2013, November, Elsass

Im November konnte ich einen Messebesuch in Basel damit verbinden, noch ausstehende (angebliche?) Templerorte oder -reste im Elsass zu inspizieren.

 

1. Haguenau

Ob die Templer hier in Haguenau begütert waren ist zweifelhaft bis unwahrscheinlich. Nur bei Aubarbier (S. 61) habe ich einen solchen Hinweis gefunden, andere Quellen schweigen. Immerhin gibt es eine beeindruckende porte des Chevaliers, die sich am Marchée aux bestiaux befindet.

SONY DSCTour des Chevaliers, 67500 Haguenau

SONY DSCund diese Sehenswürdigkeit stammt immerhin aus der richtigen Zeit

2. Westhoffen

Auch in Westhoffen ist eine ehemalige Templerpräsenz ungewiss. Aubarbier (a.a.O.) schreibt die dortige Rosenbourg den Templern zu. Das ist aber umstritten. Am Stadtmuseum des Rathauses war ein kurzer Abriss der Geschichte des Ortes Westhoffen, dessen Name seit 739 aktenkundig ist. Vorher waren dort bereits die Römer (Weinanbau) und die Merowinger ansässig. Von Templern war keine Rede.

Hier gibt es weitere Informationen zu Westhoffen:

http://www.chateauxforts-alsace.org/page_consultation.php?page=230

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Früher war die Rosenbourg mit Mauern und Wachtürmen befestigt.

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Kein Schild führte zur ehemaligen Burg. Am Rathaus wurde nur verraten, dass sich die Burg in unmittelbarer Nähe zur Kirche befunden haben muss. Das Gebäude sei in ein Gehöft (ferme) umgewandelt worden.  Ich suchte die Stelle auf. Von der Kirche aus konnte man die Spitze eines hohen rosafarbenen und turmförmigen Gebäudes erkennen. Von der Strasse aus war aber kein Zugang möglich. Man hätte in private Höfe hineinmarschieren müssen. Weil die Kirche schon am Ortsrand lag, versuchte ich, ausserhalb des Ortes eine Strasse zu finden, von der man aus die ehemalige Burg am Ortsrand hätte sehen können. Das gelang schliesslich:

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Allerdings hatte ich keine Strasse sondern einen ungepflasternen und völlig vermatschten Feldweg gefunden. Das Auto war schon nach 100 Metern völlig eingeschlammt. Ich traute mich auch kaum, das Auto zu verlassen. Das Stehenbleiben war schon ein unvorsichtiges Wagnis. Ich hatte sehr grosse Mühe, wieder anzufahren und war schliesslich heilfroh, dass ich dem Morast entkam, ohne Abschlepphilfe anfordern zu müssen. Das hätte mein Abendessen verzögert und das wäre krass, da verstehe ich nämlich keinen Spaß 🙂

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3. Dorlisheim

In Dorlisheim sollte schon nach Wilcke (1860) und anderen Autoren auch ein Templersitz vorhanden sein. Die Commanderie soll sich in der Rue St. Jean befinden. Ich fuhr an der vom Navi vorgegebenen Stelle der Rue St. Jean dreimal vorbei, weil ich dort nichts erwartet hätte. Es war ein Gewerbegebiet zwischen Molsheim und Dorlisheim, überall waren Supermärkte mit Grossparkplätzen, Industriebetrieb, Burgerbratereien und Autowaschanlagen. Erst beim vierten Mal fand ich das Château St. Jean und einen steinernen Beweis der Commanderie: SONY DSC

Ich konnte meine Kamera durch den Zaun halten und so die mittelalterliche Pforte einfangen.

SONY DSCCommanderie de St. Jean, 67120 Dorlisheim

Was ich bis dahin nicht wusste: Bugatti hat dieses Schloss gekauft und auf dem Nebengrundstück eine Autofabrik gegründet. Eine sehr noble Adresse also:

SONY DSCChâteau St. Jean, Dorlisheim

4. Ottrott

Kleiner Nachtrag zu Ottrott. Die Steine an der Route de Boersch sind jetzt weggeräumt. Ausserdem hatte ich bei meinem ersten Besuch übersehen, dass es lt. Strassenplan in Ottrott eine Stelle gibt, die mit „Tempelsmuehle /Moulin des Templiers“ bezeichnet wird. Man gelangt dorthin, indem man von der Route de Boersch kurz nach der Ehnbrücke rechts in den Chemin des Aulnes einbiegt und diesen gleich wieder nach rechts über eine weitere Brücke verlässt:

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Am angegebenen Ort befinden sich – in einer Sackgasse – einige kleinere Häuser und Gebäude, offenbar an der Stelle der früheren Templermühle.

SONY DSCAuch hier zog ich es wieder vor, die Bewohner dieser Gebäude nicht in ihrer Privatsphäre zu stören. Ich wollte auch nicht näher heran, um ebventuell alte Gebäudereste auszumachen.

Abendessen gabs dann doch noch rechtzeitig in Bartenheim. Das liegt zwar direkt neben dem Basel – Europort und es donnern einem nachts immer mal Flugzeuge über das Bett. Das stört aber den Verzehr von 1. foie gras mit einem Pfirsich-Chutney und hausgemachtem Brioche, dazu Gewurztraminer, 2. Rehlendenstücke mit Spaetzle und Steinpilzchampignons, dazu Tischwein aus dem Languedoc, 3. einer Käseplatte mit Munster, Coulommiers und Langres (immernoch Roten aus dem Languedoc) und 4. „Kougelhoupf“ – Desert aus glasiertem Rosineneis mit „Kirsch“, 5. Café mit Kirsch,  nicht ein bisschen. Glauben Sie mir, Flugzeuge sind einem nach so einem Essen ziemlich egal. Templer auch. Der aufmerksame Leser ahnt jetzt, warum ich mich diesem Thema vor allem in Frankreich so ausgiebig widme. Alles nur Ausrede?

Ein Gedanke zu „2013, November, Elsass

  1. Waleran

    Wieder eine schöne Ausbeute, Markus! Es ist immer ein Genuss, Deine Seite zu besuchen. Wenn ich vor eine harte Wahl gestellt worden wäre, hätte ich das Abendessen allerdings dem Ausflug vorgezogen. Du Glücklicher, dass Du nicht wählen musstest! 😉

    Waleran

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