Kategorie-Archiv: Reiseberichte

Mai 2018, Grand-Est: Nachträge für Elsass, Burgund, Champagne und Lothringen

Vatertag und ein verlängertes Wochenende. Zeit für die Ordensritter. Drei Tage und 1.400 km später entstand dieser Reise-Kurzbericht. Ich habe eine Rundreise über das Elsass, das Burgund, die Champagne und Lothringen zusammengestellt, um die To-do Liste für versäumte Ziele in diesem Bereich weiter abzuhaken.

1 Elsass

Fangen wir also beim Elsass an. Die Templerorte dürfte ich alle schon haben, aber auch Deutsch-Ordensritter und Johanniter waren hier zahlreich präsent. Ich plane einen eigenen Bericht über eine der wichtigsten Fernstrassen in Europa, nämlich die alte (linksrheinische) Römerstrasse von Basel nach Köln, entlang derer alle drei Ritterorden – in unterschiedlicher Dichte – ansässig waren.

1.1 Boersch, Bas-Rhin

Erstes Ziel Boersch, Deutsch-Ordenskommende nahe des Mont-Saint-Odile und dem Templer-Ort Ottrott:

Deutsches Haus, 67530 Boersch

1.2 Kayersberg, Haut-Rhin

60 Km weiter südlich – in unmittelbarer Nähe wiederum zum Templerort Bergheim – hat sich der Deutsche Orden eine weitere Niederlassung gegönnt. Eine prachtvolle Kirche aus dem 12. Jh. in der malerischen Ortschaft Kaysersberg:

Deutscher Orden, ehemalige St. Marien-Kirche, 68240 Kaysersberg

1.3 Rixheim, Haut-Rhin

Weitere 60 Km südlich von Kaysersberg befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Stadt Mulhouse, in der die Johanniter ansässig waren, das ehemalige Schloß des Deutschen Ordens von Rixheim.

Château des Chevaliers Teutoniques, 68170 Rixheim

Ich übernachtete, wie stets, wenn ich im südlichen Elsass ankomme, im Hotel Au Lion Rouge in Bartenheim. Es liegt nur ca. 10 Km von meinem letzten Ziel entfernt und so konnte ich mich auf ein baldiges Abendessen freuen. Zwischen der Foie Gras und dem Bavette vom Angus-Rind – und befeuert durch einen halben Liter Côte-du-Rhône – beschloß ich, noch in diesem Jahr einen Spezialthread über alle Ritterorden im Elsass zu schreiben. Ich hatte jetzt fast alle Ziele der Johanniter, Templer und des Deutschen Ordens zusammen. Aber nur fast alle, denn ein letztes Ziel stand für den Morgen des nächsten Tages noch aus.

Bei diesem Abendessen kam bei mir auch erstmals die Idee auf, ob nicht die Ritterorden – gerade hier im recht engen Rheintal – irgendwelche Abkommen untereinander geschlossen haben, etwa um sich nicht gegenseitig unerwünschte Konkurrenz zu machen. Oder etwa, um sich gegenseitig behilflich sein zu können? Es erschien mir daher zweckmässig, demnächst in einem Spezialbeitrag über das Elsass einheitlich für alle Ritterorden zu berichten. Auch in Mainz waren alle drei Orden begütert und hielten es in enger Nachbarschaft offenbar gut aus. So eine enge Nachbarschaft der drei Orden kennt man sonst nur etwa aus Jerusalem und Akkon. In der Pfalz liegt Ober-Flörsheim (DO) in unmittelbarer Nähe zu Hangen-Weisheim (Joh.) und Osthofen (TRO). In Frankfurt gab es Johanniter und den Deutschen Orden. Neuere Forschungen scheinen auch eine Templerpräsenz in Frankfurt zu bestätigen (Templerlexikon)

Was meine Leser bis heute noch nicht wissen können: Ich habe zu Beginn des letzten Jahres meinen Fokus erweitert und untersuche seither nicht nur die heute noch sichtbaren Reste der Niederlassungen der Tempelritter, sondern vielmehr auch die der anderen beiden großen Ritterorden, der Johanniter und der Deutschordensritter.  Mir fehlte nur noch das passende Format für diese Berichte. Daneben sind in letzter Zeit offenbar so viele Reisen zusammengekommen, sodaß dazwischen nicht genug Zeit blieb, das Bildmaterial in Berichten zusammen zu  fassen und zu kommentieren.

1.4 Friesen, Haut-Rhin

Nach einem betont leckeren Frühstück – es gab selbstgemachte Waffeln – machte ich mich auf, zum letzten Ziel im Elsass, das mir noch fehlte. Das Ziel war nach 35 Km erreicht.

Johanniterkirche, 68580 Friesen

Westfassade, Johanniterkirche Friesen

Friesen ist die letzte Station der Johanniter auf der deutschsprachigen Seite der Überlandstrecke in der Porte d’Alsace/Burgunderpforte. Nach dem Pass, der sogenannten „Ueberstrass“ wird es dort frankophon, d.h., die Ortschaften tragen ab hier Namen mit erkennbar französischem Ursprung. Nachdem ich mich die letzen Wochen intensiv mit einer Überlandstrecke im Burgund auseinandergesetzt hatte, wußte ich durch die Veröffentlichungen Martin Kuckenburgs, dass weiter östlich eine weitere Wasserscheide besteht, nämlich die zwischen dem Doubs und dem Mittelmeer einerseits und dem Rhein und der Nordsee andererseits. Dadurch keimte in mir die Idee, dass sich hier vielleicht eine solche Wiederbelebung keltischer Überlandverbindungen wiederholt haben könnte. Nur waren diesmal nicht die Templer, sondern die Johanniter die Akteure.

2 Franche-Comté

Ich hatte schon zuvor ermittelt, dass sich Friesen etwa 30 Km südwestlich von Mulhouse befindet. Dort hatte ich letztes Jahr eine prachtvolle Johanniterkirche besichtigt. Ausgehend von der Theorie, dass Friesen die vorletzte Station der Überlandverbindung der Johanniter sein müßte, suchte ich nun nach einem geeigneten Ort für die Umladung der Frachten auf Boote. Von den Kelten war bekannt, dass sie ab Bragny den Doubs für die Weiterverschiffung von Waren in den Elsass, die Schweiz und den Neckarraum benutzten.

Friesen war auch wieder exakt 30 Km von dem östlichsten Punkt des Doubs entfernt, dessen Oberlauf sich ab Audincourt in einer weitläufigen Schleife wieder zurück nach Westen vom Oberlauf des Rheins wegwendet. Insoweit hat man es bei der sog. Burgunderpforte auch  mit einer Wasserscheide zu tun.

2.1 Audincourt

Über Audincourt wußte ich nicht viel, bis auf dass dort eine Steinbrücke über den Doubs existiert und an der Schifflände eine Kirche steht, die „Temple“ genannt wird.

Le Temple d’Audincourt

Es wäre zwar verlockend gewesen, das anzunehmen, aber diese Kirche hat wohl nichts mit dem Templerorden zu tun. „Le Temple“ heissen in vielen Regionen Frankreichs heute noch die lutherischen Kirchengebäude.

Der Ort war dennoch sehr schön und die Reise hierher hatte sich gelohnt. Denn die entsprechenden Steganlagen und Verkehrszeichen liessen mit einem Blick erkennen, dass der Doubs bis hierhin schiffbar ist. Die Anwesenheit eines der Ritterorden liess sich jedoch für Audincourt nicht feststellen.

2.2 Valentigney

Erst bei der Nachbereitung der Bilder gelang mir insoweit der Durchbruch. In dem Buch von Gérard Moyse, Les hospitaliers de Saint-Jean de Jérusalem dans le diocèse de Besançon en 1373, Rom, 1973 findet sich an mehreren Stellen der Eintrag, dass die Johanniter tatsächlich in Valentigney begütert waren.

Auszug aus Seite 502 des genannten Buches

Wappen von Valentigney, aus Wikipedia

Valentigney liegt am anderen Ende der Brücke und der Stadt Audincourt unmittelbar gegenüber, am linken Ufer des Doubs. Der Ort ist daher als Umladestation genauso gut geeignet wie Audincourt. Davon, dass die Johanniter sich hier niedergelassen haben, zeugt das weisse Johanniterkreuz auf blauem Feld im Stadtwappen. Das Wappenfeld oben links erinnert nicht etwa nur zufällig an das Emblem des VfB Stuttgart. Sowohl Audincourt als auch Valentigney gehörten noch bis 1796 zu der damaligen Grafschaft Württemberg-Mömpelgard mit ihrer Hauptstadt Montbéliard.

Es bleibt einem weiteren Beitrag vorbehalten, diese Überlandstrecke genauer zu dokumentieren. Einstweilen freue ich mich, dass mir diese offenbar neue Entdeckung gelang. Ich habe noch keine Literaturstelle dazu gefunden.

3 Burgund

Um mein nächstes Ziel auf der Tagesordnung zu erreichen, mußte ich zunächst etwa 160 Km  in westsüdwestliche Richtung fahren. Die Autobahn A 36 läuft hier mehr oder entlang des Flusses Doubs. In meinem Bericht über die Templerstrasse zwischen Châtillon-sur-Seine und der Saône erwähnte ich eine alternative Templerstrasse, über die ich noch nähere Nachforschungen anstellen wollte.

 

Anhand der Fülle des neu aufgetauchten Materials habe ich entschieden, über diese Teilstrecke der Templerstrasse einen gesonderten Bericht abzufassen, wobei ich – zur Vermeidung überflüssiger Fahrten – meinen Bericht im Süden, im Mündungsgebiet von Tille und Saône, beginnen möchte:

3.1 Trouhans

Über die Templerpräsenz in Trouhans fand sich bei Aubarbier auf Seite 79 nur ein knapper Vermerk: „Notons, à Trouhans, le lieu-dit la Croix Rouge“. Dies erwies sich bei der Nachschau vor Ort jedoch als nicht zutreffend. Einen solchen Ort gab es dort nicht.

Église Saint-Martin, 21170 Trouhans

Die Kirche ist nicht aus der Templerzeit. Im Ort gibt es ein recht modernes Schloß, das für Hochzeitsfeierlichkeiten genutzt wird. Hinweise auf die Templer konnte ich keine entdecken. Es ist festzuhalten, dass dieser Ort direkt an der Ouche liegt. Die Ouche spielte im 16. Jahrhundert für die Stadt Dijon eine große Rolle und den Überlandtransport zwischen der Yonne und der Saône erheblich zu verkürzen. Dijon verdankte diesem einträgliches Geschäft ihren Wohlstand (Wikipedia).

Die Ouche bei Trouhans. Links im Bild der Damm mit einem gut erkennbaren Treidel-Pfad

3.2 Fauverney

Nach Delphine Marie (S. 124) gehörte die „templerie“ von Fauverney zur Commanderie La Madeleine in Dijon. Es existiere dort nicht mehr als eine Kapelle aus dem 18. Jahrhundert, genannt „Le Temple“. In Templiers.net findet sich folgende Lageskizze:

copyright www.templiers.net

Eine Kapelle habe ich vor Ort nicht gefunden. Die Kirche hat wohl nichts mit den Templern zu tun. Sie ist schön, wirkt aber arg rekonstruiert.

Église Saint-Georges de Fauverney

Wie ich so durch den Ort fuhr, bemerkte ich ein Schild „Salle de Chassagne“. Dabei fiel mir ein, dass ich am Ortseingang ein Strassenschild gesehen hatte: „Ferme de Chassagne“. Die wollte ich mir ohnehin ansehen. Chassignelles heisst ein Templerort mit Farm im Departement im Departement Yonne. Und nach Marie, S. 134 , gibt es ein maison der Templer mit dem Namen Chassagne daneben noch im Departement Haute-Marne, arrondissement de Langres, canton de Prauthoy, commune d’Isômes. Es konnte also nicht schaden, dieser Ferme einen Besuch abzustatten. Die Ferme lag ca. 500 Meter ausserhalb, war größtenteils mit Mauern umgeben und hatte durchaus die Größe einer ehemaligen Templercommanderie.

Château de Ferme de Chassagne, Fauvernay

Das Château wurde von einer wohlhabenden Familie aus Dijon errichtet und stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Im Internet gibt es kein Hinweis auf einen Templerbezug des Anwesens.

In dem Anwesen ist jetzt die Mairie untergebracht und die Lokalität läßt sich mieten.

Der Ort Fauverney liegt an der Ouche. Aber auch die Tille ist hier ganz nah, in Spaziergangdistanz. Beide Flüsse sind auch hier mit Treidelpfaden gesäumt. Für eine Templerpräsenz habe ich keine Hinweise entdecken können. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass das Schloss an der Stelle einer früheren Templerei errichtet wurde. Auch hier sind Teiche in der Nähe der Ferme.

3.3 Ruffey-lès-Echirey

Das nächste Ziel auf der Liste sollte sich als das geheimnisvollste erweisen. Weder in der Literatur noch im Internet war viel über die Templerpräsenz in Erfahrung zu bringen. Bei TEMPLARII gab es einen kurzen Eintrag und auch bei Templiers.net. Aubarbier erwähnt diesen Stützpunkt, Marie Delfine nicht. Die Kirche im Ort war modern. Sonst war auf dem Stadtplan vor der Marie nichts als Sehenswürdigkeit beschrieben, das etwas mit dem Orden zu tun haben könnte. Allerdings entdeckte ich an der südwestlichen Ecke der Bebauung eine Sackgasse mit dem Namen Cour du Château. Merkwürdigerweise gab es keinen Hinweis, dass das eine Touristenattraktion wäre, was man sonst bei Schlössern doch erwarten durfte. Ich vermutete deshalb, dass es sich hier um Privatbesitz handelt. Umso besser! Da musste ich natürlich sofort hin.

Ich stellte meinen Wagen also noch im Bereich der Kreuzung ab und öffnete die Tür, als schon von allen Seiten Hundegebell ertönte. Ich habe nichts gegen Hunde, also lief ich ein paar Schritte in diese Sackgasse hinein. Rechts und links der Gasse waren Wohnhäuser und im Hintergrund konnte man ein Gehöft erahnen. Bis dahin kam ich aber nicht. Mein Versuch, das Schild „defense d’entrer absolument“ geflissentlich zu ignorieren, weil ich mit deutschem Nummernschild schliesslich weitgehende Sprachunkenntnis vortäuschen könnte, verfing leider nicht. Eine resolute Dame verließ ihren Vorgarten und kam auf mich zu. Es sei nicht gestattet, weiterzugehen und zwar unter keinen Umständen. Es fühlte sich an, als wäre ich hier in ein „Fünf Freunde Abenteuer“ von Enid Blyton hieingeraten…. 🙂

Nun gut, deshalb hatte ich mir – ganz cool – einen Plan B zurecht gelegt. Ich schlich mich also aus dem Ort hinaus und von draußen gelangen mir dann die Aufnahmen, die ich brauchte:

Château de Ruffey-lès-Echirey

Das Château ist aus dem 16. Jahrhundert. Es war vor Ort nicht in Erfahrung zu bringen, was es damit auf sich hat.

3.4 Til-Châtel

Til-Châtel ist selbst kein Templerort. Die Kirche ist aber sehr beeindruckend. Der Bau begann 1116 auf Betreiben des Erzbischofes Guy de Vienne (Webseite der Stadt Til-Châtel).

Saint-Florent-et-Saint-Honoré in Til-Châtel

Zahlreiche Würdenträger der Commanderie Fontenotte aus dem Hause derer von Til-Châtel sind hier begraben und es zeugen erstaunlich gut erhaltene Grabplatten von ihrem Wirken (näheres bei Geocaching).

3.5  Villey-sur-Tille

Über einen Templerbezug dieses Ortes habe ich nur einen Hinweis bei Aubarbier entdeckt. Delfine Marie schweigt. Und das Internet auch. Selbst bei Templiers.net fand ich nichts. Im Ort  gibt es ein Château. Man hat kaum Einsichtsmöglichkeiten. Es läßt sich von aussen jedenfalls einen „pigeonnier“, einen Taubenturm, ausmachen. Da knistert es schon verdächtig, denn viele Templereien hatten einen solchen Taubenturm. Aber andere Gutsherren sicher auch.

Im Internet konnte ich erfahren, dass dieser Turm „Pigeonnier Permigny“ heissen soll.

Die Rampe hinab zur Tille war interessant. Sie ware breit genug, dass man sich hätte vorstellen können, dass dort Kähne oder Lasten hätten hochgezogen werden können. Die Tille ist aber da unten keinen Meter breit und recht steil, d.h. für Wasserfahrzeuge aller Art definitiv ungeeignet. Als Mühlbach hätte sie wohl dort eingesetzt werden können. Ich sah einige Vorrichtungen, die darauf schliessen lassen.

Château de Villey-sur-Tille

Fazit: Es gab keinen Anlaß, diesen Ort noch länger auf der Templerliste stehen zu lassen. Da Aubarbier auch keine Fundstellen für seine Behauptungen angibt, bleibt mir derzeit nichts anders übrig.

Weiteres Ergebnis: Es gibt insgesamt nicht genügend Beweise für die Annahme, es gäbe eine „Templerstrecke entlang einer Tille-Route“. Die ausgewiesenen Templerorte sind der Ouche näher als der Tille.

3.6 Leuglay

Dass diese Kirche einst von den Templern erbaut wurde, bestreitet niemand. Sie zeigt sich allerdings in ihrem derzeitigen Zustand als Werk der Johanniter aus dem Jahr 1554. Wer sich für die zum Teil erstaunlichen „Innereien“ der Kirche interessiert, dem sei dieser Link empfohlen.

Als ich den Ort besuchte, war die Kirche verschlossen und ich hatte noch zuviel auf dem Programm, um mich nach dem Schlüssel zu erkundigen. Allen Liebhabern der Innerräume von Kirchen sei gesagt, dass es in Frankreich immer einen Nachbar gibt, der einem helfen würde, den Besitzer des Schlüssels zu kontaktieren, wenn man nur freundlich genug fragt. Mir hat es bisher immer die Seelen der Leute aufgeschlossen, wenn ich gesagt hatte, ich wäre x-hundert Kilometer gefahren, um diese oder jene Kirche zu besuchen. Man muß wohl wenigstens etwas französisch beherrschen, um festzustellen, dass sich hinter der reservierten Höflichkeit der Franzosen eine Art unaufdringliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft verbirgt, die man nicht erlangt, wenn man einfach in seiner eigenen Sprache drauflos spricht. Wer mag das schon… :). (Gut, ich gebe zu, in Ruffey-lès-Echirey hat mein Trick NICHT geklappt 🙂

Westfassade der Johanniterkapelle von Leuglay

4 Champagne

Vom nördlichen Burgund war es nicht mehr weit zu meinem nächsten Etappenziel in der Champagne, wo ich auch übernachten wollte. Und es zog mich eher nicht zufällig wieder in mein Lieblingshotel Le Tadorne in Piney am Lac du Temple.

Hotel Le Tadorne, 10220 Piney

In meinem Bericht über den letzten Aufenthalt in dieser Gegend im Februar 2017 konnte ich nur einen kurzen Hinweis auf die sehr zahlreichen fermes der Templer in näherer Umgebung der Gemeinde Piney unterbringen. Für dieses mal hatte ich mir vorgenommen, wenigstens die ersten vier Gehöfte einmal selbst aufzuzuchen.

copyright Templiers.net

copyright Google maps

An der westlichen Strasse unterhalb von Piney, der D1, trifft man zunächst nach wenigen Kilometern auf die Ferme de Bonlieu.

4.1 Bonlieu

Der Name aus der Templerzeit wird heute noch für diesen Landwirtschaftsbetrieb fortgeführt. Gebäude aus der Templerzeit (oder Reste davon), waren von der Strasse aus nicht auszumachen und sind recht unwahrscheinlich.

Ferme de Bonlieu, 10220 Piney

4.2 l’Hôpiteau

Nur wenige hundert Meter weiter südlich und auf der gegenüberliegenden Seite der D1 fand ich mühelos die ehemalige Commanderie du Temple de l’Hopiteau, ebenfalls ein modernisierter Landwirtschaftsbetrieb.

Hier gab es etwas ältere Bauten zu sehen, aber diese sind wohl auch nicht aus der Templerzeit.

Das Hinweisschild am Eingang läßt keinen Zweifel, dass ich das Ziel gefunden hatte

4.3 La Loge Madame

An der östlichen Strasse D79 lagen in diesem Bereich zwei ehemalige Templerfarmen

ferme de La Loge Madame, 10220 Piney

4.4 Maurepaire

und wieder ein paar hundert Meter südlich diese hier:

ferme de La Maurepaire, 10220 Piney

Es gab keine Veranlassung, die Betriebe zu betreten. Man konnte auch aus der Distanz gut erkennen, dass auf keinem der Anwesen Reste einer Kapelle vorhanden waren und die Zweckbauten waren sämtlich auch aus der Distanz als modern zu erkennen. Ich wollte die Privatsphäre der Bewohner nicht stören und machte mich auf den Rückweg, auf dem auch  das letzte Etappenziel dieser Reise lag.

5 Lothringen: Bazoilles-sur-Meuse

Diesen Ort hatte ich mir ausgesucht, weil er auf der Via Agrippa von Chalon-sur-Saône nach Metz liegt und von manchen Quellen (etwa Aubarbier, S. 52) als Templerort bezeichnet wird. Das ist allerdings nicht unumstritten. Bei Templiers.net findet sich kein Eintrag. Die Seite Templarii enthält einen etwas kryptischen Eintrag, der Templerpräsenz andeutet. Für diese Annahme scheint auch der Umstand zu sprechen, dass die Via Agrippa auch im überigen sehr dicht und auffallend regelmässig Templerorte passiert. Von Metz sind es 60 Km nach Libdeau bei Toul. Von dort wiederum ist Bazoilles-sur-Meuse ebenfalls 60 km entfernt und in weiteren 60 Km liegt die Bischofs- und Templerstadt Langres:

Es sprach also genug dafür, diesem Ort einen Besuch abzustatten, zumal sich dort eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert  befindet.

Église Saint-Martin, 88300 Bazoilles-sur-Meuse

Der Schutzheilige dieser Kirche ist über einem Seitenportal mit einem kleinen Reiterstandbild verewigt.

St. Martin, Bazoilles-sur-Meuse

Allerdings spricht einiges dafür, dass diese Kirche nicht den Templern, sondern dem Deutschen Orden gehört hat. Daß der Deutsche Orden hier im Ort tatsächlich begütert war, ist durch Dokumente beweisbar:

Aus Henri d’Arbois de Jubainville, L’Ordre teutonique en France, 1871 S. 67

Vor allem aber dieses Detail auf dem Seitenfenster an der Südfassade scheint zu bestätigen, daß wir es hier mit einer Kirche des deutschen Ordens zu tun haben.

Die große Marienfigur ist mehr als typisch für die Marienritter (vgl. Kommende Frankfurt, Kommende Kaysersberg). Viele Deutschordensburgen heissen Marienburg (Malborg) oder ähnlich. Mergentheim ist altfränkisch für Marienheim. Ausserdem haben die Templer viel seltener Gemeindekirchen als die Johanniter oder Deutschordensritter unterhalten.

Der Beitrag aus Vosges matin erklärt die Legenden um „Templergespenste“ in einer nahegelegen Feengrotte schlicht mit einer Verwechselung der Orden. Sei es wie es sei, die Ortschaft ist gewiß als Station auf einer wichtigen Handels- und Pilgerroute zu sehen, was sich fast unwiderleglich aus den planmässigen Abständen ableiten läßt.

Fazit: Die Deutschordensritter hatten im Elsass alle 60 Km eine Station. Die Strecke zwischen Langres und Metz ist ebenfalls alle 60 Km mit einer Station von Ordensrittern besetzt, wobei hier die Aufgabe scheinbar unter zwei Ritterorden aufgeteilt wurde. Das Nebeneinander oder Miteinander verschiendener Ritterorden bei der Sicherung oder Flankierung von Handels- und Pilgerwegen in Westeuropa  wird gesondert untersucht werden müssen. Soweit ersichtlich hat sich auch diesem Thema bisher noch niemand systematisch angenommen.

Frankfurt, 01.06.2018

 

 

 

Die Templer und die Keltenstrasse im Burgund

1. Einleitung

„Ganz Gallien ist von Flüssen durchströmt… . Sie haben so einen geschickten Lauf, dass die Waren leicht aus einem Meer ins andere gebracht werden können, so dass man sie nur kurze Strecken über Land zu schaffen braucht.. . (Strabon, Geografie, 4,1,2 und 4,1,14, zitiert nach Kuckenburg, Die Kelten in Mitteleuropa, 2004, S. 35). (Cet rapport est dédier à Mr. Xavier Quenot, La Romagne).

Commanderie La Romagne, Saint-Maurice-sur-Vingeanne, Côte-d’Or

Es wurde oft geschrieben, dass  Fernwege aus der Römerzeit im Mittelalter weiter benutzt worden sind. Auch die Templer sollen sich daran beteiligt haben. Griffige Bewise findet man kaum. Das hat seinen Grund: Es ist durchaus nicht einfach, den wahren Verlauf einer alten Strasse exakt nachzuzeichnen, denn auch die Römerstrassen sind nur abschnnittsweise durch archäologische Befunde im Boden belegt. Man müßte aufwändige interdisziplinäre Forschungen mit Historikern, Archäologen, Geologen und Strassenplanungsexperten betreiben und hunderte von Quadratkilometern Gelände vor Ort inspizieren. Das wird über längere Strecken hinweg kaum gewagt, zumal durch Erosionen, Städte- und Strassenbau, aber auch Flurbereinigungen und neue Grenzziehungen die Kosten immens und die Gefahren des Scheiterns dennoch sehr hoch sind. Zudem treten unübersichtliche politische Probleme über Zuständigkeiten auf. Die über ganz Europa hinweg neuerdings durch Schilder mit gelber Muschel auf blauem Grund gekennzeichneten, sogenannten „Jakobswege“ laufen nicht wirklich auf der mittelalterlichen Trasse, von der zumeist nichts bekannt ist, sondern sind zumeist nur aktuell ausgesuchte Wanderwege, die je zwei Orte verbinden, in denen mittelalterliche Wallfahrtskirchen der Jakobspilger (z.B. Vezelay, Maria Laach) oder sogenannte „Compostellhöfe“ (z.B. Frankfurt am Main), d.h.Sammlungsplätze für Pilger, historisch nachgewiesen sind.

In meinem ersten Beitrag  über die Templer im Burgund 2007 habe ich einige Ansätze für die These geliefert, dass die Templer dort einen Fernweg der Kelten „wiederbelebt“ haben könnten, der für den Warenaustausch in Westeuropa von erheblicher Bedeutung gewesen ist.

2. Das Entstehen der Hypothese – Erste Burgundreise 2007

Wenn man vom südlichen Elsaß über Mulhouse durch die – von der Bastion des wehrhaften Belfort überwachte – sog. Porte d’Alsace (oder Burgunderpforte, je nach Sichtweise) auf der A 36 nach Frankreich einreist, taucht irgendwann ein Schild auf  mit dem Hinweis: „partage des eaux“. Gemeint ist damit die französische Wasserscheide. Links von der Autobahn fließt der Doubs am Nordrand der Westalpen entlang in Richtung Südwesten, wo er südlich von Dijon mit der Saône zusammentrifft, die sich sodann in Lyon mit dem Fluß Rhône vereinigt, der  schließlich bei Marseille ins Mittelmeer entwässert. Rechts von der Autobahn entspringen nacheinander die Meurthe, die Mosel und die Maas, alle mit Flußrichtung nach Norden. Das gilt gleichermassen für die Aube, die Marne, die Seine und die Yonne.

(Quelle: www.biketrekking.de)

Wie bereits in einem Beitrag von 2017 erwähnt, lief diese sogenannte Via Agrippa von Lyon über Châlon-sur-Saône und Langres nach Nancy und Metz (die heutige Nationalstrasse N74 von Beaune nach Nancy liegt auf dieser Trasse) sowie anschließend nach Köln über weite Distanzen exakt auf dieser Wasserscheide entlang (gelbe Strecke).

(Quelle: Wikipedia)

Im Februar des Jahres 2007 wußte ich noch nicht, dass die Wasserscheide etwas mit den Templern zu tun haben könnte. Und sogar mit den Kelten.

Dabei geht es hier um nicht mehr oder weniger als eine europäische Haupthandelsroute von geradezu überragender Bedeutung. Sie beschleunigte den Güteraustausch zwischen England und dem Mittelmeer dramatisch. Waren konnten von Marseille auf Flüssen ins Burgund und von dort – nach einer kurzen Überlandstrecke – ebenso auf Flüssen und über den Ärmelkanal nach England usw. transportiert werden – und umgekehrt natürlich auch. Zinn aus Cornwall war seit der Bronzezeit in der gesamten antiken Welt begehrt und auf den Inseln gab es ohne diese Landbrücke keinen bezahlbaren Wein.

Doch immer eins nach dem anderen. Wir hatten uns seinerzeit viel weiter westlich einquartiert, nämlich in Avallon (Dépt. Yonne), weil sich dort die meisten Ziele der damaligen Reise befanden. Im Departement Côte d’Or hatte mich vorerst nur die schöne Templerkapelle La Courroirie in der Gemeinde 21290 Leuglay gelockt. Diese liegt wenige Kilometer östlich von 21290 Voulaines-lès-Templièrs im Tal der Ource. Hier der Beginn der Templerstrasse:

 

Tal der Ource (Quelle: Wikipedia)

Voulaines-lès-Templiers war ebenfalls ein Templerort, aber es ist nicht viel mehr als ein

Turm aus der Johanniterzeit, (Foto Bertrand Savatier Quelle christalsantmarc)

übriggeblieben. Die letzten Überreste einer Burg der Templer und Johanniter mit ehemals 5 Türmen wurden 1825 geschleift (Wikipedia). Auch Leuglay war ein Templerort. Die Kirche ist aber von den Johannitern im sechzehnten Jahrhundert völlig umgebaut worden (Quelle: Patrimonie Châtillonais). Voulaines liegt etwa 18 Km südöstlich von Châtillon-sur-Seine und 22 Km südöstlich der Keltenfestung von Vix. Das bemerkte ich zufällig, als ich damals von Châtillon-sur-Seine die Seine abwärts nach Avalleur an Vix vorbei fuhr und den Mont Lassois aus der Distanz von der Fernstrasse betrachten konnte.

Wie man dem obigen Kartenausschnitt entnehmen kann, befindet sich ca. 15 Km weiter südöstlich im Tal der Ource noch der Templerort Bure-lès-Templiers.  Ich fuhr also der Tiefebene von Châtillon-sur-Seine zunächst östlich und traf sodann auf den Fluß Ource, dessen Tal sich im weiteren Verlauf nach Südosten immer mehr verengt.  Nach Leuglay war das Tal derart eng, dass die D928 direkt neben dem Fluß entlang lief:

Bei diesem Anblick durchzuckte mich seinerzeit schon der Gedanke, dass das hier eine perfekte Trasse für eine Strasse war. Der Fluß lag einige Meter weit unten. So gab es Toleranz für Hochwasser und die Gefahr des Verschlammens der Strasse war geringer, weil das Regenwasser gut ablaufen konnte. Im Bildhintergrund kann man die ersten Gebäude des ehemaligen Templerkomplexes schon erkennen. Der Reisende im Mittelalter hatte also keine Chance, diese Commanderie der Templer zu verfehlen.

La Courroirie, 21290 Leuglay, Blick von Osten

Agnus dei und Templerkreuz im Tympanon des Westportals.

Blick auf den geraden Chorabschluß, den sog. chevet-plat

Ein erhebendes oder sogar aufregendes Gefühl erfasste mich. Bis dahin hatte ich noch nie in einer Templerkirche gestanden. Mir war etwas unwohl, weil es sich um ein Privatgelände handelte, aber es störte sich offenbar niemand daran, dass Fremde das Anwesen betreten. Die Tore waren weit geöffnet und es war menschenleer auf dem Hof.

Das nächste Templerziel lag etwa 14 Km weiter südöstlich, in 21290 Bure-les-Templiers. Ab Recey-sur-Ource verläßt man das Tal der Ource. Der Weg biegt jetzt etwas nach Süden ab und folgt nun dem Tal der Arce. 

Das Bild muß im neunzehnten Jahrhundert gezeichnet worden sein. Als ich dort erstmals eintraf, befand sich das Commanderiegebäude links neben der Kirche in einem erbärmlichen Zustand des Verfalls. Denn einer der früheren Eigentümer hatte den angeblich hier versteckten Templerschatz so verzweifelt gesucht, dass er sogar Dynamit einsetzte (Frizot, S. 29).

Zustand 2007, das Gebäude direkt neben der Kirche lag noch in Trümmern

Ein Templergrabstein mit Templerkreuz und Schwert. In dem Objekt rechts neben dem Schwert erblicke ich einen Maurerwinkel. Ich lasse mich aber auch gerne eines besseren belehren und bitte um Vorschläge.

Im Jahre 2010 war ich nochmals dort und habe festgestellt, daß umfangreiche Baumaßnahmen begonnen wurden und auch schon Fortschritte zeigten.

Blick von Nordwesten auf die Templer-Kirche St. Julien in Bure-les-Templiers, 2010

Nach der Webseite  Pays Chatillonais sind zahlreiche Gebäudeteile schon fertiggestellt. Als ich 2018 das nächte Mal hier durchfuhr, bestätigte sich diese Information mit einem Blick:

Die gleiche Perspektive, 2018

Auf der Rückfahrt nach Vezelay kamen wir anläßlich eines Besuches von Alise-Sainte-Reine wieder mit den Kelten in Berührung:

Standbild des Vercingetorix, Alise-Sainte-Reine

2. Auf der Suche nach Beweisen und Indizien.

2.1. Literatur- und Kartenstudium 2007 – 2009

Nach der Rückkehr von dieser ersten Recherchereise im Burgund habe ich bereits frühe Ideen zu dieser Templerstrasse im belgische Templerforum Tempeliers.be von Jan Hosten veröffentlicht und die Idee meiner „Templerstrasse“ im östlichen Burgund auch in der Folge nie ganz aufgegeben. Der Eindruck, hier einen Abschnitt einer Templer-Strasse gefunden zu haben, verstärkte sich noch um ein Vielfaches, als ich das erste Mal die oben angesteuerten Ziele in eine Karte übertrug.

Google Maps:

Die „Strasse“ hatte eine deutlich erkennbare Ausrichtung nach Südosten und die „Stationen“ der Templer in Chatillon-sur-Seine, Voulaines-les-Templiers und Bure-les-Templiers liegen  aufgereiht wie an einer Kette im Abstand von je ca 15 Km in diesem Tal. Das ist eine Entfernung, die man locker zu Fuss an einem Tag schafft. Aber auch mit einem Ochsenkarren zum Beispiel. Zudem hatte man auf der Strecke keine ersichtlichen Hindernisse (Steigungen oder Flüsse) zu überwinden.

