2015, Juli, Belgien

Templer in Belgien

Eine Reise in das „Dreiländereck“ um Maastricht und Liège (Lüttich) ergab die Gelegenheit, sich noch einmal die bereits Im Jahre 2011 besuchte Commanderie der Templer in der Gemeinde 4550 Nandrin (ca. 20 km süd-westlich von Lüttich) näher anzusehen.

1. Templer in Villers-le-Temple

Diese Commanderie wurde gegründet von Gerard de Villers um 1257 (Hosten, De Tempeliers, S. 223). Zur Commanderie gehörten noch einige Grundstücke in der näheren Umgebung und zwei Mühlen (aaO).

Maastrich und Liege 122Ostchor der Kirche von Villers-le-Temple

Maastrich und Liege 123  Detailansicht Ostchor, Wappen des Commandeurs der Johanniter, „Fr. Laure de Breteuil“, 1762

Ein Blick durchs verschlossene Hoftor der ummauerten Commanderie:

Maastrich und Liege 131sog. „basse Cour de la Commanderie“

Was gibt es noch zu sehen in Villers-le-Temple:

Maastrich und Liege 130Manoir de la Tour, 16. Jahrhundert

Derzeit „a vendre„, vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld.

1. Templer in Haneffe

Ebenfalls in der Province Liège, ca. 25 km nordwestlich von Villers-le-Temple, in der Gemeinde 4357 Donceel, befand sich eine weitere Commanderie der Templer, und zwar in dem Ort Haneffe.

Maastrich und Liege 140Haupteingang

Die Kapelle ist in einem recht schlechten Zustand und nur auf Absprache innen zu besichtigen. Es handelt sich um ein  Nachfolgerbau der abgebrochenen Templerkapelle aus dem 17. Jahrhundert:

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chapelle St. Jean-Baptiste, nach einer Inschrift „RE EDIFIEE PAR LE CDR DE LA FONTAINE A 1628“

Maastrich und Liege 143Informationstafel vor Ort

 

3. Templer in Maastricht ?

Im Juli 2015 folgte ich einer Einladung nach Maastricht, um an einer geführten Höhlenbegehung teilzunehmen. Es hatten sich ca. zwei dutzend interessierte Personen – vornehmlich aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden zu dieser Führung verabredet. Ein Ziel der Führung war auch, zahlreiche teilweise rätselhafte Malereien an den Höhlenwänden zu interpretieren. Einige der Abbildungen an den Wänden sollen Ähnlichkeiten mit Templermotiven haben. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen! Wir trafen uns einige Kilometer südlich von Maastricht in einem am Ufer der Maas auf einer Anhöhe gelegen Ausflugslokal namens Buitengoed Slavante

Maastrich und Liege 024

Mit dieser Anhöhe beginnt ein Hochplateau, das sich auf einige Kilometer Länge direkt am linken Maasufer nach Süden ausbreitet.

Im Inneren des Bergs gibt es ein 200 Kilometer großes Labyrinth, welches künstlich erschaffen wurde. Einige Bergwerke sind zwar viel größer als das des St. Pietersbergs, aber kaum ein anderes hat einen ebenso interessanten geschichtlichen Hintergrund. Das aktuell bestehende Labyrinth wurde in 800-jähriger Handarbeit mit den verschiedensten Handwerkzeugen gebaut. … Man kann an den Wänden der Gänge Denkmäler oder Skulpturen entdecken. (wikipedia) 

Diesere Wikipedia-Eintrag ist nicht aktuell. Durch industrielle Aktivitäten der letzten Jahre sind zwei drittel der Anlagen zerstört und es existieren jetzt nur noch ca. 70 Kilometer an Gängen. (Quelle: Joris de Lange).

Es war so gegen 13:00, als sich alle Teilnehmer versammelt hatten. Nach der Begrüßung und einer Stärkung verteilte man sich auf mehrere Fahrzeuge und fuhr entlang der Uferstrasse einige Kilometer weiter nach Süden über die belgische Grenze hinweg, bis das Zeichen zum Anhalten gegeben wurde. Unser Führer bat uns, die Lage des von uns benutzten Eingang in das Labyrinth nicht zu veröffentlichen. Denn es seien schon mindestens 2 Besucher in den Höhlen umgekommen. Man darf die Anlage unter allen Umständen nur mit einem sachkundigen Führer betreten! Ich möchte meine Leser hiermit ausdrücklich warnen. Der unbegleitete Aufenthalt in den Höhlen kann lebensgefährlich sein!

