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2018, März, Lothringen

Im März 2018 folgte ich der Einladung zu einem Symposium über die Templer

Die Veranstaltung fand im Château de Lunéville, dem „Versailles Lothringens“ (wikipedia) statt. Das Schloss hat in der Tat beachtliche Ausmaße:

Château de Lunéville, 1703 – 1720

Alain Demurger, ehrenamtlicher Maître de Conférences an der Université de Paris auf dem Weg zum Vortragssaal. Ich hatte kurz danach die Ehre, persönlich mit ihm zu sprechen, auch wenn es nur darum ging, ihm bei dem kleinen Lift den Vortritt zu lassen. Der Vortrag war interessant, obwohl ich natürlich nur ein Viertel mitbekam, so gut sind meine Französischkenntnisse dann doch nicht.

Vortrag Alain Demurger

Der nächste Referent hatte einen Plan vorbereitet und projektiert, der die Verteilung der drei Ritterorden in Lothringen und im Rheintal dokumentiert. Während ich die Stätten im Rheintal und den größten Teil der Templerorte in Lothringen in den letzten 12 Jahren schon persönlich aufgesucht hatte, fehlten mir bislang von dort noch Informationen über die Johanniter und Deutschordensritter. Ich beschloß, eine neue Reise nach Lothringen zu planen, um dieses Defizit auszugleichen.

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2017, Lothringen, Champagne und Burgund

1. Metz, Dept. Moselle, Région Grand-Est

Am 01.01.2016 wurden die Régions in Frankreich neu organisiert und zu größeren Einheiten zusammengelegt. Die frühere Région Lorraine wurde mit der Région Champagne-Ardennes und der Région Alsace zusammengefasst und heisst jetzt Grand-Est. Man wird sich daran gewöhnen müssen.

Als ich das erste Mal im Jahre 2006 die Templerkapelle in Metz aufsuchte, lag Metz jedenfalls noch in Lothringen. Rund um die Templerkapelle waren aber zu meiner grossen Enttäuschung damals lärmende und staubende Bauarbeiten im Gange.  Die Fotos waren deshalb fast alle unbrauchbar, sodaß ein weiterer Besuch schon länger auf meiner Agenda stand und bei der ersten Gelegenheit im Jahre 2017 realisiert werden konnte.

In den 11 Jahren hatte sich einiges verändert. Die Rue de la Citadelle ist inzwischen für den Verkehr gesperrt, womit es keine Möglichkeit mehr gibt, in der Nähe der Kapelle zu parken. Es empfiehlt sich, das Arsenal über den Boulevard Poincaré anzufahren und die neue Tiefgarage unter dem Einkaufszentrum zu benutzen. Der kurze Spaziergang lohnte sich. Schon von weitem hatte ich freie Sicht auf mein Ziel, das Wetter war wunderbar und der Platz vor dem Arsenal diesmal menschenleer. Bei strahlendem Wetter gelangen mir endlich schöne und ungestörte Aufnahmen der Templerkapelle von Metz.

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Templerkapelle, 57000 Metz

Die Hinweis-Tafel verrät, dass dieses Bauwerk zwischen 1180 und 1220 als eines der ersten Templergebäude auf dem Gebiet des hl. römischen Reiches errichtet wurde. Nach der Auflösung des Templerordens im Jahre 1312 ging die Kommende in den Besitz des Deutschen Ordens über.  In der Folgezeit wurde die Kapelle als Munitionsdepot benutzt und erst 1840 unter Denkmalschutz gestellt und restauriert.

DSC_0114Ansicht von Westen

DSC_0111Templerkreuz im Tympanon

Es ist vielfach zu lesen, dass man von diesem Bauwerk eine „typische Architektur der Templer“ ableiten könne. Dabei wird regelmässig auch auf die Templerkapelle in Laon hingewiesen, die bekanntlich ebenfalls einen achteckigen Grundriss hat. Allerdings trifft das Gegenteil zu: Es gibt weder eine typische Templerarchitektur, noch haben die Templer oktogonale oder runde Zentralbauten erfunden. Die gab es schon lange vorher (vgl. Pfalzkapelle in Aachen). Die überwältigende Mehrzahl der Templerkapellen hat in Wahrheit vielmehr einen einfachen rechteckigen Grundriss, zumeist mit geraden Chorschluss (frz. chevet plat). Das konnte ich in meinen Reisen immer wieder bestätigt finden. Lambert (L‘ Architecture des Templiers, S. 164). weist daraufhin, dass die kleinen Kapellen von Laon und wohl auch von Metz als Friedhofskapellen angesehen werden müssen, die es so ähnlich auch vielfach in Einrichtungen der Johanniter gegeben hätte (a.a.O). Typisch für Templerkirchen ist allerdings, dass sie regelmässig drei Fenster im Chorschluss oder der Apsis aufweisen, so wie auch diese hier.

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Der Ostchor und die anspruchsvolle Dachkonstruktion

Die Kapelle war – wie meist – verschlossen. Für die Innereien interessiere ich mich auch nicht sonderlich, da von dem Urzustand kaum noch etwas vorhanden ist. Meine Mission hier in Metz war so gut wie beendet. Auf dem Rückweg zum Parkhaus wurde ich auf ein Gebäude aufmerksam, das noch aus der Römerzeit von Metz (Divodurum metriomatricorum)  stammt.

DSC_0124    Église Saint-Pierre-aux-Nonnains, Metz

Ich zitiere aus Wikipedia: Das Bauwerk ist gallo-römischen Ursprungs. Es wurde im 4. nachchristlichen Jahrhundert errichtet und war zunächst Teil römischer Thermen. Im 7. Jahrhundert wurde es zur Kirche eines Benediktinerinnen-Klosters geweiht, dessen erste Äbtissin Walrada von St. Pierre war. Wenig später wurde dem Gebäude eine Chorapsis angefügt. Weitere Änderungen erfuhr die Kirche im zehnten, 15. und 16. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert erhielt das Kirchenschiff gotische Gewölbe.

Nun musste ich mich aber aufmachen, denn Ich hatte für diesen ersten Tag noch einen weiteren, sehr geheimnisvollen Templerort vorgenommen. Dazu war eine Fahrt ins nördliche Burgund erforderlich und ich wollte dort noch vor Einbruch der Dunkelheit eintreffen.

 

2. Commanderie de Coulours, Dept. Yonne, Région Bourgogne-Franche-Comté

Nach einer knapp dreistündigen Autofahrt über Châlons-en-Champagne und Troyes erreichte ich gegen 17:00 mein Ziel. Es war noch hell genug, um gute Fotos zu gestatten. Coulours liegt etwa auf halbem Weg zwischen Troyes und Sens, keine 5 km hinter der Grenze des Departements 10 Aube mit dem Departement 89 Yonne und gehört damit nicht mehr in die Région Champagne. Es ist nicht ganz einfach, diesen Ort mit Google Maps zu finden. Wer damit Schwierigkeiten hat, sucht den Canton Cerisiers im Yonne und lässt sich dann eine Route nach Coulours ausgeben. Um mir die Suche vor Ort zu erleichtern, habe ich alte Lagepläne aus dem Buch von Michel Miguet, Les Templiers en Bourgogne, herauskopiert

Miguet Karten

(Copyright Michel Miguet)

und mit dem Kartenausschnitt von google maps verglichen.

couloursmap

(Copyright google maps)

Die Rue de l’Église war mit dem Navi ohne Probleme zu finden und auch die Stelle, an der rechts der Weg in das Gelände der ehemaligen Commanderie abzweigte.

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Wie man sieht, hat sich die Vorbereitung gelohnt. Der Weg schien öffentlich zu sein. Kein Schild untersagte das Betreten des Geländes. Ich fuhr also auf den Haupteingang zu

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und hielt vor dem verschlossenen Tor.

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Ich klopfte, aber es regte sich nichts. Ich wollte auch die Privatsphäre der Eigentümer nicht stören, also beschränkte ich mich auf Aussenaufnahmen. Zunächst wandte ich mich der Westflanke zu, also dem Bereich links neben der Hauptpforte

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Sodann fuhr ich wieder hinaus und stellte mein Fahrzeug an dem Commanderie-Schild ab, denn ich blockierte die Zufahrt. Anschliessend lief ich die Rue de l’Église hinab und bog nach links in die Rue Saint-Abdon ein, um von dort auf den Pfad zu gelangen, der an der Ostflanke der Commanderie entlangführt.

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In der Bildmitte sieht man die ehemaligen Kapelle der Commanderie, die seit langer Zeit als Scheune benutzt wird. Die Mauer und der Baumbewuchs verhinderten bessere Aufnahmen der Kapelle.

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Nur ein Foto verschaffte eine Ahnung von dem Aussehen des Gebäudes. Die beste Gesamtübersicht gelang mir von der Rue Saint-Abdon.

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Commanderie des Templiers, 89120 Coulours

Die Kirche von Coulours hatte eine recht interessante Fassade. Ich konnte nicht widerstehen

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Von Nordosten wirkte sie nicht mehr so klotzig und bedrohlich

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und mit dieser letzten Aufnahme verabschiedete ich mich von der 142-Seelen-Gemeinde Coulours und fuhr in die Champagne zurück. Genauer gesagt, nach Piney, einer kleinen Ortschaft 30 km westlich von Troyes und freute mich auf mein üppiges Abendessen in dem entzückenden Hotel Le Tadorne, das wir schon seit mehr als 10 Jahren immer wieder einmal aufsuchen. Piney war selbst einst ein Templerort, aber es findet sich nichts mehr davon in der Bausubstanz. Von hier aus kann man den Forêt d’Orient und den Lac du Temple erkunden und wird auch dort leider von den einst extrem zahlreichen Niederlassungen der Templer so gut wie nichts mehr entdecken. Dafür ist das Essen im Le Tadorne ausgezeichnet.

3. Commanderie Templière d’Avalleur, 10110 Bar-sur-Seine, Aube, Grand-Est

Nach einem sehr ruhigen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück brach ich nach Süden auf. Die Fahrt nach Avalleur (Gemeinde Bar-sur-Seine) verlief zunächst auf der D1 durch den Forêt d’Orient nach Geraudot. Mir war bewußt, dass auf diesem Abschnitt ehemalige, zum Teil besonders bedeutsame Templerfarmen im Wald versteckt liegen. Allerdings habe ich bisher noch keine Anzeichen oder Quellen dafür gefunden, ob und in wieweit auf den heute noch existierenden Gehöften Bausubstanz aus der Templerzeit übrig geblieben ist. Auf seiner Webseite Templiers.net listet und beschreibt Jack Bocar die Plätze der ehemaligen Gehöftplätze um die Commanderie de Bonlieu (es existiert dort heute ein Landwirtschaftsbetrieb unter dem Namen Earl de Bonlieu).