Irgendwann später nahm ich mal wieder einige ältere Bücher über die Kelten in die Hand und stieß insbesondere bei Kuckenburg, Die Kelten in Mitteleuropa, 2004, auch wieder auf die Kelten von Vix. Dann kam ganz schnell eines zum anderen.

In seinem Abschnitt: „Der Mont Lassois bei Vix als Umladestation“ (S.36 f.) schreibt Kuckenburg, dass dieser Berg genau an der Stelle liege, wo die rund 50 Km weiter südlich entspringende Seine für flache Kähne schiffbar wird. Er zitiert sodann Wolfgang Kimmig, Zum Problem späthallstättischer Adelssitze, 1969, mit der Bemerkung, der Berg verschließe „wie ein Korken den engen Flaschenhals des oberen Seinetals“ (Kuckenburg a.a.O).

Daher vermutete der Ausgräber des Mont Lassois, René Joffroy, schon 1960, dass die Kelten dort eine „wichtige Station des Nord-Süd-Handels“ eingerichtet hatten. Er unterstellte, daß die Kelten gut daran verdienten, indem sie Güter, die mit Ochsenkarren von Süden heraufgebracht wurden, hier auf Schiffe umluden und sodann auf der Seine flußabwärts zum Ärmelkanal transportierten (Kuckenburg, a.a.O.).

Auch bei Wikipedia fand ich einen entsprechenden Hinweis:

„Im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. scheint der Fürstensitz von Vix einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt kontrolliert zu haben, an dem sich die Seine als wichtiger Transportweg zu Wasser und eine Route vom Mittelmeer nach Norden trafen. Zudem liegt Vix zentral in einem landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiet“. Wikipedia 

Abgesehen davon, dass ich mich damals noch nicht vor Ort über die Wassertiefe und die Breite der Seine informiert hatte, schien damit der nördliche Ausgangspunkt der Umladestrecke über Land durch diese Information zunächst ausreichend markiert zu sein. Aber die Kelten werden die Fracht wohl nicht von Marseille bis hierher mit Ochsenkarren transportiert haben, nur um sie für die letzten paar hundert Kilometer aufs Wasser zu setzen. Deshalb lautete die nächste Frage: Wo lag dann der südliche Umladepunkt für den Weitertransport der Waren auf dem Wasser in Richtung Mittelmeer?

Wie man an der Verbreitung griechischer Amphoren in Gallien erkennen kann, war der Fluß Rhône die mit Abstand wichtigste Verkehrsader von der Mitte Galliens bis nach Massilia/Marseille. Die Saône verlängert diese Nord-Süd-Achse noch ein gutes Stück in das Burgund hinein. Die südliche Umladestation nach der Landbrücke müsste zwei Voraussetzungen mitbringen: Erstens müsste die Saône bis dahin schiffbar und zweitens die auf dem Land zurückzulegende Transportstrecke möglichst kurz sein. Der Transport zu Wasser war schließlich bis zur Verbreitung von Asphaltstrassen wesentlich schneller, witterungsunabhängiger und müheloser als der Transport über schlecht gewartete, häufig morastige Wege über Land.

 

Kuckenburg, S. 36, Copyright Konrad Theiss Verlag GmbH und Peter Palm, Berlin,

Legende: die grauen Quadrate markieren Fürstensitze, die orangefarbenen, kleinen Punkte die Menge der Tonscherben oder Überreste von griechischen Amphoren und die großen gelben Punkte die Verbreitung von sog. schwarzfiguriger Keramik, ein Luxusgut der Griechen, welches die auf hohes Ansehen versessenen Keltenfürsten gerne gekauft haben.

Die Karte macht deutlich, dass sowohl westlich, als auch östlich des Mont Lassois ein Handelsweg in südliche bzw. südöstliche Richtung abging. In Bragny war kein Fürstensitz (graues Viereck) verzeichnet, wohl aber weiter flußaufwärts. Jedoch war dieser Ort in diesem Buch Kuckenburgs namentlich noch nicht erwähnt, sodaß ich ihm zunächst keine Ortsbezeichnung zuordnen konnte. Der keltische Ortsname ist offenbar nicht überliefert. Die orangefarbenen Punkte am mittleren Fürstensitz ohne Namen (graues Viereck) zeigen an, dass bei dem namenlosen Fürstensitz dreimal so viele Scherben griechischer Amphoren gefunden wurden, wie am Mont Lassois.

Diese Skizze war es jedoch, die letztlich den Geistesblitz in mir „gezündet“ hatte und so mag der Theiss-Verlag, Herr Peter Palm in Berlin und Herr Martin Kuckenburg hoffentlich einverstanden sein, dass ich mir dieses „wissenschaftliche Kleinzitat“ in rechtlich zulässiger Weise ausgeborgt habe. Ich hatte inzwischen oft genug die beiden Templerorte „meiner Templerstrasse“ in Karten eingetragen und mir wurde beim Anblick der Karte in Martin Kuckenburgs geschätztem Werk augenblicklich klar, dass ich hier ziemlich ins Schwarze getroffen haben müßte. Wenn man die Strecke Voulaines-lès-Templiers und Bure-lès-Templiers nach nach Nordwesten verlängert, trifft man auf Châtillon-sur-Seine und das sechs Kilometer entfernte Vix. Verlängert man die „Strasse“ nach Südosten, schneidet sie die Saône bei der Stadt 70100 Gray. Ist Gray also der Ort des bisher noch namenlosen Fürstensitzes an der Saône und der südliche Umladepunkt?

Copyright: Google maps)

Es spricht viel dafür: Der schiffbare Teil der Seine kommt der Saône nirgendwo näher als hier. Die Luftlinie beträgt genau 100 Km. Strategisch wäre diese Trasse ebenfalls recht geschickt gewählt. Es gibt keine allzu großen Höhenunterschiede, das Gelände steigt jeweils nur leicht an.

Soweit die Theorie, aber ein Durchbruch war das noch lange nicht. Ob das eine Templerstrasse sein würde, oder nicht, würde davon abhängen, ob sich wirklich regelmässig entsprechende Stationen (Tagesetappen) entlang der Strasse finden lassen würden. Ich mußte also zwischen Bure-les-Templiers und Gray noch eine Lücke von 70 Kilometern schliessen, für ich noch die Templerorte als Stationen ausfindig zu machen hatte. Die 5000 Einwohner-Stadt Gray ist jedenfalls kein ausgewiesener Templerort. Aber sie liegt direkt an der Saône und die war an der Brücke von Gray jedenfalls seit dem 17. Jahrhundert schiffbar, wie sich aus nachstehendem Gemälde zweifelsfrei ergibt.

Die Stadt Gray, vom nördlichen Kai aus gesehen, Gemälde aus dem 17. Jahrhundert

Die gleiche Ansicht, Foto von 2018

Die abgebildete Steinbrücke existiert erst seit 1647. Allerdings gab es schon seit den Neolithikum in der Nähe von Gray eine Furt über die Saône (Wikipedia) und seit dem frühen Mittelalter verschiedene Vorläufer der Brücke aus Holz, die  wegen der Eisschäden häufig neu errichtet werden mußten. Wikipedia

Fall noch ein Beweis vermisst werden sollte: Auf den nachstehenden Karte ist  ein kleines Stück flußabwärts am linken Ufer der Saône ein Hafen („Port sur Saône“) eingezeichnet.

Ausschnitt aus einer Karte der Gegend um Dijon von 1746

Oben links am Kartenausschnitt erkennt man eine gelb und grün kolorierte Linie. Dies ist die Grenze zwischen dem zur französischen Krone gehörendem Herzogtum Burgund und der zuvor noch dem deutschen Kaiserreich zugehörigen Freigrafschaft Burgund, die erst im Jahre 1648 zu Frankreich gelangte. Schauen wir uns den gleichen Ausschnitt aus der aktuellen Strassenkarte an:

Google Maps

70100 Autrey-lès-Gray existierte schon in der Merowingerzeit als Kultplatz und war im Mittelalter auch ein Templerort. Der Weg von hier nach Gray beträgt 10 Kilometer. Der Ort Écuelle am oberen Bildrand liegt auf der Strasse nach Champlitte. Letztere ist eine der Städte auf der via francigena, die ab Gray weiter nach Besançon und Pontarlier führt. Wenn ich also hier eine Templerstrasse gefunden haben sollte, so vereinigt diese sich in Gray mit der via francigena, was angesichts der seit dem Mittelalter gesicherten Saône-Brücke nicht weiter verwundern sollte.

So sieht eine Römerstrasse heute aus: Die via francigena, hier: Teil von Gray nach Champlitte

Die nächste Etappe war nicht mehr so leicht zu finden. Das liegt daran, dass die Karten mit den Templerorten im Standardwerk von Aubarbier zumeist nach Régionen oder Departements aufgeteilt sind, die zudem nicht immer den gleichen Maßstab haben. Auf Karten mit einem großen Maßstab überblickt man mehrere Departements gleichzeitig, findet aber die Templerorte nicht, weil diese darauf wiederum zu klein sind und deshalb nicht zu einem Ortseintrag führen. Einen Hinweis konnte ich der Tatsache entnehmen, dass am oberen linken Bildrand der Karte oben über die Grenze zurück in das Herzogtum Burgund ein Ort namens Pouilly-sur-Vingeanne verzeichnet ist. Ich wußte, dass es dort in der Nähe eine Commanderie der Templer namens La Romagne in einem Ort 21610 St. Maurice-sur-Vingeanne gab. Nach Autrey-lès-Gray sind es von dort nur 14 Km. Eine gute Etappendistanz. Weiter nördlich auf „unserer Route“ liegt in weiteren 20 Km Entfernung der Templerort 21260 Selongey. Selongey markiert ein wichtiges Wegekreuz. Von Nordost nach Südwest läuft hier die bereits oben angesprochene Via Agrippa von der Bischofsstadt Langres (Andematunum) nach Dijon hindurch (siehe die zweite Karte in diesem Beitrag ganz oben).

Von Selongey nach Bure-les-Templiers sind es mehr als 30 Kilometer, wohl zuviel für eine Tagesetappe, jedenfalls mit beladenem Wagen. Aber die Richtung stimmte. Ich merkte, dass ich der Sache langsam näher kam. Durch fortgesetztes und beharrliches Abgleichen von Literaturstellen mit Landkarten wurde ich schließlich auch insoweit fündig. Das letzte fehlende Bindeglied mußte 21580 Busserotte-et-Montenaille sein, ein aktenkundiger Templerort, der genau auf der geraden Linie zwischen Selongey und Bure-les-Templiers liegt und die Strecke in zwei Abschnitte von 13 km und 20 Km teilte. Sehen wir uns also diese „Templerstrasse“ jetzt mit diesen Informationen auf der Karte an:

Google maps

Der direkte Weg von Selongey nach Autrey-lès-Gray über Fontaine-Française beträgt nur 28 Km. Für Reiter ist das kein Problem an einem Tag. Fußgänger oder Fuhrleute würden wohl eher den Umweg über La Romagne in Kauf genommen haben.

2.2. Neue „Feldforschung“ und 2. Burgundreise in 2010

Nicht vor 2010 konnte ich eine zweite „Expedition“ ins Burgund organisieren. Ich hatte uns dazu in der ehemaligen Commanderie der Templer von La Romagne in St. Maurice-sur-Vingeanne einquartiert und möchte diesen Beitrag deshalb gerne dem Inhaber dieses hervorragend geführten Hauses, Monsieur Xavier Quenot, widmen, der uns „Templerverrückte“ in seinen wunderbaren mittelalterlichen Räumlichkeiten empfangen, im Rittersaal mit Frühstück verwöhnt und uns dazu auch noch mit Akten und Büchern versorgt hat. Ich habe ihm vor acht Jahren versprochen, ihm diesen Bericht zu schicken. Es hat leider etwas länger gedauert.

Merci très bien, Monsieur Quenot!

Ich möchte meine Leser gerne ermutigen: Wenn Sie uns Burgund möchten und noch keine Bleibe haben, checken Sie die Homepage in obigem Link. So schön und stilvoll werden Sie selten unterkommen. Sie fühlen sich wie in einer Zeitmaschine, hier draussen in der Natur.

2.2.1 Die Steinbrücke von Gray

Ich beginne den Reisebericht jetzt am unteren Ende der zu untersuchenden Strecke. Zunächst einmal galt es, mit meinen Augen eines amtlich anerkannten Sportbootführers „SBF – Binnen“ vor Ort zu Überprüfen, ob sich die Saône hier bei Gray für die Binnenschiffahrt eignen würde.

Nördliches, „linkes“ Ufer der Saône mit der Brücke bei Gray, Bild von 2018

Die Antwort fiel eindeutig positiv aus. Rings um Gray befinden sich Anlagen für die  Motor-Schiffahrt und es tummelten sich einige Sportboote auf dem Fluß. Die rot-weissen Signaleinrichtungen auf dem Foto zeigen an, dass es sich hier um eine offizielle Wasserstrasse handelt. Die Schleuse muß einen Höhenunterschied von vielleicht nur ca. 1 Meter verarbeiten, was für ein recht geringes Gefälle des Flusses spricht. Das wiederum belegt die Hypothese, dass dieser Fluß auch schon für die Wasserfahrzeuge tauglich war, als es noch keine Schleusen gab. Auf geht’s zur nächsten Etappe nach Nordosten:

2.2.2 Autrey-lès-Gray

In Autrey-lès-Gray gab es ein Maison der Templer (templiers.net). Die Kirche wird zur Templerzeit auch schon so oder in einer ähnlichen Form bestanden haben. Sie zeigt zwei für Templerkirchen typische Merkmale. Drei Fenster im Chor oder über dem Eingang. Diese hier hat beides:

Église d’Autrey-lès-Gray

Westportal mit sog. Torhüter-Figuren

 

Solche Kopfmasken links und rechts von Türen oder Fenstern sind mir schon häufig bei Bauwerken der Templer einerseits, etwa in Girona, Templecombe, Avallon und Montsaunès (vgl. Katalonien I) , und der Johanniter in Rampillon oder der Deutschordensritter in Münnerstadt andererseits aufgefallen. Ob das aber wrklich eine Spezialiät der Ordensritter ist, vermag ich selbst jedenfalls nicht zu beurteilen, Weil ich viel häufiger Ordensritterkirchen besuche, fehlt mir vielleicht der ausreichende Vergleich mit „normalen“ Kirchen. Nach Christina Berns, Chapelle Templière du Saulce d’Island (academia edu) seien jedoch „solche Masken und Torhüter-Figuren … nichts Ungewöhnliches an romanischen und gotischen Kirchen- und Kapelleneingängen“.  Der geneigte Leser möge seine Sichtweise dazu beisteuern, gerne mit Bildzuschriften. Wir werden – sei es wie es sei – im Burgund gleich noch eine weitere Kirche mit möglichem Bezug zum Templerorden mit solchen Torhütern finden.

2.2.3 La Romagne, St.Maurice-sur-Vingeanne

Die nächste Station der Templerstrasse war zugleich unser Domizil für diese Reise. Ich habe noch nie zuvor in solch einem Château genächtigt.

Hauptgebäude La Romagne, 21610 Saint-Maurice-sur-Vingeanne

Der derzeitige Bauzustand geht auf  Pierre de Bosredon, Kommandeur der Johanniter, zurück, der die Commanderie in den Jahren 1458 und 1511 durch umfangreiche Baumaßnahmen völlig neu befestigte und gestaltete (Wikipedia):

Befestigungstürme an der Ostseite

Porte Saint-Jean von Osten mit Brücke über die Vingeanne

Stallgebäude an der Südseite des Geländes

Porte St. Jean von Westen. In diesem Gebäude sind die Gästezimmer untergebracht.

2.2.4 Selongey

Gestärkt nach einem wirklich leckeren Frühstück (es wurden eigens für uns von einem Fahrrad-Boten frische Croissants  gebracht), machten wir uns zur nächsten Etappe der Templerstrasse auf, die wir nach ca. 20 Minuten erreichten.

Église Saint-Remi, 21260 Selongey

Dass die Kirche (gebaut und modifiziert vom 13. Jh. bis zum 17. Jh., im Nationalregister klassifiziert seit 1908) direkt etwas mit dem Templerorden zu tun haben müsse, ist wohl nicht belegbar. Sie befindet sich aber nach Aubarbier (S. 78)  unmittelbar neben einem Maison der Templer, welches jedoch für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Das betreffende Grundstück ist nicht einsehbar und durch eine hohe Mauer geschützt. Wir haben das Auto als Trittleiter benutzt und so gelang wenigstens ein Foto, das einen mittelalterlichen Turm zeigt.

Es gibt nicht viel Literatur zu Selongey, also lassen wir die Bilder für sich sprechen:

Saint-Remi, Südfassade, spätgotisch

Portal, romanisch, mit Torhüter-Köpfen. Nach Berns muss einer der beiden der hl. Remigius sein. Ich kann dabei nicht behilflich sein. Es sieht für mich aus wie in Templecombe und Autrey-lès-Gray.

 

2.2.5 Busserotte-et-Montenaille

Im Gebiet dieser Gemeinde oder in unmittelbarer Nähe von wenigen Kilometern befinden sich 4 interessante Templer-Ziele. Und dazu auch noch eine keltische Ansiedlung in 4 km Distanz. Und zwar Beneuvre. Die Orte liegen allesamt in Spaziergangsdistanz zusammen:

(Google maps)

2.2.5.1 Busserotte, Saint-Ambroise

Die nächste Station der Strasse befindet sich 20 Km nordwestlich von Selongey in der Doppelgemeinde Busserotte-et-Montenaille ziemlich genau zwischen den beiden Weilern, die schon fast an der Grenze zum Nachbardepartement Haute-Marne liegen. Der Weg führt ein gutes Stück durch das Tal der Tille, die aber in Busserotte noch eher einem Bach als einem Fluß ähnelt.

Chapelle des Templiers Saint Ambroise, 21580 Busserotte-et-Montenaille

Nach der vom Rotary Club Dijon angebrachten Tafel ist die Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Im Inneren der nur nach Voranmeldung zu besichtigenden Kirche befänden sich Grabsteine der Templer mit Kreuz und Schwert. Sodann gäbe es ein Gemälde aus der Templerzeit von den 12 Aposteln und wertvolle Heiligenstatuen aus späteren Jahrhunderten. Vor ca. zwei Jahren las ich, dass die Kapelle Opfer der Zerstörungswut geworden sei.

2.2.5.2 Montenaille

In der Schwestergemeinde Montenaille, die einige Kilometer oberhalb von Busserotte und der Kapelle liegt, soll es ein Krankenaus der Templer gegeben haben (Wikipedia). Ich zeige zwei Gebäude, die aus der Templerzeit stammen können und einen Grenzstein der Templer.

Chateau de Montennaille, jetzt ein B & B, in der Mitte der Rue des Templiers

mittelalterlich anmutender Gebäudekomplex am südlichen Ende der Rue des Templiers

2.2.5.3 Borne des Templiers

Ein paar hundert Meter vom nördlichen Ortseingang von Montenaille entfernt steht ein Grenzstein mit einem Templerkreuz:

Borne des templiers, Montenaille

Die Hinweistafel erläutert, dass der Grenzstein die Gerichtszuständigkeiten zwischen den Templern und der Herrschaft der nahegelegenen Ortschaft Grancey-le-Château regelt.

2.2.5.4 Fraignot-et-Vesvrotte

Vielleicht 3 km südwestlich von Busserotte liegt der Ort Fraignot-et-Vesvrotte in Sichtweite, sodass man sich leicht von der Kapelle Saint Ambroise aus etwa mit optischen Signalen hätte mitteilen können.

Chapelle des Templiers, Fraignot-et-Vesvrotte

gerader Chorabschluß, sog. chevet-plat und (ehemals) drei Fenster

2.2.5.5 Ferme-de-Montmorot

Höchstens ein Kilometer westlich von Fraignot-et-Vesvrotte befindet sich die Ferme des Templiers von Montmorot.

Hinweisschild vor Ort

Zufahrt von der Landstrasse. Es gibt keine Gebäudereste aus dem Mittelalter.

Der typische Teich durfte aber bei keiner Commanderie fehlen.

2.2.6 Chatillon-sur-Seine

Die nächsten beiden Stationen Bure-les-Templiers und Voulaines-les-Templiers überspringen wir an dieser Stelle, denn dort begann der Bericht. Es war nur noch nachzutragen, dass auch am Ausgangspunkt der zu untersuchenden Strecke, nämlich in Chatillon-sur-Seine eine Templerkapelle vorhanden ist.

2.2.6.1 Chapelle Saint Thiebault

Man muß sich vorbereiten, um diese Kapelle zu finden.  Châtillon-sur-Seine ist schon zu groß, um zufällig ans Ziel zu kommen. Tip: Die Kapelle Saint-Thiebault liegt nahe der südwestlichen Ausfallstrasse Avenue Maréchal Joffre (D980) an einer Schleife der Seine, etwas lieblos eingepfercht zwischen einem Supermarkt, einem Wohnblock, Garagenblocks und dem Parkplatz des Supermarktes. Man erreicht die Stelle, in dem man mit der D980 zunächst über die beiden Seine-Brücken fährt und gleich danach am Supermarkt rechts in die Rue de la Feuillee abbiegt.

Ostchor „chevet plat“, Chapelle Saint-Thiebault, 21400 Chatillon-sur-Seine

Nordseite

Ornamente über dem Haupteingang. Die runden Gebilde stellen eine sich öffnende und wieder schliessende Blüte dar. Ein typisches Templersymbol, das den Anfang und das Ende, das Alpha und Omega, letztlich den Kreislauf des Lebens darstellt. Das gleiche Motiv gibt es in der Templerkapelle von Cressac am Atlantik zu sehen, aber auch an der Templerkirche von Süpplingenburg.

Südseite der Kapelle Saint-Thiebault, vom Parkplatz

Westfassade, vom Supermarkt aus gesehen

Wenn man Fotos von dieser Kapelle machen möchte, muß man seine Reise hierher unbedingt in den Winter legen. Im Sommer würde man „vor lauter Bäumen“ fast nichts von der Kapelle sehen. Leider hatte ich bei diesem Besuch nicht bemerkt, dass direkt hinter den Garagen die Seine vorbeifließt und habe daher auch kein Foto vom Flußufer mitgebracht. Auch dieser Ort kam also auf die To-do-Liste.

2.2.6.2 Das Musée du Pays Châtillonais in Châtillon-sur-Seine

René Joffroy, der Entdecker des Fürstengrabes von Vix, sollte mit seinen Vermutungen Recht behalten. Sie haben in der Tat gut verdient, die Kelten, an ihrem Waren-Umschlagplatz zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer. Im Museum von Châtillon, welches man seit 2009 in der historischen Abtei Notre Dame untergebracht hat, kann man die Trophäe heute bestaunen, die die Griechen einer jungen keltischen Fürstin aus Dankbarkeit für den erfolgreichen Handel  geschenkt haben. Bitte sehr: Der größte griechische Bronze-Kratér (Weinmischgefäß) aller Zeiten…

sog. Voluten-Krater von Vix.

Zitat: „Die 1,64 Meter hohe Vase wiegt 208 Kilo. Ihr Fassungsvermögen beträgt 1.100 Liter.  Die Vase wurde von griechischen Bronzekünstlern im sechsten Jahrhundert vor Christus angefertigt und versinnbildlicht den regen Austausch zwischen den Kelten und den Mittelmeervölkern.“ (Burgund-Tourismus)

Tafel der Keltenorte zwischen Vix und der Saône (Copyright Musée du Pays Châtillonais)

Ich hatte diese Tafel nur beiläufig fotografiert, weil ich eine Grafik mit dem Verlauf der Flüsse im Burgund benötigte und erst jetzt wieder in meinem Fotoarchiv aufgefunden. Oberflächlich betrachtet liegen die Keltenorte ebenfalls wie an einer Kette in einem ähnlichen Bogen, wie „meine“ Templerstrasse. Nur der Zielort Gray fehlt auch hier.

3. Nachträge und letzte Ermittlungen, 3. Reise 2018

3.1 Die Seine-Schleife bei Saint Thiebault in Châtillon-sur-Seine

Ein Tagesordnungspunkt für diese Reise war die Klärung der Frage, wie die Seine in unmittelbarer Nähe zum Ausgangspunkt meiner Templerstrasse beschaffen sein würde. Hiervon hängt die Beantwortung der Frage ab, ob sich sich die Commanderie von Châtillon-sur-Seine als Warenumschlagsplatz hätte eignen können.

Das obenstehende Foto zeigt die Seine flußabwärts an der Brücke der Avenue Maréchal Joffre kurz vor der Templerkapelle, die in Bildmitte hinter den Bäumen etwas versteckt gerade noch zu erkennen ist (schmales romanisches fenster am Chorabschluß und rechte Seite des Giebels). Die Seine zeigte sich hier zwar einerseits schon ziemlich schnell, aber andererseits auch wieder schmal und recht flach. Die Aufnahme erfolgte im Apri (2018), sodaß nach der Jahreszeit von einem Wasserstand im oberen Bereich auszugehen sein würde. Die Böschung würde einen weiteren Anstieg von nur wenigen Zentimetern auch nicht mehr verdauen, sonst wäre die Kapelle überflutet. Wie in der Bildmitte unten gut zu erkennen ist, reicht die Wassertiefe nicht aus, um hier einen Umschlagsplatz vermuten zu können. Da sich die Lage der Kapelle seit dem Mittelalter nicht verändert haben kann,  war das zu Zeiten der Templer auch schon so. Ich würde den Umschlagsplatz des Mittelalters weiter flußabwärts suchen müssen.

3.2 Die Seine bei Vix

Um Kimmigs eingangs erwähnteThese von dem „Flaschenhals der Seine“ zu überprüfen, mußte ich mir die Wasserstände und die näheren Umstände des Gewässers im Ort Vix selbst ansehen. Obwohl die beiden Orte nur ca. 5-6 Kilometer auseinanderliegen, ist die Seine bei Vix schon erheblich breiter und lebhafter:

Die Seine nördlich von Vix

Blick vom 280 m hohen Mont Roussillon, dem flacheren der beiden Gipfel des Mont Lassois, nach Süden auf den Oberlauf der Seine und die Stadt Châtillon-sur-Seine. Der typische Ausblick von einer keltischen Höhensiedlung. Dort stand auf einer Hinweistafel zu lesen:

Zitat: „Schon in vorgeschichtlicher Zeit kontrollierte der Ort Vix die an dieser Stelle liegende strategisch wichtige Furt der Seine, von der aus die Seine schiffbar wurde.“ Die Furt konnte ich tatsächlich auch vor Ort ausmachen. Sie liegt direkt unter einer Steinbrücke aus dem 16. Jahrhundert. Die Seine fließt dort die Furt wie ein Stauwehr hinab, auch wenn es nur ca. 50 cm sein mögen. Vor der Furt läuft die Seine relativ ruhig. Unmittelbar danach hat sich ein kleiner Wasserfall gebildet.

Steinbrücke über der Furt von Vix

Hinter dem linken Brückenbogen kann man die Abrisskante der Furt gut erkennen

Die Steinbrücke wurde – so wie in Frankfurt am Main – zweckmässigerweise direkt über der Furt errichtet. Erstens kann man auf Furten leichter Brückenpfeiler errichten und zweitens muß man nicht nach dem Brückenbau die seit Jahrhunderten (oder Jahrtausenden?) festgestampfte Strasse umleiten.

Damit waren wir über die Schiffbarkeit der Seine in der Keltenzeit nachvollziehbar informiert. Für Flachbodenkähne mit geringem Tiefgang, die flußabwärts durch die Strömung bewegt und flußaufwärts durch die Verwendung von Stangen „gestakt“ wurden, reichte die Wassermenge ersichtlich aus. Es ist gut nachvollziehbar, dass unterhalb der Brücke ein Landungskai oder -steg bestanden hat, mithilfe dessen die Lastkähne, die nach Norden abfahren, beladen und die von Norden ankommenden entladen wurden. Über die Fernstrasse – die auch zur Keltenzeit hier schon bestanden haben muß, sonst wäre die Furt sinnlos gewesen – fand dann der weitere Warenaustausch statt.

Man darf das nicht mit den Anforderungen der heutigen Schifffahrt vergleichen. Auch kleine Sportboote dürften hier nicht fahren. Die Schiffbarkeit der Seine endet heute offiziell schon viel weiter flußabwärts, und zwar bereits in Nogent-sur-Seine (Dept. Aube, Champagne).

Es stellte sich hier nur noch die Frage, wie Vix und der Mont Lassois im Mittelalter bebaut oder besiedelt waren und ob auch die Templer den Schiffahrtsbetrieb hier genutzt haben könnten. Die Frage konnte ich zum Teil beantworten. Der höhere der beiden Hügel des Mont Lassois, der ca. 300 m hohe Mont Saint-Marcel war noch  zur Zeit der Merowinger besiedelt. Und auch im Mittelalter. Seit dem Beginn des 12. Jahrhunderts, also zur Templerzeit, steht hier die romanische Kirche Saint-Marcel (Wikipedia, aaO). Es ist nicht selten, dass christliche Kirchen über keltischen Kultplätzen errichtet wurden.

Saint-Marcel de Vix, 12. Jahrhundert

Es ist zwar weder historisch noch archäologisch belegt, dass die Templer etwa auch in Vix begütert gewesen wären. Um den Landeplatz bei der Furt ausnutzen zu können, brauchten sie aber auch nicht notwendigerweise eine Commanderie. Ein (gepachteter) Lagerschuppen, von dem heute vielleicht nichts mehr nachgewiesen werden kann, hätte vollkommen genügt. Es sind – wie gesagt – nur 5 Kilometer zur nächsten Templerei in Châtillon-sur-Seine über Land auf ebener Strasse und dazu benötigt  man mit einem Pferdefuhrwerk gewiß keine Stunde.

Zwischenergebnis: Es ist erwiesen, dass Vix die nördliche Umladestation für die Kelten war. Da sich die örtlichen Voraussetzungen, insbesondere die Lage der Furt, bis heute ersichtlich nicht nennenswert geändert haben und Vix auch im frühen Mittelalter fortlaufend besiedelt war, kommt Vix auch als nördlicher Ausgangspunkt für die Landbrücke zur Templerzeit – soweit ersichtlich widerspruchsfrei – in Betracht.

3.3 Der südliche Umladeplatz bei Gray

Widmen wir uns also sogleich der drängenderen Frage nach dem südlichen Umladeplatz, also der Stelle, an der die Überlandstrecke endete und die Fracht wieder auf Wasserfahrzeuge mit dem Ziel nach Süden, zum Mittelmeer, umgeladen werden konnten.

3.3.1 Die Templer in Gray

Ich habe noch einmal sämtliche, mir zur Verfügung stehende Literatur überprüft und es bleibt bei der bisherigen Feststellung, dass es dort entweder keinen Templersitz gab, oder ein solcher urkundlich nicht belegbar oder (derzeit?) archäologisch nicht auffindbar ist. Darauf kommt es aber nicht entscheidend an. Es ist ohne weiteres möglich, dass die Templer auch am nördlichen Umladekai nur einen Schuppen gepachtet oder gar nur ein evtl. überdachtes Zwischenlager benutzt haben.  Sie haben auch an den Seehäfen oft nur für Hafendienstleistungen (Collioure, Marseille, La Rochelle) bezahlt und mussten nicht notwendigerweise an jedem Hafen eine Commanderie unterhalten. Das Lager hätte sich genauso gut in dem nur 10 Km entfernten Ort Autrey-lès-Gray befunden haben  können. Sobald dort die Nachricht einging, dass Wasserfahrzeuge zur Umladung angelandet seien und bereitstünden, hätte man die Fuhrwerke von Autrey-lès-Gray in Bewegung setzen und so eine reibungslose Umladung unter Zuhilfenahme gepachteter Hafenanlagen (Kais, Kräne oder Rampen?) gewährleisten können. Zudem lag der Ort Gray an dem linken bzw. südlichen Ufer der Saône und der Kai zum Umladen hätte sich zweckmässigerweise am rechten bzw. nördlichen Ufer befinden sollen.

3.3.2 Die Kelten in Gray

Eine letzte Frage war bisher noch offen geblieben: Könnte Gray der namentlich bisher nicht bekannte Fürstenhügel an der Saône sein? Ich hatte während des Verfassens dieses Berichtes  im Internet bisher nur in der Seite der sogenannten Kelten-Info-Bank, betrieben von Mitgliedern des Vereins Donnersberger Kelten e.V. unter der Fachberatung u.a. des RGZM in Mainz einen einzigen Hinweis auf eventuelle Zusammenhänge entdeckt:

Quelle: Kelten-info-Bank

Die Internetrecherche ergab jedoch auch, dass Martin Kuckenburg sich den Kelten am Mont Lassois noch ein weiteres Mal in seinem neueren Buch „Das Zeitalter der Keltenfürsten“ von  2010 gewidmet hat. Ich habe das Buch sofort bestellt und es ist kurz vor Fertigstellung dieses Berichtes eingetroffen. Nach Kuckenburg haben die mitteleuropäischen Fürstensitze eine „Schlüsselrolle im hallstattzeitlichen Fernverkehrsnetz gespielt“ und lagen vielfach an verkehrstechnisch günstigen Knotenpunkte der großen Flüsse (S. 168). Nach den Feststellungen von Pauli, 1993, lägen Fürstenburgen mehrheitlich an schiffbaren Flüssen und die jeweils reichsten Fürstensitze verfügten über einen Umschlagplatz vom Land- auf den Wasserweg, „wo man nach der Überwindung der europäischen Hauptwasserscheiden am besten von Saumtieren oder Karren auf Kähne umlud.“ Es folgt eine Auflistung von 4 Fürstensitzen einschließlich dem am Mont Lassois. Gray wird in dieser Aufzählung jedoch noch nicht genannt (zitiert nach Kuckenburg, a.a.O). An anderer Stelle weist Kuckenburg darauf hin,  dass die Burg des Fürsten, die regelmässig den politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt des Herrschaftsbereiches markierte, eine zentrale Bedeutung hatte (aaO, S. 209).

Was zeichnet also eine Örtlichkeit der Kelten aus, um sie als Fürstensitz zu qualifizieren?

