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2010 Roussillon

 Templer im Roussillon

Es ist uns inzwischen eine liebe Gewohnheit geworden, jedes Jahr im Mai nach Rennes-le-Château und Umgebung zu fahren. Die Templerhinterlassenschaften in der Gegend haben es mir irgendwie angetan. Sie sind besonders geheimnisumwittert. Das mag auch daran liegen, dass hier Templer aus Spanien mit den französischen Templern zusammentrafen. Das Roussillon hat zur Templerzeit (und noch lange danach) zu Spanien, genauer zur Krone Aragon gehört. Die Templer hatten sich im Befreiungskampf um Spanien verdient gemacht und waren deshalb anfänglich bei den spanischen Herrschern sehr beliebt. Sie wurde sehr grosszügig mit Ländereien ausgestattet. Die fruchtbare Tiefebene des Roussillon ist  sehr dicht von den Templern in Besitz genommen worden. Meiner Ansicht nach handelt es sich um die dichteste Ansiedlung des Ordens im heutigen Frankreich. Fast jeder zweite oder dritte Ort befand sich mehr oder weniger in den Händen des Ordens.

Es wird vielleicht auch deshalb vielfach die Ansicht vertreten, die Templer könnten die Absicht gehegt haben, hier im Süden Frankreichs einen eigenen Ordensstaat  –  mit dem Kern in Perpignan – zu gründen. In der Nähe von Perpignan, wo der mit den Templern allerbestens befreundete König von Mallorca sich ein mächtiges Schloss bauen liess,

Château des rois de Majorque, 66000 Perpignan

gründeten die spanischen Templer 1137 die Hauptcommanderie des Roussillon und nannten sie Mansus Dei (= Haus Gottes) oder Mas Deu auf katalanisch, so wie sie noch heute genannt wird. Sie befindet sich an der D 612 zwischen den Orten Trouillas und Villemolaque.

1. Mas Déu

Im Jahre 1138 wurde die Kapelle der Commanderie erbaut. Man stellte sie unter den Schutz der Maria (Arnaudiès, Les Templiers en Roussillon, Nice, 1986, S. 36). Das Gelände befindet sich neben einer bekannten und empfehlenswerten, seit sechs Generationen im Familienbesitz befindlichen Bio-Weinkellerei http://www.chateaumasdeu.com und in Privatbesitz. Es ist eingezäunt und nur nach Voranmeldung zu besichtigen.

chapelle Ste. Marie, Mas Deu, 66300 Trouillas, Pyrenées-Orientales

Diese Kapelle ist, anders als dieses Bild vermuten lässt, noch recht intakt und leider das einzige heute noch sichtbare Gebäude aus der Templerzeit. Zwar hatten die Templer auch ein Schloß errichtet. Davon sind aber nur noch Spuren von Grundmauern erhalten. Das Schloss wurde besonders in der Renaissance-Zeit vergrößert und umgebaut. Der Sohn der Eigentümer war so reizend, uns über das ganze Gelände zu führen. Er zeigte uns auch Mauerreste von den Templern, die sich aber nicht recht fotografieren liessen.

Die Basis dieses Turms stammt z.B. von den Templern. Das Schloss ist leider 1944 einer gewaltigen  Explosion zum Opfer gefallen. Es steht nur fest, dass die deutsche Armee dort ein Munitionsdepot errichtet hatte. Die Gründe für die Explosion werden unterschiedlich dargestellt.

Unser freundlicher Gastgeber Monsieur Jean-François erklärte uns, dass einer der letzten Besitzer, ein wohlhabender Adliger, sich auf dem Anwesen einen Park errichten liess, mit einem Weiher, in dessen Mitte sich eine Insel befand. Mit Ruderbooten sei man zu dem Pavillon auf der Insel hinübergelangt.

Die Templer von Roussillon hatten ein wesentlich günstigeres Schicksal als ihre französischen Kollegen. Sie wurden zwar auch verhaftet, aber erst viel später und erst nach hohem Druck des Papstes auf Spanien. Teilweise leisteten die Templer sogar erhebliche Gegenwehr, in dem sie sich in einer katalonischen Burg verschanzten. Die Prozesse überzeugten aber letzlich die Ankläger, dass an der massgeblich vom französischen König und seinen Ratgebern zusammengestrickten Anklage nicht allzuviel „dran war“. Die Templer wurden freigelassen und hatten die Wahl, entweder in neu errichtete spanische Ritterorden einzutreten, oder auf den ehemaligen Templergütern weiterzuleben und sich von dort bis zu ihrem Lebensende selbst zu versorgen. Der letzte  Präzeptor von Mas Deu, Raymond Sa Guardia, wurde freigesprochen und lebte bis zu seinem Tod im Jahre 1319 (Arnaudiès, S. 33) mietfrei auf Mas Deu, ausgestattet mit einer Pension von 350 Pfund (Demurger, Die Templer, S. 265), eine stattliche Summe .

2. St. Hippolyte

Einen weiteren wichtigen Stützpunkt errichteten die Templer in St. Hippolyte. Hier wurde das Geschäft mit Salz betrieben. Die Templer erhielten 1180 z.B. den Etang de Bagès (Arnaudiès, S. 6), und andere küstennahe flache Gewässer, die von den Templern zur Salzgewinnung teilweise trockengelegt wurden.

Reste des Châteaus des Templiers66176 St.  Hippolyte, Pyrenées-Orientales

Die Kirche von St. Hippolyte, aus der Templerzeit, aber kein Bezug zu dem Templerorden erwiesen

Wie man sieht, isst man in St. Hippolyte lecker catalan. Wie der geneigte Leser sich vorstellen mag, wurde dieser Tag ein recht vergnügliches Erlebnis.

Abschied von St. Hippolyte

2010 Provence

Die Templer in der Provence, Teil 2

Der diesjährige Osterurlaub wurde wieder in der Provence verbracht. Aber weil es uns im Burgund im Februar so gut gefallen hatte, beschlossen wir, auf der Hinfahrt einen Zwischenstop einzulegen und einnoch mal eine Nacht in dem Château La Romagne zu verbringen. Ein feines Abendessen gab es in einem benachbarten, mittelalterlichen Ort namens Bèze in einem sehr urigen Gasthaus am offenen Grill-Kamin. Frühstück wie gewohnt bei Monsieur Quenot, unserem Zimmerwirt und Schlossherrn, im Rittersaal.

Das ist eine TOP Empfehlung: http://www.romagne.com, wenn Sie mal richtig romantisch im Burgund übernachten wollen!!

Seine Croissants und sein Brot läßt sich Mr. Quenot von „seiner“ Banette-Filiale direkt ans Schloss liefern. Wenn Sie mal wieder in Frankreich sind, probieren Sie doch mal eines dieser Erzeugnisse aus einem „Banette“-Laden. Es ist keine Kette, sondern ein freiwilliger Zusammenschluß von einigen Tausend Bäckereien in Frankreich, die sich auf die Einhaltung bestimmter, häufig ältere Rezepte und Zutatenqualitäten verpflichtet haben. Glauben Sie mir, sSie werden das nicht bereuen.

Das Frühstück war jedenfalls wesentlich besser als das Wetter. Bevor wir uns schleunigst auf die Autobahn Richtung Süden aufmachten, gab es noch einen Templerort fürs Burgund nachzutragen, den ich im Februar leider nicht mehr schaffte. Von La Romagne bis zum nächsten Templerort sind es 17 Kilometer. D.h. das Burgund ist eigentlich dort schon zu Ende, denn la Romagne befindet sich an der nordöstlichen Grenze des Departements Côte d’Or, welches noch zur heutigen Région Bourgogne gehört. Die Région Bourgogne ist mehr oder weniger aus dem früheren Herzogtum Burgund hervorgegangen. Das Nachbardepartement im Osten heisst Haute-Saône und liegt in der heutigen Région Franche-Comté.  Das ist die frühere sogenannte Freigrafschaft Burgund. Die gehörte im Mittelalter zum heiligen römischen Reich deutscher Nation. Die Franche Comté gelangte erst 1678 nach Frankreich, nachdem Louis XIV, der “ Sonnenkönig“, zuvor dort mit seinen Truppen einmarschiert ist .

Dieser nächste Templerort heisst Autrey-lès-Gray:

eglise templière, 70100 Autrey-lès-Gray

Und dann ging es non stop in den Süden. Wir bezogen die gleiche Bleibe, wie das Jahr zuvor. Sie eignet sich für Ausflüge ebenso wie für Relaxen. Man hat einen fantastischen Fernblick auf die nördlichen Ausläufer des Luberon-Gebirges. Das Wetter war nicht jeden Tag fürs Faulenzen auf der Terrasse geeignet, also machten wir häufig Ausflüge, z.B. zum berühmten Flohmarkt von L’Isle-sur-la-Sorgue, der sich rühmt, neben Paris die bedeutensten französischen Antiquitäten-Händler zu beherbergen. Ob es stimmt, kann ich nicht beurteilen, jedenfalls ist es da sehr schön. Ausserdem waren wir in Avignon und in Aix-en-Provence.

Nein, das war nicht als Templerreise geplant sondern sollte der Erholung dienen und so steuerten wir diesmal eher keine Templerorte an, sondern nahmen nur das mit, was zufällig auf dem Weg lag. Auf unserem Ausflug nach Avignon lagen zwei Templerorte, die mittalalterlichen Städte 84210 Pernes-les-Fontaines und Saint-Saturnin d’Avignon. Letzeres liessen wir aus, um die Geduld der Mitreisenden nicht überzustrapazieren. Das nehme ich mir nächstes Jahr vor. In Pernes-les-Fontaines erwarteten uns die sogenannten Trois Pilons, übersetzt: drei Stampfer oder Keulen. Gemeint sind damit offenbar mittelalterliche Türme, die die Templer gebaut haben sollen (Aubarbier, S. 282)

Ein rechteckiger Templerturm in  84210 Pernes-les-Fontaines

Die Seitenflanke zeigt ein Fenster mit romanischem Fenstersturz

Eingang zum Turm, eindeutig 12 Jahrhundert.

Hinweisschilder auf die Templer waren keine zu entdecken. Nach einer kurzen Erfrischung setzten wir die Fahrt nach Avignon fort, wobei der Schwerpunkt aber doch eindeutig eher auf Schuhgeschäften, Schuhgeschäften und …. Schuhgeschäften lag. Avignon ist schon eine Perle. Es gibt so viel, was man sich unbedingt ansehen muss, die berühmte Brücke, den Papstpalast aus dem 14./15. Jahrhundert, immer und immer wieder umgebaut

Der Palais des Papes in Avignon war zwischen 1335 und 1430 die Residenz verschiedener Päpste und Gegenpäpste, Foto Johannes Hallenberger

und die Altstadt mit ihren Cafés und Boutiquen. Ganz zufällig entdeckte meine Gattin in einer Seitenstrasse ein Schild an dem Eingang zu einer Passage zwischen zwei Ladengeschäften.

Ihr gebührt der Applaus, ich wäre – mit meiner Eistüte beschäftigt – locker daran vorbei gelaufen.

„Kapelle Unserer Lieben Frau von Bethlehem, errichtet zwischen 1273 und 1281 durch die Templer, übertragen, nach der Auflösung des Ordens im Jahre 1312 auf die Hospitaliter von Sankt Johannes von Jerusalem. Dieses Gebäude, dem hl. Johannesgewidmet, blieb Sitz der Hospitaliter von St. Johannes von Jerusalem, von Rhodos und von Malta bis zum Jahr 1793“. Es war eigentlich keine Passage, eher eine Sackgasse, in der wir dann den Eingang zur Templerkirche von Avignon „entdeckten“:

Templerkapelle von Avignon, Foto: Johannes Hallenberger

Sie befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche Saint Agricol, ich meine, die Strasse heisst auch Rue Saint Agricol.

Templerkapelle von Avignon, Foto: Johannes Hallenberger

Ein weiterer Ausflug war zum Shoppen nach Aix-en-Provence angedacht. Wer mich kennt, weiß, dass ich meine Zustimmung zu einem Shopping-Nachmittag nur gegen eine „Gegenleistung“ erteile. Mindestens ein Templerort mußte also auf dem Weg liegen und „abgehakt“ werden. Es gab einiges an Templerorten um Aix. Wir verständigten uns auf Saint-Antonin-sur-Baylon. Dort sollte es nach Aubarbier einiges an Resten aus der Templerzeit geben, eine Kirche, eine Scheune mit zwei Türmen usw. Die Fahrt zog sich recht lange hin. Am Ziel angekommen, waren wir uns alles andere als sicher, ob wir hier überhaupt richtig waren. Das Navi zeigte uns den Ort zwar an, es gab auch ein Ortsschild. Nur gab es kein Dorf oder dergleichen zu sehen. Rechts von der Landstrasse erhob sich eine mächtige Villa oder besser ein Château und es gab einen grossen, gepflegten Parkplatz. Offenbar gab es hier einen Reitbetrieb und ein Restaurant. Es war nicht zu erfahren, wer das Château bewohnt, das von einem riesigen Gelände und übermannshohen  Mauern umgeben ist. Mit Mörtel aufgeklebte Glasscherben sollen das Herüberklettern erschweren. Niemand weit und breit, den man hier hätte nach den Templern fragen können. Man hatte einen wunderbaren Blick auf die Montagne St. Victoire und wir spazierten etwas entlang der Grundstücksgrenze des Anwesens.