Bonlieu

(Copyright: Jack Bocar, www.Templers.net)

Auf dem Ausschnitt aus der sog. Carte de Cassini (1747-1818) erkennt man die Templerorte Bonlieu, La Loge-Madame und La Commanderie du Temple de l’Hôpital. Und diese drei Gehöfte kann man heute noch auf dem Satellitenbild erkennen.

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(Google Maps)

Um den Nahbereich um den Lac du Temple näher zu untersuchen, würde ich einen ganze Tag benötigen, denn die Liste der Templerorte ist noch um einiges länger. Diese Recherchereise sollte jedoch einem anderen Zweck dienen:

Ich forsche – besonders im Burgund und der Champagne – seit längerem danach, ob sich eine Verbindung von Templerpäsenz mit einem mittelalterlichen Fernstrassennetz nachweisen lässt. Die Commanderie von Avalleur hatte ich aus zwei Gründen auf meiner Agenda. Zum einen hatte ich bei meinem ersten Besuch von Avalleur im Jahre 2007 Pech mit dem Wetter, denn es schneite.

Zum anderen war mir beim Markieren von Templerorten in Landkarten aufgefallen, dass in Bar-sur-Seine (in dessen Gemeindegebiet sich Avalleur befindet)  eine ganze Reihe von Fernstrecken aus bedeutsamen Städten fast sternförmig zusammen zu laufen schienen, an denen sich jeweils mehr oder weniger dicht gedrängt Templerorte aneinander reihten. Es ist noch zu früh, um Zufälligkeiten auszuschliessen, aber folgende Beobachtungen möchte ich hier einmal vorläufig festhalten:

Verläßt man Avalleur nach Westen, erreicht man nach 60 Km (zwei Tagesetappen?) die Commanderie von Coulours. Von Coulours geht es nordwestlich über Savigny-le-Temple zum Süden von Paris und südöstlich über die Templerorte Fontenay-pres-Chablis, Nuits-St. Marc und Montbard nach Dijon.

Savigny Dijon

(Copyright: Google Maps)

Reist man von Avalleur in nordwestliche Richtung, erreicht man bereits nach ca. 25 Km den Templerort Villers-les-Verrières und sodann über die weiter ziemlich gerade in einer Reihe liegenden Templerorte Troyes, Payns, Fresnoy (10400 Montpothier), Chevru, Coulommiers und Crecy-la-Chapelle schließlich den Osten von Paris.

Avalleur Chevru

(Copyright: Google Maps)

Wendet man sich von Avalleur nach Nordosten, gelangt man über die Templerorte Bar-sur-Aube (Hier kreuzt die Via Francigena und führt über Langres, Besançon und Pontarlier nach Lausanne !), Dagonville und Doncourt-aux-Templiers nach Metz.

Avalleur-Metz

(Copyright: Google Maps)

Wendet man sich nach Südsüdost, gelangt man in 35 Kilometern nach Châtillon-sur-Seine. Dort beginnt bekanntlich die von mir erstmals von mir nachgewiesene „Templerstrasse“ über die Templerorte Voulaines-les-Templiers, Bure-les-Templiers,  Busserotte-et-Montenaille, Selongey und Autrey-lès-Gray nach Gray an der Saône. In Gray gab es schon im Mittelalter eine Brücke über die Saône. Die Templerstrasse vereinigt sich  wohl aus diesem Grund in dem Ort Gray mit der Via Francigena, die dort von Langres aus eintrifft und anschliessend nach Besançon weiterführt.

Avalleur Gray

(Copyright: Google Maps)

Nach diesen halbgaren, theoretischen Erwägungen oder Spekulationen möchte ich Ihnen aber auch nicht mehr länger die Bilder von Avalleur vorenthalten. Vor Ort habe ich zu meiner grössten Freude und Überraschung festgestellt, dass man inzwischen ernsthaft damit begonnen hat, die Gesamtanlage einer gründlichen Restaurierung zu unterziehen. Die Freude darüber war größer als die Enttäuschung, dass ich wegen der Bauarbeiten den Vorplatz vor der Kapelle nicht betreten durfte und so konnte ich vom aktuellen baulichen Zustand nur Aufnahmen von ausserhalb des Geländes mitbringen.

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Chapelle des Templiers, Avalleur, 10110 Bar-sur-Aube, 2017

Die Kapelle befand sich auch 2007 schon in einem ganz ordentlichen Zustand, aber die profanen Gebäude der Commanderie waren doch schon recht heruntergekommen.

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Maison du commandeur, 2007

Ich bin dem Reiz erlegen, in diesem Beitrag Bilder von 2007 mit denen von 2017 zu vergleichen. Hier ein Blick auf die Südflanke (Die Kapelle zeigt indes nicht exakt nach Osten sondern nach Ostsüdost. Die Blickrichtung auf das Gebäude ist also eher aus Südsüdwest.)

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Commanderie Avalleur, Südseite, 2007

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Commanderie Avalleur, Südseite, 2017

Finden Sie die 10 Unterschiede? 🙂 Noch gravierender haben sich die Renovierungsarbeiten an der Nordflanke ausgewirkt:

Avalleur Tripadvisor

(Copyright: Tripadvisor)

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Und aus ähnlichem Blickwinkel mein Foto von 2017

4. Commanderie d’Épailly, 21520 Courban, Côte-d’Or, Bourgogne-Franche-Comté

Von Avalleur bis zu meiner nächsten Etappe Épailly waren es ca. 40 km in südöstlicher Richtung. Ich bemerkte, dass die Ortsnamen, die ich passierte, häufig den Zusatz „sur-Ource“ enthielten. Ich wußte, dass Voulaines-les-Templiers an eine Fluß dieses Namens liegt. Mir war aber nicht klar, dass ich mich so nah an dieser „Templerstrasse“ von Châtillon-sur-Seine nach Gray befand. Ich wähnte diese tief unten im Burgund und mich noch halb in der Champagne. Tatsächlich passiert man etwa auf halber Strecke die Grenze zwischen den Departements Aube und Côte-d’Or, mithin auch die Grenzen der Régions Grand-Est und Bourgogne-Franche-Comté.

Nach Aubarbier, S. 75, entstand die Commanderie von Épailly im Jahr 1209 aufgrund einer Spende des Grafen von Bar-sur-Seine. Die Templer erhielten zudem mehr als 60 Güter in der Umgebung, u.a. auch in dem Ort Courban.

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Commanderie d’Epailly, 21520 Courban

Die Commanderie hat gewaltige Ausmasse. Die in südöstlicher Richtung verlaufende Aussenmauer dürfte ca. 100 m lang sein.

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Chapelle des Templiers

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Commanderiegelände von Osten

Es fällt auf, dass diese riesige Kapelle fast exakt nach Osten ausgerichtet ist. Das erklärt auch den Winkel der Kapelle zur Aussenmauer.

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Westfassade (2010, Foto Thorsten Stute)

Ich hätte die Kapelle sehr gerne aus der Nähe angesehen. Der Verwalter, mit dem ich mich diesmal bestimmt eine halbe Stunde in ein Gespräch verstrickt habe, hätte es mir von Herzen gerne gestattet. Er sah sich aber daran gehindert, weil der Bürgermeister von Courban vom Zutritt von Besuchern dringend abgeraten hätte. Die Kapelle sei nicht sicher, es könnten Steine vom Dach herabstürzen. Seine Chefin, eine Deutsche, würde bei mir vielleicht eine Ausnahme machen aber sie sei nicht da und er habe Anweisung, niemanden näher treten zu lassen.

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Blick auf die Nordwestecke von Westen

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Detail an der Fassade: Fenstersturz aus dem sechzehnten Jahrhundert, typisch für Bauten der Johanniter. Solche Fensterstürze gibt es sonst noch an den Profangebäuden der Templerkommenden von Villemoison, Avalleur, Penmarc’h, Loc Amand u.v.m.

Zum Schluss zeige ich noch eine Übersicht über die mächtige Commanderie aus der Satellitenperspektive:

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Commanderie d’Epailly (copyright: Google maps)

Es dürfte die einzige Commanderie mit Hubschrauberlandeplatz sein. Und ich habe so für mich gedacht, an welcher Stelle ich in meinem Leben falsch abgebogen bin 🙂

5. Commanderie de Nuits-Saint-Marc, 89390 Nuits-sous-Ravières, Yonne, Région Bourgogne-Franche-Comté

Als nächstes Etappenziel hatte ich mir einen Ort im Département Yonne ausgesucht. Dazu musste ich 50 Km südwestlich fahren und traf dort gegen 13:00 Uhr ein. Die Commanderie liegt ca. 500 Meter nördlich des Ortes Nuits-sous-Ravières sehr malerisch am linken Ufer einer Schleife des Flusses Armançon.

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Commanderie Nuits-Saint-Marc, (copyright: google maps)

Sie wird erstmals im Jahre 1186 in einer Urkunde des Bischofs Manassés von Langres erwähnt (Maximilien Quantin, Histoire des Ordres religieux et militaires dans le Département de l’Yonne, 1882, S. 249.)

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Commanderie Nuits-Saint-Marc, Anfahrt von Süden

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Die Kapelle der Commanderie ist aus dem 12. Jahrhundert und offensichtlich sehr gut erhalten. Sie ist 15,70 m lang und 6,50 m breit (Quantin, a.a.O).

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Gebäude an der Ostseite der Commanderie

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Nordwestflanke, Stallungen?

Mit dieser Aufnahme verabschiedete ich mich von Nuits-Saint-Marc. Mein nächstes Ziel lag in nördlicher Richtung, nur etwa 7 Km flußabwärts.

6. Église Saint-Jean Baptiste, 89160 Chassignelles, Yonne

Chassignelles befindet sich am rechten Ufer des Armançon. Die Domaine du Temple de Chassignelles wurde nach Jack Bocar im Jahre 1246 als Nebenstelle der Commanderie St. Marc beigeordnet. Die Kapelle Saint-Jean Baptiste, die streng nach Osten ausgerichtet ist,  wurde  in mehreren Abschnitten zwischen 1150 und 1300 erbaut und befindet sich weit ausserhalb östlich des Ortes, weshalb Bocar (a.a.O) annimmt, dass sie vormals als Friedhofskapelle gedient habe.

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Saint-Jean-Baptiste, 89160 Chassignelles, Blick vom Ort aus nach Osten

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Der Blick Südosten auf die Kapelle läßt die unterschiedlichen Ausbaustufen erahnen…

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… und zeigt den geraden Chorabschluß (chevet plat) mit den für die Templer typischen drei Fenstern

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Bei diesen Gebäuden, die ein paar Schritte weiter in südöstlicher Richtung hinter der Kapelle liegen, könnte es sich um die ferme der Templer gehandelt haben.

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Blick von der Kapelle nach Westen auf den Ort Chassignelles, hier das erste Gehöft, das anscheinend Teile der Schutzmauer des Ortes beinhaltet.