Sie mußte erstens als Warenumladepunkt geeignet sein. Das ist der Fall, wenn sich ein schiffbarer Fluss in unmittelbarer Nähe befindet. Dass die Saône bei Gray im Mittelalter schiffbar war, haben wir bereits gezeigt. Dass dies auch zur Keltenzeit schon so war, ergibt sich zum einen aus der hohen Anzahl von intakten Weinamphoren aus der Provence und der im Kapitel 2.1 nachgewiesenen Dichte von Tonscherben, die in unmittelbarer Umgebung der heutigen Stadt Gray gefunden worden sind. Zum anderen war die Saône nachweislich zur Keltenzeit in Bragny, ca. 80 Km unterhalb von Gray, der mit Abstand bedeutendste Umschlagplatz im Burgund für Waren aus dem Süden und auf dieser relativ geringen Distanz hat sich ersichtlich weder die Neigung, noch die Breite oder die Wasserkapazität des Flussbettes wesentlich verändert. Gray ist also nicht nur als Warenumschlagsplatz geeignet, sondern sogar dafür prädestiniert.

Und zweitens müßte das Gelände um die Örtlichkeit den Bau einer Burg oder einer burgähnliche Höhensiedlung gestatten. Ich bin der Ansicht, dass Gray auch diesen Test besteht.

 Blick auf Gray vom linken Ufer nach Süden

Auch wenn das Niveau des mittelalterlichen Zentrums von Gray nur ca. 30 Meter höher liegt, als das Gelände am Saône-Ufer, sieht man die Erhebung recht nahe beim Ufer auf diesem Foto bereits deutlich. In unmittelbarer Nähe zum Zentrum der Altstadt und der Kirche befand sich im Mittelalter eine Burg, die man vom Ufer aus nur über eine recht steile (Treppen-)Stiege erreichte.

Nur noch ein mittelalterlicher Turm und Überreste der Burgmauer sind erhalten.

Die Hauptsache scheint mir jedoch zu sein, dass von dieser Erhebung aus die Saône perfekt überwacht werden konnte und auch ein Fernblick in das Hinterland des Herrschaftsgebiets nach allen Richtungen störungsfrei möglich war. Ein Blick auf Gray im Google-maps Geländemodus zeigt, dass die Erhebung sich von dieser Geländekante als Höhenzug etwa 200 Meter weit nach Süden fortsetzt, sodaß auch eine Höhensiedlung hier möglich war.

Während man in Kuckenburgs neuerem Buch von 2010 noch auf Seite 171 eine die Abbildung 34 b den Fürstensitz zwischen dem Mont Lassois und Bragny an der Saône noch vorsichtig mit einem Fragezeichen bezeichnet hat, fand ich zu meiner grossem Freude und Erleichterung auf Seite 25 in der Abb. 4 eine aktualisierte Version der oben abgebildeten Karte der Verbreitung von griechischen Amphoren aus dem Buch von 2004 und hier hat nun erstmals auch der Ortsname Gray Eingang in die Liste der keltischen Fürstensitze mit Warenumschlagsmöglichkeiten gefunden. (q.e.d.?)

Es dürfte damit keinen vernünftigen Zweifeln mehr begegnen, dass meine Ausgangsannahme auch insoweit zutreffend ist.

3.4 Der alternative Umschlageplatz bei Til-Chatel

Wie dem Plan im Museum von Châtillon-sur-Seine weiter zu entnehmen war, hatte sich der Keltenstamm der Lingonen auch im Gebiet der Gemeinde Til-Châtel in ihrem Tilena genannten Ort niedergelassen. Dieser Ort liegt exakt an der Via Agrippa, 40 Km südwestlich von Langres, auf dessen Hochplateau zu Zeiten der Lingonen unter dem Namen Andematunum eine bedeutende Höhensiedlung bestanden hatte, und 25 Km nordöstlich von Dijon (Divo).

Als ich mir vor wenigen Wochen erstmals wieder den Plan des Museums von Châtillon vornahm, stellte ich überrascht fest, dass auch Selongey sowohl für die Kelten als auch die Templer ein Stützpunkt war. Auch der ebenfalls den Kelten zugeschriebene Ort Til-Châtel war mir als Templerstation ein Begriff. Sie waren dort mit mir gemeinsam im Februar 2017 auf der Suche nach der Ferme des Templiers de Fontenotte.

Die Rue de Langres, wenige hundert Meter nördlich von Til-Châtel mit Blick nach Nordosten auf die Brücke über die Tille. Die heutige Landstrasse D974 führt – abgesehen von einer kleinen Kurskorrektur bei Vaux-sous-Aubigny – kerzengerade  nach Langres. Es ist die Via Agrippa der Römer.

Blick von der Rue de Langres auf den Oberlauf der Tille

Der Unterlauf der Tille bei Til-Châtel zeigt ebenfalls ausreichende Breite und Tiefe für Flachbodenkähne

Der Wald hinter dem Abfahrtsschild von der D974 markiert die Örtlichkeit des Weihers neben der Commanderie Fontenotte

Wie man diesen obigen Kartenausschnitt gut entnehmen kann, laufen einige hundert Meter westlich der oben gezeigten Brücke bei Til-Châtel eine Vielzahl wesentlich kleinerer Bäche zusammen, die wohl teilweise ebenfalls Tille genannt werden. Ich habe an einigen dieser Wasserläufe stichprobenartig angehalten und bin vorläufig der Meinung, dass die Tille und ihre Zuläufe oberhalb von Til-Châtel aufgrund ihrer geringen Tiefe, Neigung und Breite für Wasserfahrzeuge nicht geeignet ist.

Ab der oben gezeigten Brücke der Rue de Langres ändert sich ersichtlich das Bild. Die Commanderie Fontenotte befindet sich im Bereich des unteren Kreises. 200 Meter westlich der Commanderie gibt es heute einen (mit gewöhnlichem Schuhwerk unzugänglichen) Weiher oder Tümpel (Markierung 2). Man sieht deutlich, dass es zwischen dem Tümpel und der Autoroute de Lorraine-Bourgogne E17 einen Wasserlauf gibt, der vom Weiher aus in nordöstliche Richtung auf genau den Punkt zuhält, an dem die Tille mit der geringsten Entfernung die Commanderie passiert. Es drängt sich geradezu auf, dass dieser (wohl künstlich angelegte?) Wasserlauf einstmals dazu bestimmt war, das Weiherbecken mit dem Unterlauf der Tille zu verbinden. Als der Bahndamm und später die Autobahn errichtet wurden, gab es offensichtlich für dieses Gewässer keine Verwendung mehr, sodaß es gekappt bzw. umgeleitet wurde.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass auch der Weiher künstlich angelegt oder modifiziert worden ist.

      Commanderie Fontenotte, Til-Châtel, mit rechteckig ausgegrabenem Wasserbecken und einem kleinen Forellenteich direkt bei der Commanderie. Der Kanal zur Tille ist ebenfalls zu erkennen.

Die markierte südöstliche Ecke des Weihers oder Beckens ist künstlich begradigt und annähernd rechteckig ausgestaltet worden. Die Nähe zur Commanderie beträgt ca. 150 Meter. Es kommt jetzt darauf an, wie alt dieses Becken ist und ob der Kanal von dort bis zum Fluss a) künstlich ausgehoben und b) zumindestens breit genug war, um Lastkähne vom Fluß in dieses Becken und vice versa ziehen (treideln) zu können. Würden sich diese Fragen bejahen lassen, könnte man daran denken, dass dieses Becken evtl. als Winterlager für Lastkähne oder gar als Hafen installiert wurde. Es wäre dann zu untersuchen, ob man ggf. Reste von Kaianlagen, Pollern oder Laderampen heute noch dort entdecken kann. Ich hatte kein  geeignetes Schuhwerk dabei. Also muß ich wohl nochmal dorthin. Zumindestesn befeuert ein solcher Befund die Imagination und Spekulation. Ohne Rätsel wäre das Leben langweilig.

4. Zwischenergebnisse

4.1 Die Stationen der Keltenroute

Nemen wir uns nochmal die Karte aus dem Keltenmuseum vor. Der nachstehende Ausschnitt lässt eine „Keltenstrasse“ zwischen Nod-sur-Seine einerseits und Til-Châtel andererseits deutlich erkennen. Diese Strasse hat eine ähnliche Krümmung wie die Templerstrasse in diesem Bereich. Sie liegt aber nicht im Tal der Ource, sondern teilweise ca. 10 Km weiter südlich der Ource und bei der Tille, die bei Beneuvre entspringt. Die Quelle der Ource liegt nur wenige Km neben der Quelle der Tille. Auch diese Keltenstrasse „zielt“ auf den nächsten Punkt der Saône, nämlich nach Gray. Die gerade Linie von Vix über Beneuvre und Selongey schneidet die Saône bei Gray.

Ausschnitt aus der Karte aus dem Museum von Châtillon-sur-Seine

 

Strecke von Vix  über Beneuvre und Selongey nach  Gray

4.1.1 Nod-sur-Seine

Über den Keltenort bei Nod-sur Seine ist offenbar nicht allzu viel bekannt, ausser, dass dort eine Statue über „die wieder erstarkende Europa“ gefunden werden konnte (Wikipedia).

4.1.2 Saint-Germain-le-Rocheux, „Le Tremblois“

Einen Ort namens „Le Tremblois“ sucht man – jedenfalls in dieser Gegend – vergeblich auf der Karte. Bei Wikipedia kann man immerhin in Erfahrung bringen, dass es im Gebiet der heutigen Gemeinde Saint-Germain-le-Rocheux, die eine schöne mittelalterliche Kirche ihr Eigen nennen kann, einen Tempel der Gallier, einen sogenannten fanum, gegeben hat. Die Ausgrabungen und Konservierungen sind möglicherweise noch im Gange.

Fanum Le Trembloy (Wikipedia)

4.1.3 Essarois

Über Essarois ist bekannt, dass dort ein Tempel des Apollo Vindonnus ausgegraben wurde (Wikipedia). Weiterführende Literatur zu diesem Fund finden Sie hier. Es sind dort einige sehr ansprechende Objekte aufgetaucht (Bilddatenbank zu antiken Steindenkmälern).

© Chatillon-sur-Seine – Musée du Pays Châtillonnais, Foto: Ortolf Harl, 2015 Dezember

Angeblich wurde im Gebiet der Gemeinde im 19. Jahrhundert noch ein weiterer aufsehenerregender Fund gemacht. Zumindest kursieren seit mehr als hundert Jahren Gerüchte um mysteriöse Darstellungen auf einem angeblichen Behältnis aus Elfenbein, das zu der Sammlung eines gewissen Ducs de Blacas gehört haben und  bei Ausgrabungen im Keller des Schlosses von Chastenay in Essarois entdeckt worden sein soll. Ein gewisser Héron de Villefosse will in dieser Darstellung einen „Baphomet“ der Templer erblickt haben (Literatur finden Sie hier).

sogenannter „Baphomet“ von Essarois

Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall (* 9. Juni 1774 † 23. November 1856 in Wien) hatte sich leidenschaftlich in der streitigen Diskussion über diese Abbildung mit anderen Autoren im neunzehnten Jahrhundert auseinandergesetzt. Näheres finden Sie in meinem Beitrag von 2014. Ich halte von dieser Sache nichts. Das Objekt – falls es tatsächlich jemals existiert haben sollte, was umstritten ist – hat nur insoweit mit den Templern zu tun, als dass Essarois nur ca. 7 Km von einer Templercommanderie entfernt liegt. Der Stil der Darstellung ist eindeutig NICHT mittelalterlich.

4.1.4 Beneuvre

In Beneuvre sind umfangreiche archäologische Grabungen vorgenommen worde und dabei sind erhebliche Mengen an Siedlungsspuren freigelegt worden. Literatur dazu finden Sie bei Archéo sciences.

Darstellung von Ausgrabungsbefunden in Beneuvre (Copyright Cairn)

Dieser Grenzstein mit Templerkreuz findet sich ebenfalls im Gebiet der Gemeinde Beneuvre (Pays châtillonais). Das ist ein weiteres Besipiel, wie nahe die Orte und Wege der Templer und der Kelten tatsächlich beieinander gelegen haben.

4.1.5 Selongey

Im Jahre 50 n.Chr. begannen die Lingonen Gebiet der Gemeinde Selongey mit dem Weinbau, wie die dort ausgegrabenen Reste einer gallisch-römischen Weinpresse bezeugen (WikiVisually). Ausserdem wurde eine gallisch-römische Villa (sogenannte Proto-Villa) ausgegraben (researchgate).

4.1.6 Til-Châtel

Til-Châtel, das antike Tilena, ist als eine der Hauptstädte des Keltenstammens der Lingonen berühmt geworden (Wikipedia). Dort befand sich auch ein Römerkastell (Homepage der Gemeinde). Aber auch hier ist wieder eine erstaunliche Nähe zu den Templern festzustellen. Zum einen befindet sich – wie bereits erwähnt – keine drei Kilometer weiter südlich die

Ferme de Fontenotte

Zum anderen kann man in der Kirche Saint-Florent-et-Saint-Honoré in Til-Châtel Grabsteine berühmter Tempelritter aus dem späten 11. bis frühen 12. Jahrhundert  betrachten, zum Beispiel den von

Guy III. de Til-Châtel, Tempelritter und Herr von Til-Châtel und Pichanges. (Geocaching)

 

4.1.7 Die Distanzen der Stationen der Keltenroute

  1. Nod-sur-Seine – Saint Germain-le-Rocheux 9 km
  2. Saint Germain-le-Rocheux – Essarois 9,5 Km
  3. Essarois – Beneuvre 16 Km
  4. Beneuvre – Til-Châtel 30 Km
  5. Beneuvre – Selongey 28 Km
  6. Selongey – Til-Châtel 11 Km

4.2 Die Stationen der Templerroute

Wir hatten schon gesehen, daß manche der oben erläuterten Templerorte auf der Strecke zwischen dem oberen Umladepunkt an der Furt von Vix bzw. Châtillon-sur Seine und dem Endpunkt bei Gray untereinander einen Abstand von ca. 15 Km, ca. 20 Km oder auch ca. 30 Km haben. Für einen reitenden Boten oder eine kleine Gesandschaft zu Pferde sind 15 Km Tagesetappen eine reine Zeitverschwendung. Die Meinungen gehen auseinander, ob man einem Pferd Tagesetappen von 40 Km oder gar mehr zumuten kann, was nicht unmöglich zu sein scheint, aber auch nicht immer erforderlich gewesen sein wird. Es soll auch davon abhängen, ob man das Pferd an den Etappenstationen tauschen kann. Ich habe noch nichts davon gelesen, dass die Templer Reitpferdetausch für Eilboten angeboten hätten. Meines Wissens hatten die Templer jeweils ihre eigenen Pferde zugeteilt bekommen. Sei es wie es sei, eine Tagesetappe von 30 – 40 Kilometern kann man von einem Reiter erwarten, auch wenn das Pferd nur die Nacht zum Ausruhen hat. Für Fußgänger wird ein Tagesmarsch von 22,5 Km für möglich gehalten (Wikipedia). Für Ochsenkarren wird man wohl Tagesdistanzen von 15-20 Km kalkulieren können.

4.2.1 Der „Expressweg“ der Templer

Nehmen wir also an, ein Templer wäre mit nur leichtgewichtigen Lasten oder mit Depeschen, Dokumenten bzw. Münzen zu Pferde unterwegs gewesen. Er hätte für die hier zu beurteilende Templerstrasse – ohne das Pferd wechseln zu müssen – max. 3 Tage gebraucht:

  1. Tag: Vix – Châtillon-sur-Seine (6 Km) – Bure-les-Templiers (weitere 30 Km) = Total 36 Km
  2. Tag: Bure-les-Templiers – Selongey = Total 32 Km
  3. Tag: Selongey – Autrey-lès-Gray (28 Km) – Nordufer Gray (weitere 8 Km) = Total 34 Km

4.2.2 Der „Karrenweg“ der Templer

Mit einem Ochsenkarren oder zu Fuß wäre das nur schwerlich machbar. Hier hätten sich folgende Etappen von 15-20 Km angeboten:

  1. Tag: Chatillon-sur-Seine – Voulaines-les-Templiers 18 Km
  2. Tag: Voulaines-les-Templiers – Bure-les-Templiers 15 Km
  3. Tag: Bure-les-Templiers – Busserotte-et-Montenaille 13 Km
  4. Tag: Busserotte-et-Montenaille – Selongey 20 Km
  5. Tag: Selongey – Saint Maurice-sur-Vingeanne 20 Km
  6. Tag: Saint-Maurice-sur-Vingeanne – Autrey-lès-Gray 13 Km und nach Gray weitere 8 Km = Total 21 Km

4.2.3 Die alternative Tille-Route

  1. Busserotte-et-Montenaille – Villey-sur-Tille 15 Km
  2. Villey-sur-Tille – Ferme de Fontenotte 8 Km
  3. Ferme de Fonenotte – Ruffey-lès-Echirey 20 Km
  4. Ruffey-lès-Echirey – Fauvernay 16 Km
  5. Fauvernay – Trouhans 16 Km

5. Fazit

Sowohl die Kelten als auch die Templer haben zwischen den Punkten Vix und Gray eine mit Stationen in regelmässigen Abständen versehene, etwa 100 Kilometer lange Strasse als „Landbrücke“ für den Warenumschlag zwischen Nordsee und Mittelmeer benutzt und kontrolliert. Die Strasse beginnt in Vix als Umladestation nach Norden. Sie endet zum einen in Gray und zum anderen in Til-Châtel.  Die Templerstrasse, beginnend bei Châtillon-sur-Seine verlief zunächst ca. 10-15 Km weiter nördlich im Tal der Ource über die Stationen Voulaines-les-Templiers und Bure-les-Templiers. Die Keltenstrasse begann hingegen bei Nod-sur-Seine und verlief ein Tal weiter südlich, zunächst über die Orte Saint-Germain-les-Rocheux (Le Tremblois) und Essarois. Nachdem sich der Abstand der Keltenstrasse von der Templerstrasse kontinuierlich verringert, je weiter östlich sie sich vom Oberlauf der Seine entfernten, treffen die Trassen beider Strassen etwa im Bereich der Stelle, an der das Flüßchen Tille enstpringt, bei dem Keltenort Beneuvre einerseits und dem Templerort Busserotte-et-Montenaille andererseits wieder zusammen. Beide Wege führen sodann – wohl auf der gleichen Trasse – von hier aus weiter südöstlich nach Selongey, ein Ort, in dem sowohl die Kelten als auch die Templer sich niedergelassen haben sollen.

Abschnitt der Überlandbrücke zwischen Vix und Selongey (google.maps)

Auf dem direkten Weg zur Saône unterhielten die Templer noch in Saint-Maurice-sur-Vingeanne und in Autrey-lès-Gray eine Station. Gray war ein keltischer Fürstensitz und der gemeinsame Umladepunkt zur Saône, obwohl für die Templer in Gray keine Besitzung nachweisbar, aber für das Be- und Entladen von Schiffen auch nicht unbedingt erforderlich gewesen ist. Zwischen Selongey und Gray ist bis heute noch kein weiterer Ort der Kelten nachweisbar, aber wahrscheinlich, zumal im Umkreis von bis zu 20 Km um Gray keltische Großgrabhügel bekannt sind. Sowohl die Kelten als auch die Templer unterhielten Niederlassungen in Selongey und auch 10 Km weiter südlich auf der Via Agrippa in Til-Chatel, wo die Tille sich mit der Via Agrippa kreuzt.

Abschnitt der Überlandbrücke zwischen Beneuvre und Gray (google.maps)

Möglicherweise gab es zwischen dem Ursprung der Tille bei Beneuvre bzw. Busserotte-et-Montenaille und Til-Châtel noch eine alternative Strasse im Tal der Tille, wofür etwa der 10 Km flußaufwärts von Til-Châtel liegende, angebliche Templerort Villey-sur-Tille (Aubarbier, S. 78) und die Lage des aktenkundigen Templerortes Ferme de Montmorot sprechen könnte. Ein Keltenort ist in diesem Abschnitt der Tille bisher nicht nachgewiesen. Ob der Oberlauf der Tille tatsächlich für den Warentransport benutzt werden konnte, ist noch fraglich und würde umfangreiche Untersuchungen erfordern. Ab Til-Châtel erscheint der – ungestaute – Fluss Tille ausreichend breit. Ob die Kelten am Unterlauf der Tille bis zur Saône weitere Stützpunkte unterhielten, ist nicht bekannt.

Es ist denkbar, jedenfalls derzeit nicht auszuschließen, dass die Templer einige hundert Meter westlich von der Commanderie Fontenotte eine Art Hafenbecken ausgehoben und einen Verbindungskanal von dort nach irgendeinem nahegelegenen Punkt der Tille gegraben haben könnten. Dort könnte theoretisch die Umladung der Güter von Flachboden-Kähnen auf Ochsenkarren stattgefunden haben und die jeweilige Zwischenlagerung bis zum Abtransport nach Norden oder Süden in den reichhaltig vorhandenen Schuppen und Scheunen der Commanderie Fontenotte organisiert worden sein. Hier ist aber noch Beweis zu erheben. Das ist nur eine Spekulation.

Entlang des Unterlaufes der Tille ab Til-Châtel gab es jedoch nach Aubarbier, S. 78.f, bis zur Mündung der Tille in die Saône bei Les Maillys (Hafenanlagen vorhanden) im Abstand von je ca. 20 Km die Templerorte Ruffey-lès-Echirey, Fauverney und Trouhans, die zwar nicht direkt am Ufer der Tille gelegen haben mögen, aber jeweils nur wenige Kilometer weiter westlich.

Im 16. Jh. scheint die Stadt Dijon die Funktion der Umladestation übernommen zu haben, möglicherweise mithilfe der Flüsse Yonne (nach Norden) und Ouche (nach Süden)  (Wikipedia).   Spätestens anläßlich der Fertigstellung des Canals de Bourgogne in 1843, der ca. 5 km unterhalb der Tille bei Sainte-Jean-de-Losne in die Saône  mündet, verloren diese Landbrücken jegliche Bedeutung. Auch letzterem war nur eine kurze Erfolgsgeschichte beschieden, weil im Jahre 1851 mit dem Bau von Eisenbahnen in der Region begonnen wurde (a.a.O.)

 

 

Beitrag noch in Bearbeitung, letzter Stand 24.04.2018

 

 

 

Januar 2018, Alt Empordà und Roussillon

Zum Jahresende 2017 gab es nochmal Gelegenheit für einen Kurztrip nach Pals, wo wir auch Sylvester gefeiert haben. Die Zeit reichte immerhin für drei Templerorte und ein Johanniterhospital.

1. Provincia Girona, Alt Empordà

1.1 Castelló des Empúries

Ampuriabrava klingt verheissungsvoll nach Yachten, dem Golf von Roses und … nach Massentourismus vergangener Jahrzehnte. Weniger bekannt ist, dass der Name der Region von den Griechen hierhergebracht wurde mit ihrer Gründung von Emporion, eine ab ca. 600 v.Chr. entstandene Handelsniederlassung (Wikipedia). Etwa um 100 v. Chr übernahmen die Römer die Stätte und gaben ihr den Namen Emporiae. Es gibt sehr umfangreiche Ausgrabungen der griechischen und der römischen Siedlung mit beachtlichen Gebäudeüberresten. Wer sich nächstens dort nach dem dritten Sonnenbrand vom Strand langweilt und Abwechslung braucht, dem kann der Besuch dieses fantastischen Archäologieparks nur wärmstens anempfohlen werden.

Die Templer traten hier ab dem Jahre 1167 auf den Plan und erwarben einige Häuser und Grund zur überwiegend landwirtschaftlichen Nutzung. Nach  Fuguet und Plaza (S.    ) sind  die Niederlassungen Castelló des Empúries und Aiguaviva (dort waren Sie mit mir bereits im Jahre 2015)  im nordöstlichen Ende von Katalonien die unbedeutensten und ärmsten Einrichtungen des Templerordens in der Region.

Comanda de Castelló d’Empúries, 4 Avenida Cobla Rossinyols

Der Text der Urkunde zur Grundstücksübertragung zwischen dem Grafen von Empúries, Dalmau de Castelló und Berengar de Monels, dem Präceptor der Templer der Provinz Catalunya, findet sich bei Joaquim Miret i Sans, Les Cases  De Templers i Hospitalers, auf S. 173.

Fast in Sichtweite zum Templerhaus befindet sich diese „Casa Gran“, der einzig übrig gebliebener Palast seiner Art, wie sie sich die Ritter oder reichen Bürger im 14. Jahrhundert in Empuries häufig errichtet hatten.

Die mittelalterliche Stadtmauer von Castelló d’Empúries wurde zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert erbaut und 1949 unter Denkmalschutz gestellt (Empordà).

1.2 Sant Pere de Rodes

Das nächste Ziel befindet sich nicht allzuweit nördlich von Castelló d‘ Empuries und hat nichts mit den Templern zu tun. Das Kloster Sant Pere de Rodes ist der Legende nach schon im 6. Jahrhundert gegründet worden. Es fanden sich bei Grabungen tatsächlich Gebäudereste aus dieser Zeit (Wikipedia). Der Bau präsentiert sich heute, nach Renovierungsarbeiten im 20. Jahrhundert,  in seinem Zustand ab dem 11. Jahrhundert. Der berühmte Meister von Cabestany hat mit Verschönerungsarbeiten beigetragen. (Wikipedia, a.a.O.)

Fußweg vom Parkplatz mit Blick auf das Kloster Sant Pere aus nordwestlicher Richtung.

Nahaufnahme aus diesem Blickwinkel.

Das kleine frühmittelalterliche Gebäude weit ausserhalb des Klosters, ca 100 Meter vor dem Haupteingang, war einst ein Krankenhaus für Pilger.

2. Région Occitanie, Dept. 66 Pyrénées-Méditerranée

Kurz nach Sylvester machte ich mich über die nahegelegene Grenze auf nach Frankreich, genauer nach Perpignan und Umgebung. Eine Vorstadt von Perpignan oder ein Stadtteil heisst Orla. Dort sind die Templer ab Mitte des 13. Jahrhunderts begütert worden (Robert Vinas, Le procès des Templiers du Roussillon, S. 4). Die Commanderie von Orla (frz. Orle) gehörte – wie  Mas Deu – zum Großpriorat von Katalonien (Miret i Sans, S. 389).

2.1 Orla

Die postalische Anschrift der Überreste der Commanderie lautet 3170 Avenue Julien Panchot, 66000 Perpignan – Orla. Die Commanderie befindet sich an einem etwas weniger malerischen Fleck, als man sich erhoffen würde. Gegenüber ist eine moderne Tankstelle mit Café-Restaurant für Kraftfahrer und ein Kreisel für die Rocade Saint Charles zur Autobahnausfahrt 42. Perpignan-sud. Augen zu und durch:

Église Saint-Étienne d‘Orla, 66000  Perpignan,  Ansicht von Osten

Ansicht von Westen

Fenster im Chor mit Templerkreuz

Nebengebäude

Der Ostchor von Süden

Wer da nicht selbst hinfahren möchte, findet auf google maps recht eindrucksvolle Fotos, wenn er im Street view modus die Avenue Julien Panchot bis zu diesem Kreisel „entlangfährt“. Die Total-Tankstelle befindet sich genau gegenüber der Templerei.

2.2 Perpignan, Saint-Mathieu

In Perpignan fassten die Templer bereits im Jahre 1130 Fuß. Sie kauften ein Grundstück in der heutigen Rue de Mailly  und errichteten ein kleines Fort mit einer Kapelle Sainte-Marie (Arnaudies, Les Templiers en Roussillon, S. 5). Später erhielten sie vom König Jakob II. am Fuße des – ab 1262 errichteten – Palastes der Könige von Mallorca

SONY DSC Palais des rois de Majorque, 66000 Perpignan, Foto Markus Menzendorff, 2010

befindlichen Quartiers Saint-Mathieu und prägten dort mit einer schachbrettartiken Bebauung und jeweils rechtwinkligen Strassenkreuzungen das Stadtbild des Quartiers bis heute (Vinas, S. 5). Gebäudereste aus der Templerzeit sind allerdings nicht mehr zu finden.

Quartier Saint-Mathieu, Perpignan, google maps

Die Kirche von Saint-Mathieu bekommt man nicht gescheiht vor die Linse, egal, wie man es anstellt. Es ist erstmal garnicht so einfach, einen Zeitpunkt zu finden, an dem sich keine Passanten auf dem Plätzchen tummeln. Darüberhinaus sind die Gassen recht eng und die Kapelle schließt mit allen Seiten – außer der Westfassade – an benachbarte Gebäude an, sodaß man sie auch nicht umrunden und von einer anderen Seite aus fotografieren könnte.

Église Saint-Mathieu, 12, Rue Grande-la-Monnaie, 66000 Perpignan

Der derzeitige Zustand der Kirche Saint-Mathieu präsentiert sich wie nach dem Neubau aus dem Jahre 1677. Der Vorgängerbau der Templerkirche stammte aus dem frühen 14. Jahrhundert. Die alte Kirche wurde zur Entlastung der Zitadelle abgerissen, wie es auf einer Hinweistafel am Eingang der Kirche zu lesen ist. In der Kirche seien die Reliquien Saintes-Épines, vier Dornen aus der Jesus-Krone, aufbewahrt worden, nachdem sie von König Ludwig IX, genannt Saint Louis, erworben und später an seinen Sohn Philipp-le-Hardi vermacht wurden. Dieser starb 1285 in Perpignan und hinterließ die Reliquien dort (Hinweistafel, a.a.O).

2.3 Maison des Chevaliers de Saint-Jean, 66000 Perpignan

An der Ecke der Rue Fontaine Lapincarda und der Rue Maximilien Sébastien Foy befindet sich ein größeres, aus Ziegelsteinen errichtetes Haus mit einem Brunnen:

8, Rue Fontaine Napincarda, Perpignan

Überdeutlich prangt hier ein eingelassenes Wappen der Johanniter.

Die Basis des Gebäudes dürfte aus dem Mittelalter stammen, die heutige Gestalt dürfte auf das 17. oder 18. Jahrhundert zurückgehen.

Maison des chevaliers de St. Jean, 66000 Perpignan

Ansicht von der Rue Maximilien Sébastien Foy, Ecke Rue de l’ancienne Comédie

Über den Zweck dieses Johanniterhauses habe ich noch nicht allzuviel ihn Erfahrung bringen können. Es existiert aber bis heute eine riesige Klinik der Johanniter in Perpignan. Vermutlich unterhielten die Johanniter auch im Mittelalter ein Krankenhaus. Perpignan liegt immerhin an einer der wichtigsten Fernstrassen in Europa, mindestens seit der Römerzeit.

 

Vielen Dank für Ihr Interesse

 

 

 

 

2017, Juni, Île-de-France

Région Île-de-France

Am 15.  Juni 2017 ging es wieder nach Frankreich. Die heutige Région Île-de-France entspricht in etwa dem früheren Kernland des Königreichs Frankreich und der historischen Region Île-de-France bis zur französischen Revolution. Die Stadt Paris mit dem Département 75 liegt in ihrem Mittelpunkt. Die für diese Fahrt ausgesuchten Templerorte lagen überwiegend im Département 77, Seine-et-Marne östlich von Paris, das mit der historischen Region Brie übereinstimmt. Hier kommt natürlich auch der weltberühmte Brie-Käse her. Ein nicht minder bekannter Vertreter dieser Spezialität ist der Coulommiers. Er stammt aus dem gleichnamigen Templerort.

1. Département Seine-et-Marne               1.1 Choisy-le-Temple, 77410 Charny

Auf Coulommiers werden wir später noch zurückkommen. Als erstes Ziel hatte ich mir die Commanderie Choisy-le-Temple ausgesucht, die im Norden dieses Departements zu finden ist, und zwar in der Nähe des Flughafens Charles-de-Gaulle. Die Nähe zu Paris spürt man hier noch nicht. Man muß immer etwas Acht geben beim Auffinden von Templerorten in Landkarten. Viele französische Orte – besonders Templerorte – haben ähnliche oder identische Namen (etwa Villedieu). Ein Choisy gibt es mindestens noch einmal im gleichen Departement, ca 50 km südwestlich. Es handelt sich dabei auch um einen Templerort, nämlich Choisy-en-Brie  mit der Postleitzahl 77320. Die kam mir sehr bekannt vor! Dieselbe Postleitzahl hat Saint Martin-des-Champs. Die Commanderie Choisy-en-Brie liegt zwischen den beiden Commanderien Chevru und Saint-Martin des Champs, jeweils nur ein paar Kilometer entfernt, in Spaziergangdistanz. Aber zu spät, da muß ich halt auch noch mal hin. Die To-do-Liste wird lang und länger. Die Commanderie von Choisy-le-Temple liegt ca. 2 Km südwestlich der Gemeinde Charny.

Carte Cassini, copyright IGN und Jack Bocar, templiers.net

Quelle google maps

Vor Ort fand ich ein landwirtschaftliches Gehöft neben einem Ferien-Gästehaus genannt „le Temple“.

Champagne,Juni 2017I 001

Die Gemeinde, die die Zeichen der Templer und deren Rechtsnachfolger, der Johanniter, noch heute stolz im Wappen führt, zeigt ihren Besuchern mit diesem Hinweisschild an, dass ihre Suche ein gutes Ende gefunden hat. Es waren Adlige aus Charny, die den Templern dieses Anwesen vermachten: Haton et Simon de Charny, donnérent, en 1181, à la maison du Temple de Choisy, « domui Templi de Soisy », Quelle: templiers.net

Champagne,Juni 2017I 009

Die meisten Gebäude sind moderne Zweckbauten. Das jedoch gilt nicht für dieses Gebäude, das noch aus dem Mittelalter stammen dürfte. War es die Kapelle oder eine Scheune?Champagne,Juni 2017I 012

Blick vom Gästehaus auf die Südflanke dieses Gebäudes

Champagne,Juni 2017I 015

Bei diesem Flügel auf der Nordseite hatte ich den Verdacht, dass es sich um das Herrenhaus aus der Johanniterzeit handeln könnte. Ich wollte aber die Privatsphäre der Leute nicht stören und so verzichtete ich darauf, tiefer in den bewohnten Bereich vorzudringen. Auf zum nächsten Ziel, nur 20 Km nach Südwesten, wo das Drama begann: Der Anfang vom Ende meines heißgeliebten Menzomobils, welches hier nach fast einer halben Million Kilometer, davon 200.000 Km im Dienste der Templer, das erste und zugleich vorletzte Mal in Rauch aufging.

1.2 77580 Crécy-la-Chapelle

Etwa 30 Km südöstlich von Choisy-le-Temple lag die nächste Templerstation, die ich mir vorgenommen hatte. Ich vermute hier eine Strasse, die von Paris nach Troyes führt. Meine Vorplanungen haben ergeben, dass ca. alle zwanzig Kilometer ein Templerort liegt.