Plötzlich sahen wir das da:

Eine Kapelle, ganz sicher aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Größe und Rechteckbauweise entspricht der einer Templerkapelle. Eine Kapelle, die in der Grundstücksmauer intergriert ist? Eventuell bedeutet das, dass sie auch von ausserhalb des Gemäuers hätte besucht werden dürfen. Sie war stark vom Verfall bedroht. Man hatte mit Notbaumassnahmen (noch keinen Reparaturen) begonnen, um dem fortschreitenden Verfall Einhalt zu gebieten. Das stand auf der blauen Tafel zu lesen.

Aber kein Schild, kein Hinweis, der uns hätte Aufschluss geben können, ob es sich hier wirklich um die commanderie von Bayle handeln würde. Das Schloss war jetzt auch nicht gerade eines von der Sorte, bei der man einfach klingelt und halt mal fragt. Überall Kameras, Stacheldraht usw..  Manwürde also da rein müssen, hilfsweise die Kamera einmal in das Fenster reinhalten. Alle guckten plötzlich unsere Patrycja an. Sie war die leichteste. Sie konnte am besten von allen klettern und sie war diejenige, die sich bei unserer Reise nach Polen im Februar 2009 schon als katzenhafte Fassadenbezwingerin bewährt hat.

Was zählten da Kratzer und Lehmspritzer. Sowas darf der Forschung nicht im Wege stehen. Gottlob sind nicht alle Menschen gleich, mancher ist Violinenvirtuose. Ein anderer beherrscht Stabhochsprung. Wieder andere können singen. Ich hätte – so sagt man mir nach – eine „recht flotte Schreibe“ (ich hoffe sehr, dass das stimmt.) Patrycja kann singen. Und klettern. Singen könnte ich auch ein bisschen. Aber wenn man versucht hätte, mich dort hochzuwuchten, wäre die Welt gewiss schlagartig um ein Kulturerbe ärmer geworden…

Machen wir es nicht so spannend. Das findet sich innen, auf dem Altar und hinter provisorischen Stützbalken:

Das „Tatzenkreuz“ der Templer ?

Nachtrag Juni 2011: Alles Falsch!!!

Man muss auch Irrtümer zugestehen können. Wir haben uns geirrt, die Templerkomturei befindet sich weiter östlich im Wald. Thorsten Stute hat sie nach beharrlicher Suche im Satellitenbild gefunden. Diese Kapelle hier stammt zwar dennoch aus der Templerzeit, muss aber nichts damit zu tun haben. Ich habe so eine Idee, dass am Fusse der Montagne St. Victoire sich einmal eine Fernstrasse hinüber nach Italien befunden haben könnte und dass St. Antonin eine Station an dieser Strasse war, die vielleicht vonmehreren geistlichen Institutionen betreut worden war. Templer oder nicht, die Kapelle war trotzdem interessant und so habe ich einen Grund, da noch einmal hinzufahren, und am richtigen Ort nachzusehen.

Herzlich, Ihr Markus Menzendorff

Bald: 2010 Bourgogne

Die Templer im Burgund, Teil 2

Baustelle

Der Verfasser dieser Homepage schreibt gerade an einem Buch über die Templer im Burgund, das einiges an Überraschungen bereithalten wird. Das Buch ist etwa zu einem fünftel fertig geschrieben und soll in wenigen Monaten fertig sein, sowie dieses Jahr auch noch erscheinen. Ich hoffe, ich verpreche nicht zuviel.

Ich möchte natürlich nicht allzuviel verraten und so bleibt diese Seite vorerst leer.

2009 London

Die Templer in London

Im Juni 2009 bot eine kurze Städtereise nach London Gelegenheit, die Hinterlassenschaften des Ritterordens in der englischen Hauptstadt zu besuchen. Man schätzt, dass es in England ca. 400 Orte der Templer gegeben hat. Im Herbst dieses Jahres hoffe ich, noch mal nach England reisen zu können, um kleine Komtureien in den Grafschaften aufzuspüren. London hatte die zweitgrößte Niederlassung des Templerordens in Europa (nach Paris). Das Gelände in London, heute zwischen Fleet-Street und Themseufer, gehörte ab 1162 den Templern. Im Jahre 1185 wurde von den Templern nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem das weltbekannte Rundschiff errichtet, welches heute zu den ältesten Sakralbauten Englands zählt.

Nach der Auflösung des Templerordens im Jahre 1312 fiel der Besitz zunächst an den englischen König Eduard II., der sie dann auf Druck des Papstes im Jahr 1324 an die Johanniter vermachen mußte. Dies überliessen die Güter einer Gemeinschaft von Rechtsgelehrten und seitdem ist der Bezirk immer noch Sitz der Juristen.

Die meisten Gebäude des Temple-Bezirks sind aus dem 18. und 19. Jahrhundert,  dies hier ist sog. viktorianischer Stil:

Eingang in den Temple-Bezirk aus Richtung Süden, vom linken Themseufer

Über den Eingängen vieler Gebäude prangt zur Erinnerung an den Templerorden ein Agnus Dei, das einst zum wichtigsten Symbol des Ritterordens wurde.

Das Agnus Dei könnte vielleicht ein zarter Hinweis auf eine durchaus nicht auschzuschliessende Geheimlehre innerhalb des Templerordens gewesen sein. Das Sünden-Lamm ist gewöhnlich ein unverfängliches und völlig unverdächtiges Symbol der kirchlichen Lehre. Manche sehen aber darin auch einen versteckten Hinweis auf die johanneitische Glaubensrichtung. Richtig daran ist, dass das Lamm Gottes einerseits den Christus symbolisiert und gleichermassen andereseits ein Symbol für Johannes den Täufer darstellt, dessen Statuen in Kirchen üblicherweise mit einem Lamm an den Füssen dargestellt werden.

Geheimnisvoll: Middle Temple Treasury – liegt hier der Templerschatz?

Das ist sie, die weltberühmte Rotunde der Templerkirche

Das gotische Kirchenschiff. Einige Bombentreffer im 2. Weltkrieg veranlassten aufwändige Reparaturen an der Kirche.

In der Rotunde sind zahlreiche Tempelritter beerdigt. Die Sargdeckelfiguren sind sehr gut erhalten. Die Namen der Ritter sind nicht in allen Fällen überliefert. Dieser hier – der vierte Graf von Pembroke – starb etwa 40. jährig, an den Folgen eines Turnierunfalls und hinterliess die Grafschaft seinem Bruder Walter Marshal (Wikipedia).

Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Kopf zur Originalausstattung der Kirche gehörte…

Er sieht – wie dieser – merkwürdig modern und nachträglich eingefügt aus.

Das sieht schon eher nach unseren Templerbrüdern aus: Katzenköpfe, wie in Laon, Laroque-du-Fa und Malleyrand

Noch ein kleiner Nachtrag zu den angeblich typisch templerischen Rundkirchen. Es ist ein Märchen, was auch dadurch nicht wahrer wird, wenn man es immer wieder voneinander abschreibt. Die Templer haben Rundkirchen nicht erfunden und Rundkirchen sind auch nichts typisches für den Ritterorden.

Rund ist für die Kontinentaltempler vielmehr absolut die Ausnahme, wenngleich man nicht verkennen kann, dass das in England anders sein mag. Aber auch für England wird angegeben (u.a. Demurger), dass die Templer durch Einschaltung lokaler Baumeister auch da nur vorher schon im Lande vorhandene Bautraditionen fortsetzten. Für mich persönlich ist die Vorliebe der Engländer für runde Sakralbauten möglicherweise eine Fortsetzung früher,  z.B. vorkeltischer Muster (z.B. Newgrange und die vielen Steinkreise ). Das kann man sehr schön an den Resten der Templerkirche von Dover erkennen.

Reste der Templerkirche von Dover. (Foto Jan Hosten)

Die Heiliggrabkirche in Northhampton – ebenfalls eine Rundkirche – hat beispielsweise nichts mit dem Templerorden zu tun. Sie ist erheblich älter. Auch die Kirche von Cambridge ist rund. Und hat ebenfalls nichts mit dem Orden zu tun.

Die Templer-Kapellen in England sind in Wahrheit vielmehr typischerweise rechteckig und gleichen damit den französischen Templerkapellen. Guterhaltene rechteckige Templerkapellen sind  etwa:

1. St. Mary Church, Templecombe, County Somerset,

2.  Temple Ewell, Kent

3.  St. Mary in Temple Balsall, Warwickshire,

4. Bisham, Berkshire,

5. Ribston, Yorkshire

 und etwa

6. Rothley, Leicestershire

(u.v.m. Vielen Dank an Dr. Helen Nicholson, Universität von Cardiff, die , mir diese Auswahl an Orten in einer noch viel umfangreicheren Liste mit gut erhaltenen Templerstätten in England übermittelte).

Diese Stätten werde ich im hoffentlich Herbst besichtigen können, doch davon später mehr ….

2009 Languedoc

Die Templer im Languedoc

Auch im Languedoc waren auf den letztjährigen Reisen noch einige Fragen offen geblieben, ausserdem wollte ich prüfen, ob sich die Präsenz der Templer entlang der damals sehr wichtigen Fernstrasse, der via domitia, auch auf der anderen Seite des Rhône feststellen lassen würde. Ich untersuchte die Gegend um Béziers und Narbonne. Die Suche galt vor allem der in der Literatur vielfach erwähnten aber auch heftig umstrittenen früheren Commanderie Peirois. Von den erhaltenen Dokumenten weiss man, dass diese Commanderie recht bedeutsam gewesen sein muß. Aber wo lag sie? Nur dass sie sich in der Région Languedoc befinden würde, war klar.

Der Templer-Forscher George Kiess möchte  diesen Ort gerne in Bezug zu seiner Heimatregion bringen und sie damit in die Nähe des Geheimnisses um Rennes-le-Château ziehen:

„Cette charte concerne le lieu de „Peirois“ (Peyrolles ?) … in terminio quem vocant Peirois, in loco vocant Pratum Alibarderium.“ (George Kiess, Des Templiers en Haut-Razès, Quillan, 1990, S. 8)

Auch die Autoren Andrews und Schellenberger setzen den Ortsnamen „Perois“ einer (vermutlich der gleichen) Übertragungsurkunde mit Peyrolles gleich, ohne für diese Behauptung allerdings einen Beleg anzuführen (Richard Andrews und Paul Schellenberger, Das letzte Grab Christi, London 1996).

Peyrolles ist u.a. ein kleiner Ort im Departement Aude. Dort gibt es meinen Untersuchungen nach keine beweiskräftigen Spuren für eine einstige Templerniederlassung. Der Forscher Émile Bonnet, Präsident der archäologischen Gesellschaft von Montpellier schrieb 1934:

„La plus importante maison de l’Ordre du Temple dans le Narbonnais se trouvait à Périeis, aujourd’hui sur le territoire de la commune de Nissan (Hérault), … Elle est désignée dans les textes sous le nom de Petrosio, de Petrosiis, et encore de Peyrosio.“ (Les Maisons de l’Ordre du Temple dans le Languedoc Méditerranéen, Nimes, 1934).

Diesem vielversprechenden Beitrag wollte ich nachspüren. In der Nähe der Stadt Béziers im Departement Hérault befindet sich tatsächlich eine Gemeinde Nissan. Sie heißt heute Nissan-lez-Enserune. Dieser Ort befindet sich unmittelbar neben der zunächst griechischen, später gallo-römischen Siedlung Oppidum d‘ Enserune, direkt an der Strasse zwischen Béziers und Narbonne, dem alten Fernweg via domitia.

Folgt man der Strasse weiter nach Südwesten, findet man zwischen Nissan (Dept. Herault) und Coursan (Dept. Aude)  – noch auf dem Gebiet der Gemeinde Nissan-lez-Enserune, aber schon fast an der Grenze zur Aude – tatsächlich einen winzig kleinen Ort namens 34440 Périès (Templerorte haben oft drei gleiche Zahlen in der PLZ ).

Den nahmen wir ins näher unter die Lupe. Man überquert eine Bahnlinie, findet zwei drei Weingüter und einen winzigen Ort dahinter, mit einigen ca. 20 Häusern, zumeist aus dem 19. Jh. Ein Teil des Ortes scheint im Karrée angelegt zu sein. Die Häuser gruppieren sich um eine Art Platz und irgendwie fühlte man die Templerpräsenz mehr, als man sie sah.

Klar wurde schnell, dass von dem Platz drei oder vier Pforten nach draussen führten.

34440 Périès, Westpforte

Auf dem Bild sieht man den westlichen Eingang zum Hof. Die Fassade des Hauses links daneben zeigt einen mittelalterllichen Rundbogen. Deutlicher zeigte sich das Mittelalter schon an einem sorgfältig gearbeiteten Brunnen. Schilder gabs dazu aber keine:

Hinter dem Brunnen ist das Nordtor. Man kann mit Mühe rechts von der Bildmitte noch einige Reste des Nordtors erkennen.