Die auch von Aubarbier S. 70 gestützte Annahme Bocars, dass die Templer in Chassignelles Güter oder Rechte besassen, beruht auf den Angaben Maximilien Quantins, 1882, S. 25.  Hingegen findet sich weder bei Michel Miguet, Les Templiers en Bourgogne, noch bei Delphine Marie, Les Templiers dans le Diocèse de Langres ein entsprechender Hinweis auf diesen Ort.

7. 89160 Ancy-le-Franc, Yonne

Umso genauer sind jedoch die Hinweise von Delphine Marie zu den  Rechten der Templer in Ancy-le-Franc, eine 1000-Seelen-Gemeinde 2 Km weiter nördlich flußabwärts. Dort gibt es ein prachtvolles Rennaissance-Schloß (1536), dem ein befestigter Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert weichen mußte (Wikipedia, a.a.O). Die Église-Sainte-Colombe zeigt sich heute in ihrem Zustand seit 1885, jedoch geht auch dieses Gebäude auf einen Ursprung im 13. Jahrhundert zurück. Ein direkter Bezug zum Templerorden besteht ersichtlich nicht, wenngleich die Mitglieder des Ordens diese Kirche in Ermangelung einer eigenen mitbesucht haben dürften (vgl. Demurger, Aufstieg und Untergang, S. 164).

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Église-Sainte-Colombe, 89160 Ancy-le-Franc

Nach Delphine Marie, S. 136, besassen die Templer in und um Ancy-le-Franc Ländereien, die sie bestellten, sowie ab 1211 Rechte an der Mühle des Ortes. Im Jahre 1224 wurde ihnen gestattet, eine Scheune zum Einzug der Steuern (grange aux dîmes) zu bauen. Im Ort gibt es enorm viele Mauern und Gebäude, die mit Steinen aus früheren Epochen offenbar neu errichtet worden sind (vgl. etwa das Schuppengebäude links im obigen Bild. Es ist daher vor Ort nicht auszumachen gewesen, an welcher Stelle die Grange des Templiérs einstmals gestanden haben mag.

Zufällig viel mein Blick beim Herumfahren im Ort auf folgendes Gebäude:

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38, Grand Rue, 89160 Ancy-le-Franc

Das große Tor scheint zum Einfahren von Fuhrwerken gebraucht worden zu sein. Auch scheint die Höhe des Gebäudes für eine Zehntscheune zu sprechen (Eine Bildauswahl für granges dîmières finden Sie hier). Ein Hinweisschild gab es jedoch nicht. Ich war hier im Département Yonne vorerst fertig. Für die zweite Übernachtung hatte ich mir ein Hotel in Dijon gebucht. Bevor ich jedoch ans Abendessen auch nur denken durfte, lagen jedoch noch weitere 100 Km Weg vor mir, zurück ins Département Côte-d’Or.

8. Commanderie de Fontenotte, 21120 Til-Châtel, Côte-d’Or

Die ferme de Fontenotte liegt etwa 3 Km südöstlich von Til-Châtel. Man erreicht sie, indem man die D974 von Til-Châtel nach Dijon befährt und auf folgendes Schild achtet:

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Man verläßt die D974 auf einem rechtwinklig nach links abbiegenden Schotterweg, auf dem man ca. einen Kilometer bis zu einem Waldstück entlang fährt. Ich traf hier um ca. 16:15 Uhr ein. Das Wetter hatte sich im Laufe des Nachmitags noch verschlechtert.

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Man nähert sich dem ehemaligen Commanderie-Gelände von Nordwesten. Im Wald knickt der Schotterweg nach links ab und führt auf das Haupttor, das mit Kameras bewacht wird.

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Ferme de Fontenotte, (copyright: google maps)

Vor dem Haupttor biegt der Weg wieder nach rechts ab und man steht vor der mit übermannshohen Mauern geschützten

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Südflanke der Ferme de Fontenotte

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Wieder nach links abgebogen steht man vor der Ostflanke.

Der Turm gehört zum Treppenhaus des Herrenhauses (Le logis), wie ich später bei Miguet, S. V.  nachschlagen konnte. Hier biegt der Weg wieder nach rechts ab.

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Blick von Osten

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Osttor, Nahaufnahme.

Nach Miguet kann man hier auch eine mittelalterliche Scheune bestaunen, aber hierzu hätte ich mir Einlass verschaffen müssen. Es war aber niemand da, den ich darum hätte bitten können.

Eine Kapelle gibt es auf diesem Gelände nicht mehr. Ich hatte schon vor einigen Jahren bei Julien Frizot, Sur le pas des Templiers en terre de France, S.102f, gelesen, dass die 15 m auf 6 m große Kapelle dort im Jahr 1960 Stein-für-Stein abgebrochen und anschliessend etwas außerhalb von Dijon, der Hauptstadt des Burgund, ebenso wieder aufgebaut wurde. Diese Location war also mein nächstes Ziel.

9. La chapelle de La Bergerie, 21000 Dijon

Ich erreichte nach ca. einer halben Stunde, gegen 17:00 die Hauptstadt des Burgund, die etwa 30 Km südwestlich von Fontenotte liegt. Man verläßt Dijon auf der Route de Corcelles (D108G) in südwestliche Richtung und  erreicht nach wenigen hundert Metern den Parc de la Combe Saint-Joseph und ein Hinweisschild La Bergerie, welches nach links weist.

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(Copyright: google maps)

Die Kapelle wurde beim Neuaufbau 1962 nicht nach Osten ausgerichtet. Der Chor zeigt nach Norden.

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Chapelle Fontenotte, La Bergerie, 21000 Dijon

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chevet plat, 3 Fenster

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niedriger Seiteneingang mit Templerkreuz

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Hinweisschild von 1962

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„Westfassade“ von Süden, mit Haupteingang

Jetzt durfte ich mich langsam auf mein Abendessen freuen. Mein Nachtquartier war im Hôtel des Ducs gebucht. Ich mußte nur noch dort einchecken und das Auto unterstellen. Das Hotel ist nur ein paar Schritte von der Place de la Libération entfernt. Dort suchte ich mir ein Restaurant gegenüber dem Palast der Herzöge von Burgund. Es schmeckte entsprechend fürstlich und die Anstrengungen des Tages gerieten so schnell in Vergessenheit.

10. Chapelle Saint-Jacques, 21200 Beaune

Offenbar war auch das Frühstück in meinem Hotel fürstlich, denn ich erreichte meine erstes Etappenziel für diesen dritten Tag meiner Reise erst gegen 11:00. Beaune liegt ca. 45 Km südwestlich von Dijon. Das Wetter hatte sich zusehends gebessert, es gab ein wenig Sonnenschein und der Dauerregen hatte aufgehört.

Bei Beaune liegt ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt Frankreichs. Hier trifft die A 36 „La Comtoise“ von Basel und Mulhouse auf die A 6 „Autoroute du Soleil“ von Paris nach Lyon. Wie ich noch zeigen werde, spielte dieser Verkehrsknotenpunkt auch im Mittelalter eine wohl überragende Rolle. Jedenfalls beginnt in Beaune eine regelrechte „Templerstrasse“ in Richtung Süden. Die Templerhäuser drängen sich hier nun dicht an dicht aneinander. In dem Bereich der 50 Km zwischen Chalon-sur-Saône und Mâcon, in dem die Fernstrasse fast direkt an der Saône entlangführt, existierten –  sage und schreibe – 9 Templerorte in einem Abstand von jeweils ca. 5 Km in einer Reihe.

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(Mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung von Jean-Luc Aubarbier, La France des Templièrs)

Die Saône ist hier schon lange zu einem breiten Strom angewachsen. Es dürfte spannend werden, zu untersuchen, ob die Templer eventuell auch Hafenanlagen unterhielten, so wie in Mainz (vgl. Mainzer Templertor).

Um die ehemalige Commanderie zu erreichen, wendet man sich in Beaune nach Süden in den Stadtteil (Faubourg) Saint-Jacques, begibt sich in die nach dem letzten Grossmeister des Tempelordens benannte Rue Jacques de Molay und fährt diese nach Südwesten bis zur Rue du Faubourg Saint-Jacques. Am dortigen Kreisel nimmt man die dritte Ausfahrt nach Südosten und sucht sich sofort einen Parkplatz, denn gleich hier führt ein Schotterweg von der Rue du Faubourg Saint-Jacques (Hausnummer 25) zur Templerkapelle.

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Hinweistafel am Gebäude

Vier Orte in Frankreich tragen den Namen Molay, aber zwei lassen sich leicht aussondern, weil sie im Calvados und im Yonne liegen. Denn man weiß sicher, dass Molay weder in der Normandie noch im französichen Herzogtum Burgund zur Welt kam, sondern velmehr in der damals noch zum deutschen Kaiserreich gehörenden Freigrafschaft Burgund (Franche-Comté). Demurger hat sich die Mühe gemacht, das Für und Wieder für die beiden, weiter noch in Frage kommenden Ortschaften abzuwägen und neigt – wie ich finde, mit guten Gründen – dazu,  die Ortschaft 70120 Molay im Kanton Vitry (Dept. Haute-Saône) als Geburtsort vorzuziehen (Demurger, Der Letzte Templer, S. 22f.). Einvernehmen besteht, dass de Molay im Jahre 1265 durch den General-Visitator von Frankreich in den Orden der Templer aufgenommen wurde, und zwar in dieser Kapelle in Beaune (Demurger, S. 48).

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Chapelle des Templièrs, 21200 Beaune, Westfassade

Die Kapelle ist heute sehr schwer fotografisch einzufangen. Auf dem Nachbargrundstück ist vor nicht allzulanger Zeit ein Gewerbebetrieb errichtet worden. Von dessen Parkplatz hat man zwar noch immer eine gute Sicht, aber ein Zaun stört auf den Fotos. Wenn man sich vor den Zaun stellt, reicht der Platz nicht für einen günstigen Winkel.

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Blick auf die Nordflanke mit Hauptportal

Wie man auf diesem Bild gut erkennen kann, wird die Kapelle an beiden Enden von neueren schuppenähnlichen Gebäuden flankiert. Die Kapelle ist aus der Ost-West-Achse etwas herausgedreht und zeigt eher nach Ostsüdost.

