2010 Provence

Die Templer in der Provence, Teil 2

Der diesjährige Osterurlaub wurde wieder in der Provence verbracht. Aber weil es uns im Burgund im Februar so gut gefallen hatte, beschlossen wir, auf der Hinfahrt einen Zwischenstop einzulegen und einnoch mal eine Nacht in dem Château La Romagne zu verbringen. Ein feines Abendessen gab es in einem benachbarten, mittelalterlichen Ort namens Bèze in einem sehr urigen Gasthaus am offenen Grill-Kamin. Frühstück wie gewohnt bei Monsieur Quenot, unserem Zimmerwirt und Schlossherrn, im Rittersaal.

Das ist eine TOP Empfehlung: http://www.romagne.com, wenn Sie mal richtig romantisch im Burgund übernachten wollen!!

Seine Croissants und sein Brot läßt sich Mr. Quenot von „seiner“ Banette-Filiale direkt ans Schloss liefern. Wenn Sie mal wieder in Frankreich sind, probieren Sie doch mal eines dieser Erzeugnisse aus einem „Banette“-Laden. Es ist keine Kette, sondern ein freiwilliger Zusammenschluß von einigen Tausend Bäckereien in Frankreich, die sich auf die Einhaltung bestimmter, häufig ältere Rezepte und Zutatenqualitäten verpflichtet haben. Glauben Sie mir, sSie werden das nicht bereuen.

Das Frühstück war jedenfalls wesentlich besser als das Wetter. Bevor wir uns schleunigst auf die Autobahn Richtung Süden aufmachten, gab es noch einen Templerort fürs Burgund nachzutragen, den ich im Februar leider nicht mehr schaffte. Von La Romagne bis zum nächsten Templerort sind es 17 Kilometer. D.h. das Burgund ist eigentlich dort schon zu Ende, denn la Romagne befindet sich an der nordöstlichen Grenze des Departements Côte d’Or, welches noch zur heutigen Région Bourgogne gehört. Die Région Bourgogne ist mehr oder weniger aus dem früheren Herzogtum Burgund hervorgegangen. Das Nachbardepartement im Osten heisst Haute-Saône und liegt in der heutigen Région Franche-Comté.  Das ist die frühere sogenannte Freigrafschaft Burgund. Die gehörte im Mittelalter zum heiligen römischen Reich deutscher Nation. Die Franche Comté gelangte erst 1678 nach Frankreich, nachdem Louis XIV, der “ Sonnenkönig“, zuvor dort mit seinen Truppen einmarschiert ist .

Dieser nächste Templerort heisst Autrey-lès-Gray:

eglise templière, 70100 Autrey-lès-Gray

Und dann ging es non stop in den Süden. Wir bezogen die gleiche Bleibe, wie das Jahr zuvor. Sie eignet sich für Ausflüge ebenso wie für Relaxen. Man hat einen fantastischen Fernblick auf die nördlichen Ausläufer des Luberon-Gebirges. Das Wetter war nicht jeden Tag fürs Faulenzen auf der Terrasse geeignet, also machten wir häufig Ausflüge, z.B. zum berühmten Flohmarkt von L’Isle-sur-la-Sorgue, der sich rühmt, neben Paris die bedeutensten französischen Antiquitäten-Händler zu beherbergen. Ob es stimmt, kann ich nicht beurteilen, jedenfalls ist es da sehr schön. Ausserdem waren wir in Avignon und in Aix-en-Provence.

Nein, das war nicht als Templerreise geplant sondern sollte der Erholung dienen und so steuerten wir diesmal eher keine Templerorte an, sondern nahmen nur das mit, was zufällig auf dem Weg lag. Auf unserem Ausflug nach Avignon lagen zwei Templerorte, die mittalalterlichen Städte 84210 Pernes-les-Fontaines und Saint-Saturnin d’Avignon. Letzeres liessen wir aus, um die Geduld der Mitreisenden nicht überzustrapazieren. Das nehme ich mir nächstes Jahr vor. In Pernes-les-Fontaines erwarteten uns die sogenannten Trois Pilons, übersetzt: drei Stampfer oder Keulen. Gemeint sind damit offenbar mittelalterliche Türme, die die Templer gebaut haben sollen (Aubarbier, S. 282)

Ein rechteckiger Templerturm in  84210 Pernes-les-Fontaines

Die Seitenflanke zeigt ein Fenster mit romanischem Fenstersturz

Eingang zum Turm, eindeutig 12 Jahrhundert.

Hinweisschilder auf die Templer waren keine zu entdecken. Nach einer kurzen Erfrischung setzten wir die Fahrt nach Avignon fort, wobei der Schwerpunkt aber doch eindeutig eher auf Schuhgeschäften, Schuhgeschäften und …. Schuhgeschäften lag. Avignon ist schon eine Perle. Es gibt so viel, was man sich unbedingt ansehen muss, die berühmte Brücke, den Papstpalast aus dem 14./15. Jahrhundert, immer und immer wieder umgebaut

Der Palais des Papes in Avignon war zwischen 1335 und 1430 die Residenz verschiedener Päpste und Gegenpäpste, Foto Johannes Hallenberger

und die Altstadt mit ihren Cafés und Boutiquen. Ganz zufällig entdeckte meine Gattin in einer Seitenstrasse ein Schild an dem Eingang zu einer Passage zwischen zwei Ladengeschäften.

Ihr gebührt der Applaus, ich wäre – mit meiner Eistüte beschäftigt – locker daran vorbei gelaufen.