Aber so richtig „templerisch“ wollte das alles noch nicht recht aussehen. Wir verliessen den innenhofartigen Platz durch das Westtor, wendeten uns nach Süden und begannen den Ortskern zu umrunden. Wir sahen auch nur Häuser aus dem 19 Jh. Als wir aufgeben wollten, kam das ins Blickfeld:

chapelle des Templiers34440 Périès,   Ansicht von Südwesten

Hier gelang mir eine echte Premiere. Es ist das erste mal, dass ein Bild dieser Kapelle von Périès im Internet veröffentlicht wird. Der geneigte Leser mag sich vorstellen, in welche Aufregung man durch den Anblick einer solch unerwarteten „Jagdbeute“ versetzt wird. Das Glücksgefühl, was einen anlässlich  so einer „Entdeckung“ durchströmt, rechtfertigt alle vorherigen Strapazen solch weiter Reisen.

Aubarbier schreibt über Périès: .. la plus riche commanderie du Bas-Languedoc, commune de Nissan-lez-Enserune, qui conserve son enclos fortifié, un vieux puits et une eglise du XIIIe siècle au chevet à sept pans.

… die reichste Komturei des Nieder-Languedoc, in der Gemeinde Nissan-les-Enserune, die sich ihren befestigten geschlossenen Bezirk erhalten hat, einen alten Brunnen und eine Kirche aus dem 13 Jh., mit einer siebenseitigen Chorapsis. (Für das frz. Wort enclos gibt es keine rechte Übersetzung, hier am ehesten vielleicht Klosteranlage, sonst ummauertes Gehöft).

Chorapsis von Osten:

Detail von der Westfassade:

Mit „google maps“ bekommt man eine wunderbare Draufsicht auf den Ortskern von Périès, dem alten enclos du Temple

Copyright: google maps

Mit rot habe ich hier noch die Lage des Brunnens und der Kapelle bezeichnet. Die Eingänge von Norden und Westen sind klar zu erkennen, der Südeingang ist andeutungsweise zu ahnen. Ein Osttor gab es möglicherweise nicht. Insgesamt ist festzustellen, dass weder der Ortskern noch die Kirche nach den Himmelsrichtungen  ausgerichtet wären..

Das wäre nicht etwa eine Besonderheit. Obwohl der Magnetkompass im Mittelalter schon recht bekannt und die Benutzung des Standes der Mittagssonne alltäglich war, kann man bei einem Grossteil der mittelalterlichen Sakralbauwerke – die an sich nach Osten ausgerichtet sein sollten – einen gewissen Versatz zu der Ost-West-Achse feststellen.  Das liegt gewiss an unberechenbaren Faktoren wie dem Bauuntergrund, der Lage schon vorher vorhandener Strassen und Wege und vor allem der Grundstücksgrenzen. So etwas lässt sich auch am Stadtbild moderner Grosstädte feststellen.

Cassini-Karte von Périès

Als weiteren Beweis für die Lage der gesuchten Komturei in diesem Ort zeige ich noch diesen Ausschnitt aus der sog. Cassini-Karte von 1759. Unter dem Ortsnamen „Periex“ finden sich die vier Buchstaben „Comm.“ was die Existenz der Commanderie an diesem Ort abschliessend beweist. Der See am linken Bildrand, beschrieben in dieser und auch in aktuellen Karten noch als L’Etang de la Grangette, („Grange“ = Scheune nennt man auch landwirtschaftliche Untereinheiten der Templer) ist heute weitgehend ausgetrocknet. Seine ursprüngliche Lage wird noch durch den Verlauf zweier Entwässerungsgräben kenntlich gemacht. Auf den google Satellitenbildern kann man noch zahlreiche Tümpelchen an der Stelle entdecken, die früher der See eingenommen haben muß.

Folgender Link zeigt die Cassini-Karte von der Umgebung des Ortes:

http://www.notrefamille.com/34440-nissan-lez-enserune/cassini-cartes-58-8-4-ville-village.html

 

Damit war ein Teil des Rätsels um Peirois gelöst, aber noch nicht das Rätsel um die Nennung des Ortsnamens Peyrosio.

Bonnet beschwert sich in seinem zitierten Buch, dass seine beiden Autorenkollegen Léonard und Sabarthès diesen Ort identifiziert hätten mit Peyrens, einem hameau (Weiler), der sich auf dem Gebiet der Gemeinde Bizanet befände.

Die Nachschau ergab ein Peyrens bei Castelnaudary und eines bei Villerouge-Termenes, alles viel zu weit weg. Den Ort Bizanet gibt es selbstverständlich, er ist nahe bei Narbonne, aber man findet auch in der hochaufgelösten Karte kein hameau Peyrens bei Bizanet.

Bonnet schreibt:
„.. si on se réfère à la carte de Cassini, on peut constater qu’il existait une commanderie à Perieis, alors qu’à notre connaissance aucune tradition ne place une maison du Temple a Peyrens. Enfin tous les textes connus invitent à rechercher la domus de Petrosio dans les environs de Béziers et non dans le voisinage de Narbonne.“

(Wenn man die Cassini-Karte nimmt, kann man bestätigen, dass in Perieis eine Komturei bestand, ferner gibt es unseres Wissens nach keine Überlieferung eines Templerhauses in Peyrens. Schliesslich laden alle bekannten Texte dazu ein, das domus de Petrosio in der Umgebung von Béziers zu suchen und nicht in der Nachbarschaft von Narbonne.)

Die modernere Forschung scheint ihn widerlegt zu haben.

Aubarbier schreibt über Peyrens:

De Narbonne dépendaient deux autres commanderies: Peyrens, sa jumelle, sur la commune de Bizanet…

Auch nach Daniel Gaillard, Les haut-lieux Templiers, Nimes, 2005, Seite 425, befindet sich ein Peyrens auf dem Gemeindegebiet von Bizanet im Canton Narbonne. Die Templer von Peyrens hätten sich in 1261 zusätzlich noch in Laroque-de-Fa niedergelassen.

bei http://templis.free.fr/r_langue.htm heißt es trocken:

„- Peyrens, Bizanet, Narbonne, Commanderie“

zusätzlich wird Périès bestätigt:

– Périés, Nissan lez Enserune, Commanderie principale, reste l’enclos fortifié, un vieux puits & la chapelle du 13e.

Ein Grund, sich in Bizanet näher umzusehen. Das findet sich etwa 25 Km (Eine Tagesetappe !) südwestlich entlang der alten Trasse der via domitia in der Nähe des bekannten Inqusitionsklosters Fontfroide. Hier stiess die ebenfalls von den Römern befestigte Fernstrasse zum Atlantik über Toulouse und Carcassonne auf die via domitia, die sich dort weiter an der Küste nach Süden über Perpignan zur (heutigen) spanischen Grenze erstreckt. Der Grossteil der Santiago-Pilger aber verliess hier die via domitia, um dieser einmündenden Fernstrasse in Richtung Atlantik weiter zu folgen. Das zeigt die ungeheuer wichtige Bedeutung diese Wegekreuzes für das mittelalterliche Fernstrassennetz. Es verwundert nicht, dass sich die Templer gerade diese wichtige strategische Stelle für eine ihrer Niederlassungen aussuchten.

(Apropos: Habe ich schon erwähnt, dass es in Frankreich vielleicht mehr Niederlassungen des Templerordens [Man schätzt die Anzahl der commanderies dort auf bis zu 1600] gab, als Filialen einer weltbekannten US-amerikanischen Gaststättenkette für Schnellgerichte oder als Niederlassungen eines bekannten, mit einem roten Buchstaben beworbenen französischen Netzwerk-Systems von Supermärkten?)

Der mutmassliche Templerort Nevian liegt auch an dieser Wegverzweigung, aber dort war nichts templerisches zu finden. Auch der Ort 11200 Bizanet erwies sich zunächst auch als Flop. Kein Schild. Kein Hinweis auf die Templer. Eine Kirche, garantiert nicht aus der Templerzeit. Mehr eigenmächtig „zog“ uns das Navi nach Süden aus der Gemeinde heraus. Ehrlich gesagt gelüstete es uns auch schon eher nach einer gepflegten Abendmahlzeit unter Platanen. Und dann sahen wir ausserhalb des Ortes einen Friedhof mit einer Ruine:

 

 

Das schien doch noch ein Volltreffer zu werden. Auf dem Friedhofsgelände stand die Ruine einer Kapelle mit romanischem Schiff und gotischer Chorapsis:

 

Zudem gab es Reste anderer Gebäude bei der Kirchenruine zu entdecken. Anbauten, die nicht sakralen zwecken dienten. Sind das vielleicht die Reste der ehemaligen logis des Kommandeurs? Wie das bei einer bedeutenden Templerkomturei zu erwarten wäre?

Es gab zwar kein Hinweisschild auf die Templer, aber die Grösse des Areals entsprach durchaus einer Komturei, ausserdem befanden sich noch weitere Gebäudereste in der Nähe der Kirche, die weder neben einer Kirche noch auf einem Friedhof etwas verloren hatten und vielleicht die Scheune und andere Nebengebäude der Komturei darstellten. Von der Größe her passte das wunderbar zusammen.

Komturei von Peyrens/Bizanet?

 

Es beschlich uns das Gefühl, hier Neuland entdeckt zu haben. Aber es ist bislang nur pure Theorie, wir fanden nicht einen einzigen Beweis. Dennoch war das ein gelungener Tag und hat uns grossen Spass gemacht. Nach einem Pastis unter Platanen und einem anschliessenden üppigen Abendmahl zog ich folgendes

Fazit:

1. Es gibt in 34440 Périès (Hérault) eindeutige Reste, die den Schluß zulassen, dass hier eine ausserordentlich mächtige Commanderie errichtet worden war. Die Commanderie lag nicht irgendwo, sondern genau an der Strecke zwischen Béziers und Narbonne und damit auf der Trasse der via domitia, die die Römer zwar befestigt, aber nicht gebaut haben. Diese Fernstrasse existierte schon in vorrömischer Zeit, wie die unmittelbare Nähe zum Oppidum von Enserune beweist. Auch im provenzalischen Teil der via domitia reihen sich Keltenstätten an dieser Fernstrasse auf. Im Mittelalter verwandelte sich die via domitia zu dem südlichsten Santiago-Pilgerweg durch Frankreich. Damit unterstreicht sich die wichtige Funktion dieser Lage für die Templer.

2. Im Süden des Gebiets der Gemeinde 11200 Bizanet (Aude) – ebenfalls an dieser Fernstrecke – befinden sich Reste mehrerer mittelalterlicher Profangebäude und die Ruine einer Kirche aus dem 12./13. Jh., die in ihrer Anordnung zueinander, ihrer Grösse und der Grösse des bestandenen Areals Anlass für die Vermutung geben, dass es sich hierbei um die in der Literatur nur schlecht beschriebene Komturei Peyrens in Bizanet handeln könnte.

3. Es gibt danach in relativer Nähe zueinander wohl zwei Templereinrichtungen im Gebiet von Béziers und Narbonne, mit ähnlichem Namen. Ob es sich bei der einem oder der anderen um das Petrosio gehandelt hat, vermag ich aus den archäologischen Befunden nicht sicher zu schliessen. Nach der Aktenlage scheint Périès die wichtigere Kommanderie gewesen zu sein, denn es sind zahlreiche Würdenträger des Ordens namentlich bekannt. Die Grösse der Anwesen vor Ort und die geografische Lage spricht auch dafür, dass Périès die mächtigere Einrichtung des Ordens war.

P.S. Nachtrag zu den Templern in der Provence.

Eine Teilnehmerin der diesjährigen Reise in das Languedoc sandte mir das auf ihrer Rückreise nach Österreich entstandene Foto der festungsähnlichen Templerkirche von Hyères. Dort hatten die Templer einen nicht unbedeutenden Mittelmeerhafen für ihre mächtige Flotte. Vielen Dank für das Bild!

église des Templiers83400 Hyeres (Dept. Var)

Foto: Elisabeth Neufeldt-Schoeller, Wien

 

 

2009 Provence

Die Templer in der Provence

Den diesjährigen Osterurlaub verbrachten wir familiär in der Provence. So bot es sich an, einige Ausflüge in die Umgebung mit der Templerrecherche zu verbinden, allerdings nur in Massen, denn der Familie geht natürlich die Erholung vor. Eine erschöpfende Erkundung der Spuren der Templer in dieser riesigen Region würde zudem Wochen dauern. Leider ist die Literaturlage für die für uns erreichbare Umgebung nicht günstig, so dass die ausgewählten Ziele mit aller Vorsicht zu untersuchen waren.

Was man heute unter „der Provence“ versteht, ist etwas unscharf. Das liegt vor allem daran, dass der Begriff früher eine andere Bedeutung hatte. Der Name kommt von einer Einteilung des römischen Reiches: provincia Narbonnensis und umfasste die gesamte Mittelmeerküste des heutigen Frankreich und deren Hinterländer. Diese Gebiet ist im heutigen Frankreich in zwei Régions aufgeteilt, nämlich die Région Languedoc-Roussillon, westlich des Flusses Rhône bis hinunter zur Grenze nach Spanien und der Région Provence-Alpes-Côte-d’Azur. Sie schließt am östlichen  Rhône-Ufer an und reicht bis an die italienische Grenze. Im heutigen Sinne versteht man unter Provence damit wohl nur noch das Hinterland der Côte-d’Azur und die Küstenlinie von Toulon über Marseille zum Rhône-Delta. In der geographischen Mitte dieser Provence befand sich unser Urlaubsdomizil am Fusse der Montagne du Luberon in der Nähe der Stadt Apt.

