Archiv der Kategorie: weitere Ritterorden

Die Kreuzritter-Kommenden der Schweiz, 2018

Anfang September hatte es endlich geklappt. Mein schweizerischer Freund Jürg Caluori und ich hatten schon seit längerem eine Tour zu den Ordensrittern in der Schweiz geplant. Wir kennen uns seit 2005 von einigen gemeinsamen Templer- und Recherchereisen im Languedoc und wissen daher um unsere Belastbarkeit beim Erfahren und Besichtigen von alten Kirchen und beim Stöbern in dicken Büchern. Ausserdem testen wir beide in den Abendstunden immer wieder gerne, ob es stimmt, dass nur gutes Essen und Trinken den Reisenden bei Laune hält. Und ja, wir hatten auch diesmal wieder Recht gehabt.

Jürg hatte dankenswerter Weise schon  lange vorher einen exakten Reiseplan für die Tour erstellt und die erforderliche Literatur beschafft: Es gibt praktisch nur ein Referenzwerk über die Niederlassungen der Ritterorden in der Schweiz: Das von 1964 bis 2007 erschienene Handbuch Helvetia Sacra erfasst systematisch die katholischen Institutionen der Schweiz. Der erste Band erschien 1972, der Abschlussband mit dem Index 2007. Insgesamt ca. 20’000 Seiten sind in 28 Bänden bzw. 34 Teilbänden von 233 Autoren aus der Schweiz und dem Ausland erarbeitet worden. (Wikipedia). Ich werde im folgenden Bericht Zitate aus diesem Werk immer mit „H.S.“ und mit der Angabe des Namens des Autors des betreffenden Beitrages und der jeweiligen Seitenzahl kenntlich machen.

Übersicht über die Kommenden in der Schweiz und im Bodenseeraum

(Copyright: Google Maps und Markus Menzendorff)

Die Kommende Beuggen liegt in Deutschland und der schweizerischen Stadt Rheinfelden unmittelbar gegenüber. Insoweit ist die Karte nicht ganz akkurat. Auch Mainau und Überlingen sind natürlich deutsche Orte.  Die heutigen Landesgrenzen spielten für die Ausbreitung der Ritterorden damals jedoch so gut wie keine Rolle. Man sieht, dass in der Zentralschweiz und der Ostschweiz keine Templerniederlassungen vorhanden waren. Zu dieser Frage folgt später noch eine kleine Abhandlung.

1. Kanton Thurgau

Die Reise beginnt in der Ostschweiz, wo Jürg Caluori wohnt. Ich war am Tag zuvor angereist, nachdem ich noch in Würzburg die Deutschordenskommende und in Kleinerdlingen das ehemalige Johanniterschloss (jetzt eine gewöhnliche WEG Anlage) noch fotografisch eingefangen habe.  Wir haben im Restaurant Falkenburg in Wil (sehr zu empfehlen) opulent zu Abend gegessen und mit dem einen oder anderen Gläschen auf frühere und das bevorstehende Abenteuer angestoßen.

1.1 Tobel

Nach einem ausgezeichneten Frühstück (nochmal danke vielmals, liebe Edith!) mit Croissants, die in der Schweiz aber „Gipfel“ heißen, machten wir uns gegen 9:00 bei Nieselregen auf zum ersten Ziel, das wir nach 8 Km erreichten.

Johanniter-Komturei Tobel, 9555 Tobel/Thurgau

Innenansicht der sehr gut instand gehaltenen Kirche mit Barockaltar

Die Gründung der Komturei Tobel erfolgte 1226, was durch die erst 1503 gefertigte Kopie einer Urkunde aus dem Jahre 1228 bestätigt wird. Patron ist Johannes der Täufer. Die Gründung erfolgte zur Sühne für einen Brudermord in einem Familienstreit der Grafen von Toggenburg (H.S.-Bühler, Band 7, Teil 1,  S. 474ff.). Die Komturei liegt auf einem kleinen Hügel überhalb der Gemeinde Tobel.

2. Kanton Zürich

Etwa 53 Km weiter westlich lag unser zweites Tagesziel, die Lazariterkirche von Gfenn. Der Lazariterorden, der sich auf das Betreiben von Leprosenhäusern spezialisiert hat, steht zwar nicht im Focus der Untersuchungen dieser Homepage. Allerdings war er über die Kreuzzüge mit den übrigen Ritterorden – thematisch und geografisch – aufs Engste verbunden und ebenfalls ein militärischer Orden. Zudem ist die Kapelle  in Gfenn ein wunderschönes und gut erhaltenes Relikt aus dem 13. Jahrhundert, sodaß wir den Ort mit auf die Tagesordnung gesetzt haben.  (Zu den Lazaritern allgemein H.S.-Degler-Spengler, Band 7., 2. Teil S. 812-867).

2.1 Gfenn

Die Lazariterkirche von Gfenn war vermutlich der hl. Maria gewidmet und ist erstmals 1250 urkundlich erwähnt (H.S.-Degler-Spengler, Band 7., 2. Teil S. 887ff.)

Westfassade der Lazariterkirche Gfenn, Gemeinde 8600 Dübendorf, Kanton Zürich.

Detail der Malereien im Innenraum

2.2 Küsnacht

Bis zu unserem nächsten Ziel am Ufer des Zürichsees waren es nur wenige Kilometer:

Johanniterkirche St. Georg, Küsnacht, Südansicht vom Parkplatz über dem Dorfbach

restaurierte Malereien im Innern

Die Kommende wurde zwischen 1358 und 1372 gegründet. Die Kirche St. Georg ist seit dem 21.09.1332 nachweisbar (H.S. Feller-Vest, Bd. 7, Teil 1, S. 282 ff.). In den ehemaligen Gebäuden der Kommende aus dem 18. Jahrhundert befindet sich heute die Kantonsschule Küsnacht.

2.3 Bubikon

Nach weiteren 30 Km (einer bequemen Tagesetappe für Fußgänger im Mittealter) erreichten wir die wohl älteste und gewiß am besten erhaltene Johanniter-Kommende in der Schweiz.

Blick von Eingang im Westen auf die Kapelle und das Haupthaus

Eingang zur Kapelle, Wächterfiguren, wie man sie von anderen Einrichtungen der Templer und Johanniter kennt.

Restaurierte mittelalterliche Wandgemälde

Johannes der Täufer, links und Inschrift aus dem Jahr 1192

Im südlichen Komtureihauptgebäude befinden sich getäfelte Versammlungssäle und das Maltesermuseum

Älteste Darstellung der Kommende um 1530. Zeichnung aus der Schweizer- und Reformationschronik von Johannes Stumpf. Zentralbibliothek Zürich. (Wikipedia)

Die Kommende Bubikon wurde zwischen 1191 und 1198 gegründet und dem Patronat von Johannes dem Täufer unterstellt (H.S. Feller-Vest, Band 7, Teil 1, S. 135 ff.).

