königs von Frankreich gelangt war (Strelka, aaO, S. 37).

Die Feinde des Tempels, soviel ist sicher, brauchten Anklagevorwürfe, die unter der gerecht denkenden Bevölkerung Ekel und Anwiderung auslöste, um erfolgreich zu sein. Die Bevölkerung musste das aber auch glauben. Und die Vorwürfe leicht verstehen können. Demurger bringt das mit einem Satz auf den Punkt: „Jede Anschuldigung bezog sich auf etwas Bekanntes, das dem größten Teil der Bevölkerung unmittelbar zugänglich war“ (aaO). So bezog man sich zum „Beweis“ der angeblich organisierten Homosexualität unter den Templern auf deren bekanntes Siegel, was zwei Ritter hintereinander auf einem Pferd abbildete:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Quelle: Wikipedia, copyright siehe dort

Und so mag es auch mit den Katzenbildnissen an Dachtraufen gewesen sein. Die Erinnerung der Bevölkerung an den Katzenwahn von 1230 wird leicht damit aufzufrischen gewesen sein, dass die Inquisitoren von ihren Kanzeln etwa geiferten: „und haben sie nicht schliesslich auch an jeder ihrer gottverlassenen Kirchen Katzenköpfe angebracht, um die gerechte Christenheit zu verhöhnen?“

Wäre die Katze an den Kirchen ein „gnostisches Geheimzeichen“ wie immer wieder gemunkelt wird, wären die Templer ganz schön dumm gewesen. Denn Geheimzeichen serviert man nicht auf dem Präsentierteller, wenn man nicht die Inquisition gegen sich aufbringen wollte. Der Argwohn von Teilen der Bevölkerung gegen Katzen wird sich auch bei den Templern herumgesprochen haben. Wenn ich mir die Bilder der Katzenköpfe so ansehe, haben die nichts geheimes, nichts bedrohliches und nichts verhöhnendes an sich. Sie wirken eher heiter, wie Karikaturen. Manchmal ist man sich garnicht sicher, ob die Bildnisse wirklich Katzen zeigen sollen. Katzenohren sind es wohl. Aber die Gesichter scheinen mitunter menschliche Gesichtszüge zu tragen. Sind es Spott-Grimassen? Ich werde das Phänomen weiter beobachten.

Zurück zu Girona. Das dritte Symbol auf der Platte, das Lamm Gottes mit Kreuzfahne ist ein sehr häufig mit Gewißheit belegbares und damit mindestens typisches – wenn gleich auch nicht etwa exklusives  – Templersymbol. Wir finden es an a) Templergebäuden, b)Templersiegeln und c) Templerortswappen

a) Templergebäude:

Burgund 253chapelle La Courroirie, 21290 Voulaines-les-Templiers, Côte-d’Or, Bourgogne

KathedralenTour 088Schlussstein, chapelle des Templiers, 02020 Laon, Aisne, Picardie

Hof Iben 016Schlusssstein, Templerkirche Hof Iben, 55546 Fürfeld, Rheinland-Pfalz

London 2009 127 Portal Middle Temple Treasury, London WC2

SONY DSCPortal, Stadtkirche, 38154 Königslutter, Niedersachsen

Letzere Kirche ist keine nachgewiesene Templerkirche. Man muss das also cum grano salis aufnehmen. Aber Königslutter ist nur etwa 8 km von der nachweislichen Templerkirche  38376 Süpplingenburg entfernt. Auf halbem Weg liegt die Gemeinde 38154 Groß Steinum, die seit 1373 den Johannitern gehörte. Da die Ursprünge der Kirche im dunklen liegen und die ersten Gebäudeteile aus dem 12. Jahrhundert stammen, werden die Templer zumindestens einen Einfluss ausgeübt und diese Kirche sicher auch besucht haben. Vielleicht hatten sie die Pfarreirechte erhalten, aber darüber gibt es offenbar heute jedenfalls keine Unterlagen.

b) Templersiegel, Auswahl

März 2006 078Museum, 12230 Ste. Eulalie-de-Cernon, Aveyron, Midi-Pyrénées, Siegel des Roncelin de Fos

 Agnus_dei_seal_Artistic_representationiSeal of Robert of Sandford, the Master of the Temple in 1241 in the British Library

Copyright: Wikipedia

c) Wappen von Templerorden

Girona Oktober 2015 063Wappen von 17181 Aiguaviva, Girona, Catalunya

2015, Oktober, Yorkshire

i

England – Teil 4, Yorkshire

Eine Geschäftsreise nach England gab Gelegenheit, zwei Templerorten in Yorkshire einen Besuch abzustatten. York wurde als Ausgangspunkt der Reise gewählt. Ich kam in dem wunderschönen Ascot-House preiswert in einem geräumigen Zimmer unter.

Click for a 360° view of the Ascot House lounge

Ascot House, York, Salon

1. Temple Hirst

Ungefähr 21 Meilen auf der A 19 südlich von York befinden sich noch gut erhaltene Reste der ehemaligen Präzeptorei Temple Hirst. Obwohl der Ort Temple Hirst recht klein ist, war das historische Templergebäude nicht leicht zu finden. Heute wird in dem Anwesen eine Seniorenresidenz betrieben. Ich hab mir zunächst vom Management die Erlaubnis erteilen lassen, das Privat-Grundstück zu betreten und auch Fotos des historischen Gebäudes zu machen. Es ist nicht gestattet, eigenmächtig das Grundstück zu betreten und es ist selbstverständlich auch erforderlich, die Privatsphäre der Bewohner zu respektieren.

2015-10-12 Yorkshire 001Preceptory of Temple Hirst

Im Jahre 1152 übertrug Ralph Hastings das Manor von Birkin an den Templerorden (British History online). Sein Bruder Richard of Hastings war von 1155 bis 1185 Meister des Templerordens für England (Wikipedia).

2015-10-12 Yorkshire 005Bitte beachten Sie die behauenen Steinquader am Fusse des Turmes:

2015-10-12 Yorkshire 007Einmal um das Gebäude herumgeschlichen:

2015-10-12 Yorkshire 008

Noch weiter: Die Südpforte, das wunderschöne (normannische) Templerportal:

2015-10-12 Yorkshire 014

 Gesamtansicht vom Süden:

2015-10-12 Yorkshire 013

Ausser dass man sich mit Wollhandel beschäftigt hat, ist von dieser Präzeptorei nichts weiter bekannt (Brighton, S. 192). In den Prozessen in London wurde den Templern von Temple Hirst vorgehalten, Sie hätten u.a. Katzen angebetet oder ein Festmahl zu Ehren eines Kalbes abgehalten. Die Vorwürfe haben sich nicht erhärten lassen (aaO).

2. Templer in Ribston

Etwa 33 Meilen nordwestlich von Temple Hirst, grösstenteils entlang der A1, gelangt man nach Ribston Hall, Wetherby, in North Yorkshire. Hier unterhielten die Templer ebenfalls eine Präzeptorei und umfangreiche Ländereien. Der Ort Little Ribston ist recht klein. Man sieht schon in der Durchfahrtsstrasse, daß die Mauern von Scheunen und Einfriedungen aus mittelalterlich behauenen Steinen gefertigt sind.

2015-10-12 Yorkshire 030 2015-10-12 Yorkshire 027Ich nehme an, dass die Steine aus Templermauern stammen. Ribston Hall habe ich – um es kurz zu machen – vor Ort jedenfalls nicht gefunden. Ich habe mehrere Passanten gefragt und unterschiedliche Beschreibungen gehört, die ich aber – „nach der Kreuzung links, und dann an so einem Metallgatter vorbei, das erste rechte nach der Scheune … usw“ – vor Ort leider nicht nachvollziehen konnte oder aber nach den ersten zwei Abbiegungen schon wieder vergessen hatte. Ich hätte eine Wanderkarte der Gegend gebraucht, oder ein Internetcafé, beides war in dieser ländlichen Idylle nicht zu finden. Und so habe ich Ribston Hall beim ersten Anlauf VERPASST ! Das ist mir sehr peinlich, aber ich muss es leider gestehen. Alle Passanten sagten mir zudem, dass die Besitzer von Ribston Hall nicht gerade begeistert über Besucher sind, es wäre besser, sich vorher anzumelden. Aber auch eine Telefonnummer war nicht bekannt.

Ich bediene Sie daher mit einem copyright geschützten aber unter Einhaltung der Regeln verwendbaren Creative Commons License Foto von Ribston Hall:

 1088095_0c69adfccopyright: Gordon Hatton, Creative Commons

Links im Bild sieht man die Reste der Präzeptorie, die Kapelle ist noch sehr intakt. Sie soll Teile der Steinmetz- und Maurerarbeiten aus dem 13. Jh. enthalten. Das Hauptgebäude stammt aus dem Ende des 17. Jh. Der Bauherr war Sir Henry Goodricke (Wikipedia). Wie gesagt, dieses Anwesen ist Privatbesitz und nicht zu besichtigen. Es weist auch kein Schild den Weg. Ribston ist den Templern im Jahre 1217 von Robert de Ros übertragen worden (Geograph.org.uk).

Eine Hinweis folgend, dass in die Kirche des in der Nähe befindlichen Ortes Spofforth Steinmetzarbeiten mit Templerbezug verbaut worden seien, und zwar oben auf dem Dach über dem nördlichen Mittelgang und unten diese Steinmetzarbeit hier:

spofforth crossCopyright: Dennis Garner, Templars in Britain

 begab ich mich zu der ca. 3 Meilen entfernten All-Saints-Kirche in dem Örtchen Spofforth, deren älteste Teile aus dem 12. Jahrhundert stammen.

2015-10-12 Yorkshire 022

2015-10-12 Yorkshire 015

 2015-10-12 Yorkshire 016

2015-10-12 Yorkshire 021Templersteine, wohin man sieht.