Der Forschungsradius wurde auf ca. 50 Km gesteckt, bis auf eine Fahrt an die Küste, an den – heute wie früher – legendären Badeort Les Saintes-Maries-de-la-Mer, die es erlaubte, Angenehmes mit Nützlichem zu verbinden.

Zur Vorbereitung der Recherche habe ich mich zunächst auf das grundsätzlich verlässliche Standardwerk von Jean-Luc Aubarbier, La France des Templiers, Sites, histoire et légendes, Éditions Sud Ouest, 2007 beschränkt und daraus einige Templerorte ausgewählt, die von unserem Domizil ohne Mühe erreichbar schienen. Vor Ort ist mir allerdings klar geworden, dass Aubarbier – dessen allgemeine Schwäche darin besteht, seine Quellen nicht nachvollziehbar genug zu nennen – sein Wissen über die Templerorte in der Provence offenbar fast ausschließlich auf die Veröffentlichungen eines Bernard Falque de Bezaure stützt. Dieser Autor, der als früherer Archivar einer Bibliothek in Aix-en-Provence Zugang zu historischer Detail-Literatur seiner Region und zu Manuskripten aus früheren Jahrhunderten hatte und wohl auch über ein Familienarchiv verfügt haben dürfte (seine Familie besass ein Chateau und hatte selbst dem Templerorden sowohl Ritter als auch Güter gestellt), hat fleissig in seiner Heimat vor Ort recherchiert und bis 1996 zehn Bücher über Templerspuren in verschiedenen Teilgebieten der Provence veröffentlicht. Seine Bücher sind inzwischen offenbar vergriffen und im Buchhandel derzeit nicht zu beschaffen, was dem Autor einen zusaätzlichen Hype verschafft, denn im e-bay steigen die Preise rasch auf über sechzig Euro, wenn mal eines seiner Bücher auftaucht. Mir gelang es, das Buch „Sur les Traces des Templiers de Vaucluse“ zu ergattern und ich war damit für unsere Expedition ausreichend gerüstet, denn unsere Ziele waren nur im Departemenet 84 Vaucluse gesteckt.

Trotz aller Mühen, die Falque de Bezaure auf sich genommen haben muß, ist zu bemängeln, dass er die Scheidelinie zwschen Forschung und Legende nicht scharf genug zieht, was den wissenschaftlichen Wert seiner Darstellungen arg in Mitleidenschaft zieht. So beginnen viele Beiträge mit Wendungen wie „selon une tradition locale…“ (örtlichen Gerüchten folgend…), was diese Berichte weitgehend entwertet.

1. Ausflug

Für den ersten Tag nach unserer Anreise wählten wir leicht erreichbare Ziele in nächster Umgebung zu unserer Bleibe.

Nach Aubarbier und de Bezaure sollen die Templer auf dem Gebiet der Gemeinde 84400 Saignon ein Schloss besessen haben, was sich aus den Cartulaires der Kirche von Apt ergäbe. Im (nicht vollständigen) Verzeichnis des Kulturministeriums über die Sehenswürdigkeiten der Gemeinde findet sich ein Eintrag über ein Kloster St. Eusèbe aus dem 12 Jh.  Der Ort liegt malerisch auf einem der Ausläufer des Luberon:

 84400 Saignon

Aufgang zur Burg

Oben angekommen, bot sich uns ein verwirrendes Bild. Offenbar hat man versucht, aus den mittelalterlichen Ruinen vor einer Kapelle auf der Spitze der Erhebung irgendwelche bewohnbaren Räume zu (re-)konstruieren, wobei ohne es ohne detaillierte Überprüfung nicht mehr möglich erscheint, zu erkennen, was da noch original sein könnte.  Wie es scheint, wurden Fensterlaibungen und -stürze wahllos aus Schuttbergen herausgezogen und mit alten Mauersteinen zu Räumen zusammengezimmert.

Die Kapelle scheint mir hingegen echt zu sein. Ihre Basis könnte aus der Templerzeit stammen, auch wenn die Fassadengestaltung  auf das 17 Jh. hinweist. Das Anwesen ist in Privatbesitz.

Zweifel sind m.E. auch an der Echtheit dieses Gargoyles und des darunter befindlichen „Baphomets“ erlaubt.

Die nächste Etappe unseres Ausfluges stellt das in der Region recht bekannte Fort von Buoux dar. Der Ort soll nach den Feststellungen de Bezaures im Jahre 1209 vom Grafen Guillaume IV de Fourcalquier testamentarisch an den Orden abgetreten worden sein. (de Bezaure, S. 123 ff.) . Laut de Bezaure sollen die Templer sogar die Festung Buoux gebaut haben, und zwar nach dem Vorbild einer Templerburg in Palästina. Die öffentlichen Tafeln vor Ort enthalten leider keinen Hinweis auf die Templer. Die offizielle website Patrimonie de France auch nicht. Vor Ort ist festzustellen, dass viele Ruinen der ausgedehnten Anlage aus der Templerzeit stammen.

 

Fort, 84480 Buoux, zweiter Wallgraben

Der Aufenthalt auf dieser Festungsruine ist nicht ungefährlich. Die Ränder des Felsplateaus sind nicht befestigt und es geht steil in die Tiefe.

Links im Bild die Festungsruine aus dem 13. Jh., der Blick ist gerichtet auf den dritten, obersten Wall.

 

Dieses letzte Bollwerk besteht u.a. aus einem ca. 4 Meter tief in den Fels gehauenen Wassergraben und hatte eine Zugbrücke.

Blick hinab in die Tiefebene von Apt

Nach der offiziellen Lesart sind das vorgeschichtliche oder frühmittelalterliche Kornspeichergruben. Nach Falque de Bezaure Templergräber. Ich meine, da irrt er. So etwas wäre mir neu. Dafür gibt es nirgendwo sonst andere Beispiele. Vorgeschichtliche Kornspeichergruben gibt es z.B. in in der Iberer-Siedlung Ullastret in Katalonien. Sie sehen denen hier sehr ähnlich.

2. Ausflug

Etwas südlich von Apt befindet sich die Gemeinde 84160 Vaugines, die ebenso wie die Nachbargemeinde 84160 Lourmarin Templerbesitzungen beinhaltet haben soll. Während in Lourmarin keine charakteristischen Gebäudereste entdeckt werden konnten, befindet sich vor dem Ortseingang von Vaugines eine sehr alter Gebäudekomplex mit  Kirche (genannt: La commanderie), der aus der Templerzeit stammen könnte:

La commanderie84160 Vaugines

3. Ausflug

Der dritte Ausflug führte uns zunächst in die entzückende Kleinstadt L’Isle-sur-la-Sorgue, die sich rühmt, neben Paris  die bedeutensten Antiquitätenhändler Frankreichs zu beheimaten. Regelmässig wird die ganze Stadt in einen Flohmarkt verwandelt, in dem es Nahrungsmittel, Feinkost, Produkte der Region wie Körbe, Seifen und Tonwaren, Möbel, Kleidung und eben auch echte Antiquitäten zu erstehen gibt. Die Ausfallstrassen sind kilometerweit zugeparkt. Aber die Mühe lohnt sich, es war sehr vergnüglich. Nachdem die Familie hier voll auf ihre Kosten kommen konnte, durfte ich auf der Rückfahrt noch zwei mutmassliche Templerorte „einbauen“.

Nach Aubarbier soll sich in der Gemeinde Le Thor ein Beispiel einer Kooperation der Templer mit einer Bruderschaft von Maurersleuten zeigen. Ich will nicht missverstanden werden. Das ist kein versteckter Hinweis auf eine angebliche Verbindung der Templer mit den Freimaurern. So etwas gab es damals noch nicht. Die Freimaurerbewegung entstand erst im 18. Jahrhundert. Zur Zeit der Templer gab es aber auch Vereinigungen von Bauleuten. Die werden ihre Berufsgeheimnisse natürlich auch schon gehütet und gewiss nicht mit jedem geteilt haben, sodaß man auch den mittelalterlichen Maurern ein gewisses Maß an Geheimniskrämerei nachsagen darf. Ob das schon den Namen Geheimgesellschaft verdient, mag dahingestellt bleiben.

Es ist naheliegend, dass die Templer eine besondere Nähe zu solchen Bauhütten gesucht haben, denn sie hatten in der recht kurzer Zeit ihrer Entwicklung einen enormen Bedarf an der Errichtung von Gebäuden und Kirchen. Man wird sagen können, dass der Orden der Tempelritter einer der größten institutionellen Bauherren des Mittelalters gewesen sein dürfte. Die Abteien der Mönchsorden und die überall aus dem Boden spriessenden Kathedralen waren zwar – für sich besehen – jeweils viel größer und viel spektakulärer.   Das Netz der Templereinrichtungen war aber erheblich dichter. Aus diesem – ohne besondere historische Kenntnisse abzuleitendem – Befund unterstelle ich eine sehr enge Bindung, wenn nicht gar gegenseitige Abhängigkeit der Tempelherren von den Maurersleuten – et vice versa.

Vor Ort fanden wir eine eigenwillige Kirche

Eglise, 84250 Le Thor

Überall liessen sich  Steinmetzzeichen entdecken, wie dieses:

Solche Steinmetzzeichen zeigen sich aber auch an anderen mittelalterlichen Bauwerken, wie etwa dieses sogar sehr ähnliche Zeichen an der Aussenwand der sog. Barbarossa-Pfalz in Gelnhausen (Hessen):

Zufällig entdeckte ich noch eine weitere Übereinstimmung von ähnlichen Zeichen, die sich in Le Thor und in Gelnhausen zeigen. Zum Beispiel ein  N in Le Thor:

und in Gelnhausen:

Das wird nicht allzuviel zu sagen haben. Die Steinmetze werden den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen als ihr Zeichen auserwählt haben und so mag es zufällig bei beiden Bauhütten Männer mit den Anfangsbuchstaben A und N gegeben haben. Dieses Zeichen gibt aber meines Erachtens einen recht eindeutigen Bezug zum Templerorden:

Das Tatzenkreuz des Templerordens

In der näheren Umgebung sollen sich nach Falque de Bezaure noch weitere Templerorte befinden, aber es war Urlaub und so mußte man sich beschränken. In 84300 Les Vignères sollte die die Kirche Notre Dame de Vignères befinden. In der Tat entdeckten wir eine Kapelle unzweifelhaft aus dem 12. Jahrhundert neben eine Fußballplatz:

Notre Dame de Vignères, 84300 Les Vignères

Ein reizvolles Detail von der Südseite: Eine Sonnenuhr

Das Alpha-Omega Zeichen über der Sonnenuhr, sog. Chrismon, befindet sich auf zahlreichen Templerkirchen der nördlichen Pyrenäen, etwa in Montsaunes, aber auch auf anderen Kirchen der Region aus der Zeit. Das beweist immerhin, dass auch die Sonnenuhr aus dem 12 Jahrhundert stammt, denn die Meisselarbeit ist einheitlich. Eine Sonnenuhr fanden wir auch an der Templerkirche von Magrinne bei Bordeaux. Vielleicht kein Beweis, aber ein Indiz, dass es sich hier tatsächlich um eine Templerkirche handelt.

Einige Kilometer weiter westlich auf der heutigen D 900, die Apt und die Haute Provence mit Avignon verbindet und die schon zur Römerzeit eine Hauptverbindungsader (via domitia) darstellte, befindet sich an einer strategisch ausserordentlich geschickten Stelle eine Burgruine mit einer Kapelle aus dem 12. Jahrhundert. Es ist erwiesen, dass diese Anlage von den Templern stammte. Das Gebäude nennt sich jetzt Chartreuse de Bonpas, beherbergte früher ein Kloster und jetzt ein Weingut. Es gehört zu der Gemeinde 84510 Caumont-sur-Durance. Die Trasse der uralten Fernstrasse passiert hier eine Engstelle zwischen dem recht beachtlichen Fluß Durance und einem Bergausläufer, sodaß von der Lage dieser Burg der gesamte Fernverkehr ohne jede Mühe kontrolliert werden konnte.

chapelle des Templiers, Chartreuse de Bonpas, 84510 Caumont-sur-Durance

Noch heute ist hier ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Provence. Direkt neben der ehemaligen Templerburg überquert jetzt die A 7 Nizza-Lyon das Tal der Durance und in unmittelbarer Nähe davon befindet sich der Airport von Avignon. Die Fernstrasse via domitia spielte wohl zu allen Zeiten – möglicherweise auch schon zu vorrömischen – eine ausserordentliche Rolle. Sie startet in Turin, überwindet bei Susa die Alpen und landet in 05100 Briançon in der Haute Provence. Von dort führt sie über Apt nach Nîmes, Béziers und von dort weiter über Narbonne  nach Spanien. Vermutlich benutze Hannibal diesen Weg bereits, als er mit einer grossen Armee 218 v. Chr. nach Italien einmarschierte. Im Mittelalter war diese Trasse von Briançon  nach Avignon Bestandteil des südlichsten französischen Pilgerwegs nach Santiago de Compostela. Von der einstigen Wichtigkeit dieser Strasse für das römische Verkehrsnetz zeugt die ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindliche  Brücke Pont . Julien, die vor 2000 Jahren so massiv und dauerhaft gebaut wurde, dass bis vor wenigen Jahren dort sogar noch LKWs drüber donnern durften.