2.4 Wädenswil

Von Bubikon sind es – unter Benutzung des Seedamms – ca. 23 zur nächsten Johanniterstation Wädenswil. Es ist jedoch nur noch eine Ruine erhalten. Die Besteigung der Burgruine gelang erst rund ein halbes Jahr später. Ich konnte eine Dienstreise mit einem Abstecher in die Schweiz verbinden. Man gelangt nur zu Fuß hinauf. Der Weg hinauf ist für Fahrzeuge strengstens verboten und viel zu schmal. Es war aber auch weniger schlimm, als es zunächst den Anschein hatte. Es geht etwa drei- oder vierhundert Meter und nicht allzu steil bergauf. Die Mühen haben sich allemal gelohnt:

Aufstieg und Blick auf die Burg von Süden

Die postalische Adresse fürs Navi lautet 8805 Richterswil, Unter Altschloss. Unten ist ein öffentlicher Parkplatz.

Nordflanke der beiden Gebäudetürme

Westlicher Gebäudeturm

Südöstliche Ringmauer

Der Hinweistafel am Eingang kann man entnehmen, dass die Johanniter die Burg im Jahre 1297 gekauft und anschließend übernommen haben.

 Gygerkarte von 1667, Quelle (Wikipedia)

3. Kanton Luzern

Von Wädenswil sind es 36 Km zur nächsten Johanniterkommende in

3.1 Hohenrain

Die Kommende Hohenrain entdeckt man schon von weitem:

Ansicht von der Dorfstrasse aus Süden

Ansicht von der Dorfstrasse

Übersichtstafel

Die Kommende wurde um 1175 gegründet. Patron ist Johannes der Täufer. Die Kommende Hohenrain liegt auf einem schon zur Römerzeit besiedelten Berg „oberhalb der mittelalterlichen Seetalstrasse, die den Reussübergang Nieder-Eschenbach mit der Drehscheibe Brugg verband“. (H.S. Glauser S. 233)

3.2 Hitzkirch

Zur nächsten und zugleich letzten Station des Tages waren es nur noch 9 Kilometer. Die Deutschordenskommende mit einer recht großen Kirche und einem riesigen Schloßbau befindet sich in der Ortsmitte und ist nicht zu verfehlen. Sie liegt auf verschiedenen Stufen einer Anhöhe, was Nahaufnahmen deutlich erschwert.

links im Vordergrund die Kapelle der Ordensritter. Im Hintergrund die Kirche der Kommende, die auch der Gemeinde diente, und rechts der westliche Seitenflügel des Deutschordenschlosses. Das Tympanon über dem Eingang zum Schloßhof ist mit einem enorm großen und imposanten Wappen des Deutschordenskomturs versehen. Leider sind die Aufnahmen wegen Nieselregen nicht gelungen.

Innenhof der Kommende, nördlicher und östlicher Schloßtrakt

Blick vom Schloß auf die Ordenskapelle St. Maria

Gemeindekirche des Deutschen Ordens in Hitzkirch

Die Kommende wurde erstmals  im Jahr 1237 urkundlich erwähnt. Das Gründungsjahr liegt im Dunklen. Die Kirche ist dem St. Pankratius geweiht. Der Gründer, Freiherr Kuno II von Teufen stand dem Kaiser Friedrich II. nahe.  (H.S. Jäggi, Teil 2, S 703f.

Wir verspürten Hunger und Durst. Jetzt wurde es langsam Essenszeit. Zu unserem Domizil dieser Nacht war es – nach exzellenter Planung – nicht mehr weit. Jürg hatte uns in das Hotel Eichberg in Seengen eingebucht. Es gab fantastische Steaks auf heißem Stein mit genialen Soßen und ausgezeichnetem Wein. Ich hoffe, da komme ich irgendwann noch einmal hin.

3.3 Reiden

Das Frühstück stand dem Abendessen kaum nach und wir brachen – ausgeruht und frisch gestärkt – gegen 09.00 Uhr zu unserem nächsten Ziel auf, der Johanniterkommende Reiden:

Burg 6260 Reiden, Blick vom Johanniterweg (aus nördlicher Richtung) auf den Burgberg. (Dieses und das nachfolgende Foto stammen ebenfalls von meiner nächsten Fahrt in die Schweiz ein halbes Jahr später. Beim ersten Besuch war sehr schlechtes Wetter und die Fotos waren mißlungen.)

Auch diese Kommende liegt auf einem (recht steilen) Hügel, sodaß man von der Burg aus die Umgebung gut überblicken und anderseits als Reisender die Kommende schon von weitem ausmachen konnte. Auch hier kommt man nur zu Fuß hinauf. Die Anlage war verschlossen.

Haupteingang der Johanniterkommende Reiden, Johanniterweg.

Die Kommende von Reiden ist vor 1284 gegründet worden. Der Johanniterorden war daran interessiert, an der „vom Hause Habsburg im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts geförderten Pilger- und Handelsstrasse Gotthard-Luzern-Hauenstein-Basel zu errichten.“ (H.S. Glauser, Teil 1, S. 405f.)

Strecke Basel – St. Gotthard, (google.maps)

4. Kanton Aargau

Von Reiden zur nächsten Johanniterkommende waren es 37 Km, eine gute Tagesdistanz.

4.1 Biberstein

Die Johanniterkommende liegt oberhalb des linken Ufers der Aare auf einer Anhöhe (Geländebruch oder Prallhang), von der aus man – damals wie heute – einen perfekten Überblick über das Aaretal und eine Tiefebene hatte. Sollte die Aare als Wasserweg benutzt worden sein, so wäre dies hier ein günstiger Kontrollpunkt.

Johanniterkommende Biberstein

Frühere Zugbrücke und Blick auf das Aaretal

Ich vermute, dass dieses Gebäude aus der Kommendenkapelle hervorgegangen ist. Die Fassade links im Bild erinnert an eine gotische Radialapsis.

Die Kommende Biberstein ist erst recht spät entstanden, nämlich im Jahre 1335. Der Komtur von Klingnau legte hier Überschüsse seiner Kommende in Grundbesitz an, den er von den etwas klamm gewordenen Habsburgern abkaufen konnte. (H.S. Sommer-Ramer, Bd. 7, Teil 1, S. 110 ff.)

4.2 Klingnau

Zwischen den Ritterordenstationen Biberstein und Klingnau treffen wir wieder auf die Ideal-Distanz  von 30 Km, einer guten und bequemen Tagesetappe auch für Fußgänger.

Eingeklemmt zwischen der Sonnengasse und der Schattengasse findet sich die St. Katharinen-Kirche der Johanniter von Klingnau auf einem ehemaligen Anger.

Blick auf den Ostchor der Johanniterkirche Klingnau

Das Kirchenschiff  ist vor in den sechziger Jahren vollständig abgerissen und wieder aufgebaut worden (Homepage der Pfarrei). Dieses Detail im Innenraum stammt wohl vom Original.