Das Menzomobil hatte die ganze Strecke von Frankfurt gut geschafft und keinerlei Probleme bereitet. Es war zuvor wegen eines Kühlerdefekts in der Werkstatt, aber der schien nun wieder behoben. Dachte ich. Bis hierher.

Ich hatte den Ort Crécy-la-Chapelle noch mühelos erreicht und bei der Einfahrt festgestellt, dass dies wohl ein recht charmanter Ort sein müßte. Es gab Brücken über einen kleineren Fluß, der sich durch die Häuserzeilen wand. Etwas templerisches war soweit nicht zu entdecken und so fragte ich mich nach der Kapelle durch. Ich geriet jedoch unversehens in einen Auflauf von mehreren hundert Schülern, die über die Strassen und Plätze verteilt nach ihren Schulbussen strebten und landete schliesslich auch noch ungewollt auf einem Schulparkplatz, der für PKWs zu dem Zeitpunkt gesperrt war. Eine Beamtin hatte – nachdem sie erst pflichtgemäß ihre Schimpfkanonade auf mich niederregnen ließ – sodann dafür gesorgt, dass ich aus diesem Wirrwarr wieder herauskam und mich dazu noch mit einer präzisen Beschreibung meines Weges ausgestattet.  Ich konzentrierte mich so sehr auf die vielen Schüler, den stärker gewordenen Verkehr und meinen Weg, dass ich die Temperaturanzeige meines Autos außer acht ließ. Ich war etwa noch 500 Meter von meinem Ziel entfernt und hatte gerade die Ausfallstrasse erreicht, als das Menzomobil mit einem lauten Knall aufgab. Der Kühler war zum zweiten Mal geplatzt.

Nun stand ich mit dem schweren Wagen auf der Landstrasse und die genervten Autofahrer schienen ernstlich zu hoffen, dass sie mich durch permanentes Hupen von der Strasse wegfegen könnten. Das ging eine ganze Weile so. Irgendwann half mir ein Kraftfahrer, das Auto an die Seite schieben.  Dort konnte es allerdings nicht auf Dauer bleiben. Nach einer Abkühlungspause gelang es mir, den Motor noch mal zu starten. Wenige hundert Meter weiter tauchte die Kapelle vor mir auf und es gab einen großen freien Parkplatz direkt davor:

Champagne,Juni 2017I 019

Église Notre-Dame-de-l’Assomption, 77580 Crécy-la-Chapelle

Champagne,Juni 2017I 024

Wo ich schon mal hier war, umrundete ich diese wunderbare gotische Kirche, deren Baubeginn auf das Jahr 1220 zurückgeht (Wikipedkia). Mit den Templern hatte die Kirche wohl nichts zu tun.

Im Jahre 1185 erhielten die Templer hier im Ort ein Maison  (Templiers.net Jack Bocar). Davon ist offenbar heute nichts mehr zu sehen. Aber es gab dennoch einen Beweis für die Bedeutung des Ordens:

Champagne,Juni 2017I 026

Ein Templerkreuz im Giebelfenster auf der Südseite.

Direkt an der Kirche lief auch der Fluß entlang, den ich im Ortskern schon mal bemerkt hatte.

Von diesem Befund beschwingt, schnappte ich mir den Koffer aus dem Auto und lief zurück in den Ortskern. Ab jetzt begann wieder meine Glückssträhne. Ich kam genau 5 Minuten vor Dienstende im Office de tourisme an. Dessen Mitarbeiter bot sich an, für mich ein Quartier  in einem nahegelegenen Golfhotel  Domaine de Crécy  zu einem absoluten Sonderpreis klarzumachen. Und er fuhr mich dann auch noch dahin! Ich erhielt dort eines der besten Abendessen meines Lebens und werde den Abend vermutlich nie mehr vergessen.

Mein Blick von der Terasse des Restaurants

Vorspeise: Foie gras mit Sesam- und Honig-Chips, Popcorn und einem Apfel-Schaum-Sorbet

Noch am Abend fand ich heraus, dass der Fluß durch den Ort hier „Grand Morin“ heißt, ca. 80 Km weiter westlich in der Champagne entspringt und weiter östlich in die Marne mündet.

Am nächsten Morgen gönnte ich mir noch ein fantastisches Frühstück und fuhr dann mit einem Taxi zur nächstgelegenen Mietwagenstation in Chessy. Direkt beim Disneyland Paris!

1.3 Saint-Martin-des-Champs, 77320 La Ferté-Gaucher

Von Crécy-la-Chapelle sind es 15 Km zum Templerort Coulommiers und etwa nochmal so weit zu meinem nächsten Templerort Saint-Martin-des-Champs bei La-Ferté-Gaucher. Die Commanderie de Coutran, oder auch Saint-Martin-des-Champs genannt, befindet sich einige hundert Meter westlich von La-Ferté-Gaucher. Ein Schild macht auf die Abfahrt aufmerksam.

Champagne,Juni 2017I 031

Ausfahrtszeichen auf der D14, Rue de la Vigne, zwischen den Gemeinden La Ferté Gaucher und Saint-Martin-des-Champs

Champagne,Juni 2017I 032

Anfahrt von Süden auf die ehem. Commanderie

Champagne,Juni 2017I 037

Wie man auch aus der Distanz gut erkennen kann, ist die Kapelle Saint-Martin recht baufällig, aber doch auch teilweise instandgehalten worden. Näheres zu dem Bauwerk finden Sie auf der Seite des Temple de Paris.

Champagne,Juni 2017I 033

Diese Einstellung gelang nur mittels Nachbearbeitung am Computer durch Vergrößerung. In der Realität kommt man so nah nicht heran, ohne Gesetze zu verletzen.

Champagne,Juni 2017I 042

Näher als für diese Einstellung habe ich mich nicht herangetraut. Es waren nicht übersehbare Schilder angebracht, dass der Zutritt zu dem Gelände verboten ist. Dieses Gebäude ist das einzige, was ebenfalls aus der Zeit der Templer herrühren dürfte. Im Übrigen wurde die Commanderie im sog. hundertjährigen Krieg zerstört.

1.4 Prieuré de Saint-Martin, 77320 La Ferté-Gaucher

Sowohl die Commanderie de Coutran als auch die Nachbarstadt La Ferté-Gaucher liegen ebenfalls an dem Fluß Grand-Morin. Direkt nach der Brücke der Rue de Sézanne über den Grand-Morin biegt links eine Sackgasse namens Rue de Prieuré ab. Dort befindet sich ein mittelalterliches Gebäude aus dem 12. Jahrhundert. Ein Bezug zum Templerorden ist nicht ersichtlich (Observatoire du Patrimonie Religieux).

 

Ancienne église du prieuré Saint-Martin, La Ferté-Gaucher

Es bleibt noch nachzutragen, dass sich zwischen La Ferté-Gaucher und der Commanderie Saint-Martin einige versumpfte oder ausgetrocknete Wasserbecken befinden, auf die ein Weg namens „Chemin des Marais“ zuführt.

Das scheint mir ein erneuter Hinweis für meine These, dass man den Templern häufig und gerne Moorgebiete und Feuchtwiesen überlassen hat, weil diese an mehreren Orten schon ihr Geschick bewiesen hatten, solche Ländereien urbar zu machen, wie etwa bei ihrem Hauptsitz, dem Temple du Paris im Quartier du Marais (=Moor).

Das liefert mir zugleich das Stichwort für die Ausgangsfrage, ob hier eine „Templerstrasse“ von Paris nach Provins nachzuweisen wäre. Der Temple du Paris lag bekanntlich an der Rue du Temple, die nordwestlich aus Paris herausführt. Der nächste Templerort in nordwestlicher Richtung ist 93390 Clichy-sous-Bois  im Département Seine-St. Denis. Die Entfernung beträgt 15 Kilometer. Gebäudereste sind dort nicht mehr erhalten. Von Clichy-sous-Bois sind es 19 Km zu dem ersten Ort dieses Beitrages, Choisy-le-Temple und von dort wiederum ca. 20 Km nach Crécy-la-Chapelle. Von hier geht es weiter südwestlich und man erreicht in 15 Km den Templerort Coulommiers. Von hier sind es – entlang des Ufers des Grand-Morin – ca. 20 Kilometer bis Saint-Martin-des-Champs bei La Ferté-Gaucher.

Sechs Templerorte wie Perlen an einer Kette im Abstand von 15 bis 20 Km

Der „Buckel“ dieser Linie nach Norden scheint dem Verlauf der Marne und des Flusses Grand-Morin geschuldet zu sein. Man kann heute noch zahlreiche Gewässer rechts und links neben diesen beiden Flüssen erkennen, die früher einmal Altarme gewesen sein mögen. Das Marnetal ist recht breit und man wird hier wie im Rheintal im Mittelalter Schwierigkeiten bekommen haben, in Flußnähe eine dauerhafte Strassenverbindung zu unterhalten. Das wäre noch näher abzuklären.

1.5 77160 Provins

Die Stadt Provins, einst die „zweite Hauptstadt der Grafen der Champagne“ (Deutschlandfunk) und ein wichtiger Handelsplatz und Verkehrsknotenpunkt von Fernstrassen in alle Himmelsrichtungen (Wikipedia), ist ein zu jeder Jahreszeit außerordentlich lohnendes Reiseziel, auch wenn man sich für den Templerorden nicht interessiert. Die Stadt präsentiert sich mit ihrer gut erhaltenen Stadtmauer mit 22 Türmen, beachtlichen mittelalterlichen Bauwerken, Fachwerkäusern und kilometerlangen unterirdischen Gängen als Touristenziel erster Klasse.

Die Templer besassen in Provins fast siebzig Maisons (Aubarbier, S. 47) und unterhielten hier gleich zwei Commanderien, Val-de-Provins (außerhalb der Stadt) und la Madeleine. Von der erstgenannten ist nur noch ein Brunnen übrig. La Madeleine präsentiert sich jedoch heute noch in alter Pracht und recht komplett:

Commanderie des templièrs la Madeleine, 77160 Provins

Die Commanderie befindet sich in unmittelbarer Nähe einer der besterhaltensten mittelalterlichen Stadttore der Stadt, der sogenannten

Porte de Juoy, Provins

Man findet das Commenderiegebäude, in dem man in die erste Strasse hinter diesem Tor nach rechts in die Rue de la Madeleine abbiegt. In der Nähe befindet sich eine Rue la Chapelle Saint-Jean, aber eine Kapelle steht dort nicht mehr. Auf der Rue de Juoy befindet sich noch ein mittelalterliches Krankenhaus, das

Hôpital du Saint-Esprit aus dem Jahre 1177 (lt. Tafel neben dem Eingang

Die Behandlung der Kranken fand in ausgedehnten unterirdischen Halle und Gewölben statt, von denen Provins durchzogen ist.

Ein Beispiel: Dieser Gewölbekeller beherbergt heute eine Buchhandlung

Es gäbe noch viele schöne Fotos über mittelalterliche Gebäude der Stadt, aber das würde den Rahmen des Berichtes sprengen. Zu, Abschied aus Provins zeige ich noch die älteste Kirche der Stadt, die auf das Jahr 996 a.D. zurückgeht:

Èglise Saint-Ayoul de Provins

2. Département Yvelines

Für mein nächstes und letztes Ziel dieser Reise musste ich zunächst 111 Km nach Westen in das Departement Yvelines fahren, das am südwestlichen Ende der Région Île-de-France liegt. Die Commanderie Villedieu-les-Maurepas liegt 35 Km südwestlich von der Rue du Temple in Paris, genau auf der Strecke von Paris nach Chartres. Sie ist die erste Etappe einer Templerstrasse von Paris nach La Rochelle. Ich werde hierzu demnächst meinen Aufsatz aus dem Jahre 2009 veröffentlichen.

Kapelle der commanderie La Villedieu

alte Ansichtskarte der Kapelle

Haupteingang der Commanderie

Haupteingang, von Osten

Der Weiher, der in keiner Commanderie fehlen darf

Zentralhof und Nordflanke

Detail La Villedieu

Folgender Beitrag aus (wikipedia) beschreibt den Standort kurz und treffend:

La commanderie templière

Au XIIIe siècle, l‘ordre du Temple possède environ 3 000 commanderies en Europe, dont près de 700 en France. La commanderie de La Villedieu obéit au même schéma d’organisation que les autres sites4. Ils se composent généralement, dans la partie nord de la France, de bâtiments à usage divers disposés autour d’une cour centrale dotée d’une pièce d’eau. Ces lieux polyvalents abritaient notamment des activités militaires, agricoles, financières et religieuses.

Im 13. Jahrhundert besaß der Templerorden etwa 3.000 Komtureien in Europa, davon etwa 700 in Frankreich. Die Komturei von La Villedieu gehorcht dem gleichen Organisationsschema wie andere Standorte. Im Norden Frankreichs setzen sie sich im Allgemeinen aus Gebäuden mit verschiedenen Verwendungszecken zusammen, die um einen zentralen, mit einem Teich ausgestatteten Hof angelegt sind. Diese Mehrzweck-Orte eröffnen militärische, landwirtschaftliche, finanzielle und religiöse Aktivitäten.

 

 

2017, Picardie, Brie, Champagne

1. Région Hauts-de-France (Picardie), Département Aisne

Die Recherchereise im Mai 2017 führte mich in den Nordosten Frankreichs. Ich hatte einige mir nur aus Büchern bekannte Templerorte ausgesucht, die möglichst gut erhaltene Gebäudereste boten und nicht zuweit auseinander lagen. Zum einen wollte ich meine Galerie vervollständigen, zum anderen begann ich um diese Zeit, den Verlauf der schon mehrfach erwähnten via francigena im Norden Frankreichs darauf zu untersuchen, ob sich auch hier in signifikanter Dichte Templerniederlassungen entlang der Strecke finden lassen würden. Um das Ergebnis vorweg zunehmen: Meine zunächst nur vagen Vermutungen sollten mehr als übertroffen werden. Aber urteilen Sie bitte selbst!

1.1 Ferme des Templièrs, 02613 Pontavert

Die erste Übernachtung hatte ich in der Stadt Soissons (Département Aisne) gebucht. Ich war gegen 10:00 aufgebrochen und erreichte das Soissonais gegen 14:30. Das erste Ziel auf meine Liste dort war die ehemalige Commanderie von Pontavert. Man fährt auf der D925 bis zur Ortsmitte, biegt bei dem Ortschild  „le Temple“ nach rechts ab und fährt ca. 2 Km auf der D19 nach Norden. Dann steht man vor des ehemaligen Templerhofes:

DSC_0009

Anblick von Süden

Die Erwartungen wurden beim Anblick dieser modernen Gebäude etwas gedämpft. Es gab nichts mehr aus der Templerzeit zu sehen. Dennoch konnte man die Dimensionen der ehemaligen Commanderie im wahrsten Sinne des Wortes „abschreiten“ und dadurch unmittelbarer erfassen. Ich stellte mein Menzomobil am Nordrand des Hofs ab und dort gelang dieses Bild:

DSC_0002

Blick von Norden

Das Wohnhaus in Bildmitte befindet sich an der Stelle der abgebrochenen Kapelle.

DSC_0004

Ostflanke der Ferme von Pontavert

DSC_0007

Blick von Osten auf die Westflanke. Rechts das Wohnhaus, links im Bild Gebäude auf der Südseite. Die Nebengebäude scheinen teilweise unter Verwendung der alten Steine wieder errichtet worden zu sein.

Auf einer Zeichnung von 1877 präsentierte die „Ferme du Temple“ sich noch so:

Screenshot 2018-01-17 20.35.04

Am linken Bildrand erkennt man einen Schuppen, der etwas verändert heute noch dort steht.

Screenshot 2018-01-17 20.35.53

Postkarte der Ferme du Temple vor 1917

Im Jahre 1917 hat offenbar eine erhebliche kriegerische Auseinandersetzung in und um Pontavert stattgefunden. Man spricht von einer Offensive eines Generals Nivelle auf dem „Chemin des Dames“.  An der D925 befindet sich ein Soldatenfriedhof und die Kirche Saint- Médard wurde in diesem Jahr komplett zerstört:

1449528038-Ponthavert-eglise-2

Saint Médard, Pontavert, 1917

Ich gehe davon aus, dass die Templerkapelle auch durch Kriegseinwirkungen zerstört wurde.

Screenshot 2018-02-18 15.25.05

Draufsicht auf die ferme du Temple (Copyright: google maps)

Screenshot 2017-03-18 22.30.00

Der Auszug aus der Cassini-Karte 1774-1814 (Copyright: Templiers.net) zeigt die Entfernung der Ferme von der Ortsmitte. Auch die heute noch existierende Wegkreuzung in Pontavert ist zu erkennen. Pontavert befindet sich 5 Km westlich von der D1044, die heute Laon mit Reims verbindet. Die Stadt Laon liegt 26 Km nordwestlich und Reims 25km südöstlich.

1.2 Ferme Catillon-du-Temple, 02270 Nouvion-et-Catillon

Mein nächstes Ziel lag ca. 50 Km nordwestlich von Pontavert. Leider habe ich mir nicht die Zeit genommen, meine Aufzeichnungen vor Ort nochmal zu kontrollieren, sondern stattdessen einfach vor der Mairie geparkt und die erstbeste mittelalterliche Kirche geknipst in der Hoffnung, sie könne etwas mit den Templern zu tun haben.

DSC_0029

Église Saint-Remi de Nouvion-et-Catillon

DSC_0035

Nordseite

DSC_0021

Südseite

DSC_0015

Hatte dieses an die Kirche anschliessende Gehöft etwas mit den Templern zu tun?

Erst nach meiner Rückkehr bei der Nachbearbeitung ist mir wieder eingefallen, dass die Commanderie Catillon-du-Temple einige Kilometer ausserhalb des Ortes liegt und dass von der Templerkapelle nur noch die Westfassade steht. Es hilft nichts, da muß ich nochmal hin. Der Besuch dieses Ortes hat trotzdem nicht geschadet. Die Kirche ist für ein Dorf mit 500 Einwohnern viel zu groß! Das kann nur bedeuten, daß hier viele Reisende mitversorgt werden mußten. Man kennt solche überdimensionierten Kirchen in sonst kleinen Ortschaften vor allem an Pilgerrouten, etwa den zahlreichen sog. Jakobswegen quer durch Europa.

Kleiner Exkurs über 120 Km nach Südosten:

Dabei mußte ich augenblicklich an die kleine Ortschaft L’Épine ein paar Kilometer östlich von Châlons-en-Champagne denken. Auch dort befindet sich eine geradezu bombastische Kirche in einem 600-Seelen-Dorf:

Troyes und Chartres 001

Notre Dame de L’Épine, 2006

Screenshot 2018-02-20 20.46.56

Das Dorf L’Épine ist kein Templerort, aber wie man an dem obigen Kartenausschnitt erkennt, liegt es sehr auffällig am Ende einer Linie mit den drei Templerorten Saint-Hilaire-au-Temple, Dampierre-au-Temple und Saint-Étienne-au-Temple etwas südöstlich von Reims. Der Weg weist von Nordwest bis Südost. Ich hatte schon damals den Eindruck, dass diese Kirche  so groß gebaut wurde, um erforderlichenfalls Pilgergruppen aufnehmen zu können. Nunmehr begann ich mich zu fragen, ob es sich bei der hier zu vermutenden Pilgerstrasse um nicht mehr und nicht weniger als die Via Francigena handeln könnte:

Arras BarVia Francigena, hier der Abschnitt von Canterbury nach Bar-sur-Aube (Copyright cammino di Assisi)

Die Lage südöstlich von Reims und der Verlauf von Nordwest nach Südost stimmte schonmal. Diese Route ist wohl kein Fernweg aus der Römerzeit, sondern aus dem frühen Mittelalter:

Unter den vielen Verbindungen zwischen Mittel- und Nordeuropa und Rom hat sich insbesondere für eine Strecke die Bezeichnung „Via Francigena“ eingebürgert. Es handelt sich dabei um den Weg von Canterbury nach Rom, der in den Aufzeichnungen des Erzbischofs Sigerich der Ernste von Canterbury (994) beschrieben wurde. Er reiste im Jahr 990 von Canterbury nach Rom, um vom Papst das Pallium zu erhalten, einen Wollschal als Zeichen seiner Ernennung zum Erzbischof. (Zitat: Wikipedia)

Kehren wir wieder an den Ausgang der Überlegungen zurück, nämlich 120 Km nordwestlich nach Nouvion-et-Catillon mit seiner Pilgerkirche:

Screenshot 2018-02-20 21.41.06(Google maps)

Wie man sieht, geht die Strecke in ziemlich gerader Linie erst durch Reims (zahlreiche Templerhäuser) und anschließend Laon (die berümte Templer-Kapelle) hindurch, beides  erwiesene  Stationen der via francigena. Aber es kommt noch besser:

Screenshot 2018-02-19 22.09.48

Die Commanderie Pontavert, die erste Station meiner Reise, liegt ebenfalls genau auf der Strecke. Und Arras (eine „Templerhochburg“) gilt auch als Station der via francigena. Nahe bei Calais unterhielten die Templer Seehäfen in Wissant (Jan Hosten, S. 231) und in Berck-sur-Mer (Aubarbier, S. 111f). In Kent konnten die englischen Pilger in der Templerkapelle von Dover auf ihr Schiff warten und auf dem Weg von und nach Canterbury zusätzlich noch in Temple Ewell Station machen. Es spricht also viel dafür, dass meine beiden zunächst nur zufällig angesteuerten Ziele tatsächlich jeweils Stationen dieser Pilgerstrecke darstellten. Insoweit war mein Irrtum, in Nouvion-et-Catillon die falsche Kirche besucht zu haben, letzlich die Ursache, dass mir diese Entdeckung gelang! Hätte ich nicht über die unpassende Größe der Kirche nachgedacht, wäre ich auf diese Zusammenhänge wohl nicht oder nicht so schnell gekommen. Alles hat seinen tieferen Sinn, sagt man. Offenbar auch Irrtümer.

Die Annahme, dass all die Templerorte nicht nur zufällig auf der Strecke liegen, sondern vielmehr systematisch dort angelegt worden sind, wird  weiter durch eine gewisse Regelmässigkeit der Distanzen gestützt. Von Arras zum Templerort Étricourt-Manancourt sind es  35 Km. Von letzterem nach St. Quentin (ebenfalls Templerort) muß man ebenfalls 35 Km zurücklegen. Catillon-du-Temple liegt 25 Km südöstlich davon und Laon weitere 22 Km. Von Laon braucht man 26 Km nach Pontavert und von diesem Ort weitere 25 nach Reims. Alles in allem sieht das doch recht nach geplanten Tagesetappen aus, wobei 25 Km für die Menschen im Mittelalter zu Fuß wohl eher noch bequem waren. 35 Km sind für eine Tagesetappe aus Sicht der heutigen Jakobsweg-Pilger eher anspruchsvoll, aber nicht unmöglich. Für Pferde und Kutschen dürfte das damals jedenfalls kein Problem gewesen sein. Von den Infanterie-Soldaten der römischen Armee wurden Tagesmärsche von 32 Km mit 20 Kg Gepäck abverlangt (Geschichte-Wissen-Blog).

1.3 Commanderie Mont-de-Soissons, 02220 Serches

Ich war im Jahr 2006 schon mal im Soissonais, aber meine Bilder sind damals recht dunkel und unschön geworden, weil ich erst recht spät am Tag dort eintraf. Ich wollte auch diesen Ort schon seit längerem nochmal aufsuchen mit mehr Ruhe und mehr Licht. Diesmal hatte ich auch insofern Glück, dass ich einen der beiden Miteigentümer des Gehöftes vor Ort antraf. Er war sichtlich erfreut über mein Interesse, als er erfuhr, dass ich eine Anreise von 600 Km auf mich genommen habe, um Templerorte zu untersuchen. Nein, ich würde ihn durchaus nicht stören, er bedauerte nur, dass er eilig weg müsse, sonst hätte er mich gerne auch herum geführt. Sein Tor sei offen, ich möge so lange hier verweilen und fotografieren, wie es mir gefiele. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich hatte die mächtige Commanderie nun für mich alleine. Und ich durfte hier sein! Vor elf Jahren hatte ich mich eher wie ein Eindringling gefühlt. Das Tor war zwar auch damals schon weit offen, aber es  war niemand da und man hat schon ein ungutes Gefühl, auf fremdem Grund umherzuschleichen, wenn man nicht ausdrücklich willkommen geheissen wird.

DSC_0077

Mont-de-Soissons, Blick vom Innenhof zum Haupttor nach Südosten

Screenshot 2018-02-22 18.47.44

Quelle: google maps

Die Ausmaße dieser Commanderie sind gigantisch. Die Kanten des „Vierecks“ sind ca. 120 Meter lang. Für mich ist das eine der größten Commanderien der Templer, die ich kenne.

Bei dieser Gelegenheit wollte ich nochmal darauf hinweisen, dass die Commanderie 12 Km ausserhalb und südöstlich der Stadt Soissons gesucht werden muß. Man fährt erst zu einem Ort namens Serches und ab dort ist Mont de Soissons beschildert.

DSC_0047

Stallungen entlang der Südostflanke aus der Zeit der Johanniter (16. Jh?)

DSC_0044

Sicht vom Haupttor auf einen nördlichen Quertrakt mit Taubenturm

DSC_0063

Kapelle von Südwesten und Taubenturm

DSC_0058

Westfassade

Nach Templiers.net ist das Anwesen eines der ältesten Besitzümer des Templerordens überhaupt. Es sei den Templern bereits im Jahre 1133, also 15 Jahre nach ihrer Gründung vom  Bischof von Soissons vermacht worden. Soissons selbst hat eine wunderbare gotische Kathedrale, deren Bau 1180 begonnen wurde.

KathedralenTour 138

Kathedrale Saint-Gervais-et-Saint-Protais, Soissons, 2006

1.4 Domaine du Temple d’Ambrief, 02200 Ambrief

In unmittelbarer Nähe von Mont-de-Soissons, ca 4 Km südwestlich findet sich bereits die nächste Besitzung der Templer, die Domaine von Ambrief, die seit 1163 urkundlich belegt ist (Templiers.net aaO). Bei der Adresse 2, rue de Soissons wird man zunächst nur dieser gewaltigen Scheune ansichtig:

DSC_0079

Grange des Templièrs, Ambrief

Erst wenn man sich am Scheunentor nach links wendet und einen schmalen Weg hinabsteigt, sieht man die Reste des Herrenhauses dieser Domaine. Den Zweck der Gebäude konnte ich nicht erahnen. Das Gelände ist unzugänglich und man kommt hier nicht näher an die Reste heran. Der Turm scheint mir nicht mittelelterlich zu sein. Ich schätze sechzehntes Jahrhundert.

DSC_0095

Domaine du Templièrs, Ambrief

Ab Jetzt durfte ich mich auf mein Abendessen freuen. Ich checkte im Hotel Terminus ein und lief anschließend die Avenue du Général de Gaulle hinab bis zur

20170524_185821

Place de la Republique, Soissons

wo sich mein Lieblingsrestaurant von Soissons befindet. Ich hatte einen wunderbaren Tag erleben dürfen, tolle Sachen gesehen und – wie man sieht – das allerbeste Wetter für mein Vorhaben genossen. Und jetzt auch noch ein hervorragendes Essen. Was will man mehr?

1.5 Commanderie de Moisy-le-Temple, 02810 Montigny l’Allier

Mein nächstes Ziel lag 40 Km südwestlich von Soissons, im „Dreiländereck“ mit den beiden benachbarten Départements Oise und Seine-et-Marne. Das Frühstück in Soissons war offenbar nicht so üppig. Das schließe ich daraus, weil ich – nach dem Zeitstempel der Fotos – schon um 08:54 hier eintraf. Die Commanderie hat die postalische Adresse 73, rue de la Commanderie in Montigny, befindet sich westlich und etwas ausserhalb des Ortes in dem – von zahlreichen Wasserläufen durchzogenen – Mündungsgebiet des Clignon in den Ourcq, keine 100 Meter von nördlich der Grenze von 77 Seine-et-Marne.

Nach Frizot, Sur les pas des Templiers en terre de France, S. 56, haben die Templer die Kapelle im Jahre 1158 vom Kloster Saint-Jean-des-Vignes, Soissons, übernommen. Dies sei, wie im Falle der Marais in Paris, ein weiteres Beispiel dafür, dass die Templer Geschick darin zeigten, sumpfige Gelände zu entwässern und brauchbar zu machen. Das Wort moisi bedeutet „modrig“ und könnte als Namensbestandteil des Ortes den früheren Zustand fortgeschrieben haben. Entgegen der Annahme Frizots (aaO) ist das kein seltener Vorgang gewesen. Auch in der Charente haben die Templer sumpfiges Gelände geerbt und der Name der Commanderie Villemoison an der Loire im Département Nièvre scheint ähnliches zu verraten.

Als ich langsam aus östlicher Richtung der Kapelle näherkam, verschlug es mir fast den Atem. Denn ich hatte eine heruntergekommene Kapelle mit zerstörten oder zugemauerten Fenstern und mit aus den Mauern sprießendem Grünzeug erwartet, etwa so:

2

(Quelle: Google maps), aber das ist wohl lange Zeit her, denn jetzt sieht sie so aus:

1

Moisy-le-Temple, Montigny l’Allier, Mai 2017

DSC_0112

Die Bauarbeiten sind noch in vollem Gange. Die Kapelle wurde wohl als erstes in Angriff genommen. Derzeit arbeitet man an dem Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert, das leider eingerüstet war.

DSC_0123

Westflanke der Commanderie

DSC_0126

Blick auf den Innenhof aus Südwesten

DSC_0116

Nordflanke, von Westen

Zum Abschied ein kleines Bilderrätsel. Erkennen Sie die 10 Unterschiede?

DSC_0118

 

3

Copyright: Wikipedia Commons

Ein paar hundert Meter weiter östlich befindet sich die Gemeindekirche des Ortes Montigny l’Allier, ein beeindruckendes Bauwerk aus der Übergangszeit zwischen Romanik und Gotik.

DSC_0136Église Saint-Martin de Montigny l’Allier

1.5 Commanderie Viffort, 02540 Viffort

Als mein nächstes Etappenziel hatte ich mir die Commanderie Viffort ausgesucht. Sie befindet sich etwa 35 Km südöstlich von meinem letzten Ziel ind der Nähe der Grenze zum Département Marne. Wann die Templer die Commanderie genau gegründet haben, ob Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts, ist nicht bekannt. Sie wird jedenfalls erstmals im Jahre 1229 in einem Schiedsspruch urkundlich erwähnt. (Projét Beauceant).

DSC_0141

Blick von Osten bei der Ortseinfahrt

DSC_0147

Église de la Nativité de la Sainte Vierge, 02540 Viffort

DSC_0148

Blick von Südwesten

DSC_0149

Blick aus nördlicher Richtung

Von den Gebäuden der Templer und Johanniter ist seit dem 18. Jahrhundert nichts mehr übrig (Projét Beauceant, templiers.org aaO) und ich habe bisher noch keinen Beleg dafür gefunden, ob die Templer an der Errichtung dieser Kirche mitgewirkt haben. Sie stammt ersichtlich aus dem 12. Jahrhundert, also werden sie sie auch besucht haben. Sie hatten aber auch eine eigene Kapelle, St. Georges. In deren Altarraum sollen Einweihungszeremonien stattgefunden haben  (templiers.net).

Angesteckt durch die oben angestellten Überlegungen mit den Tagesetappen habe ich einmal mehr mit google.maps experimentiert und die Commanderie von Viffort in Bezug zu umliegenden Templereinrichtungen gesetzt. Provins war für den Templerorden von enorm wichtiger Bedeutung. Es gab zwei Commanderien und circa 70 Häuser in der Stadt. In Reims kreuzt sich die via francigena mit der Strecke Metz – Paris

Screenshot 2018-02-25 16.30.15

Die Strecke von Provins nach Saint-Martin-des-Champs (La Ferté-Gaucher) beträgt 26 Km. Von dort nach Viffort sind es ebenfalls 26 Km, von Viffort nach Scai-du-Temple (Passy) 31 Km und von dort nach Reims ebenfalls 31 Km. Ich will das nur einstweilen hier festhalten. Ein „Anfangsverdacht“ für eine strategische Planung ergibt sich daraus aber schon. Zufällig ist das wohl eher nicht.

Hier gabs nicht mehr zu sehen, also konnte ich mich meinem nächsten Ziel zuwenden. Das Wetter hätte nicht besser sein können und es war noch früh am Tag.

2. Île-de-France, Département Seine-et-Marne

Mein nächstes Ziel lag ca 40 Km südwestlich von Viffort. Hierzu mußte ich nicht nur das Département  Aisne sondern auch die Région Hauts-de-France verlassen.

2.1 Commanderie de Chevru, 77320 Chevru

 In Chevru war ich schon mal im Jahr 2013 und habe diese merkwürdige Kapelle fotografiert. Was genau mich an deren Anblick störte oder wunderte, hatte ich noch gar nicht richtig erfasst. Sie sieht irgendwie hässlich aus und man versteht nicht so recht, warum das Dach – jedenfalls auf einer Seite – so tief herabgezogen war.

SONY DSC

Als ich dieses Mal vor der Kirche stand, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das Haupt-portal zeigte nach Westen! Das ist mir bisher nur bei einer Templerkirche untergekommen, nämlich bei der Commanderie Sainte-Eulalie-de-Cernon im Larzac, Departement Aveyron. Dort haben die Johanniter die Kirche der Templer um 180 Grad „gewendet“ und den Haupteingang zur Ortsmitte verlegt, damit auch die Einwohner des Ortes am Gottesdienst teilnehmen konnten. Ich werde darüber nachforschen, warum das hier wohl so gemacht wurde und Ihnen zu gegebener Zeit hoffentlich etwas berichten können.

Darüberhinaus mußte ich bei der Nachbereitung der letzten Reise erfahren, dass es auch eine Commanderie in Chevru gab, die ich damals übersehen hatte, weil sie ausserhalb des Ortes liegt. Diesmal hatte ich mich besser vorbereitet. Die Commanderie liegt ca. 1 Km westlich der Ortschaft. Man gelangt dorthin, indem man rechts an der Kirche vorbei auf der Rue Médéric Charot den Ort verläßt und sodann die zweite Strasse nach links abbiegt, die Rue de la Commanderie.

DSC_0162

Die Ostflanke der Commanderie Chevru, Blick nach Norden

DSC_0165

Blick an der Ostflanke entlang in umgekehrter Richtung

DSC_0161

Blick durch das Haupttor auf die KapelleDSC_0156

Kapelle in der Totalen von Süden

Auch hier hatte ich grosses Glück, den Eigentümer vor Ort anzutreffen. Leider hatte er den Schlüssel für das Südtor nicht zur Verfügung. Er hätte mir gerne die Kapelle aus der Nähe gezeigt. Die besten Bilder von der Kapelle bekäme man aber ohnehin von der Südseite und die sei frei zugänglich. Er sollte recht haben.