„Kapelle Unserer Lieben Frau von Bethlehem, errichtet zwischen 1273 und 1281 durch die Templer, übertragen, nach der Auflösung des Ordens im Jahre 1312 auf die Hospitaliter von Sankt Johannes von Jerusalem. Dieses Gebäude, dem hl. Johannesgewidmet, blieb Sitz der Hospitaliter von St. Johannes von Jerusalem, von Rhodos und von Malta bis zum Jahr 1793“. Es war eigentlich keine Passage, eher eine Sackgasse, in der wir dann den Eingang zur Templerkirche von Avignon „entdeckten“:

Templerkapelle von Avignon, Foto: Johannes Hallenberger

Sie befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche Saint Agricol, ich meine, die Strasse heisst auch Rue Saint Agricol.

Templerkapelle von Avignon, Foto: Johannes Hallenberger

Ein weiterer Ausflug war zum Shoppen nach Aix-en-Provence angedacht. Wer mich kennt, weiß, dass ich meine Zustimmung zu einem Shopping-Nachmittag nur gegen eine „Gegenleistung“ erteile. Mindestens ein Templerort mußte also auf dem Weg liegen und „abgehakt“ werden. Es gab einiges an Templerorten um Aix. Wir verständigten uns auf Saint-Antonin-sur-Baylon. Dort sollte es nach Aubarbier einiges an Resten aus der Templerzeit geben, eine Kirche, eine Scheune mit zwei Türmen usw. Die Fahrt zog sich recht lange hin. Am Ziel angekommen, waren wir uns alles andere als sicher, ob wir hier überhaupt richtig waren. Das Navi zeigte uns den Ort zwar an, es gab auch ein Ortsschild. Nur gab es kein Dorf oder dergleichen zu sehen. Rechts von der Landstrasse erhob sich eine mächtige Villa oder besser ein Château und es gab einen grossen, gepflegten Parkplatz. Offenbar gab es hier einen Reitbetrieb und ein Restaurant. Es war nicht zu erfahren, wer das Château bewohnt, das von einem riesigen Gelände und übermannshohen  Mauern umgeben ist. Mit Mörtel aufgeklebte Glasscherben sollen das Herüberklettern erschweren. Niemand weit und breit, den man hier hätte nach den Templern fragen können. Man hatte einen wunderbaren Blick auf die Montagne St. Victoire und wir spazierten etwas entlang der Grundstücksgrenze des Anwesens.

Plötzlich sahen wir das da:

Eine Kapelle, ganz sicher aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Größe und Rechteckbauweise entspricht der einer Templerkapelle. Eine Kapelle, die in der Grundstücksmauer intergriert ist? Eventuell bedeutet das, dass sie auch von ausserhalb des Gemäuers hätte besucht werden dürfen. Sie war stark vom Verfall bedroht. Man hatte mit Notbaumassnahmen (noch keinen Reparaturen) begonnen, um dem fortschreitenden Verfall Einhalt zu gebieten. Das stand auf der blauen Tafel zu lesen.

Aber kein Schild, kein Hinweis, der uns hätte Aufschluss geben können, ob es sich hier wirklich um die commanderie von Bayle handeln würde. Das Schloss war jetzt auch nicht gerade eines von der Sorte, bei der man einfach klingelt und halt mal fragt. Überall Kameras, Stacheldraht usw..  Manwürde also da rein müssen, hilfsweise die Kamera einmal in das Fenster reinhalten. Alle guckten plötzlich unsere Patrycja an. Sie war die leichteste. Sie konnte am besten von allen klettern und sie war diejenige, die sich bei unserer Reise nach Polen im Februar 2009 schon als katzenhafte Fassadenbezwingerin bewährt hat.

Was zählten da Kratzer und Lehmspritzer. Sowas darf der Forschung nicht im Wege stehen. Gottlob sind nicht alle Menschen gleich, mancher ist Violinenvirtuose. Ein anderer beherrscht Stabhochsprung. Wieder andere können singen. Ich hätte – so sagt man mir nach – eine „recht flotte Schreibe“ (ich hoffe sehr, dass das stimmt.) Patrycja kann singen. Und klettern. Singen könnte ich auch ein bisschen. Aber wenn man versucht hätte, mich dort hochzuwuchten, wäre die Welt gewiss schlagartig um ein Kulturerbe ärmer geworden…

Machen wir es nicht so spannend. Das findet sich innen, auf dem Altar und hinter provisorischen Stützbalken:

Das „Tatzenkreuz“ der Templer ?

Nachtrag Juni 2011: Alles Falsch!!!

Man muss auch Irrtümer zugestehen können. Wir haben uns geirrt, die Templerkomturei befindet sich weiter östlich im Wald. Thorsten Stute hat sie nach beharrlicher Suche im Satellitenbild gefunden. Diese Kapelle hier stammt zwar dennoch aus der Templerzeit, muss aber nichts damit zu tun haben. Ich habe so eine Idee, dass am Fusse der Montagne St. Victoire sich einmal eine Fernstrasse hinüber nach Italien befunden haben könnte und dass St. Antonin eine Station an dieser Strasse war, die vielleicht vonmehreren geistlichen Institutionen betreut worden war. Templer oder nicht, die Kapelle war trotzdem interessant und so habe ich einen Grund, da noch einmal hinzufahren, und am richtigen Ort nachzusehen.

Herzlich, Ihr Markus Menzendorff

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