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Blick von Nordost auf das Hauptportal

Das Hauptportal war einst aufwendig verziert. Der Portalvorbau wurde jedoch entweder 1919 (Aubarbier, S. 79) oder 1923 (Miguet, S. 38) demontiert und an eine Neo-Templergesellschaft in Boston verkauft (Aubarbier aaO). Miguet hat ausfindig gemacht, dass der Portalvorbau heute im Cloister Museum von New York ausgestellt wird. Dort wurde ich auch fündig:

Screenshot 2018-02-13 17.39.58Public domain, Copyright Metropolitan Museum of Arts

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Detailansicht Nordseite

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westlicher Giebel mit Templerkreuz und Schuppenvorbau

Der letzte Großmeister der Templer Jacques de Molay endete auf dramatische Weise nach einem der größten Justizskandale des Mittelalters auf dem Scheiterhaufen. Es würde den Rahmen dieses Reiseberichts sprengen, sich den Hintergründen und Umständen der Prozesse hier näher anzunehmen. Ich wage aber den Versuch, den Konflikt und die Akteure mit einigen Sätzen zu skizzieren:

König Phillip IV von Frankreich, genannt „le Bel“, wollte den Orden aus verschiedenen Gründen vernichten. Sein Gegenspieler, Papst Clemenz V, war nicht stark genug, sich mit aller Macht seines Amtes gegen seinen überehrgeizigen Widersacher zu stellen. Er hätte ihn ohne weiteres exkommunizieren können aber er fürchtete sich vor diesem Schritt, damit es ihm nicht erginge, wie dem früheren Papst Bonifatius VIII. Dieser wurde vom Berater König Phillips, Guillaume de Nogaret, so hart attackiert, dass er schliesslich verstarb. Es war auch de Nogaret, der durch fragwürdige Zeugen allerlei widerwärtige Gerüchte über ketzerisches Benehmen der Templer ins Spiel brachte. Letztlich führte das zu der bekannten Verhaftungswelle am Freitag, den 13.10.1307. Durch Folter erzielten die Beamten des Königs recht schnell „Beweise“ für die Gotteslästerungen des Ordens, die aber den Papst nicht überzeugten. Der Templerorden unterlag der Gerichtsbarkeit des Papstes, aber der König bestand darauf, die weltliche Gerichtsbarkeit über die Einzelpersonen des Ordens auszuüben.

Wohl unter Folter und wohl auch wahrheitswidrig gab de Molay am 24.10.1307 zu, bei seiner Aufnahme in dieser Kapelle in Beaune auf Anweisung und widerwillig neben das Kreuz gespuckt zu haben. Von weiteren anstössigen Praktiken bei der Aufnahme wisse er nichts (Demurger, S. 248.)  Am 27.12.1307 widerrief de Molay sein Geständnis und beklagte sich vor einer päpstlichen Kommission in Nôtre-Dame über Folter und schlechte Behandlung  (aaO, s. 249f.). In der Folge verlangte er, nur noch mit dem Papst persönlich zu sprechen, was ihm aber nicht gewährt wurde. Also schwieg er ab jetzt.

Das juristische Tauziehen zwischen dem ängstlichen Papst und dem ehrgeizigen König kürze ich hier ab. Man verständigte sich immerhin darauf, dass der Prozeß gegen den Orden der päpstlichen Gerichtsbarkeit understand, währen die Justizorgane des Königs über die persönliche Schuld und Strafe der einzelnen Mitglieder des Ordens zu richten hatten. Der Prozeß gegen den Orden fand bereits im Jahre 1312 vor dem Konzil von Vienne sein Ende: Am 06. Mai 1312 verkündete der Papst die Auflösung des Ordens, die Einziehung seiner Güter und die Übertragung derselben auf den Johanniterorden und zwar nicht, weil er den Orden für schuldig hielt, sondern weil sein Ansehen durch die jahrelangen Beschuldigungen und Prozesse schon zu sehr gelitten habe (Demurger, S. 266).

De Molay schwieg auch noch im März 1314, als drei Kardinäle in Paris das Urteil über ihn sprechen sollten. De Molay wußte, dass ein Widerruf seines Geständnisses vor Beamten des Königs als „Rückfall zur Ketzerei“ angesehen und so seinen sicheren Tod bedeuten würde. Er hoffte offenbar auf ein mildes Urteil, weil er ja nur Lappalien gestanden hatte. Um so zorniger war er, als er nach dem Schauprozeß auf dem KIrchplatz vor Nôtre-Dame am 18.03.2014  sein Urteil hörte, das auf lebenslange Haft lautete. Er widerrief daraufhin sämtliche Geständnisse. Der König fackelte nicht lange. Noch am gleichen Tag ließ Phillipp IV die beiden Würdenträger de Molay und de Charney auf einer damals vorhandenen kleinen Insel vor der Spitze der Île-de-la-Cité (heute: Square du Vert Galant) auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Screenshot 2018-02-14 22.07.57frz. Miniatur, 15 Jh. Copyright Wikipedia commons

Screenshot 2018-02-14 22.08.21

Hinweistafel auf dem Square du Vert Galant, copyright Wikipedia commons

Beide Darstellungen unterliegen den Regeln des  Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International und stammen aus dem Wikipedia-Eintrag über Jacques de Molay.

König Philipp hatte nicht lange Zeit, sich über sein Werk zu freuen. Er starb am 29.11.1314 an einem Jagdunfall. Auch der Papst Clemenz überlebte den letzten Grossmeister nur um etwas mehr als einen Monat: Er starb am 20.04.1314 in Roquemaure (bei Avignon), wie es heißt, nach langer und schwerer Krankheit (Barber, Die Templer, S. 278.) Einige Chronisten kamen wohl deshalb auf die Idee, de Molay habe seine Feinde auf dem Scheiterhaufen verflucht (aaO).

11. Chapelle Sainte Catherine, 71260 Montbellet, Saône-et-Loire

Mein nächstes Ziel war gleichzeitig das letzte auf dieser Reise. Ich mußte ca. 70 km südlich fahren. Das Wetter wurde immer sonniger und ich erreichte nach einer wunderschönen Fahrt am rechten Ufer der Saône entlang Montbellet gegen 12:30. Ich hatte noch nie zuvor die Landstrasse am Saône-Ufer benutzt und von der Autobahn A 6 nimmt man die Schönheit der Strecke nicht so deutlich war. Nach Westen erheben sich sanfte Hügel. Das Saône-Tal bietet ideale Bedingungen für die Platzierung strategisch wichtiger Stationen. Die Fernstrasse war nicht nur zur Zeit der Templer wichtig. Miguet (S. 66) weist darauf hin, dass schon zur Zeiten der Römer die Trasse der A6 für ihre Via Agrippa verwendet wurde und dass die Platzauswahl der Templer hier keineswegs zufällig getroffen wurde.

Screenshot 2018-02-15 20.37.21

Copyright Wikipedia

Man sieht, dass die oben angesprochene Templerstrasse südlich von Chalon-sur-Saone (= lat.  Cavillonum) sich an der zuvor schon vorhandenen Trasse der Römerstrasse orientiert. Das ist bisher der klarste Beweis, den ich für die These gefunden habe, dass die Templer ihre Stationen regelmässig entlang bereits vorhandener Fernstrassenstrecken installiert haben. Das stand bei dieser Reise im Vordergrund und ich bin mit dem gefundenen Zwischenergebnis sehr zufrieden.

Montbellet ist recht klein und so hatte ich mich mal wieder nicht ausreichend vorbereitet in der Hoffnung, dass ich die Templerkapelle vor Ort ohne weiteres finden konnte. Ich mußte aber bei der Mairie nachfragen und man druckte mir eine Karte für den Weg aus, denn die Commanderie liegt in einem Örtchen namens Mercey ausserhalb von Montbellet. Der Weg nahm nur ein paar Minuten in Anspruch. Und das Ziel erwies sich als atemberaubend.

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Anfahrt von Süden, man erkennt einen Gewässerlauf vor der Commanderie

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Chapelle des Templièrs Sainte-Catherine, 71260 Montbellet

Miguet weist darauf hin, dass diese Kapelle rätselhafterweise nicht wie üblich nach Osten sondern nach Nordenausgerichtet ist.

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Nordfassade

Die heilige Katharina wurde auch und besonders von den Kreuzrittern zur Schutzheiligen ausgewählt (Nachweis: Vierzehnheilige). Sie wird mit einem Rad (Folterinstrument) abgebildet.

Mit diesen schönen Bildern endete meine Reise und auch der Beitrag hier. Ich bedanke mich für Ihr Interesse.

2013, November, Elsass

Im November konnte ich einen Messebesuch in Basel damit verbinden, noch ausstehende (angebliche?) Templerorte oder -reste im Elsass zu inspizieren.

 

1. Haguenau

Ob die Templer hier in Haguenau begütert waren ist zweifelhaft bis unwahrscheinlich. Nur bei Aubarbier (S. 61) habe ich einen solchen Hinweis gefunden, andere Quellen schweigen. Immerhin gibt es eine beeindruckende porte des Chevaliers, die sich am Marchée aux bestiaux befindet.

SONY DSCTour des Chevaliers, 67500 Haguenau

SONY DSCund diese Sehenswürdigkeit stammt immerhin aus der richtigen Zeit

2. Westhoffen

Auch in Westhoffen ist eine ehemalige Templerpräsenz ungewiss. Aubarbier (a.a.O.) schreibt die dortige Rosenbourg den Templern zu. Das ist aber umstritten. Am Stadtmuseum des Rathauses war ein kurzer Abriss der Geschichte des Ortes Westhoffen, dessen Name seit 739 aktenkundig ist. Vorher waren dort bereits die Römer (Weinanbau) und die Merowinger ansässig. Von Templern war keine Rede.

Hier gibt es weitere Informationen zu Westhoffen:

http://www.chateauxforts-alsace.org/page_consultation.php?page=230

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Früher war die Rosenbourg mit Mauern und Wachtürmen befestigt.

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Kein Schild führte zur ehemaligen Burg. Am Rathaus wurde nur verraten, dass sich die Burg in unmittelbarer Nähe zur Kirche befunden haben muss. Das Gebäude sei in ein Gehöft (ferme) umgewandelt worden.  Ich suchte die Stelle auf. Von der Kirche aus konnte man die Spitze eines hohen rosafarbenen und turmförmigen Gebäudes erkennen. Von der Strasse aus war aber kein Zugang möglich. Man hätte in private Höfe hineinmarschieren müssen. Weil die Kirche schon am Ortsrand lag, versuchte ich, ausserhalb des Ortes eine Strasse zu finden, von der man aus die ehemalige Burg am Ortsrand hätte sehen können. Das gelang schliesslich:

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Allerdings hatte ich keine Strasse sondern einen ungepflasternen und völlig vermatschten Feldweg gefunden. Das Auto war schon nach 100 Metern völlig eingeschlammt. Ich traute mich auch kaum, das Auto zu verlassen. Das Stehenbleiben war schon ein unvorsichtiges Wagnis. Ich hatte sehr grosse Mühe, wieder anzufahren und war schliesslich heilfroh, dass ich dem Morast entkam, ohne Abschlepphilfe anfordern zu müssen. Das hätte mein Abendessen verzögert und das wäre krass, da verstehe ich nämlich keinen Spaß 🙂

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3. Dorlisheim

In Dorlisheim sollte schon nach Wilcke (1860) und anderen Autoren auch ein Templersitz vorhanden sein. Die Commanderie soll sich in der Rue St. Jean befinden. Ich fuhr an der vom Navi vorgegebenen Stelle der Rue St. Jean dreimal vorbei, weil ich dort nichts erwartet hätte. Es war ein Gewerbegebiet zwischen Molsheim und Dorlisheim, überall waren Supermärkte mit Grossparkplätzen, Industriebetrieb, Burgerbratereien und Autowaschanlagen. Erst beim vierten Mal fand ich das Château St. Jean und einen steinernen Beweis der Commanderie: SONY DSC

Ich konnte meine Kamera durch den Zaun halten und so die mittelalterliche Pforte einfangen.