2.2 Saint-Martin des Champs

In aller Kürze: Das nächste Ziel wurde wieder ein Flop. Ich suchte die Kapelle Saint-Martin-des Champs, von der man viele Bilder im Netz kennt. Man sieht zumeist Aufnahmen aus grosser Distanz. Sie müßte weithin sichtbar ausserhalb eines Ortes auf einem Feld stehen, umrahmt von landwirtschaftlichen Gebäuden und in schlechtem Zustand. Nach meiner Planung sollte diese recht nah bei Chevru zu finden sein und so störte ich mich nicht daran, dass das Navi nach Eingabe von „Saint-Martin-des-Champs“ eine Reisedistanz von 20 Km ermittelte. Dort war wirklich eine mittelalterliche Kapelle an einer Scheune. Auch befand sie sich in schlechtem Zustand. Aber vieles stimmte einfach nicht.

DSC_0172

Saint-Martin des Champs, 77560 Voulton

Diese Kapelle von Saint-Martin-des-Champs sah anders aus und stand direkt an einer Strasse. Sie war auch nicht von landwirtschaftlichen Gebäuden umgeben, sondern von Bungalows. Ausserdem fehlte das Templertürmchen an der Westfassade. Ich hatte die falsche Martinskapelle erwischt. Auch hier würde ich nochmal hinmüssen.

Ich habe zuhause erst ermittelt, daß ich hier den Ortsteil St. Martin der Gemeinde 77560 Voulton erwischt hatte. Die gesuchte Kapelle liegt 20 Km weiter nördlich in dem Ortsteil St. Martin der Gemeinde 77320 La Ferté-Gaucher. Der eine Ort war im Ortsverzeichnis meines Navis eingetragen, der andere offenbar nicht. Diese Kapelle hier hat ersichtlich nichts mit den Templern zu tun.

2.3 Commanderie de Vulaines-les-Provins

Aber auch dieser Irrtum sollte sich auf unerwartete Weise bezahlt machen. Wäre ich nicht irrig nach Süden gefahren, hätte ich wohl nicht in Vulaines-les-Provins, das etwa 5 Km westlich von Provins liegt, auf dem Parkplatz vor einem merkwürdigen Gebäude halt gemacht. Mein Templer-Instinkt wurde durch drei Fakten geweckt. Im Burgund hatten die Templer eine Commanderie Voulaines-les-Templiers.  Die Kirche ist aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Die Templer waren in und um Provins sehr zahlreich begütert. Und wenn ich falsch liegen würde, hätte es auch nicht geschadet, hier einen Halt einzulegen. Denn das Bauwerk war kurios. Eine Kapelle direkt an die Mairie geklebt:

DSC_0193

77160 Vulaines-lès-ProvinsDSC_0194

Auch baulich sprach sehr viel dafür, dass es sich hier um eine Templerkapelle handelt. Es fehlt ein hoher Glockenturm. Eine gewöhnliche Gemeinde-Kirche sollte zudem nicht direkt baulich mit Profanbauten verbunden sein. Das würde die Öffentlichkeit verstört haben, denn diese erwartete schließlich, dass eine Kirche als Haus Gottes abgesondert stehen müsste. Auch die Größe sprach eher für eine Ordenskapelle. Interessant sind die Strukturen im Gemäuer. Hier schlossen sich noch andere Gebäude mit Gewölbedächern an. Man konnte auch hineinsehen, aber für gelungene Fotos fand ich keine Perspektive.

Zuhause habe ich dann festgestellt, dass Vulaines-lès-Provins tatsächlich als Templerort gelistet wird (Templiers.net) .

2.4 Commanderie de Rampillon

Das nächste Ziel war 12 Km weiter westlich. Nach Aubarbier, S. 49, ist Rampillon ein Templerort. Auch Gaillard, Les Hauts-Lieux Templiers, S. 442, vertritt diese Ansicht, ebenso wie die Gemeindeverwaltung. Das Ortswappen wird von drei Templerkreuzen geziert. An der Kirche befindet sich ein offizielles Hinweisschild, das die Templer als Bauherren der Kirche benennt.

DSC_0222

Hinweistafel

DSC_0198

Auch das Strassenschild scheint zu beweisen, das wir hier richtig sind.

Die Kirche in Rampillon ist mächtig und hat einen gewaltigen Kirchturm. Das ist eher untypisch für die Templer. Diese hatten zwar auch Kirchen unter Ordenspatronat (Sarnowski, Die Templer, S. 86), aber die meisten Templerkapellen, die ich kenne, haben allenfalls ein kleines Türmchen, was anzeigt, dass sie nur für Ordensmitglieder bestimmt sind.

DSC_0200

Église Saint-Éliphe, 77370 Rampillon, Südseite

DSC_0204

Süd-Portal Saint-Éliphe

DSC_0206

Solche „Torhüterfiguren“ (vgl. Christina Berns, Chapelle Templière du Saulce d’Island, academia edu) gibt es an Templerkapellen oft (La Saulce d’Island, Templecombe u.a.) aber auch an Deutschordenskirchen (Münnerstadt). Möglicherweise ist das nicht einmal typisch für Ordenskirchen, sondern auch bei „gewöhnlichen“ Kirchen anzutreffen, was ich noch nicht überprüft habe.

DSC_0209

Westportal Saint Éliphe

DSC_0214

Detail, links

DSC_0215

Detail, rechts

DSC_0216

Detail links unten, unbekleidete Körper erheben sich aus Särgen

DSC_0217

Unten rechts, eine feine Dame öffnet ihren Sarg

DSC_0220

Diese Abbildung stellt wohl den Kopf eines Ritters dar.

Für eine Templerkapelle sind aufwändige Verzierungen und gotische Pracht sehr fremd. Bernhard von Clairvaux, der geistige Ziehvater der Templer, lehnte die Pracht gotischer Kathedralen ausdrücklich ab. Dieser geistigen Tradition folgend, sind die Templerkapellen ganz überwiegend schlichte Rechteckbauten mit wenigen Skulpturen und sparsam bemalt, bis auf Montsaunès, Cressac und Perugia.

Nach Jack Bocar und Wikipedia  sind die Johanniter die Gründer dieser Kirche. Mit hörenswerten, aber nicht immer voll überzeugenden Argumenten wird auf der Webseite der Organisation Temple de Paris ausführlich dargelegt, dass es an der Zeit wäre, sich von dem bisherigen Irrglauben, es handele sich hier um eine Templerkirche, abzuwenden. Ich vermag den Meinungsstreit an dieser Stelle nicht zu entscheiden und finde, dass die Meinung des Temple de Paris mit meinem Bauchgefühl übereinstimmt. Ich habe noch keine derart dekorierte Kirche von den Templern gesehen. Die Johanniter schreckten bei ihren Bauwerken jedoch nicht vor gotischer Pracht zurück (Neckarelz, Bad Mergentheim). Das nächste Ziel, bitte sehr:

2.5 Commanderie de Savigny-le-Temple

Für mein letztes Tagesziel musste ich 40 Km nach Westen zurücklegen. Savigny-le-Temple ist schon in Reichweite des Nahverkehrssystems RER (S-Bahn) und damit als Vorort von Paris zu bezeichnen. Pulsierendes Leben und moderne Strassenschluchten katapultierten mich augenblicklich in eine andere Welt, ganz weit weg von der ländlichen Idylle, die mich bisher umgeben hatte. Savigny-le-Temple liegt ein paar Kilometer nördlich von Melun und auf halbem Weg zwischen Fontainebleau und Créteil am rechten Ufer der Seine, eingebettet zwischen der A 6 im Westen und der hier parallel dazu verlaufenden A 5 im Osten. Wie man der Cassini-Karte von 1774 – 1814 entnehmen kann, ging vor ca. 200 Jahren die Fernstrasse nach Paris mitten durch den Ort, was die Bedeutung des Ortes unterstreicht. Wir wissen aus dem Bericht von Februar 2017, dass diese Fernstrasse bis ins Burgund und letztlich bis nach Marseille führte.

Screenshot 2018-02-28 19.06.07

Carte Cassini Copyright Templiers.net

DSC_0257

Templerkirche Saint-Germain d’Auxerre, 77176 Savigny-le-Temple

DSC_0261

Ansicht von Süden

DSC_0242

Blick vom Vorplatz der Commanderie auf die Kirche

Die Ländereien erhielten die Templer im Jahre 1149 von König Louis VII nach seiner Rückkehr aus dem heiligen Land als Dank für ihre Dienste auf seinem Kreuzzug: concessimus villam nostram que appellatur Saviniacum (Quelle: Templiers.net m.w.N.).

DSC_0236

Nordflanke der Commanderie

DSC_0235

Ostflanke von Nord nach Süd

DSC_0232

Haupttor im Norden

Eine Hinweistafel an diesem Tor verrät, dass sich an dieser Stelle bereits in der Antike ein gallisch-römischer Gutshof befunden hat.

DSC_0243

Wasserlauf vor dem Haupttor

Nun war aber Feierabend für heute. Ich hatte genug schöne Sachen gesehen und es befand sich auch heute nichts mehr auf dem Programm. Für morgen stand nur noch eine Position auf der To-do-Liste. Dazu mußte ich aber erst nach Osten in die Champagne fahren. Ich verließ also Savigny-le-Temple gegen halb vier und erreichte gegen 17:00 meinen Lieblingsort am Lac-du-Temple, Piney. Leider war kein Zimmer mehr frei, aber man besorgte mir ein Hotelzimmer am Ostrand von Troyes und ich stellte fest, dass man fast überall in Frankreich was richtig gutes zu essen bekommt, wenn man die richtigen Leute fragt. Glücklich, satt und zufrieden beschloss ich diesen wunderbaren und interessanten Tag.

3. Région Grand-Est, Dépt. Marne, 51120 Barbonne-Fayel

Die Templerkirche von Barbonne-Fayel stand noch als letztes Ziel auf dem Programm, weil sie  Etappenziel einer von mir gerade untersuchten Templerstrasse von Paris über Coulommiers nach Troyes  sein könnte. Ich konnte sie auf dem Nachhauseweg einplanen und es dauerte von Troyes knapp eine Stunde. Die Ländereien für diesen Stützpunkt wurden den Templern im Jahre 1143 von einem Rosselin de Sézanne übertragen. Die Commanderie wurde 1295 in Urkunden als bedeutend erwähnt (wikipedia).

DSC_0265

Église Saint-Pere-et-Sain-Paul, 51120 Barbonne-Fayel

DSC_0269

Blick von Osten

DSC_0271

Die beiden Seitenkapellen sind von den Johannitern im 14. oder 15 Jh. angebracht worden.

DSC_0276

mittelalterlicher Teil der Nordwand

Rechts im Bild oben sieht man das im 18. Jh. angebrachte Hauptschiff. Auch das Westportal ist modern. Sie können es hier betrachten.

DSC_0281

Chorapsis aus der Templerzeit

Mit diesen Eindrücken verabschiedete ich mich aus der Champagne mit der Gewissheit, dass ich schon sehr bald wieder hier in der Gegend sein würde. 11 Templerorte in drei Tagen abgehakt, einschliesslich An- und Abreise.  Versuch und Irrtum waren auch wieder meine Begleiter, aber die Bilanz war eindeutig positiv. Ist man auf Reisen, kommen einem Tage wie Wochen vor. Eine ungeheure Bilderflut beschäftigte meine Gedanken auf der Rückfahhrt bei allerschönstem Wetter. Es hatte sich gelohnt. Ich hoffe, auch ein bisschen für Sie. Ich danke für Ihr Interesse.

2017, Lothringen, Champagne und Burgund

1. Metz, Dept. Moselle, Région Grand-Est

Am 01.01.2016 wurden die Régions in Frankreich neu organisiert und zu größeren Einheiten zusammengelegt. Die frühere Région Lorraine wurde mit der Région Champagne-Ardennes und der Région Alsace zusammengefasst und heisst jetzt Grand-Est. Man wird sich daran gewöhnen müssen.

Als ich das erste Mal im Jahre 2006 die Templerkapelle in Metz aufsuchte, lag Metz jedenfalls noch in Lothringen. Rund um die Templerkapelle waren aber zu meiner grossen Enttäuschung damals lärmende und staubende Bauarbeiten im Gange.  Die Fotos waren deshalb fast alle unbrauchbar, sodaß ein weiterer Besuch schon länger auf meiner Agenda stand und bei der ersten Gelegenheit im Jahre 2017 realisiert werden konnte.

In den 11 Jahren hatte sich einiges verändert. Die Rue de la Citadelle ist inzwischen für den Verkehr gesperrt, womit es keine Möglichkeit mehr gibt, in der Nähe der Kapelle zu parken. Es empfiehlt sich, das Arsenal über den Boulevard Poincaré anzufahren und die neue Tiefgarage unter dem Einkaufszentrum zu benutzen. Der kurze Spaziergang lohnte sich. Schon von weitem hatte ich freie Sicht auf mein Ziel, das Wetter war wunderbar und der Platz vor dem Arsenal diesmal menschenleer. Bei strahlendem Wetter gelangen mir endlich schöne und ungestörte Aufnahmen der Templerkapelle von Metz.

DSC_0101

Templerkapelle, 57000 Metz

Die Hinweis-Tafel verrät, dass dieses Bauwerk zwischen 1180 und 1220 als eines der ersten Templergebäude auf dem Gebiet des hl. römischen Reiches errichtet wurde. Nach der Auflösung des Templerordens im Jahre 1312 ging die Kommende in den Besitz des Deutschen Ordens über.  In der Folgezeit wurde die Kapelle als Munitionsdepot benutzt und erst 1840 unter Denkmalschutz gestellt und restauriert.

DSC_0114Ansicht von Westen

DSC_0111Templerkreuz im Tympanon

Es ist vielfach zu lesen, dass man von diesem Bauwerk eine „typische Architektur der Templer“ ableiten könne. Dabei wird regelmässig auch auf die Templerkapelle in Laon hingewiesen, die bekanntlich ebenfalls einen achteckigen Grundriss hat. Allerdings trifft das Gegenteil zu: Es gibt weder eine typische Templerarchitektur, noch haben die Templer oktogonale oder runde Zentralbauten erfunden. Die gab es schon lange vorher (vgl. Pfalzkapelle in Aachen). Die überwältigende Mehrzahl der Templerkapellen hat in Wahrheit vielmehr einen einfachen rechteckigen Grundriss, zumeist mit geraden Chorschluss (frz. chevet plat). Das konnte ich in meinen Reisen immer wieder bestätigt finden. Lambert (L‘ Architecture des Templiers, S. 164). weist daraufhin, dass die kleinen Kapellen von Laon und wohl auch von Metz als Friedhofskapellen angesehen werden müssen, die es so ähnlich auch vielfach in Einrichtungen der Johanniter gegeben hätte (a.a.O). Typisch für Templerkirchen ist allerdings, dass sie regelmässig drei Fenster im Chorschluss oder der Apsis aufweisen, so wie auch diese hier.

DSC_0120

Der Ostchor und die anspruchsvolle Dachkonstruktion

Die Kapelle war – wie meist – verschlossen. Für die Innereien interessiere ich mich auch nicht sonderlich, da von dem Urzustand kaum noch etwas vorhanden ist. Meine Mission hier in Metz war so gut wie beendet. Auf dem Rückweg zum Parkhaus wurde ich auf ein Gebäude aufmerksam, das noch aus der Römerzeit von Metz (Divodurum metriomatricorum)  stammt.

DSC_0124    Église Saint-Pierre-aux-Nonnains, Metz

Ich zitiere aus Wikipedia: Das Bauwerk ist gallo-römischen Ursprungs. Es wurde im 4. nachchristlichen Jahrhundert errichtet und war zunächst Teil römischer Thermen. Im 7. Jahrhundert wurde es zur Kirche eines Benediktinerinnen-Klosters geweiht, dessen erste Äbtissin Walrada von St. Pierre war. Wenig später wurde dem Gebäude eine Chorapsis angefügt. Weitere Änderungen erfuhr die Kirche im zehnten, 15. und 16. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert erhielt das Kirchenschiff gotische Gewölbe.

Nun musste ich mich aber aufmachen, denn Ich hatte für diesen ersten Tag noch einen weiteren, sehr geheimnisvollen Templerort vorgenommen. Dazu war eine Fahrt ins nördliche Burgund erforderlich und ich wollte dort noch vor Einbruch der Dunkelheit eintreffen.

 

2. Commanderie de Coulours, Dept. Yonne, Région Bourgogne-Franche-Comté

Nach einer knapp dreistündigen Autofahrt über Châlons-en-Champagne und Troyes erreichte ich gegen 17:00 mein Ziel. Es war noch hell genug, um gute Fotos zu gestatten. Coulours liegt etwa auf halbem Weg zwischen Troyes und Sens, keine 5 km hinter der Grenze des Departements 10 Aube mit dem Departement 89 Yonne und gehört damit nicht mehr in die Région Champagne. Es ist nicht ganz einfach, diesen Ort mit Google Maps zu finden. Wer damit Schwierigkeiten hat, sucht den Canton Cerisiers im Yonne und lässt sich dann eine Route nach Coulours ausgeben. Um mir die Suche vor Ort zu erleichtern, habe ich alte Lagepläne aus dem Buch von Michel Miguet, Les Templiers en Bourgogne, herauskopiert

Miguet Karten

(Copyright Michel Miguet)

und mit dem Kartenausschnitt von google maps verglichen.

couloursmap

(Copyright google maps)

Die Rue de l’Église war mit dem Navi ohne Probleme zu finden und auch die Stelle, an der rechts der Weg in das Gelände der ehemaligen Commanderie abzweigte.

DSC_0131

 

Wie man sieht, hat sich die Vorbereitung gelohnt. Der Weg schien öffentlich zu sein. Kein Schild untersagte das Betreten des Geländes. Ich fuhr also auf den Haupteingang zu

DSC_0133

 

und hielt vor dem verschlossenen Tor.

DSC_0135

Ich klopfte, aber es regte sich nichts. Ich wollte auch die Privatsphäre der Eigentümer nicht stören, also beschränkte ich mich auf Aussenaufnahmen. Zunächst wandte ich mich der Westflanke zu, also dem Bereich links neben der Hauptpforte

DSC_0134

Sodann fuhr ich wieder hinaus und stellte mein Fahrzeug an dem Commanderie-Schild ab, denn ich blockierte die Zufahrt. Anschliessend lief ich die Rue de l’Église hinab und bog nach links in die Rue Saint-Abdon ein, um von dort auf den Pfad zu gelangen, der an der Ostflanke der Commanderie entlangführt.

DSC_0146

In der Bildmitte sieht man die ehemaligen Kapelle der Commanderie, die seit langer Zeit als Scheune benutzt wird. Die Mauer und der Baumbewuchs verhinderten bessere Aufnahmen der Kapelle.

DSC_0150

Nur ein Foto verschaffte eine Ahnung von dem Aussehen des Gebäudes. Die beste Gesamtübersicht gelang mir von der Rue Saint-Abdon.

DSC_0165

Commanderie des Templiers, 89120 Coulours

Die Kirche von Coulours hatte eine recht interessante Fassade. Ich konnte nicht widerstehen

DSC_0163

Von Nordosten wirkte sie nicht mehr so klotzig und bedrohlich

DSC_0161

und mit dieser letzten Aufnahme verabschiedete ich mich von der 142-Seelen-Gemeinde Coulours und fuhr in die Champagne zurück. Genauer gesagt, nach Piney, einer kleinen Ortschaft 30 km westlich von Troyes und freute mich auf mein üppiges Abendessen in dem entzückenden Hotel Le Tadorne, das wir schon seit mehr als 10 Jahren immer wieder einmal aufsuchen. Piney war selbst einst ein Templerort, aber es findet sich nichts mehr davon in der Bausubstanz. Von hier aus kann man den Forêt d’Orient und den Lac du Temple erkunden und wird auch dort leider von den einst extrem zahlreichen Niederlassungen der Templer so gut wie nichts mehr entdecken. Dafür ist das Essen im Le Tadorne ausgezeichnet.

3. Commanderie Templière d’Avalleur, 10110 Bar-sur-Seine, Aube, Grand-Est

Nach einem sehr ruhigen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück brach ich nach Süden auf. Die Fahrt nach Avalleur (Gemeinde Bar-sur-Seine) verlief zunächst auf der D1 durch den Forêt d’Orient nach Geraudot. Mir war bewußt, dass auf diesem Abschnitt ehemalige, zum Teil besonders bedeutsame Templerfarmen im Wald versteckt liegen. Allerdings habe ich bisher noch keine Anzeichen oder Quellen dafür gefunden, ob und in wieweit auf den heute noch existierenden Gehöften Bausubstanz aus der Templerzeit übrig geblieben ist. Auf seiner Webseite Templiers.net listet und beschreibt Jack Bocar die Plätze der ehemaligen Gehöftplätze um die Commanderie de Bonlieu (es existiert dort heute ein Landwirtschaftsbetrieb unter dem Namen Earl de Bonlieu).

Bonlieu

(Copyright: Jack Bocar, www.Templers.net)

Auf dem Ausschnitt aus der sog. Carte de Cassini (1747-1818) erkennt man die Templerorte Bonlieu, La Loge-Madame und La Commanderie du Temple de l’Hôpital. Und diese drei Gehöfte kann man heute noch auf dem Satellitenbild erkennen.

Bonlieu2

(Google Maps)

Um den Nahbereich um den Lac du Temple näher zu untersuchen, würde ich einen ganze Tag benötigen, denn die Liste der Templerorte ist noch um einiges länger. Diese Recherchereise sollte jedoch einem anderen Zweck dienen:

Ich forsche – besonders im Burgund und der Champagne – seit längerem danach, ob sich eine Verbindung von Templerpäsenz mit einem mittelalterlichen Fernstrassennetz nachweisen lässt. Die Commanderie von Avalleur hatte ich aus zwei Gründen auf meiner Agenda. Zum einen hatte ich bei meinem ersten Besuch von Avalleur im Jahre 2007 Pech mit dem Wetter, denn es schneite.

Zum anderen war mir beim Markieren von Templerorten in Landkarten aufgefallen, dass in Bar-sur-Seine (in dessen Gemeindegebiet sich Avalleur befindet)  eine ganze Reihe von Fernstrecken aus bedeutsamen Städten fast sternförmig zusammen zu laufen schienen, an denen sich jeweils mehr oder weniger dicht gedrängt Templerorte aneinander reihten. Es ist noch zu früh, um Zufälligkeiten auszuschliessen, aber folgende Beobachtungen möchte ich hier einmal vorläufig festhalten:

Verläßt man Avalleur nach Westen, erreicht man nach 60 Km (zwei Tagesetappen?) die Commanderie von Coulours. Von Coulours geht es nordwestlich über Savigny-le-Temple zum Süden von Paris und südöstlich über die Templerorte Fontenay-pres-Chablis, Nuits-St. Marc und Montbard nach Dijon.

Savigny Dijon

(Copyright: Google Maps)

Reist man von Avalleur in nordwestliche Richtung, erreicht man bereits nach ca. 25 Km den Templerort Villers-les-Verrières und sodann über die weiter ziemlich gerade in einer Reihe liegenden Templerorte Troyes, Payns, Fresnoy (10400 Montpothier), Chevru, Coulommiers und Crecy-la-Chapelle schließlich den Osten von Paris.

Avalleur Chevru

(Copyright: Google Maps)

Wendet man sich von Avalleur nach Nordosten, gelangt man über die Templerorte Bar-sur-Aube (Hier kreuzt die Via Francigena und führt über Langres, Besançon und Pontarlier nach Lausanne !), Dagonville und Doncourt-aux-Templiers nach Metz.

Avalleur-Metz

(Copyright: Google Maps)

Wendet man sich nach Südsüdost, gelangt man in 35 Kilometern nach Châtillon-sur-Seine. Dort beginnt bekanntlich die von mir erstmals von mir nachgewiesene „Templerstrasse“ über die Templerorte Voulaines-les-Templiers, Bure-les-Templiers,  Busserotte-et-Montenaille, Selongey und Autrey-lès-Gray nach Gray an der Saône. In Gray gab es schon im Mittelalter eine Brücke über die Saône. Die Templerstrasse vereinigt sich  wohl aus diesem Grund in dem Ort Gray mit der Via Francigena, die dort von Langres aus eintrifft und anschliessend nach Besançon weiterführt.

Avalleur Gray

(Copyright: Google Maps)

Nach diesen halbgaren, theoretischen Erwägungen oder Spekulationen möchte ich Ihnen aber auch nicht mehr länger die Bilder von Avalleur vorenthalten. Vor Ort habe ich zu meiner grössten Freude und Überraschung festgestellt, dass man inzwischen ernsthaft damit begonnen hat, die Gesamtanlage einer gründlichen Restaurierung zu unterziehen. Die Freude darüber war größer als die Enttäuschung, dass ich wegen der Bauarbeiten den Vorplatz vor der Kapelle nicht betreten durfte und so konnte ich vom aktuellen baulichen Zustand nur Aufnahmen von ausserhalb des Geländes mitbringen.

DSC_0191

Chapelle des Templiers, Avalleur, 10110 Bar-sur-Aube, 2017

Die Kapelle befand sich auch 2007 schon in einem ganz ordentlichen Zustand, aber die profanen Gebäude der Commanderie waren doch schon recht heruntergekommen.

Burgund 230

Maison du commandeur, 2007

Ich bin dem Reiz erlegen, in diesem Beitrag Bilder von 2007 mit denen von 2017 zu vergleichen. Hier ein Blick auf die Südflanke (Die Kapelle zeigt indes nicht exakt nach Osten sondern nach Ostsüdost. Die Blickrichtung auf das Gebäude ist also eher aus Südsüdwest.)

Burgund 241

Commanderie Avalleur, Südseite, 2007

DSC_0183

Commanderie Avalleur, Südseite, 2017

Finden Sie die 10 Unterschiede? 🙂 Noch gravierender haben sich die Renovierungsarbeiten an der Nordflanke ausgewirkt:

Avalleur Tripadvisor

(Copyright: Tripadvisor)

DSC_0177

Und aus ähnlichem Blickwinkel mein Foto von 2017

4. Commanderie d’Épailly, 21520 Courban, Côte-d’Or, Bourgogne-Franche-Comté

Von Avalleur bis zu meiner nächsten Etappe Épailly waren es ca. 40 km in südöstlicher Richtung. Ich bemerkte, dass die Ortsnamen, die ich passierte, häufig den Zusatz „sur-Ource“ enthielten. Ich wußte, dass Voulaines-les-Templiers an eine Fluß dieses Namens liegt. Mir war aber nicht klar, dass ich mich so nah an dieser „Templerstrasse“ von Châtillon-sur-Seine nach Gray befand. Ich wähnte diese tief unten im Burgund und mich noch halb in der Champagne. Tatsächlich passiert man etwa auf halber Strecke die Grenze zwischen den Departements Aube und Côte-d’Or, mithin auch die Grenzen der Régions Grand-Est und Bourgogne-Franche-Comté.

Nach Aubarbier, S. 75, entstand die Commanderie von Épailly im Jahr 1209 aufgrund einer Spende des Grafen von Bar-sur-Seine. Die Templer erhielten zudem mehr als 60 Güter in der Umgebung, u.a. auch in dem Ort Courban.

DSC_0207

Commanderie d’Epailly, 21520 Courban

Die Commanderie hat gewaltige Ausmasse. Die in südöstlicher Richtung verlaufende Aussenmauer dürfte ca. 100 m lang sein.

DSC_0219

Chapelle des Templiers

DSC_0222

Commanderiegelände von Osten

Es fällt auf, dass diese riesige Kapelle fast exakt nach Osten ausgerichtet ist. Das erklärt auch den Winkel der Kapelle zur Aussenmauer.

Burgund 135

Westfassade (2010, Foto Thorsten Stute)

Ich hätte die Kapelle sehr gerne aus der Nähe angesehen. Der Verwalter, mit dem ich mich diesmal bestimmt eine halbe Stunde in ein Gespräch verstrickt habe, hätte es mir von Herzen gerne gestattet. Er sah sich aber daran gehindert, weil der Bürgermeister von Courban vom Zutritt von Besuchern dringend abgeraten hätte. Die Kapelle sei nicht sicher, es könnten Steine vom Dach herabstürzen. Seine Chefin, eine Deutsche, würde bei mir vielleicht eine Ausnahme machen aber sie sei nicht da und er habe Anweisung, niemanden näher treten zu lassen.

DSC_0204

Blick auf die Nordwestecke von Westen

DSC_0205

Detail an der Fassade: Fenstersturz aus dem sechzehnten Jahrhundert, typisch für Bauten der Johanniter. Solche Fensterstürze gibt es sonst noch an den Profangebäuden der Templerkommenden von Villemoison, Avalleur, Penmarc’h, Loc Amand u.v.m.

Zum Schluss zeige ich noch eine Übersicht über die mächtige Commanderie aus der Satellitenperspektive:

Epailly

Commanderie d’Epailly (copyright: Google maps)

Es dürfte die einzige Commanderie mit Hubschrauberlandeplatz sein. Und ich habe so für mich gedacht, an welcher Stelle ich in meinem Leben falsch abgebogen bin 🙂

5. Commanderie de Nuits-Saint-Marc, 89390 Nuits-sous-Ravières, Yonne, Région Bourgogne-Franche-Comté

Als nächstes Etappenziel hatte ich mir einen Ort im Département Yonne ausgesucht. Dazu musste ich 50 Km südwestlich fahren und traf dort gegen 13:00 Uhr ein. Die Commanderie liegt ca. 500 Meter nördlich des Ortes Nuits-sous-Ravières sehr malerisch am linken Ufer einer Schleife des Flusses Armançon.

Nuits

Commanderie Nuits-Saint-Marc, (copyright: google maps)

Sie wird erstmals im Jahre 1186 in einer Urkunde des Bischofs Manassés von Langres erwähnt (Maximilien Quantin, Histoire des Ordres religieux et militaires dans le Département de l’Yonne, 1882, S. 249.)

DSC_0238

Commanderie Nuits-Saint-Marc, Anfahrt von Süden

DSC_0240

Die Kapelle der Commanderie ist aus dem 12. Jahrhundert und offensichtlich sehr gut erhalten. Sie ist 15,70 m lang und 6,50 m breit (Quantin, a.a.O).

DSC_0249

Gebäude an der Ostseite der Commanderie

DSC_0239

Nordwestflanke, Stallungen?

Mit dieser Aufnahme verabschiedete ich mich von Nuits-Saint-Marc. Mein nächstes Ziel lag in nördlicher Richtung, nur etwa 7 Km flußabwärts.

6. Église Saint-Jean Baptiste, 89160 Chassignelles, Yonne

Chassignelles befindet sich am rechten Ufer des Armançon. Die Domaine du Temple de Chassignelles wurde nach Jack Bocar im Jahre 1246 als Nebenstelle der Commanderie St. Marc beigeordnet. Die Kapelle Saint-Jean Baptiste, die streng nach Osten ausgerichtet ist,  wurde  in mehreren Abschnitten zwischen 1150 und 1300 erbaut und befindet sich weit ausserhalb östlich des Ortes, weshalb Bocar (a.a.O) annimmt, dass sie vormals als Friedhofskapelle gedient habe.

DSC_0252

Saint-Jean-Baptiste, 89160 Chassignelles, Blick vom Ort aus nach Osten

DSC_0264

Der Blick Südosten auf die Kapelle läßt die unterschiedlichen Ausbaustufen erahnen…

DSC_0261

… und zeigt den geraden Chorabschluß (chevet plat) mit den für die Templer typischen drei Fenstern

DSC_0260

Bei diesen Gebäuden, die ein paar Schritte weiter in südöstlicher Richtung hinter der Kapelle liegen, könnte es sich um die ferme der Templer gehandelt haben.

DSC_0253

Blick von der Kapelle nach Westen auf den Ort Chassignelles, hier das erste Gehöft, das anscheinend Teile der Schutzmauer des Ortes beinhaltet.

Die auch von Aubarbier S. 70 gestützte Annahme Bocars, dass die Templer in Chassignelles Güter oder Rechte besassen, beruht auf den Angaben Maximilien Quantins, 1882, S. 25.  Hingegen findet sich weder bei Michel Miguet, Les Templiers en Bourgogne, noch bei Delphine Marie, Les Templiers dans le Diocèse de Langres ein entsprechender Hinweis auf diesen Ort.

7. 89160 Ancy-le-Franc, Yonne

Umso genauer sind jedoch die Hinweise von Delphine Marie zu den  Rechten der Templer in Ancy-le-Franc, eine 1000-Seelen-Gemeinde 2 Km weiter nördlich flußabwärts. Dort gibt es ein prachtvolles Rennaissance-Schloß (1536), dem ein befestigter Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert weichen mußte (Wikipedia, a.a.O). Die Église-Sainte-Colombe zeigt sich heute in ihrem Zustand seit 1885, jedoch geht auch dieses Gebäude auf einen Ursprung im 13. Jahrhundert zurück. Ein direkter Bezug zum Templerorden besteht ersichtlich nicht, wenngleich die Mitglieder des Ordens diese Kirche in Ermangelung einer eigenen mitbesucht haben dürften (vgl. Demurger, Aufstieg und Untergang, S. 164).

DSC_0265

Église-Sainte-Colombe, 89160 Ancy-le-Franc

Nach Delphine Marie, S. 136, besassen die Templer in und um Ancy-le-Franc Ländereien, die sie bestellten, sowie ab 1211 Rechte an der Mühle des Ortes. Im Jahre 1224 wurde ihnen gestattet, eine Scheune zum Einzug der Steuern (grange aux dîmes) zu bauen. Im Ort gibt es enorm viele Mauern und Gebäude, die mit Steinen aus früheren Epochen offenbar neu errichtet worden sind (vgl. etwa das Schuppengebäude links im obigen Bild. Es ist daher vor Ort nicht auszumachen gewesen, an welcher Stelle die Grange des Templiérs einstmals gestanden haben mag.

Zufällig viel mein Blick beim Herumfahren im Ort auf folgendes Gebäude:

DSC_0293

38, Grand Rue, 89160 Ancy-le-Franc

Das große Tor scheint zum Einfahren von Fuhrwerken gebraucht worden zu sein. Auch scheint die Höhe des Gebäudes für eine Zehntscheune zu sprechen (Eine Bildauswahl für granges dîmières finden Sie hier). Ein Hinweisschild gab es jedoch nicht. Ich war hier im Département Yonne vorerst fertig. Für die zweite Übernachtung hatte ich mir ein Hotel in Dijon gebucht. Bevor ich jedoch ans Abendessen auch nur denken durfte, lagen jedoch noch weitere 100 Km Weg vor mir, zurück ins Département Côte-d’Or.