Maastrich und Liege 037

Jetzt hieß es: Jacken anziehen und Taschenlampen kontrollieren und dann ging es an dieser Stelle hinein in das Abenteuer. Wir liefen mehr als eine halbe Stunde durch mehrere Gänge scheinbar kreuz- und quer, aus denen wenig zu berichten war, bis wir auf die hier interessierenden Malereien trafen. Die Stollen hatten eine Höhe von geschätzt 6 oder 8 Metern und waren von oben nach unten in den Kalkstein hineingetrieben worden. Das ist auch der Grund, warum die ältesten „Malereien“ jeweils an den Decken zu finden waren. Es wurden keine Farben verwendet. Die Motive wurden vielmehr mittels Kerzenruß hergestellt. Man nimmt an, dass die Schöpfer dieser Abbildungen rücklings auf dem Stollenboden lagen, als der Stollen noch niedriger als ein Meter war. So ist zu erklären, dass die Abbildungen mit einigermassen ruhigen Händen erzeugt werden konnten.

Maastrich und Liege 109In der Mitte dieser Motive läßt sich ein Templerkreuz ausmachen.

Das Templerkreuz ist eingerahmt von einigen sog. Kruken-Kreuzen

Diese Symbolform eines Kreuzes mit Querbalken ist schon aus de Antike bekannt. Gottfried von Bouillon, der Begründer der Kreuzzüge, hat eine Abwandlung dieses Kreuzes zu seinem Wappen erkoren:

Argonnen und Ardennen Mai 2005 213Chateau de Bouillon, Prov. Luxembourg

Dieses Wappen wurde (in gelb) von dem Königreich Jerusalem der Kreuzfahrer übernommen und ist heute noch das Wappen des Ordens der Grabesritter. Aber auch in Templerkirchen konnte ich eine ähnliche Darstellung entdecken, etwa in Brandenburg:

Berlin Juli 2008 012Templerkapelle, 15518 Tempelberg

oder in Süpplingenburg:

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Templerkirche, 38376 Süpplingenburg

Diese Kreuze passen also gut in die Templerzeit und ihre Symbolik hinein. Aber es sollten sich noch mehr Vergleiche aufdrängen.

Maastrich und Liege 101An einer anderen Stelle in diesem Abschnitt fanden sich an der Decke weitere Templerkreuze, aber auch ein stilisiertes Dame- und Mühle- Brettspiel. Das Mühlespiel ist schon seit der Antike bekannt. Nach wikipedia soll sich in der Aachener Pfalzkapelle so eine Abbildung finden lassen.

Ein Mühlespiel fand sich auch auf einer Dachziegel eingebrannt in der Templerkapelle von Slijpe:

Slijpe(mit freundlicher Genehmigung von Jan Hosten, aus: De tempeliers, 2006).

Ein weiteres Motiv erregte meine Aufmerksamkeit, und zwar diese kreisrunden Objekte mit radialen Linien von einem inneren Kern auf den äußeren Umkreis.

Maastrich und Liege 105Dies Motive haben starke Ähnlichkeiten mit dem Skelett eines Seeigels.

Maastrich und Liege 081Dieses Beispiel fand sich in der Nähe eines Galgens und zweier Totenschädel. Beim genaueren Betrachten findet man auch bei dem oberen Abbildung ein solches Galgenmotiv. Aber auch dieses seeigelähnliche Motiv hat Entsprechungen in anderen Kirchen, die Bezug zu den Templern haben.

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Templerkirche St. Johannis, 38376 Süpplingenburg

Das rechte Motive solle eine sich öffnende und das linke eine geschlossene Blüte darstellen, der Kreislauf des Lebens, A und O.  Andere Templerkirchen haben vier solche Motive:

ChatillonChapelle des templiers St. Thibault,  21400 Chatillon-sur-Seine

Nuits sous RavieresPortal der Kirche von 89390 Nuits-sur-Armançon

Charente 020Wandmalerei Templerkapelle Cressac, 16115 Cressac-St. Genis, Charente

Ich kann derzeit noch nicht ausschliessen, dass sich solche Seeigel-Motive nicht auch auf anderen Kirchen befinden, die nichts mit den Templern zu tun hatten. Aber immerhin scheint es für die Epoche eine sinnstiftende Aussage gemacht haben und die Ähnlichkeit zu den Abbildungen in der Höhle sind mindestens signifikant.