Den Abend verbrachte ich in in einem Pub in der Altstadt von York, sehr zu empfehlen, alles zu Fuß erreichbar und vergnügte mich mit ein paar Drinks und einem sehr üppigen Cajun Chicken Sandwich mit Guacamole und Chili-Sauce.Ein paar Impressionen aus York mitgenommen:

Handy Samsung 148

Kathedrale, York

Handy Samsung 152York, Stonegate

Handy Samsung 154

Dann freute ich mich auf mein Baldachin-Bett im Ascot House. Die Rückreise am nächsten Tag war – jedenfall in meinem bisherigen Leben – eine Art logistischer Höhepunkt in Planung und Ausführung. Ich habe noch nie derartig viele verschiedene Verkehrsmittel an einem Tag benutzt. Aufstehen um 7:00, frühstücken um 8:00.

  1. mit dem Mietwagen vom Hotel zur Abgabestation, direkt am Bahnhof von York
  2. keine 10 Minuten später sitze ich im „Virgin“-Zug non stop nach London, Abfahrt ca. 9:00, Ankunft 11:00, Kings Cross Railway Station.
  3. Mit London undergroud, die (schwarze) Northern-Line nach Süden bis „Bank“
  4. Umsteigen in die DLR (Docklands Light Railways) bis zum London City Airport,
  5. einchecken, kurz warten und Abflug, eine Stunde später Landung in Frankfurt
  6. Mit der S-Bahn nach Sachsenhausen
  7. mit der Strassenbahn in meinen Stadtteil, puh! Fertig, und jetzt ein Guinness! cheers 🙂

2015, August, Cornwall und Somerset

England – Teil 3, Cornwall und Somerset

Sommerferien mit der Familie in England auf dem Lande! Wir fuhren wir diesmal mit dem Auto nach England, weil das Hündchen mitkommen sollte. Doch ein Stempel im Hundepass fehlte und so mussten wir erst in Dunkerque einen Tierarzt aufsuchen. Wir verpassten dadurch nicht nur unsere Fähre, sondern die nächste und die übernächste auch noch. Wir kamen daher erst gegen 20:00 in Dover an, viel zu spät, um die Ruine der Templerkirche in Dover besuchen zu können. Die Fahrt vom südöstlichsten Punkt Englands bis in dessen Südwestspitze sollte lt. Reiseroutenrechner ca. 5 Std. dauern. Tatsächlich kamen wir erst um 02.00 – nach einer sehr anstrengenden Fahrt (die Briten benutzen bekanntlich die falsche Strassenseite 🙂 ) durch heftige Regenschauer – in unserem Feriendomzil in Cornwall an: Das Gamekeepers Cottage in den Tregrehan Gardens, Gemeinde Par, Cornwall. Ich möchte das sehr gerne weiterempfehlen. Wir wurden sehr herzlich willkommen geheißen und aufmerksam nach evtl. Sonderwünschen befragt. Ein perfekter Urlaub bahnte sich an. Es gibt dort herrliche Gartenanlagen zu besichtigen, mit Bäumen aus Überseee: Südafrika, New Zealand, Kalifornien, Australien u.v.m. Die Familie der heutigen Eigentümer sammelt dort seit dem frühen 19. Jahrhundert Pflanzen aus aller Welt.

SONY DSC

Tregrehan Hall, ca. 1820

SONY DSC

Unsere Ferienwohnung Tregrehan Cottages, 1840

1. Templer in Cornwall

Nicht einmal 20 Meilen entfernt von unserer traumhaften Unterkunft, die keine Wünsche offenliess, befindet sich die nächste Templerei, soweit ersichtlich die einzige in  Cornwall, auf dem Gebiet der Gemeinde Blisland nahe des Colliford Lake. Wir befinden uns mitten im Bodmin Moor, das zur Zeit der Templer noch „Temple Moor“ (Simon Brighton, S. 116) genannt wurde! Wegen eines Umbaus der A 30 an der Stelle ist die Ausfahrt nach Temple nur schlecht zu finden. Die Zufahrt ist nur aus nordöstlicher Richtung kommend möglich. Die A 30 ist heute wie früher die wichtigste Zufahrtsstrasse nach Cornwall und führt durch das Bodmin Moor. Die Ausfahrt liegt etwa auf der halben Strecke zwischen Launceston an seinem Eingang und Bodmin an seinem Ende. Ein strategisch wichtiger Platz also, denn auch die Pilger benutzen damals schon diese Fernstrasse durch das Bodmin Moor, um einen der Pilgerhäfen an der südwestlichen Küste Englands zu erreichen.

Als wir die A 30 auf einem schmalen Feldweg verliessen, um uns langsam über das Moor der Temple Church zu nähern, verschlug es uns beim Anblick einer offenbar sehr alten Brücke, die noch intakt ist, den Atem:

England 2015 Markus Kamera 1 039Templerbrücke, Bodmin Moor

 Aber das eigentliche Ziel unseres Tagesausfluges steigerte unsere Begeisterung noch um ein vielfaches.

England 2015 Markus Kamera 1 040Die Ortschaft, in der sich diese Wegmarkierung befindet, besteht nur aus einer Handvoll von Gebäuden, die vielfach teilweise mit offensichtlich im Mittelalter behauenen Steinen errichtet worden sind:

England 2015 Markus Kamera 1 043

Vermutlich handelt es sich um Baumaterial aus den alten Templergebäuden, von denen sonst nichts mehr übriggeblieben ist. Aber das:

England 2015 Markus Kamera 1 047Temple Church, Blisland, Bodmin Moor

England 2015 Markus Kamera 1 049

Die Kirche war sogar auf!

England 2015 Markus Kamera 1 060

Wie man sieht, ist die Kirche innen modern restauriert, und zwar im Jahre 1883. Im Jahre 1584 hatte die Kirche einen denkbar schlechten Ruf. Ungesetzliche Hochzeiten wurden geschlossen und sogar Selbstmörder konnten beerdigt  werden (Brighton, S. 119). Schliesslich stürzte die Kirche im Sturm in sich zusammen und begrub einen Obdachlosen, der dort vergeblich Schutz gesucht hatte (aaO). Von der alten Kirche stand nur der links im Bild zu sehende Bogen, aber sie wurde unter Verwendung des Original-Materials im gleichen Design wieder aufgebaut (aaO).

Hinter der Kirche befindet sich noch ein Nebengebäude oder Schuppen, in dessen Fassaden verschiedene behauene Steine hineinverarbeitet worden sind, um sie für die Nachwelt zu erhalten:

England 2015 Markus Kamera 1 057

In der Mitte sieht man das Handwaschbecken der alten Kirche, das sog. piscina. Zwei Steine, der links neben dem Becken und an der unteren rechten Ecke zeigen (etwas primitiv) eingeritzte Kreuze. Nach Simon Brighton, S. 120, der sich dabei auf R.A. Courtney stützt, seien dies Reste sogenannter standing stones aus dem Neolithikum, die auf diese Weise „christianisiert“ worden seien. Wenn die frühen christlichen Missionare die Leute nicht davon abhalten konnten, ihre heidnischen Steinstelen zu verehren, hat man anfangs eben einfach ein Kreuz hineingeritzt und später die Spitze dieser standing stones oder menhire häufig von Steinmetzen zu Kreuzen umarbeiten lassen, wie dies überall in Irland und Grossbritannien zu sehen ist.

Detailansicht des Fensters im Ostchor:

England 2015 Markus Kamera 1 065Das Tatzenkreuz der Templer, eine moderne Arbeit

Informationsblatt mit geschichtlichen Details:

England 2015 Markus Kamera 1 066

Und was gabs sonst noch im Bodmin Moor?

England 2015 Markus Kamera 1 078Geologische Formation oder neolithisches Monument?

2. Templer in Somerset, Templecombe

Die nächste Templerstation war zu weit von unserer Unterkunft entfernt, um sie in einen Ausflug einbeziehen zu können, nämlich 138 Meilen oder 2 1/2 Autostunden über die A 30, die kurz nach Honiton in die A 303 übergeht. Also überließen wir während der Ferien die Templer sich selbst und erkundeten die entzückenden, eleganten, quirligen oder mondänen Hafenorte in unserer Umgebung. Die nächste Templerniederlassung auf dem Weg von Bodmin Moor nach London befindet sich etwa auf dem halben Weg von Exeter nach Andover im Südosten von Somerset, direkt an der Grenze zu Dorset. Wir nahmen diesen Ort daher erst auf dem Heimweg nach Dover in Augenschein:

England 2015 Markus Kamera 2 006Templar Church St. Mary, Templecombe, Somerset

England 2015 Markus Kamera 2 004Templergräber

England 2015 Markus Kamera 2 003Ansicht von Osten

 England 2015 Markus Kamera 2 001ebenso

England 2015 Markus Kamera 2 010Ostchor von innen

England 2015 Markus Kamera 2 012Dachkonstruktion

Die Templer erhielten diese Besitzung von Serlo FitzOdo, einem Nachkommen des Bischofs Odo von Bayeux im Jahre 1185 (Brighton, S. 110).

In der Nähe der Kirche machte eine Dame namens Molly Drew in den fünfziger Jahren – zufällig – eine aufsehenerregende Entdeckung. Sie sammelte Holz in ihrem  Schuppen und bemerkte, dass sich vom (hölzernen) Dach des Schuppens ein Stück Putz abgelöst hatte und heruntergefallen war. Sie blickte hinauf und entdeckte das gemalte Gesicht eines Bärtigen, das auf sie herabsah (aaO). Sie berichtete von leuchtenden Farben, die kurz danach den dilettantischen Versuchen des damaligen Vikars, das Bild zu reinigen, zum Opfer fielen (somersetroutes.co.uk) . Das Bild wurde jahrelang in der Kirche  St. Mary aufbewahrt (offenbar bis 2006, dem Erscheinungsjahr von Brightons Buch) und befindet sich jetzt in Bischofspalast in Wells.