4. Ausflug

Ein Ausflug planten wir nach Orange, wo sich das am besten erhaltenste Theater des ehemaligen römischen Reiches befindet. Auf dem Weg dahin befanden sich zwei Templerziele, die Gemeinde 84570 Blauvac, in deren Nähe sich die angebliche Templerkapelle Notre Dame des Neiges befinden soll.

chapelle Notre Dame des Neiges84570 Blauvac

Ob es sich hierbei wirklich um eine Kapelle der Templer handelt, ließ sich vor Ort nicht klären. Es ist eine Wallfahrtskapelle, die nur zu Fuß zu erreichen ist, aber es gab keine Hinweisschilder auf die Templer. Von dwer Größe und vom Baustil her könnte es passen. Ihre Namen trägt die Kapelle zu recht, denn von ihr hat man einen herrlichen Blick auf den schneebedeckten Gipfel des Mont Ventoux, der höchsten Erhebung der Provence.

Mont Ventoux

Der nächste Templerort auf meiner Liste heißt 84380 Mazan. Das wird von mehreren – aber nicht allen  – Quellen bestätigt. Nach Falque de Bezaure, S. 174 ff, gibt es mehrere Literaturstellen, in denen die Präsenz der Templer in diesem Ort behauptet werden. Es sind auch zwei Namen von Würdenträgern diese Ordens aus dem Ort überliefert. Bis 1847 erschien der Name der Strasse hinter der Pfarrkirche St. Nazaire und St. Celse noch als „rue des Templiers“ im Kataster der Gemeinde. Die Kirche kann durchaus schon im 12 Jh.gestanden haben, aber sie hat später zahlreiche Änderungen erfahren:

église paroissiale, 84380 Mazan

Detail vom Portal aus dem 12 Jh.:

Innen finden sich diese Kreuze an der Wand, aber so etwas gibt es auch in anderen Kirchen.

Dieser Schlussstein ähnelt auch sehr dem Templerkreuz, aber das ist auch kein Beweis. Ich glaube, der ist moderner.

Interessant ist die Gemeinde auch weil sie der Stammsitz der Familie de Sade darstellt, die schon zur Kreuzugszeit dort existierte und aus der ein gewisser Schriftsteller mit etwas absonderlichen Neigungen hervorgegangen ist. Eines seiner Schlösser kann dort besichtigt werden, falls man das möchte.  Das Wappen der Stadt sieht irgendwie „hermetisch“, nach Alchimie aus:

Die Inschrift: „in mano dei omnia sunt“ (- soweit reichen meine Lateinkenntnisse hoffentlich noch -)  bedeutet: Alle sind in Gottes Hand. Das tröstete uns, also setzen wir unsere Fahrt fort.

Der Ausflug endete in der von den Römern gegründeten Stadt arausio, die sich heute Orange nennt. Was wenig bekannt ist, das Fürstenhaus, das heute die Monarchen der Niederlande stellt, stammt aus dieser ehemaligen Grafschaft von Orange, deren Gründung auf die Zeit Karls des Grossen zurückgeht. Insoweit ist auch die Wahl der Farbe für das Trikot der niederländischen Nationalmannschaft kein Zufall.

röm. Theater von Orange

In Orange waren die Templer auch begütert. Die Häuser sollen sich in der Nähe des Theaters befunden haben, aber es ist davon wohl nichts mehr übrig. Den Templern von Orange ist es gelungen, sich in den Jahren 1307 und 1308 ihrer Verhaftung zu entziehen. Sie konnten sich durch die Benutzung unterirdischer Geheimgänge in Sicherheit bringen.

In Orange gibt es eine Statue des Grafen und Kreuzfahrers Raimbaud  II von Orange zu bestaunen. Er ist gewissermassen ein Urahn der niederländischen Königin wird als Eroberer von Antiochien und Jerusalem im Jahre 1099 gefeiert. Die Grafen von Orange standen den Templern zunächst sehr wohlwollend gegenüber. Es ist anzunehmen, dass ihre Familie auch Ordensbrüder stellten.

5. Ausflug

Der nächste Ausflug führte uns wieder in das Comtat Venaissin, dort haben Sie, verehrte/r Leser/in mich im Juni 2008 schon einmal begleitet, als ich Ihnen dort die  commanderie von Richerenches zeigte. Die ehemalige Enklave des Papstes in Frankreich ist heute noch eine geographische Besonderheit. Ein Stück des Departements 84 Vaucluse befindet sich – getrennt vom übrigen Gebiet – in dem Departement 26 Drôme. Dort hofften wir, die Templerorte Roaix, Buisson und Villedieu zu erforschen und schließlich in der Stadt Vaison-la-Romaine die größten Ausgrabungen der Römerzeit in ganz Frankreich anzusehen.

Die Templerkapelle von Roaix ist nicht ohne weiteres zu besichtigen. Sie befindet sich auf einem abgeschlossenen Privatbesitz und nach Meinung von Passanten aus dem Ort sei es schwierig, das Einverständnis des Eigentümers zu erlangen. Nach Aubarbier gehört das Gelände heute einer der modernen Organisationen, die den Templerorden als Namensbestandteil führen.. Die Tatsache, dass es in Roaix eine Templercommanderie gegeben hat, ist überall in der Literatur bestätigt und ausnahmsweise einmal unstreitig.

Auf diesem Link kann man die chapelle Notre-Dame des Crottes der ehemaligen Templerkomturei von Roaix betrachten:

http://www.roaixinformatique.com/index.php?page=99

Die Nachbargemeinde 84110 Buisson ist ebenfalls mit Gewissheit eine Niederlassung der Templer gewesen. Nach einer noch vorhandenen Urkunde hat ein Bernard de Saint Véran am 14.01.1205 den Ort dem Templerorden geschenkt (de Bezaure, S. 122). Es gibt noch Reste mittelalterlicher Verteidigungsanlagen zu sehen.  Die Kirche Notre-Dame de Buisson ist von den Templern gegründet worden (Aubarbier, S. 277):

église Notre-Dame84110 Buisson

3 km östlich davon liegt die Gemeinde 84110 Villedieu. Auch hier ist die ehemalige Templerpräsenz gesichert. Es gibt eine Urkunde aus 1219. In ganz Frankreich verstreut existieren zahlreiche Ortschaften oder Ortsteile des Namens Villedieu, an deren Gründung der Templerorden Anteil hatte. Ich werde das zu gegebener Zeit einmal gesondert untersuchen und eine Liste erstellen.

84110 Villedieu

Gebäude auf dem Commanderiegelände

ehem. Donjon der commanderie und heute Kirchturm der Pfarreikirche

Templerkreuz an der Aussenwand der Gebäude

Der Tagesausflug endete in der Stadt Vaison-la-Romaine, wo man ausgedehnte Teile der gallo-römischen Stadt freigelegt und zur Besichtigung zugänglich gemacht hat. Die Anlagen sind so weitläufig, dass man sie nur schlecht mit der Kamera einfangen konnte. Hier ist ein recht gut erhaltenes Gemeinschaftsklo mit wesentlichen Einzelheiten zu erkennen. Ein solches Gemeinschaftsklo habe ich schon einmal am Hadrianswall im Norden Englands gesehen. Es ist offensichtlich bei den Römern üblich gewesen, gewisse Geschäfte in Gesellschaft zu verrichten.

römisches Gemeinschaftsklo in 84110 Vaison-la-Romaine

Abschliessend noch der Blick auf eine richtige Einkaufsstrasse aus der Römerzeit. Der rechte Bürgersteig war mit Arkaden überwölbt und dahinter befanden sich dann die Ladenlokale.

Der Urlaub neigte sich dem Ende zu. Aber ein Rätsel sollte ungelöst bleiben. Nach der mir vorliegenden Literatur soll es in meinem Urlaubsort selbst, in Saint Saturnin-lès-Apt eine schöne romanische Templerkapelle gegeben haben und zwar an einem Ort namens Saint-Marin (Aubarbier, S. 383). Anderen Quellen zufolge könnte der Ort auch St. Morin, St. Maurin oder St. Maurice-de-la-Cavalerie gehiessen haben. Im Ort gab es ein Hinweisschild auf einen Ortsteil St. Morin. Ich fragte meine Vermieterin, eine Dame die ihre Kindheit schon in der Gegend verbracht hatte. Sie erzählte, dass es tatsächlich einen Ort St. Marin gäbe, es handele sich um eine ferme, also ein Gehöft ausserhalb des Ortes. Früher sei dort irgendeine kirchliche Organisation ansässig gewesen, es befinde sich deshalb ein grosses Holzkreuz vor dem Anwesen. Das Haus sei kürzlich verkauft worden, der neue Besitzer lasse sich aber wohl nur selten sehen, zumeist sei das Anwesen verschlossen. Sie habe auch gehört, dass sich dort eine Kapelle befinden würde.

Ich fuhr mit dem Auto vor das mir beschriebene Gehöft und das grosse Holzkreuz war gut zu sehen. Das Navi zeigte exakt vor dem Anwesen die Ortsbezeichnung St. Marin an. Ich hatte also das Anwesen gefunden. Es ist jedoch verschlossen und rundherum eingemauert bzw. eingezäunt. Es gelang also nur ein Blick von aussen in das Anwesen. Eine Kapelle oder dergleichen war nicht zu entdecken.

ferme St. Maurin, 84490 Saint  Saturnin-lès-Apt

Das Geheimnis muß ich das nächste mal lösen, wenn wir da noch mal Urlaub machen. Der Altar der Templerkapelle von St. Saturnin soll im Museum von Apt zu besichtigen sein. Aber: man muß auch noch ein paar Rätsel übrig lassen, sonst lohnt es sich nicht, da noch einmal hinzufahren.

Auch wenn es wegen der vielen Templerorte, die wir diesmal besichtigten, hier vielleicht nicht so aus sah: Es war ein sehr schöne Urlaub, das Wetter lud nicht zum Faulenzen sondern ehr zu Ausflügen ein und in allen Orten, die wir besuchten, gab es stets auch alles andere, was man sich auf Reisen wünscht. Geschäfte, Cafés, Restaurants und Boutiquen, sodaß jeder von uns auf seine Kosten kam.

Immerhin gelang in diesem Teil der Provence auch wieder der Beweis, dass die Templer sich an alten und wichtigen Fernstrassen niederliessen, hier entlang der Trasse der römische via domitia, die von Turin über die Alpen führt und dann stets am rechten Ufer der Durance  entlang läuft. Die Römer sich hier schon niedergelassen und vor ihnen die Kelten, die wahrscheinlich auch vor den Römern schon diese Fernstrassentrasse benutzten. Es gibt entlang des Fernweges in der Provence einige keltische Siedlungen – auf unserem „Hausberg“ hinter unserem Ferienhaus gab es eine – und Ortsnamen wie Oppède (ein klarer Hinweis auf oppidum, wie die Keltensiedlungen genannt werden).

Nächsten Monat werde ich mir ansehen, wie die Templer sich auf der anderen Seite des Rhône an die alte Fernstrasse gesetzt haben, im Languedoc, dem Ziel der nächsten Templerreise….

2009 Polen

Die Templer in Polen

Wie letztes Jahr angekündigt, stand noch eine Erkundungsreise zu den Templern in Polen an. Die mußte aber bis ins neue Jahr aufgeschoben werden. Erst im Februar kam ich wieder nach Berlin, und konnte die Gelegenheit für eine Reise nach Polen nutzen. Die Fahrt ging von Berlin in Richtung Küstrin, über die B1 – vorbei an den Templergütern Lietzen, Marxdorf usw.  nach Polen und wir landeten dort in der Woiwodschaft Lebus. Dort hätte die Templerbesitzung Slonsk gewartet. Sie mußte aber unendeckt bleiben, weil wir uns – auch auf der Suche nach einem Nachtquartier – erst nach Norden bewegen wollten.

Die Woiwodschaft (sowas ähnliches wie ein Bundesland bei uns) nördlich darüber heißt województwo zachodniopomorskie, oder Woiwodschaft Westpommern.

Als unser erstes Ziel dort wählten wir  Chwarszczany/Quartschen aus, wo die wohl bekannteste, größte und am besten erhaltenste Kirche aus der Templerzeit auf uns wartete.

Ich gebe den Namen der polnischen Orte mit Postleitzahlen an, weil es unglaublich häufig Mehrfachverwendungen dieser Namen gibt. Der Ortsname Rurka gibt es sogar in der gleichen Woiwodschaft in unterschiedlichen Landkreisen doppelt.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Boleszkowice, vielleicht zwanzig Km östlich der Oder, an dem Fluß Mysla/Mietzel gelegen, befindet sich die Hauptkomturei Quartschen mit der berühmten hochgotischen Backsteinkapelle:

Kaplica templariuszy 74-407 Chwarszczany

Ansicht von Süden :

Man sieht, dass das Fundament der Kapelle aus den gleichen perfekt behauenen Feldsteinen errichtet wurde, wie die Kapellen in Brandenburg.