Dieses Gebäude befindet sich einige Schritte von der Johanniterkirche entfernt am Abhang zum rechten Aareufer hinab. Es wird heute noch als Gemeindehaus der Pfarrei St. Katharina benutzt. Ich stelle mir vor, dass es früher als Hospital gedient haben könnte.

Klingnau bildet mit Leuggern eine Doppelkommende unter gemeinsamer Leitung eines Komturs. Die Kommende wurde 1251 von den Söhnen des Stadtgründers Ulrich von Klingen errichtet und stand unter dem Patronat von Johannes dem Täufer (H.S. Feller-Vest, S. 273)

Zwischen Biberstein und Klingnau sind mir Hinweisschilder auf eine „Neckar-Alb-Aare-Römerstrasse“ aufgefallen. Beim nachträglichen Betrachten der Lage der Niederlassungen bemerkte ich, dass ich hier auf eine weitere „Ritterstrasse“ gestoßen bin. Legt man beide Wegesysteme übereinander, kommt man zum „full match“.

Ein überwältigendes Gefühl der Verbindung von Theorie und Praxis. Die Johanniterstationen sind mit dem Malteserkreuz gekennzeichnet. Die römischen Stationen mit SPQR. Diese „Römer-Johanniter-Straßen“ werden uns noch in dem in einem der nächsten Reiseberichte über die Johanniter in Baden-Württemberg beschäftigen. So gibt es in Heitersheim, dem Hauptsitz der Johanniter der „Deutschen Zunge“, etwa eine römische Villa. Auch das ist wieder kein Zufall. Die Römer haben sich mit ihren Straßen zunächst erstmal an vorher schon vorhandenen Fernwegetrassen orientiert. Da zwischen der Römerzeit und dem Mittelalter kein nennenswerter Straßenbau betrieben wurde, vewundert es nicht, dass die Ritterorden sich diese alten Fernstrecken zunutze machten, so gut es eben ging.

4.3 Leuggern

Für die nächste Etappe mußten wir nur die Aare überqueren und erreichten nach 5 Km die Kommende Leuggern.

Johanniterkirche Peter und Paul, Leuggern, Hauptportal, Kommendeweg 12

Gewölbedecke aus dem 13. Jahrhundert.

Dieses Gebäude wird – damals wie heute noch – als Krankenhaus benutzt.

Wappen über dem Haupttor des Krankenhauses, (bitte klicken zum Vergrößern)

Die Inschrift von 1678 erwähnt einen Franz von Sonnenberg, Ritter des Johannisordens von Jerusalem, Prior von Groß-Ungarn, … Komtur in Villingen, Leuggern, Klingnau, Hohenrein und Reiden.

Blick von dem Umlauf um die Radialapsis der Johanniterkirche auf das rechte Ufer der Aare und das Aaretal.

Aus H.S. Feller-Vest, Teil 1, S. 339: Doppelkommende mit Klingnau, den Sankt Peter und Paul gewidmet. Gegründet zwischen 1268 und 1251.

4.4 Rheinfelden – Schweiz

Von Leuggern nach Rheinfelden bedurfte es nochmal 44 Kilometern Fahrt entlang des linken Rheinufers. Wir parkten günstig, sodass es nur ein paar Schritte brauchte, um die Johanniterkomturei in der Altstadt wiederzufinden. Ich war vor einem halben Jahr hier schon einmal, aber es war damals schlechtes Wetter und vor der Kapelle parkte ein Handwerker seinen Lieferwagen. Diesmal hatten wir mehr Glück.

Wir besichtigten die Kommende zunächst nur von außen. Hier die Westfassade.

Südflanke der Kapelle und Turm

Nun gönnten wir uns aber erstmal die Mittagspause bei einem guten Italiener um die Ecke. Es gab Pasta und Rotwein. Anschliessend machten wir uns auf, den Schlüssel für die Kapelle zu organisieren. Am Eingang zur Kapelle befindet sich ein Hinweisschild, wo man ihn bekommt. Es lohnt sich.

Detail aus dem Altarraum: Kopf des johannes

Gebäude der ehemaligen Komturei.

Patron: Johannes der Täufer, Gegründet 1212. Die Johanniter gründeten hier ein Hospital und hatten ein gutes Einvernehmen mit der Stadt Rheinfelden. (H.S. Sommer-Ramer, Teil 1, S. 416 ff.

Nur um es festzuhalten Rheinfelden liegt nur ein paar Km flußauwärts vor Kaiseraugst, der ehemaligen römischen Stadt Augusta Raurica, von der aus der Flußübergang zur Römerzeit kontrolliert wurde. Die Nähe zu Verkehrswegen aus der Römerzeit zeigt sich also hier eneut. Ich zitiere aus Wikipedia:

„Während der Herrschaft der Römer bestand im Bereich der heutigen Brücke eine Fähre, mit einem rund 500 Meter langen Treidelweg am Nordufer zur Überwindung der Stromschnellen. Als die Zähringer den Marktflecken Rheinfelden zu einer Stadt ausbauten, existierte ebenfalls eine Fährverbindung über den Rhein, der den Anschluss an die Straße zu den zähringischen Besitzungen im Breisgau sicherstellte. Die erste Brücke dürfte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden sein, denn 1198 wird in einer Urkunde ein Rheinfelder Bürger als Heinricus de Ponte („Heinrich von der Brücke“) bezeichnet. Sie war somit die älteste Rheinbrücke zwischen Konstanz und Straßburg, also noch vor der Mittleren Brücke in Basel, die um 1225 entstand. Im Gegensatz zu anderen Standorten war der Brückenbau in Rheinfelden bedeutend einfacher, da die Flussinsel als natürlicher (Zwischen-)Brückenkopf genutzt werden konnte. “

4.5 Schloß Beuggen, 79618 Rheinfelden (Baden)

Das Rheinfelden in der Schweiz liegt genau gegenüber der deutschen Stadt Rheinfelden. Die Johanniterkommende Beuggen liegt ca. 4,5 Km flußaufwärts am rechten Ufer des Rheins.

Blick vom Haupttor nach Südwesten auf den Burggraben

Torhaus, Blick durch das Haupttor nach nordwesten hinaus

Blick vom Haupttor auf das Ordens-Schloß und die ehemalige Marienkapelle, die seit 1678 der Gemeinde Karsau als Pfarrkirche St. Michael diente (H.S. Heim, Teil 2, S. 659)

Am Tage unserer Besichtigung sollte eine Trauungszeremonie stattfinden. Es waren hunderte von Gästen anwesend.