Templecombe Head cropped colourQuelle: http://www.somersetroutes.co.uk/

Es ist schon viel Tinte geflossen über das, was es mit dieses Bild auf sich haben soll. Ist es eine Kopie des Grabtuches von Turin? Eine Abbildung des Schleiers der Veronika, des sog. Mandylions? Fakt ist, es zeigt einen bärtigen Mann. Keine Inschrift, kein Heiligenschein. Stellt es Jesus dar, oder gar Johannes, den Täufer? Warum hat es keinen Heiligenschein? Handelt es sich um eins der sagenhaften Kopfidole, die die Templer nach Ansicht ihrer Ankläger angebetet haben? Man wird es wohl nie genau wissen.  Mit ein bisschen zeichnerischer Fantasie könnte man leicht etwa die vermeintliche Ähnlichkeit zum Grabtuch von Turin darstellen. Das erscheint aber eher eine Spielerei.

E4CDF7FAF6Bild kopiert aus Miryline blogspot

Es fällt auf, dass das Gesicht auf dem Gemälde in keiner Weise entspannt wirkt. Der Mann hat aufgerissene Augen, einen starren Blick und einen wie zum Schrei geformten Mund. Soll das vielleicht einen abgeschlagenen Kopf darstellen?

Tatsächlich gibt es in Templerkirchen oft Kopfskulpturen, die einen Kopf ohne Heiligenschein mit heraushängender Zunge zeigen. Für mich stellen sich diese Bilder regelmässig als Abbildungen des abgeschlagenen Kopfes von Johannes dem Täufer dar.

chapelle St. Jean-Baptiste, le Grand-Madieu, 16 Charente, Poitou-Charentes

Der Umstand, dass das Bild von Templecombe (nur) den Kopf einen Bärtigen mit geöffnetem Mund und weit aufgerissenen, starren Augen, aber ohne Halsansatz (!) zeigt, spricht vielleicht dafür, dass es sich hier auch um den abgeschlagenen Kopf des Johannes handeln könnte. Johannes wird auch in der Ikonographie häufig nicht mit einem Heiligenschein abgebildet. (Heiligenlexikon.de)

In dem Zusammenhang drängt sich ein Vergleich mit anderen Skulpturen von Menschenköpfen an Templerkirchen, insbesondere der für ihre Fresken weltberühmten Templerkirche von Montsaunès auf.

Detail vom Hauptportal, Westfassade Templerkirche 31260 Montsaunès, Dept. Haute-Garonne

Achten Sie bitte auf die weitaufgerissenen Augen und den starren Blick vieler Gesichter. Bei manchen hängt die Zunge heraus. Bei dem zweiten und den vierten von links sehen wir eine ovale Öfffnung des Mundes, die dem Bildnis von Templecombe sehr ähnlich ist.

Templecombe Head cropped colourRlC07 159RlC07 159Sollten also die Gesichter mit den angstvoll aufgerissenen Augen und Mündern auf dem Portal von Montsaunès tatsächlich, wie ich vermute, abgeschlagene Köpfe darstellen, so dürfte der (einzelne) Kopf von Templecombe tatsächlich den Johannes zeigen. Aber was bedeuten dann die vielen Köpfe von Montsaunes? Mir ist heute Nacht eine Idee gekommen, die eventuell eine Erklärung dafür liefern könnte. Die Kreuzfahrer hatten im Jahre 1187 die Schlacht von Hattin verloren und hunderte von teilnehmenden Tempelrittern und Johannitern fielen in der Schlacht selbst. Aber es gerieten auch weitere hunderte von ihnen in Gefangenschaft. (Wikipedia) . 230 gefangene Templer und Johanniter wurden auf Anordnung von Saladin enthauptet (Aubarbier, S. 16, Jan Hosten, S. 118). Der Templerorden hatte nie zuvor eine solche Niederlage erlebt. Das ganze Abendland stand unter Schock. Ist das Portal von Montsaunès vielleicht eine Hommage an die hingerichteten Templer von Hattin?

Das kann man jedenfalls nicht ausschliessen, denn der zeitliche Rahmen könnte ganz gut passen. Die Commanderie wurde zwar schon 1156 gegründet (Aubarbier, S. 232), aber die Kirche entstand erst gegen 1180 (a.a.o. und Templerlexikon). Genaueres ist über den Zeitpunkt nicht bekannt. Aber da eine solche gewaltige Kirche nicht über Nacht gebaut wird und die Templer erstmals im Jahre 1187 den Anblick einer solchen Menge abgeschlagener Köpfe ihrer Brüder verdauen mussten, ist es mindestens naheliegend, dass das Portal von Montsaunes auf die Katastrophe von Hattin hinweisen soll. Gelesen habe ich dazu aber bisher noch nichts.

Was gab es sonst noch schönes zu sehen auf unserer Englandreise? Hier noch eine kleine Auswahl.

England 2015 Markus Kamera 1 204Schaurig schön: Tintagel Castle, nur der Sage nach Sitz von König Artus, erbaut 1230

England 2015 Markus Kamera 1 115Launceston Castle, vor 1067, normannische Burg, sogenanntes Motte-and-bailey castle

SONY DSC

Mên-an-Tol, Megalith-Formation, Penzance, Cornwall, 3000 bis 4000 Jahre alt

SONY DSC

Der Verfasser und seine Tochter, nicht ganz so alt 🙂

Es hat uns gut gefallen in England, wir möchten da so bald wie möglich wieder hin.

 

2015, Juli, Belgien

Templer in Belgien

Eine Reise in das „Dreiländereck“ um Maastricht und Liège (Lüttich) ergab die Gelegenheit, sich noch einmal die bereits Im Jahre 2011 besuchte Commanderie der Templer in der Gemeinde 4550 Nandrin (ca. 20 km süd-westlich von Lüttich) näher anzusehen.

1. Templer in Villers-le-Temple

Diese Commanderie wurde gegründet von Gerard de Villers um 1257 (Hosten, De Tempeliers, S. 223). Zur Commanderie gehörten noch einige Grundstücke in der näheren Umgebung und zwei Mühlen (aaO).

Maastrich und Liege 122Ostchor der Kirche von Villers-le-Temple

Maastrich und Liege 123  Detailansicht Ostchor, Wappen des Commandeurs der Johanniter, „Fr. Laure de Breteuil“, 1762

Ein Blick durchs verschlossene Hoftor der ummauerten Commanderie:

Maastrich und Liege 131sog. „basse Cour de la Commanderie“

Was gibt es noch zu sehen in Villers-le-Temple:

Maastrich und Liege 130Manoir de la Tour, 16. Jahrhundert

Derzeit „a vendre„, vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld.

1. Templer in Haneffe

Ebenfalls in der Province Liège, ca. 25 km nordwestlich von Villers-le-Temple, in der Gemeinde 4357 Donceel, befand sich eine weitere Commanderie der Templer, und zwar in dem Ort Haneffe.

Maastrich und Liege 140Haupteingang

Die Kapelle ist in einem recht schlechten Zustand und nur auf Absprache innen zu besichtigen. Es handelt sich um ein  Nachfolgerbau der abgebrochenen Templerkapelle aus dem 17. Jahrhundert:

Maastrich und Liege 153

chapelle St. Jean-Baptiste, nach einer Inschrift „RE EDIFIEE PAR LE CDR DE LA FONTAINE A 1628“

Maastrich und Liege 143Informationstafel vor Ort

 

3. Templer in Maastricht ?

Im Juli 2015 folgte ich einer Einladung nach Maastricht, um an einer geführten Höhlenbegehung teilzunehmen. Es hatten sich ca. zwei dutzend interessierte Personen – vornehmlich aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden zu dieser Führung verabredet. Ein Ziel der Führung war auch, zahlreiche teilweise rätselhafte Malereien an den Höhlenwänden zu interpretieren. Einige der Abbildungen an den Wänden sollen Ähnlichkeiten mit Templermotiven haben. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen! Wir trafen uns einige Kilometer südlich von Maastricht in einem am Ufer der Maas auf einer Anhöhe gelegen Ausflugslokal namens Buitengoed Slavante

Maastrich und Liege 024

Mit dieser Anhöhe beginnt ein Hochplateau, das sich auf einige Kilometer Länge direkt am linken Maasufer nach Süden ausbreitet.

Im Inneren des Bergs gibt es ein 200 Kilometer großes Labyrinth, welches künstlich erschaffen wurde. Einige Bergwerke sind zwar viel größer als das des St. Pietersbergs, aber kaum ein anderes hat einen ebenso interessanten geschichtlichen Hintergrund. Das aktuell bestehende Labyrinth wurde in 800-jähriger Handarbeit mit den verschiedensten Handwerkzeugen gebaut. … Man kann an den Wänden der Gänge Denkmäler oder Skulpturen entdecken. (wikipedia) 

Diesere Wikipedia-Eintrag ist nicht aktuell. Durch industrielle Aktivitäten der letzten Jahre sind zwei drittel der Anlagen zerstört und es existieren jetzt nur noch ca. 70 Kilometer an Gängen. (Quelle: Joris de Lange).

Es war so gegen 13:00, als sich alle Teilnehmer versammelt hatten. Nach der Begrüßung und einer Stärkung verteilte man sich auf mehrere Fahrzeuge und fuhr entlang der Uferstrasse einige Kilometer weiter nach Süden über die belgische Grenze hinweg, bis das Zeichen zum Anhalten gegeben wurde. Unser Führer bat uns, die Lage des von uns benutzten Eingang in das Labyrinth nicht zu veröffentlichen. Denn es seien schon mindestens 2 Besucher in den Höhlen umgekommen. Man darf die Anlage unter allen Umständen nur mit einem sachkundigen Führer betreten! Ich möchte meine Leser hiermit ausdrücklich warnen. Der unbegleitete Aufenthalt in den Höhlen kann lebensgefährlich sein!

Maastrich und Liege 037

Jetzt hieß es: Jacken anziehen und Taschenlampen kontrollieren und dann ging es an dieser Stelle hinein in das Abenteuer. Wir liefen mehr als eine halbe Stunde durch mehrere Gänge scheinbar kreuz- und quer, aus denen wenig zu berichten war, bis wir auf die hier interessierenden Malereien trafen. Die Stollen hatten eine Höhe von geschätzt 6 oder 8 Metern und waren von oben nach unten in den Kalkstein hineingetrieben worden. Das ist auch der Grund, warum die ältesten „Malereien“ jeweils an den Decken zu finden waren. Es wurden keine Farben verwendet. Die Motive wurden vielmehr mittels Kerzenruß hergestellt. Man nimmt an, dass die Schöpfer dieser Abbildungen rücklings auf dem Stollenboden lagen, als der Stollen noch niedriger als ein Meter war. So ist zu erklären, dass die Abbildungen mit einigermassen ruhigen Händen erzeugt werden konnten.