8. Commanderie de Fontenotte, 21120 Til-Châtel, Côte-d’Or

Die ferme de Fontenotte liegt etwa 3 Km südöstlich von Til-Châtel. Man erreicht sie, indem man die D974 von Til-Châtel nach Dijon befährt und auf folgendes Schild achtet:

DSC_0309

Man verläßt die D974 auf einem rechtwinklig nach links abbiegenden Schotterweg, auf dem man ca. einen Kilometer bis zu einem Waldstück entlang fährt. Ich traf hier um ca. 16:15 Uhr ein. Das Wetter hatte sich im Laufe des Nachmitags noch verschlechtert.

DSC_0308

Man nähert sich dem ehemaligen Commanderie-Gelände von Nordwesten. Im Wald knickt der Schotterweg nach links ab und führt auf das Haupttor, das mit Kameras bewacht wird.

Screenshot 2018-02-11 13.29.04

Ferme de Fontenotte, (copyright: google maps)

Vor dem Haupttor biegt der Weg wieder nach rechts ab und man steht vor der mit übermannshohen Mauern geschützten

DSC_0306

Südflanke der Ferme de Fontenotte

DSC_0305

Wieder nach links abgebogen steht man vor der Ostflanke.

Der Turm gehört zum Treppenhaus des Herrenhauses (Le logis), wie ich später bei Miguet, S. V.  nachschlagen konnte. Hier biegt der Weg wieder nach rechts ab.

DSC_0297

Blick von Osten

DSC_0303

Osttor, Nahaufnahme.

Nach Miguet kann man hier auch eine mittelalterliche Scheune bestaunen, aber hierzu hätte ich mir Einlass verschaffen müssen. Es war aber niemand da, den ich darum hätte bitten können.

Eine Kapelle gibt es auf diesem Gelände nicht mehr. Ich hatte schon vor einigen Jahren bei Julien Frizot, Sur le pas des Templiers en terre de France, S.102f, gelesen, dass die 15 m auf 6 m große Kapelle dort im Jahr 1960 Stein-für-Stein abgebrochen und anschliessend etwas außerhalb von Dijon, der Hauptstadt des Burgund, ebenso wieder aufgebaut wurde. Diese Location war also mein nächstes Ziel.

9. La chapelle de La Bergerie, 21000 Dijon

Ich erreichte nach ca. einer halben Stunde, gegen 17:00 die Hauptstadt des Burgund, die etwa 30 Km südwestlich von Fontenotte liegt. Man verläßt Dijon auf der Route de Corcelles (D108G) in südwestliche Richtung und  erreicht nach wenigen hundert Metern den Parc de la Combe Saint-Joseph und ein Hinweisschild La Bergerie, welches nach links weist.

Screenshot 2018-02-11 14.43.19

(Copyright: google maps)

Die Kapelle wurde beim Neuaufbau 1962 nicht nach Osten ausgerichtet. Der Chor zeigt nach Norden.

DSC_0310

Chapelle Fontenotte, La Bergerie, 21000 Dijon

DSC_0312

chevet plat, 3 Fenster

DSC_0314

niedriger Seiteneingang mit Templerkreuz

DSC_0315

Hinweisschild von 1962

DSC_0320

„Westfassade“ von Süden, mit Haupteingang

Jetzt durfte ich mich langsam auf mein Abendessen freuen. Mein Nachtquartier war im Hôtel des Ducs gebucht. Ich mußte nur noch dort einchecken und das Auto unterstellen. Das Hotel ist nur ein paar Schritte von der Place de la Libération entfernt. Dort suchte ich mir ein Restaurant gegenüber dem Palast der Herzöge von Burgund. Es schmeckte entsprechend fürstlich und die Anstrengungen des Tages gerieten so schnell in Vergessenheit.

10. Chapelle Saint-Jacques, 21200 Beaune

Offenbar war auch das Frühstück in meinem Hotel fürstlich, denn ich erreichte meine erstes Etappenziel für diesen dritten Tag meiner Reise erst gegen 11:00. Beaune liegt ca. 45 Km südwestlich von Dijon. Das Wetter hatte sich zusehends gebessert, es gab ein wenig Sonnenschein und der Dauerregen hatte aufgehört.

Bei Beaune liegt ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt Frankreichs. Hier trifft die A 36 „La Comtoise“ von Basel und Mulhouse auf die A 6 „Autoroute du Soleil“ von Paris nach Lyon. Wie ich noch zeigen werde, spielte dieser Verkehrsknotenpunkt auch im Mittelalter eine wohl überragende Rolle. Jedenfalls beginnt in Beaune eine regelrechte „Templerstrasse“ in Richtung Süden. Die Templerhäuser drängen sich hier nun dicht an dicht aneinander. In dem Bereich der 50 Km zwischen Chalon-sur-Saône und Mâcon, in dem die Fernstrasse fast direkt an der Saône entlangführt, existierten –  sage und schreibe – 9 Templerorte in einem Abstand von jeweils ca. 5 Km in einer Reihe.

BeauneMontbellet map

(Mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung von Jean-Luc Aubarbier, La France des Templièrs)

Die Saône ist hier schon lange zu einem breiten Strom angewachsen. Es dürfte spannend werden, zu untersuchen, ob die Templer eventuell auch Hafenanlagen unterhielten, so wie in Mainz (vgl. Mainzer Templertor).

Um die ehemalige Commanderie zu erreichen, wendet man sich in Beaune nach Süden in den Stadtteil (Faubourg) Saint-Jacques, begibt sich in die nach dem letzten Grossmeister des Tempelordens benannte Rue Jacques de Molay und fährt diese nach Südwesten bis zur Rue du Faubourg Saint-Jacques. Am dortigen Kreisel nimmt man die dritte Ausfahrt nach Südosten und sucht sich sofort einen Parkplatz, denn gleich hier führt ein Schotterweg von der Rue du Faubourg Saint-Jacques (Hausnummer 25) zur Templerkapelle.

DSC_0331

Hinweistafel am Gebäude

Vier Orte in Frankreich tragen den Namen Molay, aber zwei lassen sich leicht aussondern, weil sie im Calvados und im Yonne liegen. Denn man weiß sicher, dass Molay weder in der Normandie noch im französichen Herzogtum Burgund zur Welt kam, sondern velmehr in der damals noch zum deutschen Kaiserreich gehörenden Freigrafschaft Burgund (Franche-Comté). Demurger hat sich die Mühe gemacht, das Für und Wieder für die beiden, weiter noch in Frage kommenden Ortschaften abzuwägen und neigt – wie ich finde, mit guten Gründen – dazu,  die Ortschaft 70120 Molay im Kanton Vitry (Dept. Haute-Saône) als Geburtsort vorzuziehen (Demurger, Der Letzte Templer, S. 22f.). Einvernehmen besteht, dass de Molay im Jahre 1265 durch den General-Visitator von Frankreich in den Orden der Templer aufgenommen wurde, und zwar in dieser Kapelle in Beaune (Demurger, S. 48).

DSC_0333

Chapelle des Templièrs, 21200 Beaune, Westfassade

Die Kapelle ist heute sehr schwer fotografisch einzufangen. Auf dem Nachbargrundstück ist vor nicht allzulanger Zeit ein Gewerbebetrieb errichtet worden. Von dessen Parkplatz hat man zwar noch immer eine gute Sicht, aber ein Zaun stört auf den Fotos. Wenn man sich vor den Zaun stellt, reicht der Platz nicht für einen günstigen Winkel.

DSC_0340

Blick auf die Nordflanke mit Hauptportal

Wie man auf diesem Bild gut erkennen kann, wird die Kapelle an beiden Enden von neueren schuppenähnlichen Gebäuden flankiert. Die Kapelle ist aus der Ost-West-Achse etwas herausgedreht und zeigt eher nach Ostsüdost.

DSC_0338

Blick von Nordost auf das Hauptportal

Das Hauptportal war einst aufwendig verziert. Der Portalvorbau wurde jedoch entweder 1919 (Aubarbier, S. 79) oder 1923 (Miguet, S. 38) demontiert und an eine Neo-Templergesellschaft in Boston verkauft (Aubarbier aaO). Miguet hat ausfindig gemacht, dass der Portalvorbau heute im Cloister Museum von New York ausgestellt wird. Dort wurde ich auch fündig:

Screenshot 2018-02-13 17.39.58Public domain, Copyright Metropolitan Museum of Arts

DSC_0341

Detailansicht Nordseite

DSC_0333

westlicher Giebel mit Templerkreuz und Schuppenvorbau

Der letzte Großmeister der Templer Jacques de Molay endete auf dramatische Weise nach einem der größten Justizskandale des Mittelalters auf dem Scheiterhaufen. Es würde den Rahmen dieses Reiseberichts sprengen, sich den Hintergründen und Umständen der Prozesse hier näher anzunehmen. Ich wage aber den Versuch, den Konflikt und die Akteure mit einigen Sätzen zu skizzieren:

König Phillip IV von Frankreich, genannt „le Bel“, wollte den Orden aus verschiedenen Gründen vernichten. Sein Gegenspieler, Papst Clemenz V, war nicht stark genug, sich mit aller Macht seines Amtes gegen seinen überehrgeizigen Widersacher zu stellen. Er hätte ihn ohne weiteres exkommunizieren können aber er fürchtete sich vor diesem Schritt, damit es ihm nicht erginge, wie dem früheren Papst Bonifatius VIII. Dieser wurde vom Berater König Phillips, Guillaume de Nogaret, so hart attackiert, dass er schliesslich verstarb. Es war auch de Nogaret, der durch fragwürdige Zeugen allerlei widerwärtige Gerüchte über ketzerisches Benehmen der Templer ins Spiel brachte. Letztlich führte das zu der bekannten Verhaftungswelle am Freitag, den 13.10.1307. Durch Folter erzielten die Beamten des Königs recht schnell „Beweise“ für die Gotteslästerungen des Ordens, die aber den Papst nicht überzeugten. Der Templerorden unterlag der Gerichtsbarkeit des Papstes, aber der König bestand darauf, die weltliche Gerichtsbarkeit über die Einzelpersonen des Ordens auszuüben.

Wohl unter Folter und wohl auch wahrheitswidrig gab de Molay am 24.10.1307 zu, bei seiner Aufnahme in dieser Kapelle in Beaune auf Anweisung und widerwillig neben das Kreuz gespuckt zu haben. Von weiteren anstössigen Praktiken bei der Aufnahme wisse er nichts (Demurger, S. 248.)  Am 27.12.1307 widerrief de Molay sein Geständnis und beklagte sich vor einer päpstlichen Kommission in Nôtre-Dame über Folter und schlechte Behandlung  (aaO, s. 249f.). In der Folge verlangte er, nur noch mit dem Papst persönlich zu sprechen, was ihm aber nicht gewährt wurde. Also schwieg er ab jetzt.

Das juristische Tauziehen zwischen dem ängstlichen Papst und dem ehrgeizigen König kürze ich hier ab. Man verständigte sich immerhin darauf, dass der Prozeß gegen den Orden der päpstlichen Gerichtsbarkeit understand, währen die Justizorgane des Königs über die persönliche Schuld und Strafe der einzelnen Mitglieder des Ordens zu richten hatten. Der Prozeß gegen den Orden fand bereits im Jahre 1312 vor dem Konzil von Vienne sein Ende: Am 06. Mai 1312 verkündete der Papst die Auflösung des Ordens, die Einziehung seiner Güter und die Übertragung derselben auf den Johanniterorden und zwar nicht, weil er den Orden für schuldig hielt, sondern weil sein Ansehen durch die jahrelangen Beschuldigungen und Prozesse schon zu sehr gelitten habe (Demurger, S. 266).

De Molay schwieg auch noch im März 1314, als drei Kardinäle in Paris das Urteil über ihn sprechen sollten. De Molay wußte, dass ein Widerruf seines Geständnisses vor Beamten des Königs als „Rückfall zur Ketzerei“ angesehen und so seinen sicheren Tod bedeuten würde. Er hoffte offenbar auf ein mildes Urteil, weil er ja nur Lappalien gestanden hatte. Um so zorniger war er, als er nach dem Schauprozeß auf dem KIrchplatz vor Nôtre-Dame am 18.03.2014  sein Urteil hörte, das auf lebenslange Haft lautete. Er widerrief daraufhin sämtliche Geständnisse. Der König fackelte nicht lange. Noch am gleichen Tag ließ Phillipp IV die beiden Würdenträger de Molay und de Charney auf einer damals vorhandenen kleinen Insel vor der Spitze der Île-de-la-Cité (heute: Square du Vert Galant) auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Screenshot 2018-02-14 22.07.57frz. Miniatur, 15 Jh. Copyright Wikipedia commons

Screenshot 2018-02-14 22.08.21

Hinweistafel auf dem Square du Vert Galant, copyright Wikipedia commons

Beide Darstellungen unterliegen den Regeln des  Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International und stammen aus dem Wikipedia-Eintrag über Jacques de Molay.

König Philipp hatte nicht lange Zeit, sich über sein Werk zu freuen. Er starb am 29.11.1314 an einem Jagdunfall. Auch der Papst Clemenz überlebte den letzten Grossmeister nur um etwas mehr als einen Monat: Er starb am 20.04.1314 in Roquemaure (bei Avignon), wie es heißt, nach langer und schwerer Krankheit (Barber, Die Templer, S. 278.) Einige Chronisten kamen wohl deshalb auf die Idee, de Molay habe seine Feinde auf dem Scheiterhaufen verflucht (aaO).

11. Chapelle Sainte Catherine, 71260 Montbellet, Saône-et-Loire

Mein nächstes Ziel war gleichzeitig das letzte auf dieser Reise. Ich mußte ca. 70 km südlich fahren. Das Wetter wurde immer sonniger und ich erreichte nach einer wunderschönen Fahrt am rechten Ufer der Saône entlang Montbellet gegen 12:30. Ich hatte noch nie zuvor die Landstrasse am Saône-Ufer benutzt und von der Autobahn A 6 nimmt man die Schönheit der Strecke nicht so deutlich war. Nach Westen erheben sich sanfte Hügel. Das Saône-Tal bietet ideale Bedingungen für die Platzierung strategisch wichtiger Stationen. Die Fernstrasse war nicht nur zur Zeit der Templer wichtig. Miguet (S. 66) weist darauf hin, dass schon zur Zeiten der Römer die Trasse der A6 für ihre Via Agrippa verwendet wurde und dass die Platzauswahl der Templer hier keineswegs zufällig getroffen wurde.

Screenshot 2018-02-15 20.37.21

Copyright Wikipedia

Man sieht, dass die oben angesprochene Templerstrasse südlich von Chalon-sur-Saone (= lat.  Cavillonum) sich an der zuvor schon vorhandenen Trasse der Römerstrasse orientiert. Das ist bisher der klarste Beweis, den ich für die These gefunden habe, dass die Templer ihre Stationen regelmässig entlang bereits vorhandener Fernstrassenstrecken installiert haben. Das stand bei dieser Reise im Vordergrund und ich bin mit dem gefundenen Zwischenergebnis sehr zufrieden.

Montbellet ist recht klein und so hatte ich mich mal wieder nicht ausreichend vorbereitet in der Hoffnung, dass ich die Templerkapelle vor Ort ohne weiteres finden konnte. Ich mußte aber bei der Mairie nachfragen und man druckte mir eine Karte für den Weg aus, denn die Commanderie liegt in einem Örtchen namens Mercey ausserhalb von Montbellet. Der Weg nahm nur ein paar Minuten in Anspruch. Und das Ziel erwies sich als atemberaubend.

DSC_0347

Anfahrt von Süden, man erkennt einen Gewässerlauf vor der Commanderie

DSC_0350

Chapelle des Templièrs Sainte-Catherine, 71260 Montbellet

Miguet weist darauf hin, dass diese Kapelle rätselhafterweise nicht wie üblich nach Osten sondern nach Nordenausgerichtet ist.

DSC_0351

Nordfassade

Die heilige Katharina wurde auch und besonders von den Kreuzrittern zur Schutzheiligen ausgewählt (Nachweis: Vierzehnheilige). Sie wird mit einem Rad (Folterinstrument) abgebildet.

Mit diesen schönen Bildern endete meine Reise und auch der Beitrag hier. Ich bedanke mich für Ihr Interesse.

2016, Oktober, Catalunya Teil 3

Catalunya – Teil 3

Im Oktober 2016 bot sich nochmals die Chance, Ferien in dem schönen Haus in Masos de Pals zu verbringen. Weil es uns im Mai dieses Jahres dort so ausnehmend gut gefiel (siehe Templerreise Mai 2016) , liessen wir uns das nicht zweimal sagen und  brachen voller Vorfreude auf. Die Strapazen der sicherlich nicht gerade kurzen Anreise war spätestens am nächsten Morgen vollends verflogen, als wir auf der sonnenüberfluteten Terrasse die frisch gekauften Croissants und Avocados zum Frühstuck geniessen konnten. Die erste Woche verbrachten wir mit Ausflügen in die Umgebung, besuchten Märkte in verschiedenen Orten in der Nähe und genossen das mediterrane Leben. Der Pool war auch noch erträglich temperiert. Inzwischen gab es hier eine gute Internetanbindung, die mir half, die Reisen vor Ort noch viel genauer zu planen.

1.1 Comarca Vallès Occidental

Palau-solità i Plegamans

Im Mai war ich an dieser Station mehr oder weniger gescheitert. Wir hatten zwar an mehreren Stellen mittelalterliche Gebäudereste ausfindig gemacht, die auch den Templern zuzuordnen sein dürften, aber die Templerkapelle haben wir verpasst. Um diese „Scharte auszuwetzen“ , durchsuchte ich das Internet auf einen Lageplan der ehemaligen Komturei von Palau. Auf der Homepage cosasdelvalles wurde ich fündig:

palau.jpgQuelle: cosasdelvalles

Leider war die Beschriftung der Skizze nur schwer zu entziffern. Strassennamen waren nicht angegeben. Das Gewässer Riera de Caldes, das auf der Skizze breiten Raum einnimmt, erwies sich in natura eher als Bach. Die Kirche Santa Maria, die ich im März besucht hatte, war jedenfalls die Pfarrkirche von Palau. Sie muß sich deshalb in dem schwarz hinterlegten Bereich oben links auf der Skizze befinden, denn dessen Beschriftung lautet Parroquia de Palau-solità und Parroquia heisst Pfarrei. Die Beschriftung des schraffierten Bereiches rechts von der Mitte der Skizze lautet Antic recinte templer und links neben der Stelle steht Nucli de St. Magdalena. Nucli bedeutet Kern, Zentrum. Die kreisförmige Struktur „El Fernot“ soll die Stelle bezeichnen, an der sich einst eine Mühle befunden hat. Ich hatte mich an den Bach erinnert, aber der bot keine Orientierungshilfe, weil man dessen Verlauf und seine Krümmungen vom Auto aus nicht sieht. Ich musste also versuchen, auf google maps die Stelle zu finden. Es gelang:

palaumap.jpggoogle maps

Oben sieht man die Pfarrkirche Sta. Maria sowie die Carrer Templers, unten erkennt man die Carrer Templer Guido  nach Süden aus dem Kartenauschnitt hinauslaufen. Mit dieser Skizze und der daraus gewonnenen Erkenntnisse wurde ich nunmehr auch vor Ort fündig.

DSC_0002

Ansicht der Komturei von der Carrer Pompeu Fabra

DSC_0005

Nach dieser Tafel handelt es sich bei dieser Anlage, die im Privatbesitz steht, um ein Kulturgut von nationalem Rang. Es ist danach offensichtlich gestattet, das Gehöft auch zu betreten. Die Eigentümer betreiben hier Landwirtschaft und verkaufen ihre Erzeugnisse vom Hof. Ich klingelte vorsorglich, weil ich mich nicht wie ein Eindringling fühlen wollte. Die Inhaberin nahm an, ich wollte etwas kaufen. Als ich ihr sagte, ich wollte nur fotografieren, sagte sie, das wäre völlig in Ordnung. Und so gelang mir endlich der heiss ersehnte Fototermin mit Santa Magdalena:

DSC_0007

comanda Santa Magdalena de Palau de Vallès

DSC_0009

Die Kapelle ist aus dem frühen 12. Jahrhundert. Sie war offenbar lange als Stall genutzt.

DSC_0012

Auf dem Gehöft selbst war nur die Kapelle für meine Studien interessant. Die übrigen Gebäude sind zumeist modern und dienen als Abstellräume für Alltagsgegenstände. Zudem wollte ich die Privatsphäre der Eigentümer nicht unnötig beeinträchtigen.

DSC_0013

Ich verließ den Hof wieder und machte ausserhalb dieses vollständig ummauerten Innenbereiches noch einige Aufnahmen.

DSC_0023

 

 

Westliche Aussenmauer des Gehöfts. Für meine Begriffe ist das der Originalzustand aus dem Mittelalter.

DSC_0022

Gebäude ausserhalb der südwestlichen Ecke des Gehöfts, teilweise unter Verwendung mittelalterlicher Steine errichtet. (Möglicherweise auch Originialzustand?)

DSC_0004

Ein letztes Foto noch von einem links neben dem Haupteingang befindlichen Schuppen und mit diesem Blick verabschiedete ich mich aus Palau-solità und fuhr zurück nach Pals. Zum Abendessen wagte ich mich an die Zubereitung der ersten Paella meines Lebens. Damit sie auch zu den Eindrücken des Tages passte, wurde es eine Templer-Paella:

20161018_192410

 

2 Provincia de Lleida

Gardeny, Lleida

Für den nächsten Tag hatte ich mir vorgenommen auf der sogenannten „ruta del Temple“ soviele der berühmtesten Templerburgen Spaniens – oder besser gesagt, des damaligen Königreichs Aragon – wie möglich zu besuchen. Diese Burgenstrasse zieht sich von Monzón im Nordwesten bis nach Peniscola im Süden hin. Während wir bisher in Katalonien – mit der Ausnahme von Barberà de la Conca – nur die Kapellen der Templer vorgefunden hatten, standen hier nun mächtige Trutzburgen als wahre „Bollwerke der Christenheit“ gegen das inzwischen schon um einige hundert Kilometer nach Süden zurückgedrängte „Al Andalus“ , die es zu erforschen galt.

Screenshot 2017-02-25 10.59.45Quelle: La Ruta del Temple

Von Pals nach Gardeny in der Stadt Lleida waren es schon knapp drei Stunden. Nach Monzón hätte ich noch eine weitere halbe Stunde gebraucht. Das erschien mir zu weit und so entschied ich mich, in Lleida zu beginnen und dann vor Ort zu entscheiden, was mir an diesem Tag sonst noch gelingen würde.

Screenshot 2017-02-25 10.58.52

Quelle: ebreguia.com

Die Templerburg in Lleida heißt Castell de Gardeny. Und ich hielt es für eine extrem schlaue Idee, meinen Navi auf das Ziel: Carrer del Castell de Gardeny einzustellen. Damit begann eine neue trial-and-error Tournee durch Spanien. Leider gelang mein Aufbruch in Pals nicht vor 9:00 Uhr sodaß Lleida erst um 11:45 Uhr erreicht werden konnte. Ich hatte mich der Stadt von Süden genähert und die Brücke über den Fluß Segre passiert. Als ich auf einer sehr belebten Hauptstrasse in die Stadt hineinfuhr, meinte ich, ein nach links weisendes Schild mit der Aufschrift „Gardeny“ wahrgenommen zu haben. Der wuselnde Verkehr auf der vielspurigen Einfallstrasse verlangte aber meine ganze Konzentration und mein Navi zeigte mir, dass noch einige Kilometer vor mir liegen würden. Hätte ich nur nicht auf mein Navi gehört. Hätte, hätte, Fahradkette!

Ich durchquerte also die ganze Stadt. Lleida hat immerhin ca. 140.000 Einwohner. Ich hatte schon den nordöstlichen Stadtrand erreicht, aber von einem Hügel mit einer Burg war nichts zu sehen. Am „Ziel“ stellte sich heraus, daß die Carrer del Castell de Gardeny in einer Wohnsiedlung liegt und nur den Zugang zu reizenden Bungalows am Stadtrand erschließt. Also wieder zurück zu dem Punkt, an dem ich das Verkehrsschild wahrnahm. Es war ab dort überhaupt kein Problem, die Templerburg nach den Schildern zu finden. Ich fuhr den Burgberg hinauf, fand einen riesigen Parkplatz, machte mit vor Jagdfieber zitternden Händen die Kamera klar und – erlebte den Frust meines Lebens! Es war zu. Das Kassenhäuschen war nur bis um 12:00 besetzt. Die Anlage ist eingezäunt. Rien ne va plus! Fin de partie!

DSC_0024

Ich hetzte rüber zu Kassenhäuschen, weil ich dort eine Bewegung bemerkte. Es war gerade 5 Minuten nach zwölf und zwei Mitarbeiterinnen unterhielten sich noch beim Zuschliessen. Alles Beteuern, dass ich drei Stunden unterwegs war, um die Anlage zu besichtigen, half nichts. Man hätte Anweisung und es sei nichts mehr zu machen. Nicht einmal für fünf Minuten. Wäre ich gleich hierher gefahren, hätte ich es gerade noch geschafft. So blieb mir nichts anderes übrig, als durch den Zaun zu fotografieren.

DSC_0034

Haupteingang

DSC_0035

beeindruckendes Portal aus der Nähe

DSC_0029

nach Norden weisender Wachturm mit Blick auf Lleida

DSC_0036

Westfassade der Kapelle, die ziemlich genau nach Osten ausgerichtet ist

DSC_0030

Nach dem Hinweisschild erbauten die Templer die Anlage im Jahre 1156, nachdem der Graf von Barcelona, Ramon Berenguer IV ihnen diesen Hügel übereignet hatte.

Kurz bevor ich wieder zum nächsten Ziel aufbrechen wollte, gelang es mir noch, eine interessante Entdeckung zu machen:

DSC_0027

Im Erdreich versteckt tauchte eine Gewölbedecke auf, die eindeutig mit römischen Flachziegeln errichtet war. Ich würde nocheinmal hier her kommen müssen, um alle Versäumnisse nach zu holen und jetzt machte ich mich auf zu meiner zweiten Etappe.

3 Provincia de Tarragona

3.1 Comarca Ribera d’Ebre

Miravet

Ich entschied mich dagegen, noch weiter nördlich zu fahren und liess Montzón für dieses Jahr aus. Die Strecke zum nächsten Etappenziel Miravet beträgt ca. 85 Km in südlicher Richtung. Sie dauerte aber einiges über eine Stunde, denn die Strecke besteht nur aus Landstrassen. Das Ziel war nur noch 2,3 Kilometer entfernt, da tauchte ein kleines Verkehrschild nach Miravet auf und ging es von der Fernstrasse jäh nach rechts eine Böschung hinunter. Ich stand unvermittelt an den Gestaden des Ebro, des längsten spanischen Flusses. Die Fähre war ein echtes Abenteuer!

Miravet Fähre

Es dauerte ungewöhnlich lang, bis sie vom anderen Ufer losgemacht wurde. Es haben nur maximal 2 Fahrzeuge Platz. Die Fähre hat KEINEN MOTOR!! Sie wird allein durch die Strömung und die jeweilige Stellung des Ruders fortbewegt, wenn sie erstmal vom Ufer abgelegt hat. Die Fährleute müssen beim An- und Ablegen ganz schon schuften. Denn die Fähre muß mit langen Staken erst jeweils in die richtige Position gebracht werden, damit die Strömung sie dann auch in die gewünschte Richtung fortbewegt. Als mein 2 Tonnen schweres Fahrzeug auf die Fähre rollte, wurde sie zunächst beängstigend tief herabgedrückt. Aber es ging schließlich alles gut.

Und dann durfte ich mich auf einen wahrlich erhabenen Anblick freuen, den ich jetzt gleich mit Ihnen teilen werde. Ich hatte erst erwogen, zu den Bildern schlaue Kommentare zu verfassen. Aber schließlich siegte Idee, die Macht der Bilder einfach für sich sprechen zu lassen. Hier ist sie, meine erste richtige Templerburg Miravet:

DSC_0045

 

DSC_0047

 

DSC_0053

castell dels templers, 43747 Miravet, Tarragona

Die Burg ist nicht von den Templern errichtet worden. Sie entstand vielmehr durch Umbauten und Erweiterungen der bereits im sechsten Jahrhundert angelegten andalusischen Burg gegen Ende des 11. und Beginn des 12. Jahrhunderts (Quelle: Leaflet des Museu d’Història de Catalunya). Am 24. August 1153 gelang es Ramón Berenguer IV, dem Grafen von Barcelona, die starkbefestigte Burg von Miravet einzunehmen und dauerhaft zu besetzen (Fuguet, S. 99).  Auf Grundlage sogenannter Verträge von Girona übertrug der Graf die Burg zusammen mit umfangreichen Ländereien an die Templer und dazu sogar den Ort Miravet selbst (a.a.0., S. 100), der sich am Fuße der Burg befindet. Die Templer bauten dann ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und im 13. Jahrhundert die Burg für ihre Zwecke weiter um (Leaflet).

Die nachstehende Skizze gibt einen Überblick über die Bauphasen. Die Erweiterungen der Templer sind grün eingezeichnet.

Plan(Quelle: Leaflet Museu d’Història de Catalunya)

Sind Sie neugierig auf das Innere der Burg geworden? Ja? Kann ich gut verstehen. Das ging mir auch so. Hier sind die Aufnahmen mit kurzen Erläuterungen.

DSC_0062

Blick auf den Ebro, flussabwärts (Richtung Tortosa)

DSC_0067

Refektorium von aussen (Nr.11) Blick nach Nordosten

DSC_0068

Waffenhof (Nr. 9)

DSC_0071

 Refektorium (Speisesaal, Nr. 11)

DSC_0078

Eingang in den Kornspeicher (Nr. 12)

DSC_0084

Weinkeller (Nr.14)

DSC_0086

Lager (Nr. 13)

DSC_0093

Kirchenschiff, Blickrichtung nach Osten (Nr. 16)

Die Burg von Miravet sollte vor allem in der Zeit nach der grossen Verhaftungswelle der Templer noch eine bedeutende Rolle spielen. Der König von Frankreich, Philipp IV, genannt ‚le Bel‘ hatte Anweisung gegeben, am Freitag den 13. Oktober 1307 alle Templer zu verhaften. Die übrigen Länder – etwa – England, taten dem nicht gleich und warteten auf Signale vom Papst. Auch der Papst Clemenz V war zunächst nicht einverstanden mit dieser eigenmächtigen Maßnahme des französichen Königs (Demurger, S. 244) . Nachdem durch Philipps Verhörmethoden jedoch rasch erste „Geständnisse“ über vermeintliche Ketzereien von den Inhaftierten erlangt worden waren, begann der Papst, seine Haltung zu überdenken und mit ihm auch andere europäische Herrscher. Die fünf spanischen Königreiche reagierten auch untereinander unterschiedlich. Jaume II, Graf von Barcelona und König von Aragon, zögerte zuerst, obwohl er über den gemeinsamen Großvater Jaume I, den Eroberer, mit dem französichen König Philipp verwandt ist. Er hatte den Templern einiges zu verdanken, konnte und wollte sich aber auch keinen Bruch mit dem Papst leisten. Er handelte erst ab dem 1. Dezember 1307. Verhaftungen gelangen ihm aber zunächst nur in Valencia (a.a.0). Im Norden von Aragon machten die Templer Schwierigkeiten. Sie widersetzten sich den Verhaftungen und verschanzten sich – unter der Führung des Präzeptors der Komturei Mas Deu Raymund Sa Guardia, der den Rang eines Lieutenant du Maître du Temple pour la province d’Aragon innehatte (Abbé Capeille, Dictionaire de Biographies Roussillonaises, S. 251) – in den Burgen von Miravet, Asco und Montzón (aaO, S. 245).  Ab dem 8. Dezember1307 schrieb Sa Guardia zahlreiche Briefe an den König Jaume II von Aragon und versuchte, um diesen davon zu überzeugen, dass seine Templer aufrechte Christen und alle Häresievorwürfe gegen den Orden Erfindungen und Verleumdungen sind. (Robert Vinas, Le Procès des Templiers du Roussillon, S. 55ff).

Die Haltung des Königs in diesem Konflikt läßt sich recht deutlich aus einem knappen und staatsmännisch distanzierten Brief des Königs an Sa Guardia vom 15. Dezember 1307 ablesen: „Ihnen, Ramon Saguardia, antworte ich, daß ich sehr gut weiß, dass die Templer von meinen Vorgängern viele Güter und Gefälligkeiten erhalten haben. Die Templer haben zu zahlreichen Gelegenheiten den meinen und auch mir selbst gut gedient.“ Seine jetzigen Handlungen gegen die Templer erklärte der König so: „Ich handele, wie ein katholischer Prinz handeln muss … ich werde der Wahrheit und der Justiz folgen.“  (aaO, S. 56). In der Folge belagerte der König von Aragon die Burgen und parallel geführten Verhandlungen zogen sich bis August 2008 hin (Demurger, S. 245). Miravet kapitulierte erst im November 2008 (a.a.O) und die Übergabe wurde am 12.12.1308 vollzogen.  Zuvor, am 7.12.1308, hatte Jaume II dem Templer noch geschrieben, daß er sich in allen seinen Handlungen oder Unterlassungen an die Vorschriftes des Papstes halten würe. Er endete diesen Brief mit der Wendung: „Sie sollen dennoch wissen, dass ich Sie gütig behandeln werde.“ Um seine Würde zu erhalten, lieferte Ramon Saguardia sich nicht selbst aus. Die Soldaten des Königs fanden ihn schließlich zwei Tage später beim Gebet (Vinas, S. 74). Sa Guardia wurde schließlich in das zum Königreich Mallorca gehörende Rousillon ausgeliefert. Auch der König von Mallorca konnte sich dem Druck des französischen Königs nicht dauerhaft widersetzen und verhaftete schließlich die dort befindlichen Temple. Nach  Napp, Templerlexikon  erklärte Sa Guardia Im Verhör durch den Bischof von Elne, die Anschuldigungen seien „‚entsetzlich, schamlos und diabolisch‘ [horribles, extraordinairement affreux et diaboliques, vgl. Dictionnaire de biographies roussillonnaises de l’abbé Capeille (1914)], und bekannte, daß die Aufnahme der Brüder nach dem durch die Regel vorgeschriebenen Ritus und gemäß dem Glauben der Kirche erfolge.“ (Napp, aaO). Der Erzbischof von Tarragona  erklärte ihn daraufhin für unschuldig  und straffrei und wies ihm eine lebenslänge Rente zu (Dictionnaire de biographies roussillonnaises de l’abbé Capeille (1914). Nach Arnaudiès, Les templiers en Roussillon, S. 33, betrug die Rente 350 livres, die Sa Guardia auf seinem ehemaligen Sitz, der commanderie von Mas Deu noch bis ins Jahr 1319 geniessen konnte.