Beuggen wurde 1246 gegründet. Die intensivste Bautätigkeiten fanden zwischen 1584-1603 und 1752-1757 statt. (H.S. Heim,  aaO S. 606)

Für heute hatten wir nun genug gesehen. Es war zwar noch nicht allzu spät, aber die Reserven für waren verbraucht. Wir machten uns nach Bartenheim im Elsaß auf, wo ich gerne regelmässig im „Au Lion Rouge“  übernachte. Leider hatte dessen Spitzenrestaurant diesmal geschlossen. Satt geworden sind wir doch noch, einigermaßen. Denn das Essen war sehr „übersichtlich“. Wenig Fisch auf sehr großen Tellern mit farbigen Geleeklecksen und Balsamico-Spritzern. Am Cremant d’Alsace hatten wir aber nichts auszusetzen.

5. Kanton Basel

Die Bilder aus Basel stammen nicht von dieser Reise, sondern aus verschiedenen anderen Anlässen, aber der Bericht über die Ordensritter in Basel gehört thematisch hierher. Heute stehen nur noch wenige Gebäude des Deutschen Ordens, die zudem erheblich umgebaut wurden.

ehemalige Deutschordenskapelle Basel, Rittergasse 29, jetzt Wohnhaus

Die Rittergasse führt vom St. Albans-Graben direkt auf den Münster von Basel. Die Ordensritter konnten den Münster bequem in ein paar Schritten erreichen.

Basel war und ist Bischofssitz, also waren auch hier gewiß auch andere Orden ansässig. Von einem Sitz der Templer ist allerdings nichts bekannt (altbasel.ch), aber die Johanniter hatten hier eine Kommende. Allerdings wurden sämtliche Gebäude der Johanniterkomturei von Basel, die sich in der St. Johanns-Vorstadt am Rheinufer befand, in den letzten Jahrhunderten abgerissen.

(Quelle: altbasel.ch)  . Der rechts in Bildmitte mit „D“ bezeichnete Turm steht allerdings noch.

Stadtturm St. Johann, Sankt-Johanns-Vorstadt, Basel. Blick aus der Stadt nach Osten.

6. Kanton Bern

Das Frühstück im Elsass war erheblich besser als das Abendessen und so zogen wir erneut los, zu unserem dritten und letzten Tag der Tour. Es standen nur noch zwei Punkte auf dem Programm.

6.1 Thunstetten

Nach ca. 75 Km Fahrt in Richtung Süden erreichten wir die Johanniterkommende Thunstetten.

Die Johanniterkommende wurde zwischen 1180 und 1210 errichtet. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1220 in einem Streit vor dem Schiedsgericht. Gestiftet wurde sie vermutlich von einem „oberaargauischen Adelskonsortium aus zähringisch-kyburgischen Ministerialen“ (H.S. Wick-Werder, Teil 1, S. 459 f.). Rechts im Bild befinden sich Gebäude der ehemaligen Kommende, die heute für den Pfarreibetrieb und die Gemeinde benutzt werden.

stilisiertes Johanniterwappen, Detail aus dem Inneren.

„Die heutige Kirche ist ein Neubau von 1745, der Turm stammt vermutlich aus dem 12. Jh.“ (Historisches  Lexikon der Schweiz)

5.2 Sumiswald

Ca. 25 Km südlich unterhalb von Thunstetten befindet sich das Dorf Sumiswald und die ehemalige Deutschordenkommende, das sogenannte „Schloss Spittel“, das etwa 2 km westlich ausserhalb des Dorfes – weithin sichtbar – auf einem Hügel liegt. Wiederaufgerichtet nach einem Brand 1730 diente das ehemalige Deutschordenskrankenhaus als Altersheim bis 2016 (Quelle Wikipedia) und heute als Beherbergungsbetrieb.

Komturei Sumiswald, Totale von Süden

Haupttor Schloß Sumiswald

Deutschordenskirche Sumiswald

Gegründet zwischen 1225 und 1245, gewidmet der Jungfrau Maria, eine Schenkung des Lütold von Sumiswald an den deutschmeister Hermann Otter unter der Bedingung, dass ein Krankenhaus errichtet wird, welche Arme und Pilger aufnehmen soll und dass immer zwei Priester dort anwesend sein müssen. (H.S. Baeriswyl, Teil 2, S. 780f.)

Detail aus dem innern. Maria und das Wappen des Deutschen Ordens.

Hier endete unsere Recherchereise. Wir fuhren nach Wil in die Ostschweiz zurück und werteten erste Fotos aus, bis das Abendessen fertig war. Leckeres Raclette mit Bacon und Kartoffeln, dazu den einen oder anderen Schluck Wein. Derzeit fiele mir nichts ein, mit dem ich ebenso vergnüglich und persönlich gewinnbringend beschäftigen könnte, als mit solchen Recherchereisen ins Mittelalter der Ritterorden einzutauchen und gleichzeitig Land und Leute von heute zu erleben und Zusammenhänge zu erkennen. Europa war ebenso dicht vernetzt wie heute. Die Wege dauerten natürlich etwas länger. Streit, Hader und Eigensucht aber auch Selbstlosigkeit, Zusammenhalt und Aufopferungsbereitschaft gab es damals wie heute.

Aber man stellt regelmässig fest, dass die Aufnahmefähigkeit und die Reiselust spätestens am dritten Tag stark nachlässt. Und so haben wir den frankophonen Teil der Schweiz westlich der „Rösti-Grenze“ für dieses Mal auslassen müssen. Viel ist dort heute nicht mehr zu sehen von den Kommenden der Ordensritter. Man stellt fest, dass sich die Tempelritter aus nicht näher bekannten Gründen nicht in die deutschsprachige Schweiz ausgebreitet sondern sich auf den frankophonen Raum (La Chaux, Genève)   beschränkt haben.

„Man kann wundert sich über die spärliche und zögerliche Präsenz der Templer in der romanischen Schweiz, zumal der Orden für seine bevorzugte Vorgehensweise bekannt ist, sich an den grossen Achsen der transalpinen Passagen aufzustellen, besonders in der Franche-Comté und im Piemont“, schreibt Bernard Andematten in seiner Einführung zum Templerorden in Helvetia Sacra, Teil 1, S. 531ff. Das ist in zweierlei Hinsicht etwas irreführend. Zum einen befanden die zutreffen spärlichen Besitzungen der Templer ausschliesslich in der französischsprachigen Schweiz, während für die deutschsprache Mittel- und Ostschweiz überhaupt keine Niederlassungen beschrieben sind. Zum anderen haben sich die Templer entlang der großen europäische Hauptstrasse via francigena (Von Canterbury nach Rom) tatsächlich nur in Frankreich maßgeblich und dicht aufgestellt, wie etwa in der Franche-Comté und dann aber erst wieder im Piemont (S. Maria di Isana, Livorno Ferraris und S. Maria del Tempio,  Casale Montferrato) , während zwischen La Chaux und dem Aostatal kein einzigerTemplersitz mehr vorhanden war. Offensichtlich haben es sich die weltlichen Herren nicht überall aus der Hand nehmen lassen, an den Alpenübergängen zu verdienen. Dass die Templer in der deutschsprachigen Schweiz keine Niederlassungen gegründet haben, sollte angesichts der Tatsache, dass sie auch in Deutschland recht wenige Niederlassungen im Vergleich zu den beiden anderen Orden besassen, nicht allzusehr verwundern. Vielleicht bestand auch ein Zwist mit den Zähringern, was im Templerlexikon für La Chaux angedeutet wird.