Maastrich und Liege 109In der Mitte dieser Motive läßt sich ein Templerkreuz ausmachen.

Das Templerkreuz ist eingerahmt von einigen sog. Kruken-Kreuzen

Diese Symbolform eines Kreuzes mit Querbalken ist schon aus de Antike bekannt. Gottfried von Bouillon, der Begründer der Kreuzzüge, hat eine Abwandlung dieses Kreuzes zu seinem Wappen erkoren:

Argonnen und Ardennen Mai 2005 213Chateau de Bouillon, Prov. Luxembourg

Dieses Wappen wurde (in gelb) von dem Königreich Jerusalem der Kreuzfahrer übernommen und ist heute noch das Wappen des Ordens der Grabesritter. Aber auch in Templerkirchen konnte ich eine ähnliche Darstellung entdecken, etwa in Brandenburg:

Berlin Juli 2008 012Templerkapelle, 15518 Tempelberg

oder in Süpplingenburg:

SONY DSC

Templerkirche, 38376 Süpplingenburg

Diese Kreuze passen also gut in die Templerzeit und ihre Symbolik hinein. Aber es sollten sich noch mehr Vergleiche aufdrängen.

Maastrich und Liege 101An einer anderen Stelle in diesem Abschnitt fanden sich an der Decke weitere Templerkreuze, aber auch ein stilisiertes Dame- und Mühle- Brettspiel. Das Mühlespiel ist schon seit der Antike bekannt. Nach wikipedia soll sich in der Aachener Pfalzkapelle so eine Abbildung finden lassen.

Ein Mühlespiel fand sich auch auf einer Dachziegel eingebrannt in der Templerkapelle von Slijpe:

Slijpe(mit freundlicher Genehmigung von Jan Hosten, aus: De tempeliers, 2006).

Ein weiteres Motiv erregte meine Aufmerksamkeit, und zwar diese kreisrunden Objekte mit radialen Linien von einem inneren Kern auf den äußeren Umkreis.

Maastrich und Liege 105Dies Motive haben starke Ähnlichkeiten mit dem Skelett eines Seeigels.

Maastrich und Liege 081Dieses Beispiel fand sich in der Nähe eines Galgens und zweier Totenschädel. Beim genaueren Betrachten findet man auch bei dem oberen Abbildung ein solches Galgenmotiv. Aber auch dieses seeigelähnliche Motiv hat Entsprechungen in anderen Kirchen, die Bezug zu den Templern haben.

SONY DSC

Templerkirche St. Johannis, 38376 Süpplingenburg

Das rechte Motive solle eine sich öffnende und das linke eine geschlossene Blüte darstellen, der Kreislauf des Lebens, A und O.  Andere Templerkirchen haben vier solche Motive:

ChatillonChapelle des templiers St. Thibault,  21400 Chatillon-sur-Seine

Nuits sous RavieresPortal der Kirche von 89390 Nuits-sur-Armançon

Charente 020Wandmalerei Templerkapelle Cressac, 16115 Cressac-St. Genis, Charente

Ich kann derzeit noch nicht ausschliessen, dass sich solche Seeigel-Motive nicht auch auf anderen Kirchen befinden, die nichts mit den Templern zu tun hatten. Aber immerhin scheint es für die Epoche eine sinnstiftende Aussage gemacht haben und die Ähnlichkeit zu den Abbildungen in der Höhle sind mindestens signifikant.

Es gab noch eine weitere Entsprechung. Unterhalb der Decke, an der Wand eines Stollens fand sich dieses Christus-Bild.

Maastrich und Liege 073Das hatte frappierende Ähnlichkeit mit einer Glasmalerei aus der Templerkapelle von Slijpe

Slijpe(Mit freundlicher Genehmigung von Jan Hosten)

Nachdem feststeht, dass die Steinbrüche im Sint-Pietersberg seit 800 Jahren in Benutzung sind und viele der dort angebrachten Graffitis sehr große bis signifikante Ähnlichkeiten mit Verzierungen an nachgewiesenen Templerkirchen aufweisen, dürfte zumindestens ein „Anfangsverdacht“ dafür sprechen, dass die Templer sich hier auch wirtschaftlich betätigt haben könnten. Aber waren die Templer auch in Maastricht begütert? Ein lateinisches Dokument von 1269 soll das bestätigen:

image002(Quelle: Sporen van de Tempeliers in Nederland)

Im unteren Drittel der linken Spalte ist die Rede von „expensis persolvi faciam in Trajecto per Fratres Domus Templi„.

Trajectum kann sich aber auf Maastricht (=Trajectum ad Mosam) ebenso wie auf Utrecht (=trajectum ad Rhenum) beziehen. Trajectum heisst einfach nur Übergang (=hier Brücke) .

Der Frage, ob sich dieses Dokument auf Templer aus Utrecht oder aus Maastricht bezieht, oder ob sich daraus schliessen lässt, dass der Templerorden überhaupt in einer der beiden Städte eine Niederlassung unterhielt, hat man sich auf der Seite Sporen van de Tempeliers in Nederland angenommen:

Welk Trajectum?

Indertijd was sprake van een Trajectum ad Rhenum (Utrecht) en een Trajectum ad Mosam (Maastricht). Welk werd hier bedoeld?

Bij Utrecht is nooit sprake geweest van een vestiging van de Tempelorde. Guido van Avesnes, bisschop van Utrecht bericht voorts in 1307 aan de Franse koning, dat in zijn gebied geen huizen van de Tempelorde voorkomen. (J.Schwalm: Reise nach Frankreich und Italien im Sommer 1903. In: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde. XXIX (1904). Berlin, 1903. pg.635.) Naar het zich laat aanzien komt Utrecht hier dus niet in aanmerking. Met betrekking tot Maastricht heeft Ramakers uitvoerig betoogd, dat daar geen kommanderij of huis van de Tempelorde gevestigd is geweest (Zie verder: Maastricht.) Ook Maastricht als vestigingplaats van het tempelhuis komt dan te vervallen. Dit is een ongerijmdheid. Ergens schuilt hier een fout in de gedachtengang. De toekomst zal misschien leren welke fout. Hier is van belang te zien hoe het vaak gesteld is met onze kennis van de Tempelorde in ons land. Het is schimmige kennis. Zoals hier, we weten dat de Orde hier actief is geweest, maar nadere kennis over de wijze waarop ze hier was, over wat ze deed en hoe het haar verging ontbreekt veelal. Zoals hier, we weten dat er een tempelhuis was, maar reeds de juiste plaats is een vraag. Op dit glibberig pad beweegt zich deze site, Voorzichtigheid zal geboden zijn.

Die Seite warnt, dass man sich dieser Frage nur vorsichtig nähern kann, weil sie von vielen Ungereimtheiten flankiert ist. Die Frage, ob die Templer auch in Maastricht begütert waren oder nicht, ist für die hier vertretene These, dass die Templer im Sint-Pietersberg einen Steinbruch betrieben haben könnten, nicht weiter von Belang. Man weiss sicher, dass die Templer jedenfalls in der belgischen Stadt Visé eine Komturei unterhalten haben, und Visé soll sich unmittelbar gegenüber von dem Steinbruch im Sint-Pietersberg befinden.

Bei der Überprüfung dieses Sachverhaltes stellte ich fest, dass der belgische Teil dieses Felsmassivs sogar im heutigen Gebiet der Gemeinde Visé selbst liegt:

Vise(google maps)

Maastricht befindet sich nördlich von diesem Kartenausschnitte. Das Sint-Pieter-Massiv befindet sich am oberen Rand des Kartenausschnittes. Sein südlicher Ausläufer ragt in das Gebiet der Gemeinde Visé hinein.

Über die commanderie Visé werde ich im Jahre 2016 berichten. Ich bitte noch um etwas Geduld.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2015, April, Deutschland

Angebliche „Templerorte“ in Deutschland

Während meine bisherigen Beiträge von der Bemühung gekennzeichnet waren, sich ausschliesslich auf wissenschaftlich erwiesene Templerbesitzungen zu beziehen, habe ich versucht, mich in diesem Beitrag auch ein wenig dem Phänomen der Legenden zu nähern.  Insbesondere in Deutschland scheint es ein Problem mit nur angeblichen Tempelhäusern zu geben. Zumeist heisst es, der „Volksmund“ sei für die Legendenbildung verantwortlich. Ich hatte das schon für das sog. Tempelherrenhaus in Hildesheim und das sog. Templerhaus in  Amorbach gezeigt. Nachvollziehbare Gründe, warum sich der Volksmund so etwas ohne jeglichen Anlass ausdenken sollte, werden oft nicht genannt. Das ist für mich genug Anlaß, solchen Gerüchten zweimal im Detail nachzugehen.

1. Das sogenannte Templerhaus in Köln

Eine Geschäftsreise bot Gelegenheit, das sog. Tempelhaus in Köln aufzusuchen. Das Haus soll ca. 1230 vermutlich von der Familie Overstolz errichtet (Overstolzenhaus  Wikipedia) und seither mehrfach umgebaut worden sein. Es befindet sich in der Rheingasse, Hausnummer 8:

 

DSC_0070

Warum sich die Legende gebildet hat und hartnäckig hält, dass dieses prächtige Gebäude mit dem Templerorden in Verbindung zu bringen sei, ist nicht befriedigend zu beantworten. Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich ein solcher Bezug nicht beweisen. Dass die Templer in Köln jedoch (mindestens?) ein Haus besessen haben, wurde jedoch auch von den Wissenschaftlern im 19. Jahrhundert übereinstimmend angenommen (von Ledebur, Die Tempelherren und ihre Besitzungen im Preußischen Staate, 1835, S. 114, Nachdruck bei LePa und Wilcke, Die Geschichte des Ordens der Tempelritter, 1860, S. 388) und wird offenbar auch bis heute noch so gesehen (Anke Napp, Templerlexikon Uni Hamburg).