3 Provincia de Tarragona

3.2 Comarca Baix Ebre

Tortosa

Ich stieg also wieder die Burg von Miravet hinab und hoffte, auf dem Rückweg nicht mehr mit der Fähre fahren zu müssen. Der Umweg wäre aber beträchtlich gewesen, sodass mir leider keine Wahl blieb, als nochmal den Fährmann quälen zu müssen. Er pries sein Fahrzeug stolz als die umweltfreundlichste Fähre, die es gäbe und er hatte sichtlich Spaß an seinem Job. Auf seine Gelassenheit kann man nur neidisch sein. Es war eine ungeheuer archaisch anmutende Erfahrung. Ich bezahlte, wie es alter Brauch ist, erst am anderen Ufer, schaute mich kurz wehmütig um und steuerte – noch nichts ahnend – auf mein nächstes Scheitern zu.

Die Strecke bis Tortosa war nicht weit, knapp 50 km. Ich wollte in die Altstadt gelangen und hatte gehofft, dass dort vielleicht steinerne Zeugen der Templerzeit von Tortosa mit Hinweisschildern angezeigt werden würden. Ich hatte mich wieder mal nicht richtig vorbereitet, und diesmal rächte sich das richtig. Ich wußte nicht, dass es erstens im Stadtbereich nur eine einzige Brücke gibt, die Pont de l’Estat, die aber zweitens wegen Bauarbeiten derzeit gesperrt ist. Und so zockelte ich im einsetzenden Berufsverkehr erst mal eine ganze Weile hin und her, bis sich schließlich – weit ausserhalb der Stadt – eine Brücke fand. Damit war ich aber noch nicht am Ziel. Tortosa ist nicht sehr groß, es hat 34.000 Einwohner, aber groß genug, um unübersichtlich zu sein. Die Altstadt erwies sich teilweise als etwas eng  für mein Auto und ich hatte keine Ahnung, wonach genau ich eigentlich suchen sollte. Die Burg aus dem 10. Jahrhundert hat mit den Templern nichts zu tun, außerdem hat man sie in ein Hotel verwandelt. Ich wußte, dass die Templer in Tortosa ganze Stadtbezirke beherrscht hatten. Allerdings hatte ich keine Erinnerung daran, wo diese sich befunden haben und in wieweit davon heute noch etwas übriggeblieben ist. Ich hatte mir im Internet einige Türme angesehen, die den Templern zuzuordnen wären und naiv gehofft, diese würden vielleicht beschildert sein. Also fuhr ich auch in der Altstadt mehr oder weniger planlos durch enge Gassen ohne Parkmöglichkeiten, in denen zudem spontan nichts mittelalterliches zu entdecken war. So langsam bekam ich Hunger und wollte einfach nur noch heim.

Plötzlich tauchte ein geräumiger Platz vor mir auf, nachdem ich gerade wieder einer engen Sttrasse entkommen war. Und ich fand dort einen freien Parkplatz. Ausserdem hatte ich mittelalterliche Gemäuer erspäht. Also den Foto herausgeholt, um die „Jagdbeute“ einzufangen.

DSC_0097

 Teile der Stadtmauer im Nordosten von Tortosa,
Plaça de Mossèn Sol

Hinter mir erhob sich eine mächtige mittelalterliche Mauer ohne Fenster. Es war vor Ort nicht ersichtlich, zu welchem Gebäude diese Mauer gehörte. Ich tippte auf eine Kirche, was sich bei der Nachbearbeitung als zutreffend herausstellte.

DSC_0098

Tortosa, Carrer de la Mare de Déu de la Providencia

Spätere Nachforschungen ergaben, dass es sich bei der Mauer um die Südfassade der Kirche Sant Domènec handelt, die offenbar teilweise unter Verwendung der Stadtmauer von 1370 im Jahre 1585 errichtet wurde (tortosa antiga).

Da keine Schilder oder sonstige Hinweise vorhanden waren und ich auch noch drei Stunden Rückfahrt vor mir hatte,  brach ich mein erfolgloses Herumsuchen hier ab und stellte fest, dass ich hier noch einmal würde herkommen müssen. Aber nicht ohne mich umfassend vorzubereiten.

In Pals angekommen, beschaffte ich mir erst einmal altes Kartenmaterial von Tortosa. Auf der Verkaufsseite für alte Stiche und Landkarten www.frame.es wurde ich fundig:

Screenshot 2017-02-25 12.04.49

Quelle: www.frame.es

Rechts im Bild sieht man recht deutlich die Markierung Porte du Temple. Die Karte ist aber nicht nach norden ausgerichtet. Die (heute noch vorhandene) Strasse, die die Stadt hier nach rechts verläßt, führt in der Realität nach Süden. Auch in dem Buch von Fuguet und Plaza befindet sich eine Karte, die noch sehr viel mehr Details zeigte:

Fuguet Tortosa

Quelle: Joan Fuguet

Mit dem Auto würde es keinen Sinn machen, die schraffierten Bereiche untersuchen und ich überlegte, beim nächsten Besuch von Tortosa eventuelle Gebäudereste auf Spaziergängen zu identifizieren. Doch dann las ich bei Fuguet eine Seite weiter einen einzigen, irgendwie  deprimierenden Satz, der mir diese Mühe abnehmen würde: „No se conserva nada de la sede del Temple en la ciudad, que, como en las villas importantes, ha sucumbido al poder de la especulación urbana“. Es ist nichts mehr übrig geblieben von der Niederlassung der Templer in der Stadt. Wie in wichtigen Städten sind diese der Macht der städtischen Spekulation erlegen (Fuguet, S.98). Fuguet beschreibt aber drei Türme der Templer aus dem 13. Jahrhundert. Diese befinden sich z.T. weit ausserhalb der Stadt:

  1. Torre del Prior, 3 km nördlich
  2. Torre de Campredó, 13 km südöstlich und
  3. Torre de Burjassènia, 16 km südöstlich.

Alle diese Türme stehen am Flußlauf des Ebro strategisch günstig, dass sowohl die Fernstrassen, als auch der Fluß selbst, ständig überwacht werden konnten. Der Turm von Campredó steht zudem auf einem Hügel  (Localització: N 40 44 46 E 00 34 46. Altitud 32 m. , Ricard Ballo, Catalunya Medieval) . Die Legende will, dass zwischen diesem Turm und einem auf dem anderen Flußufer befindlichen Hospital eine Kette gespannt war, mit dem man das Einlaufen von Schiffen kontrollieren konnte (Fuguet, S. 98). Meine Nachforschungen haben inzwischen ergeben, dass der Torre del Prior heute als Ferienunterkunft ausgebaut ist und gleich meine Familie und mich gleich erstmal  für Herbst 2017 dort eingebucht. Ich bat Ricard Ballo, seine hervorragenden Fotos vom Torre de Campredó für diesen Bericht verwenden zu dürfen. Er hat mir das – wie stets – freundlich gestattet und mir hoch aufgelöste Bilder zur Verfügung gestellt. Ich bitte Sie, der Seite catalunya medieval zur Vorbereitung Ihrer Urlaubsreisen in die Region Ihren Besuch abzustatten. Sie finden auf der Startseite durch Anklicken Ihrer Zielregion für jede comarca hervorragende Fotos von Burgen, Türmen und mittelalterlichen Gebäuden. Das kann dazu beitragen, Ihren Urlaub besonders unvergesslich zu machen. Vorsicht: Es kann süchtig machen…..

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA copyright Ricard Ballo, used with kind permission of the holder

Torre de Campredó, Tarragona, copyright Ricard Ballo

11-Torre de Campredó-Tortosa 080301_508

Beim Anblick gerade dieses Bildes wurde mir urplötzlich die besondere strategische Situation der Stadt Tortosa überdeutlich: Der zweitlängste Fluß der iberischen Halbinsel (=der längste Fluß Spaniens) verbindet hier das Hinterland Spaniens über den wichtigen Seehafen Tortosas (vg. Terres de l’Ebre) mit dem Mittelmeer. Es liegt auf der Hand, dass  – auch seit vorrömischer Zeit – für Fernstrassentrassen besonders die Flußläufe bevorzugt wurden (vgl. etwa Donau, Rhein, Seine, Loire, Rhône), nicht zuletzt um unnötige Steigungen zu vermeiden und die Beherbergungsstationen doppelt effektiv zu machen. Das galt natürlich besonders auch für den Ebro, zumal das Küstenhinterland Kataloniens sehr hügelig ist. Der Fluß verbindet die Küste direkt mit Zaragoza (Saragossa) und indirekt über den Segre, der bei Mequinenza in den Ebro mündet, auch mit Lleida und den Templerbesitzungen in der Comarca Segria. Auf diese Weise sicherten sich die Templer den raschen Abtransport der in Ihren Komtureien dafür bestimmungsgemäß erzeugten Produkte ins heilige Land.

Aber das war noch nicht alles. Der Verkehrsknotenpunkt südlich von Tortosa verbindet das spanische Hinterland und den Seeweg zusätzlich mit der Küstenstrasse von Narbonne über Girona, Barcelona und Tarragona bis nach Peniscola. Das heisst, die Templertürme um Tortosa dienten auch zur Überwachung des Fernverkehrs auf der Küstenstrasse. Die berühmte Römerstrasse Frankreichs, die via domitia,  die im Languedoc als Küstenstrasse die Städte Nimes, Montpelllier, Beziers und Narbonne verbindet, setzt sich über die Pyrenäen fort.

Es war an der Zeit, mal eine Karte der Römerstrassen zu Rate zu ziehen:

Römerstrasse.jpg

 

Quelle: Wikimedia

Reduzieren wir den Kartenausschnitt von Spanien, wird die besondere Bedeutung des Verkehrsknotenpunktes noch deutlicher:

Ebro Römerstrasse

Quelle: Wikimedia

Tarraco = Tarragona, Caesaraugusta = Saragossa, Castra Legionis = Leon, Brigantum = La Coruña.

Der Kartenausschnitt zeigt, dass die alte Römerstrasse Via Domitia sich über Tarragona hinaus bis zur Ebro-Mündung – also bis Tortosa, wo die Römer schon einen Hafen betrieben haben könnten (Wawrzinek, In portum navigare) – fortsetzt. Von Saragossa erschließt das Römerstrassennetz zudem gleich drei wichtige Atlantikhäfen Lissabon, La Coruña und Bordeaux, was den Warenaustausch mit England beträchtlich erleichtert haben dürfte. Ab Tortosa nannte man die Römerstrasse Via Herculea. In Galizien und Leon waren die Templer auch begütert und in Saragossa reichlich, sodass davon auszugehen ist, dass die alten Verkehrswege der Römer auch in der Templerzeit ihre Bedeutung noch nicht verloren haben werden. Nach Süden hatten sich die Templer bis nach Peniscola und Xivert ausgebreitet. Die Stadt Tortosa dürfte damit als Hauptverkehrsknotenpunkt eine der wichtigsten Gründungen der Templer auf der spanischen Halbinsel dargestellt haben.

Ich werde die Region bald wieder bereisen dürfen, und zwar im Mai und im Oktober 2017. Freuen Sie sich mit mir auf hoffentlich viele spannende Berichte aus dem Jahr 2017.

 

 

 

 

 

 

 

2016, August, Belgien 2

Belgien – Teil 2

Im August dieses Jahres gelang es mir, zwei Tage für die Templerforschung freizunehmen. Nach dem ich letztes Jahr über den Besuch der Stollen südlich von Maastricht (für den Bericht hier klicken!) darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es gegenüber dem Steinbruch auf der rechten Seite der Maas in Visé eine Komturei der Templer gäbe, plante ich diese freien Tage für eine weitere Reise nach Belgien ein. Ich hatte noch vier Templerorte in Belgien „auf dem Radar“, die doch recht weit auseinander lagen.

Die Reise sollte mich praktisch durch das ganze Land führen:

Screenshot 2017-02-02 18.30.03

1 Province de Liège

Commanderie de Visé

Ich begann die Unternehmung gleich in Visé, nachdem ich bei Aachen über die belgische Grenze in der Province Liège (Lüttich/Luik) ankam. Die Adresse der Komturei hatte ich zuvor im Internet ausfindig gemacht: Ferme de Visé.

Es werden dort Kartoffeln und Gemüse zu Kauf angeboten. Das Gehöft ist im Privatbesitz und es wird auch auf der offiziellen Homepage der Stadt Visé gemahnt, die Privatsphäre der Besucher zu respektieren und eventuelle Besuche vorher telefonisch abzustimmen. (die Telefonnummer finden Sie hier)

DSC_0003Le Temple de Visé, 4600 Visé, Liège

Links neben der Zufahrt befand sich ein recht großer Teich. Man darf vermuten, dass der Teich schon von den Templern angelegt worden ist. Die Templer hatten einen verbindlichen Speiseplan einzuhalten, in dem auch regelmäßig Fischverzehr aufgetragen wurde. Deswegen gehörte ein entsprechend großer Teich praktisch zur Grundausstattung eines Templergehöfts. Bei der Bearbeitung dieses Beitrages fiel mir eine frappierende Ähnlichkeit zu einer anderen bekannten ehemaligen Templerfarm auf, die sich im Burgund befindet. Hier wie dort liegt der Templerteich links neben der Zufahrt.

Ferme de MontmorotFerme de Montmorot, 21580 Salives, Côte d’OrDSC_0005commanderie de 4600 Visé

Ich hatte mein Auto schon am Anfang der Zufahrt abgestellt, um die Leute nicht unnötig zu stören und näherte mich dem Eingang des Gehöftes zu Fuß.

DSC_0008Über dem Tor fand sich dieses Malteserkreuz mit Jahreszahl 1719:

DSC_0007Ich beschränkte mich bei den Innenaufnahmen auf die öffentlich zugänglichen Bereiche.

DSC_0009Die Jahreszahl auf dem Hauptgebäude weist auf den Ausbauzustand des Jahres 1687 hin. Der Homepage der Stadt Visé kann man entnehmen, dass die Komturei im Jahre 1675 von den Armeen des „Sonnenkönigs“ Ludwig  XIV zerstört worden war.

DSC_0014Der Eingang zum Gemüseladen (leider gerade Mittagspause).

DSC_0013Den Namen dieses Komturs Jacques Laure de Breteuil, der nach Wikipedia auch ein Förderer der Künste gewesen sein soll, und sein Wappen findet man auch an der Templerkirche von 4550 Villers-le-Temple, die etwa 45 Km südwestlich von Visé  liegt.  Jan Hosten schreibt auf S. 224 in seinem Buch De Tempeliers von 2006: „In Visé, ten noorden van Luik, bezat de orde een huis met kapel en een flink aantal rechten.“ – In Visé, im Norden von Lüttich, besaß der Orden ein Haus mit Kapelle und eine stattliche Anzahl an Rechten.

Im Jahre 1575 soll die Komturei so ausgesehen haben:

Vise(Quelle: scarlet.be/hetoudelandvanluik)

Ebenfalls nach dieser Quelle sei das aktuelle Gebäude unter dem Komtur Charles de la Fontaine im Jahre 1628 errichtet worden.

Auszug aus dem Aufsatz von Ferdinand Henaux, in Bulletin de l’Institut Archéologique Liégois, Liège, 1852:

Seite 340Von den acht Häusern des Tempels, die sich in unserem Land befinden, ist das von Visé das am wenigsten bekannte. Dieser Tempel (man nimmt den Namen Tempel für die Häuser der Templer) liegt im Osten von Visé, 10 Minuten von dieser Stadt. Wathi Carot und seine Lebensgefährtin haben ihn den Templern gegen Mitte des 13. Jahrhunderts zum Geschenk gemacht. Der Tempel von Visé war wahrscheinlich bewohnt von einem

Seite 341Prior und einigen Rittern. Sie sind in einem Dokument von 1297 als seigneurs (Grundherren) benannt worden. Diese Priorei unterstand dem Komtur des Tempels von Villers im Condroz.

(Quelle: belgique-insolite-et-occulte.blogspot.de)

2 Province du Brabant wallon

Commanderie de Wavre

Mein nächstes Etappenziel liegt südöstlich von Brüssel. Die Autofahrt über Liége und Namur dauerte etwa eine Stunde. In der Commanderie befindet sich ein Restaurant namens La Table des Templiers. Die Adresse wird in der Homepage des Restaurants mit „Chemin du Temple“ angegeben. Der Link enthält auch eine Anfahrtsskizze, so daß nichts schief gehen konnte.

DSC_0019commanderie de Wavre – Neuve-Court, 1300 Wavre

DSC_0020Herrenhaus ausserhalb des Gehöfts

DSC_0021Nebeneinfahrt rechts neben dem Empfangsgebäude

DSC_0024Wappen über dem Haupteingang

DSC_0025

DSC_0026

DSC_0027La cour intérieure

DSC_0030La cour intérieure

DSC_0031Haupttor von innen

DSC_0032Scheune rechts vom Haupteingang mit Jahreszahl 1615

DSC_0036Detailansicht Innenhof

DSC_0037Detailansicht Innenhof

 

DSC_0023Kapelle von Osten

DSC_0039Kapelle von Nordosten

Über die Commanderie Wavre habe ich in der Literatur nicht sehr viel Material finden können:

Jan Hosten schreibt in „De tempeliers“, S. 223: „In Waver tenslotte, hadden de tempeliers een huis met kapel, ‚Neuve-Court‘ genaamd. Er is geen stichtingsakte bewaard, mar Laurent Dailliez dateert de stichting van het huis in 1183.“ – In Waver schließlich hatten die Templer ein Haus mit Kapelle, genannt ‚Neuhof‘. Es ist keine Stiftungsurkunde erhalten, aber Laurent Dailliez (damit ist das Werk: Laurent Dailliez — Les Templiers en Flandre, Hainaut, Brabant, Liège et Luxembourg — Nice: Alpes-Méditerrannée Éditions — Impres-sud, 1978 gemeint, der Verf.) datiert die Stiftung dieses Hauses auf 1183.

In seiner Homepage tempeliers.be ergänzt Hosten noch: „la commanderie de Wavre – Neuve Court (Brabant) date probablement de 1183. Le bâtiment impressionant subsiste jusqu’à ce jour, mais il a subi de nombreuses restaurations Hospitaliers. “ – Die Komturei von Wavre – Neuve Court (Brabant) datiert wahrscheinlich von 1183. Das eindrucksvolle Gebäude überdauerte bis heute, aber es war zahlreichen Umbauarbeiten durch die Hospitalritter unterzogen worden.

Christophe Staf hingegen schreibt in seiner Homepage templiers.org: „L’existence de la commanderie de la Neuve-Court à Wavre est due à un don que fit Godefroid 1er, duc de Brabant, aux Templiers entre 1130 et 1140. Ce domaine, situé au nord de la ville de Wavre, comprenait une centaine d’hectares de terres, ainsi que des marais et des pâtures.
La commanderie que les Templiers installèrent à cet endroit leur permit d’exploiter et de valoriser toutes ces terres et était dépendante de la commanderie de Vaillampont près de Nivelles.“

Die Existenz der Komturei von Neuhof in Wavre beruht auf einer Schenkung Gottfrieds I, Herzog von Brabant, an die Templer zwischen 1130 und 1140. Die Domäne, die sich nördlich der Stadt Wavre befindet, umfasst einhundert Hektar Ackerboden, aber auch Moore und Weiden. Die Komturei, die die Templer an diesem Ort eingerichtet haben, erlaubte ihnen, alle diese Ländereien zu nutzen und verwerten. Sie war der Komturei von Vaillampont unterstellt.

Die Widersprüche dieser beiden Autoren zum Gründungsjahr konnte ich bisher noch nicht auflösen.

 

3 Provincie West-Vlaanderen

Ieper

Die nächste Etappe brachte mich in die Vlaamse Gemeenschap. Mein Ziel war die Stadt Ieper in West-Vlaanderen. Die Fahrt nach Westen dauerte ca. 1 h 30 min und führte über die Städte Brüssel, Gent und Kortrijk. Ieper ist eine Stadt mit ca. 35.000 Einwohnern, die im ersten Weltkrieg durch heftigste Kämpfe stark zerstört und danach mit sehr viel Feingefühl und Mühe teilweise im Originalzustand wieder aufgebaut wurde. Man muß schon sehr genau hinschauen, bevor man sich davon überzeugt, dass die Häuser viel jünger sind, als man vermuten würde.

Wie üblich übernachtete ich in meiner seit Jahren bevorzugten Pension saBBajon, die ich sehr gerne weiter empfehle, weil die sehr freundliche Inhaberin seit nunmehr 10 Jahren dafür nachhaltig sorgt, dass es ihren Gästen an nichts fehlt. Zudem sind die Zimmer äußerst geräumig und komfortabel. Die Sanitäreinrichtungen der überaus geschmackvoll und wohnlich eingerichteten Zimmer verdienen eher die Bezeichnung „Wellness-Oase“ statt „Nass-Zelle“ und das Frühstück hat mir immer ausgezeichnet geschmeckt.

1Tempelierssteen, Rijselsestraat, 8900 Ieper, West-Vlaanderen

3Dieses Gebäude war gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Verfall geraten. Es wurde von 1898 – 1908 als Postamt ausgebaut, um nach der offenbar nicht vollständigen Zerstörung im ersten Weltkrieg von 1920 – 1923 wieder instand gesetzt und bis 1996 als Postgebäude benutzt zu werden. Ein Hotelprojekt soll sich in Planung befinden (Wikipedia).

Nach Jan Hosten – dessen Beitrag über Ieper in seinem Buch ‚De tempeliers‘ wohl auch deshalb besonders umfassend und detailreich gelang, weil er selbst hier beheimatet ist – ist die Commanderie von Ieper eine der ersten Stiftungen im Westen Belgiens und verdankt ihre Entstehung einer Schenkung durch Godfried van Sint-Omaars (Godefroy de Saint-Omer), einem Gründungsmitglied des Templerordens in 1118. Im Jahre 1127 wurde von den Templern ein Kloster außerhalb der Stadt an der Straße nach Poperinge errichtet. (S. 214).

IeperQuelle: Onroerend Erfgoed

Das sich nach Westen öffnende Tor der Stadt Ieper (Poperinge liegt ca. 12 Kilometer westlich)   wurde nach diesem historischen Plan „Porte du Temple“ benannt. Im Westen der Altstadt gibt es heute noch eine „Tempelstraat“. Hosten beschreibt die Anzahl der Besitzungen der Templer in Ieper als „enorm“ (S. 215). Die Adressen und Lagen hier einzeln anzugeben, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen.

Die Nähe der Stadt Ieper zu ihrem Mitbegründer aus Saint-Omer spiegelt sich noch heute etwa dadurch wieder, dass zwischen der Stadt Ieper und der französischen Stadt Saint-Omer eine Städtepartnerschaft besteht und beide Städte das sogenannte Patriarchen-  oder Lothringerkreuz  als Bestandteil in ihren jeweiligen Wappen aufgenommen haben.

Ieper.jpgOmer

 

 

 

 

 

 

 

Wappen von Ieper (Wikipedia)                                               Wappen von St.-Omer (labelimage.fr)

Die Stadt Saint-Omer befindet sich etwa 40 Km südlich zwischen Calais und Dunkerque (Dünkirchen) und ca. 60 Km westlich von Ieper. Sie liegt übrigens an der frühmittelalterlichen via francigena, auf die wir bereits im Burgund und im letzten Frühjahr in Italien gestossen sind. Die via francigena  führt von Canterbury nach Rom und die Stadt Saint-Omer bildete mithin das erste Etappenziel dieser Fernstrasse auf dem Kontinent.

aaaDetails der Fassade

Ausschnitt aus einer Stadtchronik der Stadt Ieper

71307 8 mey wurden alle de templiers die binnen en buyten de Stad waren unde in alle andere plaetsen gedood door liest van den paus Clemens (an) ende den Koning Philippus. in 1320 is het Klooster afgebroken.

1307 8. Mai wurden alle Templer, die innerhalb und außerhalb der Stadt waren und an allen anderen Orten getötet durch List von dem Papst Clemenz und dem König Philipp. Im Jahre 1320 wurde das Kloster abgebrochen.

 

4 Province du Luxembourg

Commanderie de Hargimont

Auf dem Rückweg nach Frankfurt lag nur noch ein Ziel, die Commanderie von Hargimont in der Provinz Luxembourg. Die Fahrt von Ieper nach dort war mit 2 h 15 min angegeben. Ich wählte den Weg durch die Wallonie, vorbei an Tournai, Mons, Charleroi und Namur, und erreichte die Gemeinde Marche-en Famenne in der Provinz Luxembourg. Am Ortseingang von Hagrimont selbst befindet sich ein stattliches Schloss, das Château de Jemeppe.

Die commanderie der Templer hat die Adresse 31, Rue de la Commanderie, 6900 Hargimont und man findet sie leicht.

DSC_0050

commanderie de 6900 Hargimont

Man hat die Bausubstanz grundlegend saniert und Wohnungen in den Gebäuden der ehemaligen Komturei eingerichtet. Die Umwandlung eines historischen Denkmals in einen Zweckbau macht es schwierig, zu erkennen, was an der sichtbaren Bausubstanz historisch ist und was nicht. Aber es ist sicher ein wunderbares Ambiente zum Wohnen enstanden und auf diese Weise sind die Gebäude über die nächsten zweihundert Jahre vorerst gerettet worden. Ich denke, wenn da jetzt noch dreissig Jahre „Patina“ hinzukommt, wird es wieder „passen“.

DSC_0043

Haupttor

DSC_0042

die Lage an der Rue de la Commanderie

DSC_0047

Rue de la Commanderie nach Norden

DSC_0046

Innenbereich, Hof und Wohnungen

Das Schild besagt, dass der Graf von Namur sein Lehen von Hargimont im Jahre 1191 den Templern schenkte, die dort eine Komturei errichteten. Das aktuelle Gebäude wurde in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts (aus dem Schutt der Komtureigebäude?) errichtet und sodann im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert Umbauten unterzogen. Der derzeitige Bauzustand stammt von 1999. Hosten (S. 226) weist darauf hin, dass die Schenkung des Grafen auch die umliegenden Grundstücke und Forstflächen enthielt.

Viel gab es hier nicht mehr zu sehen oder zu berichten und so machte ich mich wieder auf den Heimweg.

 

 

2016, Mai, Catalunya – Teil 2

Catalunya – Teil 2

Der Ausflug im Oktober letzten Jahres nach Spanien hatte eindeutig Appetit gemacht, dort noch viel mehr über die Templer zu lernen und zu sehen. Ich bestellte mir also erstmal ein Buch zum Einstieg, und zwar das Werk „Los templarios en la península ibérica“ von Fuguet,  Joan und Plaza, Carmen, Barcelona, 2005, was ich allen Templerforschern und Spanienreisenden, die Interesse am Mittelalter mitbringen, nur wärmstens empfehlen kann. Im Mai stand ein Urlaub in Katalonien an. Wir haben ein absolut traumhaft gelegenes Ferienhaus gemietet, das guten Freunden von uns gehört. Wir fühlten uns dort von der ersten Sekunde an wie zuhause, vor allem weil es an nichts fehlte. Das Haus liegt in der  Urbanitzacio Mas Tomasi, Dalt -Masos, 17256 Pals, zwischen der Altstadt von Pals und Platja de Pals auf einem Hügel, von dem man aus eine fantastische Fernsicht auf die Umgebung hat.

Mas Tomasi 2Mas Tomasi mit Blick auf die Reisfelder von Pals und die Hügelkette Montgrí

Unser wunderbares Domizil hatte Wifi, sodaß die Templerreise in aller Ruhe bei feinstem Wetter auf der Terrasse geplant werden konnte. Mit einer Karte und dem Buch begann ich, mir Ziele auszusuchen. Bei der Vielzahl der Templerorte in der näheren Umgebung:

Screenshot 2017-01-28 17.28.29Quelle: ebreguia

war mir sofort klar, dass ich auch diesmal nur einen Bruchteil der Ziele erreichen würde. Die Auswahl erfolgte deshalb zum Einstieg eher willkürlich. Die Linie von Tortosa nach Montsó ist mit gewaltigen Burgen besetzt. Das würde nicht an einem Tag zu schaffen sein. Puig-reig und Barbens sollte es für den Anfang tun und dort warteten auf mich weniger trutzige Burgen, sondern eher schöne Templerkapellen. Es ergab sich folgender Reiseplan:

Plangoogle maps

Die Generalitat de Catalunya teilt sich in die vier Provinzen Barcelona, Tarragona, Girona und Lleida. Jede Provinz ist sodann in sog. Comarcas gegliedert, die die Gemeinden zusammenfasst. Die reine Fahrzeit meiner Reise sollte 7 Stunden betragen. Ich mußte also morgens um 7:00 losfahren, wenn ich noch Chancen auf ein Abendessen haben wollte.

1 Provincia de Barcelona

1.1 Comarca Beguerdà

Puig-reig

Von Pals ging es erstmal südwestlich an Vic vorbei in Richtung Manresa und kurz davor wieder nach Norden, auf die Pyrenäen zu. Puig-reig liegt (wie der Name schon sagt!) hügelig und es dauerte eine Weile, bis ich die Zufahrt zur Templerkapelle dort fand.

Pals 2016 300Sie erhob sich neben einer modernen und grossen Pfarreikirche auf einer Anhöhe über der Gemeinde.

Pals 2016 302Esglesia de Sant Martí, 08692 Puig reig, Beguerdà

Pals 2016 305Hauptportal

Pals 2016 310Die seitlichen Stützen wurden 1954 bei Instandsetzungsarbeiten angebracht.

Pals 2016 315Die Kirche Sant Martí diente sowohl der Gemeinde als Pfarreikirche als auch den Templern. Die Ländereien erhielten die Templer im Jahre 1187 von einem Troubadour namens Guillem de Beguerdà. (Fuguet et al., S. 82) Sie errichteten ein castillo, dessen Reste in ein modernes Privathaus umgestaltet wurden (Monasterios de Catalunya).  Am Fusse dieser Hügel schlängelt sich der Fluß Llobregat durch eine von den Templern errichtete Brücke. Dort betrieben die Templer Mühlen (Fuguet et al., S. 82)

Sant Sadurní de Fonollet

Zur Komturei von Puig-reig gehörten noch drei untergeordnete Kapellen, Sant Sadurni de Fonollet, Sant Joan Degollat und Sant Andreu (aaO, S. 83). Ich konnte die erstgenannte im Navi finden. Sie war etwa 13 Km entfernt.

Pals 2016 321Sant Sadurní de Fonollet.

Pals 2016 326Auch diese Besitzungen erwarben die Templer 1187 von Guillem de Beguerdà. El lloc fou cedit pel trobador Guillem de Berguedà als Templers l’any 1187. L’església era sufragània de la de Sant Martí de Puig-reig, almenys així consta en una visita pastoral de l’any 1312.  Wikipedia

Pals 2016 328Detail: romanisches Fenster über der Westpforte.

Pals 2016 333Ich verließ die comarca Beguerdà nach Süden und machte mich auf in die Nachbarprovinz Lleida.

2 Provincia de Lleida

2.1 Comarca Pla d’Urgell

Barbens

Nach etwas mehr als einer Stunde erreichte ich den Ort Barbens in tiefem Mittagsschlaf. Es war sonnig warm und absolut niemand war auf der Strasse, den ich hätte nach dem Weg fragen können. Das erwies sich auch als unnötig, denn der Ort ist recht klein. Ich durchquerte die Altstadt auf der Hauptstrasse und gelangte nach wenigen Minuten zu einem verlassenen Platz:

Pals 2016 336

Es schien niemanden zu stören, dass ich mein Auto vorerst mitten auf dem Platz abstellte. Das Malteserkreuz im Wappen der Gemeinde zeigt mir erneut, dass offenbar in Spanien (ebenso wie in Italien) die Erinnerung an die Kreuzritter deutlicher aufrechterhalten wird, als etwa in Frankreich, wo bis heute noch häufig jedwede Hinweise auf Templerbesitzungen fehlen. Es war faszinierend. Rund um den Platz waren mehr oder weniger gut erhaltene Reste mittalterlicher Gebäude teilweise in eine moderne Bebauung integriert worden.

Pals 2016 340Esglesia Parroquia Santa Maria de Barbens

 

Pals 2016 342Westfassade und Hauptportal

Pals 2016 337Gebäude aus dem 17. Jahrhundert.

Pals 2016 345Portal der Stadtverwaltung, die im ehemaligen Malteserpalast untergebracht ist. Die Inschrift ist verrät, dass die Komturei von dem Ritter Emmanuele de Montoliu y de Buxados im Jahre 1763 restauriert wurde.

Pals 2016 345Solche Inschriften der Malteser müssen mitte des 18. Jahrhunderts modern geworden sein. Hier ein Beispiel aus Belgien:

ViréCommanderie de Visé, Province de Liège, Belgien

Pals 2016 346Die Gründung der comanda templera de Barbens erfolgte im Jahre 1168 anläßlich der Erweiterung der comanda templera de Gardeny, die hier in einem Gebiet mit ertragreichem Getreideanbau Ländereien dazu erwarb (Fuguet et a., S. 93). Der Kern der Gemeinde Barbens ging sodann aus dieser befestigten landwirtschaftlichen Komturei hervor (aaO, S. 94). Die Reste der Befestigung zeigen sich auf der Aussenseite des Palastes aus der Johanniterzeit.

Pals 2016 348Komturei heisst auf katalanisch comanda und auf spanisch encomienda.

Das Gebäude ist ersichtlich erst kürzlich grundlegend renoviert worden. Die Web-Seite

Monasterios de Catalunya

zeigt den Zustand der Gebäude von 2003.

2.2 Comarca Segrià

Vilanova de la Barca

Mein nächstes Etappenziel lag etwa 30 km westlich in Richtung der Provinzhauptstadt Lleida in der Comarca Segrià.

Pals 2016 356

Esglesia Santa Maria, 25612 Vilanova de la Barca

Pals 2016 361Die Kirche ist ersichtlich erst vor einigen Jahren saniert worden, wobei man darauf Wert legte, dass die moderne Bausubstanz sich deutlich von dem Vorbefund abhebt. Schräg gegenüber befand sich ein Bauhof, was zur der Annahme berechtigt, dass die Maßnahmen dieses Projektes auch noch nicht komplett abgeschlossen sind.