SONY DSCCommanderie de St. Jean, 67120 Dorlisheim

Was ich bis dahin nicht wusste: Bugatti hat dieses Schloss gekauft und auf dem Nebengrundstück eine Autofabrik gegründet. Eine sehr noble Adresse also:

SONY DSCChâteau St. Jean, Dorlisheim

4. Ottrott

Kleiner Nachtrag zu Ottrott. Die Steine an der Route de Boersch sind jetzt weggeräumt. Ausserdem hatte ich bei meinem ersten Besuch übersehen, dass es lt. Strassenplan in Ottrott eine Stelle gibt, die mit „Tempelsmuehle /Moulin des Templiers“ bezeichnet wird. Man gelangt dorthin, indem man von der Route de Boersch kurz nach der Ehnbrücke rechts in den Chemin des Aulnes einbiegt und diesen gleich wieder nach rechts über eine weitere Brücke verlässt:

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Am angegebenen Ort befinden sich – in einer Sackgasse – einige kleinere Häuser und Gebäude, offenbar an der Stelle der früheren Templermühle.

SONY DSCAuch hier zog ich es wieder vor, die Bewohner dieser Gebäude nicht in ihrer Privatsphäre zu stören. Ich wollte auch nicht näher heran, um ebventuell alte Gebäudereste auszumachen.

Abendessen gabs dann doch noch rechtzeitig in Bartenheim. Das liegt zwar direkt neben dem Basel – Europort und es donnern einem nachts immer mal Flugzeuge über das Bett. Das stört aber den Verzehr von 1. foie gras mit einem Pfirsich-Chutney und hausgemachtem Brioche, dazu Gewurztraminer, 2. Rehlendenstücke mit Spaetzle und Steinpilzchampignons, dazu Tischwein aus dem Languedoc, 3. einer Käseplatte mit Munster, Coulommiers und Langres (immernoch Roten aus dem Languedoc) und 4. „Kougelhoupf“ – Desert aus glasiertem Rosineneis mit „Kirsch“, 5. Café mit Kirsch,  nicht ein bisschen. Glauben Sie mir, Flugzeuge sind einem nach so einem Essen ziemlich egal. Templer auch. Der aufmerksame Leser ahnt jetzt, warum ich mich diesem Thema vor allem in Frankreich so ausgiebig widme. Alles nur Ausrede?

2013, September, Elsass

 

Im September war wieder eine Elsassreise fällig. Wir kommen dort mehrmals im Jahr in einer privat geführten Mühle unter, die sich einige hundert Meter von einem Dorf im sogenannten Pays d’Hanau – ca 20 Km westlich von Haguenau – in einem Wald befindet. Nein, einen Lageplan und eine genauere Beschreibung gibts nicht. Ich dürfte da sonst nicht mehr hin 🙂

Ich habe schon einige Templertrips von da aus gestartet, aber im Elsass selbt steht fast kein Templerstein mehr auf dem anderen.

1. Bouxwiller

Nach Jean-Luc Aubarbier (p. 61)  und vielen Templer-Listen im Internet soll es in Bouxwiller, 67 Bas-Rhin, auch eine Templerstätte gegeben haben. Ich hatte da bisher nichts näheres gefunden. In der Neuerscheinung von Aubarbiers Buch aus 2007 wird er präziser. Es handele sich um einen früheren Donjon der Templer, aus dem später der Kirchturm einer Friedhofskirche gemacht wurde. Ich hätte den Turm nicht gefunden, wenn ihn mein Navi nicht irrtümlich als Ortsmitte bezeichnet hätte, denn der Friedhof lag sehr dezentral.

Kirchtturm der Friedhofskirche von 67330 Bouxwiller, Bas-Rhin

Aubarbier (a.a.O) listet sonst noch Bergheim, Andlau, Dorlisheim, Ottrott u.a. für die Région Elsass.

2. Ottrott

Also, auf nach Ottrott. Das ist ein Wein-Ort am Fusse des Odilenberges. Es ist davon auszugehen, dass das Odilienkloster schon im Mittelalter eine berühmte Wallfahrtsstätte war. Die Templer werden sich den Touristenanstrom (Pilger) genauso zunutze gemacht haben, wie die hervorragenden Weinanbaueigenschaften der Gegend.

In Ottrot gibt es nur noch  eine Templerstrasse und einen Ortsteil, der Templer-Mühle genannt wird.

Ich habe noch nicht herausfinden können, was das elsässische Wort „Pfarichel“ bedeutet. Ich schätze, es bedeutet vielleicht Pfarrei. (offizieller Ortsplan der Gemeinde, Ausschnitt)

Zu sehen ist dort – ausser einem Haufen alter behauener Steine – nichts mehr . Kein einziges intaktes Gebäude aus dem Mittelalter. Die Steine lagen m.E. an der Rue de Boersch und könnten tatsächlich den Rest einer Ruine aus dem Mittelalter abgeben. Sie sind behauen.

Ich verließ Ottrot, um den Odilienberg mit ausreichend PS zu erklimmen und sah per Zufall an einer Anhöhe eine Klosterruine. Leider konnte man die nur zu Fuß erreichen. Aber die Anstrengung lohnte sich. Das war absolut malerisch und bewegend:

Eine geheimnisvolle, geradezu beklemmende Stimmung lastete über der Ruine. Es gab keinerlei Hinweisschilder. Besucher erschienen nicht willkommen. Es gab ein Gehöft in unmittelbarer Nachbarschaft. Aber auch dort war niemand weit und breit.

Klosterruine Niedermunster, bei Ottrott

Wie ich zuhause herausfand, handelt es sich um die Reste des Klosters Niedermünster. Zwischen dieser Einrichtung und dem Odilienkloster fanden regelrecht kriegerische Ausseinandersetzungen statt. Offenbar hat Niedermünster verloren :).

3. Andlau

Ein knappes Dutzend Kilometer südlich von Ottrot reiht sich die nächste „Templerei“ wie ein Kettenglied auf der Strecke ein: Andlau, unsere nächste Etappe. Jack Bocar zitiert in seiner Webseite

http://www.templiers.net/departements/index.php?page=67

über Andlau folgendes:

En face de l’abbaye-chapitre d’Andlau les Templiers avaient bâti au XIIIe siècle une commanderie, qui possédait les meilleurs vignes du pays situées sur le Castelberg.

En 1312 les chevaliers Teutoniques prirent la place des Templiers, et transportèrent leur établissement dans un faubourg de la ville.
(Sources: Nouvelles Oeuvres Inédites de Grandidier – Ordres Militaires et Mélanges Historiques – Strasbourg. Editeur-Libraire H. Huffel – M.D.CCCC. Colmar)

Übersetzung:

„Die Templer haben im 13. Jahrhundert gegenüber dem Abtei-Kapitel eine Komturei gebaut, die auf dem Castelberg die besten Weine des Landes besass.

Im Jahre 1312 namen die Deutschordensritter den Platz der Templer ein und sie zogen mit ihrer Niederlassung in einen Vorort der Stadt.“

Diese Niederlassung befindet sich in der Rue de la Commanderie, etwas ausserhalb der Altstadt. Das Gebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert.

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ehem. Deutschordenskomturei Andlau

Zoomen wir kurz auf die Tür. Dort prangt – wie zum Beweis der Herkunft – heute noch ein Templerkreuz.

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Die spannende Frage war danach, ob es vielleicht noch von der ursprünglichen Templerei noch irgendwelche Reste geben würde. Diese mussten wir in der Nähe der alten Abtei suchen.

Die Abteikirche Andlau wurde bereits im Jahre 880 gegründet. Die Krypta soll nach Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Andlau

der älteste Teil der ehemals der St. Richardis geweihten Stiftskirche (heute St. Peter und Paul) sein.

SONY DSC(Krypta der Pfarrkirche St. Peter und Paul)

Ein Reliquienschrein unterstreicht die besondere Bedeutung dieses Klosters. Es handelt sich immerhin um einen sehr prominenten Heiligen, dem dieser Schädel zugeschrieben wird.

SONY DSCDie Echtheit von Reliquien ist häufig sehr fraglich. Lazarus soll u.a. in Larnaka auf der Insel Zypern bestattet sein.

Die ehemalige Richardiskirche wurde gegen 1130 von der Äbtissin Hadewig (Wikipedia)  aussen mit aufwändiger Verzierung ausgestattet.  Es finden sich zahlreiche Darstellungen von Rittern, möglicherweise Kreuzfahrern. Es würde den Rahmen hier sprengen, diese ganz zu zeigen.

SONY DSCUnd noch ein paar Ritter in Aktion:

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Dieses Bauwerk stammt nicht von den Templern, diese sollen gegenüber gebaut haben. Einen Hinweis gab es darauf nicht. Aber meine Spürnase entdeckte das:

 

SONY DSCcommanderie des Templiers (?), Andlau

Drei romanische Fenster, eine romanische Tür, freigelegt in der Fassade eines Fachwerkhauses. Für mich sieht das nach einem Volltreffer aus. Ich vermute, das sind Reste der Templerei von Andlau. Wenn jemand mehr dazu weiss, bitte bei mir melden.

 

4. Bergheim

Ferdinand Wilcke listete in seinem Buch von 1860 über den Templerorden einen Ort „Berchheim“ im Elsass. Es muss sich dabei um Bergheim im Oberelsass handeln, der sich als nächstes auf unserer Liste befand.

SONY DSCAnsicht des Haupttores der Gemeinde 68028 Bergheim, Haut-Rhin

 

SONY DSCSpaziergang auf den Remparts, der alten Stadtbefestigung

Die Templerei von Bergheim liegt nicht im Ort, ich hatte sie dort schon mal vergeblich gesucht, sondern ein paar hundert Meter ausserhalb des Ortes, an der Rue de Thannenkirch. Wenn man sich der Position von der Landstrasse aus nähert, sieht man rechts am Fahrbahnrand die Überreste einer sehr alten Einfassungsmauer.

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Noch ein paar Meter weiter und dann rechts in die Einfahrt, Auto abstellen, Luft anhalten, Augen-zu-und-umdrehen und – TADAAA hier ist die Templerei von Bergheim, endlich! –  oder besser, was davon heute noch zu sehen ist:

 SONY DSCDer Tempelhof – cour des templiers – Bergheim

Herr Mayer, der Eigentümer des Hauses, empfing uns sehr nett. Er betreibt dort einen Campingplatz (Adresse 1, route de Thannenkirch). Er freut sich aber sehr, wenn man Interesse an der Historie dieses Weingutes äussert. Er sagt, die Templer hätten den Kanzelberg, auf dem er selbst heute noch Wein anbaut, schon zum intensiven Weinanbau genutzt.