Weyden (Ernst Weyden, Das Haus Overstolz zur Rheingasse genannt Tempelhaus, Köln 1842, S. 18) bestreitet entschieden, dass die Templer mit diesem Haus irgend etwas zu tun gehabt haben können. Er führt die Neigung des Volksmunds, dieses wie angeblich andere alte Häuser in Köln als „Tempelhäuser“zu bezeichnen, auf den Umstand zurück, dass diese oft einen „alterthümlichen … geheimnisvollen Baustil“ (a.a.O., S.  19) aufgewiesen hätten. Vorzugsweise das Haus „zur Rheingasse“ soll der Volkmund den Templern zugeschrieben haben, weil es sich durch die „Grossartigkeit seines Baustils“ (ebenda) und  den „Reichthum seines Giebelwerkes“ besonders auszeichnete (ebenda). Im übrigen kämen die Namen „Templerhaus“ oder „Templerhof“ in Köln nie urkundlich vor (ebenda). Dennoch ist Weyden präzise in der Lage, ein ehemaliges Anwesen in der Streitzeuggasse, Hsnr. 86-88, als Templerhaus zu identifizieren (a.a.O., S. 18). Weyden, der den Ursprung dieses Hauses in der Familie Overstolz sieht, muss allerdings einräumen, dass der wahre Erbauer des Hauses sich ebenfalls nicht in Urkunden finden lässt, weil sich diese nur bis 1210 zurückverfolgen liessen (S. 22). Aufgrund der Grossartigkeit des Hauses komme nur ein „reiches, angesehenes Geschlecht“ in Betracht (ebenda). Allerdings sei ein Geschlecht derer „zur Rheingassen“ ab 1169 urkundlich nachweisbar. Dieses Geschlecht muss besonders wohlhabend gewesen sein, weil es regelmässig Schöffen stellte, was nur den edelsten Familien vorbehalten geblieben sei (ebenda). Das Geschlecht der Overstolzen habe sich zuerst den Beinamen „zur Rheingasse“ beigelegt, deshalb müssen die Overstolzen als die Erbauer dieses prächtigen Hauses gelten (ebenda).  Die Overstolzen seien wohl das mächtigste Geschlecht in Köln gewesen – Weyen vergleicht ihre Rolle mit denen der Medici in Florenz (S. 28) – aber auch in recht handgreifliche Meinungsverschiedenheiten mit anderen Machthabern (etwa dem Erzbischof, S.30) geraten.

Möglicherweise ergibt sich der Bezug dieses Hauses zum Templerorden jedoch aus folgendem, heute von mir rechnerchierten Sachverhalt, der die Deutung als Besitz der Familie Overstolz nicht ausschliesst. Nach neueren Forschungen sei das romanische Patrizierhaus mit den markanten Stufengiebeln etwa 1230 von Blithildis Overstolz errichtet worden (wiki/Overstolzenhaus).  Diese hatte den Ritter Werner von der Schuren (ein Adelsgeschlecht aus dem Raum Köln und Umgebung) geheiratet, der den Namen Overstolz bei der Hochzeit mit Blithildis angenommen hatte (a.a.O). Das Haus hieß damals dennoch in den Schreinsbüchern bis 1257 „Haus zur Scheuren“ (ad horreum) und besaß damit den ursprünglichen Namen des Ritters Werner von der Schuren (a.a.O). Dieser Name taucht bei Weyden überraschenderweise garnicht auf. Entweder ist das von ihm übersehen worden. Oder er wollte seine durchaus nicht lückenlos überzeugende Argumentation nicht ins Wanken bringen. Es gelang mir zudem, in der Tat recht enge Geschäftsbeziehungen der Familie von der Schuren mit den Templern nachzuweisen. So hat sie „mit den Templern in Verhandlung um Grund und Boden unter welfischer Zeugschaft“ gestanden ( v. Hormeyer, Die Bayern im Morgenlande, München 1832, S XX ). Vielleicht ist das eine Spur, die an der Legendenbildung mithalf.

Foto: Markus Menzendorff           Lithografie um 1843 von August Schott – Rheinisches Bildarchiv

 

Lange, Ludwig, Overstolzenhaus, Rheingasse 8, Lithographie, um 1843 (Köln, Kölnisches Stadtmuseum. (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_mf134647)

 

 

 

 

 

 

 

2. Das sogenannte Tempelhaus in Erbach

Wir benutzen einen schönen Tag im Mai für einen Ausflug in den Odenwald, auch um das dortige angebliche Templerhaus näher zu untersuchen. Postalische Anschrift: Städtel 15a und 21, 64711 Erbach. Ansicht von aussen auf die Altstadt:

 

DSC_0193

Ansicht von der Stadtseite:

DSC_0203

„Das Tempelhaus gehörte zu der Ansiedlung von Burgmannen vor der Burg, dem historischen Kern der mittelalterlichen Stadt Erbach, umschlossen von Armen der Mümling im Bereich der heutigen Straße Im Städtel. Burgmannen werden in Erbach urkundlich 1303 als Castrenses greifbar, namentlich erstmals 1372 erwähnt.“ Wikipedia Tempelhaus Erbach.

Ein Bezug zu dem Templerorden ist urkundlich nicht nachweisbar. Überhaupt liegt die Entstehungsgeschichte des Hauses noch immer ziemlich im Dunklen:

„Forschungsstand vor der Durchführung der Untersuchung:
Es existierte kaum gesichertes Wissen über Ursprung, Alter und Geschichte des Hauses. Datierungsvorschläge: vom 13. bis zum 15. Jahrhundert; Der heutige Gebäudekubus galt als eine Erweiterung des alten Wehrturms. Obgleich im erst 18. Jahrhundert das Gebäude erstmals als „Tempelhaus“ bezeichnet wurde, brachte man den Bau mit dem Tempelorden und den Johannitern in Zusammenhang. Unbestritten befand sich das Haus als „Steinernes Haus im Echterischen Hof“ lange Zeit im Besitz der Familie Echter von Mespelbrunn. Die Nachfolge der erbenlosen Familie Echter traten ab 1676 die Grafen Erbach an.“  Fraunhofer IRB

Woher kommen solche Zuschreibungen des Volksmundes? Legenden, sagen die Wissenschaftler. Aus ihrer Sicht natürlich zurecht. Die Einstufung eines Gebäudes als dem Templerorden zugehörig ist nur statthaft, wenn belastbare Beweise gefunden worden sind. Urkunden, Prozessakten, Briefe, Katasterbezeichnungen, Orts- und Strassennamen, alte Landkarten, Grenzsteine oder andere (archäologische) bauliche Befunde kommen hierzu in Betracht. Keine Urkunde – kein Templerhaus! So einfach ist das aus wissenschaftlicher Sicht. Was ist aber mit den Legenden? Sind sie keinerlei Beachtung würdig? Der Volksmund sagt bekanntlich auch: Kein Rauch ohne Feuer.  Ist also doch irgendetwas dran an diesen Legenden? Oder kommt der „Volksmund“ durch nichts und wieder nichts auf solche dann absurden Ideen?

Ich fühle mich natürlich auch eher einer auf Fakten basierenden Erkenntnis verpflichtet, sehe aber keinen Grund, nicht doch zwei Deutungsversuche zu dieser Frage zu wagen:

Einerseits ist gerade bei dem Beispiel Erbach auffällig, dass offensichtlich erst ab dem 18. Jahrhundert urkundliche Erwähnungen des Namens Tempelhaus auftauchten. Dieser Befund ist offenbar auch bei anderen sogenannten Tempelhäusern in der näheren Umgebung festzustellen:

„Die regional häufige Bezeichnung als Templerhaus findet sich ebenso in Erbach, ehemalige Templerhäuser haben existiert in Neckarelz, Uissigheim und Kleinwallstadt. Die große Zahl steht im Widerspruch dazu, dass der Templerorden in Deutschland kaum vertreten war. Meist entstanden die Bezeichnungen erst in der Neuzeit, beim Amorbacher Templerhaus geht sie auf eine Beschreibung Amorbachs von 1856 zurück.“ Wikipedia Amorbach

Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts kam es in bestimmten Zirkeln (mit unterschiedlichen und zum Teil gegensätzlichen Zielsetzungen und Interessen) groß in Mode, sich des Templerordens zu entsinnen. So beschäftigte sich etwa der bekannte deutsche Schriftsteller, Verlagsbuchhändler und Freimaurer Friedrich Nicolai (1733 – 1811) ab 1782 mit den Mythen um die Templer und untersuchte Bezüge zum Freimaurertum (Loiseleur, Jules, La Doctrine Secrète des Templiers, 1873, S. 107). Besonders setzte sich ein österreichischer Diplomat und Orientalist namens Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall (* 9. Juni 1774 † 23. November 1856 in Wien) mit doch sehr abwegigen und kruden Thesen über die Templer in seinem Traktat Die Schuld der Templer, Wien, 1855 in erbitterten Widerstreit mit z.B. französischen Historikern wie Michelet und Raynouard. Sein Buch enthält gezeichnete Abbildungen von Reliefs, wie u.a. dieses:

BaphometEarly1

Hammer-Purgstall bezeichnet seine – wie zu erwarten – sehr umstrittenen Zeichnungen als archäologische Beweise der Götzendienste der Templer. Eins dieser Reliefs soll ein Kästchen aus Kalkstein geziert haben, das in der Gemeinde Essarois (21, Côte-d’Or) gefunden worden sei. Dieser Ort befindet sich tatsächlich in unmittelbarer Nachbarschaft der bekannten Templerorte im Bistum Langres, Voulaines-les-Templiers und Bure-les-Templiers (ca. 15-20 Km). Das ist aber auch schon alles. Die Kunstfertigkeit und Darstellungsweise enstpricht in keiner Weise dem, was ich an Steinmetzarbeiten aus dem Mittelalter allerorts gesehen und zum grossen Teil in dieser Webseite dargestellt habe.  Was auch immer das gewesen sein soll, es beweist nichts. Zumal die Sammlung des Duc de Blacas, in der sich diese Skulptur befunden haben soll, sich nicht mehr besichtigen lässt. Sie existiert nicht mehr (Loiseleur, S. 120).