 

 

Stand 14.04.2019

Deutscher Orden und Johanniter in Hessen, 2017

1. Der Deutsche Orden in Hessen

Karte der Niederlassungen des Deutschen Ordens in Hessen

(Quelle: Google maps, Layout: M.M.)

Alle Deutschordensstationen liegen unmittelbar an der heutigen Bundesstrasse B 3. „Bei der früheren Nummerierung im Jahr 1932 begann die so genannte „Reichsstraße 3“ in Lübeck und führte dann über Hamburg nach Buxtehude, wo sie heute als „Bundesstraße 3“ ihren Anfang nimmt. Straßen wie die B3 entwickelten sich entlang uralter Handelsrouten. So kann man den Verlauf auch dieser Straße nachvollziehen von Norden nach Süden, von der Ostsee bis ans Mittelmeer.“ (Zitat Route B3). Die Wahl der Plätze für die Niederlassungen des Deutschen Ordens erfolgte danach keinesfalls zufällig. Es ist offensichtlich, dass die Marienritter wert darauf gelegt haben, sich entlang dieser Straße niederzulassen. Weiterhin fällt auf, dass die Ordenshäuser vorzugsweise in größeren Städten oder in der Nähe solcher Städten erichtet worden sind.

1.1 Fritzlar, wird noch nachgereicht, von Fritzlar nach Marburg 60 Km

1.2 Kommende Marburg

Baubeginn der Kommende ab 1234, hier ein seitliches Verwaltungsgebäude

Portal der Elisabethenkirche, Elisabethenstr. 3, 35037 Marburg

1.3 a Kommende 35394 Schiffenberg

Von Marburg gelangt man nach 30 Kilometern auf der B 3 nach Süden zu den nächsten  beiden Ordenssitzen, nämlich Schiffenberg (bei Gießen) und Wetzlar.

Marienkirche von 1133 von Nordosten

Südseite der Basilika

1.3 b Wetzlar

Auf gleicher Höhe über Frankfurt, aber 18 Kilometer weiter westlich ist eine weitere Niederlassung des Deutschen Ordens zu finden, und zwar in der Lottestrasse von Wetzlar, hoch über dem Wetzlarer Dom, den man bequem zu Fuß erreichen kann. Das Gebäude beherbergt jetzt das Stadtmuseum von Wetzlar.

Deutschordenskommende Wetzlar, Zehntscheune undt Haupthaus (rechts im Bild)

Ruine eines mittelalterlichen Gebäudes

Grabsteine von Deutschordensrittern

1.4 Ober-Mörlen

23 Kilometer südlich von Schiffenberg und ebenfalls an der B 3 liegt die Deutschordenskommende Ober-Mörlen.

Deutscher Orden, 61239 Ober-Mörlen

Haupteingang zur Komturei

1.5 Deutschordensschloß Friedberg

Keine acht Kilometer weiter südlich stößt man dann auf die Kommende Friedberg

postalische Adresse: In der Burg, 61169 Friedberg

1.6 Deutschordensschloß Kloppenheim

Adresse: Am Schloß 16, 61184 Karben

1.7 Deutschordenskommende Frankfurt

Brückenstrasse 1, 60594 Frankfurt am Main.

„Alte Brücke“, Deutschordenskommende, Brücken- und Elisabethenstraße, Merian, 1628

Die Lage war optimal gewählt: Direkt an der „Alten Brücke“ von Frankfurt. Die Top Location im Mittelalter, einer der damaligen Hauptknotenpunkte des europäischen Fernhandels. Auch die B 3 benutzt diesen Mainübergang heute noch. Hier geht es dann auf dem rechten Rheinufer entlang bis Basel. Die steinerne Brücke existiert seit 1222, vorher gab es wohl hölzerne Vorgänger. Die Brücke ersetzt eine Furt, die an exakt der gleichen Stelle bestand. Mehr über die Geschichte der alten Brücke erfahren Sie hier: Wikpedia.

2. Die Johanniter in Hessen

Karte der Niederlassungen des Johanniter-Ordens in Hessen um 1300.

(Quelle: Google maps, Layout: M.M.)

Man erkennt auf den ersten Blick, dass die Johanniter ihre „Straße“ durch Hessen etwas östlich von der des Deutschen Ordens „angelegt“ haben. Diese verläuft in nord-südlicher Richtung Wiesenfeld nach Neckarelz und teilt sich dort schließlich. Auch an der B 3 hatten die Johanniter Besitzungen, wenngleich auch nur zwei. Es hat den Anschein, dass die beiden Orden sich hier offenbar nicht gegenseitig Konkurrenz machen wollten, sodaß zwei alternative Streckentrassen angeboten wurden. Vermutlich gab es wegen hohem Verkehrsaufkommen ausreichend Bedarf an Krankenhäusern und Übernachtungsmöglichkeiten. Frankfurt war eine Kaiserstadt und die Könige wurden seit dem 12. Jahrhundert regelmäßig hier gewählt. In Frankfurt waren daher alle drei Ritterorden anssässig. Weiter fällt auf, dass die Johanniter vornehmlich stadtferne, kleinere Orte für ihre Niederlassungen ausgesucht haben. Im Falle Nieder-Weisel gehörte sogar der ganze Ort zum Orden.

 

2.1 Wiesenfeld

1238 erstmals urkundlich erwähnt:  Johanniterkirche und -Kommende, 35099 Burgwald

Wiesenfeld: Johanniterkreuz 13. Jh

2.2 Grebenau

Reste der Johanniterkommende, 36323 Grebenau

2.3 Nieder-Weisel

Urkundlich erwähnt wurde diese Kommende erstmals im Jahre 1245 (Wikipedia).

bnb

bnb

Herrenhaus der Kommende, 17 Jh.

