Januar 2018, Alt Empordà und Roussillon

Zum Jahresende 2017 gab es nochmal Gelegenheit für einen Kurztrip nach Pals, wo wir auch Sylvester gefeiert haben. Die Zeit reichte immerhin für drei Templerorte und ein Johanniterhospital.

1. Provincia Girona, Alt Empordà

1.1 Castelló des Empúries

Ampuriabrava klingt verheissungsvoll nach Yachten, dem Golf von Roses und … nach Massentourismus vergangener Jahrzehnte. Weniger bekannt ist, dass der Name der Region von den Griechen hierhergebracht wurde mit ihrer Gründung von Emporion, eine ab ca. 600 v.Chr. entstandene Handelsniederlassung (Wikipedia). Etwa um 100 v. Chr übernahmen die Römer die Stätte und gaben ihr den Namen Emporiae. Es gibt sehr umfangreiche Ausgrabungen der griechischen und der römischen Siedlung mit beachtlichen Gebäudeüberresten. Wer sich nächstens dort nach dem dritten Sonnenbrand vom Strand langweilt und Abwechslung braucht, dem kann der Besuch dieses fantastischen Archäologieparks nur wärmstens anempfohlen werden.

Die Templer traten hier ab dem Jahre 1167 auf den Plan und erwarben einige Häuser und Grund zur überwiegend landwirtschaftlichen Nutzung. Nach  Fuguet und Plaza (S.    ) sind  die Niederlassungen Castelló des Empúries und Aiguaviva (dort waren Sie mit mir bereits im Jahre 2015)  im nordöstlichen Ende von Katalonien die unbedeutensten und ärmsten Einrichtungen des Templerordens in der Region.

Comanda de Castelló d’Empúries, 4 Avenida Cobla Rossinyols

Der Text der Urkunde zur Grundstücksübertragung zwischen dem Grafen von Empúries, Dalmau de Castelló und Berengar de Monels, dem Präceptor der Templer der Provinz Catalunya, findet sich bei Joaquim Miret i Sans, Les Cases  De Templers i Hospitalers, auf S. 173.

Fast in Sichtweite zum Templerhaus befindet sich diese „Casa Gran“, der einzig übrig gebliebener Palast seiner Art, wie sie sich die Ritter oder reichen Bürger im 14. Jahrhundert in Empuries häufig errichtet hatten.

Die mittelalterliche Stadtmauer von Castelló d’Empúries wurde zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert erbaut und 1949 unter Denkmalschutz gestellt (Empordà).

1.2 Sant Pere de Rodes

Das nächste Ziel befindet sich nicht allzuweit nördlich von Castelló d‘ Empuries und hat nichts mit den Templern zu tun. Das Kloster Sant Pere de Rodes ist der Legende nach schon im 6. Jahrhundert gegründet worden. Es fanden sich bei Grabungen tatsächlich Gebäudereste aus dieser Zeit (Wikipedia). Der Bau präsentiert sich heute, nach Renovierungsarbeiten im 20. Jahrhundert,  in seinem Zustand ab dem 11. Jahrhundert. Der berühmte Meister von Cabestany hat mit Verschönerungsarbeiten beigetragen. (Wikipedia, a.a.O.)

Fußweg vom Parkplatz mit Blick auf das Kloster Sant Pere aus nordwestlicher Richtung.

Nahaufnahme aus diesem Blickwinkel.

Das kleine frühmittelalterliche Gebäude weit ausserhalb des Klosters, ca 100 Meter vor dem Haupteingang, war einst ein Krankenhaus für Pilger.

2. Région Occitanie, Dept. 66 Pyrénées-Méditerranée

Kurz nach Sylvester machte ich mich über die nahegelegene Grenze auf nach Frankreich, genauer nach Perpignan und Umgebung. Eine Vorstadt von Perpignan oder ein Stadtteil heisst Orla. Dort sind die Templer ab Mitte des 13. Jahrhunderts begütert worden (Robert Vinas, Le procès des Templiers du Roussillon, S. 4). Die Commanderie von Orla (frz. Orle) gehörte – wie  Mas Deu – zum Großpriorat von Katalonien (Miret i Sans, S. 389).