Ich will mich diesem obsoleten Meinungsstreit an dieser Stelle nicht weiter widmen. Man sieht jedoch, dass die Phantasie der Menschen im 18. und 19. Jahrhundert – aus welchen Gründen auch immer – durch die Templer und ihr bis heute noch in vielem rätselhaftes Schicksal regelrecht befeuert wurde (vgl. Barber, die Templer, S. 285ff.).  Und so mag das vielleicht ein Grund dafür gewesen sein, dass man dem einen oder anderen Haus, dessen Grundsteinlegung im Mittelalter erfolgte, und über das nicht alles aus Urkunden bekannt war, eine Templerlegende andichtete.

Andererseits mag es auch gute Gründe dafür gegeben haben, dass sich – besonders in Deutschland – Urkunden über Templerbesitzungen oft nicht finden lassen.  Der Papst verfügte zwar 1314, dass die Güter der Templer im wesentlichen (ausgenommen derer, die sich auf der iberischen Halbinsel befanden) den Johannitern zu übergeben seien (Wilke, S. 605). Allerdings erfolgte die Übernahme in der Praxis keinswegs unproblematisch, insbesondere in dem politisch zersplitterten Deutschland nicht. So habe sich manche Privatperson den den Johannitern mit Rechtsstreitigkeiten widersetzt (a.a.O. S. 606 f.). Mächtige Dynasten erzwangen sich den Besitz an Templerburgen. (a.a.O. S. 609). Auch Landesherren und Klöster gingen nicht leer aus (ebenda).

So dauerte es bis in die fünfziger Jahre des 14. Jahrhunderts, bis der Besitzübergang mancher Templerstätten in Deutschland auf die Johanniter als Rechtsnachfolger vollzogen war. Zielenzig gelangte 1350, Süpplingenburg erst 1357 in die Hände von Foulques de Villaret, Großmeister der Johanniter zu der Zeit (Sarnowsky, S. 84 (in: Die Johanniter: ein geistlicher Ritterorden in Mittelalter und Neuzeit, Beck Verlag, 2011).  Manche Güter der Templer wurden schlichtweg von den Erben der Stifter eingezogen oder gar von Fürsten zur Weitergabe an Günstlinge enteignet (aaO). Das Klammern an Urkunden bringt bei solchen Vorgängen nicht viel ein. Denn Urkunden wurden im Mittelalter bekanntlich sehr häufig gefälscht oder vernichtet.

„Zeitweilig wurden ganze Serien von Falsifikaten hergestellt, z.B. durch den Bischof Pilgrim von Passau (971-991) und in der Abtei Fulda (um 1200) durch den Mönch Eberhard, der mit großer Geschicklichkeit die rechtliche Aufbesserung von alten Urkunden in Königsurkunden vornahm. Auch das Kloster Reinhardsbrunn in Thüringen, von dem 13 Falsifikate bekannte sind, stellte sich im 12. Jhdt., wenn auch vergebens, mit verfälschten Urkunden einer Gründung des Klosters Georgental in unmittelbarer Nachbarschaft entgegen, um diesen unliebsamen Konkurrenten auszuschalten. Vom Berger Kloster in Altenburg sind 23 Falsifikate bekannt. Sie reichen von der gefälschten, allerdings auf echter Grundlage beruhenden Gründungsurkunde über die gefälschte Hochgerichtsbarkeit bis zu fingierten Abgabeerhöhungen. In vielen Fällen wurde einer Fälschung eine andere entgegengesetzt, oder, wie es Hinkmar von Reims im 9. Jhdt mit Witz und Scharfsinn tat, die gleiche nochmals verändert. Doch nicht alle Schreiber, die eine Urkunde fälschten oder „verunechteten“, waren sich eines Verstoßes gegen die bestehende Rechtsordnung bewusst, obwohl auch im MA Urkundenfälschungen unter Strafe gestellt waren, wie u.a. der Schwabenspiegel und besonders auch das kanonische Recht ausweisen. Und trotzdem sind uns aus dieser Zeit nur wenige Strafprozeßakten, gemessen an der hohen Zahl der Fälschungsdelikte, überliefert“ (aus: Quirin, 1985, Bemerkungen zum Problem der Urkundenfälschung im Mittelalter).

Nach alledem lässt sich nicht ausschliessen, dass der Volksmund sich im Hinblick auf das eine oder andere „angebliche“ Templerhaus noch zurecht an die früheren Herren erinnerte. Und dass diese Erinnerung die Zeiten überdauerte und sich nicht darum scherte, dass irgendeine neue Herrschaft frühere Templerbesitzungen mit allen erdenklichen redlichen oder unredlichen Mitteln an sich gerissen haben mag.

Mit solchen Überlegungen alleine lässt sich nichts gewinnen, das ist pure Spekulation. Die Forschung wäre aber gut beraten, mehr über den Ursprung der Legenden in Erfahrung zu bringen, bevor man so etwas als unbeachtlich abtut. Steht fest, dass die Erwähnungen tatsächlich erst im 18. Jh. einsetzen, so wird es sich wohl nur um eine romantische Zuordnung der genannten Modewelle handeln. Die Aufklärung, aber auch das Freimaurertum und die Romantik machten die Templer, die seit der Vernichtung ihres Ordens dem Vergessen oder der Verachtung anheimgefallen waren, erst wieder salonfähig. Reichen die Volksmund-Zuordnungen bis ins ausgehende Mittelalter oder in die beginnende Neuzeit zurück, muss man die Sache gewiss ernster nehmen und die Quellen sorgfältig und ergebnisoffen studieren.

Was gab es sonst noch zu sehen, in der Gegend vom Erbacher sogenannten Templerhaus?

Eine römische Villa aus dem 2. Jahrhundert, anzusehen in einem schönen Freilichtmuseum:

DSC_0113Römische Villa Haselburg, 64739 Höchst im Odenwald

DSC_0120rätselhaftes Detail der Anlage (wofür das wohl gut war? )

Und ein paar Kilometer weiter dieses Kleinod, oder eher ein „Großod“

DSC_0162

Die Einhardsbasilika in Steinbach, einem Ortsteil von Michelstadt im hessischen Odenwald, ist ein Kirchenbau aus dem 9. Jahrhundert. Die gut erhaltene Basilika gilt als außergewöhnliches Bauwerk und wegen des noch zum Großteil erhaltenen karolingischen Mauerwerks im Bereich des Mittelschiffs, des nördlichen Nebenchors und der Krypta als eines der wenigen Beispiele karolingischer Baukunst in Deutschland. Ihr Name bezieht sich auf ihren Erbauer Einhard, den Ratgeber Karls des Großen und Ludwigs des Frommen. (wikipedia)

2014 Bretagne, Teil II

Ende August startete die Familie in den Sommerurlaub. Zwei Wochen im Ferienhaus, ziemlich direkt am Meer (ca. 5 min.). Ziel der Reise war das Departement 29 Finistère, genauer ein kleiner Ort in der Nähe der Stadt Quimper. Das Departement besteht aus dem äußersten westlichen Zipfel Kontinentaleuropas und markiert den am weitesten in den Atlantik hineinreichenden Punkt Frankreichs. Für die Franzosen ist das deshalb das „Ende der Welt“ (finis terrae). Die Bretonen sehen das genau anders herum.  Sie nennen ihr Land Penn ar Bed, das heisst Anfang der Welt. Es wäre verlockend, an dieser Stelle einen kleinen Abstecher in das weite Feld sonstiger Unterschiede zwischen den Bretonen und den Franzosen zu unternehmen, aber das würde den Rahmen sprengen.

Der Ort, in dem wir wohnten, war ganz bezaubernd. Er heißt Saint-Jean-Trolimon und zwischen ihm und dem Meer gibt es nur noch die freistehende und weithin sichtbare Pilgerkapelle Notre-Dame de Tronoën, eine kleine gotische Kapelle mit dem ältesten Kalvarienberg der Bretagne.

SONY DSCNotre-Dame de Tronoën, 29120 Saint-Jean-Trolimon

Der Ort war durchaus nicht nach strategischen (Templer-) Gesichtspunkten ausgewählt. Die Wahl beruhte vielmehr auf der Nähe zum Strand und der Größe des Ferienhauses, das im übrigen auch für unseren Wuffi zugelassen sein musste. Ich habe anderen Orts schon erwähnt, dass man in der Bretagne die Templerorte ohnehin nicht allzulange suchen muss. Sie sind dort so dicht verteilt, dass man fast überall ganz in der Nähe ein paar Templerorte um sich herum haben dürfte. Aber dennoch: Saint-Jean und Notre Dame, das hört sich ganz nach den Templern an. Eben, beim Bearbeiten dieser Seite (ich hatte gerade die Postleitzahl im Netz gesucht), fällt mir bei Wikipedia das Wappen dieses kleinen Ortes auf:

Wappen von Saint-Jean-Trolimon

Templerkreuz und Lamm Gottes! Honi soit qui mal y pense.

Soviel Zufall kann es nicht geben. Wir haben also in einem Templerort gewohnt und ich habe nichts davon gewusst! Ich sehe aber auch jetzt in der Literatur nichts, absolut nichts. Keine Bestätigung, keine Stütze. Mein Hobby ist manchmal schon irgendwie arg spannend. Vielleicht findet ja einer meiner Leser dazu etwas heraus.

