2009 London

Die Templer in London

Im Juni 2009 bot eine kurze Städtereise nach London Gelegenheit, die Hinterlassenschaften des Ritterordens in der englischen Hauptstadt zu besuchen. Man schätzt, dass es in England ca. 400 Orte der Templer gegeben hat. Im Herbst dieses Jahres hoffe ich, noch mal nach England reisen zu können, um kleine Komtureien in den Grafschaften aufzuspüren. London hatte die zweitgrößte Niederlassung des Templerordens in Europa (nach Paris). Das Gelände in London, heute zwischen Fleet-Street und Themseufer, gehörte ab 1162 den Templern. Im Jahre 1185 wurde von den Templern nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem das weltbekannte Rundschiff errichtet, welches heute zu den ältesten Sakralbauten Englands zählt.

Nach der Auflösung des Templerordens im Jahre 1312 fiel der Besitz zunächst an den englischen König Eduard II., der sie dann auf Druck des Papstes im Jahr 1324 an die Johanniter vermachen mußte. Dies überliessen die Güter einer Gemeinschaft von Rechtsgelehrten und seitdem ist der Bezirk immer noch Sitz der Juristen.

Die meisten Gebäude des Temple-Bezirks sind aus dem 18. und 19. Jahrhundert,  dies hier ist sog. viktorianischer Stil:

Eingang in den Temple-Bezirk aus Richtung Süden, vom linken Themseufer

Über den Eingängen vieler Gebäude prangt zur Erinnerung an den Templerorden ein Agnus Dei, das einst zum wichtigsten Symbol des Ritterordens wurde.

Das Agnus Dei könnte vielleicht ein zarter Hinweis auf eine durchaus nicht auschzuschliessende Geheimlehre innerhalb des Templerordens gewesen sein. Das Sünden-Lamm ist gewöhnlich ein unverfängliches und völlig unverdächtiges Symbol der kirchlichen Lehre. Manche sehen aber darin auch einen versteckten Hinweis auf die johanneitische Glaubensrichtung. Richtig daran ist, dass das Lamm Gottes einerseits den Christus symbolisiert und gleichermassen andereseits ein Symbol für Johannes den Täufer darstellt, dessen Statuen in Kirchen üblicherweise mit einem Lamm an den Füssen dargestellt werden.

Geheimnisvoll: Middle Temple Treasury – liegt hier der Templerschatz?

Das ist sie, die weltberühmte Rotunde der Templerkirche

Das gotische Kirchenschiff. Einige Bombentreffer im 2. Weltkrieg veranlassten aufwändige Reparaturen an der Kirche.

In der Rotunde sind zahlreiche Tempelritter beerdigt. Die Sargdeckelfiguren sind sehr gut erhalten. Die Namen der Ritter sind nicht in allen Fällen überliefert. Dieser hier – der vierte Graf von Pembroke – starb etwa 40. jährig, an den Folgen eines Turnierunfalls und hinterliess die Grafschaft seinem Bruder Walter Marshal (Wikipedia).

Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Kopf zur Originalausstattung der Kirche gehörte…

Er sieht – wie dieser – merkwürdig modern und nachträglich eingefügt aus.

Das sieht schon eher nach unseren Templerbrüdern aus: Katzenköpfe, wie in Laon, Laroque-du-Fa und Malleyrand

Noch ein kleiner Nachtrag zu den angeblich typisch templerischen Rundkirchen. Es ist ein Märchen, was auch dadurch nicht wahrer wird, wenn man es immer wieder voneinander abschreibt. Die Templer haben Rundkirchen nicht erfunden und Rundkirchen sind auch nichts typisches für den Ritterorden.

Rund ist für die Kontinentaltempler vielmehr absolut die Ausnahme, wenngleich man nicht verkennen kann, dass das in England anders sein mag. Aber auch für England wird angegeben (u.a. Demurger), dass die Templer durch Einschaltung lokaler Baumeister auch da nur vorher schon im Lande vorhandene Bautraditionen fortsetzten. Für mich persönlich ist die Vorliebe der Engländer für runde Sakralbauten möglicherweise eine Fortsetzung früher,  z.B. vorkeltischer Muster (z.B. Newgrange und die vielen Steinkreise ). Das kann man sehr schön an den Resten der Templerkirche von Dover erkennen.

Reste der Templerkirche von Dover. (Foto Jan Hosten)

Die Heiliggrabkirche in Northhampton – ebenfalls eine Rundkirche – hat beispielsweise nichts mit dem Templerorden zu tun. Sie ist erheblich älter. Auch die Kirche von Cambridge ist rund. Und hat ebenfalls nichts mit dem Orden zu tun.

Die Templer-Kapellen in England sind in Wahrheit vielmehr typischerweise rechteckig und gleichen damit den französischen Templerkapellen. Guterhaltene rechteckige Templerkapellen sind  etwa:

1. St. Mary Church, Templecombe, County Somerset,

2.  Temple Ewell, Kent

3.  St. Mary in Temple Balsall, Warwickshire,

4. Bisham, Berkshire,

5. Ribston, Yorkshire

 und etwa

6. Rothley, Leicestershire

(u.v.m. Vielen Dank an Dr. Helen Nicholson, Universität von Cardiff, die , mir diese Auswahl an Orten in einer noch viel umfangreicheren Liste mit gut erhaltenen Templerstätten in England übermittelte).

Diese Stätten werde ich im hoffentlich Herbst besichtigen können, doch davon später mehr ….

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