Kapelle der Kommende Nieder-Weisel, Krankenhaus im Obergeschoß, 35510 Niederweisel

2.4 Nidda

Johanniterturm in 63667 Nidda, von der Basilika aus dem Jahr 1187 steht nichts mehr

2.5 Kommende Rüdigheim

Herrenhaus Kirchstraße 7, 63543 Rüdigheim (Neuberg), Main-Kinzig-Kreis

2.6 Kommende Mosbach

Mosbach, Kirchgasse 3, 64850 Mosbach (Schaafheim), Kreis Darmstadt-Dieburg

2.7 Kommende Ober-Mossau

Kirchstraße 6, 64756 Mossautal, Odenwaldkreis

2.8 Das „Tempelhaus zu Neckarelz“, Mosbach

Johannitergasse 2, 74821 Mosbach, Neckar-Odenwaldkreis, Baden-Württemberg

2.9 (ehemalige) Johanniterkirche in Frankfurt

Aquarell von Carl Theodor Reiffenstein, 1871 (Wikipedia)

Stadtplan von 1861 (Quelle Altfrankfurt.com)

Johanniterhof, Merianstich 1628

Skizze aus 1873

3. Fazit

Die Distanzen zwischen den Kommenden des Deutschen Ordens:

  1. Fritzlar – Marburg 60 Km
  2. Marburg – Schiffenberg 30 Km
  3. Schiffenberg – Friedberg 30 Km
  4. Friedberg Frankfurt 30 Km

Die Annahme, die Ordensritter haben ihre Niederlassungen absichtlich in bequemen Tagesetappen entlang einer seit alters her bestehenden Fernstrasse angelegt, dürfte danach wohl erwiesen sein. Ausserdem wird die These bestärkt, dass die Einrichtungen der Ritterorden sehr häufig (und wohl ebenfalls nicht zufällig) 30 oder 60 Km auseinander liegen.

Es handelt sich bei den Niederlassungen in den Städten entlang eines alten und bedeutsamen Fernwegs (der heutigen B 3) in Hessen um eine planmässig angelegte Straße der Ordensritter.

Die Distanzen zwischen den Kommenden der Johanniter:

  1. Wiesenfeld – Grebenau 60 Km
  2. Grebenau – Nidda 60 Km
  3. Nidda – Rüdigheim 28 Km
  4. Rüdigheim – Mosbach 42 Km
  5. Mosbach – Obermossau 31 Km
  6. Obermossau – Neckarelz 45 Km (Hier teilt sich die Strasse)
  7. Neckarelz – (westl.) Bruchsal (an der B 3!) 50 Km – (östl.) Schwäbisch Hall 60 Km

Auch dieser Befund bestätigt die Annahme, dass die Ordensritter Distanzen zwischen 30 und 60 Km bevorzugt haben.

Die Johanniter haben in Hessen ebenfalls ihre Häuser entlang einer Strasse in Hessen eingerichtet, die ca. 20 bis 30 Km weiter östlich liegt. Es handelte sich offenbar um eine Nebenstrecke, die kleinere Ortschaften verbindet.

Die Templer hatten lediglich in Frankfurt einen Sitz.  In der ehemaligen Flur „Lindau“ (im heutigen Westend) haben die Templer im Jahre 1255 Güter erworben  (Templerlexikon). Eine „Templerstraße“ in Hessen hat es wohl nicht gegeben.

Die Ordensritter im Elsass

1. Bas-Rhin

Im Elsass waren alle drei Ritterorden recht zahlreich vertreten. Zur besseren Übersicht habe ich die beiden Departements getrennt dargestellt. Wir beginnen im Norden mit dem Department Bas-Rhin.

Es entsteht der Eindruck, dass sich die Templer mit den Deutschordensrittern die westlichere Trasse von Bouxwiller nach Sélestat „aufgeteilt“ haben, während sich die „Straße“ der Johanniter etwas weiter östlich befindet. Das Rheinufer selbst war generell ungeeignet für Fernstraßen. Auch die Römer hatten es schon vorgezogen, ihre Fernstraßen in sicherer Distanz zum Rhein anzulegen, weil dieser – seinerzeit noch nicht kanalisiert – ständig seinen Lauf veränderte. Die Fernstraßen mußten auf trockenem und festen Grund verlaufen und durften auch nicht zu nah an die Vogesen herangeführt werden, weil man andererseits auch keine unnötigen Steigungen und Gefälle in Kauf nehmen wollte.

An der Nordgrenze des Elsass zur Pfalz endet die „Deutsche Weinstrasse“. Die Strecke zwischen Bad Bergzabern und Wissembourg war Teil der linksrheinischen Römerstraße.

1.1 67160 Wissembourg

Ehem. Deutschherrenschloss, heute Sitz des Maison du Conseil Départemental de Wissembourg, Cour de la Commanderie/Rue de’l Ordre Teutonique

ehem. Johanniterkirche Saint-Jean, 13. Rue du Presbytère

1.2 67330 Bouxwiller

Turm der Templer? (siehe Aubarbier-Binet, S.25)

1.3 67500 Haguenau

Pfarreikirche Saint-Georges, (ehemalige Johanniterkirche),  Rue du Presbytère/Rue des Johannites

Commanderiegebäude, 57, Grand Rue, Haguenau

1.4 67310 Westhoffen

Westhoffen, Rosenbourg, ehemaliger Templersitz, heute ein Wohnhaus.

Ich zitiere: „Die Rosenburg (franz. Rosenbourg) ist eine ehemalige Templerburg in der elsässischen Gemeinde Westhoffen im französischen Département Bas-Rhin. Die Wasserburg bestand aus einem viereckigen Wohnturm, umgeben von einem Graben und einer Mauer, die an ihren Ecken mit vier Bastionstürmen ausgestattet war.“ aus dem Beitrag von Wikipedia, dem auch das nachstehende Bild entnommen ist.

Die Rosenburg im 16. Jahrhundert

1.5 67000 Strasbourg

Straßburg war bereits seit 343 ein Bistum. Es liegt daher auf der Hand, dass auch die Ordensritter sich jeweils darum bemüht haben, hier eine Niederlassung zu gründen. Die Templer sollen ab 1183 hier Fuß gefasst haben (Histoire libre com). Der Deutsche Orden errichtete seine Kommende im Jahre 1215 und seit 1273 gab es dort einen Komtur (Damian Hungs). Die Johanniter traten hier erst ab 1371 auf den Plan (Landesarchiv BW). Vom deutschen Orden und von den Templern ist – meines Wissens – nichts mehr an Resten zu sehen. Von den Johannitern existiert eine Johanniskirche, Adresse Quai Saint-Jean (Wikipedia) , die nach einem Volltreffer von 1944 in den sechziger Jahren restauriert wurde und eine Reihe imposanter Gebäude der ehemaligen Komturei, in denen heute die École nationale d’administration, ENA, untergebracht ist. Sehen Sie hier: (Wikipedia).

1.6 67120 Dorlisheim

ehemaliges Johanniterschloss, Rue Saint- Jean, Dorlisheim heute Sitz des Autoherstellers Bugatti

1.7 67530 Boersch

ehemaliges Deutschordenshaus Boersch, Adresse: 4, Rue de Dôme, Siehe Wikipedia

1.8 67530 Ottrott

Die Örtlichkeit ist auf alten Karten als „Tempelsmühle“ eingetragen. Sie liegt unmittelbar am Ufer der Ehn. Alte Bausubstanz war nicht auszumachen.