Gänsehaut weggerubbelt und weiter im Text: Die hohe Dichte von Templern in dieser Ecke Frankreichs beruht zum einen auf den ausgezeichneten Beziehungen der Templer  mit den bretonischen Fürsten und zum anderen auf der Bedeutung der Bretagne für die Pilgerströme des Mittelalters. Vermutlich war auch der Handel über die Bretagne wichtig. Noch im ausgehenden Mittelalter bis in die beginnende Neuzeit war die Bretagne ein wichtiger Partner für den Seehandel mit Spanien und England. Es ist dennoch sehr schwierig, Reste von Gebäuden der Templer auszumachen. Denn besonders in der Bretagne entwickelte sich im 14. bis 15. Jahrhundert der sogenannte Flamboyant Stil der Spätgotik. Diesen kann man auch in Belgien, anderen Teilen Nordfrankreichs, Spanien und England sehen, aber nirgendwo hat sich dieser typische Baustil m.E. so deutlich verbreitet wie in der Bretagne. Auch die Rechtsnachfolger der Templer, die Johanniter, gehorchten den Modetrends und bauten alle ihre Kirchen und Kapellen rasch in diesem Stil um.  Auch relativ neue bretonische Kirchen, etwa neugotische aus dem 19. Jahrhundert weisen solche Stilelemente auf, sodass es nicht sehr leicht ist, das Alter einer bretonischen Kirche zu bestimmen.

Aubarbier, dessen Standardwerk mich auf allen Templerreisen begleitet (und so sieht es jetzt auch aus!! ) ist immer gut für den ersten Zugriff auf eine Gegend. Seine Beschreibungen zeigten sich aber diesmal leider mitunter als wenig hilfreich. Es hat sich wieder einmal als unerlässlich erwiesen, sämtliche Literaturstellen selbst vor Ort auf ihre Relevanz zu untersuchen. Es wird auch in dieser Wissenschaft zu oft einfach nur abgeschrieben. Wer sich allein auf Bücher verlässt, muss mit Fehlern rechnen, die sich leider durch unkritische Zitate auch noch verbreiten.

Nachdem wir uns in unserem sehr schönen, hellen und komfortablen Häuschen eingerichtet , die Vorratskammer und den Kühlschrank aufgefüllt und den nahen Strand inspiziert hatten, wurde die Nahbereichskarte herangeholt und die nächsten Templerorte markiert. Wir befanden uns am südlichen Teil der Baie d’Audierne, auf der Halbinsel von Penmarch. Die nächsten Templer-Orte im Umkreis von 10 Km waren Penmarc’h (frz. Penmarch) selbst, sowie Kerity und Loctudy.

 

1. Kérity

Kerity ist ein Ortsteil der Gemeinde 29760 Penmarc’h. Nach Abbé de Corson, S. 76, sollen sich dort die Überreste der Templerkirche Saint Jean de Kérity befinden: cet édifice, aujourd’hui ruiné, présente encore sa tour massive accolée d’une tourelle. Die Kirche sei also eine Ruine. Nur ein massiver Turm sei übriggeblieben, mit seinem angefügten Türmchen. Schaun wir uns das mal an. Das Navi bringt mich sicher in den Ortskern von Kérity und hält exakt vor dieser Kirche:

SONY DSCEglise Sainte-Thumette de Kérity, Penmarc’h

Mmmh, merkwürdig! Nach Ruine sieht das ja eher nicht aus. Diese Kirche heißt auch nicht Saint- Jean. Andererseits stimmt ein anderes Detail der Beschreibung auffallend:

SONY DSC La tour massive et la tourelle accolée

 Die Kirche war äusserlich intakt. Dach, Wände Fenster, alles perfekt. Die Kirche war auch geöffnet. Drinnen fand ich Hinweise darauf, dass in den Nachkriegsjahren nach 1946 umfangreiche Renovierungsmassnahmen stattfanden. Bei der Nachbearbeitung im Internet ermittelte ich folgende Fakten:

Das Dach war tatsächlich bereits im Jahre 1808 eingestürzt. Die Renovierung wurde erst 1949 abgeschlossen. Die Kirche wurde dabei wohl auch umgewidmet und steht jetzt unter dem Patrozinium der (bretonischen) heiligen Thumette, vgl.

http://www.fondation-patrimoine.org/fr/bretagne-6/tous-les-projets-335/detail-eglise-sainte-thumette-a-kerity-penmarc-h-15686

Abbé de Corson konnte von alledem noch garnichts wissen. Sein Buch, das hatte ich vergessen, stammt ja aus 1902. Mein Nachdruck ist so neu, dass ich das bei der Vor-Ort-Recherche ausser Acht gelassen hatte.

2. Penmarc’h

Nach Dumontier (S. 67)  und Aubarbier (S. 128) soll es in dem Hauptort der Gemeinde, in Penmarc’h selbst, auch Templerbesitzungen geben. De Corson warnt auf S. 77, dass die meisten Länderein im 16. Jahrhundert dem Johanniterorden verloren gegangen seien. Die Kirche von Penmarc’h ist mE aus dem 15. Jahrhundert. Es gibt in der Nähe der Kirche ein Profan-Gebäude, was als presbytére (Pfarrhaus) durchgehen würde mit Ornamenten, die oft auf Gebäuden der Johanniter aus dem 15. oder 16. Jahrhundert zu sehen sind.

Die einzige wirklich aus der Templerzeit stammende Kapelle auf dem Gemeinedegebiet von Penmarc’h habe ich in dem Ortsteil Sainte Madeleine – mehr oder weniger zufällig – entdeckt:

SONY DSCchapelle de Sainte Madeleine, Penmarc’h, Westfassade

Auffallend viele Quellen sind hier zu finden. Einen in Steinen eingefassten Austritt der Quelle sieht man im Bildvordergrund.

SONY DSCSüdeingang, romanisch

 Die Kapelle ist von sehr alten Mauerresten und Gebäuden (alte Stallungen?)  umstanden, was durchaus den Verdacht bekräftigen würde, dass es sich hierbei mal um ein Ordensgehöft gehandelt haben mag. Der Beweis steht aber noch aus. Das ist bisher nur eine Vermutung

SONY DSC

Die Gebäude wurden kürzlich offenbar gründlich restauriert und werden heute wohl als Ferienwohnungen benutzt.

SONY DSC

3. Loctudy

Nach Aubarbier (S. 128) sei die wohl im XI Jahrhundert erbaute Kirche von Loctudy den Templern von Conan III, Herzog der Bretagne von 1112 bis 1148, geschenkt worden.  Nach Wikipedia France ist der Eigentumsübertrag an die Templer erst nach dem Tode von Conan III im Jahre 1187 erfolgt http://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89glise_Saint-Tudy_de_Loctudy

SONY DSCÉglise Saint-Tudy, 29750 Loctudy

Sehr auffällig sind die drei Apsidiolen. Die Kirche enthält Stilelemente aus fast allen späteren Epochen und sieht arg „zusammmengeschraubt“ aus. Ich finde sie nur von dieser Seite aus wirklich schön.

 

SONY DSCDiese Kapelle steht direkt neben der Kirche. Sie soll aber nicht aus der Templerzeit stammen. Sie trägt aber stolz ein Templerkreuz auf dem Glockentürmchen und sieht Templerkapellen sehr ähnlich. Vielleicht erfahre ich ja noch mehr über das Gebäude.

Einige Tage später nahmen wir uns bei Gelegenheit eines Ausfluges nach Concarneau einige beschriebene Templerziele im Radius von ca. 30 km um unsere Unterkunft vor.

4. Mousterlin, Commune de Fouesnant

Nach Aubarbier, S. 128., sollen sich küstennahe Templerbesitzungen in Mousterlin befunden haben. Mousterlin befindet sich im Gebiet der Gemeinde Fouesnant. In seiner Umgebung gibt es Moore, Wasserläufe, Seen und Polderlandschaften. Ich gehe davon aus, dass es da im Mittelalter noch recht anders aussah. Templer haben sich schon häufig darin bewährt, sumpfige Ländereien urbar zu machen. Hinweise auf Templergebäude gab es nicht. Wir fanden am Strassenrand ein verfallenes Gebäude mit einer Art halbrunder Apsis, welches ohne weiteres aus dem Mittelalter stammen könnte:

SONY DSCEine Kapelle ist das wohl nicht, dagegen spräche der Giebel mit Schornstein. Die Konstruktion erinnert eher an einen alten großen Backofen. Näheres fand ich dazu leider bisher nicht.

Desweiteren kamen wir an einer Kapelle vorbei, die dem heiligen Sebastian gewidmet war:

SONY DSC

Das schlitzförmige Fenster in der Bildmitte sieht deutlich nach Mittelalter aus. Im übrigen soll die Kirche aus dem 15. Jahrhundert stammen, eventuell unter Verwendung älterer Gebäudeteile.

http://www.fondation-patrimoine.org/fr/bretagne-6/tous-les-projets-335/detail-chapelle-saint-sebastien-a-fouesnant-11585

Konkrete Hinweise auf die Templer fanden sich nicht. Mit Sicherheit aber wird sich der eine ode andere von ihnen seinerzeit in dieser Kapelle aufgehalten haben.

SONY DSCchapelle Saint Sebastien, 29170 Fouesnant

5. Saint Evarzec

 Saint Evarzec ist etwas nördlich von Mousterlin. Aubarbier meint, hier fände man die Templerkirche St. Maurice, in der sich ein Nagel des „wahren Kreuzes“ befände. Dumontier wiest darauf hin, dass eine der hl. Veronika zugeschriebene Reliquie hier verwahrt werden würde.

SONY DSCéglise de Saint Primel, 29170 Saint Evarzec

 Die Tatsache, dass die Templer in Saint Evarzec begütert waren, ist in der Literatur völlig unstreitig. Die Spurensuche ist allerdings nicht sehr einfach und auch noch nicht abgeschlossen. Diese Kirche stammt jedenfalls nicht aus der Templerzeit, sie ist erst im 15. bis 16. Jahrhundert errichtet und dem hl St. Primel geweiht worden (http://www.infobretagne.com/saint-evarzec.htm). Während der Revolution wurde die Kirche nach Wikipedia schwer beraubt. Auch wenn ich hier leider keine Templerkirche zeigen kann, zeige ich wenigstens ein exzellentes Exemplar des bretonischen style flamboyant. Die Giebel sind mit diesen Flammenzünglein geschmückt, wo immer Platz dafür ist.