Ansicht eines Nebengebäudes aus den besagten Feldsteinquadern, wohl auch ursprünglich aus dem Mittelalter, Fenster aus der Neuzeit:

Als nächste Etappe suchten wir uns Dargomysl/Darrmietzel aus, das – wie der Name anzeigt – ebenfalls am Flüßchen Mysla gelegen sein muß, einige 10 Km entfernt. Auch den Namen dieses Ortes gibt es in Polen mehrfach, sodass sich die Planung für diese Reise nicht ganz einfach gestaltete. Zuverlässige Anhaltspunkte, dass man jeweils die richtigen Orte anvisiert, waren auch in der Spezialliteratur schwer zu finden.

Kaplica templariuszy 74-404 Dargomysl

Leider kann man sich auf Reisen das Wetter nicht aussuchen – so entstand dieses schaurig schöne Bild in Eiseskälte.

Die Südseite:

Der Turm ist modern.

Auf der Rückseite der Kapelle eine aufregende Entdeckung, die mich besonders freute:

die Ostseite in der Ausführung wie hunderte von französischen Templerkapellen, besonders am Atlantik, der Chor in sog. chevet-plat-Ausführung, mit drei schlanken hohen Fenstern. Und das 1.700 Kilometer von der Atlantikküste entfernt!

Es sind sogar zweimal drei Fenster, das dürfte aber einmalig sein.

Zum Abschied noch einmal die Nordseite:

Das nächste Ziel war 74-404 Cychry, das ehemalige Zicher. Die Kirche ist von den Templern zwischen 1230 und 1250 errichtet worden.

Ostchor:

Man sieht wieder, dass die ältesten Gebäudeteile (rechts im Bild) noch aus sehr akkurat würfelförmig behauenen Feldsteinen zusammengebaut waren, während bei den späteren Umbauten und Erweiterungen  (linker Bildrand) insoweit eine gewisse Nachlässigkeit an den Tag gelegt wurde.

Ostansicht:

Auf besonderen Wunsch einer Interessentin zeige ich gerne noch ein Foto vom modern renovierten Innenraum dieser Kirche:

Wir beendeten diese Etappe in der nahen Kleinstadt Mysliborz und brachen am nächsten Morgen weiter nach Norden auf, in Richtung Szczecin / Stettin, der Hauptstadt dieser Woiwodschaft, einer respektablen Grosstadt mit wichtigem Ostseehafen. Auf dem Weg dahin waren drei Templerorte zu erforschen.

Erster Zwischenstopp in der Gemeinde 74-110 Banie. Dass die Templer hier gewaltigen Grundbesitz geschenkt bekamen, ist durch entsprechende Urkunden sicher belegt. Die Kirche in der Stadt hat ersichtlich nichts mit den Templern zu tun. Ein verblichener Hinweis führte zu einer Kapelle St. Georg. Wir liessen uns von Passanten den Weg dahin zeigen und fanden am Ortsrand tatsächlich diese Kapelle, die von den äusseren Abmessungen, vom Baustil und von der offensichtlichen Entstehungszeit sehr gut eine Templerkapelle sein könnte. Ich habe dazu aber bisher noch keine Literaturstelle finden können.

 

Kaplica  ´sw Jérzego, 74-110 Banie

Westfassade:

Ein Blick durchs Fenster in den spartanisch ausgestatten Innenraum

Man kann den Urzustand der Kapelle auf diese Weise studieren

Für diese Innenfotos wurde kurzerhand das Leichtgewicht unserer kleinen Reisegesellschaft geschultert. Sie mußte sich in die Fensterlaibung hocken und die Kamera durch eine recht kleine geöffnete Fensterscheibe praktisch „blind“ in den Raum hineinhalten.

Zum Abschied noch den Ostchor:

Der nächste Stopp sollte der angeblichen Templercommanderie von Wildenbruch gelten. Der Ort ist nicht allzuweit von Banie entfernt und heißt heute 74-110 Swobnica. Nach einer kolorierten Postkarte aus 1900 soll es sich bei dem dort vorzufindenden Anwesen um einen Besitz der Tempelritter handeln.

Das gesamte Anwesen ist stark verfallen und einsturzgefährdet. Es ist für die Öffentlichkeit unzugänglich. Es gibt auch keinerlei Hinweisschilder und es wäre ohne die Hilfe von Passanten garantiert nicht zu finden gewesen. Es liegt ausserhalb der Ortschaft, ist von der Landstrasse aus nicht zu sehen  und nur über einen kopfsteinbepflasterten Feld- und Waldweg zu erreichen. Wir haben gut eine halbe Stunde gebraucht, um den Zugang zu finden:

Ja, es hat sich einiges verändert. Man wird die eine oder andere Glühlampe und Tapete ersetzen müssen, und vielleicht doch noch einiges mehr, wenn man mit diesem Gebäude noch einmal etwas anfangen will.

 Ob dieses Gelände tatsächlich etwas mit den Templern zu tun hat, ist heftig umstritten. Urkundlich erwähnt ist jedenfalls, dass es ab 1382 den Johannitern gehörte (Lehmann/Patzner, Die Templer im Osten Deutschlands, S. 67, 73, 74).  Lehmann/Patzner lehnen die Annahme ab, dass die Templer hier Grundbesitz hatten. Wilcke dagegen ist davon überzeugt und zitiert zum Beweis seiner Ansicht eine lateinischen Quelle (Ferdinand Wilcke, Die Geschichte des Ordens der Tempelherren, 2. Aufl. 1860, Neudruck 2005, S. 398 m.w.N.) . Eine weitere Bestätigung dieser Annahme liefert Friedrich v. Restorff in seinem Werk „Topographien Beschreibung der Provinz Pommern“ von aus dem Jahre 1827, ab Seite 193. Hier wird die Herrschaft Wildenbruch beschrieben, die demnach von 1235 bis 1311 den Templern gehörte.  (digitalisierte Ausgabe von Google).

Lassen statt der alten Bücher noch die Bilder dieses etwas unheimlichen Ortes auf uns wirken:

Der gotische, in schwindelnder Höhe befindliche Türstürz beweist, dass es sich hierbei um eine mittelalterliche Anlage handelt

Die stark verfallenen Hauptgebäude könnten aus dem siebzehnten oder achtzehnten Jahrhundert stammen. Hineinzugehen war nicht unmöglich, erschien aber lebensgefährlich. Die Holztreppen wirkten morsch, die  Türstürze bestanden aus teilweise losen Ziegeln. Wir haben uns nur in zwei, drei Räume der untersten Etage des Haupthauses des Schlosses hineingewagt und fanden Reste wunderschöner Stuckdecken:

Dieses verfallene Nebengebäude könnte aus der Templerzeit stammen, es zeigt wieder die bekannten exakt behauenen Feldsteine, die ich bei den erwiesenen Templerkapellen in der gesamten Region schon mehrfach feststellen konnte. Ein Beweis ist das natürlich nicht, denn diese Steine wurden auch für andere Kirchen aus der Zeit benutzt.

Die vorerst letzte Station meiner Templerfeldforschungen in Polen liegt in dem Ort 74-500 Rurka. Man kannte aus dem Netz Fotos von einer stark „vom Zahn der Zeit angenagten“ kleinen Kapelle, die erst kürzlich durch Sanierungsarbeiten am Dach vor dem Totalverfall wirksam bewahrt wurde. Ausserhalb der Ortschaft wurden wir fündig. Die Anlage wurde – auch gestützt durch EU-Mittel – von örtlichen Archäologen sondiert und es wurden Ausgrabungen vorgenommen. Auf dem Gelände eines ehemals wohl begüterten Landsitzes nähert man sich der Kapelle, die nicht ganz leicht zu finden war, mit diesem Blickwinkel:

Die gelben Schilder besagen, das sei Privatbesitz und das Betreten sei verboten.

Ein älterer Herr, der in einem Häusschen nahe bei der Kapelle lebte, gestattete uns aber doch, die Kapelle zu umrunden und Fotos zu machen. Er sagte uns, dass das gesamte Gut kürzlich von einem begüterten Investor erworben wurde, der hier ein Gestüt in großem Stil aufziehen werde. Der Investor würde auch das ziemlich verfallene Schloss wieder instandsetzen lassen. Die Kapelle wolle er in einem Freizeitpark der Öffentlichkeit zugänglich halten. Die Schilder würden vor allem vor etwa herabfallenden Steinen warnen.

Mir scheint, Vorsicht ist gewiss nicht unangebracht. Das müßte die Ostfassade sein.

Von dem Herrn erfuhren wir, dass das Kapellengebäude einst als Schnapsbrennerei umfunktioniert worden war. Man sieht die Spuren ehemaliger Anbauten. Offenbar war hier auch ein Raum mit einer stark russenden Feuerstelle vorhanden.

Rurka hiess früher auf deutsch Rörchen. Es gibt tatsächlich eine typische polnische Süßsspeise, die aus einem mit Sahne gefüllten Waffelrolle besteht und ebenfalls Rurka heisst.

Mit diesem letzten Bild der Kapelle von Rurka möchte ich mich von meinem Templertrip nach Polen verabschieden

2008 Paris

Die Spuren des Temple in Paris

 

Der Aufsatz ist leider in Englisch, ich habe noch keine Zeit gefunden, zu übersetzen und zu überarbeiten. Also hier die „Beta-Version“ zum Schnuppern.

 

Visible Traces of the ancient Temple in Paris?

The Author visited Paris in Oct. 2008 to see – amongst other tasks – if there are still some visible traces of the temple left.

One hint came from the unfortunately recently deceased Jean Markale, in his book Gisors et l’Enigme des Templiers, Pygmalion 1986, Paris. I quote his page 110:

Actuellement, en dehors du nom des rues, qui gardent fidèlement le nom des chevaliers à la Croix Rouge, seuls quelques vestiges épars peuvent se reconnaitre, telle la partie inférieure d’une tour d’angle de l’ancienne enceinte située entre le 32 de la rue de Picardie et le 73 de la rue Charlot, ….“

 

This map shows the major streets of the related area:

 

Fig. 1, (source: Via Michelin)

So I went to the spottet place and by walking down the Rue Dupetit-Thouars and finally approached No. 32 de la rue de Picardie:

 

Fig. 2, 32, Rue Picardie (Foto M.M.)

Closed, no access to the backyards. I then surrounded the block to find the quoted address in 73, Rue Charlot:

Fig. 3 : 73, Rue Charlot, 3eme Arr. (M.M.)

 

 

Again, no entry. No chance. The tower should be behind this door, somewhere in the backyards of the block

From this point I turned to show Rue Charlot southbound. This street is supposed to pass the old temple on its eastern side…The street coming in from the left side is Rue de la Normandie.

I show this photo, because this remarkable angle of this crossing will be helpful later.

 

Fig. 4 Crossing of Rue Charlot and Rue de la Normandie, southbound view (M.M.)

 

Having walked some fifty meters down south I remarked some obviously ancient stones, used to build the first floor of the house at the corner Rue du Forez and Rue Charlot. The following picture shows clearly, that these stones have been brought to daylight recently. The surface of these stones appear to have been handicraftet in medieval times and they seem to have the size and the colour of stones, which could have been used to erect the remparts of the templars estate.

 

Fig. 5: Corner of Rue Charlot and Rue du Forez, northbound view

This picture seems to show dramatically, that the actual name of the quarter „Le Marais“ (i.e. swamp) was justified even in time of Haussmanns visions. After the erection of the first levels these houses sank a little downwards, so that the second level got another angle to correct this.

As there were no further hints in situ, more desktop research shows to be necessary.

This is a sketch of the former templar site dated 1652.

Fig. 6: Drawing from 1652, source Wikipedia

North is left at this drawing. One can clearly see the Rue du Temple heading towards the porte du temple giving way through the city remparts of Paris.

I turned the actual map of the temple to the left, to compare the grid of the streets. Then I marked the possible situation of the temple walls in red. On top of the map there is the referred corner in the yards within the block between Picardie and Charlot

Fig. 7

I focussed the drawing of 1652 to the referred corner with the tower. (Rue Charlot did not exist these days)

Fig 8

and the same part of the rempart on the so called Turgot-Plan of 1734

 

Fig: 9 (source: Wikipedia)

This detail of the plan shows once again the remarkable angle between Rue de Normandie (above) and the Rue Charlot. The small street on the right is Rue du Foret. Rue de Normandie and the eastern temple wall form together an angle of almost 90°. The same angle shows at the wall of the temple and the Rue Beranger in the north of the temple. Rue Beranger follows the former position of the city walls. Rue Charlot has ben added later tho this system. But the last sketch shows clearly, that the Tower referred by Markale is closely behind the front row of buildings of Rue Charlot. And it shows, that the eastern temple wall cuts the crossing of Rue du Forez and the southern part of Rue Picardie. This is shown also above in Fig. 7 with a dark blue spot.

I checked this block on google earth and found a little sensation: The curious angle of the former eastern temple wall and the two parallel streets Rue Picardie and Rue Charlot ist to be seen even today! From the aerial view one can easily see the referred corner of the wall in the backyards. The northern temple wall follows the direction given by Rue Normandie and determined these days by the ancient city wall.