Das Gebäude ist – wie man schon von weitem sieht – lange nicht mehr im Originalzustand. Herr Mayer bat uns sogar hinein und zeigte uns eine wunderschöne, mächtige und alte Tür mit einem Wappen, vermutlich aus dem 16. Jahrhundert.

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Ein Balken trägt das Datum des Komplettumbaues dieses Hauses, 1557.

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Mir scheint, das Ornament am Fuße dieser Tür könnte aus einer früheren Epoche stammen, eventuell aus der Templerzeit.

 

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Säule, eventuell aus dem Vorgängerbauwerk:

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Ganz zum Schluss noch ein absolutes Highlight dieser Reise in die Vergangenheit. Wir durften auch in den Keller und dort gab es noch jede Menge aus der Templerzeit zu bestaunen, Steinsäulen und gotische Türstürze vom feinsten:

 

SONY DSCKomtureikeller der Templer von Bergheim, heute wie damals zum Weinbau verwendet.

2013 Champagne

Im April bot sich anläßlich einer Reise nach Reims die Gelegenheit, weitere Templerorte in der Champagne aufzusuchen. Reims selbst ist immer eine Reise wert, schon wegen der beeindruckenden Kathedrale:

Reims

 

Ein Detail an der Westfassade hat es mir ganz besonders angetan. Der berühmte lachende Engel. Ein Meisterwerk gotischer Bildhauerkunst. Es scheint, man habe der Plastik irgendwie Leben eingehaucht. Das ist ein absolutes Novum in der Bildhauerkunst. Bis dahin waren der Gesichtsausdruck solcher Statuen leblos, starr und bedrückend (Säulenheilige). Er hier ist wohl gerade durch prickelnden Champagner in das Geheimnis irdischer Glückseligkeit eingeweiht worden, so scheint es:

 

KathedralenTour 026

Schon auf dem Weg nach Reims findet man auf den Schildern an der Autobahn vielversprechende Ortsnamen, wie St. Hilaire-au-Temple oder Dampierre-au-Temple. Wer sich jedoch davon zu einem Abstecher in diese Orte verlocken lässt, wird enttäuscht. Mehr als einschlägige Strassennamen wie etwa „Rue de la Commanderie“ ist nicht mehr zu entdecken.

Im Mittelalter war nicht Reims, sondern Troyes die Hauptstadt der Champagne. Die Templer haben dem Konzil von Troyes 1128 die Modaliäten für ihre zukünftige Entwicklung und ihre offiziellen Regeln erhalten. Insoweit gilt die Champagne wohl zurecht als Geburtsort der Templer. In Troyes hatten die Templer bis zu 25 Häuser. Es ist im heutigen Troyes davon nichts übriggeblieben. Auch rund um Troyes, im Departement 10 Aube,

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(das Foto ist ein Ausschnitt von der offiziellen Hinweistafel der Gemeinde Mesnil-Saint-Loup)

gibt es heute leider wenige noch sichtbare Hinterlassenschaften des Ordens. Diesmal wollte ich mir unbedingt die Kapelle von Mesnil-Saint-Loup ansehen, die ich in meinen letzten Reisen in die Champagne versäumt hatte.

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Westfassade, Templerkapelle in 10190 Mesnil-Saint-Loup

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Chorapsis von Südosten

Die Kapelle stammt aus 1144. (Aubarbier, p. 41)

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Detail der Innenansicht des Chors

SONY DSC800 Jahre alte Holzdecke, faszinierend!

Etwa 77 Km nordwestlich befand sich die Templerkapelle von 77113 Chevru im Departement Seine-et-Marne  (immer noch  Région Champagne-Ardennes) , es lag fast auf dem Weg und erforderte nur einen kleinen Abstecher.  Die liess ich mir nicht nehmen.

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Templerkapelle von 77113 Chevru

Gegründet 1202, aufgrund einer Stiftung der Gräfin Blanche von Troyes, wurde diese Kapelle Johannes dem Täufer geweiht. Die Kirche erhielt die drei bei Templerkirchen traditionell vorgesehenen Pforten, den für die Ritter, den für die Laien und ein Ausgang zum Friedhof (Aubarbier, p. 49).  Der Ostchor zeigt die ebenfalls traditionnellen 3 Fenster:

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PS. Die Templerkapelle ganz unten auf der kleinen Landkarte des Departements Aube habe ich bereits im Jahr 2007 besucht und abgelichtet in dem Beitrag 2007 Alsace, Lorraine und Bourgogne

Burgund 225Commanderie Avalleur, Bar-sur-Seine, 10 Aube, Champagne-Ardennes

Der dazugehörige Beitrag befindet sich dort:

Reise in die Champagne 2013

2008 Lorraine

Templer in der Lorraine

Im März 2007 war die Lothringen-Visite zu knapp geplant. Wie sich durch inzwischen neu erworbene Literatur ergab, hätte es dort noch mehr zu entdecken gegeben. Im September 2008 machte ich mich für einen Tagesausflug auf, um die Versäumnisse nachzuholen. Ich habe den Trip unterschätzt.Am Ende des Tages hatte ich 700 Kilometer auf dem Tacho (!) und der Tank war leer, als ich schließlich im Elsass rechtzeitig zum Abendessen eintraf.

Meine Reise führte mich durch drei der vier Departements der Région Lorraine, bestehend aus 55 Meuse, 54 Meurthe-et-Moselle, 57 Moselle und schließlich 88 Vosges.

1. Station 57120 Pierrevillers Ein grosser Templerhof ist dort durch Urkunden nachgewiesen.

 

 

 

Architektonisch sind die Spuren nur noch gering, alle Häuser dieses Hofes stammen aus 1820+, was nahelegt, dass in der Revolution hier radikal gewütet würde.

Hier ein Blick auf die inzwischen längst zur Pfarrkirche umgewandelte ehemalige Komtureikapelle:

 

Etwas komisch mit den Templern in Lothringen. Einerseits hört man, sie seien dort genauso unnachsichtig verfolgt worden, wie im Königreich Frankreich. Andererseits weiss man, dass die Templer dort faktisch erst 1319 aufgehört haben, zu existieren und bis dahin noch zahlreiche Einrichtungen offiziell in ihrem Besitz hielten.

Hier in Pierrevillers gibt es dafür ein steinernes Indiz. Auf einem Stein in dieser Kirche gibt es ein lateinisches Memento auf das Ende der Templer in 1314. Ich kam leider nicht rein und hatte auch keine Zeit, lange nach dem Schlüssel zu fragen, denn es stand noch einiges auf dem Programm.

 

Dann südlich runter an dem rechten Ufer des französischen Teils der Maas entlang zu

2. Station 55500 Dagonville im Departement Meuse

Ob das eine Templerkirche ist, muß offenbleiben. Der Chor und die Apsis könnten aus der Templerzeit sein. Man wird annehmen können, dass diese Kirche von den Tempelherren mitbenutzt wurde, aber ein Hinweis fand sich nicht. Die commanderie soll ausserhalb liegen. Ich habe sie indes nicht gefunden. Es konnte mir auch niemand helfen.

Der nächste Templerort war nur einige Kilometer entfernt, nach Osten vielleicht 20 Kilometer. Meine

3. Station 55300 Marbotte

Im Dorf selbst war nichts templerisches zu erkennen, eine Kirche, die ihre Ursprünge vielleicht im Mittelalter gehabt haben könnte, und ein paar Hinweise auf nahe Kriegsgräber aus dem „Grossen Krieg“ 1914 – 1918. Die Mairie war offen, mein Glück. Die Templer seien nicht hier im Ort gewesen, sondern am westlichen Ortsausgang in einer sog. ferme. Ob ich dort einfach hineinkönne? Ich müsse mir natürlich die Gestattung durch den Eigentümer verschaffen. Ok, dann also los, von der Landstrasse über einen Holperweg (hab ich schon erwähnt, dass sich das Menzomobil im Bedarfsfalle pneumatisch um 10 cm anheben lässt?  ) den Hang hinauf, da sah ich das:

 

 

Das Auto abgestellt, zu Fuß näher hingepirscht, zum Eingang, den man in obigem Bild etwas links neben der Bildmitte erkennen kann:

 

Immer noch keine Menschenseele, alles total ruhig. Der Eingang im Hintergrund, jawollja, das war es, was ich suchte. Niemand, der auf mein Rufen reagierte, aber auch nichts, was weiteres Hereinschleichen verhindern sollte.

Einen Schritt weiter:

 

Sieht schon sehr nach commanderie aus, was kommt, wenn man vollends im Hof steht:

 

Was ich nicht wußte: In dieser Kapelle gibt es Deckenmalereien, die noch zu besichtigen sind.

 

 

Ich fuhr weiter östlich, nach Toul, einer grösseren Industriestadt. Dort lenkte mich der Navi in unmittelbarer Nähe eines hässlichen Gewerbegebietes von der Hauptstrasse runter. Ich geriet in ein landwirtschaftliches Anwesen mit mehreren Häusern. Nachdem ich mir von den Anwohnern hierzu die Erlaubnis eingeholt hatte,  fuhr ich noch 50 Meter weiter, dann tauchte das hier unerwartet vor meinen Augen auf:

4. Station 54200 Libdeau

 

 

Tolle gotische Rosette. Starker Verfall des Gebäudes, seit mehr als einem Jahrhundert wohl nur als Stall oder Scheune benutzt. Seitenansicht:

 

Betreten strikt untersagt! teilten mir verwitterte Schilder auf den fast offenen Holztüren mit. Richtig hineingelangen konnte oder sollte man besser nicht. Die Türen liessen sich nur ein Stück öffnen. Von der Decke bröselte es Staub und Steine, also machte ich nur ein paar Bilder und zog mich wieder hinaus.

An der Fassade stellte ich wieder Kragsteine fest, eine ähnliche Einrichtung, wie wir sie letztens an der Templerkapelle von 33 Magrigne diskutiert haben.

 

Falls dies die Spuren eines ehemaligen Aussichtsbalkons gewesen sind, hätte man von diesem Balkon aus die Strasse, die von Toul aus nach Nordosten führt, bestens im Blick gehabt.

Die letzte Station an diesem durchaus anstrengenden Tag sollte 57260 Gelucourt sein. Hier gab es noch die Überreste einer Templerkapelle zu sehen, deren Schiff bereits abgetragen war. Nur noch der Chor blieb stehen:

 

 

Nun freute ich mich auf ein reichhaltiges Abendessen im Elsass und überquerte die französisch-elsässische Sprachgrenze nach Osten ins Departement Bas-Rhin.