SONY DSC

Alles ist irgendwie breiter und ausladender als bei der reinen Gotik. Das zeigt dieses überproportioniert wirkende Portal im bretonischen Flamboyant Stil sehr eindrucksvoll. Dass die Templer hier ansässig waren, beweist dieses Grab eines Tempelritters vor der Kirche von Saint Evarzec:

SONY DSCNäher ran: SONY DSC

6. Loc Amand, La Forêt-Fouesnant

Unsere letzte Templerstation vor Concarneau sollte die ehemalige Templerei von Loc Amand sein. Die Gegend spielte zu prähistorischer Zeit eine grosse Rolle, aber auch die Römer hinterliessen hier mehrere Strassen und andere Spuren. Da die Templereien sich regelmässig an alten Fernwegen ausrichteten und die für die mittelalterlichen Fernwege natürlich vorzugsweise auf ältere Strassentrassen zurückgegriffen wurde, ist es kein Wunder, hier überall auf Templereien zu treffen. La Forêt-Fouesnant beherbergte eine wichtigte Commanderie der Templer. Das ergibt sich aber nur noch aus alten Akten. Im 17. Jahrhundert wurde das Commanderiegelände komplett umgebaut, wobei umfangreiche Kelleranlagen der Templer freigelegt wurden, Dumontier S. 67. Erhalten sei noch eine presbytére (Pfarrhaus). Loc Amand ist ein vornehmer und recht abgeschiedener Ortsteil von La Forêt-Fouesnant und liegt auf einem Hügel, erreichbar nur über eine absurd steile Rampe.

Oben angelangt, fanden wir das:

SONY DSCEisenzeitliche Stele

SONY DSCHauptportal der Klosteranlage.

Die Anlage wechselte auch vor der Revolution mehrfach den Besitzer und verfiel schliesslich vollständig.

SONY DSC

In unmittelbarer Nähe fanden wir ein Häuschen, dass wie eine presbytére aussieht:

SONY DSCpresbytére Loc Amand, 29940 La Forêt-Fouesnant

Im Tür- und Fenstersturz sieht man deutlich das geschwungene Ornament aus dem 17. Jahrhundert. Bürgerhäuser hatten so etwas eher nicht, aber viele Komtur-Gebäude der Johanniter (z.B. Avalleur, Champagne). Im Giebel fundet sich auch ein sakral anmutendes Fenster.

Das eigentliche Ziel unseres Ausfluges hat nichts mit den Templern zu tun, aber es ist auch sehenswert. Ausserdem muß der Mensch auch mal was essen. In diesem Fall gegrillte Garnelen mit Reis und eiskaltem Weiswein.

SONY DSC29900 Concarneau

 7. 2900 Quimper

Der nächste Ausflug ging nach Quimper, der Präfektur des Departements Finistère. Die Templer sollen dort und im näheren Umkreis einige Niederlassungen unterhalten haben. Ich habe mir drei Hinweise ausgesucht, denen ich näher nachgehen wollte.

7.1 chapelle Saint-Jean-Baptiste, Quimper

Diese soll sich nach de Corson, S. 75,  im Winkel zwischen der Rue Vis und dem Quai der Odet befinden und sich zur Rue Vis öffnen.

RueVis

Sie sei 20 m lang und 8 m breit gewesen und in den Religionskriegen komplett zerstört worden sein. Sie sei jedoch zu Beginn des 17. Jahrhundert von dem Kommandeur Reneé de Saint-Offange  wieder komplett aufgebaut worden. Sie erhielt zur Ehrung eine höchstrangigen Reliquienbehälter in Form eines menschlichen Kopfes aus vergoldetem Holz. Dieser Behälter enthielt nach den Besuchsakten von 1617 Körperteile des hl. Johannes des Täufers. Man bedenke, dass die Templer unter anderem  wegen des Besitzes verschiedener solche Kopfreliquare, wegen Götzendienstes angeklagt wurden. Sie würden einen angeblich magischen menschlichen Kopf als „Baphomet“ verehren, was auch immer das sei. Mich wundert das nicht, dass die Anbetung solcher Köpfe bei vielen Verhören gestanden wurde. Die Templer haben nunmal dem hl. Johannes dem Täufer, ebenso wie die Johanniter, dies sogar offiziell ihren Namen von ihm ableiteten, eine besondere Verehrung entgegengebracht.

Viele Kapellen heissen bei beiden Orden Saint Jean, bis heute. Bei Templerkirchen finden sich sehr oft abgeschlagene Köpfe, die man als solche erkennt, weil sie mit heraushängender Zunge dargestellt werden (z.B. Malleyrand, Montsaunès). Jean-Baptiste wird regelmässig mit einem Lamm abgebildet, was die Templer ebenfalls besonders häufig zeigen (Temple, London). Was der Unfug mit dem Götzendienst dabei soll, ist mir ein Rätsel. Kopfreliquien sind für die katholische Kirche in keiner Weise eine Besonderheit.

Ich erwartete also viel. als ich mich dahin aufmachte. Ich fand jedoch leider nichts, rein garnichts. Keine Kapelle. Nichts.

Screenshot 2014-10-05 17.08.53Rue Vis, Quimper, Quelle Google Streetview

 Abbé de Corson hat sein Buch – wie gesagt – 1902 geschrieben. Da kann sich vieles verändert haben. In den Städten war der Grundstückspreis schon immer hoch, und so hat die Abbruchbirne mitunter auch an Gotteshäusern nicht halt gemacht. Hier ist jedenfalls nichts mehr. Mein Kollege Jack Bocar von Templiers.net sollte seinen Beitrag

http://www.templiers.net/departements/index.php?page=29

aktualisieren. Dort finden Sie den Originaltext von de Corson.

7.2 Commanderie des Faux Dieux, Penhars

Penhars ist seit 1960 eingemeindet worden und seitdem ein Vorort von Quimper. Nach Dumontier befänden sich Überreste einer commanderie, genannt temple des faux dieux in einem Prat en Rouze gennannten Gebiet. Das Navi brachte uns nach Penhars, fand aber die Bezeichung Prat en Rouze nicht. Das Buch Dumontiers ist aber auch schon fast 35 Jahre alt und trägt vermutlich der weiter vorangetriebenen  Bretonisierung von Ortsnamen nicht Rechnung, Die Kirche von Penhars war neugotisch und etwa 120 Jahre alt. Sie hatte am Ostchor allerdings die für Templerkirchen üblichen drei Fenster und steht an der Stelle eines Vorgängerbaus aus dem 12. Jahrhundert. Ob hier früher eine Templerkirche stand, weiss ich nicht. Meine Frau fand des Rätsels Lösung. Sie schaute auf den Plan der Bushaltestelle. Dort stand zu lesen:

SONY DSCPrat Ar Rouz hiess die Örtlichkeit inzwischen. Das Navi zog uns zu einer Allée de Prat ar Rouz in einem Ortsteil von Penhars, der ebenfalls diesen Namen trug. Die Allee war recht lang und es gab keine Hinweisschilder, es war auch nichts an altem Gemäuer zu entdecken. Wir waren hin und hergefahren und wollten schon aufgeben. Da entdeckte meine Tochter, dass die Allée de Prat ar Rouz nicht an einem Kreisel endete, sondern sich über den Kreisel zur Avenue Jacques le Viol hinaus noch als Sackgasse fortsetzte. Und hier: Volltreffer!!

SONY DSCDie Templercommanderie von Penhars.

Es ist nicht viel übrig geblieben, nur ein paar mittelalterliche Mauern. Ein „Zutritt verboten“ Schild zeigt, was der Privateigentümer dieses Anwesens von Besuchern hält. Es blieb uns nichts übrig, als aus sicherer Distanz zu fotografieren und die Privatsphäre des Besitzers unangetastet zu lassen. Es gibt aber auch nicht mehr zu sehen, als diese Mauer.

7.3. Locmaria, Quimper

Eine viel reichhaltigere Bildausbeute erzielten wir in einem südwestlichen Ortsteil von Quimper, in Locmaria. Dort unterhielten die Templer nach Aubarbier ein maison. Das erste was man von Locmaria warnimmt, verschlägt einem den Atem:

SONY DSCNotre Dame de Locmaria, Quimper

SONY DSC

SONY DSC

 

Der Umkreis unserer Ausflüge vergrößerte sich schliesslich auf über 50 Kilometer. Die Stadt Quimperle war das Ziel und die liegt schon fast an der Grenze zum nächsten Departement, Morbihan.

 

8. Coadry 

Die Kapelle von Coadry (Gemeinde 29390 Scaër) stammt aus dem 11.  Jahrhundert und wurde im 17. Jahrhundert stark modifiziert. Sie soll an der Stelle eines als Druidenheiligtums errichtet worden sein. http://www.letelegramme.fr/local/finistere-sud/quimperle-concarneau/qleregion/scaer/pardon-de-coadry-la-chapelle-des-templiers-17-06-2011-1339837.php

Es ranken sich um den Ort einige Rätsel, insbesondere um dort gefundene Steine, die mit einem Kreuz versehen sind. Ich will das hier nicht vertiefen. Hier mag man sich in das Mysterium von Coadry einlesen: http://ourslithos.pagesperso-orange.fr/savoir/Coadry/coadry.html

 

Coadry1La Chapelle Saint-Sauveur de Coadry, 29390 Scaër

Coadry2solche Steinkreuze findet man sehr häufig in der Nähe von Templerkirchen

9. Kernével

Etwas südlich von Coadry, auf dem Gebiet der Gemeinde 29140 Rosporden errichteten die Templer in Kernével eine massive  Kirche, die allerdings auch im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut wurde, sodaß nur noch recht wenig an den Originalzustand errinert.

SONY DSCL’église de Saint-Colomban, Kernével,  29140 Rosporden

10. le Moustoir

11. Moëlan-sur-Mer

 

 

** Dieser Beitrag befindet sich noch in Bearbeitung*****

 

Als literarische Hilfsmittel für diesen Beitrag dienen mir folgende Bücher:

Aubarbier,  Jean-Luc, La France des Templiers, Editions Sud Ouest, 2007

Dumontier, Michel, et al., Sur le Pas des Templiers en Bretagne, Normandie, Pays de Loire,  Copernic, 1980

de Corson, Guillotin, Les Templiers en Bretagne, Nantes, 1902. Neuauflage Yoran Embanner, 2006