1.9 67140 Andlau

von dem Templern sind keine Gebäudereste mehr übrig. Das Schloss gehörte dem Deutschen Orden

1.10 67860 Rhinau

 

 

Krankenhaus der Johanniter (ab 1260), 6, Rue de l’Hôpital, heute Seniorenheim

 

 

1.10 67600 Sélestat

Das ehemaliges johanniter-Schloß (ab 1260) beherbergt heute das Office de Tourisme, Adresse: 10, Boulevard du Général Leclerc.

2. Haut-Rhin

Die Grafik legt die Vermutung nahe, dass alle drei Ritterorden sich im Oberelsaß eine Route „geteilt“ haben. Die Commanderien von Bergheim bis Soultz halten einen auffällig großen Abstand zum Rhein und liegen jeweils am Fuße der Vogesen. Vermutlich waren dort die Verhältnisse für eine Fernstrasse günstiger und der Verlauf des Rheines noch unstabiler. Nach Mülhausen teilt sich die „Johanniterstrasse“ nach Basel im Osten und nach Friesen im Westen.

In einem der nächsten Beiträge werde ich nachweisen, dass dieser Punkt den wichtigsten Verkehrsknoten der Logistik der Johanniter darstellt, weil hier die Fernverbindungen und -wege von Marseille, Venedig, dem Schwarzen Meer und den  Niederlanden mit ihren Seehäfen zusammenliefen. DIe Commanderie in Heitersheim (südlich von Freiburg an der B 3), wohl die größte der Niederlassungen des Ordens, war die Zentrale der über die Reichsgrenzen hinausgehenden Deutsche Zunge des Johanniterordens. (vgl. Ius Vivens) .

2.1 68750 Bergheim

Tempelhof, Bergheim, Rue de Thannenkirch

2.2 68240 Kaysersberg

Deutscher Orden, Heilig-Kreuz-Kirche, ehemalige Marienkirche, erbaut 1230.

2.3 6800 Colmar

ehem. Commanderie Saint-Jean de Colmar (ab 1234), heute Privatschule, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, Adresse Rue Saint-Jean, Colmar. Das in der gleichen Straße gelegene Maison des Chevaliers de Saint-Jean von 1608 hat indes keine nachweisliche Verbindung zum Ritterorden.

2.4 68360 Soultz

Commanderie Saint-Jean (ab1250), 12 rue Jean-Jaurès à Soultz.

2.5 68100 Mulhouse

Chapelle Saint-Jean (ab 1220), Rue Saint-Jean/Grand Rue

2.6 68170 Rixheim

ancienne Château des Chevaliers Teutoniques, heute Hôtel-de-Ville, 28 Rue Zuber, Rixheim

2.7 68580 Friesen

Kirche St. Peter und St. Paul, Friesen

Friesen liegt an der südwestlichen Grenze des Départements Haut-Rhin zum Territoire de Belfort. Hier enden die deutschen Ortsnamen und es wird ab jetzt nur noch französisch gesprochen. Der Nachbarort heißt Ueberstrass und deutet an, dass hier eine alte Paßstrasse über die Wasserscheide  nach Frankreich verlaufen ist. Der nächste Johanniterort in Frankreich heißt Valentigney. Er liegt am Ufer ds Doubs und ist 33 Km von Friesen entfernt.

3 Fazit: Die Ritterstraßen im Elsass

3.1 Der Deutsche Orden

Die Straße der Deutschordensritter beginnt in Wissembourg. Von dort sind es nach Strasbourg 60 Km und weitere 30 Km nach Boersch. Von hier nach Kaysersberg sind es 46 Km. Nach 25 Km erreichte man die Kommende Rouffach, nach weiteren 31 Km die Kommende Rixheim und schließlich – innerhalb von 27 Km – die Kommende von Basel.

3.2 Die Johanniter

Die Straße der Johanniter beginnt in Wissembourg. Von dort sind es nach Haguenau 30 Km und weitere 30 Km nach Strasbourg.  Sodann beträgt die Distanz nach Rhinau 31 Km und weitere 23 Km sind es nach Sélestat. In 24 Km ist man von dort in Colmar. Nach 27 Km erreicht man die Kommende Soultz und nach weiteren 40 Km die Kommende Mulhouse. Hier verzweigen sich die Johanniterstraßen. In südwestlicher Richtung erreicht man  nach 29 Km Valentigney und in südöstlicher Richtung nach 27 Km die Kommende von Basel.

Man stellt fest, dass diese Commanderien jeweils 1. mit mindestens drei anderen in einer Linie aufgereiht sind, deren Ausgangspunkt 2. eine strategisch bedeutsame Örtlichkeit darstellt und sich schließlich 3. in  – sehr bequemen – Tagesetappen von ca. 30 Km Distanz zur nächsten Station befinden. Die Regeldistanz von 20 bis 30 Km wird bei den Deutschordensrittern im Elsass in zwei Fällen nicht eingehalten. Jedoch trifft man durchaus öfters auf solche 60 Km Etappen, etwa zwischen Fritzlar und Marburg (DO), oder zwischen Wiesenfeld unjd Grebenau, sowie Grebenau und Nidda (Johanniter). 60 Kilometer sind per Pferd oder Kutsche sicher zu schaffen. Offenbar war es nicht überall erforderlich oder erwünscht, die Idealdistanz von 30 Km einzuhalten.

Nach der Eingangs vertretenen Definition wird man folglich hier von der Existenz von Straßen der Deutschordensritter und der Johanniter auszugehen haben, die den ganzen Elsass abdecken und von Wissembourg nach Basel führen.

3.3 Die Templer

Die Templer hingegen sind im Elsass – wie auch im übrigen Deutschen Kaiserreich spärlicher vertreten. Ihr Verbreitungsgebiet focussierte sich deutlich eher auf den frankophonen Sprachraum. Dennoch findet man vier Einrichtungen der Templer wie an einer von Norden nach Süden aufgereihten Kette mit Distanzen von 25 bis 29 Kilometern, nämlich Bouxwiller, Westhoffen, Andlau und Bergheim:

Da eine zufällige Anordnung hier wohl nicht in Betracht kommt, handelt es sich um eine Templerstrasse im Elsass.

Die große Häufigkeit von Einrichtungen der Ritterorden im Elsass beruht vor allem auf der Tatsache, dass die linksrheinische Wegverbindung von Basel über Mainz nach Köln wohl zu allen Zeiten eine Fernstraße von überragender Bedeutung dargestellt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Straßen der Ordensritter in Baden Württemberg und Bayern, 2017 und 2018

Dieser Beitrag ist noch in laufender Bearbeitung, Stand 01.09.2019

 

Im früheren Beitrag über die Ritterorden in Hessen haben wir bereit gesehen, dass die Johanniter und die Deutschherren durch regelmässige und wohl auch beabsichtige Gründungen zwei regelrechte Straßen durch Hessen gebildet haben, wobei der deutsche Orden die prominentere Strecke in Beschlag nehmen konnte, die B3 von Fritzlar nach Frankfurt. Der Johanniterorden mußte sich – abgesehen von den Kommenden Nieder-Weisel und Frankfurt – mit einer Art Nebenstrecke zufriedengeben. Südlich von Frankfurt dominiert jedoch der Johanniterorden und verband die Strecke von Frankfurt mit der von Nidda – Rüdigheim durch Mosbach (bei Schaafheim) und schließlich Obermossau (Hessen) und führte sie ab Neckarelz (Baden-Württemberg)  in den Süden Richtung Villingen, Heitersheim und Basel.