2007 Alsace, Lorraine und Bourgogne

Auf den Spuren der Templer im Elsass, Lothringen und Burgund

Der Winter war kaum vorbei, da wurde die dicken Schwarten zur Seite gelegt und das Templerstudium am Schreibtisch wieder gegen „Feldversuche“ vor Ort ausgetauscht. Sie sind unersetzlich. Die Literatur ist lückenhaft, auch weil kaum Autor je an allen Templerstätten, über die er berichtet, selbst zugegen gewesen sein kann. Es sei denn, er berichtet nur über eine überschaubare Region. Es gibt kein einziges Werk, in dem etwa nur sämtliche Templerstätten eines Landes (oder was davon übriggeblieben ist) zusammen gefaßt beschrieben werden. Auch die – immer wieder vom einen Autor dem anderen abgeschriebenen – Listen solcher Stätten enthalten viele Fragezeichen. Etwa, weil ein Templerort nur urkundlich erwähnt ist und heute vielleicht eine andere Schreibweise hat. Oder weil der Orden an dem Ort nur Grundstücke, aber keine Gebäude unterhalten hat. Oder weil die Lage wegen fehlender Hinweise im Gelände heute nicht mehr sicher bestätigt werden kann.

Anfang März führte die erste Recherchefahrt des Jahres 2007 ins benachbarte Elsass und in die Lorraine. Im Elsass soll es nach Beschreibungen mehrerer Autoren zwischen 5 und 10 commanderies gegeben haben. Es stehe aber kein Stein mehr auf dem anderen. Gehandelt werden Orte wie u.a. Andlau, Bergheim oder Ottrott.  Letzeres liegt am Fuß des weltberühmten Mt. Ste  Odile, heute wie im Mittelalter ein Wallfahrermagnet. Auf dem Odilienberg wird es eine keltische oder vorkeltische Kultstätte gegeben haben, die mit einer riesigen Mauer, der sog. Heidenmauer umzogen ist. Diese Mauer ist 11 km lang (300.000 Steine verbaut) und gibt den Wissenschaftlern immer noch Rätsel auf. Militärischen Zwecken – darin ist man sich einig – kann diese Mauer nicht gedient haben, denn es gäbe auf dem Areal nicht genug Quellwasser, um die Menschen zu versorgen, die hinter solch einer enormen Mauer Schutz gesucht hätten.

Ergo: ein Kultplatz, wohl aus einer unbekannten Megalith-Kultur.

  

   Die typische Schwalbenschwanztechnik.  Keile aus Bronze oder Holz sorgten für eine unglaubliche Stabilität dieser Mauer

Es ist das größte vorgeschichtliche Bauwerk in ganz Europa.

Nun ereignete es nicht eben selten, dass  christliche Kultstätten auf  frühere Heiligtümer älterer Kulturen errichtet wurden. Für die einen sind das „Kraftplätze“, Orte mit hoher Energie, die  angeblich besonders von den Kelten aufspüren werden konnten und zu denen sich natürlich später auch Christen hingezogen fühlten.

Andere bemerken zynisch, dass die christliche Kirche sich solche heidnischen Kultplätze einfach zueigen gemacht hat, etwa wenn man merkte, dass man dem heimlichen Hingezogensein der Bevölkerung zu alten Kultplätzen anders nicht Herr werden konnte.

Man fühlt sich gewiss besonders an diesem Ort. Solange man mir aber kein zuverlässiges Messverfahren zeigt, aus dem sich so ein „Kraftfeld“ anzeigen läßt, ists für mich einfach ein beeindruckender Ort mit einem tollen Ausblick ins Rheintal und zum Schwarzwald rüber.

Die Templer wollen wir nicht aus dem Auge verlieren. Sie hatten sich dem Schutz der Pilger verschworen und ihre „Dienststellen“ befinden sich sehr häufig tatsächlich an den wichtigen Knotenpunkten des weitverzweigten und gut erforschten Systems an sog. Jakobswegen.  Auch hier läßt sich ein wichtiger Jakobsweg feststellen: Er kommt aus Prag und führte über Nürnberg, Speyer, an der Ostflanke der Vogesen und eben dem Odilienberg vorbei, an Straßburg und Dijon nach Vezelay.

In  Ottrott zeugt von der einstigen Templerpräsenz der Name einer Strasse und es gibt auf dem Stadtplan ein quartier des templiers. Ausser einiger mittalalterlicher Steinhaufen kann man aber sonst nichts mehr ausmachen

Ottrott, 67 Bas-Rhin, Alsace

Der Legende entsprechend waren die Rittersleut‘ an der Entwicklung eines kräftigen Rotweines beteiligt, dem der Ort seinen Namen verdankt.

Wenden wir uns etwas weiter westlich über die Vogesen hinweg nach Lothringen. Auch dort stehen heute nur wenig Templergebäude. Spärliche Literatur, noch spärlichere Wegbeschreibungen machen es schwer, seine Ziele – wie dieses hier – zu finden:

Commanderie de Xugney, Commune de Rugney, 88 Vosges, Lorraine

Ausserhalb der Gemeine Rugney hat sich diese Komturei als landwirtschaftlicher Betrieb erhalten. Aus der Zeit der Templer ist – wie fast immer – nur noch die Kapelle erhalten. Diese ist zwar baufällig, aber sehr ergreifend.

Da ändert auch ein Bagger nichts dran:

Ende März ein neuer Vorstoß, noch weiter westlich. Das nördliche Burgund, besonders die benachbarten Departements 89 Yonne und 21 Cote-d’Or versprechen lohnende Ausbeute an sichtbaren Resten der Templermacht. Die Häufigkeit, mit der der Ritterorden – durch Schenkungen und Zukäufe – versuchte, seine Macht dort überdurchschnittlich zu repräsentieren, beruht meines Erachtens auf zwei von einander unabhängigen Gründen.

1. Pilgerschutz im Dept. 89 Yonne

Wir müssen uns die Compostella-Pilgerei als gigantische Wirtschaftsmaschinerie des Mittelalters vorstellen. Da hat nicht gelegentlich mal irgend ein vereinzelter, armer Tropf sein Bündel geschnappt und erklärt, er sei dann mal weg. Laufend sind Tausende Pilger aus allen Gegenden Europas aufgebrochen.  Sammelstellen, zumeist selbst Wallfahrtsziele, auf den wichtigen Hauptwegen fungierten als Treffpunkte für Pilger der verschiedenen Nationen, die sich zu Gruppen zusammenschließen konnten, um die Pilgerei sicherer und bequemer zu machen.

Einer der wichtigsten Sammelplätze in Frankreich war neben Paris für den Norden, Puy-en-Velay in der Auvergne und Arles im tiefen Süden, die Stadt Vezelay im Burgund, Departement 89 Yonne,  In Vezelay startet die via lemovicensis über Nevers, Limoges und Perigueux zu dem sog. Somport-Pass über die Pyrenäen. Die Kirche Ste. Madeleine in Vezelay war schon im Jahre ihrer Fertigstellung zu klein, um die Pilgermassen aufzunehmen , dass man ihr noch eine Vorhalle hinzufügen mußte.

In der Krypta dieser Kirche befindet sich angeblich die Grablege der hl. Maria Magdalena, der „reuigen Sünderin“. Sie wird herkömmlich mit langen Haaren und einem Salbgefäß abgebildet. Für die einen ist Maria Magdalene die gestrauchelte Dirne, die durch die Kraft des Glaubens und die Güte des Herrn zum rechten Weg zurückfinden konnte. Andere meinen, diese Annahme beruhe auf einer ungenauen Übersetzung aus dem Zusammenhang gerissener Bibelstellen und passe nur in die „Frauenfeindlichkeit“ der frühen Christenkirche. Wiederum andere sehen in Maria Magdalena die Geliebte oder die Ehefrau von Jesus, ja gar die Mutter eines geheimnisvollen Kindes.

Reliquienschrein in der Krypta von Vezelay

Man sieht sich gestützt durch frühchristliche Dokumente, die keinen Eingang in die Bibel fanden. Es gibt zudem nicht wenige Werke alter Meister, die die Frau mit dem Salbgefäß in herrschaftlicher Kleidung mit recht eindeutigen Schwangerschaftsmerkmalen zeigen. Auch ist da Vincis Abendmahlbild durchaus nicht das einzige, das die Person neben Jesus mit sehr weiblichen Zügen zeigt.

Ein Großteil der Christenheit in Frankreich nahm an, dass Maria Magdalena mit Gefolge in Südfrankreich gelandet sei (etwa in Maguelonne oder in Les  Stes-Maries-de-la-Mer) und dass sie in einer Grotte lebte und starb, von der aus ihre Gebeine wegen anhaltender Sarazeneneinfälle nach Vezelay gebracht werden mußten. Andere bleiben skeptisch. Es ist mit den „echten“ Reliquien immer so eine Sache.

Bei einem derartig hochrangigen Pilgerzentrum durften die Templer nicht weit sein. Zwischen Vezelay und der Nachbarstadt mit dem klangvollen Namen Avallon findet man – auf halben Wege, noch  ca. einen Stundenfußmarsch vom Etappenziel entfernt in einem landwirtscahftlichen Ambiente dieses Templergebäude:

Le Saulce d‘ Island, 89 Yonne, Bourgogne

Es ist meines Erachtens das größte Sakralgebäude der Templer in Frankreich. Die Größe entsprach wohl den Pilgerströmen in das nahe Vezelay. Die Templer werden jedenfalls den betuchteren Pilgern sicher auch andere, kostenpflichtige Dienste erwiesen haben, wie Beherbergung und „Bankgeschäfte“.

Rund um diese commanderie befinden sich sehr zahlreiche andere Einrichtungen der Templer.

  

Chassignelles, 89 Yonne

Commanderie de Marchesoif, Commune de Marsoif, 89 Yonne

Escolives-Ste-Camille, 89 Yonne

Ein Templerbezug dieses Gebäudes könnte noch fraglich sein. Das agnus dei über der Pforte spricht aber sehr dafür.

Fontenay-pres-Chablis, 89 Yonne, hier sollen sich die Templer im Weinanbau verdient gemacht haben.

Und schließlich noch eine kleine Sensation in dem Örtchen St. Bris-le-Vineux, ein intaktes Templergebäude gibts dort nicht mehr. Aber am Postamt prangt ein Bas-Relief von der früheren Templerkomturei.

Das Bild zeigt einen bärtigen Teufelskopf und ein Lamm, was von Engeln einem Taufritual unterzogen wird, der Engel darüber trägt ein Stein oder ein Buch. Von den Anklägern der Templer wurde vor allem dieses Bild als Beweis für eine unzulässigen Götzenanbetung angeführt.

Aber ist es wirklich etwas besonderes, dieses Bild? Von irgendwoher kam mir das nicht unbekannt vor. Ich durchsuchte wieder und wieder die Fotos meiner Recherchereisen und wurde endlich fündig:

Zwei Details – das Tier links und die beiden Hörner der Fratze – sind sich so ähnlich, dass man meint, sie stammen aus der gleichen Hand.