Zustand in 2016:

Pals 2016 352

Zustand bis 2005:

Barca(Quelle: Los templarios en la península ibérica, J. Fuguet und C. Plaza, Barcelona, 2005)

Vilanova de la Segrià

Die nächste Etappe erreichte ich in ca. 20 Minuten. Auch hier stelle ich fest, dass die Kirche sich in einem komplett durchrestaurierten Zustand befindet. Die spanischen Denkmalschützer setzten auch hier auf die Verwendung von leicht erkennbarem Ersatzmaterial:

Pals 2016 363Esglesia de Sant Sebastià, 25133 Vilanova de la Barca

Pals 2016 366St. Sebastian ist der Schutzpatron der Stadt. Im Wappen befinden sich zwei gekreuzte Pfeile auf grünem Grund.

Pals 2016 367halbkreisförmige Ostapsis

Pals 2016 368Sicht von Südost

Ich hatte den südwestlichsten Punkt meiner Tagesreise erreicht und konnte so langsam an die Rückfahrt denken. Zunächst einmal musste ich wieder Richtung Küste fahren.

3 Provincia de Tarragona

3.1 Comarca Conca de la Barberà

Barberà de la Conca

Mein nächstes und letztes Ziel für den Ausflug hatte ich mir in Barberà in der comarca Conca gesetzt. Der Ort lag etwa 1 Autostunde südöstlich von Vilanova. Man muß hier etwas acht geben, denn es gibt noch einen Ort weiteren namens Barberà in der Nähe, der aber zwischen Sabadell und Badalona liegt. Das ist aber schon die comarca Vallès. Zur besseren Unterscheidung gibt man den Namen der comarca regelmässig mit an. Es war schon nachmittags, als ich ankam. Ich parkte am Ortseingang am Fuße dieser Strasse hier und machte mich an den Anstieg. Im Hintergrund sah man schon die befestigte comanda de Barberà:

Pals 2016 375Carrer de Promasó, Barberà de la Conca

Pals 2016 378Ups. Das sah schon von weitem sehr geschlossen aus…

Pals 2016 381… und der Befund verbesserte sich nicht, als ich die Pforte erreichte. Zu! Samstags nachmittags eigentlich auch kein Wunder. Hier würde ich nochmal herkommen müssen.

Pals 2016 383Auf diesem Schild konnte ich erkennen, was ich innen alles verpasste. Ich vertröste einstweilen  meine Leser mit Fotos aus dem Innenbereichs aus der schon mehrfach von mir empfohlenen Seite Monasterios de Catalunya.

Für die Rückfahrt würde ich zweieinhalb Stunden brauchen, sodaß ich die Reise hier abbrach und rechtzeitig zum Abendessen zuhause eintraf.

1.1 Comarca Vallès Occidental

Palau-solità i Plegamans

Die Komturei von Palau-solità war an sich als letzte Etappe der oben beschriebenen Reise geplant, aber es passte zeitlich nicht und es war auch schon zuviel an Eindrücken. So mußte diese Etappe aufgeschoben werden. Da wir am übernächsten Tag ohnehin nach Barcelona mußten, um unsere Tochter am Flughafen abzuholen, würden wir einfach etwas früher losfahren. Ich hatte die Templerkapelle nach Bildern, die ich schon mal im Internet gesehen hatte, als ein kleines asymetrisches Kapellchen in einem schlechten Erhaltungszustand in Erinnerung.

DSC_0009

Ein Blick in den Stadtplan von Palau bestätigt die Anwesenheit der Templer in diesem Ort. Screenshot 2017-02-01 19.40.15Google maps

Man erkennt die Carrer Templers und den Cami Santa Magdalena eine Plaça Santa Maria

Wir kamen nach einer knapp eineinhalbstündigen Autofahrt von Pals hier an und fanden unser Ziel schnell. Aber waren wir hier auch richtig? Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sich so eine Kapellenruine in einem Ort ausmachen würde, der einen äußerst gepflegten Gesamteindruck darbot und im übrigen vornehmlich hübsche, vermutlich teure Einfamilienhäuser einladend präsentierte.  Auch die Ortskirche Santa Maria zeigte sich in einwandfrei und stilsicher restauriertem Zustand:

Pals 2016 152Santa Maria de Palau-solità

Pals 2016 147

Es ist deutlich zu erkennen, dass die Bausubstanz dieser Kirche maßgeblich mittelalterlich ist. Die Einfassung des Portals dürfte aus neuem Material bestehen. In unmittelbarer Umgebung der Kirche erkannte man mittelalterliche Mauerreste, die teilweise in modernere Gebäudestrukturen integriert waren.

Pals 2016 159alter Ortskern von Palau-solità

Pals 2016 122Das Strassenschild beflügelte uns, die Suche noch nicht so schnell aufzugeben. Am Südeingang zu diesem Vorort von Palau war uns beim Vorbeifahren noch ein altes Gemäuer aufgefallen:

Pals 2016 123

Pals 2016 126Es ist unklar geblieben, ob das vielleicht eine frühere Ortsbefestigung oder ein Gehöft ausserhalb des Ortskerns dargestellt hat, jedenfalls handelte es sich hier auch um mittelalterliche Mauern. An diese Mauern grenzte ein unbewohntes Haus, das von einer brusthohen Mauer umgeben und dessen Vorhof mit dichtem Gebüsch zugewachsen war. Hinter den Büschen blitzte einromanischer Torbogen hindurch, was das Adrenalin des Forschers mächtig in Bewegung brachte. Nun, Turnen in der Öffentlichkeit ist nicht so sehr meine Stärke. Meiner Frau machte das indessen gar nichts aus. Das Wort, was ich zu vernehmen glaubte, als sie mir den Fotoapperat aus der Hand nahm und begann, über die Mauer zu klettern, könnte „Memme“ gelautet haben, aber da bin ich mir nicht sicher. Sie verschwand jedenfalls hinter den Büchen. Es raschelte und dauerte eine ganze Weile, bis sie wieder zum Vorschein kam, mit folgender Bildausbeute:

Pals 2016 141Das war zwar immer noch nicht der Kapelleneingang, den ich suchte. Aber wir hatten hier ein Haus aus der Templerzeit entdeckt. Ich war deshalb nicht allzu traurig, dass unser Ausflug nicht das eigentliche Ziel erreichte. Das, was wir gefunden haben, hätte ich auch nicht erwartet. Hier würde ich also noch einmal herkommen müssen. Es würde garnicht so lange dauern, denn für die Herbstferien hatten wir bereits erneut unsere Traumunterkunft in Pals gebucht. Wir haben dann noch in Barcelona exquisit und mit fantastischem Ausblick am Yachthafen zu abend gegessen

20160523_212659Barcelona, Yachthafen

und anschließend unsere Tochter vom Flughafen abgeholt. Ab jetzt liess ich – jedenfalls für diesen Urlaub – von den Templern ab und wir erholten uns hier:

Pals 2016 296

2016, März, Piemonte, Liguria, Toscana

Italien – Teil 1, Piemont, Ligurien, Toscana

Im März 2016 ergab sich eine Gelegenheit für einen Kurztrip nach Italien, um Freunde zu besuchen, die ich seit mehr als dreissig Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ich bin nicht nur mit köstlichen Speisen und einem wundervollen Abend empfangen worden. Man hatte mir sogar bereits vier Bücher über die Templerniederlassungen besorgt und im Vorfeld noch ein paar Seiten daraus per Mail geschickt, sodaß ich die ersten Stationen für die Hinfahrt nach Ligurien schon mal auswählen konnte. Das ist meine erste Sondierungsfahrt zu Templerorten in Italien, sodaß die Auswahl mehr zufällig geriet und keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit hat.

Man kann sich für die erste Recherchereise in ein Gebiet nicht allzuviel vornehmen. Es ist vielmehr jedesmal erforderlich, erst vor Ort ein Gefühl für die Entfernungen zu gewinnen, bevor man die Machbarkeit von Etappen beurteilen kann. Und so ist auch diese Reise wieder nach dem „trial and error“ Prinzip trotz einiger bedauerlicher Auslassungen unterm Strich ein sehr spontanes und doch schönes Erlebnis geworden und die Bilder zeige ich Ihnen gleich hier. Meine Wahl für das erste Ziel fiel auf einen Templerort in der Regione Piemont, genauer in der Provincia di Alessandria, etwa hundert Km südwestlich von Milano.

Regione Piemont

1. Casale Monferrato, Prov. Alessandria

Als Standardreferenzwerk für die Etappen zog ich das Buch der Autoren Bianca Capone, Loredana Imperio und Enzo Valentini, Guida all’Italia dei Templari von 1989, 2. Aufl. 1997, 2. Nachdruck 2002, heran. Da man gewöhnlich Literatur von mehreren Autoren nach dem Namen des ersten Autors und dem Zusatz et al. zitiert, kommt hier – kurioserweise – aber nunmal unweigerlich „Capone et al.“ heraus :), und so bleibt mir nichts anderes übrig, als das Buch im folgenden genau so zu zitieren. Nach diesem Werk befindet sich die Commenda di Santa Maria del Tempio an einer alten Verbindungsstrasse ausserhalb der Gemeinde Casale Montferrato mit strategischem Bezug zu Fernstrassen nach Vercelli und Torino in einer wasserreichen Umgebung nahe des Flusses Po (Capone et al., S. 58).

santamaria(copyright: Google maps)

Ich hatte mich in einem kleinen Ort südwestlich von Casale, Ozzano Monferrato, eingemietet. Die Unterkunft befand sich in einem hübschen, sehr gepflegtem und altehrwürdigen Anwesen mit wirklich geräumigen Zimmern: La Corte delle 4 Stagioni

Italien empfing mich mit strahlend blauem Himmel. Nach einer reibungslosen Fahrt traf ich abends in Ozzano ein und ruhte mich – nach einer opulenten Pizza in einem gemütlichen Familienrestaurant – in meinem fürstlich anmutenden Quartier für einen vermutlich anstrengenden nächsten Tag aus. Dank Wifi konnte ich mir die nächsten Reiseziele  aussuchen und die Route abstecken. Gestärkt durch ein leckeres Frühstück (die sehr freundliche Inhaberin hat ein besonderes Geschick darin, es ihren Gästen unaufdringlich an nichts fehlen zu lassen) machte ich mich am nächsten Morgen gleich auf die Suche nach meinem ersten Templerort: Santa Maria del Tempio

dsc_000415033 Santa Maria del Tempio, Casale Monferrato (Prov. Alessandria),

Der erste Eindruck war atemberaubend. Die Anlage zeigte sich bei schönstem Wetter strahlend und gepflegt, was über den Umstand hinwegtröstete, dass aus dem Mittelalter nicht mehr allzuviel an oberirdischer Bausubstanz übrig geblieben war. Der Zustand der Kirche sah schon von weitem sehr nach 17. Jahrhundert aus und dürfte das Werk aus der Johanniter-Zeit sein.

Beginnen wir mit der Kirche, die noch heute als Pfarrkirche Santa Maria Degli Angeli in Benutzung ist:

dsc_0008Santa Maria Degli Angeli

dsc_0011barocke Innenausstattung

 

dsc_0020Beweisfoto: Wir liegen hier richtig 🙂

Auf der Südseite des Kirchenschiffes schließt sich ein geräumiger Innenhof an, der mannshoch ummauert war. An das Kirchenschiff schmiegen sich offenbar ältere Gebäude an, die wie die Reste eines Kreuzganges anmuten. Die meisten Gebäude sind offenkundig Zweckbauten aus dem 18. Jahrhundert. Die heutige Nutzung hat sich mir nicht erschlossen.  Nach Capone et al. haben sich bis heute noch unter den umstehenden Gebäuden geräumige unterirdische Anlagen erhalten (aaO).

dsc_0022

Aus einer Urkunde vom 10. Januar 1308 weiß man, dass die letzten drei Templer von Casale, Giovanni Bazano, Pietro Garilio und Manfredo de Vitreo auf Befehl des Inquisitors Ottone von Milano verhaftet und dem Vogt von Casale überantwortet wurden. (Capone et al., S. 59). Der Legende nach sollen die Templer ein Bildnis der Maria aus dem Orient mitgebracht haben, welches von den Gläubigen als wundertätig angesehen und verehrt wurde. (ebenda).

 

2. Livorno Ferraris, Provincia Vercelli

Am Vorabend hatte ich mich entschieden, unter den noch sehr zahlreichen weiteren Templerorten in Piemonte den zu besuchen, der am nächsten zu erreichen ist und bei dem noch am meisten erhaltene Bausubstanz aus der Templerzeit anzunehmen war. Die Wahl fiel auf Livorno Ferraris in der Provinz Vercelli. In etwa 40 Km erwartete mich nach meiner Recherche eine Templerkapelle im weitgehenden Originalzustand die, trotz einiger rüder Restaurierungen ihr Alter durch in Fischgräten-Anordnung gemauerten Ziegeln verraten soll (…mostra la sua vetustà nelle tracce di mattoni a spina di pesce… , Capone et al. S. 52).  Ohne genauer zu wissen, in welche Himmelsrichtung mich die Fahrt zur zweiten Tagesetappe führen würde, gab ich die Zieldaten ins Navi und machte mich bei weiter strahlend blauem Himmel und glasklarer Luft auf den Weg. Ich muss gestehen, dass ich vom Piemont noch nicht allzu viel wusste. Ich merkte jedoch rasch, dass die Fahrt in einer anscheinend unendlich weiten und hügellosen Tiefebene verlief und sich mir in weiter Ferne die puderzuckerbestäubten Ligurischen Alpen als grandiose und unveränderliche Kulisse darboten:

dsc_0027

Einige Kilometer vor dem Erreichen des Ortes Livorno Ferraris tauchte am rechten Fahrbahnrand der SP 7 dieses Schild auf:

dsc_0032

Hier zweigte ein ersichtlich als Damm aufgebauter Weg ab, auf dem im Hintergrund der angekündigte Bauernhof (cascina) schon zu erkennen war.

dsc_0034

Mir war zuvor schon aufgefallen, dass man rechts und links von der Strasse häufig wasserwirtschaftliche Bauwerke aller Art ausmachen konnte und dass die Umgebung von allerlei Gräben und Kanälen durchzogen war. Nicht ohne Grund gilt die Tiefebene des Po als besonders fruchtbar. Es ist auch durchaus nichts neues, dass man in einer solchen Umgebung auf Templereinrichtungen trifft. Die Templer hatten – wie das legendäre Marais in Paris augenfällig beweist – sowohl das Geschick, als auch die personellen und finanziellen Mittel, sumpfiges Land zum nachhaltigen Wohle des Ordens urbar zu machen. Die Landesherren konnten sich mit der „Spende“ von Sumpfland an den Orden großzügig erweisen und sich von vermeintlich nutzlosen Gütern trennen. Und der Orden machte anschliessend was draus.

Als ich näher kam, merkte ich, dass ich mir die Besuchszeiten und -modalitäten besser hätte ausdrucken sollen. Ich hatte etwas davon gelesen, dass man Besuche zu bestimmten Jahreszeiten vorher anmelden müsse und dergleichen mehr. Jedenfalls war zu und klingeln und sich bemerkbar machen half nicht. Aber mir gelangen einige wunderschöne Aufnahmen von aussen. Zudem wußte ich bereits, dass das innere der Kirche für meinen Geschmack „kaputtmodernisiert“ wurde, was sicher dem Umstand geschuldet ist, dass die Kirche immer noch intensiv für sakrale Zwecke genutzt wird.

dsc_0039Chiesetta Santa Maria di Isana, 13046 Livorno Ferraris, Vercelli

Urkundlich erwähnt ist das Templerhaus erstmals im Jahre 1208 als „mansio templi“. Im Jahre 1222 wird dieses Templerhaus bereits „Domus Sancte Marie de Ysana“ genannt (Capone et al., S. 53).  In einem Register der Diözese Vercelli taucht der Besitz 1298 unter dem Namen „ecclesia Sancte Marie de Exana et subest Milicie Templi“ auf (aaO).

Mir gelang schließlich dennoch ein gutes Foto, indem ich das Objektiv der Kamera durch eine Öffnung im Tor des Gehöftes stecken konnte und die Kamera dort ruhig genug lag:

dsc_0041Die fischgrätartig gemauerten Ziegelsteinreihen und eine Sonnenuhr

Falls Sie einen Besuch dieser schöngelegenen Kapelle planen sollten, erfahren Sie nähere Einzelheiten zu den Öffnungszeiten oder zu einer etwaigen Kontaktaufnahme hier: Santa Maria di Isana Homepage

Die Homepage beherbegt schöne Fotos der Kapelle von aussen und innen und zu verschiedenen Jahreszeiten. Auch wird von Legenden berichtet, die sich um die Kapelle ranken. So soll es dort einen wundertätigen Menhir geben, der den Pilgern Erleichterungen bei rheumatischen Beschwerden verschaffen würde, wenn sie sich mit dem Rücken dagegenlehnen  (Capone et al. S. 54). In der Nähe der Kapelle sei eine Quelle, deren Wasser unter der Kirche hindurchfliesse, was für tellurische Kräfte sprechen würde. Wer so etwas mag, findet auf der besagten Homepage noch mehr.

Bei der Bearbeitung dieses Beitrages kam mir in den Sinn, bei diesem und künftigen Beiträgen Kartenausschnitte einzufügen, die die besuchten Templerorte in einer größeren Umgebung eingebettet zeigen, damit sich der geneigte Leser besser orientieren kann.

isanaWie man sieht, hat die Strecke einen nordwestlichen Verlauf. Sie befindet sich zwischen Torino und Milano und weist auf den Ort Ivrea (oben links).  Danach kommt Aosta. Spätestens bei dieser Feststellung „klingelte“ es bei mir, denn diese beiden Orte werden mit der sogenanten Via Francigena in Verbindung gebracht.  Es handelt sich hierbei um eine frühmittelalterliche Fernpilgerroute von Canterbury nach Rom. Der aufmerksame Leser wird sich vielleicht daran erinnern, dass mir diese Pilgerstrecke schon einmal bei einer Templerreise begegnet ist und zwar bei dem Templerort Pierrecourt in der Franche-Comté.

Die Richtung, die meine Etappenstrecke von Casale nach Livorno Ferraris zu weisen scheint, stimmt mit der Lage der Freigrafschaft Burgund überein. Es steht ohnehin fest, dass das Aosta-Tal den südlichen Zugang zu dem schon seit alters her bevorzugten Alpenübergang bei dem Großen Sankt Bernhard markiert. Es empfiehlt sich an dieser Stelle, sich den Verlauf dieser sogenannten Via Francigena einmal im ganzen anzusehen.

getmapimghttp://www.wandersite.ch

Man darf dabei nicht vergessen, immer wieder zu betonen, daß es die via francigena ebensowenig gibt, wie den Jakobsweg. Es handelt sich bei beiden Phänomenen um Wegesysteme mit häufig mehreren alternativen Teilstrecken und Zugangspunkten. Da ich auch in der Toscana in Orten mit einer Templerniederlassung auf Hinweisschilder zur via francigena bemerkt habe, begann ich mich zu fragen, ob ich hier vielleicht einen steinernen Beweis der Hypothese gestossen bin, dass die Templer tatsächlich ihre Standorte (auch) nach dem Gesichtspunkt des Pilgerschutzes ausgesucht haben. Ich folgte also der Verlockung, ausgewählte Templerorte die ich in den Jahren 2007 im Burgund und 2010 und der Freigrafschaft bereist habe, optisch in einen Bezug zu der hier auf der italienischen Seite der Alpen ausgemachten Templerniederlassungen zu bringen. Das Ergebnis hat mich jedenfalls sehr erstaunt:

francigena-jpg(mithilfe von Google maps)

Ich erlebe gerade regelrechtes Forscherglück, denn für mich persönlich ist diese eher zufällige Entdeckung schon jetzt ein rechtes Highlight. Den Nachweis einer solchen Templerstrasse (dh. einem Fernreiseweg, der in regelmässigen Abständen von Niederlassungen der Templer „überwacht“ wird) über mehrere Landesgrenzen hinweg, habe ich bisher in noch keinem anderen Werk über die Templer gefunden, auch und gerade nicht in den Standardwerken der namhaftesten Autoren.

Das liegt sicher auch daran, dass die „großen“ Autoren das Phänomen der Templer eher als ganzes behandeln und sich in solchen Details nicht „verlieren“ wollen. Andere Autoren beschränken sich eher auf nationale, regionale oder gar nur lokale Betrachtungen. Landkarten in Büchern, die nur die äusseren Umrisse eines Gebiets zeigen, in denen dann auf weissem Grund das eine oder andere Templerkreuz zu sehen ist, vermitteln zumeist nicht den richtigen geografischen Ort und es fehlt häufig der Bezug zu Ortsnamen, die man eben auch nur auf entsprechenden hochauflösenden Karten erkennen kann. Solche Karten erlauben zwar die Erkenntnisse über mögliche Verbindung von Templerorten untereinander. Sie verstellen aber wiederum die Sicht aus der Distanz.   Mit den features des Google Map Systems kann ich die  Vorteile verschieder Kartengrößen miteinander kombinieren. Ein winziger Ort wie Santa Maria del Tempio wird genauso groß und deutlich angezeigt, wie die Supergrosstadt Milano.

Auch wenn jetzt noch Feinjustierungen an obiger Karte nötig sind, denn es gibt noch einen  – ebenfalls mit regelmässigen Templerniederlassungen beflankten – Alternativ-Weg zwischen Besançon und Langres, so sind solche Augenblicke die Bestätigung für mein generell gewähltes Vorgehen, mich weder auf die Literatur noch auf die eigene Wahrnehmung auf Reisen vor Ort alleine zu verlassen. Man wird dem Phänomen der Templerniederlassungen in Europa niemals auf den Grund kommen, wenn man sich alleine mit der Auswertung der Literatur befasst. Andererseits sind Reisen zu irgendeinem Templerort relativ sinnlos, wenn man die Ergebnisse der Reise hinterher nicht mit den Erkenntnissen aus der Literatur zusammen führt, um so auf ein grösseres Ganzes schliessen zu können.

Es ist praktisch keine Literatur über die Niederlassungen der Templer in der Schweiz. Ich vermag daher derzeit keine Erklärungsansätze zu liefern, warum sich in der Schweiz scheinbar keine Niederlassungen des Ordens am „Frankenweg“ befunden haben.

Regione Liguria

3. Osiglia, Provincia Savona

Ich machte mich auf den Weg zu meiner dritten Tagesetappe, die ich so gewählt habe, dass ich rechtzeitig am Abend am Meer sein würde. Immerhin stand mir ein Abendessen mit alten Freunden bevor. Ich nahm also Kurs auf Genova. Die Autobahn umfährt Torino und dreht dann nach Süden ab. Schon bald bemerkte ich, dass ich die Tiefebene verliess und auf das Küstengebirge zuhielt.

screenshot-2017-01-10-19-35-05

Der nächste Templerort Osiglia in der Provinz Savona ist nach Capone et al. (S. 105) auch für das mittelalterliche Wegenetz von wichtiger Bedeutung gewesen. Er liegt an einem Gebirgpass, durch den die Verbindungsstrasse zwischen der damaligen Markgrafschaft Monferrato und dem ligurischen Meer verlief. Man verläßt die Autobahn an der Mautstelle Millesimo und nimmt die Strasse ins Hochtal von Bormida. Die Ortschaft Osiglia besteht nur aus einer Handvoll älterer, landwirtschaftlich geprägter Häuser. Der einzige Parkplatz befand sich vor dieser Kirche:

dsc_0044Die Fassade ist ersichtlich nicht aus dem Mittelalter, aber die Kirche stand schon zur Templerzeit:

dsc_0046

dsc_0048

Die chiesetta der Templer sei verfallen, ebenso wie ein Gehöft der Templer. Das ehemalige Templerhaus, das auf Militärkarten als „Casa Magione“ verzeichnet sei (Capone et a., S 105), soll auch nur noch als Ruine bestehen. Ich hatte meine Mühe, mich bei den Anwohnern über die Lage dieser Templerruine zu informieren. Ein älterer Herr, den ich letztlich erfolgreich befragen konnte, lachte laut auf, nachdem ich ihm mein Begehr verraten und er meine Hose und meine Schuhe kritisch gemustert hatte. Mit der Kleidung würde ich da wohl nicht lebend hinkommen, meinte er verschmitzt lächelnd. Der Weg sei steil, mit einer Eisenkette versperrt und überdies nicht vom Schnee geräumt. Zudem lohne der Weg sich nicht, weil alles verfallen sei. Also tröstete ich mich mit der Vorstellung, dass die Templer damals diese Kirche gewiss auch häufig betreten haben werden und machte mich nach Genua auf, wo sich das ehemalige Templerhaus an der Piazzetta Santa Fede befinden solle.

Es war schon nachmittag, als ich auf der anderen Seite des Küstengebirges ankam und da lag es – verheissungsvoll glitzernd bis zum Horizont – vor mir, das Meer! Es geschieht schon eher selten, dass eine Stunde Autofahrt ausreicht, um aus einer kälteknirschenden Schneelandschaft an sonnengeflutete Meeresstrände zu gelangen. Die Aussicht, mich jetzt im beginnenden Berufsverkehr durch die Gassen Genuas zu schleusen, um etwas zu suchen, von dem ich garnicht wusste, wie es aussah, begann mich zu irritieren. Viel lieber wäre ich gleich nach Massa gefahren und hätte mich erstmal dort am Meer in die Sonne gelegt. Ich fuhr zunächst an einigen Ausfahrten vorbei. Schließlich entschied ich mich doch, die Autobahn zu verlassen. Diese Entscheidung hatte ich jedoch schon nach wenigen Augenblicken bitter bereut. Ich kam gerade noch auf die Uferstrasse der Innenstadt und dann ging fast nichts mehr. Ich quälte mich ein paar Häuserblocks durch den zähen Stau. Dabei erhielt ich einen Anruf von meinen Freunden und erfuhr, was man gerade zubereiten würde.

Und das gab dann den Ausschlag. Ich wendete, so schnell ich konnte und hatte keine Schwierigkeiten, wieder zurück auf die Autobahn zu kommen. Danach rund eineinhalb Stunden Fahrt auf der SS1 Via Aurelia (Sie wissen schon: Tunnel, Brücke, Tunnel, Brücke usf.) und nach unzähligen Malen die Sonnenbrille auf- und wieder absetzen erreichte ich mein Tagesziel. Es war ein wunderbarer Abend mit üppigem Essen, VIEL Wein und guter Musik. Zwei der Freunde hatten Gitarren mitgebracht und es gab eine rauschende Session. Grazie mille an Elisabetta, Ernesto, Renzo und Roberto: „It’s wonderful / It’s wonderful / It’s wonderful / Good luck my baby…)“!

Regione Toscana

4. San Gimignano, Provincia Siena

Dank der unbestreitbaren Tatsache, dass Templerreisen nunmal immun gegen die möglichen morgendlichen Nachwirkungen eines schönen Abend machen, reichten die Dusche und die Espressi zum Frühstück in meiner Pension in Massa ohne weiteres aus, um meine erste Tagesetappe für den dritten Tag meiner Reise zu schaffen. Nach ca 2 Std. Autofahrt bei schönstem Wetter über die wunderschöne Hügellandschaft um Volterra (Eine „Hochburg“ der Etrusker) erreichte ich die Stadt San Gimignano in der Toscana. Die mittelalterliche Stadt ist für den Autoverkehr gesperrt. Ich wählte einen der zahlreichen Parkplätze im Süden der Stadt und beim Marsch auf das südliche Stadttor, das sich zur Via San Giovanni öffnet, gelang mir dieses Bild, das zugegeben ohne den weissen Lieferwagen noch etwas beschaulicher geraten wäre:

dsc_0063San Gimignano wird das „Manhattan der Toscana“ genannt. Warum das so ist, fasst Wikipedia zutreffend so zusammen: San Gimignano besitzt noch einige der mittelalterlichen Geschlechtertürme, die in anderen Städten nur als Stümpfe erhalten blieben. Im Mittelalter versuchten die Patrizierfamilien, sich in der Höhe ihres Geschlechterturmes zu übertreffen, obwohl ein luxuriöses Leben in diesen nicht möglich war. Von den einst 72 Geschlechtertürmen existieren in San Gimignano heute noch 15. Die beiden höchsten, der Torre Grossa aus dem Jahr 1311 und der Torre della Rognosa, weisen eine Höhe von 54 bzw. 51 Metern auf.

 

dsc_0077Geschlechtertürme, vom Domplatz aus gesehen.

DSC_0075Duomo di San Gimignano

Um mir die Suche nach der Templerkirche zu erleichtern, begab ich mich ins Tourismusbüro, wo ich mit einem Plan und guten Ratschlägen ausgestattet wurde. Die Altstadt von San Gimignano ist nicht eben klein und übersichtlich. Vom Domplatz aus machte mich auf den mir gewiesenen Weg und wurde bald fündig.

dsc_0078Die gute Nachricht: Die Kirche war leicht zu finden, denn sie liegt direkt am Stadttor San Jacopo. Und sie war ausgerechnet heute offen! Man erklärte mir, dass dies nur an sehr wenigen Tagen im Jahr der Fall sei. Es war die Giornate FAI di Primavera, und viele vielleicht ehrenamtliche Helfer standen ,mit Rat und Tat zur Seite. Hier ist sie nun, die Templerkirche von San Gimignano:

dsc_0079chiesa templare San Jacopo, 53037 San Gimignano

dsc_0080Templerkreuz auf dem Türsturz unter dem Tympanon

dsc_0081oberer Teil der Fassade, in Ziegelstein ausgeführt

Die schlechte Nachricht: Ich hatte offenbar mein inzwischen schon innig geliebtes „Capone et al.“ im Tourismusbüro liegen gelassen. Und das war ganz schön weit weg! Ich würde es heute noch brauchen und es war ohnehin nicht ganz leicht, das Buch aufzutreiben. Die Mitarbeiter der Organisation waren so nett, mir die Telefonnummer des Tourismusbüros zu nennen. Ich rief dort an. Ja, man hatte mein Buch entdeckt, aber ich müsse mich beeilen, es werde bald zugemacht. Also hetzte ich zurück durch die ganze Stadt, rettete mein Buch und kam erst eine Weile später dazu, die Kirche nunmehr auch innen anzusehen.

dsc_0083San Jacopo: Blick in den Ostchor

dsc_0086Gemälde an der Nordflanke: San Giovanni

dsc_0087Gemälde an der Südflanke: San Giacomo or San Jacopo

dsc_0093Das Kirchenschiff liegt ausserhalb der Stadtmauern

Man weiss nicht, wann die wohl 1096 gebaute Kirche an die Templer gelangte aber in 1239 befand sie sich bereits im Besitz der Templer und wurde von dem Tempelbruder Orlando verwaltet (Capone et al., S. 142). Nach 1309 soll es infolge der Ausführung päpstlicher Beschlüsse zu gewaltsamen Übergriffen gekommen sein. Jedenfalls mußte die Kommune anschliessend einen Geldbetrag bereitstellen, um die Kirche wiederherzustellen Capone et al. S. 142.

Auf dem Weg zu meinem Auto stolperte ich über dieses Hinweisschild an der Strasse nach Poggibonsi:

viafranDas war der Beweis für die These, dass auch der Ort für diese Templerniederlassung wegen seiner Lage an der via francigena ausgewählt wurde. Um es kurz zu machen, die Templerei von Poggibonsi, meinem nächsten, nur zwanzig Minuten entfernten Ziel, habe ich dort nicht gefunden. Ich kam mit der Beschreibung nicht zurecht und habe nicht verstanden, dass die Kirche San Giovanni alla Magione ausserhalb der Stadt in einem Ort Namens Calcinaia zu finden ist.

Screenshot 2017-01-14 17.19.23

Da muß ich also nochmal hin. Aber es steht ohnehin auch noch Perugia auf dem Programm und ich hoffe, ich kann das dann im nächsten Jahr erledigen. Hier gestatte ich mir, auf die gut gemachte und empfehlenswerte Homepage Terra di Siena.org

zu verweisen und mir zudem ein Bild davon auszuleihen, um zu zeigen, was mir und meinen Lesern dort entgangen ist.

Screenshot 2017-01-14 16.19.10copyright: Terra di Siena.org

 

5. Siena, Provincia Siena

Ich verspürte nur geringe Neigung, die Templerkirche in mit dem Auto zu suchen. Ich hatte vielmehr Lust, mich ein bisschen in Siena treiben zu lassen. Ich fand einen Parkplatz in der Nähe der Porta Ovile, und machte mich zu Fuß auf den Weg.

dsc_0101Siena, Porta Ovile, erbaut ab 1230, Ansicht in Richtung Stadtmitte

dsc_0107Sicht aus der Stadtmitte

Nachdem ich das Stadttor hinter mich gelassen hatte, erhob sich vor mir eine recht steile Strasse, die Via Vallerozzi, deren Ende vorerst nicht absehbar war. Ich erkundigte mich bei einem Ladenbesitzer, wie weit das denn zur Templerkirche sei und verkniff mir die Frage, ob ich wohl eine Sauerstoffmaske für den Aufstieg benötigen würde. Er meinte, dass sähe schlimmer aus, als es ist und ich würde vielleicht eine Viertelstunde brauchen. Die Kirche befindet sich in der Via Comollia kurz vor dem Stadttor des gleichen Namens. Hier ist sie nun:

dsc_0111chiesa templare di San Pietro alla Magione, Siena

 

dsc_0114

dsc_0117Blick in den Ostchor

dsc_0123

dsc_0134Fresko im Inneren

dsc_0120Ein Dokument vom 29. Mai 1148 beschreibt die Lage einer Immobilie:“ extra porta de Camollia, prope domum Templi“ (Capone et al., S. 149) . Auf dem obigen Hinweisschild ist noch zu lesen, es sei sicher, dass die Templer in 1207 hier eine „Magione“ (nach dem frz. Wort „maison“) – also ein Templerhaus – unterhielten, an das ein Hospital und eine Herberge für Pilger  angeschlossen war.

Jetzt meldete sich aber erst mal der Hunger. Ich war wieder den ganzen Tag herumgehetzt, ohne mir eine Pause zu gönnen und eigentlich stand auch noch Perugia auf dem Programm. Ein paar Schritte vor der Templerkirche war mir bereits ein nettes kleines Restaurant aufgefallen, woher es ungeheuer anziehend roch. Also ließ ich die Templer beiseite, kippte den Plan mit Perugia und dachte erstmal an mich:

20160319_150334Pici senese al ragù und ein Peroni.

Das war eine absolute Köstlichkeit. Pici sind extradicke Spaghettis und die Sosse war ein Gedicht. Oben links im Bild ist mein „Al Capone“, der für heute ausgedient hatte. Ich verbrachte noch eine Nacht in Massa, wo vorher noch ein gutes Abendessen auf dem Programm stand.

Es war schön in Italien. Ich möchte hier bald wieder her und hoffe, es klappt nochmal in 2017.