 

Fig. 10 (source google earth)

 

The road down right is Rue Normandie, which meets Rue Charlot. Left of Rue Charlot and almost diagonal runs Rue Picardie. The house row in this backyard system shows the same declination like the former templar wall. Down left of this picture one can see the crossing of Rue du Forez with Rue Picardie.

This is evidence, that an at least seven hundred years old real estate border survived until now.

And there is another evidence, when one takes a closer look on the northern wall of the ancient temple.

Again I refer to the Turgot Plan, which shows the northern wall on its left side:

Fig. 11: Turgot plan

I concentrate on the northwestern corner which is shown down left. The house at the corner of Rue du Temple and Rue de Vendôme (today Rue Beranger) still exists today, as shown by the following two pictures:

The last picture shows the former temple boundaries in the middle of the picture. It is not much, what was left over from the old temple. But at least this short report found evidence, that one can still trace some of the former boundaries and wall positions.

This report shows also, that it will be absolute necessary to enter the backyard system between Charlot and Picardie, to have a closer look on the said remains of the ancient tower.

Markus Menzendorff, Frankfurt, 19.01.2009

 

 

 

 

 

Turgot Plan of 1734: The northern wall of the temple is to be seen on the left. Rue de Normandie is on top of this picture. The north-eastern corner of the wall form an estimated 90° angle and the wall on top of this painting is the eastern border of the temple area. The edge touches the Rue Charlot, crosses the Rue Picardie at the crossing of Rue du Forez and forms thus the curious angle to Rue Charlot.

(source: google earth)

I tried to get the same point of view by some rotations. Down there is Rue du Temple. Some 15 mm from todays Rue Beranger on the left side of this picture one can clearly see the former northern border of the temple having survived as todays real estate borders. On top of this picture, one sees once again the templars border and the edge in the backyards between Rue Picardie and Rue Charlot.

And some bonus material:

 

Paris Oktober 2008 087 Nôtre-Dame de Paris

Paris Oktober 2008 145Basilique de St. Denis

2008 Lorraine

Templer in der Lorraine

Im März 2007 war die Lothringen-Visite zu knapp geplant. Wie sich durch inzwischen neu erworbene Literatur ergab, hätte es dort noch mehr zu entdecken gegeben. Im September 2008 machte ich mich für einen Tagesausflug auf, um die Versäumnisse nachzuholen. Ich habe den Trip unterschätzt.Am Ende des Tages hatte ich 700 Kilometer auf dem Tacho (!) und der Tank war leer, als ich schließlich im Elsass rechtzeitig zum Abendessen eintraf.

Meine Reise führte mich durch drei der vier Departements der Région Lorraine, bestehend aus 55 Meuse, 54 Meurthe-et-Moselle, 57 Moselle und schließlich 88 Vosges.

1. Station 57120 Pierrevillers Ein grosser Templerhof ist dort durch Urkunden nachgewiesen.

 

 

 

Architektonisch sind die Spuren nur noch gering, alle Häuser dieses Hofes stammen aus 1820+, was nahelegt, dass in der Revolution hier radikal gewütet würde.

Hier ein Blick auf die inzwischen längst zur Pfarrkirche umgewandelte ehemalige Komtureikapelle:

 

Etwas komisch mit den Templern in Lothringen. Einerseits hört man, sie seien dort genauso unnachsichtig verfolgt worden, wie im Königreich Frankreich. Andererseits weiss man, dass die Templer dort faktisch erst 1319 aufgehört haben, zu existieren und bis dahin noch zahlreiche Einrichtungen offiziell in ihrem Besitz hielten.

Hier in Pierrevillers gibt es dafür ein steinernes Indiz. Auf einem Stein in dieser Kirche gibt es ein lateinisches Memento auf das Ende der Templer in 1314. Ich kam leider nicht rein und hatte auch keine Zeit, lange nach dem Schlüssel zu fragen, denn es stand noch einiges auf dem Programm.

 

Dann südlich runter an dem rechten Ufer des französischen Teils der Maas entlang zu

2. Station 55500 Dagonville im Departement Meuse

Ob das eine Templerkirche ist, muß offenbleiben. Der Chor und die Apsis könnten aus der Templerzeit sein. Man wird annehmen können, dass diese Kirche von den Tempelherren mitbenutzt wurde, aber ein Hinweis fand sich nicht. Die commanderie soll ausserhalb liegen. Ich habe sie indes nicht gefunden. Es konnte mir auch niemand helfen.

Der nächste Templerort war nur einige Kilometer entfernt, nach Osten vielleicht 20 Kilometer. Meine

3. Station 55300 Marbotte

Im Dorf selbst war nichts templerisches zu erkennen, eine Kirche, die ihre Ursprünge vielleicht im Mittelalter gehabt haben könnte, und ein paar Hinweise auf nahe Kriegsgräber aus dem „Grossen Krieg“ 1914 – 1918. Die Mairie war offen, mein Glück. Die Templer seien nicht hier im Ort gewesen, sondern am westlichen Ortsausgang in einer sog. ferme. Ob ich dort einfach hineinkönne? Ich müsse mir natürlich die Gestattung durch den Eigentümer verschaffen. Ok, dann also los, von der Landstrasse über einen Holperweg (hab ich schon erwähnt, dass sich das Menzomobil im Bedarfsfalle pneumatisch um 10 cm anheben lässt?  ) den Hang hinauf, da sah ich das:

 

 

Das Auto abgestellt, zu Fuß näher hingepirscht, zum Eingang, den man in obigem Bild etwas links neben der Bildmitte erkennen kann:

 

Immer noch keine Menschenseele, alles total ruhig. Der Eingang im Hintergrund, jawollja, das war es, was ich suchte. Niemand, der auf mein Rufen reagierte, aber auch nichts, was weiteres Hereinschleichen verhindern sollte.

Einen Schritt weiter:

 

Sieht schon sehr nach commanderie aus, was kommt, wenn man vollends im Hof steht:

 

Was ich nicht wußte: In dieser Kapelle gibt es Deckenmalereien, die noch zu besichtigen sind.

 

 

Ich fuhr weiter östlich, nach Toul, einer grösseren Industriestadt. Dort lenkte mich der Navi in unmittelbarer Nähe eines hässlichen Gewerbegebietes von der Hauptstrasse runter. Ich geriet in ein landwirtschaftliches Anwesen mit mehreren Häusern. Nachdem ich mir von den Anwohnern hierzu die Erlaubnis eingeholt hatte,  fuhr ich noch 50 Meter weiter, dann tauchte das hier unerwartet vor meinen Augen auf:

4. Station 54200 Libdeau

 

 

Tolle gotische Rosette. Starker Verfall des Gebäudes, seit mehr als einem Jahrhundert wohl nur als Stall oder Scheune benutzt. Seitenansicht:

 

Betreten strikt untersagt! teilten mir verwitterte Schilder auf den fast offenen Holztüren mit. Richtig hineingelangen konnte oder sollte man besser nicht. Die Türen liessen sich nur ein Stück öffnen. Von der Decke bröselte es Staub und Steine, also machte ich nur ein paar Bilder und zog mich wieder hinaus.

An der Fassade stellte ich wieder Kragsteine fest, eine ähnliche Einrichtung, wie wir sie letztens an der Templerkapelle von 33 Magrigne diskutiert haben.

 

Falls dies die Spuren eines ehemaligen Aussichtsbalkons gewesen sind, hätte man von diesem Balkon aus die Strasse, die von Toul aus nach Nordosten führt, bestens im Blick gehabt.

Die letzte Station an diesem durchaus anstrengenden Tag sollte 57260 Gelucourt sein. Hier gab es noch die Überreste einer Templerkapelle zu sehen, deren Schiff bereits abgetragen war. Nur noch der Chor blieb stehen:

 

 

Nun freute ich mich auf ein reichhaltiges Abendessen im Elsass und überquerte die französisch-elsässische Sprachgrenze nach Osten ins Departement Bas-Rhin.

2008 Ile de France

Templer in der Region Ile-de-Francé

Auch im diesem Jahr entschied die Familie, Urlaub am Atlantik zu machen, weil es uns das letzte Jahr dort ausserordentlich gut gefallen hatte. Natürlich konnte ich der Gelegenheit nicht widerstehen, die Reiseroute so zu legen, dass man unterwegs noch ein paar Templer-Locations „mitnehmen“ konnte.

Auf dem Hinweg pausierten wir im Grenzgebiet der Champagne zur Ile-de-France, im sogenannten Brie. Dort befindet sich die Templercommanderie 77120 Coulommiers, im Departement 77 Seine-et-Marne, Ile-de-France, 60 Km östlich vor Paris, etwa auf der Strecke Paris – Nancy. Die Stadt ist weltberühmt für ihren gleichnamigen Brie-Käse.

Es handelt sich um eine der komplettesten Commanderien in ganz Frankreich mit erstaunlich viel übriggebliebener Bausubstanz aus der Templerzeit. Die Logis des Commandeurs ist etwa zur Hälfte noch Original, leider einsturzgefährdet. Bis in die sechziger Jahre wurde dort eine Farm betrieben.

Status 1900:

Die Commanderie liegt auf einem Hügel, ca 40 Meter über der Stadt. Die Stadt kaufte das Gelände 1968 und wollte den Krempel abreissen. Rundherum finden sich abstossende Plattenbauten aus den sechzigern und eine Nervenklinik, die hätte vergrößert werden sollen. Das scheiterte an mutigen Bürgern unter der Führung eines gewissen Jean Schelstraete, die eine Gesellschaft gründeten und versprachen, 99 Jahre lang das Denkmal ehrenamtlich zu erhalten. Das funktionierte bis 1990, jetzt hat man eine professionelle Einrichtung drangesetzt und nimmt kostendeckenden Eintritt.



chapelle Ste. Anne, Coulommiers

Drei Fenster. Rechteckiger Grundriss. chevet plat, so nennt man den Chorabschluß, der für Templerkapellen sehr weit verbreitet ist.

Die Commanderie von Coulommieres bietet auch seltene Einblicke in unterirdische Bauten der Templer:

Die Katakomben der Templer, die für ihre sprichwörtliche und weitentwickelte Tiefbautechnik den Namen Maulwurfsorden verdient hätten.

Und jetzt kommt noch eine kleine Sensation.

Le Colombier, der Taubenturm von innen

Von Nachrichtenwesen war indessen auf den Hinweistafeln nichts zu lesen. Man schrieb dort, die Tauben seien zur Ernährung oder zu agronomischen Zwecken benutzt worden. Ich bezweifele das und gehe davon aus, dass man sich (auch) Brieftauben zur Nachrichtenübermittlung hielt.

Könnte es sein, dass der Name der Stadt Coulommiers von dem Wort für Taube abgeleitet ist? Wenn ja, deutet das an, dass die Taubenwirtschaft sogar der Hauptzweck dieser Commanderie gewesen sein könnte. Einige Templereinrichtungen haben ähnliche Worte als Namensbestandteil, Ste. Colombe-de-la-Commanderie zum Beispiel. Ist nur so eine Idee. Gefunden habe ich dazu noch nichts.

Blick von Südwesten auf die Kapelle Ste. Anne

Neben der Commanderie befindet sich ein mittelalterlicher Kräutergarten, ein angenehmes Ambiente. Star der Ausstellung: Die Rose von Damaskus.

Damit verlassen wir die Région Ile-de-France und setzen unsere Fahrt an den Antlantik fort.

Templer in der Charente, Teil 2

Dieses Jahr war dort aber eher Ruhe angesagt. Schließlich war es der Familienurlaub. Jedoch habe ich es nicht lassen können, einige Templerorte, die ich im letzten Jahr noch nicht kannte oder aus Zeitmangel nicht erreichen konnte, aufzuspüren. Etwa auf der Fahrt von unserer Bleibe bei Saintes (Dept. 17 Charente-Maritime) nach Bordeaux.

Kurz hinter der Grenze zum Dept. 33 Gironde befindet sich die Templerkomturei Magrigne. Im Ort selbst gab es einen Ortsteil „Le Temple“, dort war aber nichts mehr zu sehen. Etwas später fanden wir die Kapelle und hatten grosses Glück: Sie war offen! Davor hatte sich eine Familie zum Picknick niedergelassen. Ein Herr stellte sich als der Präsident eines archäologischen Vereines der Gegend vor und ließ es sich nicht nehmen, uns eine perfekte Führung angedeihen zu lassen. Noch nie habe ich vor Ort so viel brauchbare Detailinformationen erhalten.

chapelle Ste. Quitterie33240 Magrigne, Dept. 33 Gironde, Aquitaine

Drei Fenster im Chor. Wie üblich bei den Templern. Zwar haben natürlich auch viele anderen Kapellen drei Fenster. Bei den Templern aber fast immer. Im Inneren ein weiteres Zahlenspiel. An den Wänden finden sich dort original erhaltene Kreuze aus der Templerzeit. Und zwar 12 Stück, nach der Anzahl der Apostel, sagte der Archäologe.