Jedenfalls hat der Erzeuger des einen Bildes das andere gekannt oder es gab eine gemeinsame Vorlage, wie die Haltung des Schwanzes des Tiers zeigt. Was merkwürdig ist, denn die Orte sind 650 km voneinander entfernt. Bei dem anderen Ort handelt es sich um die Kirche von Wölchingen, Gemeinde Boxberg in der Region Hohenlohe (Ba/Wü). Man nennt die Kirche den „Frankendom“, sie erscheint viel zu groß für die kleine Gemeinde und soll nach der offiziellen Geschichtsschreibung von den Johannitern der „Konkurrenzorganisation“ der Templer erbaut worden sein.

Betrieben etwa die Johanniter auch heimlich Anbetung irgendwelcher Idole und hatten nur Glück, nicht „erwischt“ worden zu sein? Für mich  ist die Verwendung solcher gehörnten Wesen nichts besonderes. Dämone und „unchristliche“ Darstellungen finden sich überall, oft sogar sind extreme Motive erstaunlich weit verbreitet:

Hier haben wir einen Menschkopf, aus dem eine Pflanze oder Schlange herausquillt. Es ist eher ein esoterisches Motiv einer nichtchristlichen Religion, und zwar starten wir in Wölchingen, dem Frankendom

(Ferdinand Wilcke, Die Geschichte des Ordens der Tempelherren, Halle 1860, 2 Aufl., Bd. 2, S. 29 schreibt  diese „schöne Kreuzkirche zu Wölfingen“ den Templern zu, es gibt dafür aber wohl keine Beweise)

finden das gleiche Motiv zwei Tagesritte auf der Siegfriedstrasse nach Westen wieder, in Worms:

und 1200 km weiter westlich in St. Génis-des-Fontaines, 66 Pyrénées-Orientales, Languedoc-Roussillon

Es steht also fest, dass die Verwendung solcher esoterischer Symbole nicht spezifisches der Templer wäre. Meines Erachtens hatten die Baumeister  in ihren nach aussen abgeschotteten Gilden ihre recht eigenen Regeln und haben nicht immer nur das getan, was der Auftraggeber gerne gehabt hätte. Man spürt einen tabulosen Umgang mit heidnischen Motiven. Der Bischof, der zu laut meckerte, hatte gute Chancen, sein Konterfei verzerrt in einem wasserspuckenden Affen am oberen Rand der Kirche wieder zu finden.

Zurück zu den Templern ins Burgund:

2. “ Transportgeschäft“ im Dept. 21 Cote d’Or

Nur auf den allerersten Blick scheinen die Templereinrichtungen rein zufällig in der Gegend verstreut zu liegen. Wenn man die Lagen mit anderen bekannten Faktoren oder der Geografie in Beziehung setzt, kommt zumeist ein durchdachtes Konzept heraus, manchmal strategisch brilliant und andersmal religiös motiviert, letzteres vielleicht auch nur vordergründig.

Denn: So wie die Pilger den Schutz der Templer auf ihrer Reise durchs ungewisse Land schätzten und sogar benötigten, waren die Kaufleute gewiß auch froh, regelmässig auf eine Templereinrichtung treffen zu können. Häufig liegen Templereinrichtungen in Tagesmarschdistanz an wichtigen Strassen, z.B. zwischen Narbonne, Carcassonne und Quillan (vgl. Emile Bonnet, Les Maisons de l‘ Ordre du Temple dans le Languedoc Méditerranéen, Nimes 1934) .

 Man kann sich gut vorstellen, dass ein Kaufmann mit wertvoller Ware sich auf diese Weise eine Eskortenstaffel zugelegt , oder einfach nur die Beherbergungseinrichtungen und Pferdedienste der Templer gern in Anspruch genommen haben wird. Womöglich gab es damals schon so etwas wie einecorporate identity, gleiche Preise, verläßlicher Service im ganzen Land = kalkulierbares Risiko für vielreisende Geschäftsleute. Man weiß zudem, dass die Templer regelrecht Bankdienstleistungen gewähren konnten. Das Geld, was sie in Mainz bei den Templern in bar eingezahlt hatten, konnten sie mittels Kreditbrief etwa nach Avignon mitführen und dort in in bar und in jeweiliger Landeswährung wieder zurückverlangen.

In dem Bereich zwischen Dijon und Chatillon-sur-Seine gibt es ebenfalls eine bemerkenswerte Dichte bekannter Templerniederlassungen.

Commanderie Avalleur, Bar-sur-Seine, 10 Aube, Champagne-Ardennes

Commanderie La Courroirie, Leuglay, Voulaines-les-Templiers, 21 Cote d’Or

Bure-les-Templiers, 21 Cote d’Or

abbaye de Mormant, 52 Haut Marne, Champagne-Ardenne

Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass vom barmherzigen Verköstigen armer, zerlumpter Pilger alleine die Templer nicht einen so machtvollen „Handels- und Dienstleistungskonzern“ mit vielen Tausend „Filialen“ überall in der damals bekannten Welt errichten konnten. Die Strategie hier ist leicht gefunden. Das Chatillonais liegt nicht nur extrem verkehrsgünstig, es ist ein Fernwegekreuz allerersten Ranges!

Hier treffen die Pilgerwege (und damit Fernstrassen) nach Nancy, Metz, Köln, Münster, Hamburg usw. sowie nach Straßburg, Speyer, Nürnberg, Prag, Krakau usw. auf die noch u.U. wichtigere Strassenverbindung von Dijon nach Marseille.  (nach Ulrich Wegner, Der Jakobsweg, Freiburg i.Br. 2000)

Ausserdem liegt Chatillon-sur-Seine auf der französischen Hauptwasserscheide, der Trennlinie von den zu den Nordmeeren und den zu dem Mittelmeer abfließenden Gewässern. Seit der Antike konnte man in Marseille angelandete Waren mit Lastkähnen zunächst den Fluß Rhone, ab Lyon dann die Saone heraufziehen.

Bei Chatillon beträgt der Abstand zu dem damals schon schiffbaren Teil  Seine in Richtung Paris und Nordsee nur ca. 70 bis 100 km. Schon die Kelten haben diesen erheblichen Lagevorteil ausgenutzt und sind am Umschlag von Waren regelrecht reich geworden (Vix am Mont-Lassois, Schatzfunde usw.). Denn die Kaufleute waren auf Einrichtungen angewiesen, mit denen man die vom Süden heraufgekommenen Waren für die Landstrecke umlädt und zum nördlichen Flußsystem bringt, wo sie erneut umgeladen werden mußten.

Die Hypothese und ihr Beweis

Ich wage die Theorie, ja bin sogar davon überzeugt, dass die Templer das Transportgeschäft dort wiederbelebt und neu organisiert haben. Ich habe davon zwar noch nichts gelesen, fühle mich aber dadurch bestätigt, dass es im südlichen Deutschland, zwischen Hohenlohe und Ingolstadt ein ähnliches Phänomen zu beobachten gibt. Davon später mehr….

Und wie könnte sie ausgesehen haben, diese Landverbindung zwischen den beiden Flußsystemen? Die Aufgabe bestand jetzt darin, aus den zahlreichen – in Internetlisten oder Büchern – erwähnten Templerorten des Departements solche auszusuchen, die – möglichst in einer „Kette“ – auf dem Landrücken (= der Wasserscheide) zwischen dem Oberlauf  beider Flüsse Saone und Seine liegen.

Auf Karten mit zu kleinem Massstab konnte man mit Mühe die Templerorte ausmachen, hatte aber keine Übersicht über die grobe Richtung. Große Karten zeigen den Flußverlauf und die Templerorte nicht deutlich.  Ich nahm Chatillon-sur-Seine als Ausgangspunkt. Voulaines-les-Templiers (mit der Kapelle La Courroirie) hatten wir besucht. Es liegt im Tal der Ource und ist etwa 19 Km von Chatillon in ostsüdöstlicher Richtung entfernt. Die Richtung zur Saone stimmte schon mal.

Von dort folgt man der heutigen Straße 928 in Richtung Süd-Südost noch einmal so weit. Dort trifft man auf Bure-les-Templiers  (15 Km). Von einer bekannten Internetseite, die im Departement 21, Cote-d’Or knapp zwanzig Templerplätze listet (leider nicht ganz zuverlässig) entnahm ich einen angeblichen Templer-Ort Busserotte-et-Montaille, (bestätigt u.a. durch Wikipedia) . Diese nächste Templerstation liegt danach ebenfalls in Richtung Südsüdost auf der D 959 13 Km von Bure entfernt.

Bekannt war mir noch eine große Templerstation weiter östlich, eine sehr aufwändige Anlage mit beachtlichen Verteidigungsanlagen, die commanderie La Romagne bei St. Maurice-sur-Vingeanne. Die lag zwar in der richtigen Richtung, aber es tat sich eine Lücke von mehr als 40 Kilometern auf, die später noch geschlossen werden mußten. Von dort konnte man eine Strasse in entsprechender Richtung auf die Saone ausmachen, der Ort Gray mußte dann wohl die Umladestation sein. Richtig, Autrey-les-Gray erwies sich ebenfall als Templerort und befindet sich 14 Km von der letzten Station entfernt.

Die berühmte Templerkomturei Fontenotte, deren Kapelle 1960 abgebrochen und etwas südwestlich von Dijon (Corcelles-les-Monts) wieder Stein-für-Stein aufgebaut wurde, lag tatsächlich ursprünglich auf dem Gebiet der Gemeinde Til-Chatel!

(Literatur: Frizot, Julien, Sur les pas des Templiers, 2005, Rennes, Edition Ouest-France)

Diese Spur erwies sich als Volltreffer, denn Til-Chatel lag auf dem Weg und damit konnte die Lücke geschlossen werden. Von hier waren es sowohl herauf nach Busserotte als auch herab nach La Romagne jeweils ca. 24 Km. Später erfuhr ich noch, dass sich  etwas nördlich von Fontenotte, nämlich in Selongey übrigens auch eine Templereinrichtung befindet, ein maison, das kürzt die Wege zwischen Busserotte und St. Maurice jeweils auf nur 20 km ab.

Die Verbindung Dijon, Til-Chatel und Selongey dürfte der Beginn der alte Fernstrasse nach Deutschland gewesen sein, denn diese trifft hier auf dem Landrücken der Wasserscheide ebenfalls ein.

Der Vollbeweis einer „Templerstrecke“ zwischen den beiden Fluss-Systemen war damit erbracht und die These, dass die Templer das einst von den Kelten betriebene, äußerst lukrative Transportgeschäft wieder aktiviert haben, scheint dadurch bestärkt.

Wie gesagt, eine solch erstaunliche Entdeckung wird sich noch wiederholen…..