Es gab noch eine weitere Entsprechung. Unterhalb der Decke, an der Wand eines Stollens fand sich dieses Christus-Bild.

Maastrich und Liege 073Das hatte frappierende Ähnlichkeit mit einer Glasmalerei aus der Templerkapelle von Slijpe

Slijpe(Mit freundlicher Genehmigung von Jan Hosten)

Nachdem feststeht, dass die Steinbrüche im Sint-Pietersberg seit 800 Jahren in Benutzung sind und viele der dort angebrachten Graffitis sehr große bis signifikante Ähnlichkeiten mit Verzierungen an nachgewiesenen Templerkirchen aufweisen, dürfte zumindestens ein „Anfangsverdacht“ dafür sprechen, dass die Templer sich hier auch wirtschaftlich betätigt haben könnten. Aber waren die Templer auch in Maastricht begütert? Ein lateinisches Dokument von 1269 soll das bestätigen:

image002(Quelle: Sporen van de Tempeliers in Nederland)

Im unteren Drittel der linken Spalte ist die Rede von „expensis persolvi faciam in Trajecto per Fratres Domus Templi„.

Trajectum kann sich aber auf Maastricht (=Trajectum ad Mosam) ebenso wie auf Utrecht (=trajectum ad Rhenum) beziehen. Trajectum heisst einfach nur Übergang (=hier Brücke) .

Der Frage, ob sich dieses Dokument auf Templer aus Utrecht oder aus Maastricht bezieht, oder ob sich daraus schliessen lässt, dass der Templerorden überhaupt in einer der beiden Städte eine Niederlassung unterhielt, hat man sich auf der Seite Sporen van de Tempeliers in Nederland angenommen:

Welk Trajectum?

Indertijd was sprake van een Trajectum ad Rhenum (Utrecht) en een Trajectum ad Mosam (Maastricht). Welk werd hier bedoeld?

Bij Utrecht is nooit sprake geweest van een vestiging van de Tempelorde. Guido van Avesnes, bisschop van Utrecht bericht voorts in 1307 aan de Franse koning, dat in zijn gebied geen huizen van de Tempelorde voorkomen. (J.Schwalm: Reise nach Frankreich und Italien im Sommer 1903. In: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde. XXIX (1904). Berlin, 1903. pg.635.) Naar het zich laat aanzien komt Utrecht hier dus niet in aanmerking. Met betrekking tot Maastricht heeft Ramakers uitvoerig betoogd, dat daar geen kommanderij of huis van de Tempelorde gevestigd is geweest (Zie verder: Maastricht.) Ook Maastricht als vestigingplaats van het tempelhuis komt dan te vervallen. Dit is een ongerijmdheid. Ergens schuilt hier een fout in de gedachtengang. De toekomst zal misschien leren welke fout. Hier is van belang te zien hoe het vaak gesteld is met onze kennis van de Tempelorde in ons land. Het is schimmige kennis. Zoals hier, we weten dat de Orde hier actief is geweest, maar nadere kennis over de wijze waarop ze hier was, over wat ze deed en hoe het haar verging ontbreekt veelal. Zoals hier, we weten dat er een tempelhuis was, maar reeds de juiste plaats is een vraag. Op dit glibberig pad beweegt zich deze site, Voorzichtigheid zal geboden zijn.

Die Seite warnt, dass man sich dieser Frage nur vorsichtig nähern kann, weil sie von vielen Ungereimtheiten flankiert ist. Die Frage, ob die Templer auch in Maastricht begütert waren oder nicht, ist für die hier vertretene These, dass die Templer im Sint-Pietersberg einen Steinbruch betrieben haben könnten, nicht weiter von Belang. Man weiss sicher, dass die Templer jedenfalls in der belgischen Stadt Visé eine Komturei unterhalten haben, und Visé soll sich unmittelbar gegenüber von dem Steinbruch im Sint-Pietersberg befinden.

Bei der Überprüfung dieses Sachverhaltes stellte ich fest, dass der belgische Teil dieses Felsmassivs sogar im heutigen Gebiet der Gemeinde Visé selbst liegt:

Vise(google maps)

Maastricht befindet sich nördlich von diesem Kartenausschnitte. Das Sint-Pieter-Massiv befindet sich am oberen Rand des Kartenausschnittes. Sein südlicher Ausläufer ragt in das Gebiet der Gemeinde Visé hinein.

Über die commanderie Visé werde ich im Jahre 2016 berichten. Ich bitte noch um etwas Geduld.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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