Unter der Kirche befinde sich ein Bächlein (Ruisseau), meinte unser Führer. In der Tat sind die Wände sehr feucht. Einige hundert Gräber habe man unter der Kirche gefunden.  Draussen vor der Kapelle liegen Steinsärge und Sargdeckel herum.

Hier einer der „Fleischfresser“ = Sarkophagen aus dem 12. Jh.:

Die Gräber haben eine Besonderheit. Über der Aussparung jeweils rechten Schulter des Verstorbenen hat man jeweils ein Rundes Loch gebohrt. Um dort eine Trinkflasche für den Weg ins Jenseits zu positionieren, – sagte unser kompetenter Führer  – und das auch noch im 12. Jahrhundert!!! Ein tausend Jahre vergangener Heidenbrauch lebte hier fort!

Schon oft habe ich mich auf Templerreisen, besonders im Westen Frankreichs, gefragt, was in der Mitte der Kapellenhöhe diese herauskragenden Steine sollen, von denen ich Dutzende von Beispielen anführen könnte. Man sieht sie auch auf meinen Bildern vom letzten Jahr. “ Unser Chefarchäologe“ eröffnete mir eine plausible Erklärung.

Nach den Forschungen seiner Gesellschaft seien  diese Kragsteine  Relikte eines umlaufenden Wachganges (Remparts) aus Holz. Ein Balken lag in den Kuhlen der Steine. Auf diesem nagelte man Bretter, die waagerecht von der Kirche aus abstanden. Diese waren wiederum unterfüttert mit einem Aussenbalken, der mit einem 45° Grad Stützholz zur Fassade abgestützt war. Auf diesem Gang wurden entweder Wachen postiert. Oder man erweckte damit den Schein einer besonderen Überwachung für die Pilger, damit sie Vertrauen fassten (und für ihre Übernachtung bei den Templern mehr zahlten, das letztere ist jetzt nur böse Interpretation von mir.)

Fakt ist: Diese Kapelle steht auf dem schon damals vorhandenen Landweg von Blaye nach Bordeaux, nur wenige Meter westlich von ihr ist die Strasse, östlich von ihr ein schiffbarer Fluß, der Moron, eine strategisch wichtige Station auf dem Weg nach Bordeaux. Diese Kapelle ist alo eine vertrauensbildende Maßnahme, würde man heute sagen.

Ich war letztes Jahr den Beweis noch schuldig geblieben, ob die „Templerstrasse“ von Limoges tatsächlich bis La Rochelle weitergeht, oder aber in Saintes endet:

Sie geht weiter. Von Saintes nordwestlich Richtung La Rochelle ist der nächste Templerort Le Mung, urkundlich erwähnt. Man kennt die Geständnisse zweier Tempelritter aus Le Mung. In dem Ort gibt es eine Kapelle aus dem 12 Jahrhundert. Diese ist nach Anne-Marie Legras,  ( Les Commanderies des Templiers et des Hospitaliers de Saint-Jean de Jérusalem en Saintonge et en Aunis, Editions du CNRS, Paris 1983) nicht im Besitz der Templer gewesen, aber auf ihrem Friedhof befinden sich Sargdeckel von Templergräbern:

Kurioserweise wurden diese Gräber im neunzehnten Jahrhundert neu belegt und mit modernen Inschriften versehen. Die Templerkapelle liegt ausserhalb und ist stark verfallen. Ich habe sie bis dahin leider noch nicht gefunden.

Das gelang mir erst im April 2011

Die Strasse von Saintes führt dann über Thairé und Châtelaillon nach La Rochelle.

Von Saintes führen in südwestlicher Richtung zwei weitere Templer-Strassen an die Küste, genauer gesagt, an das rechte Ufer der Gironde. Es handelt sich dabei gewiss um die Fortsetzung des Pilgerweges von Poitiers über Bordeaux zur spanischen Grenze. Die nördliche dieser beiden Strecken passiert die Templerorte Villeneuve und le Breuil nach Royan, einer recht grossen Hafenstadt an der engsten Stelle der Gironde. Hier wird es im Mittelalter eine Fährverbindung hinüber zum Médoc gegeben ghaben. Die südlichere Strecke führt durch die Gemeinde Rétaud (vermutlich ebenfalls ein Templerort, keine gesicherten Spuren) und die Gemeinde Meursac nach Beloir, dem letzten Templerort vor der Gironde.

Die wichtigste commanderie der Templer in diesem Abschnitt befand sich in dem Ort les Epaux auf dem Gebiet der Gemeinde Meursac. Von hier aus wurden alle übrigen Einrichtungen der Gegend kontrolliert.

commanderie templiére,  17120 Les Epeaux

Im Hintergrund sieht man die erstaunlich gut erhaltenen Reste des logis des Kommandeurs. Das ist eine Rarität. Im Vordergrund das Brunnengebäude. An dem Gebäude werden seit Jahren Arbeiten vorgenommen, vermutlich durch den privaten Grundstückseigentümer.

Foto: Reinhold Denich

Die zu vermutende nördlichere Strecke war schwieriger zu verifizieren. Es sollen sich dort 3 weitere Templerhäuser, zumeist commanderies befunden haben: Villeneuve, Retaud, und eine commanderie auf dem Gebiet der Stadt Saujon. Ein Villeneuve fand sich als Teil des Ortes 17600 Saint-Romain de Benet, ein Pilgerort mit wunderschöner romanischer Kirche. In Villeneuve gabs aber nichts zu sehen. Hätten wir nicht eine superhoch aufgelöste Wanderkarte von der Gegend, wären wir unverrichteter Dinge wieder abgefahren. Was in keinem Buch stand: Die Templerei befand sich weit ausserhalb der Orte. Ca. 1 km östlich von Villeneuve entdeckten wir einen chemin de la Chapelle. Das klang doch ganz gut. Wir trafen dort auf einen grossen Herrensitz aus der Zeit nach der Revolution. Ich verzichtete darauf, das Herrenhaus zu fotografieren, denn es ist bewohnt.

commanderie 17600 Villeneuve

Der Grundstückseigentümer empfing uns ausserordentlich freundlich. Anhand der beiden Bücher, die wir in den Händen hielten, erkannte er in uns besonders interessiertes Publikum und er schien froh über die Gelegenheit zu sein, uns die Geheimnisse seines Anwesens zu erläutern und bat uns hinein. Aus der Zeit der Templer gab es indes nicht mehr viel zu sehen, nur eine Mauer, die das Herrenhaus von einer früheren Scheune trennte, stammt aus dem Mittelalter.

Der Eigentümer vermutet, dass die Kapelle der commanderie, die der Strasse ihren Namen gab, sich an der Stelle des jetzt als Garage genutzten Gebäudes befunden haben wird:

  

Die nächste Station soll in Saujon sein. Von den Rittern fanden wir in dem Städtchen selbst bisher keine Spur. Nach unseren Quellen suchten wir den Gemeindeteil Le-Breuil-du-Pas. Das alte Brolio in Passu wurde mitten in Marschland und Unterholz errichtet, typisch für die Templer, denen man häufig Gelände gab, was erst trocken gelegt werden mußte. Es fand sich dort eine Ansammlung einiger älterer Häuser, aber nichts besonderes. Ein kleines Hinweisschild zeigte den Weg nach einem Gehöft des Namens „l’Hopitau“. Ein Zufallsfund, sonst wären wir unverrichteter Dinge abgefahren. Dort fand sich ein landwirtschaftliches Herrschaftsanwesen, der Grösse nach kann es gut eine Commanderie gewesen sein. Die Gebäude sind neu, aber im Bildhintergrund links kann man wohl die grange, die Scheune der Templer erkennen.

commanderie l’Hopitau, 17600 Le Breuil-du-Pas

Der Rest des Urlaubs wurde der Familie und der Erholung gewidmet, aber auf der Rückreise machten wir wieder einen Pausenstopp kurz vor den Toren von Paris.

Templer in der Région Centre

Zwei Wochen später machten wir uns – gut erholt – auf den Rückweg. Wieder war eine Destination kurz vor Paris das Etappenziel. Die Gegend heißt diesmal aber nicht Brie, sondern ganz anders, nämlich Braye. Wir befinden uns südwestlich von Paris in dem Dreieck Le Mans, Chateaudun und Vendôme. Das ist im Departement 41 Loir-et-Cher und in der Région Centre. Die Commanderie 41170 Arville kenne ich aus Büchern und Zeitschriften schon seit Beginn meiner Templerstudien in 2005.

Von Régine Pernoud stammt die heimtückisch geschickt formulierte Lobhudelei: „Gegründet durch die Templer zu Beginn des 12 Jh., verblieb die Commanderie von Arville, durch die Bedeutung der existierenden Gebäude, ein einzigartiges Ensemble und die am besten erhaltene Commanderie von Frankreich“ (Le Point, No. 1717, 11.08.2005).

Im gleichen Magazin wird die berühmte Mediävistin gleich für ihr fast bösartiges Wortspiel gescholten. Natürlich ist die Commanderie von den Templern gegründet worden. Aber die Gebäude, die jährlich von 15.000 Besuchern angestaunt werden, stammen zumeist aus dem 15. oder 16. Jahrhundert, sind allerdings, wen wunderts, tatsächlich recht gut erhalten. Und sehr komplett.Vorher gab es aber noch etwas anderes zu entdecken. Das Navi hatte mich bei Vendôme auf die Landstrassen gezogen. Ich wußte zwar, dass es auch in Mondoubleau noch Templer gegeben haben soll, wollte aber meine Mitreisenden nicht überstrapazieren. Allerdings brachte ein anderes Ortsschild meine Bremsen fast automatisch zum Quietschen. Sieben Kilometer vor Mondoubleau hieß ein Ort „Le Temple“. Gleich links von der Landstrasse ein mir von Fotos recht gut bekanntes Gebäude:

41170 Le Temple – Mondoubleau

Das hier ist die Ansicht von Südwesten. Einige Gebäude in dem unmittelbar angrenzenden landwirtschaftlichen Gehöft „propriété privée“ könnten noch aus der Templerzeit stammen, aber nur wenig. Man ahnt aber die herausragende Bedeutung dieser Einrichtung, der zahlreiche Weiler aus der Umgebung zinspflichtig waren. Nach der örtlichen Homepage werden die Äcker der Gegend durch einen künstlichen See versorgt, den die Templer gegraben haben.

Seen, Tümpel, Kanäle und Souterrains graben, Sümpfe entwässern. Das können sie, die Tümpler des armen Ordens der Maulwürfe.

18 Kilometer – eine Tagesetappe für Lastfuhrwerke oder zu Fuß – in NNO-Richtung, auf Paris, kommt sie nun, die ersehnte „besterhaltene Templerkomturei von Frankreich“:

Commanderie 41170 Arville, Departement 41 Loir-et-Cher, Centre

Die beiden ältesten Gebäude aus der Templerzeit:

Die Kirche und der Turm. Das Gebäude links, die ehemaliger Presbyterie (Pfarrhaus) stammt aus der Zeit nach der Revolution. Dort sitzt heute die Mairie (bürgermeisteramt) von Arville, einer der drei Eigentümer des Komtureigeländes.

Ein Templerkreuz in der Apsis der Kirche:

Das Hauptportal der Commanderie. Die Kirche hat ihren Eingang ausserhalb. Sie durfte auch von den Pfarreimitgliedern besucht werden:

Die Templerkirche in der Totale vom Commanderie-Gelände aus:

Auch diese Commanderie hat ein perfektes Taubenhaus, sogar noch viel größer als das in Coulommiers:

Die Innenseite des Taubenturms. Hier war Platz für 2.000 Tiere.

Man weiß, dass Brieftauben am Tag bis 1.000 Kilometer weit kommen und dass jede Taube nur eine einzige Destination anfliegen kann, nämlich ihren Geburtsort. Sie sitzt geduldig in ihrer Poststation – wo immer die auch sei – und wartet, bis man sie irgendwann einmal loslässt. Dann spult sie ihr Programm ab und fliegt heim.

Es wäre wirklich verlockend, anzunehmen, dass hier in diesem Taubenschlag die Zentrale des gesamten Templerordens für Eilnachrichten untergebracht gewesen wäre. Für jede Commanderie eine Taube. Auf einen Schlag losgelassen könnte der gesamte Orden – in Frankreich und seinen Grenzgebieten – innerhalb eines Tages über irgend eine wichtige Änderung unterrichtet worden sein.

Aber: keine Beweise. Weder hier, noch anderswo. Kein Hinweis der Museumsverwaltung. Auch nicht in der Literatur.

Ausserdem ist der Turm hier wohl nicht aus der Templerzeit. Aber: Viele Templer-Commanderien haben Taubentürme, und dass man die speziellen Eigenschaften von Tauben im Mittelalter kannte, ist sicher. Es gibt Geschichten, dass die Kriegsparteien im Orient regelrecht Nachrichten abgefangen und ausgetauscht haben, um Schlachten zu gewinnen.

Mit diesem Abstecher kurz vor den Toren von Paris endete unsere schöne und sehr erholsame Urlaubsreise. Etwas Kultur darf auf Reisen schon sein, aber nicht zuviel, bitte! Zeit für gutes Essen und Trinken, sowie „Abhängen“ am Strand oder am Pool muß auch sein, sonst können einem die Templer auch mal ganz schön auf den Zeiger gehen.