Teil 1: Frankfurt – Stuttgart

Schauen wir und das Ordenritternetz zwischen Frankfurt, Würzburg und Stuttgart näher an:

In Südhessen finden wir nur Johanniterorte. Der Deutsche Orden hat sich hier entlang des Maines entlang aufgestellt und eine Straße nach Süden an der Stelle wohl nicht mehr weiterverfolgt. Mainaufwärts finden wir die Komtureien Aschaffenburg und Würzburg. Mainabwärts liegt Frankfurt und Mainz. Der Main war in diesem Abschnitt bereits im Mittelalter schiffbar.

1. Kommende Mosbach, 64850 Schaafheim, Lkr. Darmstadt-Dieburg

Die Johanniter haben die Kommende Mosbach im Jahre 1218 gegründet. Zuvor stand an dieser Stelle bereits eine Pfarrkirche, über die nichts näheres bekannt ist, sowie eine heidnisch-römische Kultstätte (wikipedia). Aus der Zeit der Johanniter stammt der Kirchtum…

.. sowie das heutige Seitenschiff, das einst als Hauptschiff errichtet war. Die Johanniter unterhielten hier ein Spital. Insofern ist die Mosbacher Johanniterkirche „eine typische Ordenskirche mit dem Kultraum unten und dem Hospitalraum oben zur Unterbringung von Kranken und Pilgern.“ (Wienand, Der Johanniterorden, 3. Aufl. 1988, S. 344

Stele mit Johanniter-Kreuz

Auszug aus der Stiftungsurkunde von Graf Boppo von Wertheim (Quelle: Winand, S. 342).

2. Kommende Ober-Mossau, 64756 Mossautal, Odenwaldkreis

Die Kommende Ober-Mossau wurde im Jahre 1252 auf Veranlassung der Schenken von Erbach gegründet. „Von dem älteren Kirchenbau sind noch der Chor, die untere Turmmauer und die Nordseite des Kirchenschiffs erhalten. Im Jahre 1501 erfuhr die Kirche nach Süden eine Erweiterung. An drei Stellen der Kirche ist noch das Johanniterkreuz zu sehen.“ (Urlaub in Hessen).

Johanniterkreuz über der Pforte

Johanniterkreuz über dem Doppelfenster des Turms

3. Tempelhaus Neckarelz, 78820 Stadt Mosbach,

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Link https://de.wikipedia.org/wiki/Tempelhaus_(Neckarelz)

 

 

Südlich von Neckarelz scheint sich die (offenbar hier zu vermutende) Johanniter-Straße zu teilen. Ca. 50 Km südwestlich von Neckarelz folgt die Kommende Bruchsal (nachf. 4a), 36 Km südöstlich liegt die Kommende Affaltrach (4b) und 30 Km weiter die von Schwäbisch Hall (4c).

4a. Kommende Bruchsal, 76694 Stadt Bruchsal, Lkr. Karlsruhe

„Die erste urkundliche Erwähnung eines Hauses in Bruchsal im Besitz der Johanniter findet sich für das Jahr 1272; die hier tätigen Brüder nahmen 1287 mit der Übertragung eines Hofes bei Durlach und Grötzingen eine bedeutende Schenkung entgegen. Zehn Jahre später erscheint ein Bruder Richard als erster bekannter Komtur, dem ein Ordensgeistlicher für die Gottesdienste in der Ordenskapelle und ein kleiner Bruderkonvent unterstanden haben sollen.“ (Zitat aus LeoBW)

Johanniterkirche Bruchsal, Ansicht von Südwesten.

In Folge der umliegenden Bebauung aus jüngster Zeit läßt sich die ehemals freistehende Kirche heute nicht mehr als ganzes auf einem Foto einfangen. Ich musste deshalb auf andere Fotografien zurückgreifen:

Werbetafel vor Ort.

Ausschnitt der gotischen Apsis vom Ostchor.

Die Kirche von Osten auf einem alten Vorkriegs-Foto

Die südwestliche „Straße der Johanniterkommenden“ endet hier. Es ist nicht auszuschließen, dass der Weitertransport von Waren und Personen ab hier über den Rhein abgewickelt wurde, zumal sich die nächste rechtsrheinische Ordensniederlassung von Kenzingen erst wieder 128 Kilometer weiter südlich – im Breisgau – befindet. Das Rheinufer liegt nur ca. 18 Km Entfernung und es darf unterstellt werden, dass die Johanniter hier Zugriff auf Anlegestellen hatten. Die Landstrasse, die Bruchsal mit Kenzingen verbindet, ist übrigens wieder unsere „alte Bekannte“, nämlich die B 3, die von Frankfurt über Bruchsal bis zum Hauptsitz der Johanniter in der Deutschen Zunge, Heitersheim und schließlich nach Basel führt.

4b. Kommende Affaltrach, 74182 Obersulm, Ldkr. Heilbronn

„Der Johanniterorden erwarb 1278 von Gottfried von Löwenstein Besitzungen in Affaltrach, 1289 erhielt der Orden außerdem das Patronatsrecht über die Affaltracher Kirche. Der Orden erbaute im selben Jahr ein erstes Kommendehaus an der Stelle des heutigen Schlosses. Die Kommende Affaltrach gehörte zunächst zur Niederlassung des Johanniterordens in Schwäbisch Hall und wurde später selbstständig.“ (Zitat aus Wikipedia).

Im ehemaligen Johanniter-Schloß befindet sich heute der Hauptsitz eines Weingutes. In Affaltrach wird seit Alters her Weinbau betrieben. Die zur Kommende gehörende Pfarrkirche wurde sehr häufig und grundlegend umgestaltet.

4c. Schwäbisch Hall

 

5. Kommende Dätzingen, 71120 Grafenau, Lkr. Böblingen

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6. Kommende Rohrdorf,

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Wölchingen

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Der Templerorden soll in Südhessen drei Niederlassungen gehabt haben, und zwar in

Amorbach, sogenanntes Templerhaus

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Klein-Welzheim, sogenanntes Templerhaus

 

und

Erbach (Odw.), sog Templerhaus.

Doch diese Zuschreibung ist in allen drei Fällen bisher nicht belegt und muß deshalb als Legende angesehen werden. Denn es existieren keine Urkunden und die Zuschreibung ist auch nicht über mehrere Jahrhunderte nachweisbar.

 

Teil 2: Stuttgart – Basel

 

Teil 3: Bayern und Franken