2.1 Orla

Die postalische Anschrift der Überreste der Commanderie lautet 3170 Avenue Julien Panchot, 66000 Perpignan – Orla. Die Commanderie befindet sich an einem etwas weniger malerischen Fleck, als man sich erhoffen würde. Gegenüber ist eine moderne Tankstelle mit Café-Restaurant für Kraftfahrer und ein Kreisel für die Rocade Saint Charles zur Autobahnausfahrt 42. Perpignan-sud. Augen zu und durch:

Église Saint-Étienne d‘Orla, 66000  Perpignan,  Ansicht von Osten

Ansicht von Westen

Fenster im Chor mit Templerkreuz

Nebengebäude

Der Ostchor von Süden

Wer da nicht selbst hinfahren möchte, findet auf google maps recht eindrucksvolle Fotos, wenn er im Street view modus die Avenue Julien Panchot bis zu diesem Kreisel „entlangfährt“. Die Total-Tankstelle befindet sich genau gegenüber der Templerei.

2.2 Perpignan, Saint-Mathieu

In Perpignan fassten die Templer bereits im Jahre 1130 Fuß. Sie kauften ein Grundstück in der heutigen Rue de Mailly  und errichteten ein kleines Fort mit einer Kapelle Sainte-Marie (Arnaudies, Les Templiers en Roussillon, S. 5). Später erhielten sie vom König Jakob II. am Fuße des – ab 1262 errichteten – Palastes der Könige von Mallorca

SONY DSC Palais des rois de Majorque, 66000 Perpignan, Foto Markus Menzendorff, 2010

befindlichen Quartiers Saint-Mathieu und prägten dort mit einer schachbrettartiken Bebauung und jeweils rechtwinkligen Strassenkreuzungen das Stadtbild des Quartiers bis heute (Vinas, S. 5). Gebäudereste aus der Templerzeit sind allerdings nicht mehr zu finden.

Quartier Saint-Mathieu, Perpignan, google maps

Die Kirche von Saint-Mathieu bekommt man nicht gescheiht vor die Linse, egal, wie man es anstellt. Es ist erstmal garnicht so einfach, einen Zeitpunkt zu finden, an dem sich keine Passanten auf dem Plätzchen tummeln. Darüberhinaus sind die Gassen recht eng und die Kapelle schließt mit allen Seiten – außer der Westfassade – an benachbarte Gebäude an, sodaß man sie auch nicht umrunden und von einer anderen Seite aus fotografieren könnte.

Église Saint-Mathieu, 12, Rue Grande-la-Monnaie, 66000 Perpignan

Der derzeitige Zustand der Kirche Saint-Mathieu präsentiert sich wie nach dem Neubau aus dem Jahre 1677. Der Vorgängerbau der Templerkirche stammte aus dem frühen 14. Jahrhundert. Die alte Kirche wurde zur Entlastung der Zitadelle abgerissen, wie es auf einer Hinweistafel am Eingang der Kirche zu lesen ist. In der Kirche seien die Reliquien Saintes-Épines, vier Dornen aus der Jesus-Krone, aufbewahrt worden, nachdem sie von König Ludwig IX, genannt Saint Louis, erworben und später an seinen Sohn Philipp-le-Hardi vermacht wurden. Dieser starb 1285 in Perpignan und hinterließ die Reliquien dort (Hinweistafel, a.a.O).

2.3 Maison des Chevaliers de Saint-Jean, 66000 Perpignan

An der Ecke der Rue Fontaine Lapincarda und der Rue Maximilien Sébastien Foy befindet sich ein größeres, aus Ziegelsteinen errichtetes Haus mit einem Brunnen:

8, Rue Fontaine Napincarda, Perpignan

Überdeutlich prangt hier ein eingelassenes Wappen der Johanniter.

Die Basis des Gebäudes dürfte aus dem Mittelalter stammen, die heutige Gestalt dürfte auf das 17. oder 18. Jahrhundert zurückgehen.

Maison des chevaliers de St. Jean, 66000 Perpignan

Ansicht von der Rue Maximilien Sébastien Foy, Ecke Rue de l’ancienne Comédie

Über den Zweck dieses Johanniterhauses habe ich noch nicht allzuviel ihn Erfahrung bringen können. Es existiert aber bis heute eine riesige Klinik der Johanniter in Perpignan. Vermutlich unterhielten die Johanniter auch im Mittelalter ein Krankenhaus. Perpignan liegt immerhin an einer der wichtigsten Fernstrassen in Europa, mindestens seit der Römerzeit.

 

Vielen Dank für Ihr Interesse

 

 

 

 

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